Rezension zu "Transformers: Die Rache"










Das mit Michael Bay ist ja bekanntlich immer so eine Sache. Während die Einen das Baysche Kino mit Freuden als reines Popcornkino zu goutieren wissen, bekommen die Anderen ob des von Bay inszenierten Krach- und Schepperkinos mit schöner Regelmäßigkeit einen Tobsuchtsanfall. Das Gute an Bay ist jedenfalls, dass man vorher genau weiß worauf man sich einlässt, wenn man sich in einen Film begibt, der unter der Regie von Michael Bay inszeniert wurde. Und so lassen sich dann auch in der Tat Filme wie „Bad Boys“ oder „The Rock“ durchaus ohne Probleme als lockerer Blockbuster-Spaß durchwinken. Das dabei stets das Sprichwort „Schuster, bleib bei deinem Leisten“ gelten muss, gilt umso mehr für Michael Bay: Denn außer möglichst viel in möglichst wenig Zeit effektvoll in die Luft jagen, kann er eigentlich nichts: So misslang sein Ausflug in das ernste Fach im Zuge von „Die Insel“, und selbst dem Kinogänger, der Bay ansonsten recht wohlgesonnen ist, musste angesichts des hanebüchenen und vor falschen Pathos nur triefenden „Pearl Harbour“ die Halsader anschwellen. Von daher muss Bays Rückkehr zur krachenden Spaß-Unterhaltung, die 2007 im Zuge von „Transformers“ vollzogen wurde, als konsequent bezeichnet werden. Der Film, der auf der gleichnamigen Spielzeugserie basiert, schlug bei den Zuschauer jedenfalls ein wie eine Bombe, und machte mit einem Einspielergebnis von über 700 Millionen Dollar einen Nachfolger zur logischen Konsequenz. Dieses Sequel, nämlich „Transformers - Die Rache“, bleibt dabei all jenen Dingen treu, die das Kinos von Michael Bay definieren, und ist mit einer Spielzeit von 147 Minuten für einen Blockbuster auch noch überaus lang geraten. Wie dem auch sei: Wer mit dem Gedanken spielt „Transformers - Die Rache“ im Kino einen Besuch abzustatten, sollte die folgende Checkliste zu zumindest fünfzig Prozent mit „check“ beantwortet haben.


Erstens: Die erzählte Geschichte ist nicht zu hinterfragen. War man der Meinung, dass der erste Teil alles erzählt hatte, was zu erzählen gab, muss sich nun erwartungsgemäß eines Besseren belehren lassen. Bösewicht Meagtron mag zwar in den Tiefen des Meeres ruhen, doch das Böse schläft niemals und so macht sich Oberbösewicht The Fallen auf den Weg zur Erde, denn dort befindet sich seit Anbeginn der Menschheit ein Artefakt, das die Decepticons dort einst im Zuge ihres Krieges, den sie unter anderem auch auf der Erde führten, zurücklassen mussten. Ein Artefakt, mit dem man nicht nur die Energie der Sonne anzapfen könnte, sondern auch die Erde zerstören würde. Unterdessen haben sich die Autobots unter der Führung von Optimus Prime für den Staatsdienst verpflichten lassen und kämpfen nun zusammen mit der Menschheit gegen Decepticons, die mittlerweile auf der Erde wandeln. Sam Witwicky (Shia LaBoeuf) hat hingegen ganz andere Probleme, denn sein Umzug ins College steht an, und damit auch die räumliche Trennung von Seiner Freundin Mikaela Banes (Megan Fox) und seiner Autobot-Karosse Bumblebee. Doch das lockere Collegeleben ist für Sam nur von kurzer Dauer, leidet er doch urplötzlich unter seltsamen Visionen, und dann steht eines schönen Tages auch schon Optimus Prime vor ihm, und bittet um Hilfe: Der Krieg sei noch nicht vorbei, und die Erde könnte in diesem Krieg der Maschinen durchaus als gewaltiger Kollateralschaden enden. Was Michael Bay dem Zuschauer während der über zweistündigen Spielzeit also als Inhalt anbietet, ist nicht mehr als der reinste (und teilweise hanebüchene) Mittel zum Zweck, der ausschließlich als Aufhänger für viel Bumm Bumm und einigen Witzchen fungiert.


