Rezension: "Terminator: Die Erlösung"













Man könnte eine Besprechung zu „Terminator: Die Erlösung“, dem viertem Teil des Terminatoren-Franchise, bei James Cameron beginnen lassen. Man würde dann erzählen, wie jener Mann 1984 mit „Terminator“ den Grundstein für den Nachfolger „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ legte, welcher sich nicht nur zu den wenigen Sequels der Filmgeschichte zählen darf, welches besser ist als sein Vorgänger, sondern auch zu den besten Actionfilmen der Neunziger Jahre zählt und mittlerweile zu Recht als Meilenstein des Genres gilt. Man würde dann auch davon berichten, wie Arnold Schwarzenegger mit der ihm eigenen Coolness, sowie einer gehörigen Portion Selbstironie ausgestattet in der Rolle des T-800 zu einer Legende wurde. Vielleicht würde man dann auch noch vom drittem Teil „Terminator – Rebellion der Maschinen“ erzählen, der schon sehr unter der Abwesenheit seines Schöpfers Cameron gelitten hatte, und dem Franchise so seine ersten Risse bescherte, zumindest dachte man dies bis, ja bis „Terminator – Rebellion der Maschinen“ gemacht wurde. Würde man also eine solche Rekapitualtion des Franchise vornehmen, man täte dies aus einem einzigen Grund: Eine Einleitung, gedacht als Folie, von der man „Terminator: Die Erlösung“ abgrenzen könnte, mit der man diesen vierten Teil desavouieren könnte, mit der man deutlich machen könnte, welch kolossaler Fehlschlag dieser Film eigentlich ist. Und also ob dies nicht schon schlimm genug wäre, muss man in diesem Moment erkennen, dass es dieses quasi historischen Vergleichs mit der Ahnenreihe der Terminatoren gar nicht bedarf, um zu erkennen welch schwachen Film Regisseur McG dem Zuschauer da eigentlich vor die Füße gerotzt hat.


Man schreibt das Jahr 2003, als der zum Tode verurteilte Mörder Marcus Wright (Sam Worthington) seine Organe der Firma Skynet zu Forschungszwecken zur Verfügung stellt. 15 Jahre später ist die Welt, wie wir sie kennen, schon nicht mehr. Der Mensch, der meinte Herr und Gebieter über die Maschinen zu sein, wurde von jenen eines Besseren belehrt. Eine Lektion, die für die Menschheit eine äußerst schmerzhafte war, wurde sie ihnen doch in Form eines durch Skynet ausgelösten Nuklearkrieg eingebläut. Im Jahr 2018 versammeln sich nun die letzten Überlebenden im Widerstand und versuchen die Herrschaft der Maschinen zu beenden. Ihr kommender Anführer John Connor (Christian Bale) kämpft dabei nicht nur an der Front gegen den maschinellen Feind, sondern auch mit den Erinnerungen seiner Mutter, aus denen er sich Aufschluss über seine in der Zukunft zu spielende Rolle innerhalb des Widerstands erhofft. Vor allem aber sucht Connor nach jenem Kyle Reese (Anton Yelchin), den er in naher Zukunft in die Vergangenheit schicken wird, um seine Mutter zu beschützen, und der so zu seinem Vater werden wird. Connor weiß ganz genau, sollte Skynet Reese vor ihm in die Hände bekommen, wäre dies nicht nur sein ganz persönlicher Untergang, sondern das Ende der gesamten Menschheit. Doch es ist nicht Connor, der Reese zu erst findet, sondern Marcus Wright, der urplötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint, und sich außer an seinen Namen an nichts erinnern kann.


