Rezension: "Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los"












2002 war die eiszeitliche Urwelt noch in Ordnung: Faultier Sid faulte, Mammut Diego stampfte und Säbelzahntiger Diego pirschte durch die Gegend. Nicht zu vergessen das Säbelzahnhörnchen Scrat, das einem pelzigem Sisyphos gleichend, auf der ewigen Jagd nach der Eichel war. Der erste Teil von „Ice Age“ stellte somit vor einigen Jahren eine echte und liebenswerte Alternative zum Branchenprimus Pixar dar, der wohl zu Recht zur absoluten Referenz im Genre des Animationsfilms gilt, und das eben nicht nur technisch, sondern vor allem auch inhaltlich. Und genau dort, auf dieser narrativen Ebene, hatte „Ice Age“ durch seine schrulligen und interessanten Charaktere seine Stärken. Mittlerweile ist auch das „Ice Age“ - Franchise vom technischen Standpunkt her State of the Art, doch konnte man schon im zweiten Teil beobachten, dass die Pointen nicht mehr ganz so oft zünden wollten, die Charaktere schon nicht mehr ganz so liebenswert waren, und das last but not least auch die erzählte Geschichte nicht mehr so gut funktionieren wollte. Heilsbringer in der Not war da mal wieder Scrat, der dem drohenden Abwärtsstrudel immerhin phasenweise Einhalt gebieten konnte. Nun steht mit „Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los“ das dritte Abenteuer der eiszeitlichen Helden an (in einigen Kinos sogar in 3D) und man darf gespannt sein, ob es den Beteiligten gelungen ist, den latenten Abwärtstrend zu stoppen.


In der doch arg unkonventionellen Herde rund um Faultier Sid stehen einschneidende Veränderungen an. Mammut-Pärchen Manni und Elli erwarten ihr erstes Kind, und was die Frau Mama in spe erstaunlich kalt lässt, führt bei Papa Manni zu erhöhtem Pulsschlag und geschäftigem Treiben. Seiner kleinen Familie soll es später an nichts fehlen – selbst gebautem Spielplatz für den Kleinen inklusive. Währenddessen befindet sich Säbelzahntiger Diego in einer waschechten Midlife-Crisis: Der alte Säbelzahn ist auch nicht mehr das, was er mal war, ist völliger außer Form geraten und kündigt den Freunden seinen Abschied an. Das quirlige Faultier Sid hingegen hat sich keine Spur verändert, und geht seiner Umgebung auf liebenswerte Art und Weise wie gehabt auf den Geist. Aber auch er spürt den Wind der Veränderung, und als er eines Tages einen Haufen scheinbar verlassener Eier findet, beschließt er seine eigene Familie zu gründen. Dumm nur, dass die Eier – und die bald daraus geschlüpften Babys – einer ausgewachsenen und ziemlich wütenden Tyrannosaurus Rex – Mama gehören, die sich nicht nur ihre Babys zurückholt, sondern auch Sid entführt. In diesen schwierigen Zeiten zeigt sich dann, dass die bunt zusammengewürfelte Herde wenn es drauf ankommt doch zusammenhält, und so machen sich Manni, Elli, Diego und die beiden hyperaktiven Opossums Eddie und Crash auf die Suche nach ihrem Freund. Einstweilen bekommt Scrat bei seiner Hatz nach der legendäre Eichel verführerische Konkurrenz: Säbelzahnhörnchenweibchen Scrate.


