Rezension: "Duplicity - Gemeinsame Geheimsache"










Tony Gilroys Oeuvre kann sich bislang durchaus sehen lassen. Zeichnete er sich zunächst durch die Autorenschaft diverser Drehbücher aus, unter anderem „Im Auftrag des Teufels“ und die „Bourne-Trilogie“, verlegte er sein Schaffen in der Folge auch auf die Tätigkeit hinter der Kamera, da er nun einfach seine Drehbücher selbst inszenierte. Gilroys Regiedebut „Michael Clayton“ kann man getrost in jederlei Hinsicht als beeindruckenden Start in die Tätigkeit des Regieführens gesehen werden. Dieser Erstling, der in der Folge durchaus gewisse Erwartungen an Gilroy schürte, wird nun von seinem zweitem Streich gefolgt: „Duplicity“. Wie auch schon in der Causa Clayton, geht es auch in „Duplicity“ im weitesten Sinne um die Machenschaften der internationalen Wirtschaft. Ein Thema, dass sich bislang wie ein roter Faden durch das Werk von Tony Gilroy zieht. Doch während „Michael Clayton“ ein sehr ernsthafter Film mit einer dementsprechend ernsten Grundstimmung war, versteht sich „Duplicity“ als lockere und leichte Unterhaltung, versehen mit dem berühmten Augenzwinkern. Dabei durfte man sehr gespannt sein, wie das Duo Julia Roberts und Clive Owen, das Gilroy für diesen Film gewinnen konnte, auf der Leinwand harmonieren werden würde. Clive Owen hat sich in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund gespielt , sei es nun in Rodriguez richtungsweisender Comicverfilmung „Sin City“, im herzhaften Actioner „Shoot em Up“, in der beeindruckenden Sci-Fi Dystopie „Children of men“, oder aber auch im diesjährigen „The International“. Stets gelang es dem charismatischen Briten seine Rollen mit der ihm eigenen Präsenz auszufüllen. Für „Pretty Women“ Julia Roberts ist dieser Film nun die erste Hauptrolle nach ihrer Babypause, und die erste Rolle nach ihrem gelungenen Gastspiel in Nichols „Der Krieg des Charlie Wilson“.


Die Story ist in „Duplicity“ reines Mittel zum Selbstzweck, das Objekt der Begierde, angelegt als reiner MacGuffin, der bis auf den Zweck die Handlung voranzutreiben, und als Zentrum des Interesses zu fungieren, quasi ohne Bedeutung ist. Im Kern erzählt Gilroy von zwei Kosmetikkonzernen, deren jeweiligen Chefs sich bis aufs Blut hassen. Und als dann der Eine, nämlich Howard Tully (Tom Wilkinson) gegenüber seinen Aktionären die Information lanciert, dass man an einer gewichtigen und revolutionären Entwicklung arbeiten würde, bekommt Richard Garsik (Paul Giamatti), der andere im Bunde, entschieden schlechte Laune. Also beauftragt er seine Spionageabteilung herauszufinden, an was da in dem anderen Konzern so intensiv getüftelt wird. Zentrale Bedeutung kommt in diesem Ränkelspiel den beiden Spionen Ray (Clive Owen) und Claire (Julia Roberts) zu. Während Ray in Garsiks Abteilung zum wichtigstem Mann avanciert, wird Claire in einer Doppelfunktion als Maulwurf auf die andere Seite geschleust. Was Rays und Claires Auftraggeber jedoch nicht weiß: Die beiden kennen sich von früher, und haben durchaus andere Pläne als ihr Chef.


Wie man diesen wenigen Worten zum Inhalt unschwer entnehmen kann, handelt es sich im Fall von „Duplicity“ um das bekannte Verwirrspiel mit doppeltem Boden: Der Eine weiß nicht, was der Andere tut – und umgekehrt. Doch was sich in der Theorie so vielversprechend anhört, erweist sich in der Praxis als durchaus problematisch. Zwar bemüht sich „Duplicity“ redlich eine stimmige Atmosphäre zu erzeugen, die nur allzugern in einer eleganten Mixtur aus klassischer Screwball Komödie und klassischem Heist-Movie kulminieren möchte, doch in der letztlichen Umsetzung muss man konstatieren: „Die Rechnung ging nicht auf.“ Doch klingt dies jetzt dramatischer, als es eigentlich ist. Gerade der Beginn von „Duplicity“ ist Gilroy mit einer herrlich photographieren, sehr skurrilen Prügelorgie zwischen den beiden verfeindeten Konzernchefs wunderbar gelungen. Und auch die Einführung von Ray und Charles gelingt mit einem Esprit, der durchaus erfrischend daherkommt. Doch dieses Niveau kann der Film über die Dauer seiner zweistündigen Spielzeit leider nicht halten. Es sind nicht nur die zahlreichen Zeitsprünge innerhalb des narrativen Fadens der Geschichte, die in ihrer letztlichen Umsetzung zu zäh und zu bemüht erscheinen, nein, auch die Wortgefechte zwischen Owen und Roberts vermögen den Film nicht über die gesamte Spielzeit zu tragen. Das ist umso bedauerlicher, da man „Duplicity“ in wirklich jeder Szene sein Potential ansieht, doch der Funke will einfach zu selten auf den Zuschauer überspringen.


