Rezension: "Der Baader-Meinhof Komplex"










Der Film „Der Baader-Meinhof Komplex“, der im Selbstverständnis seiner Macher ein neues Kapitel in der Rezeption der RAF-Vergangenheit begründen sollte, sorgte bekanntermaßen schon vor seinem offiziellem Start an den Kinokassen für aufgeregte Diskussionen. Dies lag ohne Zweifel auf der einen Seite an der repressiven Vorgehensweise von Produzent Bernd Eichinger und der Constantin den Film der Presse vorab nur unter Bedingungen zu zeigen, die jede inhatliche journalistische Vorabberichtung unter Strafe stellte. Warum sich Eichinger zu diesem Schritt entschied, das dürfte nunmehr eigentlich Jedem nach Sichtung des Films klar sein, stellt „Der Baader-Meinhof Komplex“ doch in der Summe nicht den erhofften großen Film da, als der er im Vorfeld von einzelnen Medien, so eben auch vor allem vom SPIEGEL (!), kolportiert worden ist, sondern vielmehr eine ziemliche Enttäuschung. Doch auch eine cineastische Enttäuschung kann auf der anderen Seite ohne Weiteres kontroverse Debatten auslösen, wie sich in den letzten Wochen gezeigt hat. Die Witwe des von der RAF ermordeten Bankiers Jügen Ponto gab unlängst aus Protest gegen den Film ihr Bundesverdienstkreuz zurück. In der ARD Sendung „Anne Will“ bemängelte Clais von Mirbach, der Sohn des 1975 in Stochholm ermordeten Miiliärattaché Andres von Mirbach, die Darstellung der RAF-Opfer im Eichinger-Film als „Schießbudenfiguren, die man wegmäht“. In derselben Sendung machte Hans-Jochen Vogel, seinerzeit Justizminister unter Helmut Schmidt, seinen Unmut darüber Luft, das der Rechtsstaat im Film nur eine untergeordnete Rolle spiele, beziehungsweise in einem einseitig negativen Licht gezeichnet werden würde. Nun stellt es ohnehin ein nicht unwesentliches Problem da, wenn ein historisch sensibles Thema im Film seine Rezeption erfährt, gerade wenn diese Ereignisse noch nicht sonderlich lange in der Vergangenheit liegen und die Beteiligten und Zeitzeugen zum Teil noch am Leben sind und ihre eigene Geschichte in einem Unterhaltungsfilm auf der großen Leinwand erleben müssen. Aus diesem Grund erscheint es doch sehr grenzwertig, wenn DIE ZEIT den Film von dem damaligen Innenminister Gerhart Baum rezensieren lässt, der auf Grund seiner persönlichen Involviertheit in die vergangenen Ereignisse nur schwerlich objektiv sein kann.


Fürwahr, es war ein sehr ambitioniertes und mutiges Projekt den gleichnamigen Besteller von Stefan Aust, der, mittlerweile auf mehr als 900 Seiten angewachsen, gemeinhin (noch) als Referenz-Werk zur Geschichte der RAF gilt, zu verfilmen. Und so haben die Macher, gerade auch Aust selber, immer wieder ventiliert, dass der Film in seinen knapp zweieinhalb Stunden nur einige wenige, ausgewählte Aspekte würde thematisieren können. Diese Einschränkung, die Fokussierung auf einen Teil-Aspekt ist ohne Zweifel ebenso legitim, wie sinnvoll. Auch den Anspruch die RAF ein weiteres Mal aus Sicht der Täter zu zeigen, ist zu Vorderst nicht zu Kritisieren (Auch wenn mit der gewählten Perspektive die Rolle des Staates leider doch sehr in den Hintergrund gedrängt wird, und nur durch dir Rolle von Horst Herold, verkörpert durch Bruno Ganz, eine Stimme erhält). Zu Bemängeln ist vielmehr das, was letztendlich aus diesem Projekt geworden ist: In der Summe ist „Der Baader-Meinhof Komplex“ nicht mehr geworden als eine stete Aneinanderreihung von historischen Bildern die sich im kollektiven Gedächtnis der deutschen Gesellschaft festgesetzt haben und im Film letztendlich zitiert werden. Eine Narration im Sinne eines roten Fadens, der den Zuschauer an die Hand nimmt und durch den Film führt, ist de facto nur rudimentär vorhanden. Es ist ein exaltierter Bildersturm, der sich hier seine Bahnen bricht, der den Zuschauer mit Eindrücken bombardiert und gerade den, der sich in der bundesdeutschen Geschichte Wenig bis Gar nicht auskennt, überfordern muss.


