Rezension: "Hangover"














Man konnte es schon seit einigen Wochen hören und lesen: „Hangover“ schwang sich in den USA zu dem Überraschungshit des Sommers und des bisherigen Jahres auf. Und es dauerte nicht lange, bis die nicht gerade sonderlich prominent besetzte Komödie, die unter der Regie von Todd Phillips abgedreht wurde, mit dem kurzen aber bedeutsamen Wörtchen Kult bedacht wurde. Und trotz der schier überbordenden Lobhudelei mit der „Hangover“ von weiten Teilen der Kritik und des Publikums bedacht wurde, schien ein gewisses Maß Skepsis bis zum hiesigen Kinostart geboten. Immerhin ist an dieser Stelle von einem Regisseur die Rede, der sich in seiner Karriere noch für keinen sonderlich beeindruckenden Film verantwortlich zeigte, und in seinem Debüt „Road Trip“ in Form einer reichlich abartigen Verwendung von Toastscheiben ein ziemlich merkwürdiges Humorverständnis an den Tag legte. Nun steht mit „Hangover“ Phillips neuester Versuch im so schwierigen Genre der Komödie an, und welches Ereignis und welche Stadt böte sich da besser an, als ein feucht-fröhlicher Junggesellenabschied in Las Vegas: „Viva Las Vegas!“, „One Wild Night!“, „What happens in Vegas, stays in Vegas!“ - Es gäbe in der Tat eine Menge griffige Phrasen um die an den Tag gelegte Grundstimmung von „Hangover“ zu beschreiben. Am passendsten wäre dann wohl aber doch frei nach Shakespeare: „Ein Königreich für eine Erinnerung!“


Es soll für Doug (Justin Bartha) der schönste Tag seines Lebens werden. Doch vor dem Tag an dem er seine Tracy (Sasha Barrese) zur Frau nehmen wird, schließt sich einem ungeschriebenem Gesetz zur Folge noch die obligatorische Junggesellenparty an, die zu Ehren des zukünftigen Bräutigams begangen werden muss. Und so fahren Doug und seine Freunde Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms), sowie sein schräger zukünftiger Schwager Alan (Zach Galifianakis) zwei Tage vor der Hochzeit nach Las Vegas, um es noch einmal ordentlich krachen zu lassen: Alkohol, Frauen, Glückspiel, es sollte die für die Freunde eine unvergessliche Nacht werden. Umso größer am nächsten Morgen der Schock: Aus der unvergesslichen Nacht, wurde ein Abend der am nächsten Morgen im wahrsten Sinne des Wortes dann doch leider vergessen ist. Warum ist das luxuriöse Hotelzimmer in der die Freunde einquartiert sind völlig verwüstet? Warum raucht der Sessel? Warum befindet sich im Badezimmer ein ausgewachsener und lebendiger Tiger? Warum fehlt dem Zahnarzt Stu ein Schneidezahn? Was macht eigentlich das verlassene Baby in dem halbzerstörten Zimmer. Und vor allem: Wo ist eigentlich der Bräutigam? Fragen über Fragen, mit denen sich Phil Stu und Alan am nächsten Morgen - von den nächtlichen Abenteuern schwer gezeichnet – stellen müssen, und auf die sie keine Antwort haben. Mühsam versuchen sie ihre Schandtaten der letzten Nacht zu rekonstruieren, denn viel Zeit bleibt nicht mehr bis zur Hochzeit am nächsten Tag, auf der sich die Anwesenheit des Bräutigams als durchaus praktikabel erweisen würde.