Glücklicherweise kann sich „Duplicity“ auf seine ausgezeichneten Darsteller verlassen. Der Film ist durch die Bank weg mit namhaften Vertretern der Zunft besetzt, die ihren Teil dazu beitragen, dass sich „Duplicity“ stets auf annehmbaren Niveau halten kann. Das Zentrum des Film wird natürlich von der schwierigen Romanze zwischen Ray und Claire gebildet, deren Beziehung stets zwischen offensichtlicher Anziehung einerseits und gegenseitigem Misstrauen andererseits, auf durchaus amüsante Art und Weise hin- und her pendelt. Während man Owen die Rolle des charismatischen Einzelkämpfers wie so oft abnimmt, kann gerade auch Julia Roberts in „Duplicity“ beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen Hollywoods gehört. Sekundiert werden die beiden von einem hervorragenden Tom Wilkinson, und einem exzellenten Paul Giamatti, der ohne jeden Zweifel zu den (gar nicht mal so heimlichen) Stars des Streifens gehört. Eingepasst in eine sehr stimmige Inszenierung von Seiten Gilroys, die den Darstellern eine perfekte Bühne ermöglicht, verhindert also eigentlich nur das schwächelnde Drehbuch, dass sich „Duplicity“ zu Höherem berufen fühlen kann.


Letztlich ist der Film nämlich schlicht und ergreifend einfach zu lang, um seine zahlreichen Hänger wirklich kaschieren zu können. Gerade der Mittelteil zieht sich ordentlich in die Länge, was in einer eindeutigen Verwässerung der Unterhaltung resultiert. Und so mag sich „Duplicity“ an den großen Klassikern des Genres orientieren, kann allerdings zu kaum einem Zeitpunkt auch nur in den Windschatten besagter Filme gelangen. Einen hat der Film, respektive Gilroy, dann aber doch noch auf Lager. Mit dem letztlichen Ende von „Duplicity“, dass sich durchaus wohltuend vom mittlerweile standardisierten Einerlei des Heist unterscheidet, kann der Film noch mal ordentlich punkten. Beim Sehen zwar durchaus unterhaltsam, doch mit keinerlei Nachhaltigkeit ausgestattet ist „Duplicity“ somit einer der Filme für den Moment, aber keiner an den man sich lange erinnern wird. - Fazit: 6 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Duplicity". © 2009 Universal Pictures


4 Kommentare:

Franzi hat gesagt…

Aha, jetzt sind wir wieder auf einer Wellenlänge. Auch einer meiner Sneak-Fehltritte. Die Dialoge waren das schlimmste am ganzen Film. Schlichtweg sinnfrei wenn man mal genauer hingehört hat. Ich bin so enttäuscht von meiner geliebten Julia. Zwar hat sie eine gute Leistung abgelegt aber warum in so einem Film?! Und ich hab Jahre auf ihr Comeback gewartet. Naja vll kann sie es mit dem nächsten Streifen wieder wett machen!

C.H. hat gesagt…

Scheinst ja im Moment bei der Sneak nicht gerade vom Glück verfolgt zu sein. ;-)In der Tat, der Wortwitz der Dialoge haben zu selten gezündet, von "komplett sinnfrei" würde ich dann aber doch nicht sprechen wollen. BTW: Ich darf es ja eigentlich gar nicht laut sagen, aber ich sehe die Roberts ganz gerne, vor allem in "Erin Brockovich". ;-)

PS: Jahrelang auf das Comeback gewartet? Scheinst wohl "Der Krieg des Charlie Wilson" nicht gesehen zu haben. ;-)

Franzi hat gesagt…

Oh ja Erin Brockovich ist großartig. Ich kann schon nicht mehr zählen wie oft ich den gesehen habe.

Der Krieg des Charlie Wilson war für mich auch ein kompletter Reinfall. Ich hab nur die ersten 10 minuten geschaut und da kam sie Lady noch nicht vor, meines wissens. Deswegen hab ich den Film schon fast wieder vergessen. Hast Recht! ich fand die Vorschau toll aber der Anfang war so langweilig, da bin ich eingepennt. Sollte ich dem Steifen noch ne Chancce geben?

Ich will wieder einen typischen Julia-Roberts-Film. Einen der von ihrem Lächeln lebt und in dem man sich keine andere schauspielerin vorstellen kann!!

C.H. hat gesagt…

Also mir hat "Charlie Wilson" ganz gut gefallen, aber ich mag ja auch "Mordinstinkt". ;-) Aber klar, dieser Film ist auch kein "typischer" Roberts Film. Dafür ein Film, in dem sie eine erkonservativ-katholische kalte Kriegerin zu gefallen weiß. ;-) Also wenn du nur die ersten 10 Minuten gesehen hast, hasrt du wirklich ein paar grandiose Szenen verpasst. ;-)

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