

„Blood: The last Vampire“ ist einer der Fälle bei dem man sich unweigerlich fragen muss, ob die Popcorntüte halb voll oder aber halb leer ist. Natürlich, das Gesehene ist irgendwo ganz unterhaltsam und doch kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass man auf den Film auch gut hätte verzichten können. Nun ist Unterhaltung von der Stange noch nichts wirklich Schlimmes, nicht desto trotz muss aber die Frage erlaubt sein, ob es sich dann in Bezug auf „Blood: The last Vampire“ nicht doch ausgezahlt hätte, wenn man sich ein wenig mehr Mühe bei der Umsetzung gegeben hätte. Es fängt ja schon damit an, dass der Film nicht mehr als ein fleischgewordenes, da mit echten Darstellern fabriziertes Remake einer gleichnamigen japanischen Anime-Vorlage aus dem Jahr 2000 darstellt und somit schon mal definitiv keinen Preis für Innovation bekommen wird. Noch dazu wo sich der Film als quasi weibliches Gegenstück des Vampir-Actioners „Blade“ präsentiert, nur das es eben in „Blood: The last Vampire“ nicht mehr der mit coolem Ledermantel und noch cooleren Sonnenbrille ausstaffierte Wesley Snipes ist, der als Vampir Jagd auf seinesgleichen macht, sondern das es nun dem jungen Mädchen Saya (Gianna Jun) vergönnt ist, sich durch die Geschichte zu metzeln. Im Gegensatz zu ihrem amerikanischen Bruder darf sie sich jedoch nicht in Lack und Leder hüllen, sondern – wer hätte das gedacht – in eine hübsche Schulmädchenuniform. Derart getarnt begibt sie sich auf eine amerikanische Militärbasis im Tokio der Siebziger Jahre. Ihr Auftrag: In der dortigen Schule, die von untoten Dämonen verseucht ist, mal ordentlich aufzuräumen. Doch in ihrem Innersten strebt Saya nach mehr, nämlich nach Vergeltung für den Tod ihrer Eltern, die einst von der mächtigsten Dämonin auf Erden ins Jenseits befördert worden sind.
So viel also zu der Geschichte, die den Film über seine Spielzeit tragen muss. Müßig zu erwähnen, dass man es mit der Erzählung in „Blood: The last Vampire“ nicht so ganz genau nehmen sollte. Und es spielt ja nun auch nicht wirklich eine Rolle, warum der Eine den Anderen möglichst effektvoll in die ewigen Jagdgrüne befördert. Worauf es Regisseur Chris Nahon dann in seinem Film vor allem ankommt, zeigt sich in den choreographierten Kämpfen, die seine Protagonistin in bester Martial Arts-Manier zu bestehen hat. Und letztlich sind es dann auch diese Szene, die es rechtfertigen den Film immerhin noch im weitesten Sinne als unterhaltsam zu bezeichnen. Abstriche müssen hingegen bei den Effekten gemacht werden. Dies beginnt schon bei dem unglücklich aussehenden CGI-Blut, dass in Fontänen quer durch den gesamten Film spritzt und endet bei absolut lächerlich animierten Riesenfledermäusen. Es hat wohl keiner ein Problem damit, wenn ein Film nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung hat, um tricktechnisch State of the Art zu sein, denn immerhin kommt es darauf – siehe „Infestation“ ja auch nicht wirklich an. Wenn man aber schon um seine Schwächen weiß, sollte man um Himmels Willen nicht in eine Arroganz verfallen, die einen dazu verleitet sich nicht um die erkannten Defiziten zu scheren.
Und so verspielt „Blood: The last Vampire“ spätestens ab dem Zeitpunkt sämtliche Symphatien, als er versucht die Fledermaus-Lastwagen-Straße-Sequenz aus „Underworld: Evolution“ zu kopieren, der eben viel mehr finanzielle Mittel zu Verfügung hatte. Das Endergebnis des Ganzen sieht dann eben nicht mehr einfach nur billig aus, sondern einfach nur lächerlich. Das ist dann nicht zuletzt insofern zu bedauern, als das man sich ja von „Blood: The last Vampire“ eigentlich nur unterhalten lassen wollte, ohne sich über irgendetwas ärgern zu müssen. Hinzu kommt, dass es der Heldin des Films nicht wirklich gelingt den Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen. Zwar gibt sich der Film alle Mühe die tragische Geschichte von Saya in bedeutungsschwangeren Rückblenden zu erzählen, doch letztlich will der Funke nicht wirklich überspringen, so dass man eigentlich nur auf die nächste Actionszene wartet. Was bleibt ist somit eine Blutsaugergeschichte, die mit den klassischen Topoi des japanischen Manga und Anime um Samuraischwert, Schulmädchenuniform und Co aufgepeppt ist. Eine gehörige Priese von soliden Martial Arts – Elementen rundet die ganze Sache dann mehr oder weniger ab. Nichts desto trotz, es bleibt dabei: Wenn ein Film nicht in Gänze, sondern nur durch vereinzelte Szenen zu funktionieren vermag – und das trifft auf „Blood: The last Vampire“ ganz bestimmt zu, dann kann etwas nicht stimmen. Und so ist es nur konsequent, wenn auf die eingangs gestellte Frage, ob die Popcorntüte in Bezug auf diesen Actioner halb voll oder halb leer ist, mit Letzterem beantwortet werden muss – Fazit: 5 von 10 Punkten.
Rezension erschienen bei Wicked-Vision






3 Kommentare:
Schade, hatte mich nämlich auf den Film schon gefreut. Der Trailer sah ja recht vielversprechend aus und das nicht vor allzu langer Zeit erschienene Manga weitete die Story der Vampirjägerin durchaus interessant aus. Meine Vermutung war daher dass der Film ebenfalls weitere Informationen preisgibt und nicht lediglich das Anime neu verfilmt.
Dass es dann visuell auch nicht mal so ansprechend ist finde ich sehr traurig, schließlich ist das Anime ja auch nicht aufgrund seiner Geschichte sondern wegen der zu seinerzeit bahnbrechenden Technik (Stichwort 3D) so bekannt und geliebt. Wenn man es genau nimmt war es ja quasi nur ein Experiment ;)
Jetzt muss ich meine Meinung nach dem Trailer wohl auch etwas zurückstellen. Hatte mir da glaube ich insgesamt mehr erhofft, besonders da es in Ausschnitten optisch ja für mich recht ansprechend aussah. Na ja, dann muss es eben nicht gleich Kino sein... später findet sich bestimmt noch mal ne Gelegenheit.
Phil
@ Candide und Phil:
Nun lasst mal nicht alle Hoffnung fahren, ich hab ja nun auch nicht die Weisheit mit Löffen gefressen. ;-) Allerdings muss ich auch sagen, dass eigentlich Keiner mit dem ich nachher über den Film gesprochen habe, wirklich so richtig zufrieden war.
Ich kenne nun die Vorlage nicht, weiß also nicht ob der Film im Vergleich zum Anime inhaltlich noch viel ausbaut, aber das kann ich mir angesichts der dünnen Story des Films nicht vorstellen. Abseits der Rückblenden nach dem Schema "Heldin wächst auf und sieht dann wie ihr Lehrmeister ermordet wird" ist da leider nicht viel zu holen.
Vielleicht noch ein Wort zu der Optik: die Kämpfe (und damit die Action) gehen durchaus in Ordnung, das rettet sogar den Film. Was bleibt ist dann noch die Fledermaus-Affaire, und nein das war ganz und gar nicht gut umgesetzt. Das hätte man wirklich lassen sollen. ;-)
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