Rezension: "I am Legend"

Gestern war es dann soweit. Ich habe mich in das Kino meiner Wahl begeben um das Kinojahr 2008 mit der Endzeitvision „I am Legend“ (Regie: Francis Lawrence) zu eröffnen. Ich hatte ja schon vor einigen Wochen im Rahmen einer Vorschau von dem Film berichtet, und eine ausführliche Rezension versprochen sobald ich im Kino gewesen bin. Also, Los geht’s....


2012 – Die Ära der Menschheit scheint zu Ende. Im Jahr 2009 ist ein neues Heilmittel gegen den Krebs mutiert und außer Kontrolle geraten. Die Folge: Mehrere Milliarden Menschen tot, der Rest zu vampirartigen Kreaturen degeneriert, welche erbarmungslos Jagd auf die wenigen Menschen machen, welche die Katastrophe überlebt haben. Einer dieser gegen das Virus immunen Personen ist der Wissenschaftler Robert Neville (Will Smith), der als Einziger in der einstigen Metropole New York ausharrt, in der Hoffnung ein Heilmittel gegen das Virus entwickeln zu können. - Wem die Story bekannt vorkommt, der braucht sich im übrigen nicht wundern: „I am Legend“ ist die nunmehr dritte Verfilmung des gleichnamigen Romans von Richard Matheson.


Der Anfang des Films kommt wirklich großartig daher. New York, die ständig pulsierende Metropole, ist völlig ausgestorben. Die Überreste unserer Zivilisation treten gegenüber den Kräften der Natur wieder in den Hintergrund: Pflanzen überwuchern die Straßen und die Gebäude, Tiere aller Art streifen durch die leeren Straßen. Diese Ruhe wird urplötzlich unterbrochen durch das Auftauchen des Hauptprotagonisten, der in einem Sportwagen durch die verlassene Stadt rast, auf der Jagd nach Antilopen....


Die Schauwerte in diesen ersten Minuten sind einfach gigantisch. Mir haben ja schon die Bilder einer ausgestorbenen Metropole in „28 Days Later“ gefallen, aber „I am Legend“ überbietet Diesen hinsichtlich der Effekte und der Ausmaße um Einiges. Neben der Vorstellung der für unsere Verhältnisse ungewohnten Welt, wird der Zuschauer in der ersten Hälfte des Films in den Charakter Robert Neville eingeführt: Dies geschieht zum Einen durch die Abbildung seines Alltags in dieser „neuen Welt“, zum Anderen durch Rückblenden in die Zeit vor der Katastrophe.


„I am Legend“ ist die reinste „One-Man-Show“ von Will Smith. Naja, besser gesagt eine „One-Man – One-Dog“ Show. Wer Will Smith schon mal abseits der „Bad Boys“ - Filme, so zum Beispiel in „Ali“, gesehen hat, der weiß das Smith auch richtige Charakterrollen drauf hat. Und dies darf er hier auch zeigen: Seine Art den völlig einsamen Menschen, der nur noch von seinem treuen Schäferhund begleitet wird, darzustellen weiß wirklich zu überzeugen. Herrliche Szenen sind zum Beispiel seine Golf-Übungen auf einem Flugzeugträger oder seine Konversationen mit drapierten Schaufensterpuppen. Smith gelingt es ohne Mühe den Film mit seinen schauspielerischen Fähigkeiten alleine zu tragen.


Die Story wird im ersten Teil doch recht behutsam aufgebaut. Die mutierten „Vampire“ (Welche durchaus annehmbar visualisiert sind) treten nur vereinzelt auf, und dies ist noch dazu durchaus spannend inszeniert. Es stehen die Beleuchtung von Roberts Leben und seine Versuche ein Gegenmittel zu finden im Vordergrund. Dies ändert sich zur Mitte des Films schlagartig, und zwar als Robert auf zwei weitere Überlebende trifft. Ab diesem Moment wandelt sich der Film zu einem konventionellen Actioner in dem Monster in Horden auftauchen und es ordentlich „Krachen und Scheppern“ darf.


Diese Entwicklung ist dann doch relativ enttäuschend. Ist die Erste Hälfte des Films wirklich hervorragend, so ist die zweite Hälfte doch um einiges schwächer. Der Plot des Films wird in konventionelle Bahnen gelenkt und läuft ab diesem Zeitpunkt routiniert auf das Ende zu. Das Ende selbst ist, ohne hier zu viel verraten zu wollen, mal wieder in „Hollywood-Manier“ glatt gebügelt worden, gerade wenn man mit dem Inhalt der Romanvorlage vertraut ist.


Dies ist allerdings noch zu verschmerzen. Wirklich übel aufgestoßen ist mir ein anderer Punkt, der ab der Mitte des Films verstärkt in den Vordergrund rückt. Leider konnten es sich die Drehbuchschreiber anscheinend nicht verkneifen das gerade in den USA vorherrschende christlich-konservative Weltbild ein ums andere Mal zu bedienen. Sei es nun durch irgendwelche Gespräche zwischen Neville und der anderen Überlebenden, oder durch die Inszenierung von Neville als „Heilsbringer“, welcher die Infizierten (Sünder) von ihrem fehlgeleiteten Pfad abbringt.


