Rezension: "Southland Tales"










Have a nice Apocalypse“ - Schon im christlich dominierten mittelalterlichen Kulturkreis des Okzidents war der Untergang der Welt keine Frage des „ob?“, sondern ausschließlich des „wann?“. Und auch wenn der genaue Zeitpunkt der Apokalypse nicht genau zu datieren war, wusste man doch wann der letzte Tag auf Erden gekommen sein würde: Die Bibel erzählt im zweiten Buch Daniel vom Traum des Nebukadnezar, welchem in diesem ein vierteiliges Standbild erschien, dass als Abbild der Weltgeschichte gedeutet wurde: Es werden vier Weltreiche (Das babylonische, persische, griechische und römisches Reich) aufeinander folgen, welche abschließend nach dem Untergang der Welt vom Reich Gottes abgelöst werden würden: Nach dieser Prophezeiung vermag es nicht Wunder zu nehmen, warum im Selbstverständnis der mittelalterlichen Zeitgenossen das römische Reich auch zu keinem Zeitpunkt untergegangen war, sondern erst im oströmischen Reich weiter existiere, bevor die Kaiserwürde in den Westen Europas zurückkehrte und das Heilige Römische Reich begründet wurde. Und auch wenn ein solches religiös-teleologisches Weltbild in unserer westlichen säkularisierten Gesellschaft nunmehr dispensiert ist, hat doch die Apokalypse, der Weltuntergang, nichts von seiner Strahlkraft verloren, nur dass dieser nunmehr in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Szenario der Endzeit von Menschenhand oftmals selbst induziert ist und nicht länger einer heilsgeschichtlichen Konsequenz gleich kommt.


Es kommt nicht von ungefähr, dass es die Dsytopie ist und nicht die Utopie, die das Genre der Science Fiction maßgeblich geprägt hat. Utopische Entwürfe einer besseren Zukunft lassen sich in Film und Fernsehen nur selten in einer solchen Eindeutigkeit finden, wie es zum Beispiel Gene Roddenberry mit seiner Vision „Star Trek“ tat, einer Zukunft, die sich bei allem Problemen doch als geeinte Menschheit im friedlichen Verbund der Welten-Föderation präsentiert. Doch ist dieses Bild in ihrer Eindeutigkeit eher eine Ausnahme, der zahlreiche Klassiker des Science Fiction diametral gegenüber gestellt sind, die ein negatives Bilder der menschlichen Entwicklung bis hin zum Weltuntergang zeichnen: Im „Planet der Affen“ (USA 1968) ist es neben der gesellschaftskritischen Beschäftigung mit ethischen und religiösen Thematiken, eben auch der Entwurf einer postatomaren Welt, in der sich die Menschheit nach einem nuklearen Waffengang quasi selbst vernichtet hat. Selbiges Thema wird von Stanley Kurbrick in seiner rabenschwarzen und bitterbösen Satire „Dr. Strangelove or how I learnd to love the bomb“ (UK 1964) aufgegriffen, der in seiner Dystopie auf die unmittelbare Gegenwart abzielte und die Welt, im atomaren Reigen von Militärs und Politikern tanzend, seinem Ende entgegen schickte. Die Dsytopie entsteht somit nicht im Vakuum, ist niemals ausschließlich Science Fiction, sondern rekurriert in ihren Themenstellungen auf gesellschaftliche Probleme und Missstände, die aktuell und gegenwärtig schon virulent sind und in der Folge von der Dsytopie in Form eines fiktiven, negativ konnotierten Entwurfs der Welt thematisiert und angeprangert werden.


