Rezension: "Transporter 3"










Die „Transporter“ Reihe ist ohne jeden Zweifel, und da sollte man sich auch nicht durch den Namen des an der Produktion und dem Drehbuch beteiligten Luc Besson beeindrucken lassen, noch nie mehr als eine kleine und nette actionlastige Spielerei, gewesen die sich in letzter Konsequenz wenig bis gar nicht um die erzählte Geschichte scherte, sondern sich vielmehr drauf verließ, dem Publikum möglichst das zu Bieten, was er sich in diesem Fall wohl zu Vorderst von dem Streifen versprach: Krachende und stringent inszenierte Unterhaltung inklusive äußerst coolem Protagonisten. Das dies vor allem in Bezug auf den ersten Vertreter der Reihe („The Transporter“, 2002) um den ehemaligen Elite-Soldaten Frank Martin (Jason Statham), der sein Geld mittlerweile als Kurierfahrer für zwielichtige Kunden verdient, funktionierte, ist wohl vor allem dem Hauptdarsteller Jason Statham zu verdanken, welcher einer breiten Masse eben seit jenem ersten „Transporter“ ein Begriff sein dürfte, während die Filmkundigen Statham wohl bereits im Zuge von Guy Ritchies „Lock, Stock & Two Smoking Barrels“ und „Snatch“ zur Kenntnis genommen haben dürften. Wie dem auch sei, die Figur Frank Martin, ein harter Hund mit Manieren, ist ohne jeden Zweifel eine Paraderolle für den charismatischen Briten, der die Rolle mit einer unerhörten Coolness auf die Leinwand projizierte. Und da dies bekanntlich im ersten Teil so gut funktionierte, ist es nur als logische Konsequenz zu bezeichnen, dass 2005 mit „Transporter – The Mission“ das unvermeidliche Sequel nachfolgen musste.


Dieses machte jedoch, mal abgesehen vom Hauptdarsteller, so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte: Während der erste Teil seinen Charme eben auch und vor allem aus seinem europäischen Setting in Südfrankreich heraus kultivierte, was somit nicht unwesentlich für das Flair dieses kleinen Actioners war, musste es im Sequel getreu nach dem Motto „Viel hilft Viel“ natürlich Florida und damit die Häuserschluchten der USA sein. Wo Frank im ersten Teil durchaus noch im kriminellen Milieu fest verankert war, musste er natürlich im Zuge von „Transporter – The Mission“ zum gutherzigen Kindergarten-Onkel mutieren. Wo schließlich der erste Teil seinen weiblichen Blickfänger noch dezent positionierte, musste es nun, analog zur Steigerung des Action-Faktors, ein irre, halbnackte Blondine sein, die in der Meinung der Macher offensichtlich sexy wirken sollte, doch in ihrem letztendlichen Sexappeal die gleiche Wirkung wie Hausstaub hatte - Da halfen dann auch die rosa-farbenen Dessous nicht weiter, in denen sich die Frau völlig sinnbefreit durch die Handlung ballerte. Wäre Jason Statham nicht gewesen, man könnte diesen zweiten Teil durchaus als desaströsen Totalausfall bezeichnen, so aber stellte dieses Sequel im Vergleich zum Vorgänger „nur“ eine waschechte Enttäuschung dar.


In Anbetracht dessen, kann man es nur als erfreulich bezeichnen, dass sich der dritte Ableger des Franchise wieder auf seine Wurzeln besinnt: Frank ist zurück in Frankreich, arbeitet zwar nicht mehr aktiv, vermittelt nun aber Aufträge an immer noch sehr zwielichtige Kunden. Als jedoch einer seiner Empfehlungen versagt, hängt er wieder mittendrin im Schlamassel, als er unvermittelt niedergeschlagen wird, um wenig später mit einem explosiven Armband am Handgelenk zu erwachen, welches detonieren wird, sollte er sich weiter als 25 Meter von seinem Wagen entfernen. Sein Auftrag: Valentina, die Tochter des ukrainischen Umweltministers Leonid Vasilev, welche im Auftrag der internationale Müllentsorgungsgesellschaft EcoCorp während eines Urlaubs auf Ibiza mit dem Zweck Druck auf Vasilev auszuüben, entführt worden ist, quer durch Europa zu fahren und am vereinbarten Ort abzuliefern. Eine Weigerung, dass macht Bösewicht Jonas Johnson (Robert Knepper), der Kopf der Bande, Frank unmissverständlich klar, ist in diesem Fall keine Option, so dass sich dieser wenig später zusammen mit Valentina auf einer Hatz quer durch Europa befindet.


