Rezension: "State Of Play - Stand der Dinge"














Jeder, der den aktuell schwelenden Kulturkampf zwischen etablierten und neuen Medien verfolgt, wird sich das Schmunzeln zu Beginn des Films nicht verkneifen können. „Warum sie nicht einfach ein paar Blogs lesen würde?“ - Mit diesen Worten giftet Cal McAffrey (Russell Crowe), der schrullige und alteingesessene Starreporter des „Washington Globe“, seine junge Kollegin aus der Online-Redaktion an, die ihn zwecks Recherche um Informationen gebeten hatte. Die an dieser Stelle kolportierte Antipathie ist jedenfalls gegenseitiger Natur, denn auch Della Frye (Rachel McAdams) kann mit dem analogen Haudegen, dessen schlampige Kleidung und der seit Monaten nicht mehr gestutzte Bart ihrem äußerlich makellosen Auftreten diametral gegenüber steht, nicht sonderlich viel anfangen. Die aktuelle Zeitungskrise in den USA ist somit auch elementares Thema von „State of Play“, welches zwar nicht das den Film dominierende Sujet ist, doch stets omnipräsent bleibt. Das „State of Play“ stets auch einen Ton einschlägt, der (vor allem im wunderbaren Abspann) die schreibende Zunft stets auch ein wenig romantisiert und verklärt, fällt dabei nicht weiter schwer ins Gewicht. Denn zum Einen ist dieser in der „wirklichen Welt“ im Moment mit harten Bandagen geführte Konflikt stets mit einem leicht ironisierenden Unterton versehen, so weiß der Running Gag mit der digitalen Stiftlosigkeit durchaus zu Gefallen, zum Anderen plädiert „State of Play“ in seiner letztendlichen Intention für das einzig Richtige in diesem Konflikt: Verständigung und Kooperation. Schon allein die Tatsache, dass es den an „State of Play“ Beteiligten gelungen ist, auch den Brückenschlag zu den heutigen Medienverhältnissen zu schaffen, zeigt welch gute Arbeit in der Adaption der gleichnamigen Mini-Serie der BBC geleistet wurde. Schon allein deshalb, weil es in der Tat als anspruchsvolles Unterfangen bezeichnet werden muss, eine solche Serie auf nur etwas mehr als zwei Stunden Spielzeit zu verdichten. Die Drehbuchautoren haben jedenfalls in dieser Hinsicht ganze Arbeit geleistet, mit der Konsequenz das „State of Play“ der bislang beste Polit-Thriller des aktuellen Kinojahres geworden ist. Stets am gesellschaftlichen Puls der Zeit, gelingt es „State of Play“ Anspruch und Unterhaltung miteinander zu vereinen.


Ein Mensch stirbt bei einer nächtlichen Schießerei, ein anderer wird schwer verletzt und fällt ins Koma. Am nächsten Morgen stirbt auch die Fachreferentin des Kongressabgeordneten Stephen Collins (Ben Affleck), als diese von einer U-Bahn überrollt wird. Als Collins ob der Todesnachricht während einer Pressekonferenz in Tränen ausbricht, kommt heraus, dass der verheirate Mann mit seiner Referentin eine Affaire hatte. Ein gefundenes Fressen nicht nur für die Presse, sondern auch für das private Sicherheitsunternehmen PointCorp, das im Auftrag der Regierung in aller Welt für Sicherheit sorgen soll, in ihren Mitteln jedoch auch oftmals über das Ziel hinausschießt. Dieses Unternehmen sieht sich von den Untersuchungen Collins, der dem Treiben dieser Firma nicht länger tatenlos zusehen will, mehr als einfach nur bedroht. Als Cal McAffrey kurz nach den Todesfällen nicht nur auf Verbindungen zwischen diesen Ereignissen stößt, sondern auch handfeste Beweise in der Hand hält, dass der Tod der jungen Referentin vielleicht doch kein Unfall gewesen sein könnte, sticht er tief in ein Wespennest, das bis in die höchsten Stellen der Politik reicht. Erschwert wird seine Arbeit dabei nicht zuletzt durch einen persönlichen Interessenkonflikt, sind er und Stephen Collins doch eng befreundet. Zusammen mit seiner Kollegin Della Frye macht sich McAffrey auf die Suche nach des Rätsels Lösung, stets auf dem schmalen Grat zwischen Freundschaft und Arbeitsethos balancierend.


