

„Slumdog Millionaire“ war der große Gewinner der diesjährigen Oscarverleihung: Bester Film, beste Regie, beste Kamera, bestes adaptiertes Drehbuch, beste Filmmusik, bester Ton, bester Schnitt und bester Song – Acht der begehrten Goldjungen konnte der Film einheimsen, versenkte den favorisierten Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ en passant in den tiefsten Tiefen der Bedeutungslosigkeit, und darf sich nun als Everybody's Darling beim weltweiten Publikum feiern lassen. Natürlich, der Gewinn von acht Oscars sagt wenig über die Qualität von „Slumdog Millionaire“ aus, auch sollte man ihn nicht anand dieser acht Awards (und den anderen zahlreichen gewonnen Preisen) messen, und doch kann dieser Triumph als Indikator für die Tatsache gesehen werden, dass Regisseur Danny Boyle mit diesem Streifen einen aktuellen Nerv getroffen hat. Der beliebte Topos „vom Tellerwäscher zum Millionär“ ist vielleicht das Thema, welches in Zeiten der weltweiten Finanz– und Wirtschaftskrise, wieder besonders en vogue ist. Der richtige Film, zur richtigen Zeit. Ein Feelgood Movie, ein exotisches Märchen, eine epic Lovestory – all diese Attribute kann „Slumdog Millionaire“ für sich beanspruchen und wird dafür von der überwiegenden Mehrheit geliebt. Und in der Tat, wer wird schon so ein Misanthrop sein wollen, sich einer zauberhaften Geschichte verschließen zu können, die so offensichtlich an das Herz und nicht den Verstand appelliert. Allein, dem Rezensenten kann sich dieser Sturm der allgemeinen Begeisterung nicht erschließen, obschon er keinen wirklich schlechten Film gesehen hat (aber eben auch keinen sehr guten), so dass dann doch zu dem Schluss gekommen werden muss, dass die achtfache Auszeichnung des Films in den wichtigsten Kategorien des wichtigsten Filmpreises doch so etwas wie ein cineastischer Betriebsunfall ist.
„Slumdog Millionaire“ basiert auf dem 2005 erschienenen Roman „Rupien Rupien“ des indischen Autoren Vikas Swarup, dessen Handlung für den Film leicht modifiziert wurde. Der Film erzählt die Geschichte von Jamal (Dev Patel) der, aufgewachsen in den Slums von Mumbai, eines Tages die größte Chance seines Lebens erhält. Er hat es auf den Stuhl der auch in Indien überaus populären Sendung „Wer wird Millionär?“ geschafft. Eigentlich hofft er mit dieser Sendung zu erreichen, dass ihm seine große Liebe Latik (Freida Pinto) zusieht. Es geht ihm also um das Mädchen, nicht um das Geld und am Ende der Sendung trennt ihn nur noch eine einzelne Frage von dem Hauptgewinn. Am Ende dieser Sendung jedoch wird Jamal von der Polizei verhaftet, gefoltert und verhört: Man vermutet in ihm einen Betrüger. Ein Slumdog könne schließlich nicht erreichen, was die gebildetsten Menschen vor ihm in der Sendung nicht geschafft haben. Dort, in dieser dreckigen Polizeiwache, setzt der Film schließlich ein. Jamal erzählt den Polizisten von seinem Leben, erklärt warum er die Antworten auf die Fragen wusste. Jede Frage repräsentiert somit eine zumeist traurige Geschichte aus seinem bewegten Leben. Am Ende des Verhörs hat er die Behörden überzeugt, er darf zurück in die Sendung, die letzte Frage wartet, das Mädchen wartet, die indische Nation versammelt sich geschlossen vor den Fernsehern.
