

Die Tochter eines der Ausnahmeregisseure unserer Zeit zu sein, ist wohl Segen und Fluch zugleich, zumindest wenn man sich anschickt in die Fußstapfen des berühmten Vaters zu treten, dem die Welt mehr als nur einen cineastischen Meilenstein, unter anderem eben die Literaturverfilmung „Der Pate“, der mal eben als einer der besten Filme aller Zeiten gilt, oder aber auch den Anti-Kriegsfilm „Apocalypse Now“ zu verdanken hat. Die Rede ist an dieser Stelle natürlich von Sofia Coppola, die 1971 geborene Tochter des Ausnahmeregisseurs Francis Ford Coppola. Und so waren die schauspielerischen Bemühungen der Tochter auch von keinem großen Erfolg gekrönt, ihre Verkörperung der Tochter von Don Corleone (Al Pacino) im „Paten III“ wurde von allen Seiten mit vernichtender Kritik bedacht, so dass Sofia Coppola ihre schauspielerischen Ambitionen mehr oder weniger begraben durfte, beziehungsweise musste. Im Nachhinein, das kann man ohne weiteres sagen, ist es ein Glücksfall, dass sich Coppola's Tochter nach dieser Enttäuschung nicht endgültig vom Filmgeschäft abgewandt hat, sondern, ganz im Gegenteil, in der Folge ihrem Vater nacheiferte und damit begann hinter der Kamera zu arbeiten. Natürlich, als Regisseurin waren die Fußstapfen in die sie von den Kritikern unweigerlich hinein gedrängt wurde, umso Größer. Doch es zeigte sich schnell, dass Sofia das Talent ihres Vaters geerbt zu haben schien und in ihren Filmen glücklicherweise auch einen eigenständigen Stil zu Tage fördern konnte. Mit ihrem viel gelobten Regie-Debüt „The Virgin Suicides“, der 1999 im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes vorgestellt wurde und für große Aufmerksamkeit bei den Kritikern sorgte, legte sie ohne Zweifel den Grundstein für den Film, der ihrem Erstling vier Jahre später nachfolgen sollte und in ihren Ruf als exzellente Regisseurin endgültig begründete. Die Zukunft wird zeigen, ob sie dieses exorbitant hohe Niveau wird halten können, schon der 2006 entstandene Kostüm-Film „Marie Antoinette“ mit Kirsten Dunst in der Hauptrolle hat angedeutet, dass auch dem kometenhaften Aufstieg der Coppola Grenzen gesetzt sind. Nein, es ist von daher ganz und gar nicht auszuschließen, dass „Lost in Translation“ das Meisterstück in der noch relativ jungen Karriere der Regisseurin Coppola bleiben wird – Doch soweit ist es natürlich noch nicht.
„Lost in Translation“ hat sich relativ schnell den Ruf erarbeitet so etwas wie ein „moderner Klassiker“ zu sein und auch wenn mit Superlativen im Allgemeinen, und auch im Speziellen, stets ein wenig vorsichtig umgegangen werden sollte, so steht doch zunächst einmal außer Frage, dass dieser Film bei der Oscar-Verleihung 2004 den Preis für das beste Drehbuch völlig zu Recht gewonnenen hat. Nun sind aber Preise nur die eine Seite der Medaille und beileibe kein Automatismus dafür, dass der prämierte Film auch wirklich die Klasse besitzt, für die er ausgezeichnet wurde. Sofia Coppolas „Lost in Translation“ jedoch - an dieser Stelle ist ganz bewusst von „ihrem“ Film die Rede, hat sie doch auch das wunderbare Drehbuch geschrieben - und das ist die erfreuliche andere Seite der Medaille, ist einer jener Filme, die in ihrer Wirkung und Existenz