Nicht nur die Medienkrise wird also in „State of Play“ thematisiert, sondern auch die (kritische) Rolle, die private Sicherheitsfirmen wie Blackwater in aktuellen Krisenregionen wie im Irak oder Afghanistan spielen, deren Söldner von der Regierung nur schwer zu kontrollieren sind, und deren Todesfälle auch nicht in den offiziellen Statistiken der US-Regierung geführt werden. Wenn auch dieses Thema im Film nicht erschöpfend dargestellt wird, so gelingt es aber doch die an Profit orientierten Interessen dieser Wirtschaftsunternehmen zu thematisieren und zu problematisieren: Der Krieg ernährt den Krieg. Letztlich jedoch ist „State of Play“ vor allem, abseits all dieser inhaltlichen Thematiken, ein wunderbar photographierter und inszenierter Thriller, der stets voller Dynamik ist, dabei jedoch nie zu hektisch wirkt. Nicht der einfache Effekt prägt den Film, sondern ausgefeilte Dialogszenen, sowie pointiert eingesetzte Actionszenen. Mit Kevin Macdonald konnte noch dazu ein Regisseur gewonnen werden, der bereits mit „Der König von Schottland“ auf sich aufmerksam machen konnte, und auch in „State of Play“ für Qualität hinter der Kamera steht. Doch auch vor der Kamera hat sich ein Ensemble versammelt, dass sich mit ihren im Film angebotenen Leistungen wirklich sehen lassen kann. Russel Crowe brilliert als brummbäriger, dabei jedoch nicht unsympathischer Journalist der alten Schule, der sich nicht nur mit der Story und seiner Kollegin, sondern auch mit seiner Freundschaft herumschlagen muss. Ben Affleck hingegen gefällt als smarter und idealistischer Politiker, der die Schattenseiten seines Berufs kennen lernen muss. Einzig Rachel McAdams mag es nicht so recht gelingen, ihre Figur mit Leben auszufüllen, denn abseits ihres aufstrebenden Ehrgeizes, bleibt die junge Frau leider recht unbeleuchtet. Eine absolute Galavorstellung legt jedoch Helen Mirren in ihrer Rolle der toughen und kratzbürstigen Chefredakteurin Cameron Lynne hin, deren Auftritte mit die Höhepunkte des Films bilden.


Wenn am Ende der Redaktionsschluss immer wieder nach hinten verschoben wird, um die große Story noch in der nächsten Tagesausgabe abdrucken können, zeigt sich noch einmal die ganze Nostalgie eines Gewerbes, das in seiner jetzigen Form an einem Wendepunkt steht, denn Online gibt es keinen Redaktionsschluss mehr, der von der Druckerpresse reglementiert ist. „Bei manchen Themen sollten die Leute die Druckerschwärze an den Fingern spüren“ - Ein schöner Satz, der da gegen Ende im Film fällt. Und bei machen Filmen ist es so, dass man zwar nicht das Zelluloid an den Fingern spüren kann, wohl aber merkt man, wenn ein Film in seiner Konzeption und Umsetzung mit eben soviel Leidenschaft erstellt wurde, wie ein gut recherchierter und geschriebener Zeitungsartikel. „State of Play“ ist einer dieser Filme. - Fazit: 9 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "State Of Play - Stand der Dinge". © 2009 Universal Pictures


3 Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

Ganz so gut sehe ich ihn dann doch nicht *g*

xander81 hat gesagt…

Kannte ihn bis jetzt nicht, hört aber doch recht gut an!

C.H. hat gesagt…

Dem ist auch so. Der wird durch die Bank weg gut besprochen, auch wenn er nicht überall so gut wegkommt, wie bei mir. ;-)

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