FFF - Rezension: "Bathory"












Gräfin Erszébet Báthory dürfte der Nachwelt vor allem als die legendäre Blutgräfin bekannt sein. Die schaurig-schreckliche Erzählung über die ungarische Adelige, die zur eigenen Verjüngung und zum Erhalt ihrer Schönheit im Blut von Jungfrauen gebadet haben soll, war und ist immer wieder Quell zahlreicher Interpretationen. Erst in diesem Jahr nahm sich die von der Kritik mit wenig Wohlwollen bedachte Verfilmung „Die Gräfin“ ein weiteres mal der Báthory an. Aber auch Spieler des Rollenspiel-Klassikers Diablo haben im ersten Akt des zweiten Teils mit der Blutgräfin, wie die Ungarin mittlerweile vor allem genannt wird, Bekanntschaft schließen dürfen. Und auch Eli Roth ließ sich im Zuge seiner Schlachtplatte „Hostel 2“ von besagtem Schauermärchen inspirieren. Erszébet Báthory hat somit Karriere gemacht, aber vielleicht eine andere, als sich diese zu Lebzeiten gewünscht haben wird. Sie ist somit quasi das weibliche Gegenstück von Vlad Tepes, der von Bram Stoker zum berühmtesten Vampir aller Zeiten gemacht wurde. Die Báthory hingegen verdankt ihre düstere und blutige Vergangenheit – so zumindest eine Theorie der modernen Historiographie – dem üblen Ränkespiel politischer Intrigen, die es zum Zweck hatten, die unbequeme Adelige zu diskreditieren.


Bathory“ greift genau diese These auf und konstruiert den Film um diese herum. Der Verdacht, dass zu viele Köchen den Brei verderben, denn immerhin stellt sich „Bathory“ als amerikanisch-britisch-ungarisch-tschechisch-slowakische Co-Produktion dar, drängt sich dabei leider recht schnell auf. Denn auch wen man „Bathory“ attestieren kann, dass die dem Film zu Grunde liegende Prämisse mit Sicherheit nicht verkehrt ist, so stehen sich doch Anspruch und Umsetzung bei dieser internationalen Produktion diametral gegenüber. Geschichte wird von Siegern geschrieben und Legende und Wirklichkeit sind zwei verschiedene paar Schuhe – Diese Weisheiten werden dem Zuschauer, so sie ihm nicht ohnehin bekannt sind, schon zu Beginn des Films direkt eingebläut. „Bathory“ versucht sich somit an einer Rehabilitierung von Erszébet Báthory oder anders ausgedrückt: Es geht dem Film vordergründig um eine Dekonstruktion des Mythos. So weit so gut, dass es dann aber ausgerechnet wieder „Bathory“ selbst ist, der in seiner Ausgestaltung, beziehungsweise Bildsprache nicht sauber zwischen Mythos und historischer Person zu trennen vermag, gehört zur Inkonsequenz des Projekts, die sich auch in anderen Aspekten immer wieder zeigt.


Erzählt wird „Bathory“ in drei Akten, die die verschiedenen Stationen im Leben der Gräfin thematisiert. Unverkennbar ist der epische Anspruch der diesen Film durchzieht und sich nicht zuletzt auch in der pompös anmutenden Bildsprache äußert. Das barocke Lustspiel das „Bathory“ in seiner Bildsprache beschwört, bekommt dann aber allein schon durch die beschränkten Mittel des Projekts erste Risse. Könnte man der Produktion diesen Makel noch nachsehen, denn immerhin gelingt es dem Film durchaus auch mit seinen beschränkten Mitteln ein stimmiges Ambiente zu vermitteln, dass zu dem historischen Setting Osteuropas im 17. Jahrhundert passt, zeigen sich schnell im Wechselspiel der Unentschlossenheit zwischen sozial-gesellschaftlichen Drama und blutrünstiger Legende, die wirklich eklatanten Probleme der Produktion. Und so kommen die fast surrealen Elemente, beziehungsweise Traumsequenzen, die „Bathory“ durchziehen, einem schmerzhaften Bruch innerhalb der Narration gleich, die den Film zu einer fragmentarischen Anordnung einzelner Bilder werden lassen. Wenn also die Ankündigung des Films verspricht den Mythos um die Blutgräfin zu entzaubern, so stellt sich dieses Versprechen in diesem Fall als Drohung dar, ist Regisseur Juraj Jakubiskos in der Summe doch nicht weniger als die Entzauberung seines kompletten Films „gelungen“.


