

Eine gelungene Satire ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, im Fall von „Tropic Thunder“ kann jedoch konstatiert werden, dass diese über weite Strecken des Films wahrlich als geglückt bezeichnet werden kann, auch wenn das vorhandene Potential nicht zur Gänze ausgeschöpft wird. Es ist geradezu wohltuend, dass Ben Stiller, der bei diesem Film am Drehbuch mitschrieb, Regie führte und letztlich auch noch als Hauptdarsteller fungierte, darauf geachtet hat, auch wirklich eine Geschichte zu erzählen und nicht nur einen Gag an den Nächsten zu Reihen. So kann „Tropic Thunder“ eben auch als eigenständiger Film funktionieren, der bei weitem nicht Alles, aber eben doch Vieles richtig gemacht hat – So das der Film in seiner Summe durchaus Spaß macht, ohne jedoch zu Glänzen.
Es ist ein Film im Film, der sich da zu Beginn des Films abspielt, als wir einem Film beiwohnen, der sich gerade in der Dreh-Phase befindet. Und wie wir gleich am Anfang lernen: Nach nur fünf Drehtagen liegen die Macher bereits zwei Monate hinter dem Zeitplan. „Tropic Thunder“, der der gewaltigste und beste Kriegsfilm werden sollte, den die Welt jemals gesehen hat, droht schon frühzeitig zum Desaster zu werden. Darüber ist natürlich niemand sonderlich erfreut, weder der cholerische Produzent Les Grossman (Tom Cruise), noch der Regisseur des Streifens, noch der Vietnam-Veteran (Nick Nolte) auf dessen literarischen Vorlage der Film beruht und der den Dreharbeiten als Berater zur Seite steht. Am allerwenigsten erfreut über diesen Missstand, ist aber mit Sicherheit der Actionstar Tugg Speedman (Ben Stiller), dessen Karriere am Boden scheint und mit diesem Film neuen Auftrieb gewinnen sollte. Und damit im Fall vom „Tropic Thunder“ auch wirklich nichts schief geht, wurden unter Anderem auch noch der fünffache Oscar-Gewinner Kirk Lazarus (Robert Downey Junior), als auch der berühmte Komiker Jeff Portnoy (Jack Black) für den Film gecastet. Und trotzdem ist also alles schief gegangen, was schief gehen konnte und so wird zum letzten Mittel gegriffen: Die Schauspieler werden mitten im Dschungel ausgesetzt, mehr Authentizität soll so erreicht werden. Da man aber, wie man so schön sagt, mit dem was man sich wünscht vorsichtig sein sollte, stoßen die Schauspieler recht Bald im Dschungel auf eine Truppe von Drogen-Produzenten, welche die Schauspieler für eine amerikanischen Spezial-Einheit halten. Mehr Authentizität geht nicht!
„Tropic Thunder“ startet stark, sehr stark sogar, so dass es wenig zu überraschen vermag, dass dieses hohe Ausgangsniveau nicht durchgehend gehalten werden kann. Insbesondere die erste halbe Stunde macht aber so richtig Laune. Anspielungen auf die „großen Vorbilder“ des amerikanischen Anti-Kriegsfilms, so unter anderem „Platoon“ und „Apocalypse Now“ , sind nicht zu übersehen und bilden natürlich auch einen Schwerpunkt des Films, der auf der einen Seite als gelungen bezeichnet werden kann, den man aber auf der anderen Seite ohne Weiteres ruhig noch ein weniger weiter hätte ausbauen können. Und so ist es dann eben auch Hollywoods Traumfabrik, die von Stiller und Co den Spiegel vorgehalten bekommt. Ob es nun geldgeile Produzenten sind, die da aufs Korn genommen werden, oder aber auch die Schauspieler selbst. Das sich Stiller und seine Kollegen nicht zu Schade sich einmal ordentlich selbst durch den Kakao zu ziehen, gefällt ungemein. Während Stiller in seiner Rolle des abgehalfterten Actionstars zu gefallen weiß, der seine Karriere zu neuen Ufern führen möchte, nachdem sein Ausflug ins ernste Fach von den Kritikern zerrissen worden ist, ist es aber einem Anderen vorbehalten dem Film seinen Stempel aufzudrücken, und Stiller somit ein wenig in den Hintergrund zu rücken. Robert Downey Junior in der Rolle des Method-Actors Lazarus, der sich für seine Rolle im Zuge einer Operation extra sein Haut dunkel färben ließ und nach eigener Aussage solange in seiner Rolle bleiben wolle bis der DVD-Kommentar abgesprochen sei, ist der „größte Brüller“ des Films.