Soweit die Ausgangslage von „Hangover“, der sich somit eines ebenso simplen wie effektiven Kniffs bedient: Der Zuschauer ist immer nur genauso schlau, wie die Protagonisten innerhalb des Films. Aus dieser einfachen Prämisse holt Todd Phillips nahezu das Optimum heraus, denn es gelingt ihm mit „Hangover“ eine Komödie abzuliefern, die nicht nur witzig, sondern auch voller Tempo ist. Dabei zehrt der Film vor allem auch von den im Drehbuch gezeichneten Figuren, nebst der zugehörigen Besetzungen der Rollen. Freilich, Bradley Cooper der den angehenden Bräutigam Doug verkörpert, hat in dieser Hinsicht in gewisser Weise den undankbarsten Part, da dieser in seiner Eigenschaft als zu suchendes Objekt nur am Anfang, sowie am Ende des Films zu sehen ist. Seine drei Kollegen dürfen hingegen zeigen, was sie können. Während Bradley Cooper seinen Phil irgendwo zwischen unwilligem Lehrer, elegantem Playboy und Familienmensch mit Frau und Kind anlegt, und Ed Helms einen herrlich stereotypen Looser, der von seiner Frau gerne mal betrogen und verprügelt wird, verkörpert, ist der unbestrittene Star des Films ohne jeden Zweifel Zach Galifianakis. Der bärtige, verschrobene und skurrile Alan sorgt für die größten und meisten Lacher des Films. „Hangover“ ist somit ein weiteres Beispiel dafür, dass es der großen Gesichter auf der Leinwand nicht bedarf, um überzeugende bis überragende Schauspielleistungen im Kino zu sehen.


Bei all dem berechtigtem Lob, welches sich „Hangover“ ohne jeden Zweifel verdient hat, bleiben dann doch letzte Schönheitsfehler, die dem Film die Aufnahme in die absolut höchsten Sphären der Wertungsskala vermasseln. Was allerdings nichts an der Tatsache ändert, dass es sich bei „Hangover“ um die beste Komödie des bisherigen Kinojahres, wahrscheinlich sogar des gesamten Jahres 2009, sowie auch in den letzten Jahren handelt. Es kann eine Menge gelacht werden in diesem Film, das ist überaus erfreulich, und doch: Auch wenn es „Hangover“ immer wieder gelingt Situationskomik zu erzeugen, herrlich bissige und anrüchige Pointen zu landen, sowie eine wunderbare Chemie zwischen den Darstellern spürbar werden zu lassen, so ganz kann Todd Phillips offensichtlich nicht aus seiner Haut: Es sind zwar nur wenige Szene, in denen „Hangover“ die imaginäre Grenze zwischen gelungenem Slapstick und übertriebenem (und dann auch sofort unnötigen und nicht mehr funktionierenden) Kalauer überschreitet, doch sind diese ohne jeden Zweifel vorhanden. Doch zum Glück bleiben diese Aussetzer wirklich eine Ausnahme, und werden nicht zuletzt auch durch einen absolut famosen Soundtrack locker überspielt.


In der Summe ist „Hangover“ also ein knackiger, gut hundertminütiger Spaß, der seinen ganzen im Film gezeigten Eskapismus aber auch als eben solchen einzuordnen vermag. Das Leben ist nun mal kein ewig währender alkoholisierter Trip in Las Vegas, und „Hangover“ suggeriert dies auch an keiner einzigen Stelle: Am Ende steht natürlich die obligatorische Hochzeit. Die eine und wilde Nacht mündet für die Freunde – bis auf eine Ausnahme (Und diese Episode mag zwar berechenbar sein, doch macht sie das nicht weniger charmant) wieder in die geregelten Bahnen des Lebens. Last but not least ist „Hangover“ ein Film – und das muss durchaus auch noch einmal herausgestellt werden - der den Kauf der Eintrittskarte schon fast alleine durch seinen launigen Abspann rechtfertigt. True Story! - Fazit: 8,5 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Hangover". © 2009 Warner Bros.


7 Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

Der IE will nicht so wie ich es will. Also zum 3. (bei jedem Versuch wird mein Kommentar kleiner, da mir die Lust entschwindet).

Die Skepsis bleibt bei mir, wobei es weniger Skepsis als reines Desinteresse ist. Der Film schreit für mich nach DVD-Auswertung, da bringen auch deine ständigen Superlative im Halbsatz (bester Film des bisherigen, nein des ganzen Jahres - ach was, der ganzen letzten Jahre! [Aller Zeiten?]} keinen Umschwung ;-)

Und so unbekannt sind die Gesichter nicht, höchstens für Leute außerhalb der USA und ich bin der Ansicht, Hollywood-Filme orientieren sich primär am nordamerikanischen Publikum. Daher sind weder Cooper (Alias) noch Helms (The Office, The Daily Show) oder Galifianakis (Stand-Up Comedian) dort sonderlich unbekannt - aber ich denke du wolltest eher darauf hinaus, dass man nicht Ryan Reynolds und Matthew McConaughy gecastet hat, sprich B-Promis, statt Movie-Stars.