Ich kann nur noch mal betonen, dass ein Ende in der Art wie es in der Romanvorlage vorkommt, um einiges interessanter gewesen wäre. Denn immerhin ist die Katastrophe durch die menschliche Hybris selbst verursacht worden. Der Mensch hat seinen eigenen Untergang besiegelt, und somit seinen Platz auf der Erde verloren. Und so muss der Roman-Neville am Ende feststellen, dass nicht die „Vampire“ die fehlgeleiteten sind, sondern er ist es Selbst, der nicht mehr auf diese Welt gehört. „Ich bin Legende“ also nicht in der Bedeutung „Retter der Menschheit“ wie es im Film ventiliert wird, sondern „Ich bin Legende“ - Das Zeitalter der Menschheit, das Zeitalter unserer Zivilisation, ist vorbei.


Aber nun genug mit diesen Gedanken am Rande. „I am Legend“ ist ein visuell höchst beeindruckender Film, der zusammen mit dem Wirken seines Hauptdarstellers, vor Allem in der ersten Hälfte, zu überzeugen weiß. Die Szenerie einer völlig verlassenen Großstadt hat halt einen besonderen Reiz, der eine wunderbare Atmosphäre erzeugt. Auch die zweite Hälfte ist als routiniert daher kommender Action-Film durchaus annehmbar. Abzüge muss es jedoch wegen der im Vorigen erwähnten Kritikpunkte geben. Alles in Allem ein doch gelungener Start in das Kinojahr 2008: 7 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Screenshot aus "I am Legend". © Warner Bros. Pictures, Village Roadshow Pictures, Weed Road Pictures, Overbrook Entertainment, 3 Arts Entertainment, Heyday Films, Original Film



5 Kommentare:

Kaiser_Soze hat gesagt…

Hab dich auch mal in meinen Blogroll aufgenommen. :)

PS: Mein Blog nennt sich "Intermoviession", nicht "Intermoviesession". ;-)

Wieso macht das jeder falsch??? :D

Christian hat gesagt…

Herzlichen Dank. Fehler wurde auch prompt beseitigt! ;-)

Alexander Langer hat gesagt…

Vor einer gefühlten Ewigkeit habe ich die Originalverfilmung gesehen, von daher ficht mich die Kritik am "doofen offenen Ende" nicht an, die ich hier und da zu hören bekam, denn das kannte ich ja bereits.

M.E. hätte man bei der Neuauflage mehr aus der Entwicklungsfähigkeit der Vampire herausholen können. Wie steht es damit im Roman?

Die CGIs des Films haben mir dagegen gar nicht gefallen. Die Vampire kamen viel zu deutlich aus dem Computer. Wer einen Will Smith bezahlen kann und noch dazu den Luxus hat praktisch keine nennenswerten weiteren Darstellergagen zahlen zu müssen, wird doch noch ein paar Dollar über haben, um mal bei ILM anzuklopfen?

C.H. hat gesagt…

"Wie steht es damit im Roman?" - Kann ich dir leider nicht sagen. Habe den Roman nicht gelesen. Weiß nur, weil ich das damals für die Besprechung recherchiert hatte, um das divergierende Ende der Geschichte.

R.S. hat gesagt…

Um gleich zum Positiven zu kommen:
Die Kulisse einer von der Zivilisation verlassenen Stadt, die von der Natur zurückerorbert wird, war großartig! Viel mehr an Positivem kann ich dem Film aber leider nicht abgewinnen. Viel Fantasy im Sinne von Fantasie scheinen die amerikanischen Filmemacher wohl nicht zu besitzen. Filme dieses Genres - und dazu zähle ich auch die Sience-Fiction-Filme - gleichen sich alle irgendwie: In Panik geratene Menschenmassen, viel lautes Geschrei, Verbreitung von Panik und Schrecken, Geballere und mindestens ein großer Knall. Blutige Szenen und natürlich die Monster! (Das schöne deutsche Wort "Ungeheuer" scheint wohl verloren gegangen zu sein!) Irgenwie wiederholt sich das alles von Film zu Film. Fantasie scheint eher vom Zugeschauer gefordert zu sein: Wo kommt eigentlich der Strom her? Wieso sind die Autos immer vollgetankt? Funktionierende Tankstellen in einer seit 3 Jahren verlassenen Stadt? Sender, die nach 3 Jahren immer noch zum Ausstrahlen von Botschaften benutzt werden können? Jedenfalls mit der Beschaffung, die ja durchaus möglich ist, muss sich der Hauptdarsteller wohl eher weniger beschäftigen.
Aus der Grundgeschichte, hätte man ein glaubwürdiges Szenario machen können, leider ist nur eine übliche "Effekthascherei" geworden.

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