Blade Runner“ (USA, 1982), einer der wesentlichsten und wichtigsten, weil richtungweisenden Filme des Genres der Science Fiction, der ein Themenspektrum von urbaner Technisierung und der damit verbundenen Zerstörung der Umwelt ebenso thematisiert, wie ethische und bioethische Fragen bezüglich der Charakteristika des menschlichen Seins und den Problematiken, die die Möglichkeiten der Gentechnik mit sich bringen, nahm somit schon 1982 Probleme vorweg, die uns heute noch in einem weit größerem Maße beschäftigen als 1982. Während „Blade Runner“ seinen berechtigten Platz in der Ahnengalerie der dsytopischen Science Fiction schon gefunden hat, wird sich „Children of men“ (USA/UK 2006) diesen Platz noch erkämpfen müssen. Auch in diesem Fall skizziert der Film das Bild einer zukünftigen Gesellschaft, die am Rande des Abgrunds steht. Unfruchtbarkeit, Überalterung und Ressourcen-Verknappung lassen bestehende Ordnungen zu Gunsten eines Überwachungsstaates und aufkeimender Anarchie in den Hintergrund treten. Die Dsytopie stellt aber nicht nur den Menschen an den Pranger seiner eigenen Schwächen, sondern kritisiert eben auch sein Urvertrauen und seinen Hochmut gegenüber der Technik, welche eines Tages auf den Menschen strafend zurückfallen wird („2001 – Odyssee im Weltraum“ (UK, USA 1968), sowie natürlich eher Action-Orientiert: „Terminator“ (USA 1984), „Matrix“ (USA, 1999).


Natürlich, je weiter die Dystopie in die Zukunft reicht, je weiter ihr Themenspektrum universell ausgelegt ist, desto größer ihre Chancen längerfristig im Blickfeld der Öffentlichkeit zu bleiben. Der ausgezeichnete dsytopisch angehauchte Cyberpunk Thriller „Strange Days“ (USA, 1995) verschwand nicht zu Letzt deshalb wieder recht zügig aus dem öffentlichen Blickfeld, weil sich sein Thema mit der erfolgten Jahrtausendwende schnell überlebt hatte. Selbiges Schicksal könnte Richard Kelly's Endzeitmär „Southland Tales“ (USA 2006) drohen, da dieser vordergründig als direkte Reflektion auf die USA nach dem elften September 2001 verstanden werden muss, der seine alternative Fiktion dementsprechend zeitnah angelegt hat, welche streng genommen im zeitlichen Kontext 2009 schon wieder überholt ist. Einerseits! Doch auf der anderen Seite, und das wird im folgenden ausführlicher zu thematisieren sein, ist „Southland Tales“ mitnichten auf die Ära Bush bis zum Jahr 2008 beschränkt, so dass Kellys Dystopie durchaus das Potential hat mit der Zeit denselben Weg zu gehen, wie etwa Ridley Scott's „Blade Runner“ - Zuerst von der Kritik ignoriert und verschmäht, anschließend zum Kultfilm gereift und dementsprechend gewürdigt, hat dieser bekanntlich seinen Platz gefunden.


Es ist ein interessantes Konzept, dass sich Kelly, der nach seinem Independent-Hit „Donnie Darko“ (USA 2001) umfassend auf sich aufmerksam machen konnte, ausgedacht hat. Konzipiert als schwarze Komödie, thematisch umstrukturiert nach den Anschlägen der Quaida auf das World Trade Center 2001, beeinflusst durch die Antworten seines Heimatlandes USA auf diese Bedrohungen, wurde aus der zunächst simplen schwarzen Groteske, eine zu Tiefst politische schwarze Groteske über das Ende der Welt . Kelly überschritt jedoch mit „Southland Tales“ nicht nur genretypische Grenzen, sondern legte seine Vision als intermediales Gesamtwerk an, welches seine Geschichte nicht nur in filmischer Form, sondern auch in diversen Comics erzählt. Die ersten drei Kapitel des Magnum opus „Southland Tales“ erschienenen als Comic-Bände, deren Kenntnis für den Film, der die restlichen drei Kapitel abdeckt, zwar nicht zwingende Voraussetzung ist, deren Lektüre nichts desto trotz natürlich eine tieferes und detailliertes Verständnis für die Motivationen und Handlungen der Protagonisten evoziert. Als der Film 2006 bei den Filmfestspielen von Cannes seine Weltpremiere feierte, wurde er von großen Teilen der Kritik abgestraft, woraufhin Kelly seinen Film über 20 Minuten kürzte und eine neues Fassung erstellte. Doch auch diese Fassung schaffte es hierzulande nicht in die Lichtspielhäuser, so dass der Film direkt auf DVD veröffentlicht wurde. „Southland Tales“ ist ein zu Tiefst amerikanischer Film, zugeschnitten auf die amerikanische Gesellschaft, auf deren Probleme und deren Rolle im Weltgeschehen 2001-2008. „Southland Tales“ muss stets unter der Prämisse der USA-Zentrierung betrachtet werden, und doch verbergen sich hinter der Oberfläche auch universell anwendbare Aspejte, die in ihrer Reichweite die staatlichen Grenzen der USA überwinden.


