Rezension: "Con Air"




Nicolas Cage schien sich Mitte der neunziger Jahre endgültig dazu entschieden zu haben, den Versuch zu starten zu dem Action-Star jener Dekade zu werden. Getreu nach dem Prinzip: Weg von der Charakter-Rolle und hin zu dem strahlendem Actionheld, der die Welt rettet, reihte sich Action-Film auf Action-Film. „The Rock – Fels der Entscheidung" war der erste Schritt auf diesem Weg. Es folgte nur ein Jahr später „Con Air“, der an dieser Stelle zu besprechen sein wird, und noch im selben Jahr „Face/Off – Im Körper des Feindes“, dem wohl mit Abstand Besten Actioner in dem Cage die Hauptrolle spielen durfte, bevor er schließlich 2000 mit „Nur noch 60 Sekunden“ seinen bis dato letzten Action-Kracher unter der Produktion von Bruckheimer ablieferte. Unter diesem hatte Cage ja bereits die Filme „The Rock“ und eben „Con Air“ fertiggestellt.


Der aufrechte und mehrfach ausgezeichnete Ranger der US-Army Cameron Poe (Nicolas Gage) tötet in einem Streit, als er versuchte seine schwangere Frau zu schützen, (natürlich) unabsichtlich einen der Angreifer. Das Urteil: 8 Jahre Haft. Seine Frau hält (natürlich) in all der Zeit zu ihm, und so sehnt unser Held den Tag herbei an dem er endlich entlassen wird. Als nach 8 langen Jahren dieser Tag endlich gekommen zu sein scheint, trennt Poe nur noch ein einzelner Überführungs-Transport in einem Flugzeug davor seine Frau, und das erste mal seine kleine Tochter, wiederzusehen.


Unglücklicherweise werden in diesem Flug auch die wohl berüchtigsten Verbrecher der Staaten, unter ihnen auch Cyrus „The Virus“ Grissom (John Malkovich), transportiert. Das Ziel: Ein neues Hochsicherheitsgefängnis, welches extra für diese Psychopathen gebaut wurde. Anders ausgedrückt: Poe hat das große Glück mit der crème de la crème des kriminellen Milieus in einem Flugzeug hoch über den Boden eingesperrt zu sein. Dieses Glück steigert sich ins schier Unermessliche, als die Gefangenen das Flugzeug unter ihrer Kontrolle zu bringen. Die einzige Hoffnung des verantwortlichen US-Marshals Vince Larkin (John Cusack) ist in Folge der Ex-Elitesoldat, der seine Heimatreise kurz unterbricht, um mal ganz nebenbei den selbstlosen Helden zu geben.


Nicolas Cage, John Malkovich, John Cusack, Steve Buscemi, Colm Meany, Ving Rhames – Da hat sich durchaus eine sehr illustre Runde vor der Kamera versammelt, und sich für „Con Air“ die Ehre gegeben, und aus dieser Versammlung zieht „Con Air“ auch das bisschen Reiz, welches diesem Film innewohnt. John Malkovich ist sozusagen das Leuchtfeuer in diesem Film. Seine Darstellung des hochintelligenten Psychopathen ist durchaus reizvoll geworden. Der Rest der versammelten Bande aus Mödern, Vergewaltigern und sonstigen kriminellen Subkekten verkommt zum reinen Selbstzweck des plumpen Amüsements. So ist die Rolle von Steve Buscemi in der Summe mehr als verschenkt. Was gerade hier möglich gewesen wäre, blitzt in zwei, drei Szenen immer mal wieder auf.


Nicolas Cage ist natürlich Dreh und Angelpunkt des Films, und abgesehen von der mehr als lächerlichen zotteligen Mähne, die er in „Con Air“ zur Schau stellt, bekommt der Zuschauer, was er von Cage erwartet, mehr aber auch eben nicht. Wenn er dann nämlich sogar das weiße Unterhemd rausholt, dann ist das ein guter Indikator dafür, dass ihm dieses doch ein Nümmerchen zu groß ist, denn an die Coolness eines John McLane aus den 80ern Jahren, kommt Nicolas Cage in diesem Film nicht heran. Das liegt natürlich nicht nur an Cage allein. Vielmehr ist es mal wieder so, dass Drehbuch und Inszenierung auch in diesem Film der reinen Action untergeordnet sind. Aber bei „Con Air“ ist dies in einem Maße geschehen, dass es schon zu auffällig ist. In „Face Off“ hat Cage gezeigt, was er aus einer vernünftigen Rolle machen kann, auch und gerade in einem Actionfilm.


