Ich bin kein großer Freund von Videospiel-Verfilmungen. Das hat seinen berechtigten Grund. Diese sind in vielen Fällen, nun wie soll ich sagen: äußerst mittelmäßig (Wenn man Glück hat). Angetreten die Fans der jeweiligen Spiele in die Kinos zu locken, ist deren stärkstes Argument noch Optik und Atmosphäre (wenn man Glück hat). Handlung? Nicht vorhanden. Ist ja schließlich auch nicht wichtig, den zum Glück ist der männliche Zuschauer (anvisierte Zielgruppe) berechenbar: Man würze die verfilmte Computer Handlung mit den richtigen Akteuren a la Milla Jovovich ("Resident Evil" – Wenig Handlung) oder Angelina Jolie ("Tomb Raider" – Noch weniger Handlung) und das Rezept geht auf. Bei mir funktioniert diese Gleichung schließlich auch: Sehe ich die Jolie brauche ich auch keine Handlung mehr. Naja, lassen wir das....
Warum ich das eigentlich schreibe? Vor 2 Tagen wurde mir die DVD von "Silent Hill" in die Hand gedrückt, mit der Aufforderung ich solle mir den doch mal ansehen. Natürlich hatte ich vorher keinen Plan worum es in "Silent Hill" geht, habe das Spiel nie gespielt. Also erst mal im Netz bei dem Lexikon, welches vor kurzem den Brockhaus deprimiert zurückgelassen hat, recherchiert. Ergebnis: Das volle Programm. Zombies, Monster, Hölle, dazu verschiedene Dimensionen. Toll, Hölle ist immer gut!
Dementsprechend gerüstet machte ich mich dran die DVD einzulegen, worauf hin ich feststellen musste das ich mir die Recherche hätte sparen können. Der Verleih scheint seinem Klientel auch nicht so recht zu trauen, und hat dem uninformierten Konsumenten von nebenan gleich noch einige Hinweise ins Booklet geschrieben: „Man solle doch auf die 4 Dimension achten, in denen der Film spielt“ Wird gemacht Chef!
Eines bereitete mir jedoch doch ein wenig Sorge, Zitat: „Ich hatte Angst“ (Sorry, Insider): Weder auf dem Cover, noch im Booklet ist eine Frau in bemerkenswert knappem, körperbetonten Outfit zu sehen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Film-Adaption von Silent Hill braucht zwingend eine gute Story um mich zu überzeugen.
Im übrigen bespreche ich hier den Film. Sollte mir Musik, Optik, etc. nicht gefallen lasse ich auch nicht das Argument gelten das das so sein müsse, weil es im Spiel so ist. Das könnte ich auch gar nicht beurteilen, denn, wie gesagt, ich kenne die Spiele nicht. Also: Spiel ist Spiel und Film ist Film und muss als solcher eigenständig bestehen können. Alle Klarheiten beseitigt? Dann kann es ja nun mit dem Film los gehen.
Der Inhalt ist eigentlich recht schnell wiedergegeben: Adoptiv-Tochter Sharon ist ständig am schlafwandeln und phantasiert dabei von einem Ort namens Silent Hill. Mutter Rose findet das nicht ganz so lustig, und entschließt sich mit ihrer Tochter eine Spritztour nach Silent Hill zu unternehmen. Blöderweise ist die Stadt auf Grund eines großen Brands verlassen, der Zugang untersagt. Mit Erreichen der Stadt werden sie in einen Unfall verwickelt. Als Rose wieder aufwacht ist Sharon verschwunden und Rose macht sich, surprise, surprise, auf die Suche nach ihrer Tochter. Zu allem Überfluss ist nun der ganze Ort nebelverhangen und es regnet ständig Asche. Der Wohlfühlfaktor hält sich somit doch stark in Grenzen. Ab und an wird es auch mal ganz dunkel, dann geht der Spaß erst richtig los: Eklige Monster irren durch die Stadt und trachten der guten Rose nach Leib und Leben. Urlaub sieht anders aus. In der Zwischenzeit macht sich Ehemann Chris auf die Suche nach Frau und Tochter. In Silent Hill angekommen findet er zwar das Auto, doch seine Familie scheint vom Erdboden verschwunden. Dumm gelaufen, aber wie manche Leute zu sagen pflegen: „Das Leben ist kein Ponyhof.“
So viel zum Inhalt. Jedes Wort mehr würde dem ansatzweise vorhandenen Spaß beim Sehen dem Rest geben. Ach ja: Die Hinweise im Booklet waren unnötig. Es dürfte sowieso jedem schnell klar sein wie der Hase läuft. Und: Die Frau im bemerkenswert knappen, körperbetonten Outfit gibt es wirklich nicht. Ein echtes Problem für den Film kann ich nur sagen, denn die Story ist, wie soll ich sagen, eher mau. Aber ich möchte nicht vorgreifen.
Der Beginn des Films gestaltet sich von daher durchaus vielversprechend. Die ersten Szenen bei Tag werden bei strahlendem Sonnenlicht in Szene gesetzt, das ganze Bild hat eine solche farbliche Kraft das es schon übersättigt wirkt. Ein cleverer Schachzug, da diese Dimension im Folgenden hervorragend mit der nebligen Dimension von Roses Silent Hill kontrastiert. Eindeutig gelungen ist auch die Inszenierung des fließenden Übergangs von nebliger und schwarzer Dimension. Optisch und Atmosphärisch kann der Film somit Punkte sammeln.