Terminator: Die Erlösung“ begibt sich in die Zeit, die Camerons Filme stets nur angedeutet hatten: Der Krieg der Maschinen gegen die Menschheit war stets nur die Begründung warum man einen Roboter in die Vergangenheit, also unsere Gegenwart, zurückschickt. In diesem vierten Film jedoch wird die Endzeitvision zum bestimmenden Szenario. Auch „Terminator: Die Erlösung“ beschreitet somit den Weg zur absoluten Ernsthaftigkeit, der nach 9/11 Einzug in das Kino gefunden hat („Bourne“, „James Bond“, „Batman“). Ein Schritt, der ganz ohne jeden Zweifel sowohl legitim, als auch durchaus reizvoll ist, doch bereits in der visuellen Umsetzung nur bruchstückhaft gelungen - weil durchaus schnell ermüdend - geraten ist: Die Zukunft besteht augenscheinlich nur aus Wüste, Sand und sintflutartigen Regengüssen, was die Umgebung – ob nun schon lange verlassen oder nicht – aber nicht daran hindert ununterbrochen vor sich hin zu brennen. Was McG da allein auf visueller Ebene zu seiner apokalyptischen Zukunftsversion eingefallen ist, ist abgesehen von ausgewaschenen Farben nicht sonderlich viel. Wenig Abwechslung herrscht auch in den (zahlreichen) Actionszenen, die an sich zwar durchaus gelungen, oder anders ausgedrückt befriedigend sind. Aber auch die Action ist von McG ohne jeglichen Esprit, ohne Drive, ohne Enthusiasmus inszeniert, so dass spätestens ab der Hälfte der Spielzeit gepflegte Langeweile regiert. Irgendwie ist „Terminator: Die Erlösung“ nicht viel mehr, als eine andauerndes Gefecht zwischen Maschine und Mensch, dass nur durch wenige noch weniger überzeugende die Geschichte forcierende Momente unterbrochen wird.


Nun wäre in der Tat wenig sinnvoll, einen Terminator-Film anhand der logischen Konsistenz der Narration beurteilen zu wollen. Die schon in den den ersten drei Teilen ventilierte Prämisse der Zeitreise bietet mehr als nur einen Fallstrick, um die Logik der Geschichte zu strapazieren, doch entschuldigt das nicht einige ziemlich suboptimale Momente, die „Terminator: Die Erlösung“ dem Zuschauer da ernstlich verkaufen möchte. So kann es sich dem Zuschauer wohl kaum erschließen, warum Skynet auch nur eine einzigen Wimpernschlag zögern sollte, Kyle Reese in der Sekunde eine Kugel in den Kopf zu jagen, in der sie diesem habhaft werden können. Immerhin hätten sich mit dem Tod von Reese, dem Vater von Connor, sämtliche Probleme von Skynet gelöst. Mal ganz abgesehen von der berechtigten Frage, woher Skynet zu diesem Zeitpunkt eigentlich wissen will, dass John Connor der Mann sein wird, der die Menschheit am Ende des Krieges zum Sieg über Skynet führen wird. Aber nun genug der grübelnden Worte zur fehlenden Logik der Geschichte, immerhin ist diese Leerstelle auch nicht der ausschlaggebende Faktor für die fehlende Qualität dieses Films. Zu selten sind einfach jene Momente, in denen der Film wirklich überzeugen kann. Eingeschränkt gilt dies für die Referenz an Schwarzenegger, und im vollem Maße trifft dies eigentlich nur auf das mit dem bekannten Theme untermalten Intro des Films zu - Und dieser (traurige) Sachverhalt ist dann in der Tat bezeichnend für „Terminator: Die Erlösung“.


Als Fehlschlag muss, so Leid es mir tut, auch die Besetzung von Christian Bale als John Connor bezeichnet werden. Eine Besetzung, die wohl aus rein marktstrategischen Gründen vorgenommen wurde, in der Praxis jedoch nicht überzeugt. Bale, der ansonsten durchaus zu den Könnern des Fachs gehört, gelingt es einfach nicht jenen charismatischen Führer (durchaus im Sinne von Max Weber) zu verkörpern, der in dieser Rolle einfach von Nöten gewesen wäre. Immerhin ist John Connor ein Mann, fast einem Messias gleichend, dem der Widerstand bedingungslos gehorcht. Warum ihm seine Soldaten allerdings so bereitwillig folgen, wird aus den drei von Bale im Film angebotenen grimmigen Gesichtsausdrücken nur schwerlich deutlich. Christian Bale variiert in „Terminator – Rebellion der Maschinen“ einfach nur seine zweite Heldenfigur Batman, übersieht jedoch, dass diese Darbietung für den dunklen und einsamen Ritter durchaus passend ist, für den charismatischen Anführer jedoch keineswegs. Und so wird Bale die Schau noch am ehesten von Worthington gestohlen. Von den zahlreichen verschenkten Darstellern im Film, allen voran Helena Bonham Carter (welch niederschmetternder Auftritt) soll an dieser Stelle am besten gar nicht erst angefangen werden. Was bleibt also am Ende zu „Terminator: Die Erlösung“. Außer Spesen nichts gewesen? Nun, das mag vielleicht für den Zuschauer gelten, der einen in der Summe haarscharf am Desaster wandelnden Film gesehen hat, nicht aber für den Verleih: Der Film wird seinen Schnitt machen, ein fünfter Ableger wurde bereits bestätigt. Man könnte die Rezension natürlich auch mit einem nahe liegenden Kalauer über die wahre Bedeutung des Titels „Erlösung“ beenden, aber noch nicht einmal dazu hat der Rezensent an dieser Stelle noch die Kraft, denn „Terminator: Die Erlösung“ ist nicht weniger als einer der enttäuschendsten Filme des bisherigen Kinojahres. - Fazit: 4 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Terminator: Die Erlösung". © 2009 Sony Pictures