E soll an dieser Stelle nicht lange um den heißen Brei herum geredet werden: Dieser dritte Teil des Franchise kommt natürlich weder auch nur annähernd in die Nähe des ersten Teils, noch vermag er den Abwärtstrend, den der zweite Teil eingeleitet hat, wirklich zu stoppen. Sicher, handwerklich gibt es an „Ice Age 3“ nichts auszusetzen und ein wirklich schlechter Film sieht deutlich anders aus, und trotzdem: Das es den Machern nicht gelungen ist auch auf inhaltlicher Ebene wieder mal deutliche Akzente zu setzen, ist zu bedauern. Der Humor, der gerade auch den ersten Teil durchzog, und in seiner Ausrichtung den Spagat zwischen jungen Zuschauern und Erwachsenen schaffte, ist nun weitestgehend verflogen. Was bleibt sind recht offensichtliche, teils sogar ziemlich platte, und nur selten funktionierende Kalauer. Auch in der Entwicklung der Charaktere mag der Film nicht so recht vorankommen. Exemplarisch für diesen Sachverhalt ist die angebliche Sinnkrise von Diego, die schneller gegangen, als gekommen ist. Gerade der verschlagene Säbezahntiger war insbesondere noch im ersten Teil der wohl interessanteste Charaktere. Von dessen Ambivalenz ist nun aber endgültig nichts mehr über geblieben. Gelungen hingegen ist die Implementierung der neuen Figur Buck: Ein leicht durchgeknalltes Wiesel, dass sich als Exilant in der Welt der Dinosaurier in Rambo-Manier durch den Dschungel kämpft, und die Freunde bei der Suche nach Sid unterstützt. Hier gelingt es „Ice Age 3“ endlich mal wirklich neue Impulse zu setzen, die den Film zumindest zeitweise aus seinen ansonsten recht eingefahrenen Bahnen befreien können.


Apropos Dinosaurier: Die durften ja irgendwo auch nicht fehlen, und es war wohl in der Tat nur eine Frage der Zeit bis diese auch in „Ice Age“ ihren ersten Auftritt haben würden. Nun ist es soweit, doch die Verlagerung der Handlung in neue Gefilden kann – obschon optisch natürlich sehr gefällig – die bereits angesprochenen Schwächen des Films nur in Ansätzen übertünchen. Letztlich bleibt zu „Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los“ nicht viel zu sagen: Es ist ein schönes Wiedersehen mit lieb gewonnenen Charakteren, doch so langsam stellt man sich dann doch die unterschwellige Frage, ob man auf ein Wiedersehen nicht doch lieber verzichten wollen würde, wenn es in der Filmentwicklung weiter geht wie bisher. Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist. Dieser Zeitpunkt ist natürlich schon längst verpasst. Bleibt zu hoffen, dass das Franchise den Absprung schafft, bevor es endgültig den Bach runter geht. Oder aber „Ice Age“ bekommt tatsächlich noch mal die Kurve. Aber mal ernsthaft: Wer vermag daran, allein schon nach dem Verlauf des bisherigen Kinojahres mit all seinen mittel- und unterklassigen Sequels, die sich in der sicheren Gewissheit an der Kinokasse zu reüssieren in der Konzeption kaum noch Mühe geben – und „Ice Age 3“ reiht sich in diese ruhmlose Riege nahtlos ein – noch wirklich zu glauben? - Fazit: 5 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los". © 2009 2oth. Fox


25 Kommentare:

Alexander Langer hat gesagt…

Ehrlich gesagt finde ich (und meine Mitscheuer waren darin dergleichen Meinung), dass IA3 der beste der drei Filme ist. Und das unabhängig davon, dass wir ihn in 3D gesehen haben..

C.H. hat gesagt…

Hm. Das jemand den dritten Teil eventuell besser findet, als den Zweiten kann ich mir ja noch irgendwie vorstellen. Aber das der auch noch besser als der erste Film sein soll?! Ich weiß ja nicht... ;-)

xander81 hat gesagt…

Ich fand ihn dem zweiten zumindest ebenbürtig. Sehe ihn aber, wie du weißt, aber auch nicht ganz so negativ wie du.

JMK hat gesagt…

Jetzt wollte ich mal loben, dass eine Rezension ohne den unsäglichen Pixar-Vergleich auskommt...tja....
Dass Pixar nun inhaltlich zu überzeugen weiss/wusste ist aber auch nur ein Gerücht.

Ich bin immer noch gespannt auf Ice Age3, es scheint als gingen bei der Reihe wie bei kaum einem anderen (Animations)Film die Meinungen auseinander, ich fand den zweiten bisher auch am besten, die Figur der Ellie und der beiden irren Viecher war durchaus gelungen. Nur erscheint mir die Einführung von erneuten Charakteren langsam problematisch, das wird ja voller als auf dem Hamburger Hauptbahnhof

C.H. hat gesagt…

Ja, mei. Pixar ist nun mal die Referenz im Genre. Das ist halt mal (noch) so. Btw: Ich bin ja sowieso kein sooo großer Freund von Animationsfilmen, aber wenn ich was von Pixar gesehen habe (Ok, war jetzt noch nicht die überwältigende Masse), dann hat mir das insbesondere auch immer inhaltlich gefallen.

