Nightwish Live: "End Of An Era" - Eine Rezension










Nachdem ich mich im September im Zuge des Release von „Dark Passion Play“ schon einmal zu dem Beginn des „neuen Zeitalters“ in der Geschichte von Nightwish geäußert habe, ist nun aus aktuellem Anlass der Zeitpunkt gekommen meiner (bis dato) Lieblingsband einen erneuten Beitrag zu widmen. Nein, an meiner grundsätzlichen Meinung hat sich nichts geändert: Die Stimme von Annette Olzon gefällt mir immer noch nicht, da helfen auch die wie immer großartigen Kompositionen von Tuomas Holopainen nicht wirklich weiter.


Ich persönlich war, oder vielmehr bin, von der Musik von Nightwish aus zwei essentiellen Gründen fasziniert: Zum einen auf Grund der schöpferischen Kraft von Holopainen, zum Anderen wegen der Symbiose von melodischer Metal-Musik mit orchestralen Einflüssen und einer klassisch ausgebildeten Stimme. Der letztere Grund hat sich, wie wohl bekannt sein dürfte, mit dem Rausschmiss von Tarja Turunen verabschiedet. Was mich diesbezüglich am meisten stört, ist noch nicht einmal das neue Album, sondern die Intonation der alten Lieder durch Annette Olzon. Vor kurzem habe ich mir in einem zutiefst masochistischen Moment eine neue Aufnahme des Klassikers „Ever Dream“ mit Annette Olzon angehört, und war zutiefst erschüttert über die mangelnde Kraft in ihrer Stimme. Und nicht, dass ich hier falsch verstanden werde: Ich reduziere Nightwish beileibe nicht nur auf die Sängerin, diesbezüglich muss ich bemerken, dass mich die neuen Solo-Platten von Tarja auch nicht gerade von den Socken hauen. Kurz drauf habe ich mich dazu entschieden, und deshalb schreibe ich diesen Beitrag überhaupt, mir endlich die Live-DVD „End Of An Era“ zu zulegen, auf welcher sich die Aufzeichnung des letzten Nightwish-Konzerts vom 21.10.2005 in der Hartwall Areena, Helsinki vor 11500 begeisterten Zuschauern befindet. Im Folgenden also meine Meinung zu dieser DVD.


Zunächst einige Worte zu dem Konzert an sich: Dieses wird nach dem einführenden Intro mit „Dark Chest of Wonders“ eröffnet. Die Stimmung in der Halle ist gigantisch, und dies transportiert sich auch auf den Zuschauer der DVD. Nach „Planet Hell“ schließt sich direkt das erste Highlight an: „Ever Dream“ - Einer der besten Songs, die jemals das Licht der Welt erblickt haben. Es folgt „The Kinslayer“, bevor mit der Nightwish-Interpretation von „The Phantom Of The Opera“ die Mädels in der ersten Reihe endgültig die Fassung verlieren. Nachdem sich Tarja das erste mal umgezogen hat (Was noch im Laufe des Konzerts noch öfter geschehen wird...), erklingen die vertrauten Töne von „The Siren, bevor mit „Sleeping Sun“, der bis dato langsamste Song des Konzerts erklingt. Auftritt Tarja Turunen, nun gekleidet in ein schneeweißes Kleid. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie ein guter Song im Verbund mit einer einzelne Stimme eine gesamte Halle in den Bann ziehen kann. An diesen zweiten wirklichen Höhepunkt schließt direkt das von Marco Hietala gesungene Pink Floyd-Cover „High Hopes“ an. Eine schöne Abwechslung bevor es mit „Bless the Child“ auch für Tarja – natürlich in einem neuen Dress – weiter geht. Das darauf folgende „Wishmaster“, steigert die Stimmung in der Halle anschließend noch einmal ins Uferlose.


Ein gleich zweifacher Höhepunkt schließt sich direkt an diesen uns wohl bekannten Klassiker an. „Slaying the Dreamer“ ist das wohl härteste Lied des Abends und bringt sowohl die Band, als auch die Halle, als auch mich, sprich den Zuschauer vor der Glotze, endgültig zu kochen. Kontrastiert wird dieser Knaller anschließend von dem langsamsten Song des Abends, nämlich der finnischen Ballade „Kuolema Tekee Taiteilijan“ - Sogar vor dem Fernseher ist in diesem Minuten Gänsehaut-Feeling vorprogrammiert. Nach diesem emotionalen Höhepunkt erklingt das wohl bekannteste Stück des letzten Samplers in alter Besetzung („Once“). „Nemo“ ist einfach ein klasse Song, der eingängige Refrain verursacht unter Garantie einen wochenlangen Ohrwurm – Müßig zu erwähnen, dass Tarja in der Zwischenzeit wieder mal das Outfit gewechselt hat.