Die Geschichte, die dieser Film erzählt (Mal ganz nebenbei: Es geht um Umweltschutz. Ist ja im Moment auch ein sehr beliebtes Thema) ist völlig irrelevant, genauso gut hätte es auch um irgendeine andere Gaunerei gehen können, und der Film macht aus dieser Tatsache auch zu keinem Zeitpunkt einen Hehl, da der Plot den Beteiligten augenscheinlich so gleichgültig gewesen ist, dass sich in diesen wirklich horrende Löcher in der Logik eingeschlichen haben, die so riesig sind, dass sie kaum zu übersehen sind. Aber nun das Gute daran: Das interessiert auch nicht die Bohne, ist der Fokus doch ohnehin ein Anderer, nämlich die von Regisseur Olivier Megaton inszenierte Action. Und bezüglich dieses Aspekts hat der Film durchaus allerhand zu bieten, ohne dabei jedoch übermäßig zu Glänzen: Da fliegen Autos, oder genauer gesagt: Audis, auf Züge, werden im See versenkt, fahren auf zwei Reifen, dass es eine wahre Freude ist. Gleiches gilt für Frank alias Statham, der sich in altbewährter Manier durch die Story prügelt und kämpft, es zeitgleich mit unzähligen Gegnern aufnimmt, ohne auch nur einen einzigen Kratzer davon zu tragen. Dies alles ist so gefällig choreographiert wie immer, so dass es in diesem dritten Teil zwar immer noch unterhaltend ist, aber dennoch langsam aber sicher zur Routine verkommt. Was möglich ist, wenn der Film dann doch mal seine Kreativität entdeckt, zeigt sich in der gelungensten Action-Sequenz des Streifens, nämlich dann wenn Frank auf einem kleinen BMX seinem gekaperten Audi hinterherjagt um nicht in die Luft zu fliegen.


Natürlich meistert unser Frank auch diese Hürde mit der ihm eigenen Routine, so wie er – quasi im Vorbeigehen – auch das zunächst kalte Herz seiner ukrainischen Begleitung gewinnt. Dazu reicht es nämlich einfach, so ist im Film zu lernen, eine zünftige Schlägerei mit einem kleinen Striptease zu verbinden. Das freut die Damen der Schöpfung, einen passenden Körper wie den von Statham vorausgesetzt, doch auch der männliche Teil der Zuschauer kann sich nicht beschweren, ist doch aus dem Strapse tragendem hässlichen Entlein aus dem missglückten Sequel in diesem dritten Teil wieder ein schöner Schwan geworden. Newcomerin Natalya Rudakova, die hier ihr Debut als Schauspielerin feiert, steht dem Film in ihrer Rolle der jungen und kühl-verführerischen ukrainischen Minister-Tochter äußerst gut zu Gesicht. Das die Romanze zwischen ihr und Frank als Solche ebenso unvermeidlich, wie doch auch arg konstruiert wirkt, steht dabei natürlich völlig außer Frage, vermag jedoch nicht weiter zu stören, zu mal das Spiel zwischen den beiden Darstellern stimmt. Das Action-Kino kann halt manchmal doch so herrlich einfach und unkompliziert sein.


Letztendlich ist somit zu konstatieren, dass die Rückverlagerung der Geschichte nach Europa dem Film zum Vorteil gereicht. Dies ist spätestens seit dem Moment unstrittig, als ein schwarzer Audi wieder mal durch die engen Gassen Frankreichs rast. In gewisser Weise kehrt der Transporter also in den wesentlichsten Aspekten zu seinen Ursprüngen zurück, intensiviert dabei seine Action und setzt natürlich weiterhin konsequent auf seinen saucoolen Hauptdarsteller, der nie um einen ironischen Spruch verlegen ist. Damit besinnt sich das Franchise auf seinen Stärken und macht gerade im direkten Vergleich zu „Transporter – The Mission“ wieder einiges Richtig. Und das musste auch in letzter Konsequenz das Minimalziel des Film sein, nämlich in qualitativer Hinsicht an die Ursprünge wieder anzuknüpfen. Das dies in weiten Teilen gelungen ist, auch wenn natürlich auch dieser zweite Aufguss den Charme des Ursprungsfilms nicht in Gänze erreicht, kann somit durchaus als Erfolg bezeichnet werden – Wer also Jason Statham als coolen Transporter sehen will, der bekommt nun im Zuge von „Transporter 3“ wieder das, was er bestellt hat. Fazit: 5 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Transporter 3". © by Universal, Europa Corp., TF1 Films Production (co-production), Grive Productions (co-production), Apipoulaï (co-production) (as Apipoulaï Productions), Current Entertainment (in association with), Canal+ (participation), CinéCinéma (participation)