zeitlos sind und sich somit in Sphären bewegen, die dem Film zu etwas Besonderem werden lässt. „Lost in Translation“ ist einer der Filme der, wie jeder großartige Film, für sich selber spricht und es somit eigentlich keiner sonderlichen Wortgewalt bedarf um den Film die Anerkennung zu Teil werden zu lassen, die ihm gebührt. Ganz im Gegenteil, jedes tosende und lärmende Wort, das in seinem Tenor zum Gigantismus auszuwachsen droht, widerspricht der Seele und der Intention dieses Films, der in seiner Konzeption von geradezu melancholischer Ruhe geprägt ist, von einer Narration die so behutsam wie feinfühlig ist, dass sie zwischen den gigantischen Hochhäuser-Schluchten Tokios fast zu verschwinden scheint. Zwei der essentiellen Themen, die dem Film zu Grunde liegen, Verständnis und Verlorenheit, finden sich bereits im Titel des Films, der in seiner genauen Übersetzung auf den ersten Blick simpel und in seiner Intention recht eindimensional erscheint, auf den zweiten Blick jedoch sein ganzes Potential offenbart und es demjenigen, der sich auf diesen Film einzulassen bereit ist, zur Verfügung stellt. „Lost in Translation“ ist somit in gewisser Weise mehr als eine einfache Komödie, mehr als nur eine tragisch angehauchten Geschichte und mehr als ein Film über die Unterschiede zweier sich fremder Kulturen, er ist in seiner Summe eine perfekte Symbiose aus diesen drei essentiellen Versatzstücken, verbindet diese zum großen Ganzen und bewirkt beim Rezipienten eine Art des intuitiven Verständnis, welches den Erkenntnisgewinn nicht aus dem Gehirn, sondern aus dem Herzen gewinnt und das ich anderer Stelle mit „Verstehen ohne Verstehen“ versucht habe zu beschreiben - „Lost in Translation“ ist wohl der Film, den ein Mann niemals hätte drehen können.
Aber eben auch ein Film, der ohne einen ganz bestimmten Mann nicht in der Art funktioniert hätte, wie er sich nun darstellt. Die Rede ist natürlich von Bill Murray, der sich in den Achtzigern Jahre erst als Komödiant („Ghostbusters“, „Und täglich grüßt das Murmeltier“) einen Namen gemacht hat, bevor er in den letzten Jahren auch in nachdenklich-melancholisch Rollen zu brillieren wusste, so in „Broken Flowers“ und eben im Zuge von „Lost in Translation“. Angeblich, so ist es immer wieder zu lesen, hat Sofia Coppola, als sie das Drehbuch zu diesem Film geschrieben hat, sofort Bill Murray im Kopf gehabt, für den diese Rolle quasi überhaupt erst geschrieben worden sei. Und wenn dann in den ersten Sekunden des Films, als Bob Harris (Bill Murray), der in die Jahre gekommene Schauspieler, in einem Taxi sitzend, staunend durch die Straßen der Metropole Tokio fährt, dann kommt der Kenner des Films nicht umhin diese Anekdote für plausibel zu befinden. War „Lost in Translation“ für Bill Murry in etwa gleichbedeutend mit dem endgültigen Eintritt in etwas reifere und ernsthaftere Rollen, so bedeutete dieser Film für seine zweite Hauptdarstellerin, welche die jung verheiratete Charlotte spielt, nämlich Scarlett Johansson, den internationalen Durchbruch, mit dem sie sich schlagartig in die oberen Ränge Hollywoods katapultierte und nunmehr zu einer der nachgefragtesten Schauspielerinnen ihrer Generation avancierte.