Und so ist eine der größten Schwächen in diesem Film der plumpe Stereotyp, der „Con Air“ in der Wertung nach unten zieht. Eingerahmt ist die Geschichte unseres Helden in eine rührend-kitschig inszenierte Liebesstory, die zu Beginn und am Ende des Films gekonnt (de)platziert ist. De facto ist sie nämlich für den gesamten Film relativ unwichtig. Von den ganzen Logiklöchern an dieser Stelle gar nicht zu sprechen: Wenn eine Gruppe von Männern mit einem Messer auf mich losgeht, dann läuft das wohl eher unter dem Primat der Selbstverteidigung. Und dafür 8 Jahre Knast? Jaja, ich weiß: Irgendwie musste unser Held ja vorher als Gutmensch, der zu Unrecht in Haft sitzt, inszeniert werden.


Schlussendlich durfte sich Regisseur Simon West auch noch über einen ganz besonderen Preis für diesen Film freuen. Nämlich die „Goldene Himbeere“ in der Kategorie: „Rücksichtsloseste Missachtung von Menschenleben und öffentlichem Eigentum“ Diese „Auszeichnung“ gab es für die Sequenz, als das Flugzeug mitten in Las Vegas zur Bruchlandung ansetzte. Wenn man wirklich moralische Grundsätze an diesen Film anlegen möchte, ist dies in der Tat zu kritisieren, wie auch die Tatsache, dass der von Buscemi gespielte 37fache Massenmörder am Ende des Films entkommen kann, und in Folge das Leben in Vegas genießt.


Wenn also unser Held am Ende zu Frau und Kind findet, die Bösen (fast) alle ihr gerechtes Ende gefunden haben, dann hat der Zuschauer einen etwas schwächeren Actionfilm der neunziger Jahre gesehen. Glattgebügelt und flach in seinem Aufbau ordnet er seine Protagonisten der Action unter, die zwar von Zeit zu Zeit ansprechend inszeniert ist, den Film aber dennoch nicht über die gesamte Spielzeit tragen kann. Das hört sich nun alles aber schlimmer an, als es ist: Auf der anderen Seite steht nämlich auch ein außergewöhnlich illustres Ensemble, welches wenigstens von Zeit zu Zeit für amüsante Szenen sorgen kann. „Con Air“ hätte es somit also sicher nicht gebraucht, kurzweilige Unterhaltung mit wenig Anspruch ist dieser Film aber auf jeden Fall. Fazit: 5,5 Punkte.


Quelle: Screenshots aus "Con Air". © by Touchstone Pictures, Jerry Bruckheimer Films, Kouf/Bigelow Productions, Runway Pictures, Hiett Designs of Las Vegas


Siehe auch:

"The Rock - Fels der Entscheidung"

"Face/Off - Im Körper des Feindes"

"Nur noch 60 Sekunden"

3 Kommentare:

TheRudi hat gesagt…

Ich zitier mich der Einfachheit halber selbst: Ich beantrage Freilassung auf dem Beweisgrund der Unzurechnungsfähigkeit, meine Damen und Herren, der Film ist herrlich doof und nimmt sich dabei selbst nicht allzu ernst.

"He's got the whole world, in his hands"...du singst ja gar nicht mit! ;)

Kaiser_Soze hat gesagt…

Stimmt, das Ende ist doch sehr hollywoodesk, doof und glatt gebügelt. Schlimm, wie er da mit seiner Familie steht, als würden sie ihn vom Flughafen abholen.

PS: Wie schnell die Zeit rennt, nach dem Cage gen Las Vegas zusteuert. Kaum ist es noch hell, zeigt Bay in der nächsten Szene einen dunklen Abendhimmel. Der Mann ist so trivial.

C.H. hat gesagt…

@ Rudi: Ich dachte ich überlasse das ansingen dir, und stimme dann mit ein... ;-)


@ Kaiser: "Der Mann ist so trivial" - Stimmt! ;-)

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