

Als ich vor einigen Wochen in einem Akt kalkulierender und provozierender Zuspitzung auf diesem Blog die „Super-Komödie“ (RTL-Deutsch), beziehungsweise die Top 5 des Genre (Hoch-Deutsch), gesucht und gefunden habe, war ich auf vielerlei Reaktionen gefasst. So rechnete ich doch fest damit, mit dieser Auflistung zu polarisieren und anzuecken. Partiell war dieses Unterfangen sogar von Erfolg gekrönt. Doch erstens kommt es immer anders, und zweitens als man denkt: Und so war das erstaunlichste Resultat dieser kleinen Auflistung, dass augenscheinlich kaum einer meiner werten Kommentatoren mit dem Sieger, „Ein Fisch namens Wanda“ vertraut ist. Zugegeben: Bei vier Wortmeldungen zu dem Thema von einem repräsentativen Ergebnis sprechen zu wollen, wäre eine dezente Übertreibung, tendenziös ist dieses Meinungsbild hingegen schon, und so habe ich mir vor einigen Tagen mal wieder das Vergnügen gegönnt, mit eine meiner liebsten Komödien zu Gemüte zu führen, um diesen Blog mit einer Besprechung des Streifens zu Bereichern.
Die siebziger Jahre waren ohne Zweifel das Jahrzehnt der, nehmen wir das Wort in diesem Fall mal wirklich in den Mund, legendären britischen Komiker-Truppe Monty Phyton, die erst mit ihrer Serie Monty Python’s Flying Circus in den Jahren 1969-1974 für Furore sorgten, um sich anschließend auch der „großen Leinwand“ zuzuwenden. In diese Dekade fielen dann folgerichtig die beiden Beiträge „Ritter der Kokosnuss“, sowie Allem voran „Das Leben des Brian“ (Siehe auch: Top 5 Satire). Zeichneten sich schon die Kokosnuss-Ritter durch einen mehr als schrägen britischen Humor aus, so ist doch der Nachfolger „Das Leben des Brian“, der wohl bis heute einflussreichste Film der Komiker, der für zahlreiche Diskussionen sorgte, die ebenso kontrovers wie heftig geführt wurden.
1983 schließlich folgte mit „Der Sinn des Lebens“ der letzte Ausflug der Monty Phyton Truppe ins Kino, bevor 1988 mit „Ein Fisch namens Wanda“ schließlich die Komödie das Licht der Welt erblickte, die, obgleich bei weitem nicht mehr die Gesamte Crew der früheren Formation beteiligt war, im weiterem Sinne, und mit aller Vorsicht formuliert, als in der Tradition Monty Phytons stehender Film, bezeichnet werden kann.
Eigentlich könnte für den Gauner George (Tom Georgeson) alles ganz einfach sein, denn hinter jedem guten Raub steht bekanntlich ein noch besserer Plan. Wie man den einleitenden Worten schon entnehmen kann, läuft natürlich alles anders als geplant: Zwar gelingt der Cuop, ein Juwelenraub, den George zusammen mit seiner Geliebten Wanda (Jamie Lee Curtis), deren Bruder Otto (Kevin Kline), und seinem Bruder Ken (Michael Palin) ausgeheckt hat, aber danach läuft, aus seiner Perspektive schief, was schief laufen kann.
Und wer diesen Film noch nicht kennt, und noch rein gar nichts zum Inhalt wissen möchte, der überspringt bitte direkt die folgenden zwei Absätze. Es sind zwar im eigentlichen Sinne keine Spoiler, geben sie doch nur die Expoistion der ersten 15 Minuten des Films wieder, aber auch in diesem Fall gilt: Lieber einmal zu viel gewarnt, als einmal zu wenig.
Otto ist nicht Wandas Bruder, sondern ihr Geliebter. Und die Beiden halten nicht sonderlich viel davon die Beute brüderlich zu teilen, und verraten George eben mal an die Polizei. Dumm nur für Wanda und Otto, dass George auf Nummer sicher gegangen ist, und die Juwelen an einem geheimen Ort versteckt hat. Besonders ärgerlich ist dies für Wanda, wollte sie sich doch direkt nach dem Coup auch ihres nervigen Liebhabers Otto entledigen.