13 Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

Um beim Thema zu bleiben: vier Zeilen gelesen und schon widerspreche ich dir das erste Mal. Du siehst, die Diskussion kann sich (wie jede Diskussion) nur im Kreis bewegen. :)

Egal, vielleicht tröstet dich ja morgen der Bay hinweg ;)

Flo Lieb hat gesagt…

P.S. "Mal ganz abgesehen von der berechtigten Frage, woher Skynet zu diesem Zeitpunkt eigentlich wissen will, dass John Connor der Mann sein wird, der die Menschheit am Ende des Krieges zum Sieg über Skynet führen wird."

Wieso das bei allen Rezensionen eines der Probleme ist, versteh ich auch nach er 20. Kritik nicht. Aber egal, s.o. *g*

fincher hat gesagt…

Yeah!

Papity hat gesagt…

Genau.
Ich staune immer wieder, mit welch grimmig entschlossener Konsequenz ausgerechnet die Big Player regelmäßig offenen Auges in den Sumpf fahren.
Was ja nicht heißen soll, dass T4 ein Flop ist, jedenfalls nicht in finanzieller Hinsicht. Aktuell bei 115 Mio. Domestic liegend, kann er weltweit und mit Zusatzauswertungen seine ~400 Mio. schaffen.
Versemmelt haben sie aber einen starken Mythos, der, nebenbei, die Basis des monetären Erfolgs ist. Eigentor also.

„Mythen sind Geschichten von hochgradiger Beständigkeit ihres narrativen Kerns und ebenso ausgeprägter marginaler Variationsfähigkeit". Sagt Hans Blumenberg und Recht hat er; siehe T1 und T2, die in dieser Folge als Variation und Erweiterung zugleich ein Geniestreich sondergleichen darstellen (okay, die Effekte sind auch sehr hübsch:). Und ein Lehrstück darüber, dass man eine gute Story eben nicht einfach nur hilf- und endlos "weiter" erzählen kann -> Star Wars.

Dabei war’s doch ganz einfach: Eine als unzurechnungsfähig denunzierte Alleinerziehende aus dem Prekariat und ihr verhaltensauffälliger beziehungsgestörter Sohn retten die Welt, ohne dass es jemand mitkriegt oder jemals einer erfahren wird. Das Böse ist menschengemacht und unbesiegbar und: Kommt aus der Zukunft, ist in Stahl und Quecksilber materialisiertes Schicksal. Der unwahrscheinliche Sieg über das Böse überwindet dieses Schicksal und entlässt die Menschen in die Freiheit (vermittelt nebenbei+augenzwinkernd nicht nur für nachgewachsene Jungfeministinnen die nicht ganz abwegige Botschaft: Keep your body tight if you wanna live).
This. Is. Cool.

Oder kann man da irgendwas nicht verstehen? Ist das nicht wert, immer wieder neu und clever erzählt zu werden? Im Nachhinein muss man den Verantwortlichen für T3 ja noch gratulieren für den Mut, ihre Geschichte einfach nur fast genauso erzählt zu haben.

Was aber gar nicht mutig und nicht cool ist:
Eine Story, für die man eine Montageanleitung vom Umfang eines Branchenbuches braucht.
Unausgeschlafen herumgrunzende Söldner mit offenem Magengeschwür und Messias-Komplex.
Zehntausend dusslige Wannabe-Transformers, die man mit dem guten alten Seiltrick aus dem Sandkasten kicken kann.
Feig-verklemmt angetriggerte love stories, für die sich nicht mal die Darsteller selbst interessieren.
Die unausgesprochene, aber gut erkennbare Ausrede, dass sich in irgendeinem Paralleluniversum die Story (siehe oben) schon wieder irgendwie zusammenreimen wird (Wachowski effect).
Und on top: Die den Tatbestand der vorsätzlich unterlassenen Hilfeleistung erfüllende De-Installation der nicht gänzlich auszuschließenden Erzeugung eines neuen Mythos.
Zugeben, das hätte sich dann in Richtung „Golem“ oder „Frankenstein“ entwickeln müssen. Aber wär’ das so schlimm gewesen? Doch lieber einen gut abgehangenen Mythos, als gar keinen. Terminator demystification, also.