Zweitens: Der Zuschauer sieht, wie auch schon in „Transformers“ einen Werbefilm der amerikanischen Streitkräfte. Captain William Lennox (Josh Duhamel) führt seine tapfere Ranger-Truppe, diesmal unterstützt von den Autobots, ein weiteres mal in den Kampf (Diesmal dürfen auch die Briten fleißig mitmischen, die „Achse der Willigen“ lebt!). Wie so oft in seinen Filmen beschwört Bay den Geist des guten, unerschrockenen und heroischen Infanteristen, der ungeachtet innerer und äußerer Widerstände in den Kampf für die gerechte Sache zieht. Bei soviel Werbung in eigener Sache lässt sich dann auch das Pentagon nicht lumpen und spendiert Bay für sein Kriegsspiel all jene hübschen Spielzeuge, von denen er als Kind wohl geträumt hat, aber wahrscheinlich nicht mit spielen durfte. Aber jetzt darf er ja, und so gibt es militärische Spitzentechnologie vom Feinsten und en masse: Flugzeuträger, nebst Begleitflotte, Kampfjets, Panzer und Geschütze, so weit das Auge reicht. Dies alles wird dann Stilecht von Bay in glorifizierender Pose in Szene gesetzt, gerne auch mal vor untergehender Sonne.


Drittens: Gigantismus herrscht nicht nur an der militärischen Front, sondern auch in Sachen Action. Die Anzahl der Autobots und Decepticons hat sich – ganz standesgemäß für ein Baysches Sequel – exorbitant erhöht, was logischerweise zu einem gesteigerten Zerstörungspotential führt. Das Bay auch in „Transformers - Die Rache“ keine Gefangenen macht, unterstreicht er gleich in den ersten Minuten, als zahlreiche Straßenzüge von Schanghai en passant in Schutt und Asche gelegt werden: Brücken stürzen ein, Autos fliegen durch die Luft – das volle Programm eben. Und so geht es dann in einer Tour weiter. Ob nun im Wald, in der Wüste, oder auf See, stets darf man sich sicher sein, dass Michael Bay alles zerstören wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist – und noch nicht einmal die sind vor der Zerstörungswut Bays sicher. Das der Film mindestens eine halbe Stunde zu lang geraten ist, zeigt sich nicht zuletzt auch an der Action, die – wie auch im übrigen gerade im Zuge von „Terminator: Die Erlösung“ zu beobachten ist – irgendwann zur Ermüdung des Zuschauers führen muss. Ansonsten ist das natürlich alles State of the Art, und in einzelnen Szenen durchaus beeindruckend. Auch wenn man durchaus mal anmerken muss, das man besser nicht großartig darüber nachdenkt, was die von Bay inszenierten Actionorgien, die in ihrer Visualisierung auf familienfeundlich getrimmt sind, eigentlich hinsichtlich der von Bay nie gezeigten, aber definitiv vorhandenen „zivilen Opfer“ bedeutet. Das wiederum ist allerdings ein Sachverhalt, der nicht nur auf die Filme von Michael Bay zutrifft.


Viertens: Von den Darstellern darf nicht sonderlich viel erwartet werden. Immerhin nimmt man Shia LaBoeuf seine Rolle, wie auch schon im Vorgänger, ab und so gelingt es ihm zumindest dem Zuschauer, anders als im vierten Teil von „Indiana Jones“, nicht auf die Nerven zu gehen. Und von Megan Fox wird sowieso nicht mehr erwartet, als gut auszusehen, und sich in jeder auch nur erdenklichen Szene mit aller gebotenen Laszivität zu bewegen. Das immerhin gelingt ihr ganz ausgezeichnet. Und ansonsten treten eigentlich alle Rollen und Figuren, die auch schon im ersten Teil zu bewundern waren, auch im Sequel wieder auf. Und mehr ist zu den Darstellern auch gar nicht mehr zu sagen, denn auf die kommt es Bay ohnehin nicht wirklich an. Garniert wird das ganze dann noch mit einigen humoristischen Einlagen, die mal mehr und mal weniger gelungen sind, aber beim Publikum – da kann man sich sicher sein – Gefallen finden werden. Das Primat der Unterhaltung regiert „Transformers - Die Rache“. Dafür ist dieser Film gemacht worden, dies ist seine Ausrichtung. Dafür kann man Michael Bay kritisieren, oder eben nicht. Vielleicht kann man dies sogar kritisieren, und seinen Film letztlich doch durchaus unterhaltsam finden (Zu dieser Gruppe würde sich der Rezensent zählen wollen). Lange Rede, kurzer Sinn: Wer „Transformers“ (und Bay im allgemeinen) mag, der wird auch mit „Transformers - Die Rache“ nichts verkehrt machen. Wer allerdings von dem Bayschen Gigantismus und seiner exzessiven Pyroshow, und der Film stellt in dieser Hinsicht definitiv den Höhepunkt des filmischen Schaffens von Michael Bay dar, mit schöner Regelmäßigkeit angewidert ist, sollte einen großen Bogen um den Film machen: Anschwellende Halsschlagadern und Tobsuchtsanfälle sind ansonsten garantiert. - Fazit: 5 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Transformers: Die Rache". © 2009 Paramount Pictures


