

Will Eisners „The Spirit“, der von 1940 bis 1952 als wöchentliche Zeitungsbeilage erschien, avancierte in der Folge zu einem der bedeutendsten Klassiker des amerikanischen Graphic Novel. Sowohl Alan Moore als auch Frank Miller, die mit ihren Klassikern des Comics über „Batman“, „Sin City“, „300“, „From Hell“, „V – Wie Vendetta“ oder auch „Watchmen“ selbst zu den unbestrittenen und prägenden Größen des zeichnerischen Genres gehören, nennen Will Eisner als großes Vorbild und Quell mancher kreativer Inspiration. Doch während Moore den Verfilmungen seiner Comics überaus kritisch gegenüber steht und diese ganz gerne mal als „kommerziellen Müll“ bezeichnet, mit dem er nicht assoziiert werden will (Die Zeit), hat sich Frank Miller spätestens 2005 von Regisseur und Tarantino-Buddy Robert Rodriguez nach langem Bitten doch für Hollywood ködern lassen. Das Resultat bestand in einer atemberaubenden Verfilmung von Millers Sin City Comics, die in ihrem optischen wie inhaltlichen Stil des harten und kompromisslosen Noir dem Mainstream einen herzhaften Schlag in die Fresse verpasste. Die bei weitem nicht mehr so stilprägende Adaption des Thermopylen-Gemetzels „300“ folgte auf dem Fuße, bevor sich Frank Miller im Zuge der anstehenden Verfilmung seines großen Vorbildes zum ersten Mal selbst als eigenständiger Regisseur versuchte. Behutsam und nachdrücklich wollte Miller den künstlerischen Geist seines großen Vorbildes abbilden: „Mir war wichtig, mit „The Spirit“ einzufangen, was Eisners Arbeit implizierte.“
Ein ehrbares Unterfangen, dem Miller jedoch, so muss es nach Sichtung des Film scheinen, nicht gerecht geworden ist. Derjenige, der mit der Vorlage Eisners nicht vertraut ist (Und das dürfte in Deutschland die große Mehrheit sein) wird sich aus dem Film nicht erklären können, warum diese Comics ein so großer Erfolg geworden sind, warum sie gar als stilprägend für ihre Gattung angesehen werden. Der Film besteht aus einem zusammenhangslos wirkenden Konglomerat aus einzelnen Bilder, nicht zusammenpassend wollenden Handlungsfragmenten, sowie Versatzstücken vor allem aus der griechischen Mythologie, die von Miller in seiner Version von Eisners „Spirit“, denn von einer getreuen Umsetzung der Comics wird man wohl allein schon auf Grund der angepassten Optik im (etwas farbigeren) „Sin City“ - Look nicht mehr sprechen können, wild durcheinander gewürfelt hat. Nun ist es natürlich per se legitim, wenn man einen Stoff modernisieren will, wenn man seine eigene Sicht der Dinge einbaut, doch wenn man dann so den Überblick verliert, wenn man immer wieder das Timing für den richtigen Moment verpasst, wenn man das Händchen für die Dramatik vermissen lässt, wenn man sich dazu zu Schade ist, seine kompromisslosen Ideen zu Ende zu führen (so ist der Film weit entfernt von der Härte eines „Sin City“) – und all dies trifft in diesem Fall auf Miller zu – dann muss man sich nicht wundern, wenn man am Ende des Films ein paar nicht unwesentliche Probleme hat.