Anders als die Protagonisten in Camerons Geistesblitz haben die Verantwortlichen für den Franchise ihre Zukunft festgelegt. Sie konnten oder wollten ihren Terminator, Model GREED 200X, nicht besiegen. Die Serie wird das Schicksal von Star Wars, Indiana Jones, überhaupt aller dieser schnell brennenden cash cows teilen. Den Bankern wird’s trotzdem nicht schlecht ergehen, das Gedächtnis der Popkultur ist kurz und löchrig. Schade aber um den Mythos.
Schwamm drüber.

Kaiser_Soze hat gesagt…

Wilkommen im Club!

xander81 hat gesagt…

Bei mir hat er zwar immerhin 6/10 bekommen, aber im Großen und Ganzen hast du schon Recht...

tumulder hat gesagt…

@flo
Hast Recht, Logik hätte hier auch nichts mehr retten können.;)

Flo Lieb hat gesagt…

@tumulder
Logik und Kino passen doch sowieso nicht zusammen.

Kaiser_Soze hat gesagt…

@Flo

(Dümmster) Spruch des Tages!^^

C.H. hat gesagt…

@ Papity:

Da mit mit den Möchtegern Transformers ist mir heute auch nach der PV zu Tranformers 2 in den Sinn gekommen. Nur das der ganze Kram in "Terminator 4" auf dreckig und düster getrimmt ist, hehe... :)

@ Kaiser:

Flo ist für heute entschuldigt. Dem wurden sämtliche Hirnzellen heute (zumindest temporär) im Zuge der Transformers 2 PV (inklusive meiner dem Film nicht ganz abgeneigten Wenigkeit)weggefegt... :D

Flo Lieb hat gesagt…

@Kaiser: Dann beehre mich doch mit den logischen Meisterwerken des Kinos.

Shorshy hat gesagt…

Also der Trend geht ja in eine Richtung, die nicht zu verkennen ist. Man kann diese Ansicht haben, gewisse Kritikpunkte sind auch durchaus nachvollziehbar, so wie sie dargestellt wurden, dennoch würde ich den Film nicht so runtermachen. Die Kritik was die Logik betrifft da Stimme ich dir sehrwohl zu, das ist mir bisher nicht aufgefallen, ist aber auf jeden Fall unlogisch ( Skynet+Reese etc.).Und auch die Charackterdarstellung von Bale als recht gleichgültiger Typ mit zwei Gesichtsausdrücken kann man durchaus zustimmen.
Dennoch möchte ich den Film ein wenig aus dem Dreck helfen.
Ich finde den Film so schlecht nicht, zumal ich nichts gegen diese Art von Darstellung einer postapykalyptischen Welt habe, eben grade diese Matte, dauerhaft brennende einen gewissen Reiz ausmacht. Des weiteren sidna uch die Actionszenen normal, ok, hrausragend nicht, aber soo schlecht, dass mir nach der Hälfte des Films langweilig wird, sind sie auch nicht. Vielleicht muss man einfach mit weniger kritischer Sicht an diesen Film gehen um ihn toll zu finden, sprich einfachmal Hirn ausschalten und wirken lassen. Ob es hilft weis man nicht. Naja, aber zu guter letzt bleibt eh immer nur das eine: jedem das seine ;-)

C.H. hat gesagt…

Ich hab das auch schon mal an anderer Stelle geschrieben: Vielleicht hätte ich den Film ein wenig besser (1 Punkt vielleicht?) bewertet, wenn das irgendein Action-Film gewesen wäre. Aber so? ich meine, man muss sich mal überlegen, auf was der Film aufbaut, welche 2 Klassiker er da endültig gegen die Wand fährt (Der 3. war ja schon grenzwertig). Aber nun gut: Wenn der Film bei Einigen auf Gefallen gestoßen hat, ists ja in Ordnung. Mir wäre schon sehr geholfen, wenn sie für den fünften Teil diesen Dilletanten McG vom Regiestuhl abziehen würden. ;-)

Kommentar veröffentlichen

In den Kommentaren können die folgenden HTML-Tags benutzt werden:

kursiv = <i>Testwort</i>
fett = <b>Testwort</b>
Links = <a href="http://www.deineURL.de/">Link Text</a>

 
Creative Commons License
Dieser Blog ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.