Kurzrezension: "A Little Trip To Heaven"










Mit „A Little Trip To Heaven“ erschien 2005 eine isländisch-amerikanische Co-Produktion (So wurde ein Großteil des Films direkt in Island, was man der Landschaft in einigen Szenen auch durchaus ansehen kann.), welche in bester Neo Noir–Tradition steht. Auch wenn dieser mit Sicherheit kein ganz großer Vertreter seines Genres ist, besser als ein Großteil seiner Artgenossen, ist er auf jeden Fall.


Das Versicherungsunternehmen „Quality Life Insurance“ beauftragt seinen Angestellten Abe Holt (Forest Whitaker) mit der Untersuchung eines Autounfalls ,in dessen Verlauf angeblich der vorbestrafte Kelvin Anderson ums Leben gekommen sein soll. Pikant: Der Verstorbene war im Zuge seiner Lebensversicherung mit der sagenhaften Summe von 100000 $ versichert gewesen. Die einzig Begünstigte: Die Schwester Isold (Julia Stiles), die mit ihrem Mann Fred (Jeremy Renner) und ihrem Sohn Thor in ärmlichen Verhältnissen in Hastings, Minnesota lebt. Im Zuge seiner Nachforschungen stellt Holt relativ schnell fest, dass einiges an der Geschichte faul zu sein scheint...


Regisseur Baltasar Kormákur entwirft in diesem Drama ein ziemlich pessimistisches Bild der (amerikanischen) Gesellschaft und des Menschen im Allgemeinen ohne ins moralische abzudriften. Sehr schöner Einfall: Die Werbung des Versicherungsunternehmens, welche des Öfteren im Hintergrund über den Fernseher flimmert, und mit der gezeigten Geschichte so im Kontrast steht. Unterstrichen wird die Tristesse noch zusätzlich durch die Umwelt an sich. Es regnet, schneit und stürmt in einer Tour, so dass die Welt in einen ständigen grau-braunen Nebel aus Nässe, Matsch und Schnee getaucht ist, und sich somit in den vorherrschenden Tenor der Geschichte vorzüglich einpasst, welche von Vornherein kein Geheimnis aus dem versuchten Versicherungsbetrug macht.


Nichts desto trotz hat der Film auch einige Schwächen: Es scheint so, als hätte sich Kormákur mehr auf die Beziehungen der verschiedenen Protagonisten zueinander konzentriert, als darauf sich auf die Story an sich zu konzentrieren. Einige Sprünge und Logiklöcher lassen den Plot somit ein wenig holprig erscheinen.


Folgerichtig zieht „A little Trip To Heaven“ seine Stärke, neben der optischen Inszenierung, aus seinen Figuren. Nicht nur die Umwelt verschwimmt im tristen grau der Regengüsse und Schneestürme, auch die Protagonisten verschwimmen in ihren Charakterzügen, so dass echte Identifikationsfiguren nur schwer auszumachen sind. Auf der einen Seite Holt (Gut: Forest Whitaker) der zu Vorderst in aller Gefühlskälte die Interessen seiner Versicherung zu vertreten sucht (Als da Wären: So lange zu Wühlen bis man nicht Zahlen muss), dann aber doch mit der jungen Isold (Noch besser: Julia Stiles) Mitleid hat. Und auf der anderen Seite eben Isold, die bei weitem kein Unschuldsengel ist, und an ihrer ärmlichen Lage mit Sicherheit nicht ganz unschuldig ist. Schlussendlich ist da noch Fred, der vor einem Menschenleben nicht zurückschreckt, seine Frau schlägt, und sein Kind bei Bedarf auch mal ganz gerne als Druckmittel einsetzt.


Am Ende der 98 Minuten, die der Film dauert, hat man einen sehr düsteren Streifen mit Ecken und Kanten gesehen, der ausgestattet mit einem nicht ganz alltäglichen Thema, vor allem durch seine optische und atmosphärische Klasse, sowie seine beiden überzeugenden Hauptdarsteller zu überzeugen weiß. Fazit: 7 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Screenshots aus "A Little Trip To Heaven". © by Blueeyes Productions, Pink Productions, Palomar Pictures

2 Kommentare:

aa_TylerDurden hat gesagt…

Der war letztens mal in einer Zeitschrift als Beilage drin. Für deine 7p. Wertung hört sich das aber nicht wirklich positiv an.

C.H. hat gesagt…

Kam das negativ rüber? War so nicht beabsichtigt. Der Film lohnt sich durchaus, hat ein interessantes Thema und schöne Bilder. Gerade wenn man ihn für 3 Euro oder so in einer Zeitung sieht, kann man ruhig zugreifen. Eine 7 Punkte-Wertung ist ja nicht wirklich schlecht... ;-)

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