Kelly entwirft in seiner Dsytopie eine alternative, aber sehr zeitnahe Zukunft der USA im Jahr 2008: Am 4. Juli 2005, dem Tag des amerikanischen „Day of Independece“ brachten Terroristen in Texas zwei nukleare Sprengsätze zur Explosion. Hunderttausende starben an jenem Tag, der als „American Hiroshima“ in die Geschichte eingehen wird. Die USA antworteten auf diesen Anschlag auf ihre Weise: Die mächtigste Militär-Macht der Welt entfesselte zunächst ihre Militärmaschinerie und damit auch den dritten Weltkrieg zwischen den USA auf der einen und der „Achse des Bösen“ Iran, Afghanistan, Irak, Nord Korea und Syrien auf der anderen Seite (Auch bezüglich dieses Aspekts zeigt sich die amerikanische Fokussierung von „Southland Tales“: Ein Anschlag auf die USA, wie von Kelly beschrieben, würde höchstwahrscheinlich den Bündnisfall der NATO nach sich ziehen, leider findet sich im Film kein Aufschluss darüber, ob sich Europa dem amerikanischen Waffengang anschließt, und wie Russland und China auf die Destabilisierung der USA und des Nahen Ostens reagieren). Innenpolitisch wandeln sich die USA in Folge des Anschlages zu einem Überwachungsstaat mit durchaus totalitär angehauchten Charakter. Der Patriot Act wird verschärft, die Grenzen zwischen den einzelnen Bundesstaaten werden hermetisch abgeschlossen, die Nationalgarde marschiert auf. In Folge dieser Entwicklungen, der willkürlichen Einberufung zur Armee und die ständige Überwachung durch die neugeschaffende USIDent, bilden sich in den Ballungszentren zahlreiche Widerstandsgruppen mit neomarxistischen Hintergrund, die sich der konservativen Regierung in den Weg stellen. Des Weiteren sind die USA durch ihren Krieg einem eklatanten Mangel an Öl unterworfen. Alternative Energien werden von Unschätzbaren Wert, so dass das Projekt des deutschstämmigen Wissenschaftlers Baron von Westphalen (Wallace Shawn), nämlich die Herstellung der Droge Fluid Karma, nicht nur militärisch nutzen lässt, wie sich an Experimenten mit GIs Im Irak gezeigt hat, da diese Droge eine Art der telepathischen Kommunikation untereinander erlaubt, sondern noch dazu durch die Folgen der Herstellung der Substanz ein elektrisches Kraftfeld geschaffen wird, dass den Antrieb von Fahrzeugen und Maschinen ohne herkömmlichen Kraftstoff ermöglicht.