Daraus wird nun erstmal nichts, die Karten werden neu verteilt: Wanda schmeißt sich an den Strafverteidiger von George Archie Leach (John Cleese) heran, um den wahren Aufenthaltsort der Juwelen zu erfahren. Otto mach in der Zwischenzeit das, was er am Besten kann: Unheil stiften, und Ken erhält von seinem Bruder den Auftrag eine Zeugin aus der Welt zu schaffen.
Dieses klassisch anmutende Verwirrspiel wäre de facto nichts Besonderes, würde der Film nicht von seinen ausgezeichneten Protagonisten, und dem von diesen transportierten urkomischen und tiefschwarzen Humor leben. Und so entwickelt sich in der Folge eine Komödie in Reinkultur, die sich gewaschen hat. Von den alten Phytons sind mit John Cleese und Michael Palin noch zwei Vertreter übrig geblieben, die sich mit den Amerikanern Jamie Lee Curtis und Kevin Kline adäquate Verstärkung geholt haben. Gerade die Rolle des Otto ist grandios. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Oscargewinn für Kevin Kline für die besten Nebenrolle mehr als verdient war.
Seine Darstellung des ständig Nietzsche zitierenden, dabei gleichzeitig saublöden, Ex-Cia Killers ist einfach nur herrlich. Das gilt ebenso für die Rolle von Michael Palin, der den stotternden Tiefreund Ken verkörpert, wobei sich auch John Cleese und Jamie Lee Curtis mitnichten zu verstecken brauchen. Man sollte sich in einer Besprechung zu einer Komödie davor hüten diese Besten Gags oder Szenen zu verraten. Deshalb nur so viel: „Ein Fisch namens Wanda“ zeichnet sich durch eine erstaunliche Dichte zitierfähiger „Oneliner“ aus, die ihresgleichen sucht.
Natürlich ist der Humor, der in diesem Film transportiert wird, unter Umständen nicht jedermanns Geschmack. Er ist halt typisch Monty Phyton und damit nicht gerade eine Ausgeburt von „political correctness“ - Das Lustig machen über Stotterer und Tierfreunde gehört ebenso dazu, wie Witze über die Briten und Amerikaner per se.
Gerade dieser Gegensatz zwischen britischer und amerikanischer Kultur bietet einen hervorragenden Nährboden für diese überaus gelungenen Komödie, die sich durch ihre erstklassigen Schauspieler, gelungenen Charakterzeichnungen, sowie einer mit zielsicherer Genauigkeit eingestreuten Situationskomik auszeichnen kann. „Ein Fisch namens Wanda“ hebt sich somit wohltuend von dem Genre-Einerlei ab, das sich vor kurzem ja bereits einmal bemängelt habe. Anders ausgedrückt: Der Film ist deshalb so stark, und mit Recht ein Klassiker, weil er von vorne bis hinten so gut wie keine Schwächen hat. Fazit: 10 von 10 Punkten.
Quelle: Screenshots aus "Ein Fisch namens Wanda". © by Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), Prominent Features, Star Partners Limited Partnership






20 Kommentare:
"Und nenn mich nicht DÄMLICH!!!" Eigentlich gibt es keinen Film, in dem Kevin Kline lustiger, John Cleese britischer und Jamie Lee Curtis sympathischer ist, als in diesem Komödienhighlight. Ne gute Idee, dem Film so eine ausführliche Besprechung zu widmen.
"Eigentlich gibt es keinen Film, in dem Kevin Kline lustiger, John Cleese britischer und Jamie Lee Curtis sympathischer ist, als in diesem Komödienhighlight."
Oh ja, das hast du sehr schön gesagt! ;-)
Also, wie gesagt, ich hab ihn noch nicht gesehen, bin mir allerdings nicht sicher, ob ich das überhaupt will. Nicht das er mich nicht interessieren würde, aber nach dem ich mir, mehr oder weniger wegen dir, "Das Leben des Brian" auf DVD geholt habe und diesen jetzt für ziemlichen Schrott halte (und das mein ich so, wie ichs sage; man verzeihe mir mal meine Unsachlichkeit), trau ich mich nicht so recht an einen weiteren Monty-Python-Streifen, auch wenn er semi-hollywoodeske ist.
