"Kurz & Knackig" - Vol. 1

Neuer Monat, neue Kategorie bei „Kino, TV & Co“. Entstanden ist diese aus dem bestehenden Missverhältnis zwischen der Anzahl der von mir gesehenen Filme und der Zeit, die mir zur Verfügung steht, um darüber zu schreiben. Und da ich es als wenig sinnvoll erachte, die von mir ungeliebte Rubrik der Kurz-Rezensionen (die somit im Sterben begriffen sein dürfte) künstlich aufzublasen, wird es also in Zukunft in unregelmäßigen Abständen die Kategorie „Kurz & Knackig“ geben. Das heißt natürlich nicht, dass es zu den in dieser Kategorie aufgeführten Filmen niemals ausführliche Besprechungen geben wird. Wie heißt es doch so schön? - Kommt Zeit kommt Rezension.


Die Brücke“ (1959)

Lange hat es gedauert bis ich endlich dazu gekommen bin, mir Bernhard Wickis „Die Brücke“ von 1959 anzusehen, der gemeinhin als einer DER deutschen Antikriegsfilme schlechthin gilt. Nach Sichtung des Films muss ich sagen, dass der Film ohne Zweifel gelungen, aber nichts desto trotz nicht frei von Schwächen ist. Der Film erzählt die Geschichte von 7 Jugendlichen die im April 1945 in den letzten Kriegstagen zur Wehrmacht eingezogen werden. Auf Grund ihrer nationalsozialistischen Indoktrinierung folgen sie diesem Ruf voller Verblendung und Begeisterung und werden dazu abkommandiert eine Brücke zu verteidigen, die ohnehin gesprengt werden soll. Natürlich wissen sie dies nicht, und so sterben Sechs von Ihnen einen sinnlosen im Kampf gegen die anrückenden Amerikaner. „Die Brücke“ ist im zeitlichen Kontext der Produktion des Films zu sehen: Zwar geht er in seiner Kriegsdarstellung einen Schritt weiter, als die Kriegsfilmwelle der 50er Jahre, die im konstruierten Gegensatz von SS (Böse) und Wehrmacht (Gut), die Wehrmacht stets als von den Nationalsozialisten missbrauchtes Organ skizziert, doch auch hier wird die Wehrmacht und im Besonderen die deutsche Bevölkerung als verführte Opfergemeinschaft inszeniert, welche die deutschen Verbrechen im zweiten Weltkrieg nicht thematisiert. Dennoch gelingt „Die Brücke“ ein deutliches Statement gegen den Krieg, welches sich in eindringlichen Bildern manifestiert. Die im vorigen in aller Kürze skizzierten Schwächen sollten jedoch dem Zuschauer bewusst sein. Fazit: 7 von 10 Punkten.


Haus aus Sand und Nebel“ (2003)

Also, wenn man eh schon einen deprimierenden Tag hinter sich hat, und auch wirklich ganz sicher gehen möchte, das dies so bleibt, dann sei einem – aber bei weitem nicht nur deswegen – die Sichtung von „Haus aus Sand und Nebel“ empfohlen. Hinter diesem zugegebenermaßen sehr sperrigen Titel verbirgt sich ein intensives Drama unter der Regie von Vadim Perelman. Getragen wird dieser kammerspielartige Film vor allem von seinen beiden sehr guten Hauptdarstellern, Auf der einen Seite steht Ben Kingsley, der den ehemaligen Oberst der iranischen Luftwaffe Massoud Amir Behrani spielt, welcher vor Jahren mit seiner Familie in die USA immigriert ist, und mit allen Mitteln versucht seinen ehemaligen Wohlstand wieder zu erlangen. Und auf der anderen Seite befindet sich die junge und einsame Kathy Nicolo, verkörpert von Jennifer Connelly, der das Haus gehört in dem es in diesem Film vordergründig geht. Aus eben Diesem wird sie auf Grund eines bürokratischen Fehlers eines Tages zu Unrecht vertrieben, und ehe Kathy diesen Fehler aufklären kann, ist das Haus auch schon an den ehemaligen Oberst verkauft worden. Zwei Menschen die an entscheidenden Punkten ihres Lebens aufeinander treffen. Zwei Schicksale, zwei kulturelle Mentalitäten, kulminieren in diesem einfachen Haus, welches für den Traum des Einen, wie des Anderen steht. „Haus aus Sand und Nebel“ entfaltet mit unerbittlicher Bedächtigkeit seine volle tragische Wucht, erzählt eine Geschichte von Einsamkeit, geplatzten Träumen und unerfüllter Sehnsucht. Die Absolution wird nicht erteilt, am Ende bleibt der Zuschauer ratlos zurück – Thats's Life. Fazit: Ein viel zu unbekannter Film - 8 von 10 Punkten.


