Rezension: "The Rock - Fels der Entscheidung"










Man schrieb das Jahr 1995 als im Zuge der Bruckheimer/Simpson-Produktion „Bad Boys“ mit Michael Bay ein unter Kritikern eher ambivalent gesehener Regisseur die Bühne des Filmgeschäfts betreten sollte. „Bad Boys“ wurde ein großer finanzieller Erfolg, und nur ein lumpiges Jahr später folgte mit „The Rock – Fels der Entscheidung“ der nächste große Actioner in der Filmographie Bays. Wie bereits angedeutet polarisiert die Personalie Bay die Filmgemeinde, aber auch seine größten Anhänger werden eingestehen müssen, dass Bay wahrscheinlich nie der Mann für den anspruchsvollen Film an sich sein wird. Seine Fähigkeit es ordentlich „krachen zu lassen“ scheint jedoch den Nerv eines großen Teils der Filmgemeinde getroffen zu haben, so dass Michael Bay's „Visionen“ seit 1995 in schöner Regelmäßigkeit im Zuge nicht ganz so billige Blockbuster auf der großen Leinwand zu bewundern sind. Solange es sich, dass sei an dieser Stelle schon einmal angemerkt, um den reinen Popcorn-Actioner handelt, ist dies durchaus noch im Bereich des Annehmbaren. Doch Gnade uns Gott, wenn Herrn Bay einfällt eine wirklich wichtige Geschichte erzählen zu wollen, das Desaster ist dann fast so etwas wie logische Konsequenz - „Pearl Habour“ lässt grüßen.


1996 sollte dann schließlich das Jahr sein, in dem mit „The Rock“ der wohl beste Film der bisherigen Ära Bay in die Kinos kam. Dies liegt zum Einen natürlich an den inszenatorischen Fähigkeiten Bays in Bezug auf Action, Effekte und visueller Stil, die durchaus vorhanden sind, wenn es gefordert ist einen Film zu erschaffen der vordergründig an der popcornorientierten Unterhaltung interessiert ist. Zum anderen ist die Tatsache, dass „The Rock“ in seiner Summe überdurchschnittliches Unterhaltungskino geworden ist, dem Mitwirken eines ganz bestimmten Hauptdarstellers zu verdanken – nämlich Sean Connery.


Dieser spielt John Patrick Mason, ein von den amerikanischen Behörden in diversen Hochsicherheitsgefängnissen festgehaltener ehemaliger britischer Geheimdienst-Agent, der in dem Besitz brisanter Filmaufnahmen ist, welche unter anderem enthüllen könnten, wer wirklich für das Attentat auf John F. Kennedy verantwortlich gewesen ist. Und da Mason sich weigert den Aufenthaltsort dieser Aufnahmen preis zugeben, ist er dazu verdammt als Mann ohne Existenz in den Kerkern seiner Häscher zu versauern. Sean Connery ist also quasi ein weiteres Mal in seiner Karriere im Auftrag ihrer Majestät unterwegs, nur diesmal unter etwas anderen Voraussetzungen.


Das trostlose Leben von Mason nimmt eines Tages eine unerwartete Wendung, als der hochdekorierte Brigadegeneral Francis X. Hummel (Ed Harris) die Gefängnisinsel Alcatraz mitsamt 89 Touristen und einer Batterie tödlicher Giftgas-Raketen, die in Folge auf das Zentrum von San Francisco gerichtet sein werden, unter Kontrolle bringt. Seine Forderung: Geld von der Regierung, nicht nur für sich und seine Mannen, sondern auch und vor allem für die Angehörigen der amerikanischen Soldaten, die unter dem Kommando Hummels während zahlreicher verdeckten Einsätzen ihr Leben ließen, und dafür weder angemessen entschädigt, geschweige denn gewürdigt worden sind.


Die Regierung ist verständlicherweise nicht gerade angetan von der kleinen Exkursion des Generals und bereitet Gegenmaßnahmen vor. Der Plan: Der smarte Experte für biologische Waffen des FBI, nämlich Stanley Goodspeed (Nicolas Cage) soll auf die Insel geschleust werden, um die Raketen zu entschärfen. Doch wie kommt man unerkannt auf diese Insel? Richtig: Man besorgt sich Hilfe von dem einzigen Mann, der es geschafft hat von der Insel zu fliehen – und zu Überleben. Dieser Mann ist, welch Überraschung, Mr. Mason hochpersönlich, der natürlich nicht gerade davon begeistert ist, Jenen, die ihn jahrelang eingesperrt haben, nun plötzlich helfen zu sollen.


