Kurz und Knackig Vol. 6


Anonyma – Eine Frau in Berlin“ (2008)

Schon seit einigen Jahren entdeckt – oder besser gesagt thematisiert - die deutsche Gesellschaft ihre Opferperspektive im zweiten Weltkrieg. Jörg Friedrichs Buch „Der Brand“, aber auch Fernsehproduktionen wie „Dresden“, „Die Flucht“, oder auch der „Untergang der Pamir“ beschäftigen sich nicht mit deutschen Tätern, sondern mit deutschen Opfern. Das diese Perspektive politisch höchst sensibel ist, und von verschiedenen Seiten schnell mit dem Adjektiv des Geschichtsrevisionismus belegt wird, ist oftmals ebenso übertrieben, wie diese Warnung im Prinzip ein gutes Zeichen ist. Auch „Anonyma“ schlägt also in diese Kerbe und beschäftigt sich basierend auf autobiographischen Aufzeichnungen mit den Massenvergewaltigungen, vor allem durch Soldaten der sowjetischen Roten Armee, denen deutsche Frauen nach dem Krieg im besetztem Berlin zum Opfer fielen. Das von der Brisanz dieses vor allem in der Nachkriegsgesellschaft tabuisierten Themas im letztendlichen Film nicht mehr sonderlich viel über geblieben ist, sondern sich als typisch-deutsches Hochglanzkino präsentiert, vermag letztlich nicht wirklich zu überraschen. Dreh und Angelpunkt ist die von Nina Hoss verkörperte „Anonyma“, und die Hoss ist auch das Einzige was den Film über den Durchschnitt hilft, verleiht sie ihrer Rolle doch als Einzige zumindest über weite Strecken die Ecken und Kanten, die für einen solchen Film doch so eminent wichtig sind. Der Rest der Regiearbeit von Max Färberböck gefällt sich jedoch viel zu sehr in der zu glatt, zu harmlos, und zu harmonisch gezeichneten Umgebung, in der dieses schreckliche Thema am Ende leider Gottes nicht viel mehr als Scharade ist, um den Zuschauer vorzugaukeln er hätte eine ernste filmische Auseinandersetzung mit dem Thema gesehen. - Fazit: 5,5 von 10 Punkten.


Australia“ (2008)

Baz Luhrmanns "Australia" ist großes Kino, da muss man gar nicht lange drum herum reden. Das es zu dem ganz großen Wurf, quasi zum überzeitlichen Meisterwerk, was „Australia“ zweifelsohne sein möchte, nicht reicht, liegt dann eben auch an der schieren Überladenheit des Drehbuchs. Was in bester „African Queen“ zwischen australischem rauh-charmanten Cowboy (Jackman) und englischer Lady (Kidman) beginnt, wandelt sich schnell zur abenteuerlichen Outback-Romantik, bevor sich „Australia“ in der zweiten Hälfte in den Wirren des zweiten Weltkrieges zum epochalen Melodram auswächst. Und über allem schwebt der Anspruch diese epic Love Story mit einem politischen Statement hinsichtlich des Umgangs der australischen Behörden und Gesellschaft mit den Aborigines zu überwölben. Das ist in der Tat viel narratives Holz, an dem sich Luhrmann in der Summe dann doch ein wenig überhebt. Nichts desto trotz bleibt „Australia“ mit seinen elegischen Bildern, großartigen Schauspielern und dem Mut zurm altmodischen Kino ein mehr als einfach nur lohnenswerter Film, der eben sehr gut, aber nicht überragendes Kino darstellt. Prunkstück von „Australia“ sind neben den immer wieder atemberaubenden Bildern ohne jeden Zweifel seine beiden Hauptdarsteller. Kidman gelingt innerhalb des Films auf eindrucksvolle Art und Weise die Wandlung von der zierlichen und hochnäsigen Lady zur anpackenden und selbstbewussten Frau, und Jackman seht dieser memorablen Performance in nichts nach. Im Nachhinein muss es also als großes Glück bezeichnet werden, dass Russel Crowe im Vorfeld aus dem Projekt ausgestiegen ist, und so für Jackman den Weg bereitet hat. - Fazit: 8,5 von 10 Punkten.