PS: Wie gesagt, das durchgeknallte Wiesel funktioniert ganz wunderbar. Da brauchst du dir keine Sorgen machen.

PPS: Der Hamburger Hauptbahnhof ist nicht nur voll, sondern ne einzige nervige Katastrophe. ;-)

Flo Lieb hat gesagt…

Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist. Dieser Zeitpunkt ist natürlich schon längst verpasst.

Die Tatsache, dass du nach dem deiner Aussage nach schon schlechteren 2. doch den dritten angesehen hast, legt in meinen Augen die Vermutung nahe, dass du dir auch einen vierten anschauen würdest, ungeachtet dessen, dass du schon die beiden Vorgänger nicht wirklich überragend fandest. Und wenn jeder so denkt/handelt, dann kommt auch sicher genug Geld rein, dass Blue Sky über einen 5. nachdenkt und dann beginnt der Kreis von vorne.... :-)

C.H. hat gesagt…

Das ist natürlich völlig richtig. Ich trage mit meinen Kinobesuchen natürlich entschieden dazu bei, dass sich auch mittelmäßiger Mist in den Sequelkinos locker rechnet (weil man halt doch immer irgendwo noch hofft, das es endlich mal wieder besser wird). Aber ich glaube da können wir uns alle nicht völlig rausnehmen. ;-)

JMK hat gesagt…

Ist Pixar die Referenz? Mit Filmen wie Cars, Nemo, Bug's Life, (Up soll ja auch furchtbar sein)? Das mag zu Beginn der Animationsfilme gerechtfertigt gewesen sein, aber inzwischen sind Animationsfilme etabliert wie Realfilme, dass sich hier ein Studio besonders hervorheben würde, sehe ich nicht (mehr).
Mit Ratatouille wurde IMHO die Grenze zum "ernsthaften" Film mit Inhalt überschritten.

Ein Ice Age 4 ist,bei dem bisherigen Einspielergebnis, so sicher wie Minusgrade in Kiel.

Der HBF in HH ist ein Witz, man könnte auch meinen man befindet sich in einem Kuhdorf in der Mongolei!

C.H. hat gesagt…

Was hast du gegen "Nemo"? Der ist doch super. Und ausgerechnet "Ratatouille" finde ich auch absolut großartig. Alleine diese Kritiker-Reder da am Ende. Wunderbar.

PS: Ja, nur das dieses Kuhdorf in der Mongolei nicht ständig überlaufen ist. ;-)

Alexander Langer hat gesagt…

An Monster AG kommt eh nüscht ran :D

Flo Lieb hat gesagt…

So große Probleme hab ich nie auf dem Hamburger Hauptbahnhof...

JMK hat gesagt…

Nemao ist ein furchtbarer konservativer Scheiss, sowas moralinsaures findet man selten.
Aber da wurde natürlich wieder mal nur auf die, zugegeben technische Umsetzung geschaut, das kann es aber nicht sein

orangedoe hat gesagt…

Pixar ist noch immer das Maß aller Dinge, weil die es schaffen, einem vergessen zu lassen, dass man Geschöpfe aus dem Computer betrachtet. Bei den besten Pixar-Filmen (Ratatouille, Nemo, Wall-E) findet man sich selbst in den Figuren wieder, als würde man einen Realfilm betrachten. Während andere Animationsfilme ihre Künstlichkeit durch Popkultur-Referenzen (Shrek) oder Action (Kung-Fu Panda) zu überdecken suchen, also über ihre Genrebarrieren kaum hinausgreifen, kleidet Pixar existenzielle Fragen, die wohl jeden Menschen irgendwann in seinem Leben mal beschäftigen, in Roboter-, Fisch- und Rattenkleider. So einfach ist das.^^

Das einzige, was mir in ihren Filmen bis jetzt noch fehlt, ist eine weibliche Heldin. Aber das ist eine andere Geschichte...

