

Die elegant gekleidete Dame mittleren Alters (Helen Hunt), die da im Restaurant sitzt, weiß ganz genau, dass sie das Gesprächsthema Nr. 1 bei der Gruppe Frauen am Tisch hinter ihr ist. Und ebenso wie ihr dies bewusst ist, ist Mrs. Erlynne auch völlig klar, dass das Getuschel hinter ihrem Rücken gerechtfertigt ist, bestreitet sie doch ihren Lebensunterhalt damit, reiche Ehemänner zu verführen, und sich von denen finanziell ausstaffieren zu lassen. In den Staaten endgültig in gesellschaftlichen Misskredit gefallen, begibt sie sich auf die Reise nach Italien, genauer gesagt in das Küstenstädtchen Amalfi. Dort angekommen macht sie sich alsbald daran, dass junge Eheglück von Robert (Mark Umbers) und Meg (Scarlett Johansson) Windermere gehörig durcheinander zu wirbeln. Doch auch Mrs. Erlynne macht eine für sie neue Erfahrung: Der kauzige Lord Augustus (Tom Wilkinson) wirbt offensiv um ihr Hand, wohl wissend welcher zweifelhafter Ruf dieser Frau selbst nach Italien voraus geeilt ist.
Die Tragikkomödie „Good Woman – Ein Sommer in Amalfi“ basiert auf dem Theaterstück „Lady Windermeres Fächer“ von Oscar Wilde, welches 1892 uraufgeführt wurde. Wilde, 1854 in Dublin geboren, war ein Schriftsteller der von Teilen der Gesellschaft ebenso bewundert wurde, wie er von anderen Teilen gehasst wurde. Seine Werke, oftmals satirische Kritik am damaligen gesellschaftlichen Moralverständnis, sorgten für mehr als nur einen Skandal, ebenso wie seine eigene Lebensweise, die ihn schlussendlich sogar ins Zuchthaus bringen sollte. Und so ist „Lady Windermeres Fächer“ in erster Linie Spottlied auf die prüde viktorianisch geprägte Vosrstellung einer Beziehung und Ehe im Europa, beziehungsweise England, am Ende des 19. Jahrhunderts, welches Wilde derart inszenierte, dass in seinem Stück ein Bild von Ehe, Moral und Sitte entworfen wird, dass dem in der damaligen Zeit gesellschaftlich akzeptierten Bild diametral gegenüber steht.
Regisseur Mike Barker verlegt nun die Geschichte des Films in das Italien der dreißiger Jahre. Sommer, Sonne, Mittelmeer und der „Joie de Vivre“ der reichen Europäer und Amerikaner dominieren somit das Bild des Geschehens. Freilich, der Transfer des Plots hinein in das 20. Jahrhundert soll die ganze Geschichte modernisieren, gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, ob dies wirklich nötig gewesen wäre. Lassen wird diese Frage einfach mal dahingestellt, denn das Spiel mit der Moral funktioniert ohne Zweifel auch in den dreißiger Jahren, und – da bin ich mir Sicher – würde in einigen Teile der heutigen Gesellschaft (leider) auch heute noch funktionieren.
Gibt sich der Anfang dieser Komödie so locker und leicht, wie das malerische Ambiente des Films, so wird diese doch im Laufe der Zeit immer behäbiger. Im Aufbau zu redundant, in der Inszenierung mit zu wenig Esprit, so könnte man eines der Kernprobleme von „Good Woman“ auf den Punkt bringen. Spätestens nach der Hälfte des Films weiß der geneigte Zuschauer wie der Hase läuft, und hat mehr als nur eine Ahnung wie die Geschichte enden wird. Wenn sich in der letzten Szene jemand gezielt hinter einer Zeitung versteckt, dann weiß wirklich absolut jeder, der in seinem Leben mehr als einen Film gesehen hat, wer sich hinter dieser wohl verstecken wird – Diese Sequenz ist somit die schlussendliche Visualisierung seines größten Dilemmas.
Aber der Film hat natürlich auch ohne Zweifel seine Stärken. Zum einen natürlich das europäische Ambiente des „Sommer-Kinos“ mit schönen Bildern und schönen Kostümen. Dazu kommt, ich habe es bereits angedeutet, eine nicht zu geringe Dosis gelungener Dialogwitz, der sich gerade in der alles kommentierenden Alt-Herren-Runde überzeugend seine Bahnen bricht.
Stärken und Schwächen sind auch in der Riege der beteiligten Schauspieler zu finden. Der Film definiert sich unter anderem eben auch durch den Gegensatz seiner zwei Frauen-Rollen. Auf der einen Seite die erfahrene, bestimmt auch durchtriebene Verführerin, und auf der anderen Seite das blutjunge und naive Mauerblümchen, dass in seinen Moralvorstellungen stockkonservativ und der Ursprung aller Prüderie ist. Und während Helen Hunt ihre Rolle mit Inhalt und Format füllt und somit zu überzeugen weiß, bleibt Scarlett Johansson quasi bis zum Schluss in der Rolle des Heimchens gefangen, so dass sich ihr Part darauf beschränkt mit großen Rehaugen in die Kamera zu blinzeln. Miss Johansson, da habe ich schon bessere Rollen von Ihnen gesehen, 1:0 für Helen Hunt. Weiterer Lichtblick: Tom Wilkinson, der in der Rolle des verliebten Lords durchaus gefällt.
„Good Woman – Ein Sommer in Amalfi“ ist in seiner Summe ein durchaus gelungenes Spiel mit den oftmals pejorativ gebrauchten Begriffen von Anstand und Moral, sehr schön versinnbildlicht in dem einen Satz: „Ich habe nichts gegen Tratsch, wohl aber gegen die Moralisierung Desselben.“ Gleichzeitig ist diese Komödie aber auch zu wenig innovativ, ohne die nötige Leichtigkeit, die sie ja durchaus ihr Eigen nennen möchte, um wahre Stürme der Begeisterung auslösen zu können. Fazit: 6 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Screenshots aus "Good Woman - Ein Sommer in Amalfi". © by Meltemi Entertainment, Thema Production, Buskin Film S.r.l., Kanzaman S.A., Beyond Films, Magic Hour Media






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