Nein, es ist nicht Alles an diesem Film misslungen, mit Nichten. Die schauspielerischen Leistungen sind mit das Beste am Film. Dies gilt für Moritz Bleibtreu in seiner Interpretation des Andreas Baader, aber es sind vor allem die Frauen, die dem Film, wie auch der RAF den Stempel aufdrücken. Martina Gedeck als Ulrike Meinhof spielt ebenso eindrucksvoll wie im Besonderen auch Johanna Wokalek, die eine fiebrig-wahnsinnige Gudrun Ensslin gibt. Nadja Uhl verkörpert eine Brigitte Monhaupt, die in ihrer mörderisch-kalten Manifestation schlicht und ergreifend als erschreckend zu bezeichnen ist. Nein, es liegt definitiv nicht an den beteiligten Schauspielern, dass Bernd Eichingers Film nicht zu Überzeugen weiß, ebenso wenig wie es an der handwerklichen Inszenierung mangelt. Dies war bei dieser 20 Millionen teuren Produktion auch nicht Anders zu erwarten. Schauspielerisch also Top, handwerklich einwandfrei scheitert der „Baader-Meinhof Komplex“ an seiner unausgereiften Perspektive und, ironischerweise, vor allem an seiner eigenen Haltungslosigkeit, die dem Film das sprichwörtliche Rückrat bricht.


Es sollte ein Film über die Täter sein, doch es ist weniger ein Film über die Täter geworden, als über die Handlungen der Täter. Ein Mensch definiert sich über seine Handlungen, war im Zuge der Debatte zum Film immer wieder zu Lesen und dies wollte der Film zeigen. Ein Anspruch der sich auch im letzten Satz des Films „Hört auf sie so zu sehen, wie sie nie waren!“ verdeutlicht, doch muss die Frage erlaubt sein, ob dieses Konzept nicht eher im luftleeren Raum versacken muss, eben weil sich aus dieser Perspektive kein Erkenntnisgewinn generieren kann. „Der Baader-Meinhof Komplex“ gefällt sich zu sehr in der Hatz der historischen Ereignisse, im Zeigen der Taten, die das wahre Bild der RAF ins Bewusstsein rücken soll, vergisst dabei aber das das reine Ereignis ohne die Skizzierung des Hintergrundes, sprich der Psychologie der Täter, seltsam blass bleiben muss. Die Versuche des Films die Entstehung der RAF herzuleiten bleiben leider rudimentär und in ihrer Darstellung auf die sozio-strukturelle Ebene beschränkt.


Der Konflikt der Kinder mit ihrer Elterngeneration, der sich um die fehlende Aufarbeitung des Nationalismus entzündete, die Bewegung der 68er, der Protest gegen den Vietnamkrieg und den Besuch des Schahs. Das Fehlgeleitete Reagieren des Rechtsstaats, die tödlichen Schüsse auf Benno Ohnesorg, das Attentat auf Rudi Dutschke – Dies alles wird in den ersten 30 Minuten des Film in exakt nachgestellten Bildern gezeigt und suggeriert somit die Gründe für die Entstehung der RAF ausreichend thematisiert zu haben. Doch diese Darstellung greift in der Summe zu kurz, obwohl sie natürlich im Wesentlichen richtig ist, eben weil sie in ihrer Fokussierung auf die Makroebene beschränkt bleibt und nicht auf die Mikroebene des einzelnen Täters blickt. Warum wurden eine Handvoll Individuen zu Terroristen, während die große Mehrheit eben nicht in den Untergrund ging? Eine Frage die der Film nicht beantworten kann, nicht weil dies in einem Film unmöglich wäre, sondern eben weil er es gar nicht versucht. Ist es nicht die Interdependenz aus gesellschaftlichen Status Quo und individuellen Faktoren, die den Einzelnen zum Terroristen werden lässt? Stattdessen gefällt sich der Film darin in seiner Spielzeit jedes noch so kleine Bild einzufangen, was sich deutschen Gesellschaft eingeprägt hat, so unter anderem die kurzen Bilder des Sieges der 16jährigen Ulrike Meyfarth im Hochsprung bei den Olympischen Spielen von 1972. Eine einschränkende Fokussierung wäre an dieser Stelle von Vorteil gewesen, so bleibt es bei der im Vorigen schon thematisierten Hatz durch die Historie.


