Rezension zu "Flags of our fathers" und "Letters from Iwo Jima"

"Flags of our fathers"

In den USA blieb das Einspielergebnis des Films weit hinter den Erwartungen zurück, in dieser Hinsicht ist er also gefloppt. Nachdem ich den Film geshehen habe, vermag mich das nicht zu verwundern. In "Flags of our fathers" geht es nicht in erster Linie um die Demaskierung des Mythos vom "heldenhaftem" amerikanischen Soldaten, so meisterhaft geschehen in Kubricks "Full Metal Jacket" und Stones "Platoon", sondern um die Demaskierung eines amerikanischen Mythos: Dem Hissen der amerikanischen Flagge auf dem Hügel von Iwo-Jima.

Dieser Ansatz allein macht noch lange keinen guten Film, jedoch kommt an dieser Stelle die meisterhafte Regie Clint Eastwoods ins Spiel. Ihm gelingt es eine Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer mühelos zwei Stunden in den Bann zieht. Getragen wird der Film von den in ständigen Zeitsprüngen erzählte Lebensgeschichten dreier GIs, die bei der Invasion Iwo Jimas beteiligt waren, und den zweiten Sternenbanner auf dem Hügel hissten. In Folge dieser Aktion werden die drei in die USA zurückbeordert und als "amerikanische Helden" auf eine Werbetour geschickt.


Die ständigen Zeitsprünge, die Eastwood verwendet, führen zum Ziel. Der Vorwurf diese würden denZuschauer verwirren ist unverständlich. Dem Zuschauer wird die teilweise völlig absurd wirkende Werbetour in Amerika vor Augen geführt, immer wieder unterbrochen von beeindruckenden, ausgewaschenen Bilder der Invasion, die in schonungsloser Brutalität gezeigt werden. Dies ist auch keine Effekthascherei, sondern nötig um sich in die drei Soldaten hereinversetzen zu können. Folglich kommen auch nicht alle der drei mit dem Erlebten zurecht.Das Eastwood aber auch subtil sein kann beweist er vor allem in einer Szene: Das Bild der Erdbeersoße, welches sich wie Blut auf das Vanilleeis in Form des berühmten Denkmals ergießt, ist ebenso simpel wie genial.


Die Botschaft des Films ist vielschichtig: Die drei Hauptprotagonisten sind keine Helden (Sie sehen sich selber nicht als Helden), sie werden vom Staat dazu gemacht, in einer Zeit in der die Bevölkerung und der Staat Helden braucht. Und dieser Held kann auch plötzlich ein Indianer sein, trotz der Rassen-Diskriminering in Amerika, welche in diesem Film auch thematisiert wird. Folgerichtig werden diese Helden auch ebenso schnell wieder fallengelassen, wenn man sie nicht mehr braucht.


"Ein Foto kann über Sieg und Niederlage entscheiden", heißt es am Anfang des Films. Eastwood macht eindrucksvoll deutlich, dass es dabei völlig unerheblich ist, ob dieses Foto echt oder unecht ist. Es geht einzig und allein darum, was die Menschen in diesem Foto sehen wollen. Gerade in unserer von den Medien dominierten Welt ist dies ein zeitloses Thema.


In einem Aspekt ist der Film jedoch zu eindimensional: Die Japaner werden als unmenschliche, gesichtslose Masse dargestellt. Ein Aspekt welcher der Intention Eastwoods zwei Filme zu drehen, jweils aus amerikanischer und japanischer Sicht, geschuldet ist. Dies führt dazu das dieser Film in seiner Eigenständigkeit Schwierigkeiten hat, er kann nicht ohne den zweiten Teil gesehen werden. Da aber wohl jeder, der "Flags" gesehen hat, auch Letters gesehen hat (hoffe ich wenigstens), ist dieser Kritikpunkt zu vernachläsigen.



"Letters from Iwo Jima"

Nach "Flags of our Fathers" durfte man gespannt sein, welchen Ansatz Eastwood im zweiten Film wählen würde. Ging es im "Flags" noch um die Demaskierung eines amerikanischen Mythos, so stehen in "Letters from Iwo Jima" wieder das Schicksaal einzelner Soldaten im Vordergrund.


Die Geschichte des Films basiert auf Briefen, welche nach dem Krieg auf der Insel gefunden wurden sind. Die Japaner erwarten, numerisch und technisch weit unterlegen, den Angriff der Amerikaner. Zu Beginn des Films werden die einzelnen Charaktere vorgestellt. Mit Hilfe kurzer Rückblenden führt Eastwood in die einzelnen Personen ein, und erreicht somit, das der Zuschauer eine emotionale Bindung mit den einzelnen Figuren eingeht.


Unter diesen ist beispielsweise der junge Bäcker Saigo, welcher unbedingt überleben und zu seiner Frau zurückkehren möchte. Herauszuheben ist unter anderem die schauspielerische Leistung von Ken Watanbe, der den Oberbefehlshaber Kurubayashi spielt. Diesem kommt die Aufgabe zu die Insel zu verteidigen, und seine Männer zu motivieren, wohl wissend, dass sie und er diese Insel nicht lebend verlassen werden.