Southland Tales“ erzählt die im vorigen skizzierte Geschichte durch die Augen einer Handvoll Protagonisten, die den Zuschauer durch den Film führen: Der Actionstar Boxer Santaros (Dwayne Johnson) wird eines Tages in der Wüste gefunden, er kann sich an nichts erinnern. Doch sein Drehbuch über das Ende der Welt, scheint sich mit der Zeit als wahre Prophezeiung zu erweisen. Unterdessen ist die Geschäftsführerin der USIDent Nana Mae Frost, Ehefrau des republikanischen Senators Bobby Frost, (Miranda Richardson) auf der Suche nach Santaros, denn dieser ist mit der Tochter der Frosts verheiratet. Santoros ist jedoch bei der Porno-Darstellerin Krysta Now (Sarah Michelle Gellar) untergekommen, die Kontakte zum neomarxistischen Untergrund hat, die in der Folge versuchen die Frosts mit Santoro als Druckmittel zu erpressen. Unterdessen wird Roland Taverner (Seann William Scott ), ebenfalls mit Kontakten zur neomarxistischen Bewegung dafür instrumentalisiert, sich für seinen Zwillingsbruder auszugeben, der Polizist ist, und vom Untergrund entführt worden ist und einen inszenierten Mord auf ein schwarzes Ehepaar zu begehen, mit dem die Regierung diskreditiert und die kommende Wahl zu Ungunsten der Konservativen beeinflusst werden soll. Kommentiert wird das Geschehen von Pilot Abilene (Justin Timberlake), einem schwer verwundeten Veteran aus dem Irak, der seinen Dienst nun mehr in der Nationalgarde absolviert.


Richard Kelly entwirft in „Southland Tales“ ein Bild seiner Heimat, wie es desaströser und hoffnungsloser kaum sein könnte. Der amerikanische Traum, so es ihn je gegeben hat, wird auf eine abgeschmackte Phrase reduziert. Es ist eine laute, bunte und knallige Anklage, die Kelly da entwirft, frei von Konventionen, frei von Kompromissen. Seine Methode ist die der Überzeichnung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Probleme der USA, die in „Southland Tales“ radikal zu ihrer Reinform ausgeschält werden, um dann humoristisch vorgeführt zu werden: Dabei beschränkt sich Kelly keineswegs auf die konservative Rechte, die in ihrer Skizzierung klar auf die Ägide Bush gemünzt ist, sondern zieht auch das andere Extrem ins Lächerliche. Der neomarxistische Untergrund ist der liberale Gegenentwurf zu radikalen Rechten, und beide Extreme tragen dazu bei die USA und Welt an den Rand des Abgrunds zu bringen. Kelly gelingt es hier die virulenten Probleme der heutigen, nicht nur amerikanischen, Gesellschaft, nämlich das Bedürfnis nach Sicherheit bei gleich bleibender Freiheit, satirisch zu bündeln und auf den Punkt zu verdichten. Seiner Vision einer alles überwachenden USA ist dabei natürlich keine reine Fiktion, sondern nur Übertreibung und somit eine gar nicht mal so subtile Warnung, wohin der Weg führen könnte: Zu einem überwachten Venice Beach nämlich, auf dem missliebige Dissidenten von der Allmacht der staatlichen Exekutive zwischen lauter Touristen per Scharfschütze einfach liquidiert werden. Doch zeigt Kelly auch die anderen Seite, die verblendete Kritik an staatlichen Systemen, welche sich in ihrem äußerst pejorativen Anspruch nicht zu Schade ist, jene Methoden anzuwenden, die sie doch ursprünglich anprangern wollten. Neben dieser politischen Auseinandersetzung ist es vor allem auch die konkrete Gesellschaftskritik, die Kelly in seinem Film vorbringt und das überzeichnet, was im Jahr 2008 auf MTV über die Bildschirme flimmert: Silikongepolstere Teenis, die in inszenierten Shows durch die Gegend hüpfen, daten und zicken. „Southland Tales“ führt das Bild einer übersexualisierten und durch Pornos geprägte Gesellschaft zu ihrer durch Krysta Now propagierten Extrem-Formel „Teen-Hornyness is not a crime“. Einerseits, aber auch hier gilt, dass auf der anderen Seite durch die selbsbestimmte Skizzierung des Charakter Krysta Now einem fundamental-religiösen und a priori gesetzten Verständnis von Sexualität, wie sie in weiten Teilen der USA noch zu finden ist, zu Gunsten eines Ideals der freien Selbsbestimmung eine klare Absage erteilt wird.