Einer der wesentlichen Vorwürfe, die dem Film im Vorfeld gemacht worden ist, war der, das der RAF durch die Darstellung im Film von Seiten der Zuschauer Sympathie entgegengebracht werden könnte. Dazu muss zweifellos bemerkt werden, dass dieser Vorwurf nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Die Inszenierung von Uli Edel, als auch die Besetzung von Baader mit Bleibtreu trägt ohne Zweifel ihren Teil dazu bei. Wenn Baader mit schmissiger Musik über die Autobahnen rast, oder der Ensslin lässig die Brust tätschelt, während sie mit einem Anderen in der Wanne plantscht, dann generiert sich eben doch mal ganz schnell ein Bild des coolen Outlaws, denn „Fucking and Shooting is the same“, wie es doch im Aubsbildungs-Camp der Terroristen so schön heißt, während die Meinhof und die Ensslin lässig FKK in der Wüste praktizieren. Das dieses Bild dann nicht völlig aus dem Ruder läuft ist, ist den zwei Dingen zu verdanken, die der „Baader-Meinhof Komplex“ dann dankenswerterweise doch Richtig macht. Zum Einen werden diese Bilder immer wieder mit dem kaltblütigen Bilder der Morde der RAF kontrastiert, aber auch zum Anderen immer wieder mit den Einschüben der terroristisch-publizistischen Ergüssen der Ulrike Meinhof, die das wahre Gesicht der RAF entlarven: „Zündet man ein Auto an, ist das eine strafbare Handlung, werden hunderte Autos angezündet, ist das eine politische Aktion.“ Die Bundesrepublik als „Schweinesystem“, Polizisten sind keine Menschen sondern Schweine und von der Waffe muss Gebrauch gemacht werden. In diesen Momenten zeigt sich das die RAF, genau das war, was sie immer bekämpfen wollte: In ihren Methoden zutiefst menschenverachtend, in ihrem Anspruch pejorativ, näherte sie sich faschistoiden Methoden an, die sie ihren eigenen Eltern und der Bundesrepublik immer wider zum Vorwurf machten.


Ab dem Moment, wenn Baader, Meinhof und Ensslin inhaftiert werden, läuft der Film endgültig aus dem narrtiven Konzept, das wenigstens noch bis zu diesem Zeitpunkt auf diese drei Individuen gemünzt war. Danach erhöht sich noch einmal die Schlagzahl: Das Attentat von 1972, die Ermordung von Mirbach, die Entführung von Schleyer durch die zweite Generation, die Entführung der Landshut, die Nacht von Stammheim, die Ermordung von Schleyer. „Der deutsche Herbst“ wird in schnellen Bildern abgehandelt – Fakten, Fakten, Fakten, das ist augenscheinlich alles was zählt. Die Entscheidung der Macher einen Zeitraum abzudecken, der sich über zehn Jahre erstreckt, fällt an dieser Stelle in negativer Art und Weise auf den Film zurück. Wenn dann das letzte Bild unzweifelhaft Allegorie auf den deutschen Herbst sein soll, dann möchte man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. „Der Baader-Meinhof Komplex“ hätte ohne Zweifel großes Potential gehabt, doch hatten die Macher augenscheinlich nicht den Mut dies auch auszuschöpfen. Wo Tiefe erforderlich gewesen wäre, bietet der Film nur (gutgemachte) Bilder und simple Trivialität. Wo Bedächtigkeit erforderlich gewesen wäre, schlägt der Film ein scharfes Tempo ein. Wo eine Positionierung von Nöten gewesen wäre, bleibt der Film ohne Haltung. Eichinger und Aust berufen sich immer wieder auf die kompromisslose Darstellung der Morde der RAF, doch ist dies nicht ausreichend für einen Film, der sich der RAF annehmen will. Menschen definieren sich durch Taten, das mag richtig sein, doch das Zeigen der Taten bleibt ohne Deutung inhaltslos - Anspruch und Wirklichkeit stehen sich diametral gegenüber. „Der Baader-Meinhof Komplex“ ist nicht der erste Film über die RAF, doch es ist der erste dieser Größenordnung gewesen. Das es noch dazu einer der Schwächsten ist, der nun den Weg ins Kino gefunden hat, ist zu Bedauern – Fazit: 4,5 von 10 Punkten.