Der Tiger von New York“ (1955)

Stanley Kubricks zweiter richtiger Spielfilm ist durchaus ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite gefällt die Geschichte um einen erfolglosen Boxer (Jamie Smith) und seinem love interest als Genre-Mix irgendwo zwischen Liebesfilm und Noir. Auf der anderen Seite jedoch lassen sich die Schwächen innerhalb der unausgereift wirkenden Geschichte und der schwankenden Darstellerleistungen nicht verhehlen. Kubrick selbst war später mit dem Film nicht mehr sonderlich zufrieden, und das vermag nicht weiter zu verwundern. Wirklich interessant und ein „Muss“ ist der Streifen somit nur aus filmhistorischer Sicht in Sachen Kubrick. Die Experimentierfreudigkeit von Kubrick in bezüglich Schnitten, Einstellungen der Kamera und nicht zuletzt der musikalischen Untermalung deutet schon vieles an, was der Meister in seinen späteren Film perfektionieren wird. Exemplarisch hervorzuheben ist an dieser Stelle sicherlich der Showdown zwischen Protagonist und Antagonist in einer Fabrik für Schaufensterpuppen. Eine Szenerie die dem Ganzen eine fast surrealen Touch verleiht. Mag „Der Tiger von New York“, bzw. „Killer's Kiss“ - so der ungleich bessere englische Titel – auf der filmhandwerklichen Ebene also schon einiges vorweg nehmen, so untypisch für einen Kubrick ist der Film auf der inhaltlichen Ebene. Somit war der Abschluss in einem Film, der trotz seiner nur 68minütigen Spielzeit diverse Längen aufweist, noch das Überraschendste an der ganzen Veranstaltung. In der Summe ist „Der Tiger von New York“ somit der erste von mir gesehene Film von Stanley Kubrick den ich nicht mit 10/10 Punkten bewerten wollen würde. - Fazit: 7 von 10 Punkten.


Road Trip“ (2000)

Unter dem Eindruck von „Hangover“ und dank der dieswöchigen Wiederholung im NDR ein weiteres mal mit der latenten Hoffnung gesichtet, dass sich mir denn nun endlich der Reiz dieser Teenie-Klamotte erschließen möge. Die erhoffte Khartasis blieb jedoch aus: „Road Trip“ ist eine nur schwer erträgliche Rumblödelei die sich auf einem konstant unter der Gürtellinie spielendem Niveau befindet. Dabei ist der Prämisse, die dem Film zu Grunde liegt, ein gewisser Reiz nicht abzusprechen. Mit anderen Worten: „Road Trip“ könnte ohne weiteres funktionieren, wenn Phillips seine Vorstellung von Humor auch mal nur eine Sekunde überdacht, oder von mir aus auch nur variiert hätte. Was den Film vor einem totalen Reinfall rettet sind dann in der Tat die Konstellation der Figuren: Obschon nicht wirklich originell, sondern in der Zusammensetzung eher ein instant classic (siehe auch „Hangover“), vermögen sie doch Phillips Teenie-Filmchen einen Hauch von Charme zu verleihen. Das sich Todd Phillips dabei nicht nur in der Besetzung (Seann William Scott aka Stifler) beim „großen“ Vorbild „American Pie“ bedient ist allerdings jederzeit mehr als nur offenkundig. Nichts desto trotz bleibt „Road Trip“ zumindest in der Retrospektive interessant, zeigt sich nämlich im direkten Vergleich zu „Hangover“ durchaus, dass sich Todd Phillips Humorverständnis mitnichten geändert hat. Wohl aber hat er gelernt diesen nun auf eine Art und Weise zu präsentieren, die zwar immer noch von Zeit zu Zeit geschmacklos ist, aber in ihrer plakativen Visualisierung nicht mehr auf Toastscheiben und „Finger-in-Po“-Spielchen zurückgreifen muss. Deshalb gilt durchaus: Wer die qualitative Weiterentwicklung von „Road Trip“ zu „Hangover“ nicht erkennt, muss in der Tat mit bemerkenswerter Blindheit geschlagen sein. - Fazit: 3 von 10 Punkten.