Das große Problem ist: Er macht daraus zu wenig. Die neblige Szenerie, das Verwischen der Konturen bietet alle Möglichkeiten eines konsequenten Spannungsaufbaus. Seine stärksten Momente hat der Film zweifelsfrei in den Momenten wo dieser Weg beschritten wird. Sobald die Story in die dunkle Dimension abgleitet wird es jedoch haarig. Immer dann wenn die Monster auftauchen hat sich das mit der Spannung erledigt. Rose schreit – Monster kommt näher – Rose schreit. Toll! Und ganz ehrlich: Für mich sahen diese größtenteils einfach nur lächerlich aus (Ist das im Spiel eigentlich auch so?). Zugegebenermaßen gilt das nur für die „normalen“ Viecher. Der Dämon in Mädchengestalt ist hervorragend dargestellt.
Kommen wir nun zur musikalischen Untermalung. Die ist im Großen und Ganzen gelungen, einmal wird es sogar fast subtil. Nach dem Rose nach ihrer ersten Bekanntschaft mit den Lava- Kreaturen wieder zu sich kommt ertönt aus einer Jukebox Cash's „Ring of fire“. Leider unterbindet auch der Score mit schöner Regelmäßigkeit jegliches Aufkommen von Spannung: Trommelschlag, Trommelschlag, TROMMELSCHLAG – Jetzt passiert bestimmt gleich was. Hach, es ist tatsächlich passiert, welch Überraschung!
Von den Schauspielern wird, wie erwartet, nicht viel verlangt. Sean Bean ist mit der Rolle des Chris ganz klar unterfordert. Rahda Mitchell spielt solide. Jodelle Ferland erfüllt ihre Doppelrolle hingegen erfreulicherweise wirklich mit Leben.
„Silent Hill“ beginnt stark, fällt aber auch genauso stark ab. Je näher der Zuschauer der Auflösung kommt, desto schwächer wird auch der Film. Spannung ist nur Ansatzweise vorhanden, gerade der Mittelteil weist arge Längen auf. Dies ist eindeutig den inszenatorischen Schwächen des Regisseurs geschuldet. Das ist wirklich bedauerlich, da der Ansatz der Story mehr Potential bietet. Auch scheint Christophe Gans kein Freund von Subtilität zu sein. Gegen Ende des Films wird noch eine schöne Sauerei veranstaltet. Ja gut, warum nicht? Ich hätte das ein wenig eleganter gemacht, aber naja....
Fazit des Ganzen: "Silent Hill" ist keine Katastrophe, man kann sich den Film durchaus ansehen. Man kann es allerdings auch genauso gut bleiben lassen. Gerettet hat den Film die stellenweise gelungene Optik und die Atmosphäre, der Plot ist leider zu simpel um den Film 2 Stunden zu tragen, und das merkt man auch. Ein typischer 5 Punkte Film, wenn 10 Punkte die Höchspunktzahl darstellt. "Silent Hill" konnte somit an meiner prinzipiellen Abneigung gegen Videospielverfilmungen nichts ändern, trotzdem werde ich mir diese auch bei nächster Gelegenheit wieder ansehen - Wenn man sie mir in die Hand drückt.
Quellennachweis: Screenshot aus "Silent Hill". © Silent Hill DCP Inc., Davis-Films, Konami Corporation






3 Kommentare:
Ich kenne das Spiel auch nicht, wusste aber, dass es ne Spieladaption ist. Ich kann nur sagen, dass ich die Scheibe gerne mal einlege. Die Wendung am Ende hat etwas M.-Night-Shyamalaniges und es ist einer von nicht sooo vielen Filmen, wo man nicht sehr schnell weiß warum die Dinge so laufen wie sie laufen und wer oder was dahinter steckt.
Naja, so Filme mag man oder eben nicht. Fände es ja sehr interessant, was du zu The Ring sagen würdest. Der einzige Film der mir so dermaßen die Haare zu Berge stehen lässt, wenn ich ihn spät nachts einwerfe...
Interessant auch in wievielen Mystery / Horror / Dingsbums der Sean Bean zu sehen ist. Silent Hill, The Hitcher (Das Remake, wo ich im Kino vor Freude hüpfte als ich Out Of My Hands von der Dave Matthews Band hörte), The Dark, ...
Kommt drauf an ob du bei "Ring" das japanische Original, oder das Remake mit Naomi Watts meinst. Ich muss dazu sagen, dass ich den amerikanischen Ring vor dem Original gesehen habe, und finde den ganz, ganz großartig. Vom Schauspiel, über die Bildsprache bis zur Athmosphäre: Einfach nur toll. Dann habe ich vor wenigen Monaten den japanischen Strefen gesehen, und muss sagen (Ich weiß, damit stehe ich ziemlich alleine): Mensch, ist der öde.. ;-) - Hat mir also nicht so gefallen.
Ich meine schon das Remake The Ring und nicht die Ringu Originale. Nein, die haben mich persönlich auch nie gezeizt. Wer mal nen japanischen Horror-Film gesehen hat, der wird wissen, dass das bei gleichen Storys schon was sehr anderes ist.
Die sollen mal endlich mit dem dritten Teil ausm Knick kommen.. ;-)
Kann mich erinnern, als ich Tanz der Teufel 1 das erste Mal sah, war ich... öhm.. 10?? Den fand ich voll lustig, aber Frankenstein hat mir früher immer eine Heidenangst eingejagt. Dann passierte lange Zeit gar nichts und dann sah ich (damals hatte noch Premiere) The Ring und es zog mir schon in den ersten Minuten alles zusammen!
Ist wirklich ein absoluter Liebling von mir und meiner laienhaften Meinung nach sind Story, Umsetzung, Darsteller und Präsentation einfach klasse.
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