Das eigentliche Dilemma von „The Spirit“ besteht somit in seiner quasi nicht vorhandenen und erkennbaren Handlung, die für Miller aber offensichtlich auch nicht im Fokus des Interesses gelegen hat. Der Spirit (Gabriel Macht) als Wächter über seine Stadt, die nach ihm schreit, als scheinbar unverwundbarer Held mit Maske, ein Frauenheld und doch einsam mit unglücklicher Vergangenheit. Ihm gegenüber seine Nemesis, der Octopus (Samuel L. Jackson). Ein wahnsinniger Irrer, das Gegenstück zum Spirit, der danach strebt die Gesellschaft zu unterjochen. Dazu noch mythische Artefakte wie das goldene Vlies und das Blut des Herakles, die eine wichtige Rolle in der erzählten Geschichte (?) spielen, die jedoch in ihrer Darstellung so hanebüchen anmutet, dass der Film als eine Ansammlung von einzelnen und hübsch inszenierten Comic-Panels wirken muss, denen man die verbindenden Elemente entfernt hat, so als ob aus einem Comic-Heft, dass man liest, immer wieder einzelne Seiten herausgerissen worden wären. Hier zeigt sich, dass Miller inszenatorisch bei weitem nicht da ist, wo er gerne wäre. Der Film verlangt eben doch noch mehr als es die starren Fenster eines Comics erfordern. Hinzu kommen Dialoge, die die Bezeichnung als Solche nur in Ausnahmefällen verdienen, so dass eine hilfreiche klare Linie innerhalb des Films leider zu keinem Zeitpunkt zu erkennen ist.
Und so ist es folgerichtig die Optik, die wie schon in „Sin City“ und „300“ zu Gefallen weiß. Millers Entscheidung „The Spirit“ optisch an den Noir anzulehnen überzeugt und zeigt das eine vorsichtige Anpassung und Variation der Comic-Vorlage nicht automatisch etwas Schlechtes sein muss. Wem diese Art von überstilisierter Optik schon immer gefallen hat, der wird auch in „The Spirit“ auf seine Kosten kommen, auch wenn der innovative Charakter, das „Aha-Erlebnis“ wie es noch bei „Sin City“ evoziert wurde, langsam aber sicher verblasst. Optisch also mehr als gefällig, inhaltlich mehr als dürftig ist es nicht zu Letzt die Riege der Darsteller, welche dem Film noch ein wenig Glanz verleihen dürfen. Dies gilt allerdings nicht für den Hauptdarsteller Gabriel Macht, der über die gesamte Spielzeit erstaunlich blass bleibt und dem Zuschauer somit gleichgültig ist. Dieser legt seine Aufmerksamkeit ohnehin viel lieber auf Samuel L. Jacksons Umsetzung des Octopus, der diesen in amüsanter Übertreibung verkörpert. es sei denn natürlich eine der zahlreichen Damen wird von Miller gerade wieder einmal vorteilhaft ins Licht gerückt. Doch auch hier gilt natürlich Style over Substance: Scarlet Johansson als Silken Floss, deren Figur, die, so ist zumindest nachzulesen, in der Comic-Vorlage von großer Relevanz ist, verkommt zur inhaltlich relativ unwichtigen eiskalten Beraterin vom Octopus, sieht dabei aber verdammt gut aus. Sarah Paulson bleibt nicht mehr als die stereotype Rolle des dem Spirit verfallenen naiven Blondchens zu spielen, sieht dabei aber verdammt gut aus. Stana Katic hat als junge Polizistin nichts weiter zu tun als den Spirit anzuhimmeln und große Wummen abzufeuern, sieht dabei aber verdammt gut aus. Paz Vega darf als Plaster of Paris ein wenig mit accent français parlieren, und sieht dabei verdammt gut aus. Jamie King orakelt hin und wieder mal ein bisschen als „Engel des Todes“ und sieht dabei natürlich verdammt gut aus. Einzig Eva Mendes aka Sand Serif darf als alte Liebe des Spirit und Juwelen-Diebin etwas wirkliches zur Geschichte beitragen und sieht dabei nicht nur verdammt gut aus, sondern ist stets so heiß wie die Hölle. „What is it with you and women?“ fragt der Octopus an einer Stelle völlig zu Recht.