PS: Ich mag deine Kommentar-Freigabe-Funktion nicht bzw. generell. :(
Ja, der Monty Phyton - Humor ist ein ganz spezieller, und nicht jedermanns Sache. Augenscheinlich auch nicht die Deine. Ich persönlich habe mit "Ritter der Kokosnuss" auch leichte Probleme.
Aber ich kann dir versichern: Der Humor in "Ein Fisch namens Wanda" ist ein gänzlich anderer, und mit dem Humor in den beiden genannten "richtigen" Phyton-Streifen überhaupt nicht zu vergleichen. So ist das Drehbuch z.B. von John Cleese und Regisseur Charles Chrichton in Kooperation geschrieben worden.
Aber das ist natürlich nicht gleichbedeutuend mit der Tatsache, dass dir "Wanda" damit automatisch gefallen muss. Vllt. leihst du dir den ja mal zur Sicherheit erst, bevor du ihn kaufst... ;-)
Zur Kommentar-Funktion: Die Freigabe hatte ich am Anfang drin, weil ich nicht wollte das irgendwas ungefiltert auf meine Seite kommt. Man war ja noch neu, und wusste nicht was man da eigentlich tut ;-)
Jetzt, wo die Kommentare ein bißchen mehr werden, hab ich aber auch schon überlegt, die Prüfung Raus zu nehmen. Ein Versuch ist das wohl mal Wert...
PS: Was hast du an "Brian" Schrott gefunden, oder gibts dazu bald ne "Wut-Rezi" bei dir? ;-)
"Das Leben des Brian" auf DVD geholt habe und diesen jetzt für ziemlichen Schrott halte
Ahh, diese Jugend von heute, die kann halt mit klassischen, gutem Humor nix mehr anfangen. Kenn bis auf meine Ex-Freundin niemanden, der Monty Python nicht mag, Brian/Kokusnuss/Sinn sind phänomenale Filme!! Und das meine ich so, wie ich es sage, dagegen können selbst Zucker/Abrahams abstinken. :P
P.S.: Kevin Kline ruled eh alles weg!
Oh Gott, wie kann man über Brian nicht lachen? Muß wohl an den ganzen Comedy Quark der Pro7Sat1 Media AG liegen. Anders ist das nicht zu erklären. Wanda ist übrigens göttlich!
Was ich an "Brian" scheiße finde?
Naja, so ziemlich alles. Alleine, wie schlecht hier alles veräppelt wid, wie offensichtlich und plump über Klischees gelacht wird, die schon so zum lachen sind. Und auch sonst, Kritik der Pythons hin oder her, gibt mir der Film nichts. Habe nicht einmal gelacht, sondern mich nur gefragt, wie man solch ein Machwerk als Meisterwerk betiteln kann.
Ach, und Rudi, ich denke, dass hat nichts mit Alter zu tun, sondern ob man den Humor mag oder eben nicht. Und ich mag ihn nun mal so gar nicht.
Ach, und noch was. Was sollte das denn mit dem Ufo zwischendurch? Boah, da hab ich mir echt an den Kopf gegriffen. Brrrrr.....
@tumulder
Ähm, nein. Ich erkenne guten Humor, wenn ich ihn höre/sehe. ;)
Dafür brauch ich kein ProSieben gucken.
Übrigens: Imho ist es mit Komödien sowieso immer schwer.
Übrigens: Imho ist es mit Komödien sowieso immer schwer.
Und genau da liegt das Problem. Das Leben des Brian ist keine Komödie sondern eine Satire;)
Übrigens: Imho ist es mit Komödien sowieso immer schwer.
Ich glaube Kaiser_Soze meinte damit auch eher die Krux mit dem Humor per se. Natürlich ist "Brian" eine waschechte Satire
Und natürlich musst du, also Kaiser, das nicht witzig finden. Das qualifiziert jedoch keinesfalls gleichzeitg "Brian" ab, der auf jeden Fall ein "Meisterwerk" ist, wenn man diesen Begriff verwenden will.
