FFF - Rezension: "New Town Killers"















Auch das Fantasy Filmfest ist stets am Puls der Zeit und hat - wenn man so will - mit „New Town Killers“ auch seinen Film zur aktuellen Weltwirtschafts- und Finanzkrise abgeliefert. Im Mittelpunkt steht nämlich ein Bösewicht der ganz besonderen Sorte und zwar der Banker Alistair Raskolnikov (Dougray Scott), der als Begründung für sein von ihm inszeniertes und überaus tödliches Spiel ein schlicht und ergreifendes „Weil ich es kann“ zu Protokoll gibt. Bezeichnenderweise arbeitet Alistair Raskolnikov dann auch noch bei einer Bank die sich „Ethical Financing“ nennt. Mag Alistair Raskolnikov auch eine fiktive Figur sein, so lassen sich doch Parallelen zu den Bankern die ungerührt Millionen- und Milliardenbeträge durch die Gegend geschoben haben, eben „weil sie es können“ nicht verhehlen. Es geht in „New Town Killers“ also auch um Macht. Um Macht Andere in eine Situation zu bringen, aus der sie nur noch schwer entkommen können, denn wer mit dem Teufel einen Handel schließt, muss nun mal in der Tat damit rechnen, dass er in der Hölle landet.


Aber auch ohne den Leibhaftigen befindet sich Sean Macdonald (James Anthony Pearson) in der Hölle. Nach dem Tod seiner Eltern ging es für ihn und seine Schwester stetig bergab, so dass sich beide nun inmitten der sozialen Brennpunkte von Edinburgh wiederfinden. Aushilfsjobs prägen den Alltag von Sean, der sich sonst mit seinem besten Freund Sam die Zeit vertreibt, oder aber nach seiner älteren Schwester sieht, die bis über beide Ohren verschuldet ist. Und da diese Schulden bei Leuten hat, bei denen man besser nicht in Zahlungsrückstand gerät, sieht sich Sean bald einer katastrophalen Situation ausgesetzt. Die Schwester mit 12000 Pfund verschuldet, seinen Job gerade (nicht ganz zufällig) verloren, kommt das Angebot des zwielichtigen Alistair Raskolnikov gerade Recht. Er möchte ein Spiel spielen, an dessen Ende für Sean eben genau jene 12000 Pfund stehen könnten, die seiner Schwester den Hals retten würden. Seine einzige Aufgabe: Sich eine Nacht verstecken und sich nicht von Raskolnikov und seinem Begleiter erwischen lassen. Sean willigt ein. Zu spät erkennt er, dass es sich bei diesem Spiel um ein Spiel um Leben und Tod handelt.


Regisseur Richard Robson, aus dessen Feder auch das Drehbuch zu „New Town Killers“ stammt, hat mit diesem Streifen mehr oder weniger solide Kost abgeliefert. Die Inszenierung folgt dabei streng den Mustern des Genres. Zunächst konzentriert sich der Film auf die kurze Einführung seiner Charaktere, bevor er diese dann quasi ins kalte Wasser wirft. Die nächtliche Hatz durch die Straßen von Edinburgh wird dabei routiniert, doch mit wenig innovativen Einfällen in Szene gesetzt. Spannend ist die ganze Angelegenheit trotzdem, auch weil sich mit zunehmender Spielzeit sowohl die Intensität der Gewalt, als auch das Tempo des Films erhöht. Sean Macdonald kommt dabei zwar nominell die Rolle der zentralen Figur des Films zu, um die sich alles dreht, doch kann Macdonald nur selten wirklich Akzente setzen. Nichts desto trotz bleibt er in seiner Rolle stets glaubwürdig, was für die Funktion des Films von zentraler Bedeutung ist. In der Summe gelingt es ihm somit den Wandel vom reinen Spiel hin zur Flucht auf Leben und Tod und die damit verbundene bald einsetzende Paranoia glaubhaft zum Ausdruck zu bringen.


Der interessanteste Charakter in „New Town Killers“ ist allerdings Alistair Raskolnikov und das nicht etwa weil man über seine Figur so viel erfahren würde was von Interesse ist, sondern weil Dougray Scott der Rolle absolut seinen Stempel aufdrückt. Seine Performance des zwielichtigen, dabei aber stets charismatischen Bankers, die langsam aber sich die Kontrolle zu verlieren scheint, gehört so ziemlich zum Besten, was der Film zu bieten hat. Zu überzeugen wissen dann auch noch die schönen und atemlos wirkenden Aufnahmen Edinburghs, deren urbaner Flair sich nahtlos in die erzählte Geschichte einfügt. Äußerst stimmig ist auch der dynamische Soundtrack gelungen, der den Film durchzieht. Gegen Ende nimmt „New Town Killers“ dann noch mal eine schöne Wende und legitimiert sich noch einmal zusätzlich mit seiner sozial-kritischen Botschaft. Aber auch dies kann nicht verhehlen, dass es sich bei „New Town Killers“ um einen Film handelt, denn man sich ohne Probleme ansehen kann, den man allerdings genauso schnell wieder vergessen haben wird. Das geht in Ordnung, es wäre für „New Town Killers“ aber auch deutlich mehr drin gewesen. - Fazit: 6 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "New Town Killers". © 2009 Kinowelt


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