Zu sprunghaft ist dabei nicht zuletzt der Umgang mit dem Lebensstationen von Erszébet Báthory. Über das junge Mädchen bis hin zur Ehefrau eines Mannes, der die meiste Zeit im Feld gegen die Osmanen steht, und schließlich zur alleinigen Herrscherin nach dessen Tod, die sich schnell eine illustren Schar von Feinden ausgesetzt sieht, galoppiert „Bathory“ durch die Jahre. Quasi en passent wird dabei eine entmythisierte Erklärung der blutgetränkten Legende offeriert, welche schließlich zum Gegenstand politischer Intrigen wird, die die Gräfin schlussendlich zu Fall bringen. Das mit Anna Friel, bekannt aus ihrer Rolle in der amerikanischen TV-Serie „Pushing Daisies“ , eine eher unglückliche Besetzung von Erszébet Báthory vorgenommen wurde, passt dann quasi ins Bild. Es gelingt Friel selten bis gar nicht die Gräfin als komplexe Figur zwischen Frau und machtvoller Herrscherin anzulegen, so dass man auch zu der böswilligen Konklusion kommen könnte, dass Friel außer ihrem offenherzigen Einsatz in der Rolle nicht sonderlich viel zu bieten hat. Das Resultat dieser fehlenden Komplexität innerhalb der Charakterzeichnung der Gräfin führt nicht zuletzt dazu, dass einem das traurige Schicksal der Adeligen über die gesamte Spielzeit erschreckend kalt lässt, was den Film dann endgültig das Genick bricht.


Mit über zwei Stunden Spielzeit ist „Bathory“ dann auch noch überaus lang und somit zäh geworden. Und als ob es an diesem Projekt nicht schon genug zu kritisieren gäbe, setzt dann ein Aspekt der ganzen Farce noch endgültig die Krone auf. Es scheint nämlich fast so, als hätten die Beteiligten gemerkt, dass das ja ziemlich langweilig ist, was sie da eigentlich verzapft haben. Und so geben sie „Bathory“ endgültig der Lächerlichkeit der Preis, in dem sie in einem Anfall geistiger Umnachtung zwei katholische Mönche in den Film implementiert haben, die sich in Art eines billigen „Der Name der Rose“-Verschnitts als Spione und Erfinder allerlei komischen Gerätschaften wie motorbetriebenen Schneeschuhen, Fallschirmen und Elektrizität stilisiert werden, was geradezu einer Frechheit dem Publikum gegenüber gleichkommt. Wenn also Anna Friel alias Erszébet Báthory in „Bathory“ in einem Anfall von holzschnittartiger Schwarz-Weiß-Zeichnung, wohl zur Verdeutlichung des Wechselspiels zwischen anmutiger Schönheit und knallharter Herrscherin, immer wieder zur Reitgerte und Peitsche greifen darf, dann hätten sich in Anbetracht des letztlichen Desasters, das „Bathory“ ohne jeden Zweifel darstellt, eine ganze Reihe an der Produktion Beteiligten für derartige disziplinarische Maßnahmen qualifiziert. - Fazit: 3 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Bathory". © 2009 MIG


2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dann hätten sie den Film lieber mit nem Charakter wie der Blutgräfin aus Diablo II aufziehen sollen ^^. Wäre vielleicht unterhaltsamer geworden.

Phil

C.H. hat gesagt…

Jaja, ein wenig blutig-unterhaltsamer Trash und Alle werden zufrieden gewesen. :) So ist es Schrott, der Gold sein will.

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