Der Film ist in seinen Aussagen überaus vielfältig, und greift in seiner Wirkung auf "Flags" zurück: Sah man die Schlacht im ersten Teil aus Sicht der Amerikaner, so bekommt man nun zum Teil die selben verwaschenen, ausgebleichten Bilder, nur eben aus anderer Perspektive, zu sehen.

Eastwood gelingt es ein weiteres Mal die Sinnlosigkeit des Krieges zu verdeutlichen. Die Szenen in denen sich japanische Soldaten selbst in die Luft sprengen, um der Gefangenschaft zu entgehen, sind von ungeherurer emotionaler Intensität, und gleichzeitig ein Versuch die japanische Mentalität im zweiten Weltkrieg zu verdeutlichen.

Untermalt wird der Film von einer ruhigen, melancholischen Musik, welche viel zur Atmosphäre beiträgt. Zu dieser trägt auch die Entscheidung Eastwoods den Film ausschließlich auf japanisch zu drehen einen großen Teil bei. Diese Entscheidung wurde jedoch vom DVD-Verleih sozusagen unterlaufen. Neben der japanischen Tonspur findet sich auf der DVD auch eine Deutsche. Ich empfehle ausdrücklich den Film auf japanisch zu sehen. Auf Grund der Unterschiedlichkeit der Sprachen verliert der Film massiv in der Synchronisation...


Neben den Greul des Krieges macht der Film aber vor allem eines deutlich: Die einzelnen japanischen und amerikanischen Soldaten unterscheiden sich in ihren Ängsten und Sehnsüchten kaum von einander. Dies wird auch an der Rolle des Generals Kurubayashi verdeutlicht, welcher seit einem Besuch in Amerika das Land sehr liebgewonnen hat, und nun gezwungen ist gegen dieses zu kämpfen.


Neben den Schrecknissen des Krieges gibt es allerdings auch Momente der Hoffnung, zum Beispiel dann wenn japanische Soldaten sich um einen verletzten GI kümmern. Eastwood schreckt aber auch in diesem Teil nicht davor zurück "unliebsame" Probleme aufzuzeigen. Kamen im ersten Teil noch die Japaner als brutale und grausame Maße rüber, so zeigt er in diesem Teil konsequenterweise auch die Erschießung japanischer Kiregsgefangener durch amerikanische GIs, welche die Gefangenen als Ballast empfinden.


Auch dieser Film kann somit nicht alleine bestehen. Sowohl "Flags" als auch "Letters" brauchen einander. Mir persönlich hat "Letters from Iwo Jima" noch einen Tick besser gefallen, auf Grund der Tastsache das er auf Grund seines Ansatzes die Schicksaale einzelner Soldaten zu beleuchten, weitaus emotionaler als "Flags" wirkt.



Fazit

Insgesamt bleibt somit festzuhalten, dass sich beide Filme zu einem großartigen Ganzen fügen. Wer "A" sagt, muss auch "B" sagen. Eastwood hat hat das beherzigt, und mit seinen beiden Filmen aus amerikanischer und japanischer Sicht einen Meilenstein des Anti-Kriegsfilm abgeliefert. Chapeaux Mr. Eastwood!




Quellennachweis: Screenshot aus "Flags of our Fathers & Letters from Iwo Jima". © DreamWorks SKG, Warner Bros. Pictures, Amblin Entertainment, Malpaso Productions


2 Kommentare:

The-Duke hat gesagt…

Na da stimme ich dir doch mal absolut zu. Alle deine Punkte kann ich ohne mit der Wimper zu zucken ebenso vertreten, wie, dass du "Letters" besser empfunden hast als "Flags". Auch ich empfand diese vermehrt emotionale Eben intensiver und eindrücklicher als die Geschichsstunde in Flags, die, obwohl sehr lehrreich, wohl eher an die Amerikaner adressiert ist. Und wer "Letters" auf Deutsch anguckt, der hat nicht im geringsten verstanden, was Eastwood mit diesem Film/Filmen überhaupt ausdrücken bzw. erreichen wollte. Ich für meinen Teil sehe die beiden Werke eher als einen Film. Als einen der besten Anti-Kriegs-Filme aller zeiten. :-)

C.H. hat gesagt…

Ja, ich habe auch wirklich noch keinen getroffen, der "Flags" besser empfunden hat als "Letters". Da waren wir uns sofort nach dem Kino-Besuch einig.

Leider haben die Amerikaner "Flags" ja nicht zu würdigen gewusst. Aber das war zu erwarten. Sobald jmd. an ihren Mythen kratzt, bekommen die Amis schlechte Laune ;-)

Und es ist genau das, was du auch eben kurz angesprochen hast: Die Miteinbeziehung beider Perspektiven macht dieses Projekt von Eastwood so ungemein wertvoll...

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