The Reaping – Die Boten der Apokalype“ (2007)

Wissenschaft vs. Religion, Beweis vs. Glauben – Ein uralter Gegensatz, der auch im Film immer wieder gerne aufgegriffen wird. Diesmal in Form der Wissenschaftlerin Katherine Winter (Hilary Swank), die einst ihre Tochter und damit ihren Glauben an Gott verlor und sich nunmehr darauf verlegt hat, potentielle Wunder mit wissenschaftlichen Erklärungen zu widerlegen. „The Reaping“ ist in etwa so vorhersehbar, wie es der Ablauf der zehn Plagen auch ist. Es gibt blutige Flüsse, Heuschrecken, Frösche und was das alte Testament noch so zu bieten hat. Mit anderen Worten: Der Film bietet dem Zuschauer vertraute Genrekost, die mit den üblichen Mitteln auf Hochglanz gebürstet worden ist, und nutzt dazu noch einen der ältesten aber immerhin effektiven Trick: Stecke das Böse in den Körper eines kleinen Mädchens. Erfreulich ist dann immerhin noch, dass Regisseur Stephen Hopkins wenigstens versucht seinen Horror auf subtile Art und Weise zu erzeugen und weniger durch mögliches blutige Bilder. Was eine Hilary Swank in dem Streifen verloren hat, fragt man sich aber trotzdem, da diese in ihrer Rolle völlig unterfordert scheint. Letztlich kann man „The Reaping“ dann aber doch als Unterhaltung für zwischendurch durchwinken, auch wenn dieser okkulte Streich mit Sicherheit, kaum das er gesehenist, schon wieder vergessen ist. Und davon, dass dieser Hokus Pokus in seiner Prämisse, die an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird, durchaus als reichlich schwachsinnig bezeichnet werden kann, war an dieser Stelle noch nicht einmal die Rede. - Fazit: 5 von 10 Punkten.


Tremors – Im Land der Raketen-Würmer“

Im Land der Raketen-Würmer“ ist einer dieser Fälle, wo der deutsche Titel so herrlich bescheuert ist, wie der Film dann tatsächlich lustig ist. Lustig zumindest dann, wenn man einen Sinn für humorigen B-Movie-Trash hat. Denn das und nichts anderes ist dieser Film, dem seine Geschichte herzhaft egal ist, gar nicht erst nach den Gründen fragt, sondern sich viel mehr einen Spaß daraus macht die Protagonisten des Films nicht ohne das gewisse ironisierte Augenzwinkern durch den Sand der Wüste zu jagen. Was „Im Land der Raketen-Würmer“ vor allem anderem auszeichnet ist der verwegene Haufen, der sich da mitten in der Wüste zu wilden Würmerjagd versammelt, wo über die nichtsnutzigen McKee und Bessett (Großartig: Kevin Bacon und Fred Ward) über die hübsche Wissenschaftlerin bis zum amerikanischen Waffen-Junkie-Ehepaar wirklich alles dabei ist. Das der Film somit in seiner Summe weniger erschreckend, als brüllend komisch ist, liegt dann wohl in der Natur der Sache. Und so ist der Film dann auch bestes Beispiel dafür, dass weder eine großen Budgets, noch sündhaft teurer Effekte bedarf, um einen Film zu schaffen, der witzig und voller Esprit ist. - Fazit: 7 von 10 Punkten.


13 Kommentare:

tumulder hat gesagt…

Mir fehlen manchmal einfach die Worte. Road Trip ist ein soetwas von sympathischer Film, der tonnenweise Klischees zu einem mehr als überdurchschnittlichen und postmodernen High School Klamauk zusammenfaßt. Und jetzt mal einfach runter in den Keller ins große Archiv Abt. High School Klamotte und wenigstens Ferris macht Blau, Der Volltreffer und Lanny dreht auf sichten. Und dann auch noch 5 Punkte für The Reaping, einem der schlechtesten Filme der jüngeren Gegewart. Um Gottes Willen. Was ist bei diesem Film bitte schön subtil?

C.H. hat gesagt…

Es ist mir ja mal wirklich völlig wurscht was das fleißige Bienchen Phliips da an gängigen Klischee gesammelt und verdichtet hat, wenn er es dann in der Summe dabei belässt, dass seinen Protagonisten der Finger in den Allerwertesten gesteckt wird, Toatscheiben sonst wo lang geschmiert werden, nen Alten kurz vom Herzinfakt mit ner Dauer-Beule in der Hose rumrennen zu lassen, und dann noch nen überdimensionierten Hintern einer Farbigen im Leo-Syle-Höschen als Witzobjekt zu stilisieren. Was daran über dem Durschnitt sein soll (bei der Fäkal-Sex-Sonst-Was-Witzabteilung verbietet sich das Wort "über" imho sowieso), weiß ich ebenso wenig, wie ich sehen kann wo der Film abseits seiner Protagonisten symphatisch sein soll. Aber gut, vielleicht erkenne ich das alles einfach auch nicht, obschon ich mich ansonsten doch schon gerne (Vorsicht: Reaktion auf einen Kommentar in einem benachbarten Blog) druchaus gerne von Zeit zu Zeit der "Multiplex-Bourgeoisie" zugehörig fühle. ;-)