Mein erster Mord“ (2006)

Noch ein unbekannter Film, und die Laune wird diesmal unter Garantie besser. „Mein erster Mord“ ist nichts Besonderes, in seiner Anlage vorhersehbar, und trotzdem macht er Spaß, wenn man nicht zu Viel erwartet. Was diesen, von Kevin Spacey produzierten, Film besser macht, als seine thematischen Nachbarn ist der sympathische und überdurchschnittliche Cast: Carrie-Anne Moss, Alec Baldwin, Luke Wilson, Jeff Goldblum, sowie Nikki Reed geben sich ein fröhliches Stelldichein für eine wunderbar unmoralische, schwarze und humorige Groteske, wie sie von Zeit zu Zeit gerne gesehen wird. Mini (Reed) ist aber auch ein ziemliches Luder. Aus Neugier entschließt sie sich mal eben als Nutte zu verdingen und wie es der Zufall will führt sie gleich ihr erster Auftrag zu ihrem Stiefvater (Baldwin). Dumm gelaufen? Höchstens für Minis Mutter (Moss), eine Alkoholikerin, die Mini im Übrigen nur bekommen hat, um Unterhalt zu erpressen, und nun in Form ihrer eigenen Tochter Konkurrenz bekommt. Und da Mini und ihr Stiefvater gefallen aneinander finden, ist der Entschluss schnell gefasst: „Die Alte muss weg, drum heißt es Frisch ans Werk“. Das alles ist dann noch eine Spur unterhaltsamer, als es sich eh schon liest, was dazu führt, dass der Zuschauer 90 Minuten ansprechend unterhalten wird, ohne dabei Gefahr zu laufen einer geistigen Überforderung ausgesetzt zu werden. Die Schauspieler hatten offensichtlich Spaß an ihren Rollen, das sieht man ganz deutlich, ich hatte es auch, und mir bleibt an dieser Stelle nur noch zu Fragen: Hey Mini, was bist du nur für eine miese, geile, missratene Schlampe? Fazit: 7 von 10 Punkten.


The Statement" (2003)

Ein Film über Nazis, aber ohne Deutsche? Ich bin versucht „erfrischend“ zu sagen, doch scheint mir diese Vokabel in diesem Kontext ein wenig fehl am Platz. Der Franzose Pierre Brossard (Michael Caine) kollaborierte im zweiten Weltkrieg mit den Deutschen und war für die Hinrichtung von sieben Juden verantwortlich. Das Vichy-Regime ist mit Sicherheit kein Ruhmesblatt der französischen Geschichte. Viele Kollaborateure, die Schuld auf sich geladen hatten, wurden nach 1945 nicht zu Rechenschaft gezogen, so auch Brossard der sich jahrzehntelang im Schutz der katholischen Kirche im Verborgenen halten konnte. Eine Änderung der französischen Gesetze führt dazu, dass die engagierte Staatsanwältin Annemarie Livi (Tilda Swinton) sich an seine Fersen heftet, doch sie ist nicht die Einzige die Brossard auf den Spuren ist. Man muss es ganz deutlich sagen, es gibt eigentlich nur einen Grund warum dieser Film zu empfehlen ist, der ist dann dafür aber auch Gewichtig: Michael Caines Verkörperung des tiefgläubigen, gleichzeitig aber auch sehr gerissenen Verbrechers, ist wirklich als Erstaunlich zu bezeichnen. Eindrucksvoll gelingt es ihm, die innere Zerrissenheit dieses Menschen vor Augen zu führen, die sich somit durch den ganzen Film zieht. Das ganze „Drumherum“, die Geschichte um die Staatsanwältin, der Gruppe die Brossard nach dem Leben trachtet, die Rolle der katholischen Kirche, vermag indes nicht wirklich zu fesseln. „The Statement“ hat eindeutige Längen, die nicht zu leugnen sind, dennoch kann man den Film bei vorhandenem Interesse für das Thema und wegen der Performance von Caine durchaus eine Chance geben. Fazit: 6 von 10 Punkten.