„Lost in Translation“ funktioniert auf diversen Ebenen und kann somit auch von verschiedenen Seiten betrachtet werden. Coppola, die selber einige Zeit in Japan lebte und dort arbeitete, hat immer wieder betont, dass dieser Film auch von ihren eigenen Erfahrungen geprägt gewesen sei, die sie im Umgang mit einer Kultur gemacht hatte, die der westlichen zwar nicht diametral gegenübersteht, sich aber eben doch fundamental von dieser unterscheidet. Und so sind es zu Beginn des Films auch die vielen kleinen komödiantisch inszenierten Anspielungen auf die japanische Kultur, die in Bezug auf diese erste Ebene für den Witz des Films zu sorgen wissen. Sei es die zuvorkommende Höflichkeit der Japaner, Anspielungen auf die im Durchschnitt geringere Körpergröße, oder auch die von Videospielen dominierte Freizeitlandschaft in der japanischen Metropole – dies alles wird von Coppola zu Beginn vor allem durch die Person Bob Harris thematisiert, der in diesen Phasen des Films das Auge und das Ohr des Zuschauers bildet. Er versteht nicht mehr als wir, beziehungsweise lässt Coppola uns nicht mehr wissen, als sie ihrer Film-Figur an Informationen zukommen lässt. Coppola spielt mit all diesen Klischees, die doch aber eben ein Fünkchen Wahrheit enthalten, hält jedoch stets die so wichtig Balance und verliert zu keinem Zeitpunkt den Respekt vor dieser vielschichtigen und interessanten Kultur. Ein Respekt, der sich auch immer wieder in den ruhigen und melancholischen Bildern zu manifestieren weiß, die meist dann auftauchen, wenn die Kamera der jungen Charlotte folgt. Es sind Momente in der die Hektik der Metropole dem Teil Japans weichen muss, der sich hinter all diesem großstädtischen Trouble eben und vor Allem auch zu verbergen weiß.
Doch ist dies nur ein Teil von „Lost in Translation“, der Aspekt welcher so offensichtlich Pate für den Titel des Films steht. Kommunikation, oder anders ausgedrückt die Sprache, ist essentielles Werkzeug in der Interaktion verschiedener Gesellschaften, immer auch gleichbedeutend mit einer bestimmten kulturellen Mentalität, die sich ihre Bahnen sucht. Von den Schwierigkeiten einander zu verstehen, davon erzählt Coppola also, bettet dies aber in eine Geschichte zweier Menschen ein, die, jeder auf seine Art und Weise ebenso verwirrt und verloren sind, und wohl vor allem deshalb zueinander finden. Das dies in einem Hotel in Tokio geschieht ist kein Zufall, kanalisieren und verstärken doch die Einsamkeit und der Jetlag ohne Zweifel bereits vorhandene Emotionen. In jeder Stadt in den USA wären sie wohl aneinander vorbei gelaufen, aber nicht hier in der Fremde, wo sich also zwei Menschen an der Bar des Hotels begegnen, und der Film sich von da an anschickt seine zweite, vielleicht sogar wichtigere Geschichte zu erzählen, die Geschichte von der Begegnung zweier Menschen, die sich scheinbar ähneln, die sich gegenseitig anziehen, die sich finden.
Auf der einen Seite der gealterte Schauspieler, der vor allem von seinen alten Rollen zehrt, nach Japan kam um dort mit einer eher albernen Werbung Geld zu verdienen, der ohne Zweifel an einem Scheideweg seines Lebens angekommen ist. Mehr als zwanzig Jahre verheiratet, hat er seiner Frau nicht mehr viel zu sagen, die zwischenmenschliche Kommunikation zwischen Beiden scheint erloschen. Diese sitzt zu Hause, kümmert sich um die Kinder und behelligt Bob in Japan mit allerhand Anrufen und Faxen bezüglich der Farbe des neuen Teppichs. „Warum rufe ich überhaupt noch an“ fragt sich Bob und in einer der essentiellsten und schönsten Szenen des ganzen Films singt er mit aller Kraft „More Than This“ - Es muss doch mehr geben. Auf der anderen Seite die junge Charlotte, die Bob in diesem Moment bewegt und nachdenklich ansieht. Eine junge Frau, frisch verheiratet mit einem Mann, der sie auf Grund seiner Arbeit im Hotel zurück lässt, mit dessen Arbeit sie nicht viel anfangen kann und sich somit genauso verloren und einsam fühlt, wie ihr älteres Pendant Bob. Der Zuschauer ahnt, dass sie in diesem Augenblick wohl das gleiche denkt, wie der singende Bob, nämlich ob es dies schon alles Gewesen sei, in ihrem noch jungem Leben. Zwei Seelenverwandte haben sich hier gefunden, in Tokio, fern der Heimat zwischen Schlaflosigkeit und der Hotelbar, die zusammen die fremde Kultur erkunden, die miteinander zu sich selber finden, nachdem sie in der Fremde erkennen mussten, dass sie sich und ihrer Umgebung selber fremd geworden sind.