Zu "The Reaping": Ich habe zu keinem Zeitpunkt behauptet, dass es Hopkins gelingt Subtilität zu erzeugen, sondern nur das ich es im anrechne es versucht zu haben, und nicht von vornherein ein Schlachtfest zu veranstalten. Wir sind uns völlig einig, dass dies kein guter Film ist, aber ich habe mich durchaus in der Minute des Sehens unterhalten gefühlt, und somit geht das für mich in Ordnung. ;-)

tumulder hat gesagt…

Was für böse Gedanken. Überlege mal wer da überall als Sieger herausgeht und über wen sich in den von dir genannten Szenen wirklich lustig gemacht wird.*g*

JMK hat gesagt…

The Reaping fällt in die selbe Kategorie wie Premonition: unnötig und unterirdisch. Ob die Swank unterfordert ist, wage ich ja fast schon zu bezweifeln, eher das Gegenteil. Die Szene wie sie wallendem Gewand des nächtens durch den Garten streifte hatte schon was. Meine Fresse!

Dazu noch zwei Filme mit das Hoss und das Kidman. Respekt. DAS ist Horror:-)

C.H. hat gesagt…

Junge, Junge. Gibts eigentlich auch ne Schauspielerin die deiner Meinung nach was kann? Swank? Mööp! Hoss? Mööp! Kidman? Mööp! Jetzt fehlen mir die Worte... :D

JMK hat gesagt…

mehr als genug. Rowlands, Swindon, Dunst etc.pp.
aber mal ernsthaft die Hoss chargiert bloss und denk sie muss die Theaterattitüde auf die Leinwand bringen und die Swank ist im allerbesten Fall guter Durchschnitt.

C.H. hat gesagt…

Also bezüglich der Hoss würde ich ja sogar noch mit mir reden lassen, aber auf die Swank lasse ich nichts kommen. Die hat nur das Problem, das die sich immer mal wieder auf Rollen in Filmen einlässt, die sie besser nicht übernommen hätte. Aber schauspielerisch ist die schon sehr, sehr gut... ;-)

Anonym hat gesagt…

omg, du hast "Farbige" gesagt. wie 1973.

JMK hat gesagt…

naja wo fiel die Swank denn mal positiv auf?
11:14 oder The Core da war sie dabei und störte nicht:-)
Gelobt wird sie doch nur für Million Dollar Baby, das erinnert fatal an Halle Berry. Ein guter Film und das war es dann.

C.H. hat gesagt…

@ Anonym:

omg, Skandal. Ich muss diesen Blog auf der Stelle schleißen, und mich öffentlich entschuldigen. ;-)Aber du hast natürlich Recht,"afro-amerikanisch" wäre politisch höchst korrekt gewesen. Btw: Was war 1973?

@ Jmk:

Nun in "Million Dollar Baby" war sie nun ja auch mal Weltklasse. Dann hat sie mir in "Insomina" noch gefallen (Leider ist das ansonsten ein ziemlicher Grotten-Film. Und nun ja, achte mal auf meinen Blog-Header, wo könnte sie mir denn noch gefallen haben? ;-)

Anonym hat gesagt…

@ C.H.
nee, da gings jetzt gar nicht um (un-)pc-ness. und '73 hab ich mal wahllos aus der "farbigen" dekade gegriffen.

Rajko Burchardt hat gesagt…

Re: Australia:

Hatte große Probleme mit den vielen Green Screens... fast schon ein Unding in einem Film, der die Schönheit Australiens einzufangen meint.

Und Kidmans Gesicht macht mir zunehmend Sorgen...

Re: Tremors:

War immer einer meiner alltime favs, weil - du schon andeutest - unfassbar ökonomisch strukturiert. Finde die Ideenfülle des Films noch immer bemerkenswert, ansonsten habe ich ihn mir aber einfach übersehen.

C.H. hat gesagt…

ansonsten habe ich ihn mir aber einfach übersehen.

Tja, und ich kannte den Film bis vor ein paar Monaten gar nicht (Jaja, ich weiß: Nicht wirklich überraschend bei mir), und bin dann in Erwartung einer absoluten Gurke doch wirklich freudig überrascht gewesen... ;-)

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