Danny Boyle erzählt in „Slumdog Millionaire“ eine Geschichte, aus der die Träume gemacht sind und offeriert dem Zuschauer einen höchst konstruierten, aber nicht uncharmanten Plot. Gerade der verschachtelte, und in Rückblenden erzählende Aufbau des Films weiß zu gefallen. Ein Film, der in seiner letztlichen Visualisierung ungeheuer farbenfroh, aufregend und mannigfaltig ist. Rein inszenatorisch gibt es bei diesem Film kaum etwas zu bemängeln. Das weltweite Phänomen „Wer wird Millionär“ stellt dabei ohne jeden Zweifel die Brücke zwischen indischem Bollywood und westlichem Hollywood dar, die es dem mit dem indischen Kino nicht vertrautem Zuschauer erleichtert, in diese ganz besondere Filmwelt einzutauchen. Und in der Tat ist „Slumdog Millionaire“ von einem ganz speziellem, weil ungewohntem Flair erfüllt. Es ist ein lauter, pulsierender und musikalischer Film, der allerdings von Boyle auch hinsichtlich westlicher Sehgewohnheiten angepasst worden ist. Könnte man „Slumdog Millionaire“ also einfach als hübsches und exotisches Märchen sehen, dass dem Zuschauer im Kino einfach eine gute Zeit beschert, will „Slumdog Millionaire“ dann aber offensichtlich noch mehr sein. Und das geht grandios schief. In einem Punkt nämlich, negiert Boyle im ganz besonderem Maße die Konventionen des fröhlichen und knalligen Bollywood-Kinos, das unliebsame Dinge eben auch ganz gerne mal ausblendet, ganz entschieden und lässt den Film in seinen Bildern auch von den Kehrseiten der indischen Gesellschaft erzählen: Von dem Elend in den Slums, von der Kriminalität, von der Ausbeutung der Straßenkinder, von der Bereicherung der Reichen zu Lasten der Armen.
Dass ein solches Vorhaben ein legitimes Unterfangen ist, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, doch muss Boyle und den anderen Verantwortlichen an dieser Stelle der Vorwurf gemacht werden, dass man diesen Aspekt wohl niemals wirklich ernsthaft thematisieren wollte, sondern nur als Mittel zum Zweck (miss)brauchte. Und so bietet „Slumdog Millionaire“ Sozialkritik mit Wohlfühlfaktor, die in ihrer Manifestation einem Schonwaschgang gleichend, den Zuschauer bloß nicht zu viel abverlangt, und somit gewissermaßen auch jeglichen Respekt für die eigene Geschichte vermissen lässt. Gipfeln tut dies bereits zu Anfang in einer wirklich unnötig ästhetisierten Foltersequenz, die den anschließenden Tenor des Films vorgibt. Teile der Kritik haben Boyle und dem Film „Poverty Porn“ vorgeworfen, einen Vorwurf, den ich in dieser dogmatischen Schärfe absolut nicht teile, aber irgendwo nachvollziehen kann. Man könnte „Slumdog Millionaire“ in der Tat vorwerfen, mit der Handkamera in die Slums gegangen zu sein, Laiendarsteller verpflichtet zu haben, die man im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Dreck geholt hat, nur um Authentizität zu evozieren. Und nun, nach dem Film, zahlt der reiche Westen diesen Darstellern noch die Schulausbildung, und die Schuldigkeit ist getan. Unter diesem Gesichtspunkt sind die zahlreichen Proteste in Indien, die dem Film eine hochmütige Perspektive vorwerfen, gar nicht mal so von der Hand zu weisen.
Danny Boyle hätte mit „Slumdog Millionaire“ ein Märchen drehen sollen, oder aber eben eine kritische Sozialstudie.Wenn aber eine Solche, dann mit mit Biss. So aber ist es ein Märchen geworden, das sich die gesellschaftlichen Probleme zum ästhetisierten narrativen Instrument macht, jedoch bar jeglicher Relevanz ist. „Slumdog Millionaire“ hätte bedeutend besser sein können, wenn er sich auf seine märchenhafte Geschichte fokussiert hätte, ohne jegliche (in diesem Kontext) entbehrliche Sozialkritik, die der Film sowieso nicht sonderlich ernst meint, so dass der gewollte Mix aus Feelgood Movie und Sozialdrama nicht funktioniert. Dabei hat der Film ansonsten alles, was es braucht: Sympathische Darsteller, eine knackige musikalische Untermalung, tolle Bilder, die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär, sowie die große, unsterbliche Liebe. Der richtige Film zur richtigen Zeit: Märchen oder Gesellschaftskritik, das wären die beiden Optionen für „Slumdog Millionaire“ gewesen. Doch Beides zugleich, nein, das funktioniert nicht. - Fazit: 6 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Abbildungen aus "Slumdog Millionaire". © 2009 Prokino






23 Kommentare:
Kann der Rezension nicht zustimmen.