Sofia Coppola fängt diese Emotionen und Stimmungen ein und kleidet sie in feinsinnige Bilder, die stets den richtigen Ton treffen. Ihr Inszenierungsstil ist behutsam und zurückhaltend. Kein Wort zu viel kommt über die Lippen der Akteure, es sind viel mehr die Bilder die hier sprechen. Der Plot, die zu Grund liegende Story-Line ist simpel, es geschieht Wenig und doch aber so Viel. Das lakonische Spiel Bill Murrays, das nuancierte und bezaubernde Spiel von Johansson tragen diesen Film, lassen ihn ruhig daher gleiten. Jeder Ton des wundervollen Scores, der sich in perfekter Weise an seine jeweilige Umgebung anpasst, ist an der richtigen Stelle. Nichts wirkt aufgesetzt, nichts übertrieben, die Beziehung zwischen Beiden kommt (zum Glück) zu keinem Zeitpunkt über das unausgesprochene Stellen der Frage „More Than This?“ hinaus, eine flüchtige Berührung an der Schulter deutet die Antwort, was vielleicht hätte sein können, nur an. Wenn am Ende des Films die beiden auseinander gehen, nach einer letzten Umarmung, nach dem ersten Kuss, nach den geflüsterten und für den Zuschauer nicht verständlichen letzten Worten, die Bob Charlotte zuraunt, eine Szene die angeblich spontan aus der Stimmung seiner Schauspieler heraus entstanden ist, bevor dieser zu den Klängen des melancholischen Songs „Just like Honey“ sein Taxi besteigt um zum Flughafen zu fahren, endet der Film und entlässt seine beiden Hauptprotagonisten wieder zurück in ihr jeweiliges Leben. Ein Ende, welches zu den besten Schlussszenen gehört, die jemals gedreht worden sind. Ein Abschluss, das den Zuschauer nachdenklich, melancholisch, vielleicht sogar ratlos zurücklässt und sich davor hütet die Frage zu beantworten, welche die Magie von „Lost in Translation“ letztendlich definiert. Es ist für den Zuschauer nicht wichtig zu wissen, was Bill Murray Bob in dieser letzten Szene sagen lässt, es ist an dieser Stelle die Imagination des Zuschauers worauf es ankommt, die entscheidend ist, was er denkt, was er sich wünscht, was er fühlt. Verstehen ohne zu Verstehen! - Fazit: 10 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Screenshots aus "Lost in Translation". © by Focus Features, Tohokashinsha Film Company Ltd., American Zoetrope, Elemental Films






21 Kommentare:
Du Mann viele Worte :) War ja klar, mit den 10/10 ;) Ich selbst fand den Film ganz nett, aber nicht herausragend, würde ihm so 1,5-2 Pkt. abziehen.
Mit ihrem viel gelobten Regie-Debüt „The Virgin Suicides“, der 1999 im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes vorgestellt wurde
Der Käse hatte doch nur so großen Erfolg, weil der Sountrack von Air so blendent ist;)
@ Rudi:
ganz nett,...,würde ihm so 1,5-2 Pkt. abziehen.
Ja, da ist der Unterschied, ich sehe ihn in der Tat als eine Art "modernen Klassiker". Aber 8,5 Punkte sind noch im Bereich dessen, was ich zu tolerieren bereit bin... ;-)
@tumulder:
Vielleicht, vielleich auch nicht... ;-)
Ja, ich mag den auch sehr. Vor allem dieser ruhige, besonnene Ton, den SC hier anschlägt. Und die Chemie zwischen Murray und Johannson passt einfach soooo gut. Wahnsinn.
Und die Chemie zwischen Murray und Johannson passt einfach soooo gut
Herr Kaiser_Soze, Sie sprechen mir aus der Seele. ;-)
ich stimme der Konklusion natürlich zu, gerade das Nicht-Zeigen, das Auslassen, die Umkehr der sonst üblichen Muster ist fast meisterhaft inszeniert.
