Ach, also manchmal weiß ich dann doch wieder warum ich GEZ Bezahle. Das DDR-Drama „Das Wunder von Berlin“, welches heute um 20.15 Uhr im ZDF lief, war TV-Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau. Handwerklich einwandfrei gemacht, schauspielerisch große Klasse, ausgestattet mit einer überzeugenden und interessanten Story.
Die Zeiten humoriger Ostalgie-Filme scheint nun endgültig vorbei. Dominierten noch vor einigen Jahren Komödien wie „Goodbye Lenin“, „Sonnenallee“ oder „NVA“ die filmische Rezeption der DDR, so hat sich dies mittlerweile geändert. Mittlerweile dominiert eine sehr kritische Behandlung der DDR- Geschichte im Film. Diese sind mal von mehr, mal von weniger Qualität. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang natürlich „Das Leben der Anderen“, die RTL-Produktion „Prager Botschaft“ aber auch der eher durchschnittliche Zweiteiler „Die Frau vom Checkpoint Charlie“. Ihnen allen ist gemein, dass sie intensiv auf die verbrecherischen Aspekte des DDR-Regimes hinweisen. Diese Entwicklung ist nur zu begrüßen, wenn man sich aktuelle Umfragen zum DDR-Bild unserer Schüler betrachtet.
Aber nun zurück zum Film. Er behandelt die Zeit von 1988 bis zum Mauerfall im November 1989. Im Fokus der Betrachtung steht eine einzelne Familie – Die Familie Kaiser. Der Vater, Jürgen Kaiser, hoher Stasi-Offizier, sein Sohn Marco (Kostja Ullmann) hingegen Punk, der gegen das System opponiert. Kein Wunder das sich zwischen Vater und Sohn massive Gegensätze ergeben. Auch das Verhältnis von Jürgen Kaiser zu seinem Vater (Michael Gwisdek), der im selben Haus wohnt, ist belastet. In seinem Vater, Teilnehmer am Ostfeldzug, sieht er alles was er am 3. Reich verabscheut hat, so ist er zu dem geworden was er ist: Ein Verteidiger des „Arbeiter- und Bauernstaates".
Der Film bietet somit einen sehr interessanten Ansatz. Das System und die Gegensätze der DDR spiegeln sich in einer einzelnen Familie wieder. Ablehnung und Zustimmung – Die erfolgreiche Indoktrination Marcos mit der Ideologie des Systems, nachdem er (gezwungenermaßen) in die NVA eintritt. Er wandelt sich von einem Gegner zu einem Verteidiger des Systems in einer Zeit, als diese sich schon in Auflösung befindet. Der Vater, der eine Welt zusammenbrechen sieht. Eine Welt von der er sich eingeredet hat, beziehungsweise geglaubt hat, dass diese es wert sei sie zu verteidigen. Die Mutter (Veronica Ferres), die ihre Familie auf Grund der MFS-Tätigkeit ihres Mannes zusammenbrechen sieht, und zum Gegner des Systems wird.
„Das Wunder von Berlin“ thematisiert somit die wichtigen Themen: Zum einen die Beeinflussung der Menschen durch das Regime, aber auch die persönliche Motivation der Menschen, die sich aus der eigenen Geschichte speist. Zum anderen werden aber auch nicht die verbrecherischen Machenschaften des Überwachungsstaates ignoriert. Eingebettet ist dies natürlich in eine TV-Konforme Geschichte. Eine junge Liebe zwischen Marco und seiner Freundin Anja (Karoline Herfurth), welche zu zerbrechen droht, als Marco dem System erliegt, bildet, neben dem Generationen-Konflikt der Familie, den Rahmen der Story.
Der Film vermeidet es erfreulicherweise in schwarz und weiß zu malen. Die Protagonisten sind in ihrem Handeln ambivalent. Der Vater handelt in dem Glauben seine Familie zu schützen. Der Sohn wandelt sich vom Gegner zum Anhänger und schlussendlich wieder zum Gegner. Die Mutter, die aktiv an dem Ende der DDR mitgearbeitet hat, stellt am Ende konsterniert fest, dass sie diese Entwicklung so ja gar nicht gewollt habe, und spiegelt so auch die Fassungslosigkeit vieler Menschen wieder, welche in der DDR sozialisiert wurden, und 1989 wohl für die Demokratisierung, nicht aber automatisch für das Ende der DDR gekämpft haben. Diese Gegensätze in den Biographien werden von allen beteiligten Schauspielern grandios umgesetzt, da gibt es rein gar nichts auszusetzen.
„Das Wunder von Berlin“ verbindet somit eine anrührende Geschichte, die sich ganz auf den Mikrokosmos einer einzelnen Familie konzentriert, mit den konkreten politischen Ereignissen in den letzten Monaten der DDR – Und diese Symbiose kann zu Hundert Prozent als gelungen bezeichnet werden.
Quellennachweis: Screenshot aus "Das Wunder von Berlin". © TeamWorx Television & Film, ZDF
Kleiner Nachtrag: Wer den Film am Sonntag verpasst hat, kann ihn sich HIER in der ZDF-Mediathek ansehen. Toller Service!!






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