Und bei diesem Punkt beginnen dann auch die Probleme von „Tropic Thunder“. Der Film ist zu sehr auf den Gegensatz zwischen Speedman und Lazarus zugeschnitten, die anderen Figuren verblassen gegen diese Beiden leider in einem Maße, welches nicht zu Übersehen ist. Das hätte besser ausbalanciert werden können, ebenso wie auch festzuhalten ist, dass nicht jeder Witz so punktgenau zündet, wie wohl beabsichtigt war. Das im Vorfeld des Films auch zahlreiche Behinderten-Verbände gegen den Film Sturm liefen, ist im Übrigen mal wieder ein Zeichen von ausgesprochener Engstirnigkeit, zielt die Satire Stiller doch ausschließlich gegen Schauspieler und Rollen-Typen hollywoodscher Inszenierungsmuster - Und genau diese Satire ist dann Stiller meiner Meinung nach ziemlich gut gelungen, was nicht weiter zu überraschen vermag, steckt Stiller doch schon seit Jahren in genau dieser Unterhaltungsmaschinerie, die er in „Tropic Thunder“ einer satirischen Reflexion unterzieht.
Alles in allem ist zu konstatieren, dass „Tropic Thunder“ eine wirklich gelungene Satire darstellt, die über ihre gesamte Spielzeit zu überzeugen weiß. Das es nicht zum ganz großen Wurf reicht, liegt an den Faktoren, die im Vorigen angesprochen worden sind. Dazu hätte es eben von Allem eines etwas größeren Nachschlags bedurft. Mehr Witz, mehr Satire, dichtere Handlung und mehr Balance zwischen den Protagonisten wären ohne Zweifel von Vorteil gewesen. Nun aber noch ein abschließendes Wort zu Tom Cruise, der in diesem Film, gegen sein Image anzuspielen versucht. Dies ist ohne Zweifel eine wahre Augenweide und als durchaus Mutig zu bezeichnen, ob dies aber wirklich als Startschuss für „eine unglaubliche Rettung einer Mega-Karriere“, wie es vor kurzem in der Online-Ausgabe eines Print-Mediums zu lesen war, bezeichnet werden kann, darf dann zum jetzigem Zeitpunkt doch noch eher bezweifelt werden. - Fazit: 7 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Screenshots aus "Tropic Thunder". © by Universal Pictures International






5 Kommentare:
"Eine unglaubliche Rettung einer Mega-Karriere" wars meiner Meinung nach nicht. Wie stehst du denn zu Toms Tänzchen?
Ansonsten ähneln sich unsere Bewertungen sehr, wie du schon geschrieben hast.
Willst du jetzt auch so dringend 'Satan's Alley' sehen wie ich? Das ist doch mal ein grandios besetzter Film mit einem fünfmaligen Oscarpreisträger und dem Gewinner des MTV Movie Awards für den besten Kuss. Wow! ;)
http://www.satansalley.com/
Werd ich mir am Montag "antun". Deswegen hab ich die Review nur überflogen. Hört sich aber gar nicht schlecht an.
@orangedoe:
"Eine unglaubliche Rettung einer Mega-Karriere" wars meiner Meinung nach nicht.
Dito, über diesen "Jetzt ist alles vergeben" Tenor des Artikels habe ich mich doch sehr amüsiert.
Zum Tanz: Da muss ich erst mal vor schicken, dass ich Cruise per se für keinen schelchten Schauspieler halte, es ist halt das ganze drum herum, was bei dem Mann über auffält, aber der Tanz war schon sehr cool und lustig. Wobei man sagen muss, das die Komik da auch zu einem großen Teil aus der Cruischen Rollen-Verkehrung entstanden ist.
Willst du jetzt auch so dringend 'Satan's Alley' sehen wie ich?
Ich bitte dich, wer will das nicht? ;-)
@ Kaiser_Soze:
Und das ist in der Tat auch die Prämisse des Films: Nicht schlecht, aber nicht überragend
Der Film ist zu sehr auf den Gegensatz zwischen Speedman und Lazarus zugeschnitten, die anderen Figuren verblassen gegen diese Beiden leider in einem Maße, welches nicht zu Übersehen ist.
Hab's schon bei Kaltduscher in den Raum geworfen - vielleicht spielt Stiller hier ganz bewusst mit seinem Film im Film? Denn die Fokussierung auf Tugg und Kirk ist ja für uns nur das Bild, welches sich auch im Tropic-Universum wiederspiegelt. Alpa sagt es ja in der einen Szene selbst, dass der beste schwarze Part an einen Weißen ging (man beachte auch hier die Kritik am hollywoodschen System) und dass sich niemand den Namen von Baruchels Figur merken kann.
Für mich ist der Film weitaus intelligenter, als er auf den ersten Blick wirkt - nach der OV-Sichtung muss ich da nochmal drüber nachdenken.
- vielleicht spielt Stiller hier ganz bewusst mit seinem Film im Film?
Ist auf jeden Fall ein interessanter Gedanke.
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