A Closer Look: "The Coronation"


„This ist the Lord's doing...and it is marvellous in our eyes“


Würde man gehässig sein wollen, dann könnte man sagen, dass Shekhar Kapur ein Blender ist. Natürlich ist das dann doch ein wenig übertrieben und es ist ja in der Tat auch so das „Elizabeth“ weit davon entfernt ist, jene aufgeblasene Kostümoper zu sein, welche der Nachfolger „Elizabeth – Das goldene Königreich“ ohne jeden Zweifel ist. Ein Film, der zu Vorderst in seiner dekadenten Optik aus Prunk und Oppulenz zu ersaufen droht und ohne Cate Blanchett eine einzige filmische Leerstelle wäre. „Elizabeth“ ist also der weitaus gelungenere Film. Aber auch hier fallen immer wieder Szenen ins Auge, bei denen man den Eindruck bekommen muss, Kapur hätte in seinem Leben zu viel Zeit in einem absolutistischem Lustgarten verbracht und dort zu viel Blütenstaub eingeatmet. Das gilt insbesondere für die Krönungs-Sequenz des Films, beziehungsweise vor allem für deren Vorlauf: Da blendet die Szenerie erst ins gleißende Weiß ab, bevor man Elizabeth unterlegt vom Geläut der Glocken auf einer grünen Wiese neben einer gewaltigen Eiche stehen sieht. Fünf Gesandte und Fünf Hofdamen stehen dabei, als sie den Siegelring überreicht bekommt und wieder die Abblende ins gleißende Weiß. Und nun das Entscheidende: In dem Moment, als diese hoffnungslos überstilisierte Szene langsam aber sicher körperlich ebenso zu Schmerzen beginnt wie das gleißende Weiß, tritt all das in der Sekunde in den Hintergrund in der Cate Blanchett als neue Königin das Wort ergreift: Die Modulation, das Zittern und Brechen der Stimme – Besser hätte man diesen nur Sekunden dauernden, für eine junge Frau schier überwältigenden Moment des Bewusstwerdens immenser Verantwortung, nicht spielen können. Es ist der Augenblick wo der Zuschauer merkt, dass Cate Blanchett bei diesen Worten auch in der dreckigsten Gosse in Lumpen hätte stehen können, der Effekt wäre der Gleiche gewesen. Für mich eine der Szenen, in dem sich zeigt warum Cate Blanchett eine der besten Schauspielerinnen unserer Zeit ist. - Zur entsprechenden Szene bei YouTube folgt man bitte Cate und wenn ich es technisch vernünftig hinbekommen habe, dann startet das Video sogar an der von mir beschriebenen Stelle.


Quellennachweis: Screenshot aus "Elizabeth". © by Universal Pictures



5 Kommentare:

JMK hat gesagt…

jep.
Die Elizabeth Filme sind ja einerseits Kostümschinken und natürlich Cate Blanchett Vehikel, aber es macht einfach Spass ihr zuzuschauen, trotz historischer und filmischer Mängel.

lalia hat gesagt…

du hast es technisch hinbekommen *applaus*

ein paar filmische Stilelemente sollte man als Regisseur schon einbringen *g* ich find das gelungen. Diese leere, das atemlose, der Blckout, nur eben in weiß des nicht-denkens, sehr schön

C.H. hat gesagt…

Klar darf und muss er die einbringen. Aber mir ist es an dieser Stelle des Guten zu Viel, auch wenn es im Vergleich zum Sequel noch geht. Aber natürlich bin auch ich ein Blender. Ich musste an der Stelle Kapur möglichst schlecht machen, um Blanchetts Leistung noch mehr betonen zu können. ;-)

lalia hat gesagt…

na dann sei dir verziehen... *g*

wobei, was eignetlich ^^# dass man mal anderer Ansicht ist, hm...

Aber unter deiner Rubrik: A closer look, da fällt mir persönlich gar keine besondere Szene ein, egal in welchem Film. Wie gehst du da vor?

C.H. hat gesagt…

Gibt kein bestimmtes Pinzip. Ist halt immer wieder eine ganz bestimmte Szene, die mich aus irgendeinem Grund besonders beeindruckt, berührt, oder sonst was hat. Manchmal geht es um den Schauspieler so wie hier, manchmal um die ganze Szene, etc. pp..

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