So, und nach diesem Track kommt es zu meinem persönlichen Höhepunkt dieses Konzerts. Es erklingen die ersten Takte des absolut monumentalen „Ghost Love Score“, für mich auf Grund der Vielschichtigkeit, der Kraft, sowie der epischen Ausdrucksstärke eines der stärksten, wenn nicht die stärkste Komposition von Tuomas Holopainen - Mehr ist zu diesem mehr als 10 Minuten langen Stück nicht zu bemerken. Nach diesem Kraftakt verabschiedet sich die ganze Band für Erste von der Bühne. Die Folgenden Songs „Stone People“ und „Creek Mary's Blood“, Ersteres ausschließlich von dem Künstler John Two-Hawks, Letzteres von ihm in Verbindung mit der eigentlichen Band, performt, können den direkten Vergleich nicht mithalten, und stellen in meiner persönlichen Meinung den ersten kleinen Hänger während des Konzerts da. Umso schöner ist es, dass das darauf folgende „Over The Hills And Far Away“ das Konzert wieder in den Olymp hebt. Tarja hat mittlerweile das letzte mal für diesen Abend das Kleid gewechselt. Beschlossen wird das Konzert schlussendlich mit dem Song „Wish I Had An Angel“ - Ein würdiger Abschluss, bevor sich die Band zu den Klängen des Outros von den Fans verabschiedet. Für Tarja sollte dies der letzte Auftritt als Sängerin von Nightwish sein...


Das schöne bei diesem Konzert ist die intelligente Zusammenstellung der Stücke. Durch die abwechslungsreiche Aneinanderreihung von schnellen und langsamen Stücken bleibt das Niveau des Konzerts konstant auf hohem Niveau. Die Stimmung und die Atmosphäre muss an diesem Abend einfach gigantisch gewesen sein, denn diese überträgt sich mühelos auch auf den Zuhörer vor dem Fernseher. Und somit kommen wir nun, zu einer Bewertung der DVD an sich. Mit dem Bild kann man zufrieden sein. Es genügt sicherlich nicht den höchsten Ansprüchen, doch ist dies für meinen Geschmack bei einem Konzert zu verschmerzen. Der Ton gefällt mir persönlich sehr gut, wobei ich auf diesem Gebiet natürlich kein Experte bin. Über die Anlage, an der ich meinen DVD-Spieler angeschlossen habe, kommt die Musik klar und druckvoll rüber. Aber wie gesagt, da überlasse ich ein endgültiges Urteil Leuten die Ahnung von der Materie haben – Ich bin jedenfalls zufrieden.


Vom Schnitt eines Films, beziehungsweise eines Konzerts habe ich schon mehr Ahnung, und diesbezüglich muss bemerkt werden, dass der verwendete Schnitt des Konzerts wohl Geschmackssache ist: Das Bild blendet gefühlt, und ich glaube auch de facto alle 2-3 Sekunden über. Mich persönlich hat das nicht gestört, vielmehr wird dadurch die Dynamik des Konzerts und der Musik auch nach außen transportiert. Nichts desto trotz glaube ich aber, dass dieser Schnitt von Einigen als störend empfunden werden könnte – Geschmackssache. Natürlich bekommen alle im Laufe des Konzerts ihre „Soli“, welche dann auch von der Kamera eingefangen werden, so zum Beispiel beim ständigen Zwischenschnitt der Kamera von Jukka „Julius“ Nevalainen auf das Publikum und zurück zu Beginn von „Bless The Child“. Einigermaßen deplaziert fand ich hingegen die Implementation von diversen Effekten in das Bild der DVD, ganz extrem in Form der künstlichen Flammen während „Slaying the dreamer“. Das ist wirklich überflüssig: Erstens ist es nicht nötig vom Konzert abzulenken, zweitens ist es nicht gerade berauschend umgesetzt. Jeder Amateur kann solche Effekte am Heim-PC erzeugen. Leider ist auch das Bildmaterial an sich nicht gerade berauschend. Wäre einen normalen Röhrenfernseher benutzt, wird nichts merken, aber schon ab einem größeren TFT-PC-Bildschirm wird die ganze Angelegenheit ein wenig haarig.


Aber glücklicherweise ist dies mein einziger Kritikpunkt an diesem Konzert, und es ist das Beste was ich jemals in DVD-Form zu sehen bekommen habe. Auch die Veröffentlichung als solche ist Spitze. In dem von mir erworbenen Digipack befindet sich die DVD mit dem Konzert und einer Doku, sowie zwei weiteren CDs, die noch einmal das komplette Konzert beinhalten - Schöne Sache. Abschließend bleibt somit zu bemerken, dass „End Of An Era“ ein Abschluss mit einem gewaltigen Knall war, und all jenen, die mit der neuen Stimme bei Nightwish nichts anfangen können, bleibt somit wenigstens die Replay-Taste. Also werde ich selbige mal betätigen, und „das Ende einer Ära“ mal wieder um 2 Stunden nach hinten verschieben ;-)


Quellennachweis: Screenshots aus "End of an Era". © by DScene Nation, Solar Films, Spinefarm



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