Rezension in anderer Form (Blu-Ray-Review) erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Der Baader-Meinhof Komplex". © by Constantin Film Produktion


32 Kommentare:

tumulder hat gesagt…

Ich glaube man muß nur einfach mal einen Blick in die Filmografie Eichingers und Edels werfen um zu erkennen, daß gerade die Beiden nicht dazu geeignet sind ein solch komplexes Thema angebracht auf der Kinoleinwand zu reflektieren. Das Aust ausgerechnet dem Eichinger die Rechte an seinem Buch verkaufte sagt sehr viel über Herrn Aust aus. Aber mutig von Dir überhaupt ein Kinoticket für einen Bernd Eichinger Film zu lösen.;)

Kaiser_Soze hat gesagt…

BOYKOTT! Mehr fällt mir dazu nicht ein.

Franzi hat gesagt…

Du kritisierst, dass nach der Einlieferung die weiteren Taten der RAF zu kurz dargestellt werden, aber ich denke es ist kaum möglich alle Details so genau darzustellen und trozdem nicht den Rahmen eines Films zu sprengen. Denn der Film hatte ja sowieso schon Überlänge. Um wircklich alles zu beleuchten müsste man schon mehrer Teile drehen.

TheRudi hat gesagt…

Told you so!

C.H. hat gesagt…

@ Kaiser:

Warum sollte ich den boykottieren? Wegen der unschönen Presse-Geschichte? Sorry, das kann ich mir als Historiker nicht erlauben, beziehungsweise will es nicht, denn:

@ Rudi, tumulder:

Ich habe es beim kaltduscher schon mal gesagt (Leider sind diese Kommentare "verschwunden"): Der Film wird, ob man ihn nur füt Gut befindet oder nicht, auf jeden Fall sein Publikum finden. Deshalb wollte ich ihn auch unbedingt sichten, eben um zu Sehen welches Bild der RAF dort einer breiten Masse offeriert wird.


Das es jetzt ne "Pleite" geworden ist, aus den von mir genannten Gründen, ist dann halt so, der Film ist im Übrigen durchaus unterhaltsam und auch beeindruckend, auch wenn er von seiner Konzeption schwach ist.

@ Franzi:

Ja, das habe iich kritisiert und das ich noch mal der Wesentlichste Aspekt meiner Kritik. Und du hast völlig Recht, es ist schwirig alles in einen Film zu bekommen, aber dann hätte man es anders aufziehen sollen. So ist es nun die schnelle Aneinanderreihung von historischen Ereignissen und das fand ich ein wenig enttäuschend.

Kaiser_Soze hat gesagt…

@C.H.

Nein, da muss ich Rudi zustimmen (er hat es an anderer Stelle mal gesagt, und nehm mir lieber ein Geschichtsbuch in die Hand.

C.H. hat gesagt…

Ich glaube du hast nicht ganz verstanden worauf ich hinaus wollte. Du kannst dir ja auch gerne ein Buch nehmen, das begrüsse ich auch ;-) und du hast da wahrschienlich mehr von. Trotzdem möchte ich wissen welches Bild von Geschichte in den Medien, hier: In diesem Film, präsentiert wird. Aber du bist ja kein Historiker, also brauchst du dir darüber nicht den Kopf zu zerbrechen. ;-)

niffchen hat gesagt…

Wenn ich hier so über den Film lese, dann konnten meine bisherigen Zweifel an dem Film nicht zerstreut werden. Bisher waren meine Zweifel eher allgemeiner Art, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass er dem Thema gerecht wird, ohne dass ich es belegen konnte. Aber vielleicht sollte man, wie es C.H. macht, sich bei einem solch wichtigen Thema auch einfach mal informieren, was so dazu geboten wird.
Ich werde wohl noch ein Weilchen zögern, mal sehen wie ich mich endgültig entscheide.

Gruß,
Jens

C.H. hat gesagt…

Ich werde wohl noch ein Weilchen zögern, mal sehen wie ich mich endgültig entscheide.