Ist also „Southland Tales“ eine vordergründige Satire auf die USA, auf das was Kelly augenscheinlich bewegt, ist es auch die ultimative Dystopie. Jeder Bereich des Lebens hat sich zum Schlimmeren gewandt und steuert direkt auf den Untergang der Welt zu. Rettung scheint nicht in Sicht. Die christliche Metaphorik, die gerade durch Pilot Abilene mit seinen Verweisen auf die Offenbarung immer wieder thematisiert wird, spricht in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache der Apokalypse, die von Kelly wohl nicht von Ungefähr eingebunden worden ist. Auch wenn also christlich konnotierte Symbole mal mehr, mal weniger offensichtlich implementiert werden, ist doch aber die Deutung des Films als reine und ausschließliche modernisierte Variation der Offenbarung des Johannes abzulehnen, da die Apocalypse in „Southland Tales“ letztlich durch Menschenhand induziert worden ist und eben kein Resultat heilsgeschichtlicher Konsequenz ist. Doch sind dies Aspekte einer Interpretation, die in dieser apodiktischen Eindeutigkeit gar nicht mal von Nöten sind. Gerade auch der Schluss des Films scheint als klarer Hinweis über die Unmöglichkeit der Eindeutigkeit der Interpretation geeignet zu sein.


Richard Kelly hat mit diesem Film einen Beitrag abgeliefert, der sich an zahlreichen Vorbildern orientiert, sei es vom Inhaltlichen (Kubrick), oder im Visuellen (Lynch) und auf eindeutige Art und Weise nicht zu lesen ist, sondern viel mehr entdeckt werden muss. Es ist nämlich nicht zu Letzt die Inszenierung, die diesen Film zu einer sehenswerten Nummer macht, die sein intellektuelles Potential hinter der Maske der Groteske tarnt. Der Mix aus bunten Bildern, schrägen Charakteren, dem Ignorieren sämtlicher Konventionen, lassen „Southland Tales“ zu einer vielschichtigen Vision werden, deren volle Symbolik beim ersten Sehen gar nicht umfassend erfasst werden kann, so entpuppen sich Graffiti, die auf den ersten Blick wie sinnlose Schmierereien wirken, auf den zweiten Blick als Auszüge aus dem Werk von Marx. Und so erzählt der Film seine Geschichte in schnellen Bildern, die sich den medialen Sehgewohnheiten der heutigen Gesellschaften angepasst haben, und diesen Vergleich durch die schnell vorbeiflimmernden Ton- und Bildschnippsel heutiger Nachrichtenticker auch ganz bewusst sucht. Die Darsteller, die wohl in keinem anderen Film so zusammenpassen würden, sie passen in ihre schrägen Rollen, der Score ist Perfektion in Reinkultur. Es zeigt sich an diesen Details, dass „Southland Tales“ ein hervorragender Film ist, der sich jedoch jedem, der sich nicht drauf einlassen wird, der nicht abstrahieren kann, verschließen muss. Denn alles was über die fragmentarische Deutung einzelner Szenen hinausgeht, wird nur schwer zu begründen sein. Weniger kohärenter Film, als exaltierter Bildersturm eines Mannes, der sein eigenes Land im Blick hatte, als er diesen Film gedreht hat, das ist „Southland Tales“ geworden. Ob dieser Film sich behaupten kann, muss sich jedoch noch zeigen. Eins ist sicher: Die Probleme in den USA, die Kelly 2006 mit diesem Film ansprechen wollte, sind mitnichten passe. Tauscht man die Jahreszahlen im Film, der Film ist aktuell wie nie und wird noch lange aktuell bleiben, auch nach 2008, und das noch dazu nicht nur in den USA - Fazit: 9 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Screenshots aus "Southland Tales". © by Cherry Road Films, Darko Entertainment, Academy Film, Destination Films, Eden Roc Productions, Inferno Distribution, MHF Zweite Academy Film, Persistent Entertainment, Universal Pictures, Wild Bunch


24 Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

Mein lieber Scholli, Christian, da hast ja alle Register gezogen. Da wird induziert, konnotiert, evoziert und diametral gegenüber gestellt. So mag ich das auf deinem Blog ;)

da die Apocalypse in „Southland Tales“ letztlich durch Menschenhand induziert worden ist und eben kein Resultat heilsgeschichtlicher Konsequenz ist.