23 Kommentare:

fraenki hat gesagt…

Ich werd Donnerstag ins Kino, dann gibts auch meine Meinung dazu. ;)

Flo Lieb hat gesagt…

Deception ist das, was Michael Bay hier abliefert. Der "böse" Schrott schimpft sich dennoch Decepticon ;-)

Rajko Burchardt hat gesagt…

Man spricht nie von sich in der dritten Person als Rezensent... ganz unschöne Form.

C.H. hat gesagt…

@ Flo:

Äh, Danke. Hätte ich einen Veriss verfasst, hätte man ja fast von einem Freudschen Versprcher reden können. :)

@ Rajko:

Geschmackssache. Ich vermeide in meinen Texten genz gerne das "ich". Mir gefällt es so besser. ;-)

Rajko Burchardt hat gesagt…

Na das ist auch schlimm, ja. Aber immer noch besser, weil das andere anmaßend wirkt, irgendwie überhöht. Ist eine Stilfrage, aber ich sage mal auf Journalistenschulen lernt man, das nicht zu tun. *g*

Kaiser_Soze hat gesagt…

Ich glaube, Transformers 2 macht dann Spaß, wenn man Bays Adaption als Action-Trash versteht. Ansonsten, glaube ich dir gerne.

orangedoe hat gesagt…

Die erste Person würde ich auch nur als sinnvoll erachten, wenn es in der Kritik eine thematische Rechtfertigung dafür gibt. Z.b. wenn der Ausgangspunkt eine persönliche Erfahrung ist. Das sollte aber IMO nicht überstrapaziert werden, damit die Wirkung erhalten bleibt.
Mit der dritten Person in Filmkritiken kann ich mich hingegen nur bei tendenziell satirischen Texten anfreunden, weil es außerhalb wissenschaftlicher Arbeiten etwas überkandidelt wirkt. Ist aber *nur* meine Meinung. ;)

xander81 hat gesagt…

Ich erwarte so gar nichts von dem Film. Und ich denke mal, in der Hinsicht werde ich nicht enttäuscht werden...

C.H. hat gesagt…

@ Xander 81 & Kaiser_Soze:

Genau so sieht das aus. Wer all das, was ich in der kritik angeführt habe, ausblenden kann (so wie es mir gelungen ist), wird durch den Film unterhalten werden.

@ Rajko & orangedoe:

Ja, basht mich nur ordentlich. Angesichts meiner teilweise künstlich hochgeschraubten Satzkonstruktionen muss (und kann) ich das aushalten. Aber das euch das jetzt erst auffällt, ist ja nicht das erste mal gewesen... ;-)

tumulder hat gesagt…

Aber die Explosionen und Effekte sind doch für Bayhasser das einzig Goutierbare an seiner Chose. Allein der Film um die Special Effects herum, das ist Bays Schwäche.

C.H. hat gesagt…

Aber die Explosionen und Effekte sind doch für Bayhasser das einzig Goutierbare an seiner Chose.