Ich verlinke mal an dieser Stelle auf den exzellenten deutschen Wiki-Eintrag zu "Brian", der deutlich macht, dass der Film keinesfalls so "plump" ist, wie du annimmst. Vllt. klickst du also mal HIER , wenn es dich interessiert... ;-)
@tumulder
Aha, klugscheißern kannst du also auch. ;) *g*
Viele Satiren werden erst durch das Überzeichnen von Klischees oder Figuren/Handlungen zu eben jener. Und das geschieht so nun mal humorvoll. Besserwisser. ;)
@C.H.
Ich kenne den Wiki-Eintrag bereits. Und trotzdem ist und bleibt das für mich nur Schrott, der kein Schrott sein will.
Ich meine, die Kontroversen zielen ja nicht nur auf die Blasphemie-Schiene ab, sondern auch auf die Qualität des Films.
Ich finde den Humor schlichtweg bescheiden und total unlustig, ganz im Gegenteil und genau deswegen kann ich den Film auch einordnen. Das kann jeder machen, wie er will. Es lebe die Meinungsfreiheit. :D
PS: Nicht nur, dass der Film per se polarisiert, weil er ein sensilbes Thema behandelt, er ist demnach auch sehr komisch, im Sinne von anders. Und DAS gefällt eben nicht jedem.
Ich weiß gar nicht warum auch heute noch immer wieder auf die Blasphemie Schiene eingegangen wird. Brian persifliert vor allem politische Splittergruppen, Widerstandsbewegungen und Möchtegernrevolutionäre. Die 70er waren ja nicht gerade ein ruhiges Jahrzehnt. Wenn Stan fordert das Recht zu haben Kinder zu gebären obwohl er ein Mann ist, ist das jetzt nicht einfach ein billiger Kalauer sondern ein herrlicher Seitenhieb auf die Schwachsinnikeit einiger Forderungen bzw. Konzepte (nur ein Beispiel) damaliger terroristischer Vereinigungen etc.
Ich behaupte keineswegs, dass BRIAN blasphemisch ist. Ich sagte nur, dass das einer der Diskussionsgründe rund um die Kontroversen ist.
PS: Ich kann verstehen, dass man den Film mag. Ich kann aber nicht verstehen, dass man ihn so feiert.
"Ich kann aber nicht verstehen, dass man ihn so feiert."
Vielleicht schon alleine deshlab, weil er es schafft für Diskussionen zu sorgen, wie gerade hier. Den das ist in den meisten Fällen, nicht in ALLEN!!, ein Zeichen dafür, dass der betreffende Film in irgendeiner Form Relevanz besitzt.
PS: Über Geschmack lässt sich nicht streiten, oder aber am Besten ;-) Von daher werden wir in Bezug darauf, ob jmd. der Film gefällt, oder nicht, nicht zu einem Konsens kommen können. Aber das ist ja auch das Schöne... ;-)
ich weiß noch, was "wanda" für wellen gemacht hatte, weil da so manche gruppierungen der meinung waren, in dem film werden stotternde verhöhnt.
wanda ist eine herrliche komödie. jederzeit wieder ansehbar.
Ja, davon habe ich auch gelesen. Aber das sich Leute über die Filme der Phytons aufregen, gehört ja auch irgendwie dazu...
ah Monty phyton.. daher kenn ich den Film nicht ^^# ein ehemals bester freund von mir hatte alles von denen, und ich hab das leben des brian über mich ergehen lassen, und nie wieder was angeschaut ^^#
war nur auf Englisch, und ich habe mich damals heftig gegen diese Sprache gesträubt ^^
Aber ich kann beruhigen. "Wanda" ist bekömmlicher als das "wirkliche" Monty Phyton. Trotzdem: Der Film ist ein MUSS auf Englisch. ;-)
Hat jemand eine Ahnung, wieso der Film ab 16 ist?
So, gestern mal wieder gesehen und erstaunlich ermüdet gewesen. Pythonesk find ich hier nicht allzu viel (oder sagen wir: zu wenig). Da fand ich bei dieser sicherlich seit 8 Jahren ersten Sichtung wieder, dass zu vieles in der Luft hängen blieb. Würde daher so pi mal Daumen die Hälfte der Punkte geben *duckundweg*
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