Aber leider schreibst du sehr viel, sagst aber wenig. Das ist bei Filmen wie LoT natürlich sehr schwierig, diese Stimmung in Worte zu fassen, aber eigentlich hätten ein, zwei Absätze (vor allem der letzte) gereicht.
Auch wenn ich meine, dass die Story natürlich auch in jeder andere Grossstadt, zu jeder anderen Zeit funktioniert hätte.
Auch wenn ich meine, dass die Story natürlich auch in jeder andere Grossstadt funktioniert hätte.
Jein.
Nein, es hätte wohl z.B. in New York, Los Angeles oder auch in London eben nicht funktioniert, weil dort Charlotte und Bob wohl nicht übereinander gestolpert wären. Sie treffen in diesem Film vor allem auch aufeinander, weil beide im Hotel isoliert sind, und sich so ihre seelische Einsamkeit noch zusätzlich manifestiert --> Die Fremde Kultur ist somit für diesen Film essentiell.
Also: Ja, es hätte z.B. auch in Hong Kong oder Peking funktionieren können, da dann auch hier zwei fremde Mentalitäten aufeinader getroffen wären und der Effekt eintritt, den ich im Vorigen skizziert habe.
Zur Beitrags Länge: Ob man gerade die ersten 2,3 Absätze braucht, die auf den Film hinführen, ist Geschmackssache. Ich persönlich habe ganz gerne ein paar Hintergrundinformationen.
Und ich würde mir niemals Anmaßen die Stimmung des Films aufs Papier übertragen zu wollen. De facto hätte man eine Rezi zu dem Film auch in einem Satz schreiben können: "Der Film ist wunderschön, also seht ihn euch an." ;-)
ich fühle mich in London oder Barcelona viel heimicher und wohler als zB in Köln oder Berlin. Und nun?
Metropole steht hier doch "nur" als Symbol für die zivilisationskrankheit fehlender Kommunikation und zunehmender Entfremdung, das trifft auf die komplette westliche Welt zu.
Dass sich der Effekt in diesem Falle verstärkt und sich die Sprach- und Kulturbarrieren als grösseren Hinderniss darstellen ist unbestritten, aber sind hier auch nur einfacherer Mittel zum Zweck.
da fehlt ein *'~'## "s"
ich fühle mich in London oder Barcelona viel heimicher und wohler als zB in Köln oder Berlin. Und nun?
Ja, Eben. London, Barcelona, Köln, Berlin - Alles "europäisch westliche Gesellschaften". Nicht zu vergleichen mit dem "asiatischen Way of Life", der dem "Durchschnitts-Eurpopäer" unbekannt ist. Um die Argumentation mal mit Empirie zu füllen: Ich habe mal für einige Zeit in einer WG zusammen mit einem Chinesen gewohnt und da treffen zwei Kulturen aufeinander, die sich fundamental unterscheiden.
aber sind hier auch nur einfacherer Mittel zum Zweck
Nein! Das dieser Aspekt (Kultur) imho wesentlich für die Zusammenkunft von Charlotte und Bob ist, impliziert noch lange nicht, dass dieser Aspekt "reines Mittel zum Zweck" ist. Ganz im Gegenteil: In der Meinung von Sofia Coppola, die diesem Aspekt des Fremden (Was sie ja bei ihrem Aufenthalt selber erfahren hat) in dem Film sehr viel Platz einräumt, sogar als den "wichtigsten Auslöser" für die Inspiration zu "LiT" bezeichnet.
verpflanze einen Ur-Bayer mal nach Berlin, da tritt der selbe Effekt auf. Das sind schlicht Gegensätze, die aufeinandertreffen, innerhalb eines Landes treten diese Phänomäne ebenso stark in Erscheinung. Ausserdem nahm ich als Beispiele Köln und Berlin eben raus, die mir geographisch und kulturell näher stehen als eben eine spanische Grossstadt.
Wie fremd man sich fühlt hängt ja nicht nur von Äusserlichkeiten ab, das ist eben auch ein grosses Stück eigener Wille und innere Möglichkeiten.
Zwei Menschen aus Kuhkäffern in Iowa und Arkansas gemeinsam einsam in Detroit: funktioniert ebenso.