Wenn Miller seinem Film in Gänze so viel Aufmerksamkeit wie des in Szene Setzens der darin spielenden Frauen gewidmet hätte, dann hätte aus „The Spirit“ wirklich was werden können. So aber muss sich der Zuschauer doch fragen ob er nicht im wirren Gehirn eines Mannes gelandet ist, der gerade nicht nur eine bewusstseinserweiternde Substanz eingeschmissen hat, denn einiges was offensichtlich richtig schön trashig sein sollte, zündet nicht. Lässt man sich Eva Mendes neckische Spielchen mit ihrem Hintern und einem Fotokopierer in den Hauptrollen noch gerne gefallen, ist spätestens bei einem geklonten und permanent springendem Fuß mit Kopf Schluss. Und wenn dann der Spirit zu den Klängen der deutschen Nationalhymne vom Octopus und Silken Floss in SS-Uniformen vor Hakenkreuz und Führer-Portrait gefoltert wird, dann mag das vielleicht noch zum Schmunzeln anregen, doch muss spätestens bei der Frage nach dem dahinter stehenden Sinn (Meine in den Film interpretierte Hypothese: Die Szene verstanden als optische (und holzhammerartige) Verdeutlichung des Herren-Menschen-Strebens des Octopus) verständnislos mit den Kopf geschüttelt werden. „Come on, toilets are always funny!“ schleudert der Octopus dem Zuschauer zu Beginn des Films entgegen, als er dem Spirit eine im Sumpf gefundene Kloschüssel über den Rübe gezogen hat. Darüber kann in der Tat diskutiert werden, aber nicht über die Tatsache, dass sich Frank Miller mit diesem Projekt in der Summe von ein paar schönen Bildern und Szenen, einigen wenigen gelungenen Onelinern, sowie seinen schönen Frauen mal abgesehen, einen gehörigen Griff ins Klo geleistet hat. Doch immerhin war es Griff ins Klo mit Verve und Leidenschaft und das bin ich sogar bereit eher zu goutieren, als einen langweiligen auf Konsens gebürsteten Film ohne Vision. Deshalb reicht es für eine knappe Wertung über den Durchschnitt – Fazit: 5,5 Punkte.
Rezension erschienen bei Wicked-Vision
Quellennachweis: Abbildungen aus "The Spirit". © Sony Pictures






26 Kommentare:
mann bist Du gnädig ;)
während man die Handlung am Ende wenigstens noch nachvollziehen konnte, da war gut gegen böse, zwei klare Pole auf die alles zuzulaufen schien, bin ich mit dir d'accord, dass die vielen Spielereien, die absurd anmutenden Bilder (SS-Uniform, etc.) dem Film dahin gebracht haben, was Octopus liebt, nämlich in die Keramikausstellung. Nur gut, dass Eva und Scarlet so hinreißend sind.
Ich wünschte, ich wäre der Kopierer gewesen.
Die SS-Folterszene fand ich noch um unterhaltsamsten.;)
Da whast Du aber alle Hühneraugen zugedrückt bei der Wertung ;)
Ach unterhaltsam war bei dem Film doch Einiges, nur völlig sinnfrei (@ tumulder) und ansonsten stimmt es wohl das ich ein wenig gnädig war, hätte auch eine Wertung einn Punkt schlecher vertreten können. Aber so ein Debakel, dass man nur einen Punkt verteilen muss (@ Kaltduscher), war es dann imho doch nicht.
Ganz deiner Meinung. Ich hatte mir bei dem Film dann doch mehr erhofft.
Hmm. Dann kann ich mir den Kinobesuch wohl sparen. Sind eh viel zu viele gute Filme auf meiner Liste derzeit, da schmerzt es nun wirklich nicht, "The Spirit" erst später irgendwann auf DVD nachzuholen. Aber eine Sichtung auf DVD muss sein. Ich mag halt den visuellen Stil echt gerne.
Ich mag halt den visuellen Stil echt gerne.
Und der weiß im Großem und Ganzem auch wieder zu Überzeugen...
