Der deutsche Konsument ist in Sachen „Watchmen“ mal wieder in den Allerwertesten gekniffen. Sorgte im Vorfeld des Kinostarts bereits der juristische Streit zwischen Warner Brothers und Paramount Pictures um die Rechte an der Verfilmung von „Watchmen“ für Schlagzeilen, so ist auch die Rechteteilung in Sachen Heimvideo-Vermarktung des Franchise für den europäischen Markt nicht gerade vorteilhaft verlaufen. So ist ein Release des „Director's Cut“ sowie der „Ultimate Edition“ (mit den hinzugefügten „Black Freighter“-Sequenzen) durch Paramount in Europa bislang nicht vorgesehen, so dass man sich gezwungenermaßen in den USA bedienen muss, wo Warner die die Vermarktung der Silberscheiben übernommen hat. Was für den der englischen Sprache mächtigen europäischen Kunden immerhin noch ein lösbares Problem darstellt – Import hilft immer – scheint somit für deutsche Kunden, die auf eine deutsche Übersetzung Wert legen, keine adäquate Lösung – zumindest was den „Director's Cut“ und die „Ultimate Edition“ angeht.
Immerhin ist jedoch auch auf dem deutschen Markt die DVD „Watchmen: Tales of the Black Freighter“ erschienen, so dass zumindest diese Vertiefung - wenn auch vom Hauptfilm losgelöst – für den deutschen Watchmen-Freund verfügbar ist. Connaisseure des Comics wissen natürlich sofort wovon die Rede ist, wenn der Titel „Tales of the Black Freighter“ fällt: Jener Comic im Comic, der im Watchmen-Universum von einem Passanten gelesen wird und somit in den Comic als Solchen eingewoben ist. In diesem wird die Geschichte eines Seemanns erzählt, dessen Schiff von den blutrünstigen Piraten des Schwarzen Frachters aufgerieben wird. Als einziger Überlebender bastelt er sich aus den verwesenden Leichen seiner Crew ein Floß, dass ihn zurück zu Frau und Kind bringen soll, bevor die Piraten auch in seinen Heimatort einfallen. Die unter der Leitung von „Watchmen“-Regisseur Zack Snyder entstandene Zeichentrickadaption erweckt diesen Comic nun auch im Film zum Leben. Es braucht an dieser Stelle nicht ausführlich auf die Parallelen zwischen der in Watchmen erzählten Geschichte und dem Inhalt des Comics verloren werden: Die intelligente Parabel, in der Gerad Butler als Erzähler gefällt, spricht in der Tat für sich. Die gut 30minütige Adaption überzeugt dabei durch ihre kompromisslose und luzide Umsetzung, sowie ihrem atmosphärischem Farbenspiel, so dass „Tales of the Black Freighter“ eine gelungene Erweiterung des Watchmen-Universums darstellt. - Fazit: 7 von 10 Punkten
Neben dem Zeichentrickfilm bietet die DVD auch die fiktive Dokumentation „Under The Hood“, in der Hollis Mason im Rahmen eines Fernsehinterviews zu seiner Autobiographie befragt wird. Die in den Siebziger Jahren verortete Dokumentation zeichnet so die in Watchmen erzählte Geschichte der maskierten Helden, die auch im Comic selbst durch in die Narration implementierten Auszüge aus Hollis' Biographie vertieft wurde, auf äußert kreative Art und Weise nach. Wenn man so will, ist diese fiktive Dokumentation fast noch interessanter als „Tales of the Black Freighter“ geraten. In stilechter Optik, immer wieder durch Werbepausen unterbrochen, pendelt die Sendung zwischen Interviews mit den Helden der ersten Generation und „historischen“ Zeitaufnahmen hin und her. Eine ganze Reihe der Darsteller die in „Watchmen“ nur am Rande zu sehen waren, erfahren an dieser Stelle, wie auch die Geschichte als solche, eine informative Weiterführung. Gerade die durchweg überzeugenden Leistungen der Darsteller, die ja immerhin eine fiktive Rolle in Form einer Dokumentation möglichst authentisch wirken lassen mussten, haben sich an dieser Stelle eine positive Anmerkung verdient - Fazit: 7,5 von 10 Punkten.
Insgesamt stellt die DVD „Watchmen: Tales of the Black Freighter“ eine für den Interessierten sinnvolle Ergänzung des Hauptfilms dar. Es sei deshalb noch mal nachdrücklich vermerkt: Man kann Synder und den an dem Projekt Beteiligten mehr als nur einen eminenten Fehler in der Umsetzung vorwerfen, jedoch kommt man nicht darum herum zu konstatieren, dass man sich gerade mit dieser DVD alle Mühe gegeben hat die Grenzen der im Kinofilm entworfenen Welt ein großes Stück zu erweitern.
Quellennachweis: Abbildungen aus "Watchmen: Tales of the Black Freighter". © Paramount Pictures










5 Kommentare:
ich hoffe auf einen richtigen Release hier in deutschland... hoffen darf man ^^
Ich denke, wir sehen das in etwa gleich.
@ lalia:
Hoffen ist immer erlaubt. Aber hoff mal nicht zu sehr. ;-)
Liest sich sehr gut, danke C.H.! Die Laufzeit ist bei Amazon mit 60 Minuten angegeben, umfasst das Animationsfilm plus Doku? Ich hoffe, dass die DVD vom Preis noch runtergeht.
Genau. Die circa 60 Minuten Gesamtspielzeit ergeben sich aus dem "Black Freighter" und der Doku.
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