C.H., die Rechtschreibung, die Rechtschreibung! :)
Die Kritik ist gerechtfertigt. :(
Kann deine Meinung jetzt auch nicht wirklich teilen...Hab meine Wertung zwar auch um einiges zurückgestuft, aber Slumdog ist immernoch gut ;) (8/10)
Hab den Streifen vor einiger Zeit in der Sneak gesehen und muss dir auch zum ersten Mal wiedersprechen. Ich fand die Mischung Märchen und Kritik gelungen. Vll war die Kritik dir nicht hart/offensichtlich/direkt genug. Ich liebe den Film und seine Oscars sind echt gerechtfertigt. Aber Geschmäcker sind ja gott sei dank unterschiedlich^^
Aber Geschmäcker sind ja gott sei dank unterschiedlich^^
Genau, und ich will auch niemanden meine Meinung aufzwängen. ;-) Ich war von dem Film dann doch schon relativ enttäuscht, obwohl meine Erwartungen vorher sowieso schon nicht hoch waren.
Ich werde mir am WE den Film anschauen. Hoffentlich wird deine Rezension nicht zu sehr meine Meinung beeinflussen (normalerweise lese ich nie welche vor einem Film).
;-)
Ich frage es ausnahmsweise in deinem Blog - wird in Hannover am 1. April nicht gescherzt ;-)
Oh, Crap. Da hab ich es 24 Stunden geschafft die ganzen miesen April-Scherze in den etablierten Medien zu ignorieren, und fall dann bei dir kurz vorm Ziel noch voll in die Falle. Chapeaux! Du bist aber auch gerissen, deinen erst um kurz nach 23 Uhr zu posten, wo ich den Tag quasi schon abgeschlossen hatte... :D
PS: Zu "Slumdog": Lass dich von meiner Meinung bloß nicht irritieren. Ich hab doch keine Ahnung... ;-)
Ich bin kurz vor 23 Uhr nach Hause gekommen, ich weiß ich hätte früher posten sollen...aber auch nach 23 Uhr hat es sich gelohnt, den Beitrag zu schreiben gg* ;-)
Zu "Slumdog": Doch, du hast Ahnung, und ich weiß es zu schätzen!
Gute Nacht ;-)
Das hast Du ganz richtig erkannt lieber Christian, da bin ich mal richtig stolz auf Dich, daß Du auf diesen nicht mehr als durchschnittlichen Film des ansonsten sehr guten Herrn Boyle nicht auch noch abfährst wie Heidi Klum.;)
Fand den Film nur etwas besser als mittelmäßig, kann deiner Rezension aber trotzdem nicht zustimmen. Die Mischung aus Märchen und sozialem (wenn auch farbenfrohem) Realismus hat mich da noch am ehesten überzeugt. Anders sieht das schon bei der Liebesgeschichte (dem Motor des Films) aus. Schade auch, dass dem Boyle am Ende die Puste ausgeht.
Ich stimme der Rezension auch nicht zu! 6/10 ? Bist du verrückt. oder?
@ orangedoe:
sozialem (wenn auch farbenfrohem)Realismus
Tja, mich hat das nicht überzeugt. Ich nehme das dem Film nicht ab.
@ Liebmann
Bist du verrückt. oder?
Ich kann dich beruhigen: Mein Umfeld hält mich für ziemlich normal. Ich mich im übrigen auch. Aber danke der netten Nachfrage.
Die Schuldigkeit des Westens? Oje. Ich glaube kaum, dass sich die Filmcrew/Produzenten Gewissensbisse ob ihrer Behandlung der Kinderstars einreden lassen müssen. Das indische Kino nutzt regelmäßig ein paar arme Darsteller, und die sehen gar kein Geld dafür. Sie dürfen schließlich mit den großen indischen Stars arbeiten, und das ist doch wohl Dank genug. Die Schuldigkeit liegt bei der indischen Gesellschaft ihrer schwachen sozialen Schicht gegenüber, und wenn man dieses Verhältnis tagtäglich beobachten darf, dann findet man Kommentare über die "Schuldigkeit des Westens" ziemlich lächerlich. Die Schulbildung der Kids zu zahlen ist richtig, und es ist weitaus mehr, als der durchschnittliche Inder für seinen armen Kollegen tut.
Danke für den Kommentar!
