Rezension: "Der Informant"














Man wird Stephen Soderbergh mit Sicherheit nicht absprechen können, dass er ein überaus wandelbarer Regisseur ist – zumindest was die Wahl seiner Stoffe angeht, die er dann anschließend filmisch aufbereitet. So steht in seinem bisherigem Werk reine Unterhaltung, wie zum Beispiel die „Oceans“-Reihe, gleichberechtigt neben Filmen (jüngstes Beispiel: Soderbergs Duo über Che Ernesto Guevara), die auf der politisch-gesellschaftlichen Ebene durchaus Relevanz beanspruchen. Das ausgerechnet diese Projekte meistens nicht vollends zu überzeugen wissen, scheint sich so langsam aber sicher zu einer Konstante des Regisseurs Soderbergh auszuwachsen (siehe auch: „The Good German“). Das handwerkliche Perfektion nicht alles ist, das hat nicht zuletzt das bereits angesprochene Guevara-Doppel gerade erst wieder bewiesen. Im Übrigen sollte man sich nicht täuschen lassen: Auch die „Oceans“-Reihe glänzt primär durch seine illustre und regelmäßig gut aufgelegte Schauspieler-Combo rund um Clooney und Pitt und nicht wegen der Regie von Soderbergh. Mit „Der Informant“ versucht sich Stephen Soderbergh nun an einem Stoff, der nicht nur zutiefst tragisch sondern gleichzeitig auch durchaus komisch ist.


Basierend auf der wahren Lebensgeschichte des Hochstaplers Mark Whitacre erzählt Soderbergh in „Der Informant“ eine Geschichte rund um Wirtschaftsverbrechen und Betrügerein. Gewisse Parallelen zu Spielbergs „Catch me if you can“ sind nicht von der Hand zu weisen und drängen sich durchaus auf, zumindest was die Prämisse zu Lügen und zu Trügen was das Zeug hält angeht und dabei stets so harmlos aufzutreten, wie der sprichwörtliche Wolf im Schafspelz. Man schreibt das Jahr 1992 als der für den Agrarkonzern Archer Daniels Midland (ADM) tätige Biochemiker Mark Whitacre (Matt Damon) auf einen vermeintlichen Spionagefall in seinem Konzern aufmerksam wird. Durch die Spionage und einen die Lysin-Produktion eingeschleusten Virus verliert der Konzern eine Menge Geld. Whitacres Vorschlag das Problem mit einer schnellen Barzahlung an den Erpresser zu lösen, wird von seinen Bossen schnell verworfen. Stattdessen wird das FBI eingeschaltet, das sich unter der Führung von Brian Shepard (Scott Bakula) und Bob Herndon (Joel McHale) schon bald mit dem Fall beschäftigt. Als sich diese auch an Whitacre heften, bekommt Whitacre, der bei weitem nicht so harmlos ist wie er wirkt, kalte Füße und wechselt die Seiten. Fortan versorgt er das FBI mit heißen Informationen die einen umfassenden Wirtschaftsskandal aufdecken könnten: ADM, so Whitacre, treffe immer wieder mit ihren Konkurrenten aus aller Welt umfassende Preisabsprachen – Selbstredend zum Vorteil der Konzerne und zum Schaden der Kunden.