Tricks“ (2003)

Tricks“ ist wohl einer der unbekannteren Filme sowohl von Ridley Scott, der Regie führte, als auch von Nicolas Cage, der diesem Film Hand und Fuß verleiht. Cage spielt den neurotischen Roy Waller, der mit mehr als einem zwanghaften Tick gestraft ist, gleichzeitig aber auch einer der besten Trickbetrüger ist, die es auf Erden gibt. So nimmt er mit seinem Kumpel und Partner eine arme Seele nach dem anderen auf, bis sein Leben auf Grund eines Tages völlig aus dem Ruder läuft, als er erfährt, dass er eine 14jährige Tochter hat. „Tricks“ funktioniert erstaunlich gut, und zieht seinen Charme vor allem aus seinem Hauptdarsteller. Es ist immer wieder erfreulich Cage mal nicht in einem simplen Actioner zu sehen. Seine Verkörperung des neurotischen Roy ist humorvoll, ohne sich auf plumpe Art und Weise über seinen Charakter lustig zu machen. Zudem kann der Film gegen Ende mit einer überraschenden Wendung aufwarten, die zu Gefallen weiß. Scott ist mit diesem Streifen ein erfreulich zurückhaltender Film gelungen, der zu unterhalten weiß, und sogar noch eine Botschaft für Bereithält, indem er ein klares Bekenntnis hinsichtlich der Frage abgibt, wo die wirklichen Dinge des Lebens zu finden sind. Fazit: 7 von 10 Punkten.


Die Wonder Boys“ (2000)

Ein richtig guter Schriftsteller hat augenscheinlich nicht mehr alle Tassen im Schrank, zumindest wenn man Grady Tripp (Michael Douglas) heißt. Der Professor für Englisch hat in seinem Leben genau ein Buch veröffentlicht, das war ein großer Knaller, doch seit diesem Erfolg arbeitet er vergeblich daran, diesen zu wiederholen. Seine Probleme sind von zahlreicher Natur, nicht nur beruflich, auch privat: Seine Frau hat ihn verlassen, seine Affaire mit der Kanzlerin der Uni mündet in einer Schwangerschaft, wer würde da nicht einmal nach einem Joint greifen? Das Beruhigt! Seine Probleme werden nicht geringer, als er eines Abends auf einen seiner talentiertesten Schüler trifft. James Leer (Tobey Maguire) ist vom Charakter ebenso so schwierig wie sein Professor – Beste Voraussetzungen also für zahlreiche Turbulenzen. Ich habe selten eine Komödie gesehen, die so entspannt inszeniert ist wie „Wonder Boys“. Ich mag so etwas. Die Geschichte wird in aller Unaufgeregtheit und Ruhe voran gebracht, obwohl sie einen Haken nach dem Anderen schlägt. Regisseur Curtis Hanson hat mit diesem Film ein Werk geschaffen das voller Liebe zum Detail ist. Begonnen bei den stimmigen Dialogen bis hin zu dem wunderbaren Soundtrack, der den den Film untermalt. Komplettiert wird das Vergnügen durch die herausragende Besetzung, aus der neben den beiden Hauptdarstellern insbesondere noch Robert Downey Jr. in der Rolle des freakigen Lektors heraus stechen kann. Fazit: 9 von 10 Punkten.


3 Kommentare:

TheRudi hat gesagt…

STATEMENT fand ich grauenhaft, musste den damals in einer Sneak sehen - zum Einschlafen, trotz Caine.

TRICKS mag ich überhaupt nicht, extrem langweilig und bei Ridley Scott gefällt mir auch nur jeder 4. oder 5. Film von ihm.

Zustimmung jedoch zu SAND&FOG sowie den WONDER BOYS, zwei überaus gelungene Filme.

C.H. hat gesagt…

Langweilig? Ohne jeden Zweifel - Grauenhaft? Das ist doch ein wenig Hart...

Kaiser_Soze hat gesagt…

TRICKS ist so unlogisch, bescheuert und nur doof.

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