12 Kommentare:

xander81 hat gesagt…

Wie schon bei mir geschrieben: Eine "deutliche Verbesserung" sind bei dir 5/10 Punkten? Das sagt einiges über den Vorgänger aus...
Ansonsten hast du in weiten Teilen recht, auch wenn ich die Romanze als extrem störend, gerade weil doch sehr konstruiert empfinde.

MatzeM hat gesagt…

hmm, na das ist ja eine schöne Berwertung, kann ich mich ja auf einige Fauxpas gefasst machen, wenn ich mir den mit meiner Liebsten angucken werde/ oder nach dieser Rezension wohl eher muss...

C.H. hat gesagt…

@ Xander81:

Das sagt einiges über den Vorgänger aus...

Ja, das ist mir jetzt nach der Sichtung des dritten Teils erst richtig bewusst geworden, wie ätzend ich doch den Zweiten finde. Vorher hatte ich ja diese Vergleichsmöglichkeit des dritten Teils nicht. - "Transporter - The Mission" würde ich von daher so mit 3 Punkten bewerten (Und wenn Statham nicht wäre, auweia), den Ur-Transporter so im Bereich von 6-6,5 Punkten.

@ MatzeM.

Beim Sehen nicht auf die Logiklöcher konzentrieren, sondern stets Natalya Rudakova im Fokus belassen... ;-)

SheephunteR hat gesagt…

Ich fand den zweiten gar nicht so scheiße, wie alles immer sagen. Was aber vielleicht auch daran lag, dass ich den 2. vor dem 1. gesehen habe.

Weil der 2. bietet irgendwo einfach immernoch: Action und sehr unterhaltsame Choreografien.

Wobei wenn ich so drüber nachdenke, der 1 hat schon deutlich mehr Charme..

C.H. hat gesagt…

Wobei wenn ich so drüber nachdenke, der 1 hat schon deutlich mehr Charme..

Sehr Richtig! ;-)

xander81 hat gesagt…

Dann stehe ich wohl mit meiner Wertung alleine da ;-)

Ach, egal.

Flo Lieb hat gesagt…

Hab am Film selbst kein Interesse, dein Review aber dennoch gelesen. Dem Photo oben nach zu urteilen kann ich deine Meinung bzgl. Rudakova nicht teilen. Hab aus der TRANSPORTER-Reihe ohnehin nur den ersten gesehen und der war mir schon zu RUSH HOURig.

da sollte man sich auch nicht durch den Namen des an der Produktion und dem Drehbuch beteiligten Luc Besson beeindrucken lassen

Was der alles produziert und schreibt ist ja nicht mehr feierlich. Erinnert mich stark an die SOUTH PARK Episode "AWESOM-O".

Kaltduscher hat gesagt…

Schöner Text, fasst den Film gut zusammen. Trotzdem finde ich persönlich die Wertung etwas zu schlecht, obschon ich sie auch verstehen kann. Es kommt hier halt am meisten darauf an, was man erwartet, um nicht enttäuscht zu werden. Und Statham-Hasser schalten sowieso weg :D

C.H. hat gesagt…

@ Xander81:

Dann stehe ich wohl mit meiner Wertung alleine da ;-)

Nicht wirklich. Bei Kollege Khitos gibts noch nen schönen Veriss...

@ Flo:

Hab am Film selbst kein Interesse, dein Review aber dennoch gelesen

Vorbildliche Einstellung. ;-)

@ Kaltduscher:

Enttäuscht war ich auch keineswegs. Habe das Kino zufrieden verlassen. ;-)

Kaltduscher hat gesagt…

Enttäuscht war ich auch keineswegs. Habe das Kino zufrieden verlassen.

Ne, war auch nicht auf Dich bezogen, sondern im Allgemeinen. Dass du nicht enttäuscht warst, habe ich schon herausgelesen ;)

Kinofilmer hat gesagt…

also ich fand den 3ten zwar besser als den 2ten aber an den ersten reicht er trotzdem nicht rann

C.H. hat gesagt…

Kurzes, prägnantes Statement, dass ich so unterschreiben kann... ;-)

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