Wie bereits erwähnt, „Der Informant“ handelt von einer im Kern sehr ernsten Angelegenheit, die von Soderbergh allerdings im Gewand einer schwarzen Komödie erzählt wird. Das stete Bemühen des Films witzig sein zu wollen, ist an fast jeder Stelle zu spüren. Dies ist allerdings auch die Crux der ganzen Angelegenheit, denn wirklich witzig ist „Der Informant“ nur selten. Es ist viel eher ein unterschwelliges Daueramüsement das sich quer durch den ganzen Film zieht. Geprägt wird der „Der Informant“ zum Einen durch die oftmals ironischen Kommentare aus dem Off von Whitacre, als auch zum Anderen der betont beschwingten musikalischen Untermalung, die in ihrer Intonation dem Thema des Films immer wieder diametral gegenüber steht. Und auch hier zeigt sich wieder das Soderbergh in weiten Teilen zu angestrengt, zu bemüht ist um mit seinem letztendlichen Film so locker-spritzig rüber zu kommen, wie er es unzweifelhaft gerne täte. Somit zeigt sich auch bei diesem Film das in der Einleitung thematisierte Dilemma Soderberghs: Abseits der handwerklichen Perfektion und Sicherheit, die der Regisseur auch in diesem Fall wieder versprüht (gerade die Neunziger Jahre sind von Soderbergh wunderbar eingefangen worden), regiert mal wieder viel Stückwerk, was dazu führt das es der Zuschauer mehr als schwer hat sich für den Film und die darin gezeigten Protagonisten zu interessieren.


Das ist gerade auch deswegen mehr als schade, weil Matt Damon im Zuge seiner Rolle als Mark Whitacre eine wirklich schöne Leistung abliefert. Damon, der sich für die Rolle mal eben über 15 Kilo zusätzlichen Speck angefuttert hat, zeigt in diesem Film wohl seine wandelbarste Rolle seit Jahren und beweist somit endgültig das er zu Recht zu der ersten Riege seines Fachs gezählt wird. Mit Scott Bakula steht ihm diesmal ein Kollege zur Seite, der in seiner Rolle - ob nun gewollt oder ungewollt, da kann man sich nicht ganz sicher sein - zu den komischsten Elementen des Films gehört. Sein ständiger und überakzentuierter Blick der Verwirrung und Überraschung den er mit Verve zur Schau stellt, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Wunderbar gegen den Strich besetzte Rollen, wie zum Beispiel die von „King of Queens“-Star Patton Oswalt, runden den positiven Eindruck der Besetzung zusätzlich noch ab. An den Darstellern liegt es also (wieder mal nicht) das Soderbergs Film nicht wirklich zu zünden weiß.


Es ist nicht zuletzt auch die verschachtelte Geschichte, die es dem Publikum nicht gerade leicht macht der Persönlichkeit Whitacre näher zu kommen. Anstatt so viel Augenmerk auf das Äußerliche zu richten, hätte sich Soderbergh lieber eingehender mit seinem Protagonisten beschäftigt. Dieser bleibt einem nämlich relativ fremd, was durchaus Schade ist, da das Potential für eine tiefergehende Beschäftigung ja jederzeit vorhanden gewesen und mit Damon auch ein Darsteller verfügbar gewesen wäre, der dies adäquat hätte umsetzen können. So aber bleibt mal wieder die Gewissheit einen Soderbergh gesehen zu haben, von dem man zwar nicht wirklich behaupten kann, dass es ein schlechter Film im eigentlichen Sinn gewesen wäre – aber eben auch kein Guter. Zu Beginn von „Der Informant“ weist Soderbergh darauf hin, dass seine Geschichte zwar auf wahren Begebenheiten fußt, aber ansonsten eigentlich fast alles erfunden sei: „Ätsch!“ Eigentlich hätte er noch hinzufügen können, dass er mal wieder sein übliches Programm herunter geleiert hat und es ihm herzlich egal ist, was sein Publikum davon hält (was ja nicht unbedingt eine schlechte Eigenschaft sein muss): „Ätsch!“ - Fazit: 6 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Der Informant". © 2009 Warner Brothers


2 Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

Die letzten beiden Sätze als Abschluss finde ich nicht sonderlich gelungen. Den Film selbst geb ich mir wohl mal auf DVD. Derartige Prämissen reizen micht ja irgendwie.

tumulder hat gesagt…

Soviel zu lesen, obwohl es doch gar nicht soviel über den Film zu schreiben gibt.^^ Ich muß aber gestehen, die fehlende Tiefe in der Betrachtung Withacre nicht unbedingt als Makel empfunden zu haben, eher empfand ich die Off-Kommentare sogar noch als überflüssig. Aber sicherlich kein faszinierender Film.

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