Von dem Konzept des Grindhouse-Features mit seinem Freund und Kollegen Robert Rodriguez ist hierzulande nicht mehr wirklich viel übrig geblieben. In den Staaten lief Death Proof zusammen mit Rodriguez’ Planet Terror unterbrochen von einigen Fake-Trailern in den Kinos an. Die gedachte Hommage an die Grindhouses der 70er Jahre in denen billige B-Movies mit expliziter Darstellung von Gewalt und Sex liefen, fiel jedoch an den Kinokassen durch. Da Grindhouses ein amerikanisches Phänomen waren, ist es durchaus sinnvoll die beiden Filme hierzulande getrennt und jeweils rund 20 Minuten länger in die Kinos zu bringen.
Aber nun zum Film an sich, die Handlung ist schnell erzählt: In einer Bar treffen die vier feierwilligen Mädels Jungle Julia, Butterfly, Shanna und Pam auf Stuntman Mike. Dieser ist ein Serienkiller der mit seinem Auto, einem Dodge Charger welcher „Death proofed“ ist (Natürlich nur für den Fahrer), Jagd auf junge Frauen macht. Der Abend geht für die 4 Mädels somit anders aus als vorgesehen. Einige Monate später legt sich Stuntman Mike mit der taffen Stuntwoman Zoe und deren Freundinnen Kim, Abernathy und Lee an, doch diesmal wird relativ schnell deutlich das sich Mike die 4 falschen Mädels ausgesucht haben könnte….
Death Proof ist, wie bereits erwähnt, vordergründig eine Hommage an die Exploitation Filme der 70er Jahre. Tarantino setzt diesen Streifen ein filmisches Denkmal indem er diese Filme kopiert und zitiert. Die Aneinanderreihung von Zitaten wird schon zu Beginn des Filmes, als sich Jungle Julia in exakt derselben Pose auf dem Sofa räkelt wie die über ihr auf einem Poster dargestellte Bridget Bardot, deutlich. Auch "handwerklich" macht Tarantino die Anlehnung an das Grindhouse deutlich, indem der erste Teil des Films durchzogen ist von gewollten Anschlussfehlern und Fehlern im Bild Zweifelsohne eine weitere Remineszens an die Grindhoueses, die sich vor allem auch durch schlechte Filmkopien auszeichneten. Die vielen Zitate und Anspielungen, zum Einen aus den Slasher-Streifen der 70er, als auch aus seinen eigenen Filmen machen einen großen Teil des Charmes des Filmes aus.
Neben dieser Hommage an die Grindhouses steht vor allem aber auch die Hommage an die Frau, das wahre starke Geschlecht (?), im Vordergrund; auch wenn dies zu Beginn des Films nicht gerade offensichtlich erscheint. Tarantino gefällt sich darin dem Zuschauer die Girlies mit all ihren Vorzügen genussvoll in Szene zu setzen. Aber auch wenn der Plot somit visuell sexuell aufgeladen wird, und vor allem auch über Sex geredet wird, kommt es an keiner Stelle zum sexuellen Akt an sich. Death Proof ist somit das längste „filmische Vorspiel“ aller Zeiten, erst das Ende Film lässt dieses Vorspiel in seinen finalen Höhepunkt münden.
Typisch für Tarantinos Filme sind die Dialoge, die, obwohl sie scheinbar nichts aussagen, sogar überflüssig erscheinen (Was natürlich nicht der Fall ist), zu unterhalten und zu faszinieren wissen. Man denke an dieser Stelle an die Unterhaltung Travoltas und Jacksons über den BigMac in Pulp Fiction, oder auch an die Madonna-Speech zu Beginn von Reservoir Dogs. Auch Death Proof enthält derartige Sequenzen, so etwa zu Beginn des Filmes, als sich Jungle Julia, Butterfly und Shanna scheinbar nichts sagend über die amourösen Abenteuer der letzen Nacht unterhalten („Stehn die Kerle auf Das?“ – „Deutlich mehr als auf: Lass Das!“) Auch in der Mitte des Filmes findet sich eine solche Episode als sich die zweite Gruppe von Frauen über Alltägliches unterhält und der Zuschauer diesen gebannt an den Lippen hängt, visuell von Tarantino hervorragend verdeutlicht indem er die Kamera minutenlang um die Mädels herumkreisen lässt. Tarantino versucht in diesen Sequenzen einzufangen über was und wie Frauen reden, wenn sie unter sich sind. Er inszeniert dies in einer Weise, dass man(n) geneigt ist gerne zuzuhören.
Ein weiteres Stilmittel, welches sich bei fast jedem Tarantino-Film findet, ist die explizite Gewaltdarstellung. Diese ist in ihrer Form drastisch ist und entlarvt gleichzeitig den Voyeurismus des Zuschauers: Der Zuschauer will den Crash, und wenn es dann soweit ist und er zurück möchte, ist es zu spät.
Der Film an sich besteht in Wahrheit aus zwei Teilen. Zu Beginn schlägt er den Pfad eines reinrassigen Slasher-Films ein. Die Protagonisten werden langsam und ausführlich vorgestellt Schnell scheint klar, dass keiner der Mädels die Nacht überleben wird. Die Rolle des Stuntman Mike wird hervorragend verkörpert von Kurt Russel, der es versteht diesen Psychopathen auf endcoole Art und Weise darzustellen. Einer der stärksten Momente von Death Proof besteht in der Szene in der sich die Figur Kurt Russels dem Kinopublikum zuwendet und sich in einem Moment der sprachlosen Kommunikation an den Zuschauer wendet. Eine ähnliche Szene hatte Russel schon in Carpenter’s Klapperschlange auf den Leib geschrieben bekommen.
Der zweite Teil des Film, der auch zeitlich einige Monate und an anderer Stelle spielt, drehen sich die Vorzeichen komplett. Aus dem Jäger wird nun der Gejagte, aus dem endcoolen Psychopathen, wird ein weinerlicher Jammerlappen. Dies resultiert darin das das selbsternannte Starke Geschlecht gehörig „eins auf die Schnauze bekommt“. Die zweite Gruppe wird somit zum Rächer für die Erste, die Stuntman Mike auf äußerst memorable Art ins Jenseits befördert hat.
Aber was wäre ein Film Tarantinos ohne den dazugehörigen Soundtrack. Dazu viele Worte zu verlieren ist nicht nötig. Er ist einfach perfekt, macht Spaß und passt sich in das Konzept des Filmes hervorragend ein.
„Death Proof“ ist somit genau das, was man von einem Tarantino-Film erwarten darf. Tarantino steht dafür sich in seinen Werken von den Konventionen Hollywoods abzugrenzen. Filme von Quentin Tarantino sind immer mehr als die reine Handlung an sich, wer hinter die Fassade blickt, die vielen Zitate und Anspielungen registriert, hat eindeutig mehr von dem Film. Eines jedoch will „Death Proof“ auf keinen Fall sein: Ein Actionfeuerwerk moderner Macharbeit. Handwerkliche Action und ausgefeilte Dialoge gehen bei Tarantino Hand in Hand. in diesem Film dominiert Letzteres, bis es im letzten Abschnitt zum großen Showdown kommt. Darüber muss man sich im klaren Sein, oder man wird enttäuscht. Auch für diesen Film gilt somit: „Love it, or hate it!“ ------ "I Love it!"
Quellennachweis: Screenshot aus "Death Proof". © Dimension Films, Rodriguez International Pictures, Troublemaker Studios, Weinstein Company







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