Naja, ich fand ihn extrem unpassend. Ein bisschen Farbe hätte dem Ganzen wirklich gut getan, der Film wäre meiner Meinung in Toontown besser aufgehoben.
gibt es eigentlich igendjemanden in diesem Universum, der von dem Film begeistert war?
Daniel Bickermann?
Moviemaze hat sogar eine 8/10er-Wertung gegeben. Aber bei denen kann man in den meisten Fällen sowieso nur mit dem Kopf schütteln.
Übrigens hat Rajko eben im Radio nochmal schön zusammengefasst, warum der Film der Reinfall des Jahres - und damit keine 5,5/10 wert ist ;)
der Film der Reinfall des Jahres
Häh? Der startet doch erst am 5. März ;-)
Der wird sicherlich auch ne Gurke, aber nicht so eine ;)
Übrigens hat Rajko eben im Radio nochmal schön zusammengefasst, warum der Film der Reinfall des Jahres - und damit keine 5,5/10 wert ist ;)
... Und er soll ganz gemeines Mendes-Bashing betrieben haben. Mal sehen, ich hör mir mal demnächst den Podcast an... ;-)
Sehe gerade: Jörg Buttgereit hat dem Film in der EPD 4 von 5 Sternen gegeben. Und wenn EPD und Schnitt den Film loben, muss er ja gut sein. Ihr habt doch alle keine Ahnung! ;)
Hast deu den Film den schon gesehen?
Nee, aber nach all den Verrissen habe ich richtig Lust, ihn mir im Kino anzuschauen. War eben lange nicht mehr in einem Film, über den man sich leidenschaftlich aufregen kann. Am Dienstag müssen wir uns daher entscheiden: Saw V oder The Spirit? ^^
Ihr habt doch alle keine Ahnung!
Na Schnitt liegt nicht so oft daneben wie Filmstarts. Zumindest was die Verrisse angeht.;) Und der EPD, mein Gott, der hat doch eben diesen als Beistand. Vielleicht sehen die mehr als wir.:D
@ orangedoe:
Bei den zwei Alternativen lege ich dir aus vollem Herzen und Überzeugung dann doch "The Spirit" nahe... ;-)
Bei den zwei Alternativen lege ich dir aus vollem Herzen und Überzeugung dann doch "The Spirit" nahe... ;-)
Nie im Leben, und das soll schon was heißen.^^
Nun, es dürfte ja bekannt sein, wie ich zur "SAW"-Reihe stehe... ;-) Von daher dürfte dich meine Präferenz wohl nicht überrascht haben. :D
Ja, ja. Alles klar, die SAW Serie ist natürlich höchst verwerfliches Voyeuristenkino von der Ramschpalette des schlechten Geschmacks. Da möchte ich Dir nicht widersprechen. Ich mag sie ebenfalls nicht gerne sehen. Aber SAW V ist immerhin tatsächlich ein Film, kein guter, aber ein Film. Was man über The Spirit nur schwerlich behaupten kann.;)
Schöne Rezension. Ich habe "The Spirit" noch nicht gesehen, aufgrund der Fülle an interessanten Filmen im Moment, hab ich jetzt darauf verzichtet. Ich denke aber schon, dass ich dann später bei der DVD-Sicht sagen werde, dass das doch ein Film für die Leinwand gewesen wäre. Wenn auch völlig unterschiedliche Filme, so denke ich, dass es sich ähnlich verhält wie bei "Wanted". Bei dem fand ich die Optik einfach sagenhaft, aber eine Story hat man dazwischen leider vergeblich gesucht.
Doch fürchte ich fast, dass dieser Gegensatz zwischen Optik und Story bei "The Spirit" im Vergleich zu "Wanted" noch größer ist. Wenn du schon bei "Wanted" vergeblich gesucht hast, versuch es beim Spirit gar nicht erst... ;-)
"Aber SAW V ist immerhin tatsächlich ein Film, kein guter, aber ein Film. Was man über The Spirit nur schwerlich behaupten kann."
Das klingt jetzt allerdings höchst bedenklich.
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