FFF - Rezension: "Sexykiller"















Männer sind ja so berechenbar und Chauvinisten noch dazu. Jedenfalls sollte kein männlicher Zuschauer, das macht Barbara (Macarena Gómez) schon mal von Beginn an klar, "Sexykiller" mit der Hoffnung besuchen, einen jener typischer Genre-Filme zu sehen, in der junge Frauen von einem Psychopathen reihenweise um die Ecke gebracht werden. In diesem Film, das ist ja wohl klar, tötet nur Eine: Barbara. Warum? Naja, das sei ja sowieso schon mal völlig egal. Die entscheidende Frage sei viel mehr: Warum nicht? Es ist nicht zuletzt der inszenatorische Handgriff des Regisseurs Miguel Marti von Beginn an die Dimensionen zu brechen und seine Protagonistin, die sich der Kamera und des Zuschauers somit völlig bewusst ist, direkt zum Publikum sprechen zu lassen, der von Beginn an aufgeht. Man merkt schnell, dass die an "Sexykiller" Beteiligten darüber nachgedacht haben, was sie an dieser Stelle für einen Film drehen wollen und sich nicht nur darauf beschränkt haben ihre Hauptdarstellerin in ein möglichst knapp geschnittenes Outfint zu stecken. Doch bevor jetzt an dieser Stelle allgemeine Verunsicherung aufkommt: Keine Panik, "Sexykiller" hält auch in dieser Hinsicht was der Titel verspricht. Aber zurück zum Wesentlichen, und da soll ja begründet werden, warum man schnell erkennen kann, dass man bei "Sexykiller" seinen Spaß haben wird. Dies ist nämlich bereits beim wunderschön stimmigen Vorspann abzulesen, so dass in diesem Fall mal wieder eine alte These besätigt worden ist: Wenn sich ein Film schon beim Vorspann Mühe gibt, dann ist die Chance groß, dass man sich auch vom Rest einiges versprechen kann.


Auf den ersten Blick ist Barbara eine ganz normale Medizinstudentin mit einer Schwäche für Barbies gelacktem Freund Ken. Und so man sollte es tunlichst vermeiden, diesen in der Gegenwart Barbaras als schwul zu bezeichnen. Dann kann es nämlich passieren, dass man am nächsten Morgen nicht mehr unter den Lebenden verweilt. Und von den unerfreulichen Dingen, die Einem blühen, sollte man das Schoßhündchen Barbaras über den Haufen fahren, ist an dieser Stell noch nicht einmal die Rede gewesen. Da es also ziemlich einfach ist die heißblütige Ibererin zur Weißglut zu bringen, sieht sich das sonst so friedliche Universitätsstädchen mit einer ellenlagen Mordserie konfrontiert, die es für die Ermittler zu lösen gilt. Doch die Polizei tappt bei ihrem Ermittlungen unentwegt im Dunklen, sind ihre Experten doch der Meining, dass der Täter männlich, groß, sowie zwischen dreißig und vierzig Jahre alt sein muss. Erst ein Experiment zweier Medizinstudenten erweist sich als geeignet ein wenig Licht in die Angelegenheit zu bringen. Einstweilen also genug Zeit für Barbara dem geneigtem Publikum ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die eigentlich einen ganz normalen Anfang genommen hat.


Um es mal in einem Satz auf den Punkt zu bringen: "Sexykiller" ist ganz ganz gewaltiger Schwachsinn, aber der macht zumindest in der ersten Hälfte unfassbar viel Spaß. Da wird "I'm a barbie girl, in the barbie world" ein ums andere geträllert, während sich Barbara die dicken Wummen in die modisch-glitzernden Holster steckt, um ihrer blutigen Arbeit nachzugehen. Und blutig ist "Sexykiller" in der Tat, der sich somit wohltuend von seinen im Zuge einer FSK-12 Freigabe glattgebügelten Artverwandeten unterscheidet. "Sexykiller" will böse sein, ist böse, weiß um seine Bösartigkeit und hat keine Hemmungen diese auch gebührend zu zelebrieren. Miguel Marti ist sich seiner (vor allem männlichen) Zielgruppe wohl bewusst und bedient gekonnt deren Erwartungen. Nebenbei gefällt die spanische Produktion aber auch mit seinen zahlreichen Anspielungen, Reminiszenzen und Parodien auf das Genre. Das die Narration dabei nicht immer luzide, sondern durchaus sprunghaft ist, kann durchaus verschmerzt werden. Getragen wird der Film dabei vor allem durch eine völlig enthemmt aufspielende Macarena Gómez, die an ihrer Rolle sichtlich Spaß gefunden hat und mit Verve damit beschäftigt ist notgeilen Professoren den Absatz ihrer Stilletos bis zum Ansatz in die Schläfe zu rammen, oder schlechte Liebhaber mit einer Plastiktüte über den Kopf ausgestattet per gepflegtem Tritt in den Hintern aus dem dritten Stock zu befördern. Wenn das mal nicht am Ende Emanzipation in ihrer Reinkultur ist.


Leider übernimmt sich "Sexykiller" dann in der zweiten Hälfte ein wenig was die Bandbreite der aufgegriffenen Themen angeht. Relativ unvermittelt wird dann nämlich aus dem ohnehin schon hanebüchenen Schwachsinn, noch groteskerer Schwachsinn, wenn sich der Streifen unvermittelt von der Serienkillerin-Biographie zur ultimativen Zombieshow wandelt. Im letzten Teil des Films darf dann also auch noch diesem Genre gehuldigt werden. Dies allerdings funktioniert bei weitem nicht mehr so gut, wie noch in der ersten Hälfte von "Sexykiller", mit dem Ergebnis das der Film dann doch etwas an Fahrt verliert. Im Übrigen müßig zu erwähnen, dass natürlich auch Barbara nur ein ganz normales Mädchen ist, dass nach der einen großen Liebe strebt, oder doch nicht? Der Abschluss des Film, der vor dem aufgegangenem Mond ein wenig anders als sonst ausfällt und in einem schön stilisierten Bild endet, hinterlässt dann noch mal einen ganz besonderen positiven Eindruck von "Sexykiller" mit dem man viel Spaß haben kann, wenn man dazu bereit ist sich auf diesen Nonsens einzulassen. - Fazit: 7,5 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Sexykiller". © 2009 Tiberius


5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Langsam machste mich echt neidisch - hätt mal selber hinfahren sollen :D

Phil

C.H. hat gesagt…

Keine Sorge, das geht auch wieder bergab mit den Wertungen. Nichts desto trotz lohnt sich das FFF. :)

Frau Flinkwert hat gesagt…

Ich mag es ja sonst echt nicht, wenn die Darsteller direkt in die Kamera sprechend, das darf nur Ferris Bueller, aber bei Bárbara hats mich auch nicht gestört. Bei der Scream-Veräppelung am Anfang war ich zunächst etwas irritiert und hatte schon mit einer Art Scary Movie 175 gerechnet, glücklicherweise blieb es nicht dabei.

xander81 hat gesagt…

Das hört sich aber verdammt noch mal so an, als könnte es mir unter Umständen gefallen!

C.H. hat gesagt…

Da bin ich sicher... ;-)

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