Schau ihn dir ruhig an. Du wirst definitv unterhalten werden. Und wenn du schon am Anfang mit dem Bewusstsein in den Film gehst, das dies nicht der Weisheit letzter Schluß ist, umso Besser. ;-)

TheRudi hat gesagt…

Pornos finden auch ihr Publikum. Die Leute die sich ihr Wissen aus Filmen zusammenklauben müssen oder wollen tun mir leid und dass ein Eichinger Film der Geschichte nicht gerecht werden kann weiß ich durchaus bevor ich 4,50€ oder mehr dafür bezahl.

C.H. hat gesagt…

Du hast mich in den Kommentaren anscheinend auch nicht verstanden oder willst es vielmehr gar nicht. ;-) Es geht doch gar nicht draum ob dieses Resultat nun abzusehen war oder nicht. Es geht auch nicht darum ob der Film gut ist oder nicht.

Schau doch mal beim Kaltduscher nach. Der hat in seinen Kommentaren von einem Bekannten gesprochen, der vor dem Film nichts mit der RAF anfangen konnte, jetzt aber angeblich ein Bild hat (Und das ist mit Sicherheit kein Einzelfall) Ja, sicher, das stinkt ganz gewaltig, aber gerade deshalb sollte sich ein Historiker nicht zu Schade sein, sich diese Filme zumindest anzusehen. Er sollte nämlich wissen, welches Bild in den Medien vertreten wird. Welches Bild von Geschichte Menschen konsumieren, die eben kein Buch in die Hand nehmen.

TheRudi hat gesagt…

Und ich sagte, dass ich bei BMK den Film nicht zu ertragen brauch,um zu wissen was den Zuschauer erwartet. Jahrelange Eichinger-Erfahrung beschützt mich inzwischen.

C.H. hat gesagt…

Na dann hoffe ich mal für dich, dass Eichinger in den nächsten Jahren nicht plötzlich und unverhofft doch noch mal irgendwas talentiertes abliefert. Sonst verpasst du noch was... ;-)

TheRudi hat gesagt…

1. wird dies nicht der Fall sein und 2. ließe sich das verschmerzen. Schließlich bist du ja auch Jahrzehnte durch die Welt gewandelt ohne STAR WARS zu kennen ;)

C.H. hat gesagt…

Was sich ja nun geändert hat, HA. ;-)

tumulder hat gesagt…

Jahrelange Eichinger-Erfahrung beschützt mich inzwischen.

LOL.

Aber mal im Ernst. Ich glaube weniger, daß der Eichinger Film großen Einfluß auf das Bild der Öffentlichkeit über die RAF hat. 1. wurde der Film in der Presse eh überhaupt nicht gut aufgenommen. Ob die Kritik jetzt subjektiv ist oder nicht. 2. Ist die Zielgruppe allein schon durchs Austs Vorlage konkret abgesteckt. Die Mehrheit wird sich zuvor wohl mindestens marginal mit dem Thema auseinandergesetzt haben oder halt auf eigene Erinnerungen an die Zeit zurückgreifen können. Das Eichinger hier pure Exploitation betreibt liegt auf der Hand, sonst hätte er nicht Austs Buch als Vorlage gewählt, sondern einen Film über Ulrike Meinhof gedreht an derer Person man ganz klar die Entwicklung, die Eigendynamik der damaligen Zeit hätte gut schildern können. Der Film begänne nicht mit dem Schahbesuch sondern mindestens 10 Jahre früher. Er hätte ersteinmal die Stimmung der 60er Jahre beleuchtet usw. und so fort. Doch von alle dem kann ich nichts in den Kritiken über BMK lesen. Im Gegenteil, er zeigt nur das Resultat, soweit ich bisher überall lesen konnte. Wer, wann und wo wen erschossen, entführt und was weis ich nicht was hat ist bei diesem Thema für mich total unineteressant. Das kann ich in der Wikipedia nachlesen.

C.H. hat gesagt…

Im Gegenteil, er zeigt nur das Resultat, soweit ich bisher überall lesen konnte.

Er beginnt 1967 und nimmt dann einen Parforce-Ritt vor, der in schneller Folge die bekannten Ereignisse und Bilder abklappert, die er zitiert - bis es mit der RAf dann losgeht.

