„Es war einmal ein treuer Husar, /Der liebt' sein Mädchen ein ganzes Jahr, /Ein ganzes Jahr und noch viel mehr, /Die Liebe nahm kein Ende mehr.“
Stanley Kubrick selbst war der Meinung, dass „Full Metal Jacket“, sein filmischer Kommentar zum amerikanischen Fiasko in Vietnam, gut zehn Jahre zu spät gekommen ist. Ob man diese Meinung nun teilen möchte, oder nicht – immerhin ist „Full Metal Jacket“, wie es sich für einen Antikriegsfilm gehört, in seiner Intention universell veranlagt, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Unstrittig ist jedoch, dass Kubrick schon dreißig Jahre vor „Full Metal Jacket“ einen gewichtigen Beitrag zum Genre des Antikriegsfilms geleistet hat. Der 1957 entstandene „Wege zum Ruhm“ ist nicht nur Statement gegen den Unsinn des Krieges, sondern vor allem auch Anklage gegen die Planspiele der militärischen Führung im Spannungsfeld von konservativen Vorstellungen des Krieges und der durch die Technik induzierten Entfesselung der Vernichtung. Kubrick zeigt in „Wege zum Ruhm“ den einfachen Soldaten als das, was er ist: Als eine veränderbare Variable, die in den Planspielen der Militärs nicht mehr wert ist, als die Waffe die der Soldat in den Händen trägt. Damit nimmt Kubrick einige wesentlichen Motive vorweg, die er in „Full Metal Jacket“ wieder aufgreifen und erweitern wird. Am Ende des Films, als der „kleine Mann“ zur Genüge umsonst gestorben ist, die Ungerechtigkeit triumphiert hat, führt Kubrick den Film zu seinem ergreifenden Ende, dessen volle Tragweite in der Synchronisation allerdings verloren geht: Eine klare, helle und schüchterne Stimme hallt durch eine Gasstätte, die mit Angehörigen der französischen Infanterie gefüllt ist, die auf den nächsten Marschbefehl warten. Gekommen sind sie, um eine deutsche Kriegsgefangene zu verspotten und zu demütigen. Doch als das Mädchen die Stimme erhebt und das deutsche Volkslied „Der treue Husar“ anstimmt, wird es still und die von den Schrecken der Front gezeichneten Männer beginnen voller Ergriffenheit die Zeilen, die sie nicht verstehen und doch vestehen – die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen – mit zu summen. Es soll hier gar nicht erst versucht werden, mit Worten zu beschreiben, was nicht zu beschreiben ist. Die Bilder sprechen für sich. Man folge einfach dem Antlitz von Susanne Christiane Harlan, die Stanley Kubrick anschließend zur Frau nahm.
Quellennachweis: Abbildung aus "Wege zum Ruhm". © MGM






13 Kommentare:
Ich fand die Szene ja nie so enorm, wie sie in der Filmgeschichte immer dargestellt wird.
Oha, akkute Schnappatmung. Als ob es da um "Filmgeschichte" gehen würde du eiskalter Klotz... ;-)
Wegen deiner Schnappatmung solltest du mal in Behandlung gehen, die hast du scheinbar öfter ;-)
Und "eiskalter Klotz", also wirklich. Das ist eine gute Szene aus einem guten Film, der viele gute Szene hat.
Der ist nicht nur einfach gut. ;)
Im "Eyes Wide Shut" (War es "Eyes Wide Shut"?)-Making Of, spricht übrigens Spielberg davon, wie er den Film immer mal wieder seiner ganzen Familie zeigt und selbige dann eben an genau dieser Stelle losheulen. :D
Kubrick, Kubrick, Kubrick... der nervt, der Fettsack.
:D
Natürlich nervt dich Kubrick. Ist ja auch blöd, wenn man seine Filme nicht mag, deswegen rumpolemisiert, aber tief im Innersten doch um die Größe der Meisterwerke des "Fettsacks" weiß.... :P ;-)
Nix da, ich sehe da keine Größe... jedenfalls keine, die nicht vorgetäuscht wäre. :)
Ich werde meine Beine für solch misanthropisches Ostentationskino jedenfalls auch weiterhin nicht breit machen. So. :P
Nix da, ich sehe da keine Größe... jedenfalls keine, die nicht vorgetäuscht wäre. :)
Wobei man ja schon einmal fragen könnte ob man Größe überhaupt vortäuschen kann. Hatte Kubrick etwa gemogelt? Ich halte Kubrick jetzt auch nicht für den Überregisseur, da er sonst Full Metal Jacket gar nicht erst gedreht hätte, aber für einen der sehr guten, sonst würde mich Shining nicht immer noch so faszinieren. Was mich an Kubrick ein wenig stört ist das Gefühl beim Betrachten seiner Filme. Als ob man sie durch ein Kaufhausschaufenster anschauen müßte. Es ist diese Unnahbarkeit, die einem die Liebe zu seinen Filmen verwehrt, obwohl man sieht wie gut sie sind. Die Coen Brüder sind auch so ein Fall, ganz besonders bei NCFOM zu spüren.
Dito.
Und SHINING ist sein bester Film, ja.
Als ob man sie durch ein Kaufhausschaufenster anschauen müßte. Es ist diese Unnahbarkeit, die einem die Liebe zu seinen Filmen verwehrt
Gehst du Tür, gehst du durch, bist du drin in Kaufhaus und kannst dich laben an seinem Genie ;-)
Gehst du Tür, gehst du durch, bist du drin in Kaufhaus und kannst dich laben an seinem Genie ;-)
Ich hätte es nicht treffender ausdrücken können... ;-)
Hast du schon was gehört von "Pakt der Bestien" und "Der Rebell des Königs"?
Nein, überhaupt nichts. Habs eben mal schnell gegooglet. Sollten die mir was sagen?
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