Es ist ja völlig klar, dass man mit mit dieser Story keinen Preis für das beste Drehbuch gewinnen wird. Sie ist in iher Dichte doch eher flach, wenig tiefgründig, und das bisschen Tiefe, was vorhanden ist, kommt eher die Funktion eines Alibis zu. Dazu kommt noch eine ungeheuer pathetische, patriotische und aufdringliche Eröffnungsszene im strömenden Regen, die einen Schaudern lässt. Ebenfalls zu vermeiden in Bezug auf „The Rock“ ist das Stichwort „Logik“: Da wird ein britischer Spion von der amerikanischen Regierung jahrzehntelang eingesperrt und seinem Schicksal überlassen. Da ist der Bösewicht, der nur ein bisschen Böse ist, denn es ist ja völlig ausgeschlossen, dass ein hochdekorierter Kriegsheld die Bevölkerung Amerikas willentlich in Gefahr bringen würde. Schlussendlich ist da ein FBI-Agent, Goodspeed, der sogar mit dem Abfeuern seiner Waffe überfordert scheint, und in seiner Funktion doch eigentlich gar nicht auf der Insel gebraucht werden würde, da es ja augenscheinlich ausgereicht hätte, die Raketen einfach ins Wasser zu schmeißen. Und davon gibt es ja auf einer Insel bekanntermaßen mehr als genug.


Aber um die Logiklöcher der Geschichte geht es in „The Rock“ natürlich nicht. Die Story ist in diesem Fall nicht Zweck des Ganzen, sondern nur Mittel um die nötigen Ingredienzen für einen Blockbuster nach der Rezeptur von Michael Bay anständig zuzubereiten. Es knallt, rumst und scheppert, mal mehr und mal weniger effektvoll, in einer Tour: Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco? Vorhanden! Groß angelegte Schießerei? Vorhanden! Zweikämpfe Mann gegen Mann? Vorhanden! Verfolgungsjagden durch enge Tunnel? Vorhanden! Angemessen hoher Bodycount? Auch vorhanden!


Und trotzdem: Dies alles würde nicht reichen, um diesen Film in eine Wertungssphere zu führen, die oberhalb des Durchschnitts liegt. Denn dazu ist auch in einem reinen Actioner mehr von Nöten, als die reine Action. Angeblich soll ja Quentin Tarantino an dem Drehbuch für „The Rock“ mitgeschrieben haben, und mich würde mal brennend interessieren, was er dazu beigetragen hat. Hat er vielleicht dafür gesorgt, dass die Dialoge den Witz bekommen haben, der im Endresultat durchaus vorhanden ist? Das er das kann, ist ja allgemein bekannt.


Wie dem auch sei: Es ist dem Zusammenspiel der zwei Hauptakteure des Films zu verdanken, dass „The Rock“ in seinem Endresultat gar nicht mal so schlecht geworden ist. Sean Connery spielt die Rolle des abgeklärten Wolfs mehr als überzeugend. Gerade sein erster Auftritt im Film ist durchaus memorabel. Ihm zur Seite steht Nicolas Cage, der seit seiner phänomenalen Leistung in "Leaving Las Vegas" ein Jahr zuvor, in eine andere Liga Hollywoods aufgestiegen ist. Gleichzeitig war diese Rolle der Startschuss für eine etwas längere Abfolge von Actionern, denen Cage in der Folge sein Gesicht geben sollte. Seine Rolle des jungen, aufrechten aber auch sehr naiven Agenten harmoniert wunderbar mit der Rolle des alten Haudegens, was zu einigen amüsanten Szenen führt.


Fazit: „The Rock“ ist ein sehr anständiger Film der es wirklich versteht zu Unterhalten. Eine angemessen spannende, aber nicht immer ganz logische Story, liefert den nötigen Rahmen um am Ende einen Actioner in der typischen Machart Bays stehen zu lassen. Seine überdurchschnittliche Bewertung verdankt er vor allem seinen beiden Hauptdarstellern, insbesondere Sean Connery, die wirklich gut harmonieren. Mit einem schlechteren Cast, welcher den Rollen von Mason und Goodspeed nicht dieses Charisma verliehen hätte, würde dieser Film nicht die 7,5 Punkte erreichen, die er an dieser Stelle bekommt.


Quelle: Screenshots aus "The Rock - Fels der Entscheidung". © by Don Simpson/Jerry Bruckheimer Films, Hollywood Pictures


Siehe auch:

"Con Air"

"Face/Off - Im Körper des Feindes"

"Nur noch 60 Sekunden"


11 Kommentare:

fincher hat gesagt…

Ich hab dem früher mal 10/10 gegeben. :D Heute ist er jedoch immer noch einer meiner Lieblingsactionfilme, nach "T2" und "Face Off"/"Hard Boiled". In Zimmer´s Score kann man übrigens schon viel von späteren "Gladiator" und "Fluch der Karibik"-Elementen erkennen. ;)

Auch wenn ich einer unter wenigen bin: Ich mag Michael Bay-Filme, abgesehen von dem grottigen "Pearl Harbor" (war zu groß für Bay)! Basta.