Ich glaube weniger, daß der Eichinger Film großen Einfluß auf das Bild der Öffentlichkeit über die RAF hat

Weiß ich nicht. Ich lese und höre nur in den letzten Tagen immer wieder: Hatte keine Ahnung was die RAF ist, hab jetzt den Film gesehen, und hab nun nen tollen Überblick.

Doch von alle dem kann ich nichts in den Kritiken über BMK lesen

Ich sag ja, das Konzept ist nicht Überzeugend. Im Grunde hat der Film zwei Schwerpunkte: 1. Möglichst viele historische Ereignisse abbilden 2. Brutale Darstellung der Morde --> Das ist in der Summe zu Wenig.

Franzi hat gesagt…

3. Den Auslöser und die Motive hinter der RAF zu zeigen
4. Terroristen menschlich zu zeigen
;-)

In deinem Blog gibts immer Zündstoff.

C.H. hat gesagt…

3. Schafft er meiner Meinung nach nicht in Gänze.

4. Na, ich glaube das Ziel von den Machern war es eher die Terroristen als menschenverachtende Mörder zu zeigen.

In deinem Blog gibts immer Zündstoff.

Aber sicher ;-)

Franzi hat gesagt…

4. Meinste? Also wenn das so ist haben sie in ganzer Linie versagt. Ich dachte weil der große Kritikpunkt im vorfeld war, dass man mit den Terroristen mitfühlt. Da bin ich von ausgegangen das das auch gewollt war? Ich schau mich mal um ob ich ein Interview mit den machern finde...das interessuiert mich jetzt doch^^.

tumulder hat gesagt…

Übrigens Schade, daß das Essay zu Schindlers Liste von Dir verschoben wurde.

C.H. hat gesagt…

@ Franzi:

Ja, ich denke schon. Ich zitiere an dieser Stelle mal exemplarisch Bernd Eichinger aus dem Spiegel vor einigen Wochen:

Hier setzt Bernd Eichinger an. "Die Menschen zeigen sich über die Tat, die sie tun", sagt er. "Entscheidend ist, dass sie es tun, nicht, warum sie es tun."

Anders ausgedrückt: Eichinger ventiliert hier den Anspruch die RAF zu entmysthifizieren, in dem Sinne das sie an ihren Taten gemessen werden soll: Überfall, Verbrechen, Mord. Warum sollte es von den Machern gewollt sein, das man sich mit der RAF identifiziert? Das ist lange Zeit ohnehin schon von Teilen der Gesellschaft getan worden. Und dem sollte man dann im Film auch entgegentreten und auch das ist nur teilweise Gelungen.

@ tumulder:

Das Semester hat wieder angefangen und ich bin jetzt sozusagen wieder mitten im Metier. Deswegen schiebe ich erst mal ein paar "seichte Beiträge" dazwischen (Zur Entspannung sozusagen, "die Mumie" lässt grüßen). Aber der Beitrag kommt auf jeden Fall. ;-)

TheRudi hat gesagt…

"Entscheidend ist, dass sie es tun, nicht, warum sie es tun."

Kollege, Sie werden mir zwar mal wieder nicht zustimmen, aber ich selbst finde so Zitat sagt mehr als tausend Worte und charakterisiert perfekt, warum BMK unter Eichinger nur Sch***dreck sein kann.

C.H. hat gesagt…

Kollege, ich habe Ihnen in diesem Punkt bereits in meiner Review zugstimmt ;-) :

Es sollte ein Film über die Täter sein, doch es ist weniger ein Film über die Täter geworden, als über die Handlungen der Täter. Ein Mensch definiert sich über seine Handlungen, war im Zuge der Debatte zum Film immer wieder zu Lesen und dies wollte der Film zeigen. Ein Anspruch der sich auch im letzten Satz des Films „Hört auf sie so zu sehen, wie sie nie wahren!“ verdeutlicht, doch muss die Frage erlaubt sein, ob dieses Konzept nicht eher im luftleeren Raum versacken muss, eben weil sich aus dieser Perspektive kein Erkenntnisgewinn generieren kann.

