

Mit der Besprechung zu „Nur noch 60 Sekunden“ werden die „Nicolas Cage-Festpsiele“ an dieser Stelle zu ihrem Abschluss, aber keinesfalls zu ihrem Höhepunkt, gebracht werden. „Nur noch 60 Sekunden“, beziehungsweise „Gone in 60 Seconds“ ist ein Remake des, zumindest im englischen Titel, gleichnamigen Exploitation-Streifens von 1974 (zu Deutsch: „Die Blechpiraten“).
Seiner Zeit realisierte H.B. Halick den Film quasi im Alleingang: Er schrieb das Drehbuch, produzierte den Film, führte Regie und spielte gleichzeitig auch noch die Hauptrolle. Im Jahr 2000 musste da schon die Action-Schmiede von Jerry Bruckheimer herhalten, der dem Film ein Budget von geschätzten 90 Millionen Dollar spendierte, dazu noch den Regisseur Dominic Sena an Bord holte, welcher der breiten Masse vor allem noch durch seine Regie bei „Passwort Swordsfish“ bekannt sein dürfte, und last but not least Nicolas Cage und Angelina Jolie als publikumsträchtige Zugpferde verpflichtete.
Die zu dem Film gehörige Story ist schnell erzählt: Randall „Memphis“ Raines war der beste Autodieb, den die Stadt jemals gesehen hatte. Das lag wohl nicht zuletzt an seiner Einstellung, denn es war nicht der finanzielle Reiz, welcher Memphis antrieb, nein, für ihn war das Knacken eines Autos, und die danach folgende Spritztour eher so was wie ein „religiöser Akt“, gleichsam magisch, wie erhebend. Doch auch bei ihm wuchs die Erkenntnis, dass sein weiteres Schicksaal in unerfreuliche Bahnen abgleiten würde, sollte er den Absprung nicht schaffen.
Und so steht er nun sechs Jahre später auf einer Kart-Bahn mitten in Nirgendwo und verdient seine Brötchen damit, kleinen Kinder auf eben dieser Kart-Strecke zu betreuen. Doch die Geister, die er rief, wird er nicht los. Und so ereilt ihn eines Tages, das Hilfegesuch seines Bruders Kip (Giovni Ribisi), der in die unheilvollen Fußstapfen seines Bruders getreten ist. Leider hat er nicht die Klasse seines Bruders und einen Job vermasselt. Gangsterboss Raymond Calitri (Christopher Ecclestone) stellt Memphis somit vor die Wahl, die de facto keine ist: „Beschaff mir in 72 Stunden 50 Autos, oder dein Bruder ist tot!“
Das Problem von „Nur noch 60 Sekunden“ besteht darin, dass es eigentlich kein Problem gibt. Und das war die höfliche Umschreibung dafür, dass der Film an sich völlig unerheblich geworden ist. Er bietet noch weniger Ansatz- oder auch Reizpunkte, als der Schnitt durch das Genre. Er ist weder ein Actioner, der weit über dem Schnitt liegt, wie ein „Stirb Langsam“, oder auch „Face/Off“, noch ist er so überzeichnet, so übertrieben wie ein „Con Air“ von 1997, der wenigstens dadurch auffallen konnte Trash sein zu wollen und in gewisser Hinsicht daraus seine Existenzberechtigung und Charme generieren konnte.
Dieser Film hat keinen Cyrus „The Virus“, hat keinen Steve Buscemie, der ultracool den psychopathischen Massenmörder miemt. „Nur noch 60 Sekunden“ hat hingegen einen Bösewicht, der böse schaut (zumindest glaubt man, dass es das bedeuten soll), und nebenbei ein Faible für Holzarbeiten hat. Das wirkt alles irgendwie ein wenig wie Selbstherapie. Gut, der Streifen hat dafür Angelina Jolie. Blöd nur, dass die Jolie in diesem Film mit einer mehr als grausig hässlichen Frisur in Wasserstoff-Blond daherkommt, was die ganze Sache schon wieder ein wenig unerfreulicher gestaltet. „Lichtblick“ des Films: Wenigstens ist Vinnie Jones cool wie immer, aber das ist es dann auch.
Ach ja, und das ist dann ja auch noch der Hauptdarsteller des Films. Nicolas Cage in einer für ihn typischen Rolle, zumindest was die Dekade der Neunziger angeht, und auch das neue Jahrtausend eröffnet er in dieser Form. Wenigstens nimmt man ihm die Rolle des Auto-Fanatikers ab, und zumindest in der „Low Rider Sequenz“ kommt dann endlich mal so etwas wie Flair auf. Es ist zu einem großen Teil die mangelnde Atmosphäre, die dem Film nicht gut bekommt.
Man muss kein Prophet sein, um erkennen zu können, auf wen dieser Film zugeschnitten ist, wer sich an diesem Streifen bis zum Exzess erfreuen und ergötzen kann: All jene nämlich, die mit Leichtigkeit die Namen, die Marken, und die Modellnummern der 50 Vehikel aufzählen können, und die durch das Blitzen und Blinken all des Chroms und Metalls schier wahnsinnig werden! ;-) Es ist nicht nur für die Story an sich konsequent, dass die Autos Namen bekommen, sind sie doch in diesem Fall so etwas wie die heimlichen Stars von „Nur noch 60 Sekunden“. Und wenn man das für einen Film konstatieren muss, dann lässt das meiner Meinung nach tief blicken.