C.H. hat gesagt…

Wie gesagt: Solange Bay beim reinen Unterhaltungs-Actioner bleibt kann ich auch sehr gut mit ihm Leben.

Und solange du "Pearl Habour" nicht gut findest, ist sowieso alles in Ordnung ;-)

TheRudi hat gesagt…

Im Gegensatz zu "Con Air" sehe ich den hier schwächer, aber ich zitier mich wieder einfach kurz selbst: Holla die Waldfee, eine Videospielverfilmung zu einem Videospiel das es nie gab. Besonders hinten raus ist das Teil eine absolute Schlaftablette die in den letzten fünfzehn Minuten niemanden mehr zu fesseln weiß..

Der Nicky Cage, der liefert meist krudes ab, wenn er den Drama-Bereich verlässt. Dabei beherrscht er den (den Drama-Bereich) doch so gut. Schade.

Kaiser_Soze hat gesagt…

Man sollte Bays Filme nicht nur auf seinen Unterhaltungsfaktor reduzieren. Das gilt übrigens für jeden Film. Auch wenn wir hier von Popcornkino sprechen.

Ich mag CON AIR lieber als THE ROCK, nicht weil er besser ist, dass sind sie beide nämlich nicht, sondern, weil mir CON AIR mit Malkovich und Buscemi mehr gibt. Klaro, das ist hier alles schon sehr übertrieben und wenig ideenreich, aber THE ROCK ist da keinen Deut besser.

C.H. hat gesagt…

@ Rudi:
Ja, "The Rock" hat bei mir einen unerhörten Sean Connery Bonus. Den finde ich in seiner Rolle als Ex-Agent einfach zu cool, um es mal salopp zu formulieren.

Aber viel wichtiger: "Dabei beherrscht er den (den Drama-Bereich) doch so gut. Schade."

Word!! Leider wissen dasnur die Wenigsten zu Schätzen.

@ Kaiser: Wenn ich an "the Rock" andere Maßstäbe anlegen würde, als Unterhaltung bleibt aber nicht mehr viel über... ;-)

Kaiser_Soze hat gesagt…

Siehste ;)

C.H. hat gesagt…

Es ist Zeit für ein "Touché"... ;-)

tumulder hat gesagt…

The Rock habe ich seiner Zeit im Kino gesehen und im Action Genre war er schon etwas neues. Völlig durchgestylt bis zur letzten grünen Giftgaskugel. Aber auch schon damals nervte die ausufernde Dramaturgie gewaltig. Im Gegensatz zu späteren Bay Filmen bleiben die Actionszenen jedoch noch übersichtlich und erträglich.

Und ja, ich mag Cage. Warum er aber unbedingt ins Actionfach wechseln wollte bleibt auch mir schleierhaft. Ich mag ihn am liebsten in Wild at Heart und Leaving Las Vegas. Letzterer ist ein sehr unterschätzter Film.

C.H. hat gesagt…

Ich hab den Cage auch ganz gerne. Und "Leaving Las Vegas" mag zwar in der Breite unterschätzt sein, aber definitiv nicht bei mir. ;-) Ist einer meiner Lieblingsfilme, den ich immer wieder sehen kann.

Allerdings gilt für den, wie auch für "Wild at Hearts", dass die Synchro schrecklich ist. Aber das ist ja nur halb so tragisch, seh eh immer nur die Original-Fassung ;-)

Anonym hat gesagt…

Ich weiss nicht warum man den Film immer an den Namen der Schaupielern bewertet. Geschichte ist cool, und wenn man den Film zum ersten Mal sieht, weiss man gar nicht, dass der General nur blöfft. Insofern ein interessanter Überraschungseffekt, der beim mehrmaligen Sehen dann zu einer sehr "großen" Handlung wird.

C.H. hat gesagt…

Ich weiss nicht warum man den Film immer an den Namen der Schaupielern bewertet.

Weil die Schauspieler die Protagonisten zum Leben erwecken. Hättest du "The Rock" mit Till Schweiger in der Hauptrolle cool gefunden, nur weil die Geschichte toll ist? Das bedeutet, die Leistung Schauspieler spielt bei der Wertung eine wesentliche, wenn auch nicht die alleinige Rolle.

Insofern ein interessanter Überraschungseffekt

Nein, nicht wirklich. "The Rock" ist eine typische amerikanische Bay-Bruckheimer Produktion. In deren filmischen Verständnis ist es quasi ein Ding der Unmöglichkeit, dass ein hochdekorierter General ernsthaft den Tod zigtausender unschuldiger Zivilsten in den Kauf nehmen würde.

Also von daher, war der Bluff nicht wirklich überraschend... ;-)

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