Seit heute regt sich in mir der Verdacht, dass deine Punktewertung nur Genreaussagekraft hat. Kann das sein? Oder hast du dich letztlich einfach nicht getraut den Film vor die schlechter rezipierten MILK und PUBLIC ENEMY Filme in deinen Top 10 zu platzieren? ;-)

C.H. hat gesagt…

(bester Film des bisherigen, nein des ganzen Jahres - ach was, der ganzen letzten Jahre! [Aller Zeiten?]

Nicht bester Film des (bisherigen) Jahres, sondern beste Komödie des Jahres. Das ist das, was ich geschrieben habe.

Daher sind weder Cooper (Alias) noch Helms (The Office, The Daily Show) oder Galifianakis (Stand-Up Comedian) dort sonderlich unbekannt

Ok, da magst du Recht haben. Ich bin jetzt wirklich mal primär von mir ausgegangen, und ich kannte die alle nicht.

Oder hast du dich letztlich einfach nicht getraut den Film vor die schlechter rezipierten MILK und PUBLIC ENEMY Filme in deinen Top 10 zu platzieren? ;-)

Hat nichts mit Traute zu tun, sondern nur mit meiner ausgesuchten Blödheit den Filma an die richtige Stelle zu setzen. Ich änder das mal eben. Danke. :D

Flo Lieb hat gesagt…

Ja, Film/Komödie, meinte ich doch :-P

luzifus hat gesagt…

"Bei all dem berechtigten Lob, welches sich "Hangover" ohne jeden Zweifel verdient hat, bleiben dann doch letzte Schönheitsfehler, die dem Film die Aufnahme in die absolut höchsten Sphären der Wertungsskala vermasseln."

Die da wären?

C.H. hat gesagt…

Vor allem die Aspekte die ich mittlerweile als "Todd-Phillipps-Syndrom" bezeichnen würde, oder anders ausgedrückt. Er hat ja, wie bereits gesagt, schon viel gelernt auf dem "Road Trip" der ihn schließlich nach "Hangover" geführt hat, aber bei so einigen Sznenen habe ich mich dannn doch gefragt, was das eigentlich soll: Exemplarisch die Sequenz im Krankenhaus mit dem alten Mann. Die war für die Handlung völlig unnötig und setzte nur auf den "Iiihh-alte-Körper-sind-unästhetisch-Witz". Und solche Szenen gab es dann noch ein, zwei mal die mich dazu der von dir zitierten Bemerkung veranlasst haben. Denn auch wenn ich "Hangover" als unwahrscheinlich gelungen erachte, kann ich doch nicht so weit gehen und den Film als eine Komödie einschätzen, die auf absolutem weltklasse Niveau spielt.

PS: Das Paste & Copy nicht funktioniert liegt an irgendeinem Bug von Blogger, der verhindert das sich das Kommentarfenster und der Firefox 3.5 vertragen. Mit anderen Browsern funktionierts zum Glück noch. ;-)

luzifus hat gesagt…

Ja, auch Mike Tysons Auftritt fand ich sehr... überflüssig, als er zu Phil Collins abgeht. Aber weiter gestört haben mich diese potenziell überflüssigen Elemente nicht wirklich. Es lässt sich zwischen "Road Trip" und "The Hangover" tatsächlich eine Entwicklung erkennen. Aber ich sehe eben nicht wirklich den Qualitäts-Quantensprung...

Danke für den Firefox-Hinweis. Ich habe bisher auch vornehmlich den Internet Explorer benutzt, bevor der ständig zusammenbrach.

Fred hat gesagt…

Auch der Film "Project X" von den Machern von Hnagover ist sehr empfehlenswert, doch denke ich, dass "Hangover" einfach unerreicht bleibt ;)

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