

Wie heißt es doch so schön? Schuster bleib bei deinen Leisten. Diese Maxime gilt besonders für Deutschlands Hollywood-Export und „Krach-Bumm-Schepper“-Experten Nr. 1 Roland Emmerich. Inhaltliche Tiefe ist bekanntermaßen seine Sache nicht und so vermag es eigentlich niemanden zu überraschen, dass gerade auch seine letzten zwei Filme, die sich nicht in irgendeiner Art und Weise mit dem Weltuntergang beschäftigt haben, wirklich furchtbar geraten sind. Dies gilt gleichermaßen für das Mel Gibson.-Vehikel „Der Patriot“, wie auch insbesondere für seinen letzten Film „10000 BC“, der nicht nur bei der Kritik, sondern auch ganz massiv beim Publikum durchfiel. Nach diesem Flop brauchte Roland Emmerich wieder einen Erfolg und so wie die Sache momentan aussieht, wird ihm dieser mit seinem neuen Film „2012“ auch wieder reichlich beschieden sein. So konnte „2012“ nach dem ersten Wochenende nach dem Kinostart weltweit bereits 225 Millionen Dollar einspielen, über 12 Millionen davon allein in Deutschland. Kunststück, möchte man meinen, kehrt Roland Emmerich mit seinem aktuellen Streich mal wieder in das Genre zurück, in dem er sich erfahrungsgemäß am besten auskennt: „Krach-Bumm-Schepper“. Zurück im Geschäft, lässt es sich der gebürtige Stuttgarter nicht nehmen, es nach „Independence Day“ und „The Day after Tomorrow“ ein drittes Mal ordentlich krachen zu lassen.
Die Maya haben es ja schon immer gewusst: Im Jahr 2012 ist der Tag der Apokalypse gekommen. Die Welt wird untergehen, Weihnachten fällt auch aus und überhaupt: Vornehmen sollte man sich für den besagten Zeitpunkt auch nichts mehr. Immerhin aber weiß die Menschheit, beziehungsweise ein erlauchter Kreis von Eingeweihten, schon im Jahr 2009 wie der Hase läuft: Eine ungewöhnlich heftige Sonneneruption hat dazu geführt, dass die Erde mit einer hohen Anzahl von Neutrinos beschossen worden ist, was eine stetige Aufheizung des Erdkerns zur Folge hat. Im Jahr 2012 wird der Schnellkochtopf Erde schließlich gewaltig Dampf ablassen: Die Erdkruste wird schmelzen, die tektonischen Platten massiv in Bewegung geraten. Die Welt, wie sie bis dato existiert hat, wird zu ihrem Ende kommen. Zum Glück aber wird die Menschheit von ziemlich coolen Leuten regiert. Und so treffen sich im Jahr 2009 die Staats- und Regierungschefs der G8 und fassen einen kühnen Plan, von dem der Rest der Menschheit natürlich nichts wissen darf: Die Chinesen werden kurzerhand damit beauftragt Archen zu bauen, die 400000 Menschen Platz bieten und das Überleben der Menschheit sichern sollen. Der Rest der Menschheit muss dann eben leider – Schwund ist nun mal überall – vor die Hunde gehen. Einer dieser potentiellen „ins Gras Beißer“ ist der in Beruf und Leben erfolglose Schriftsteller Jackson Curtis (John Cusack), der mit seinen Kindern just in dem Moment im Yellowstone Nationalpark Urlaub macht, als der Weltuntergang beginnt. Und so wird der Urlaub, die Apokalypse hat nun mal eben Priorität, hastig abgebrochen, um Heim zur Exfrau (Amanda Peet) zu düsen, diese mit den Kindern unter den Arm zu klemmen und hurtig aus dem gerade untergehen Los Angeles zu verschwinden.
Es steht natürlich völlig außer Frage, dass „2012“ aus inhaltlicher Perspektive völliger Schwachsinn ist. Das macht aber natürlich erst einmal überhaupt nichts, geht es Emmerich doch primär darum, den Weltuntergang möglichst gut aussehen zu lassen und das gelingt „2012“ ausgezeichnet. Ob nun hektische Verfolgungsjagden durch das in die Tiefe stürzende Los Angeles, Tsunamis, oder aber heftige Vulkanausbrüche im Yellowstone, stets ist die aktuelle Technik und damit der Weltuntergang State of the Art und damit aus optischer Perspektive durchaus beeindruckend. Logischerweise bekommen auch markante nationale Symbole von Emmerich wieder ihr Fett weg. Ließ Emmerich das Weiße Haus in „Independence Day“ noch von bösartigen Aliens vaporisieren, ist es nun in „2012“ an John F. Kennedy – in Form des gleichnamigen Flugzugträgers – den Sitz des amerikanischen Präsidenten dem Erdboden gleich zu machen. Von Zeit zu Zeit sind Emmerich und seinem Team durchaus originelle Bilder gelungen, so zum Beispiel als sich die Zerstörung von Petersdom und Sixtinischer Kapelle in einen gekonnt in Michelangelos berühmten Gemälde platzierten feinen Riss andeutet. Hell of a Show! In der zweiten Hälfte des Films verliert sich die Dynamik der Bilder und die damit verbundene Lust an der Zerstörung jedoch relativ schnell. „2012“ tritt dann in eine für seine Verhältnisse „gemächliche“ Phase ein und diese gereicht dem Film nicht gerade zum Vorteil, offenbart sie doch seine offensichtlichen Schwächen.