Mein Gott, Japan ist halt hipper als die x-te Geschichte in New York oder L.A., davon abgesehen drehte Coppola vor allem deshalb in Tokio, wie du selbst andeuteste, weil sie die Stadt sehr mag, daraus nun ein Hauptbestandteil des Films zu machen, halte ich für gewagt.
daraus nun ein Hauptbestandteil des Films zu machen, halte ich für gewagt.
Ist er aber imho aber. Dieses Thema zieht sich durch den ganzen Film. Nun liegt aber an jedem selber welches der der beiden Bestandteile man für "wichtiger" hält (Ich selbst habe ja in der Rezi angedeutet, welcher mir selbst wichtiger ist). Ich verstehe gar nicht warum du diesen Aspekt so abqualifizieren willst. Das Eine schließt das Andere ja nicht aus... ;-)
Mein Gott, Japan ist halt hipper als die x-te Geschichte in New York oder L.A
Deswegen hat Coppola da unter Garantie nicht gedreht:
"Der wichtigste Auslöser war die Zeit, die ich selbst in Tokio verbracht habe. Ich war da nach dem College in meinen frühen 20ern mehrmals. Nicht immer habe ich so luxuriös gewohnt, aber zweimal war ich auch im Park Hyatt. Die Art wie die Stadt funktioniert, sich anfühlt, hat mich sehr beeindruckt, das sonderbare Gefühl, dort ein Fremder zu sein. Es ist anders, als irgendwo sonst. Einzigartig. Und auch wenn man mehrmals dort war, ändert sich das nicht. Darum wollte ich über diese Stadt eine romantische Geschichte erzählen." (Quelle)
Wie es der Zufall so will, hab ich mir den Film letzte Woche auch angesehen, bin im Gegensatz zu dir aber nicht halb so begeistert, da der Film doch zum Ende hin, ganz schön in Klischees verfällt. Ich würd' den mit 5,5 Punkten bewerten.
aber nicht halb so begeistert
Na, wenn du 5,5 Punkte gibst, dann ja doch... ;-)
Klischees?
Clichés? dass zwei sich treffen, und ihre Liebe entdecken? Oder der junge Fotograf viel arbeitet und seine noch jüngere Frau noch nicht weiß, was sie mal machen will?
in dem Punkt ja.
Auch die übervolle Informationsflut, die es de facto in Tokyo gibt, mit all den Werbebannern, Lautsprechern und Schildern, hat schon für manch anderen Film als Background gedient. Und es ist auch wichtig, viele Menschen auf einem Haufen zu zeigen, die die anderen Leute um sich herum gar nicht richtig wahrnehmen. In einer geballten Form fällt das auch einem West'ler auf.
Dieser Film der leisen Untertöne ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Selbst für Japan-Liebhaber *g* aber Leute, die sich in die Charaktere hineinfühlen können, für die ist es der großartigste non-fantasy Film, den man in den letzten Jahren sehen konnte.
btw. ich finde auch Marie Antoinette als gelungen. Die Popmusik zum ausschweifenden Leben am französischen Hof, die Einsamkeit, die Naturverbundenheit und der Schluss zeugen von einer guten Sichtweise von Sofia Coppola. sie fängt Gefühle ein, nicht nur Handlung.
@C.H. und ja doch, du schreibst viel drumrum ^^# daher dauert es auch bei mir, bis ich mich einmal durch deinen blog gelesen hab (aber warte, bis ich deine Facharbeit über Mullhoplland Drive durch hab!!) ;)
und ja doch, du schreibst viel drumrum
Dem kann ich wohl nicht widersprechen. ;-) Gehört für meine Leser somit zum Standard-Risiko, wenn sie meinen Blog betreten und dort verweilen. :D
bis ich deine Facharbeit über Mullhoplland Drive durch hab
Die darfst du aber nur lesen, wenn du den Film kennst. Ansonsten wäre ja der ganze Spaß beim Sehen dahin ;-)
keine Sorge, den kenne ich *lach* sonst würde ich mir gar nicht die Mühe machen
Wow, endlich mal jemand der LiT auch gut findet. Ich kenne ausnahmslos nur Menschen die den Film langweilig finden, gar nicht kennen, oder "Bäh, Scarlett Johansson!" rufen (mein Ex...). Ich selbst habe meine DVD von meinem Schwager geschenkt bekommen. Er wollte sie einfach nicht zurück haben und ich wollte sie auch nicht zurück geben.