Ich möchte - und ich werde nicht bestreiten - das es sehr sinnvoll und löblich ist, den Kids die Schulausbildung zu zahlen. Und doch muss man in diesem Zusammenhang von "Schuldigkeit" der Macher des Films sprechen: Ich kann nämlich nicht erst in die Slums gehen, mir zwei Straßenkinder casten mit dem Zweck das mein Film authentischer wird, und dann nichts für diese Kinder tun. Im Übrigen spricht Boyle selbst davon, dass die Weltgemeinschaft mehr für die Bildung in aller Welt tun sollte.
Mir ging es in meinem Text aber zuvoderst um die Güte des eigentlichen Films. Das Problem bei "Slumdog Millionaire" ist, dass ich dem Film seine sozialkritische Intention nicht abnehme, und ihm noch dazu unterstelle, dass er die gesellschaftlichen Probleme Indiens zu Gunsten der Funktionalität der erzählten Geschichte ästhetisiert. Ich habe gesehen, dass du zur Zeit in Indien bist, und darüber schreibst. Hast du den Film gesehen? Ich bin der Meinung, dass der Film ein sehr weichgespültes Bild der gesellschaftlichen Probleme anbietet, was er besser hätte lassen sollen. Bert Rebhandl hat es in der Berliner Zeitung treffend ausgedrückt: "Slumdog Millionär" ist keine interessante kulturelle Mischform, kein "Hybrid", sondern klassische Rohstoffwirtschaft - das arme Indien ist der Rohstoff, der bei uns als Ware ankommt, und zwar nicht gerade veredelt, ja nicht einmal verarbeitet, sondern atomisiert.
Du hast in deinem Kommentar geschrieben:
"Das indische Kino nutzt regelmäßig ein paar arme Darsteller, und die sehen gar kein Geld dafür"
"Die Schuldigkeit liegt bei der indischen Gesellschaft ihrer schwachen sozialen Schicht gegenüber,[...]"
Das ist völlig richtig, doch als Argument in diesem Zusammenhang völlig unbrauchbar. Das totale Versagen der Fraktion A (Indische Gesellschaft), kann nicht im vergleichenden Sinne zur Relativierung des Scheiterns der Fraktion B ("Slumdog Millionaire") herangezogen werden. Schuld, oder von mir aus Schuldigkeit ist eine individuell zu verhandelnde Konstante die im gegeneinander abwägenden Sinne nicht verhandelbar ist.
PS: Bevor man mir wieder unterstellt ich würde Boyle und den Machern einen Vorwurf im Umgang mit den Darstellern machen, dem ist nicht so! Ich habe in meiner Rezension nur Motive aufgegriffen, die dem Film/den Machern vorgeworfen worden sind. Der Konjungtiv fand im entsprechendem Ansatz nicht umsonst Verwendung... ;-)
Mein alter Schulfreund Daniel kam aus Brüssel zum Heimatbesuch vorbei und wir dachten wir gehen mal ins Kino. Ich war ziemlich überrascht, dass er ausgerechnet in Slumdog Millionär wollte, ich fand das ensprach ihm bislang nicht. Naja, seine Freundin und er gehen in Brüssel gern indisch essen, hören gerne die Musik, ...
Wie dem auch sei. Jedenfalls war ich drin und fand ihn ausgezeichnet. Über irgendwelche Hintergründe und wer was wem vorwirft will ich micht groß auslassen, könnte aber sein dass man es Boyle einfach übel nimmt mit einem Stoff aus Indien in Indien in der Welt richtig abkassieren zu können (auch unter Kritkern), während Bollywood-Kino die Massen außerhalb Indiens (also die anderen 2/3 der Weltbevölkerung ;-) ) nocht nicht durchdrungen hat.
Jedenfalls kann ich mich deiner Rezension nicht anschließen. Der Film ist klar ein Liebesfilm (zum Glück wird nur im Abspann getanzt) und irgendeine nicht funktionierende weil untergeschobene Sozialkritik kann ich gar nicht entdecken. Die betreffenden Elemente nehme ich nicht war, als seien sie mit der Intention eine Kritik zu äußern untergebracht. Der Film erzählt schlichtweg nur und bringt uns, ebenfalls ohne Details groß zu erklären, dem Leben der Figuren näher. Wer ist denn z.B: hierzulande schon im Bilde darüber wie Hindus und Moslems in Indien zueinander stehen und dass auch lange nach Ghandi Jagdszenen wie die gezeigten weit weniger ungewöhnlich sind, als einem lieb sein kann?