Mit 158 Minuten ist „2012“ für einen Katastrophenfilm nämlich überaus lang geraten, was sich gerade gegen Ende hin deutlich bemerkbar macht. Ansonsten verlässt sich Emmerich natürlich auch in „2012“ auf die bewährten Konventionen des Genres. Der erste Akt dient dazu dem Zuschauer die Protagonisten zu präsentieren, mit denen er sich in der Folge identifizieren darf und von denen man schon vorher weiß, dass sie den Weltuntergang überleben werden. Folgerichtig besteht die Spannung in „2012“ nicht in der Frage, ob der von Jackson verkörperte Curtis plus seine Familie durchkommen wird, sondern wie dieser sich immer wieder aus den zahlreichen Schlamasseln befreien kann. Mit John Cusack, Amanda Peet, sowie Chiwetel Ejiofor als dritten wesentlichen Protagonisten des Films, präsentiert sich Emmerichs Neuster dabei als sympathisch, sicher und adäquat besetzte Unterhaltung. Der an zahlreichen Stellen immer wieder eingestreute Humor erfüllt in diesem Zusammenhang seinen Zweck, gerade der als Weltuntergangs-Prophet wunderbar gecastete Woody Harrelson mit langer Löwenmähne komplettiert dieses im Grunde positive Bild, das Emmerich dann aber in der Folge wieder einmal ein Stück weit selbst nivelliert.
Ironie ist Emmerichs Sache nämlich ebenso wenig, wie tiefschürfender Inhalt. Danny Glover als altruistischer (afroamerikanischer) Präsident der USA wirkt als Anlehnung an das aktuelle Zeitgeschehen ebenso bemüht, wie Emmerichs Angie Merkel-Referenz. Es sind gerade Emmerichs Moral-Lektionen, mit der er seinen Film wieder aufgeladen hat, die relativ schnell nerven, auch weil er kaum einen der inhaltlichen Aspekte die er aufgreift (so unter anderem der Aspekt der 1-Milliarden-Dollar Eintrittskarten auf die Archen) konsequent zu Ende denkt. Gleichzeitig erweist sich der gute Roland auch als Freund konventioneller Familien-Bande: Dass zum Beispiel dem Stiefvater von Curtis Kindern, der somit der Mann ist, der der Familienvereinigung im Weg steht, kein gutes Schicksal beschieden ist, ist eine solche Offensichtlichkeit, dass man diese noch nicht einmal als Spoiler kennzeichnen muss. Und wenn es am Ende (natürlich) ausgerechnet der bis dato vergessene afrikanische Kontinent ist, der als einziger Landstrich übrig bleibt, wünscht man sich dann doch, dass sich „2012“ drauf beschränkt hätte, die Welt in Schutt und Asche zu legen. Emmerichs erhobenen Zeigefinger braucht nämlich kein Mensch und schon gar nicht in einem Film, dessen Inhalt nicht nur so dünn ist, dass er auf einen Bierdeckel passt, sondern der vorher auch im Zuge der großen Untergangs-Gaudi mit Genuss Milliarden von Menschen ins Jenseits befördert hat. Abseits dessen ist „2012“ jedoch immerhin gelungenes Popcorn-Kino. Und das ist ja irgendwo das Schöne an Emmerichs Katastrophen-Kino; man weiß was man bekommt. - Fazit: 6,5 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Abbildungen aus "2012". © 2009 Sony






8 Kommentare:
Ganz meine Meinung. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Außer: Wie fandest du eigentlich die Szene, in der die Tiere in die Arche verladen wurden? Ich zumindest habe sehr gelacht ;-)
Ja, ich musste auch schmunzeln, weil das so absolut bescheuert war... :)
Wie tief mittlerweile doch die Ansprüche an gelungenes Popcorn-Kino gesunken sind. Im Vergleich dazu müßte es sich ja bei Camerons und Spielbergs Filmen geradezu um Arthouse handeln.*g* Hey, der macht aber echt Spaß.;)
Aha - der Schauspieler von Jackson Curtis heißt auch Jackson Curtis ^^?
Meine auch, dass es doch mehr als 4 Archen gab oder? War doch so dass nur 4 (bzw. 3) dann letztendlich fertig waren?
Ansonsten gut gelungene Rezension ;)
Phil
Ich verstehe nicht, warum der Film ("") in der Blogossphäre so mild besprochen wird... ich fand ihn bekloppt³.
@ Phil:
Mag sein, ist aber auch völlig wurscht... ;-) #Archen
@ Rajko:
Bekloppt fanden wir den glaube ich alle... :)
Naja der Film ist kein Meisterwerk, es gab ein paar richtig schöne atemberaubende Effekte und...das war es :)
21.12.2012 ahahahaha
Kommentar veröffentlichen
In den Kommentaren können die folgenden HTML-Tags benutzt werden:
kursiv = <i>Testwort</i>
fett = <b>Testwort</b>
Links = <a href="http://www.deineURL.de/">Link Text</a>