Ja, und?

tumulder hat gesagt…

Weil immer das bekommen die Anderen ob des von Bay inszenierten Krach- und Schepperkinos mit schöner Regelmäßigkeit einen Tobsuchtsanfall. behauptet wird.;)

C.H. hat gesagt…

Ach so. Ja, aber du weisst ja: Eine stramme Behauptung, ist besser als jeder Beweis. ;-)

fincher hat gesagt…

Angesichts meiner teilweise künstlich hochgeschraubten Satzkonstruktionen [...] - Für mich sind das normale Sätze, die nur durch ihre teilweise künstlich hochgeschraubten Fremdwörter auffallen. ;)

Rajko Burchardt hat gesagt…

Ich finde das ist ja eh das Missverständnis - Bay kann m.E. nicht mal Action und Explosionen inszenieren...

tumulder hat gesagt…

@rajko
Mein letzter Bay ist schon so lange her.^^

orangedoe hat gesagt…

Roger Eberts Einschätzung ist mal wieder herrlich:

"If you want to save yourself the ticket price, go into the kitchen, cue up a male choir singing the music of hell, and get a kid to start banging pots and pans together. Then close your eyes and use your imagination."
^^

C.H. hat gesagt…

@ orangedoe:

Nice one! :D

Alexander Langer hat gesagt…

Ganz wunderbare kurzweilige Unterhaltung. Hinterfragen sollte man wirklich nichts, das gilt aber fr die meisten Filme. Ist doch toll, dass man mal eben auf einem Flugzeugträger anrufen kann und all die Geheimwaffen und so nur eien Steinwurf weit weg und in Sekunden an jedem beliebigen Zielort der Welt sind.

Davon ab würde ich mir für Teil 3 mal endlich richtiges Geknutsche wünschen. Wer bei der Braut so lange nicht zum Zuge kommt, der platzt doch..

Schade auch, dass man von der Jolie 2 die ganzen Tattoos nicht zu sehen bekommt. Mein Tipp für Teil 3: Sie schmiegt sich ebenso an Fallens Bein wir ihr Decepticon-Überläufer-Haustier sich an das ihre und schon wird der große Böse ganz weich und handzahm.

Bei mir würde es wirken..

Lalia hat gesagt…

@Alexander Langer
typisch Mann, imer beeinflussbar durch weibliche reize. Jetzt wissen wir zumindest, warum DU den Film angeschaut hast.

Werd den Film evtl auch sehen, es kommt einfach nix anderes im Kino. Und ich hab weder Erwartungen, noch Interesse an dem Plot (welcher Plot?!) aber ich hätte gern das Merchandise ^^ (nur da bin ich doch zu alt für)

C.H. hat gesagt…

@ Alexander:

Na sieh mal einer an. Noch einer der den Film unterhaltsam findet. So wie es klingt sogar unterhalsamer als ich. Ich verstehe sowieso die ganze Aufregung um dieses Bay-Vehikel nicht, dass nun zum Untergang des Kinos stilsiert wird. Zu viel Ehre für diesen Film, wenn man mich fragt. ;-)

@ Lalia:

"es ko0mmt einfach nichts anderes im Kino".

Das würde ich so nicht sagen. "State of Play", der im Moment läuft kann ich nur empfehlen.

Alexander Langer hat gesagt…

@Lalia

Also ich habe den Film nicht nur wegen Megan angeschaut - aber Kino ist nunmal eine visuelle Geschichte, gell? ;-)

Ich würde sie mir übrigens gern öfter auch mit mehr Klamotten und unaufdringlicherem Makeup wünschen. Die Gelegenheit wird sich über die Jahre sicher noch ergeben. Hatte mal von ihr irgendwelche Promofotos im Netz gesichtet, wo sie ganz natürlich in Bluse und so rüberkam.

Aber mal ganz ehrlich: Wer möchte sich schon nen Film mit lauter hässlichen Leuten anschauen?

Zum Glück bin ich augenblicklich Single. Meine Ex war nie zufrieden mit meinem Geschmack bei Filmschönheiten. Da gab es zu Scarlett Johansson in Lost In Translation z.B. den Kommentar "Bäh - die Schweinsnase!"...

Solchen Ärger hab ich augenblicklich nicht und das befreit ungemein ;-)

lalia hat gesagt…

*lol* seid doch froh Jungs, dass Freundinnen auch eifersüchtig sein können. Mein Ex war frustriert, weil ich es nie war ;) (OTon: Dann geh halt mit ihr aus anstatt mit mir *fg* übrigens hieß der Alexander *hehe*)

okay, was ist denn hässlich?! da könnte man sich auch streiten, aber klar werden hauptsächlich "normal"typisch und "schön" gecastet. Außer es ist ein Bösewicht XD

@C.H.: State of Play steht auf meiner DVD-Kaufliste, ungesehen *g*

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