LiT ist einer dieser Filme die mit langen Einstellungen und wenigen Worten auskommen. Eine Parallele zu "So finster die Nacht", über den ich deinen Blog gefunden habe. Ich bin so ein kleiner Pedant den es in Filmen oft nervt, wenn Dialoge nur da sind dem Zuschauer auch das letzte bischen Denkarbeit und dem Regisseur die Arbeit Bilder sprechen zu lassen, genommen werden soll. Es muss nicht alles pedantisch aufgedröselt und erklärt werden. Das Leben ist nicht so, es passt nicht zum Medium Film und es macht Dialoge hölzern und dümmlich.
Wenn irgndwelche Experten (z.B. in den diversen CSI Serien, aber eben auch häufig in Filmen) sich gegenseitig über beinahe schon banale Basics ihrer Arbeit unterhalten und diese episch ausbreiten und erklären, schnalle ich ab...
Die Ruhe der Darsteller in LiT ist das Ergebnis der Sprachlosigkeit in einer lauten und lärmenden und so fremden Umwelt. Japan, speziell Tokyo wird nicht zum Cliché nur weil es öfter mal in Filmen auftaucht. Es IST anders. Die ganze Kultur ist anders. Die Sprache, die Schrift, das Linksfahren ( ;-) ), die für uns ungewöhnlichen Bräuche und die Eigenart der Japaner ihre Traditionen scheinbar mühelos mit der exzessiven Übernahme fremder Elemente aus dem Rest der Welt zu mixen und diese zu überhöhen. Wirklich fremde Einflüsse kennt der Japaner im Grunde nicht, denn Ausländer gibt es dort nur in mikroskopisch kleiner Dosierung.
Während eines Stockholmaufenthalts habe ich mich sehr gerne und lange mit einem Freund unterhalten, der eine ganze Weile in Tokyo gewesen ist. Selbst habe ich mich mal hobbymäßig etwas eingelesen und hätte aus Jux und Dollerei einen Sprachkurs belegt (und schon die Sprache mit Höflichkeitsformen ist schwer eigenartig), wäre in näherer Umgebung ein Angebot vorhanden. Soweit ich Laie das beurteilen kann ist das Gezeigte im Film eine völlig authentische Wiedergabe und sie wirkt auf uns durch die Bildsprache und Klänge ebenso wie auf die beiden Protagonisten.
Dass die beiden zusammenfinden ist der Effekt einer Umgebung, in der selbst scheinbar bekannte Elemente bei näherem Hinsehen sehr befremdlich wirken und die die beiden, die sich auf gewohntem Terrain wohl kaum je näher gekommen wären, gewissermaßen zusammendrücken inmitten ihres Ruhepols (des Hotels).
Für mich ganz klar Scarletts beste Performance so far.
Ich ruf bestimmt nicht "Bäh, Scarlett Johansson!" ;-)
Ansonsten auch hier Zustimmung zu deinem Kommentar. Auch ich würde sagen, dass Johansson ihre beste Performance bislang in "LiT" gezeigt hat.
So, mal wieder gesehen (zuerst lag Spielbergs THE TERMINAL drin, den ich aber nach dem Blick aufs Menü doch nochmal verhindern konnte). Müsste das Review nochmals lesen (morgen dann), aber aus meinem "ganz nett" kann man nun getrost ein "bestenfalls nett" machen. Der Film ist ein Tour-Guide durch japanische Klischees, mit dem ich trotz - oder gerade wegen - seines charmanten Faschismus' weiterhin nicht warm werde. Mit viel gutem Willem eine 6/10. *VisaeinpackundüberdieGrenzeverschwind*
*VisaeinpackundüberdieGrenzeverschwind*
Du hast 24 Stunden. Danach bist du vogelfrei, und die Jagd ist eröffnet... ;-)
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