A Closer Look: Die Ankunft der Rohirrim

Es ist an der Zeit für eine neue Kategorie bei „Kino, TV und Co“, die vom heutigen Tage an in unregelmäßiger Regelmäßigkeit auf diesem Blog Erwähnung finden wird. Inspiriert ist „A Closer Look“, wie unschwer zu erkennen ist, von den zahlreichen anderen Kategorien der benachbarten Bloggersphäre, sei es nun „Das Zitat der Woche“, „Magic Moments“ oder auch die „Classic Scene“, die dem Kino huldigen. „A Closer Look“ wird all dies unter der Prämisse meiner subjektiven Wahrnehmung des Kinos in einer Kategorie vereinigen: Legendäre Zitate, emotionale und magische Filmmomente, perfekte Inszenierungen – Also all das was man unter dem Begriff Kino subsumieren kann.



"Arise! Arise, Riders of Theoden! Spears shall be shaken, shields shall be splintered! A sword day... a red day... ere the sun rises! Ride now!... Ride now!... Ride! Ride to ruin and the world's ending!"



Die erste Sequenz die in dieser Kategorie verewigt werden soll, ist das Eintreffen der Heerscharen Rohans auf den Pelennor Feldern (Man klicke auf das Bild um Théoden in die Schlacht zu folgen). Es ist nicht weniger als der im phantastischen Sinne epische Kampf zwischen den Mächten des "Guten" und des "Bösen", der an dieser Stelle voller Pathos und brillanter Inszenierung seine Verewigung findet. Im Angesicht der Streitmacht von Théoden reißt der dunkle und düstere Himmel auf und die Lichtstrahlen der Sonne brechen sich ihre Bahnen. Der grandiose Score von Horward Shore, die fabelhaften Kamerafahrten erzeugen im Verbund mit den Worten des Königs eine Atmosphäre, wie sie auf der großen Leinwand nicht beeindruckender sein kann. Und dies ist nur ein einziger und singulärer Moment in der „Herr der Ringe“-Trilogie von Peter Jackson, die nicht nur im Fantasy-Genre Maßstäbe gesetzt hat.


Quellennachweis: Abbildung aus "Rückkehr des Königs". © New Line Cinema (presents), WingNut Films (as A Wingnut Films production), The Saul Zaentz Company (licensor) (d/b/a Tolkien Enterprises)


Rezension: "Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat"











Der geneigte Leser, der sich an dieser Stelle eigentlich eine Rezension zu „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ erhoffte, der sei an dieser Stelle um Verzeihung und Geduld gebeten (Oder aber er springt sofort zur eigentlichen Rezension) – Er wird, dass soll an dieser Stelle versprochen sein, am Ende der Ausführungen erkennen, warum dieser Exkurs, sowie die Thematisierung wichtiger Fragen in diesem Kontext von Relevanz ist.


Eine kleine Vorkritik

Kann und sollte man „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ losgelöst von der konkret historischen Bedeutung der Figur Stauffenberg besprechen? Sollte man einfach akzeptieren, dass es Regisseur Bryan Singer und den anderen an diesem Projekt Beteiligten offensichtlich primär darum ging einen spannenden Thriller auf Zelluloid zu bannen und weniger einen cineastischen „Aufsatz in einer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte“ [1] zu verfassen? Und in der Tat, dies kann zunächst einmal in der Tat akzeptiert werden, ohne das dem Film damit ein automatischer Ablassbrief ausgestellt wird, doch macht es sich derjenige Rezensent offensichtlich zu einfach, der „die Freunde des Aktenstudiums und der Quellenkritik“ [2] a priori als umherirrende Gestalten klassifiziert, die sich „gelegentlich ins dunkle Kino“ [3] verirren um „dem Drehbuch den einen oder anderen angeblichen Fehler im historischen Detail nachzuweisen“ [4]. Die also - und dies implizieren diese Worte ja offensichtlich - besser von diesem Film ferngehalten werden sollten. Nun ist es natürlich völlig richtig, dass sich zum Einen auch der Historiker im Kontext seines subjektiven Schaffens automatisch in das Reich der Konstruktion, und eben nicht der Rekonstruktion begibt, dass somit zum Anderen auch der Geschichtswissenschaftler dem Anspruch der Weisheit letzten Schluss liefern zu können enthoben ist und das Gleiches zu guter Letzt selbstverständlich auch für die erzählende Kunst des Schreibens und Filmens gilt. Es mutet an dieser Stelle nur ein wenig seltsam an, dass in diesem Kontext ausgerechnet Leopold von Ranke als Beweisführer instrumentalisiert wird, der zwar erkannte, dass „Jede Epoche unmittelbar zu Gott ist“, aber eben auch von der Hoffnung und Bestreben beseelt war, zu ergründen wie „Es wirklich gewesen war.“ Das dies nun einmal leider nicht möglich ist, darauf wollte der im vorigen wiederholt zitierte Rezensent wohl offensichtlich (zu Recht) hinaus, doch wären geistige Größen wie Chladenius oder auch Max Weber an dieser Stelle die eindeutig passendere Wahl der Beweisführung gewesen.