C.H. hat gesagt…

Wohl gesprochen orangedoe! Das hätte ich nicht besser sagen können, und dem ist somit nichts hinzuzufügen ;-)

JMK hat gesagt…

@orangedoe
dazu fällt mir nix mehr ein, vor allem zum drittletzten Satz...

Knurrunkulus hat gesagt…

Ich habe den ersten Teil nicht mehr allzu gut in Erinnerung, und auch der zweite Teil ist eher in Vergessenheit geraten. Sehe aber die Reihe ICE AGE auch nicht als eine Reihe, von der ich erwarte, dass sie mir mit kongenialer Erzählung noch lange in Erinnerung bleibt. Ich will einfach nur gut unterhalten werden, und sehe daher auch deinen Kritikpunkt der hastig abgehandelten Krise von Diego nicht ansatzweise so kritisch. Ob es nun der beste Teil der Reihe ist, das weiß ich nicht. Aber ICE AGE 3 ist meiner Meinung nach doch eindeutig der bisher temporeichste ICE AGE-Film. Und die Übergänge zwischen diversen Szenen waren diesmal echt gut gelungen (zum Beispiel der Griff zur "Munition" und dabei das Aufdecken von Scrats Liebesnest). Ja, das ist alles ziemlich platt und kalauerig. Aber ich kann nicht behaupten, dass es bei mir nicht gewirkt hätte. Ich habe viel gelacht.

Nur anfangs kommt das alles recht schwer in Gang. Aber ansonsten: Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Und mehr wollte ich auch nicht. Wollte ich mehr wollen, würde ich wohl wirklich in Richtung PIXAR schauen. Die Garantie, dass ich dabei mehr kriegen würde, gäbe es da aber auch nicht. Bin bei weitem nicht von jedem ihrer Filme überzeugt.

Knurrunkulus hat gesagt…

Und wenn wir schonmal bei PIXAR sind: Könnte man bitte endlich mal damit aufhören, bei den besten PIXAR-Filmen in 90% der mir bekannten Listen CARS einfach so zu unterschlagen? It belongs up there. More than Nemo does. Meine Güte: das sind Autos. AUTOS. Und ich habe zwei Stunden lang mit ihnen mitgefühlt wie mit Menschen. Wenn das kein Geniestreich ist, dann weiß ich auch nicht.

C.H. hat gesagt…

Na, wenn ich mir mal so die Art der Beziehungen ins Gedächtnis rufe, die einige Männer mit ihren Blechkarossen führen, wundert mich das durchaus weniger... ;-)

Knurrunkulus hat gesagt…

Ich habe noch nicht einmal ein Auto. Gehöre also nicht zu dieser Zielgruppe. ;)

lalia hat gesagt…

@Knurrunkulus: ne, sorry, bei cars und toy story konnt ich mich nicht für die charakter erwärmen

ice age 3 dagegen fand ich auch lustig und die vielen filmanspielungen waren doch nur großartig. auch die referrenzen auf den ersten film, supi genial. und ich 3D eh einen kinogang wert.

tumulder hat gesagt…

Toy Story ist doch cool. Und dabei mache ich mir doch überhaupt gar nichts, aber auch gar nichts aus Computeranimationsfilme.:D

Flo Lieb hat gesagt…

Ach, Pixar ist auch nicht immer (inhaltlich) das Gelbe vom Ei. Genausowenig wie bei DreamWorks alles scheiße ist. Die einen identifizieren sich eben mit Autos, die anderen mit Fischen. *dersichdieHändereibtundauf9freut*

C.H. hat gesagt…

Na denn Link zu "9" hast du ja sehr gut versteckt. Nur Mut, "Werbung" ist hier erlaubt, wenn der Trailer so interesant aussieht, wie der von "9". ;-) Kannte ich noch gar nicht.

lalia hat gesagt…

@Flo, die fische und Autos waren beide von Pixar.. oder meinst du nun große Fische, kleine Haie?!

Flo Lieb hat gesagt…

Ich meinte das nur, weil Knurrunkulus sich für die Autos so sehr einsetzte. War also Pixar-spezifisch :)

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