Im Film wird darüber kein Wort verloren. Es kommt einfach eine Meute Leute, erschlägt andere, zerstört ihre wenige Habe, die Polizei hält sich raus und die Mutter der beiden Brüder stirbt. Kein Wort von religiös motiverten Unruhen und wie alltäglich sie in Indien sind.
Sowas ist Alltag in Teilen Indiens. Kinder werden verschleppt, zur Prostitution getwungen, verstümmelt (auch kastriert und anschließend auf den Strich geschickt), verkauft, ...
Zu keiner Zeit hatte ich den Eindruck, dass der Film hier eine Gesellschaft bewerten würde, womöglich noch aus einer westlichen Sicht, für die alleine schon das Wesen des Kastensystems der Hindus eine ziemliche Barriere im Verständnis darstellt.
Stattdessen lachen wir, wenn ein Kind sich im Slum durch Scheiße wühlt. Das hat an sich nichts lustiges, aber transportiert durchaus die Leichtigkeit mit der die sonst schwere Kost ohne erhibenen zeigefinger dargeboten wird. Der Film transportiert die Lebensfreude derer, die bei ihrem Schicksal für unsere Maßstäbe eigentlich im Leben zu keinem Lächeln fähig sein sollten.
Die Geschichte ist kitschig und verträumt, aber das ist bei Liebesfilmen so. Es geht um die Hoffnungen derer, für die es eigentlich keine Hoffnung gibt, symbolisiert durch den Traum in einer Spielshow reich und damit alle Alltagssorgen los zu werden.
Ich hatte Freitag Besuch aus Indien und habe Ende des Monats wieder welchen. Vllt. kommen wir dazu kurz drüber zu reden..
Selbst wenn ich jetzt mal annehme, dass "Slumdog" wirklich nur ein Liebesfilm mit märchenhaften Anstrich sein möchte, stellt sich mir die folgende Frage: Für einen Liebesfilm brauche ich nicht mit einer Handkamera in die Slums zu gehen, dort drehen, und mir noch ein paar Laiendarsteller direkt aus dem Slumg greifen. Das mache ich nur, wenn ich Authenzität in dem was ich zeige, vermitteln möchte. Und wenn ich das möchte, dann will ich auch auf etwas aufmerksam machen. Nene, Boyle möchte mit seinem Film durchaus auch sozialkritische Töne anschlagen, und dies mit der Fröhlichkeit des Bollywood-Kinos verschmelzen lassen - und das misslingt imho.
Im Abspann wird das ganze Leid weggetanzt so als ob man mit den schrecklichen Bildern aus den Slums und der Kinderausbeutung es nicht so Ernst hätte meinen wollen.
die Liebesgeschichte fand ich arg an den Haaren herbeigezogen. Eine wirklich Sympathie für diese Liebe kann schwer nachempfunden werden.
Auch kommt es mir so vor, dass der Film die Tendenz hat, alles, was irgendwie erwachsenen geworden ist als schrecklich, fettig, und mies zu zeichnen, wohingegen die Kinder und Jugendlichen einen gewissen Charme verliehen bekommen. Vielleicht ist es ja so, dann wäre die Realität noch schrecklicher als man sie sich vorstellt.
Hier wurde nun ja eigentlich schon alles gesagt. Finde auch nicht, dass sich der Film hätte entscheiden müssen. Funktioniert für mich als Märchen perfekt, das auch die realistischen Seiten Indiens mit einbezieht. Da kommen wir wohl nicht zusammen... ;)
Ich gehe mal davon aus, dass der Produzent solche und andere Kritik provozieren wollte.
Der Film ist weltklasse! Natürlich gibt es hier und da ein paar Defizite, aber welcher Film ist schon perfekt???
Berechtigte Kritik, aber überflüssig.
Berechtigte Kritik, aber überflüssig
Ich bin gerade ein wenig in Nölstimmung, also tuts mir schon mal vorher leid: Ich freu mich ja immer, wenn Leute bei mir kommentieren. Aber was soll ich damit anfangen? Wenn etwas berechtigt ist, ist es wohl kaum überflüssig, oder?
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