

Hauptsache man badet erst mal in Klischees. Jedenfalls tut „Grace“ zu Beginn alles dafür, um seiner Ausgangsgeschichte noch mehr Intensität zu verleihen. Madeline (Jordan Ladd) ist nämlich nicht nur Vegetarierin , sondern sogar Veganerin. Fleisch, Milch, also alles Tierische kommt ihr natürlich nichts ins Haus. In der Küche laufen den ganzen Tag Filme, die das Leiden der Tiere in den Schlachthöfen dokumentieren. Selbstredend wird die Hauskatze dafür getadelt, wenn sie eine Maus erlegt hat, immerhin bekäme sie doch tolles Katzenfutter. Zum Arzt geht Madeline, obwohl hochschwanger natürlich auch nicht. Sie vertraut viel mehr einer privaten Geburtshelferin, bei der sie sich geborgen und sicher fühlt. Verheiratet ist sie im Übrigen auch noch. Mit Michael (Stephen Park). Der liebt seine Frau, doch seine Schwiegermutter, die ihren Sohn nicht loslassen kann, kann dafür die zukünftige Mutter ihres Enkels nicht leiden. Als Grace und ihr Mann eines Abends mit ihrem Auto schwer verunglücken, ist nicht nur Michael tot, sondern auch das ungeborene Kind. So scheint es jedenfalls, denn als Grace die vermeintliche Totgeburt zur Welt bringt, erweist sich der kleine Racker auf einmal als quicklebendig. Gut, er müffelt ein wenig, ist ständig von Fliegen umgeben, die Haare fallen ihm auch aus und das Stillen wird für Grace auch eine eher schmerzhafte Angelegenheit, aber immerhin: Das Kind lebt.
Filme, die sich mit Zombies beschäftigen, gibt es nun ja wirklich wie Sand am Meer. Alleine bei dem diesjährigen Fantasy Filmfest hatten Fans die Gelegenheit nicht weniger als sieben Vertreter des Genres beizuwohnen. Die Art der Zombiefilme war dabei überaus vielfältig. Es gab Zombies die gar nicht wussten, dass sie Zombies sind („Wasting Away“). Zombies die aus lauter weiblichen Furien bestanden („Doghouse“), oder aber auch die klassischen Zombies, die halt da waren, weil sie da waren („Mutants“). Dies waren nur ein paar Beispiele und mit „Grace“ gibt es nun eben ein Baby-Zombie. Auf so eine Idee muss man ja auch erst mal kommen und letztlich, so viel kann an dieser Stelle ja schon mal verraten werden, hätte es auch keinen gestört, wenn man auf diese Idee nicht gekommen wäre.
Was macht also eine Mutter, wenn sie feststellen muss, dass ihr Baby ein Zombie ist. Von dieser Prämisse handelt „Grace“ und gibt sich in der Folge alle Mühe diese Frage unterhaltsam zu beantworten. Einen ganz besonderen Reiz meint der Film dabei aus seiner im Vorigen angesprochenen Ausgangskonstellation beziehen zu können. Wenn Frau Mama den Verzehr von Fleisch aus vollster Überzeugung ablehnt, das Baby das nun aber mal ganz anders sieht und nicht nach Muttermilch, sondern nach Fleisch und Blut dürstet, hat Mamilein ein Problem. Oder auch nicht: Denn immerhin liebt man ja sein Kind und gibt ihm somit wonach es verlangt. Solange sich „Grace“ mit Madeline beschäftigt und deren Weg zum bitteren Erkennen, was sie da eigentlich groß zieht, betrachtet, gelingt es dem Film noch einigermaßen unterhaltsam zu sein. Letztlich muss man aber zu dem Schluss kommen, dass die Handlung von „Grace“ , obschon mit Sicherheit nicht ohne Potential, nicht mehr als der gut gemeinte Treppenwitz ist, als der er sich an dieser Stelle präsentiert.
Jordan Ladd gibt sich zwar alle Mühe ihrer Figur Charakter und emotionale Tiefe zu verleihen, doch vermag ihr das nicht wirklich zu gelingen. Ihr Schauspiel ist ebenso blutleer, wie ihr am Ende des Films ausgemergelter Körper. Auch die wenigen intensiven Szenen, die der Film zu bieten hat, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Grace“ mit zunehmender Spielzeit vor allem eines ist: Langweilig. Auch die Nebenhandlung um die böse Schwiegermutter, die der Mutter den Enkel entziehen lassen will, vermag den Film nicht wirklich Spannung einzuhauchen. Summa Summarum ist „Grace“ nicht mehr als ein uninspiriert wirkendes Filmchen, das es noch nicht einmal vernünftig hinbekommt mit den Mythen des Genres zu spielen. Nach Verwesung stinkende Babys inklusive des eigenen Fliegen-Fanclubs reichen da eben nun mal nicht aus, um das Publikum wirklich zu unterhalten. Veggie-Mütter die dann zu Metzgerinnen mutieren im Übrigen auch nicht. Das „Grace“ dann auch noch in ein überaus lahmes und wenig überzeugend Ende mündet, ist dann einerseits in Anbetracht des Films als Solchen nur konsequent, setzt andererseits der ganzen Veranstaltung aber wiederum auch die Krone auf. Auf den Punkt gebracht: Um „Grace“ macht man besser einen großen Bogen und schaut sich bei Bedarf gleich einen richtigen Zombiestreifen an. - Fazit: 3 von 10 Punkten.
Rezension erschienen bei Wicked-Vision






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