Der Satz ist natürlich ebenso diskutabel wie deine oben aufgeführte Einteilung der vier Weltreiche. Wobei der ganze Film natürlich diskutabel ist.

tumulder hat gesagt…

„Southland Tales“ führt das Bild einer übersexualisierten und durch Pornos geprägte Gesellschaft zu ihrer durch Krysta Now propagierten Extrem-Formel „Teen-Hornyness is not a crime“

Na das sehe ich ein wenig anders (-> Nippelgate). Vielmehr möchte er auch hier anmahnen gerade ein gesellschaftliche so wichtiges Thema nicht den Extremisten zu überlasssen.

C.H. hat gesagt…

@ Flo:

Also die Frage, ob die Apocalypse in "ST" druch Menschenhand ausgelöst wird, kann man diskutieren. Da gebe ich dir Recht.

Aber warum ist die von mir aufgeführte Einteilung in die 4 Weltreiche diskutabel? Der Glaube an diese Einteilung war im Christentum des MA fest verankert, und essentieller Bestandteil des mittelalterlichen Weltbildes? Es gibt natürlich auch noch die "Lehre von den sechs Weltaltern", aber die beiden Ansätze widersprechen sich imho ja nicht. Oder hast du da andere Informationen?

@ tumulder:

Stimmt, so kann man den Satz, bzw. den Liedvers auch interpretieren, nämlich im Sinne der Selbsbestimmung. Allerdins schließt die eine Deutung, die andere ja glaube ich nicht aus, denn das von dir verlinkten Interview geht ja auch auf den von mir beschriebenen Konetext ein: "Die amerikanische Welt, ob religiös-konservativ oder liberal geprägt, ist wahnsinnig sexualisiert. Heutzutage ist das Sexuelle überall präsent und jederzeit abrufbar. Die grassierende Unsicherheit ist durch die Verfügbarkeit der sexuellen Bilder eher beflügelt worden."

C.H. hat gesagt…

PS @ Rudi:

Du hast doch die Comics bestimmt gelesen. Findet sich in denen irgendwas zum Rest der Welt in Bezug auf WW3 (So von wegen NATO, Rußland, China, etc?)

Flo Lieb hat gesagt…

Ja gut, im MA hat man die vier Weltreiche so definiert, aber das ist ja jetzt schon ne Ecke her und hing mit dem damaligen Weltbild zusammen, dass das eigene das letzte sein würde. Mir war so, als hättest du jetzt eine allgemeingültige Definition der vier Weltreiche vom heutigen Standpunkt aus gegeben.

Und dass die Apokalypse auch gesondert von "ST" durch Menschenhand ausgelöst ist sicherlich genauso diskutabel wie dass die Apokalypse in "ST" durch Menschenhand ausgelöst wird.

tumulder hat gesagt…

Kam vielleicht ein wenig falsch bei mir an.;) Aber das paßt ja auch zu dem Konzept des Filmes. Hier und dort die Extreme und dazwischen die Bürger, die sich nicht mehr zurechtfinden. Es gibt niemanden mehr, der den Mittelweg propagiert.

Flo Lieb hat gesagt…

In den Comics, die ich grad nicht mehr vollständig im Kopf habe, gibt es soweit ich mich erinnere keine Nennung von Russland und China bzgl. WW3.

C.H. hat gesagt…

@ Flo:

Ja, war natürlich nur auf das geglaubte Weltbild im MA bezogen ;-) Ansonsten: Thx, für die Info.