Aber, wie bereits schon erwähnt. Damit kann man ja auch irgendwie leben, zumal der Score relativ stimmig geworden ist. Der Film tut niemanden weh, obwohl es vielleicht besser gewesen wäre, er hätte es an irgendeiner Stelle mal versucht. Es reihen sich altbekannte Methoden und Kniffe des Genres aneinander und erzeugen einen Film, der außerhalb des Kreises der Anhänger von schnellen, teuren, und schönen Autos, auf wenig Begeisterung stößt, eben weil es daneben kaum noch etwas gibt, was überbleibt.
Und so ist es in gewisser Weise nur konsequent, dass sich Quentin Tatrantino in seinem letzten Film „Death Proof“ über „Nur noch 60 Sekunden“ lustig macht, indem er seinen Protagonistinnen ein Gespräch über diesen Film und sein Remake führen lässt, in dessen Ergebnis nämlich das dabei herum kommt, was von mir im Vorigen skizziert wurde: Dieser Film ist schlicht und ergreifend zu glatt, konturenlos, langweilig, ohne Charme und Flair. Er tut niemandem weh, weil er in seiner Anlage zu unerheblich ist, um zu reizen. Er ist noch nicht einmal richtig schlecht, dann würde er ja wenigstens auffallen. „Nur noch 60 Sekunden“ ist der Belanglosigkeit angeklagt und in diesem Sinne für schuldig befunden worden. Das Urteil: Eine Wertung von 5 Punkten, ein Inbegriff des reinen Durchschnitt, für diese graue Maus des Action-Films.
Quelle: Screenshots aus "Nur noch 60 Sekunden". © by Touchstone Pictures, Jerry Bruckheimer Films
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8 Kommentare:
Mit 5 Punkten hast du ja quasi nochmal Gnade vor Recht walten lassen *g* - stimme dir aber zu, der Film fällt dadurch auf, dass er nicht auffällt.
Stimmt, dem hätte ich auch ohne Probleme 1 Pinkt weniger geben können. Aber dann wäre er mir ja schon wieder fast aufgefallen, was er ja nicht tut. Durchschnitt halt... ;-)
Bruckheimer Kotzkino.
Bruckheimer Kotzkino.
LOL
Ich glaube fast, dass tumulder der Film doch irgendwie aufgefallen ist. LOL
Mir ist aufgefallen, daß sich keiner der Beteiligten im Sujet des Filmes auskennt. Wenn das mal nicht auffällig ist;)
Bin durch Zufall das erste Mal auf dieser Seite... aber sollte ich noch einmal hierher kommen und auf eine Kritik stoßen, bei der der Film so schlecht abschneidet, dann werd ich mir den auf jeden Fall anschauen...
Ich bin eine Frau, die ganz sicher nicht die 50 Namen der Autos aufzählen kann und auch sonst net besonders auf Autos guckt - aber den Film "Nur noch 60 Sekunden" hab ich mehrfach geschaut und werd ihn mir noch öfters ansehen...
Der Soundtrack ist klasse - die Schauspieler sind klasse - Nicolas Cage und Angelina Jolie legen ne gute Show hin... der Film hat Witz und ist für die Zeit gut gemacht...
Meine Meinung... ;o)
Ich kam zu dem Film weil mir ein Freund mal sagte das dies einer seiner Lieblingsfilme wäre, er wollte mir den unbedingt zeigen, weil er wusste das ich kein stumpfsinnger Filmekucker bin, sondern das ich bei Filmen gewisse Qualitäten erwarte und auch erkennen kann.
Beim schauen sind mir auch gleich die Schwächen des Films aufgefallen, vor allem seine Vorhersehbarkeit von Situation, wie z.B. das der Hund die Schlüssel frisst, da sagte ich noch zu meinem Freund, sag jetzt nicht das der Hund den Burger und damit die Schlüssel fressen wird, was für mich in einer Story ziemlich platt und als billige Spannungserzeugungsnötigung gleich kommt ... und was geschieht, der Hund frißt die Schlüssel ... *gg*
So gab es noch mehrere Szenen welche den Film für mich eher schlecht, teilweise nervig und unglaubwürdig machten.
Ich hab die Sachen während des schauens natürlich ansprechen müssen, weil es mir so penetrant hervor gestochen ist und ich meinen Freund darauf aufmerksam machen wollte, da ihm diese Dinge anscheinend nicht aufgefallen sind.
Danach meinte er nur ich hätte ihm den Film vermiest, weil ihm das nun auch auffallen würde und er mir Recht gibt *lach*
Ok, die Autos sind cool, können aber den Film nicht retten, von der Story an sich hätte man auch mehr draus machen können, was bei diesem Film aber nicht gelungen ist ... also für mich ist dieser Film eher eine 3/10 ... aber so hat halt jeder andere Ansprüche und legt sein Augenmerk auf andere Schwerpunkte :o)
Grüße und ne gute Zeit
CKL
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