Menschen definieren sich durch Taten, das mag richtig sein, doch das Zeigen der Taten bleibt ohne Deutung inhaltslos

Et voila, Sie und ich, wir stehen diesmal auf der gleichen Seite. Das Koonzept, wie es sich Eichinger und Co hier überlegt haben, funktioniert nicht. (Oder aber in Ihren Worten: Es ist Sch***dreck) ;-)

Sennerin hat gesagt…

Stimme voll und ganz zu! Habe sowohl "den Aust" als auch diverse andere Artikel/Berichte zum Thema RAF gelesen und zahlreiche Dokumentationen und Filme gesehen. Trotz allem fiel es mir schwer, die unzähligen Personen (oft namenlos) richtig einzuordnen. Jüngere Zuschauer ohne entsprechende Vorkenntnisse sind wahrscheinlich gänzlich überfordert. Es gibt in meinen Augen weitaus bessere Produktionen (z.B. den Zweiteiler "Todesspiel"). Tja, weniger ist oft mehr.

C.H. hat gesagt…

Sogar den Aust gelsen? Da hast du mir immerhin sogar noch was voraus. ;-) Ansonsten habe ich eben schnell in deine Reuzension reingeschaut mit dem Ergebnis das wir in Bezug auf diesen Film absolut auf der selben Wellenlänge liegen.

lalia hat gesagt…

„Hört auf sie so zu sehen, wie sie nie wahren!“
*hust* ich hab im Hauptfach germanistik gehabt, das Wahre an dem Satz ist bis zum vorletzten Wort gehalten... "sie waren nie" (ich kann Fehler so schlecht überlesen XD)

Zum Film: am Anfang, kann ich die Wut über die Machtlosigkeit als Bürger sehr gut verstehen. Als Student zu der damaligen Zeit wäre icha uch ein 68er gewesen.
Was danach aber passiert, mit den ersten Anschlägen ist diese rosa Seifenblase geplatzt.
Ich kenn mich nicht mit der zeit der RAF aus, ich hab keinen Schimmer von den Personen, noch von allen Attentaten. Und das war gut, um den Film zu sehen, denn so war man unvoreingenommen für die Charaktere.
Ja, man hat hier und da Sympathie für die Menschen, hinter den Terroristen, ja man kann ihren Zorn verstehen, nein, man würde deshalb nicht mit ihnen kooperieren.
Den Film habe ich so verstenden, dass nur Baader, Meinhof und Enslin näher beleuchtet werden. Natürlich auch, wer sie beeinflusst hat.
Es geht gar nicht um die zweite oder sonstoge Generation, daher wird der Schluss auch so gerafft. Denn damit haben sie nichts zu tun, zumindest konnte man es nicht beweisen.
Aber ja, der Film sit zu konfus in der Zeiterzählung,, man versthet gar nicht, wann welches Ereignis passiert udn kann es schlecht in die Gesamthandlung einordnen.

Die Diskussion der Angehörigen kann ich verstehen, dennoch sollte man so objektiv bleiben, dass es eben nur ein Film ist und es nicht persönlich nehmen.

allerdings fand ich jetzt den ganzen Film an sich nicht sooo toll. ich mag deutsche Produktionen eh nicht sonderlich. Dass er nun für einen Oskar nominiert wurde, finde ich seltsam, aber Hollywood mag eben Geschichtsträchtiges.

C.H. hat gesagt…

Ist korrigiert! ;-)

Letzlich kann man es drehen und wenden wie man will. Der Film wollte viel, hat sich dabei übernommen und musste scheitern. Zumindest für den Anspruch den seine Macher in der Öffentlichkeit immer wieder verbreitet haben.

lalia hat gesagt…

jo, ein ZDF Mehrteiler wäre interessanter gewesen. und wahrscheinlich korrekter

lalia hat gesagt…

anscheinend ist sogar ein Mehrteiler vor der DVD Ausstrahlung gbeplant... lt. Podcast 53

C.H. hat gesagt…

Podcast 53?

lalia hat gesagt…

hier erwähnt:
http://lalia.wordpress.com/2009/02/06/der-wv-podcast/

der widescreen-vision podcast, aber bis man die 82 Minuten nun durchforstet hätte, nach dem einen kleinen Satz, wo die zwei das erwähnen, na ja, da sag ich es lieber einfach *g*

hier der direkte Link: http://www.widescreen-vision.de/aid,676156/WIDESCREEN_Vision_Podcast_-_Folge_53/

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