@ tumulder:

Ja, Genau. Aber irgendwo hast du auch Recht damit, dass Krysta Now vielleicht die falsche Beweisführerin in meiner Argumentation war, die ja von Kelly durchaus als selbstbestimmete Frau angelegt worden ist. Ganz im Gegensatz zu den zahlreichen Hupfdohlen in ihrem Schlepptau... ;-)

Flo Lieb hat gesagt…

Krysta ist in den Comics noch wesentlich selbstbestimmter als im Film. Da kommt sie weitaus dumpfer daher, als sie eigentlich ist.

xander81 hat gesagt…

"Die Dsytopie entsteht somit nicht im Vakuum [..] sondern rekurriert in ihren Themenstellungen auf gesellschaftliche Probleme und Missstände, die aktuell und gegenwärtig schon virulent sind und von der Dsytopie in Form eines fiktiven, negativ konnotierten Entwurfs der Welt thematisiert und angeprangert werden sollen."

Ich habe keine Ahnung was das bedeutet, hört sich aber schwer wichtig an ;-)

Im Übrigen gebe ich dir aber mit deiner letztendlichen Wertung des Films Recht, auch wenn ich ihn mir noch einmal anschauen will, bevor ich da bei mir meinen Senf zu gebe - dann aber mit weniger Fremdwörtern.

C.H. hat gesagt…

Ich habe keine Ahnung was das bedeutet, hört sich aber schwer wichtig an ;-)

Will heißen: Die Scheiße, die die Dystopie anprangert ist oftmals nicht fiktiv, sondern schon Bestandteil im Hier und Jetzt. ;-)

auch wenn ich ihn mir noch einmal anschauen will

Dito. Der Film ist voller Details, dass ich davon ausgehen muss, einen Großteil beim ersten Sehen schlichtweg übersehen zu haben.

fincher hat gesagt…

Ziemlich anspruchsvolle, ungemein interessante Arbeit, Respekt. *daumenhoch* Der Satz von oben hat es schon insich. Ich les´ das jetzt aber nicht, ich hab´ den Film nämlich noch nicht gesehen. Naja, "Donnie Darko" auch noch nicht. *g* Deine Rezension und einige andere auch ermutigen mich jedoch für die Sichtung.

Kaiser_Soze hat gesagt…

Uff, da hat sich einer wieder viel Mühe gegeben.

Ich ordne, bewertungsmäßig, ST ebenso ein wie du. Kann gar nicht verstehen, wieso der generell (weniger auf den Blogs, mehr in der Presse) so runtergedrückt wurde.

Übrigens: Deine Einleitung bezüglich des Genres gefällt mir sehr gut.

Weiter so.

tumulder hat gesagt…

Krysta Know ist einer der genialsten Filmcharaktere überhaupt. Und man muß noch einmal betonen wie ansprechend der Cast im Film agiert. Vom Timberlake mit seiner genialen Musikvideoeinlage über Dwayne Johnson, den man wirklich mögen muß, bis hin eben zur Gellar. Das spricht in meinen Augen auch ungemein für den Regisseur.

C.H. hat gesagt…

@ fincher:

Deine Rezension und einige andere auch ermutigen mich jedoch für die Sichtung.

Unbedingt! Ich habe mir den ja eigentlich auch nur wegen der Reviews bei Flo un dann später bei tumulder gekauft. Blog lesen zahlt sich dann eben doch hin und wieder aus... ;-)

@ Kaiser:

Danke ;-) Ja, das verstehe ich auch nicht. Da wird immer rumgemäkelt, dass aus Hollywood immer nur Einheitsbrei kommen würde und dann hat mal jemand eine Vision, die zugegeben schon ein wenig Eigen ist, und dann ist es doch wieder verkehrt...

@ tumulder:

Ja, das kann durchhaus noch mal ausdrücklich betont werden. Und ich muss auch ganz ehrlich zugeben, dass ich bezüglich der Besetzung im Vorfeld ein wenig skeptisch war. Aber wie die Akteure dann, ob Timberlake, Johnson, Gellar oder auch die gut besetzten Nebenrollen ,letzendlich agiert haben, wie gut sie in die Rollen gepasst haben, hätte ich nicht erwartet.

Flo Lieb hat gesagt…

Naja, die Besetzung ist in meinen Augen nicht so überzeugend, speziell bei Gellars Krysta merkt man das. Die Comic-Figur und die Filmfigur unterscheiden sich da doch durch die Gellarsche Darstellung. Mir ist da etwas die Stärke und Kaltschnäuzigkeit der Figur verloren gegangen. Und Timberlake kann nich sowieso nicht ab, da wäre mir Jake Gyllenhaal in der Rolle lieber gewesen. Dafür wissen Johnson und Scott zu überzeugen, die gefallen mir beide jedesmals sehr.

Flo Lieb hat gesagt…

Irgendwie liest sich mein obiger Kommentar, als hätte ihn ein Grundschüler abgefasst. Brr, da läuft's mir kalt den Rücken runter.

Liegt wohl daran, dass ich grad RIGHTEOUS KILL in der Sneak ertragen musste, war daher intellektuell die letzten Stunden stark unterfordert. ;)

The-Duke hat gesagt…

Hehe, den kaufe ich mir morgen endlich. Zusammen in dem Steel mit Donnie Darko. Habe erst mal nur deine Bewertung gelesen und die langt mir als Kaufgrund völlig aus. Bin mal gespannt wie er mir gefallen wird, die Meinungen sind ja schon verdammt divergent.

Rajko Burchardt hat gesagt…

Ich fand den grausig von vorn bis hinten, aber mich wundert es nicht, dass ein Lynch-Fan hier auf seine Kosten kommt.^^

tumulder hat gesagt…

Ich fand den überhaupt nicht lynchig. Ich weiß gar nicht wie manche Kritiker immer wieder drauf kommen. Echt nicht. Lynch ist an solchen Themen doch gar nicht interessiert.

Rajko Burchardt hat gesagt…

Lynchig fand ich den auch nicht, halt nur Möchtegern-Lynchig, oder anders: Wie Lynch mit 13. Oder wie die Kiddie-Version einer Light-Hommage an Lynch.

Kelly bleibt für mich die Nullnummer, als die er sich mit dem DC von DONNIE DARKO bereits erwiesen hat. Der Film ist nicht einmal prätentiös, sondern wäre es nur gern. Sein pseudo-verschwurbeltes Eso-Gewurschtel hat was von Bravo-Mystery-Story der Woche. Ist so ein Film, den Emos bei studivz als ihren Lieblingsfilm angeben, weil sie ihn so mysteriös fanden.

Aber ist nur meine Meinung, ich habe auch keinen Plan von den geschichtlichen Metaebenen, die sich hier - offenbar - auftun...

C.H. hat gesagt…

@ tumulder:

Naja, vom inhaltlichen her auf keinen Fall. Sind wirklich nicht Lynchs Themen. Aber von der Bildsprache her, habe ich in der Rezension ja auch den Vergleich gezogen (z.B. die Musical-Szene oder die Erscheinung des Barons erinnern in ihrem Expressionismus schon ein wenig an Lynch -> Zumindest hatte ich den Eindruck)

@ Rajko:

Naja, es ist halt Kellys Sicht auf sein Land. Das du mit Kelly und diesem Film nicht viel anfagen kannst, ist mir klar. Der ist ja in "ST" offensichtlich nicht nur in der Optik von Lynch, sondern auch inhaltlich von Kubrick beeinflusst worden. Das kann ja dann bei dir dann nicht gut gehen... ;-)

Rajko Burchardt hat gesagt…

DONNIE DARKO zählt zu meinen Lieblingsfilmen.

Oder zählte... mal schauen.

tumulder hat gesagt…

Ist so ein Film, den Emos bei studivz als ihren Lieblingsfilm angeben, weil sie ihn so mysteriös fanden.

Ja, da kann der Film aber nichts für. Ich lege Dir mal Illuminatus! ans Herz. Da haben ein Historiker und Psychologe Ende der 60er anfangs der 70er eine wunderbare Satire auf Verschwörungstheorien etc. abgefaßt, die jenseits des großen Teichs als genau das wahr genommen wurde was sie ist. Nur hier in Europa und Deutschland fingen die Leute an Adam Weishaupt statt George Washington auf den Dollarscheinen zu sehen. Komplett bescheuert.;)

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