Es vermag natürlich den Einen oder Anderen durchaus zu verwundern, dass es neben den Freunden des schnöden Aktenstudiums auch noch Jene gibt, die nicht nur Connaisseure der Quellenkritik, sondern eben auch der Filmkritik sind. Und es stimmt ja auch: Nichts ist schlimmer, als ein „verstaubter“ Historiker, der einen Film ausschließlich unter dem, was man gemeinhin als „historische Korrektheit“ bezeichnen würde, zu beurteilen sucht. Doch werden in diesem Zusammenhang nicht verschiedene Ebenen vermischt? Das sich nämlich aus dem Stoff des in dieser Rezension zu besprechenden Films eminent wichtige Fragen ergeben, die - wenn sie schon nicht explizit gestellt werden müssen, so aber eben doch implizit gestellt werden können - und die eben nichts mit dem „korrekten“ Wiedergeben historischer Ereignisse zu tun haben, soll im Folgenden in einem kurzem Abriss exemplifiziert werden. Dies scheint allein schon deshalb nötig, weil dieses Thema immer noch ein Schwieriges ist aus dem sich mannigfaltige Kontroversen speisen. Das diese Einschätzung keine hohle Metapher, sondern Realität ist hat die hysterische und aufgeregte Debatte, die sich seit dem Bekanntwerden des Projekts um die Dreharbeiten im Allgemeinen (Stichwort: Bendlerblock) und Tom Cruise (Stichwort: Scientology) im Speziellem entzündet hat und die damit exemplarisch für das immer noch unentspannte Verhältnis, welches weite Teile der deutschen Gesellschaft offensichtlich zur eigenen Geschichte pflegen, eindrucksvoll gezeigt.


Nun ist ist es ganz ohne jeden Zweifel so, dass eine semantisch orientierte Problematisierung des Terminus „Widerstand“, der in seiner Verwendung oftmals viel zu unreflektiert gebraucht wird in diesem Kontext viel zu weit führen würde. Nichts desto trotz kann in diesem Fall ein kurzer begriffsgeschichtlicher Exkurs von Nutzen sein, weist er doch auf ein in diesem Zusammenhang nicht ganz unwesentliches Problem hin: Welche Personengruppe und welche Handlungen werden eigentlich von diesem Terminus abgedeckt? Ist also zum Beispiel zwischen Dem, der mit Vorsatz den Hitler-Gruß verweigerte und Jenem, der über Jahre (Etwa in Berlin) jüdische Mitbürger bei sich in der Wohnung versteckte und so dem unheilvollen Zugriff der Nationalsozialisten entzog, in qualitativer Hinsicht zu unterscheiden? Oder aber sind all diese Handlungen vielmehr pauschal unter dem Widerstands-Begriff zu subsumieren?


Umfassen also die Formen des Widerstandes gegen das nationalsozialistische Terror-Regime ein weites Spektrum so gilt gleiches (natürlich nicht im quantitativen Sinne!!) auch für die verschiedenen gesellschaftlichen Träger des Widerstands. „Die Attentäter des 20. Juli“, die „Weiße Rose“, „Die Rote Kapelle“, der „Kreisauer Kreis“ dürften wohl noch die bekanntesten Vertreter sein, während Personen wie beispielsweise Georg Elser nur einem kleinen Kreis von Informierten ein Begriff sein dürfte. An dieser Stelle zeigt sich die diffizile Komplexität des öffentlichen Erinnerns, was also im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft memoriert wird. Eindeutig ist aber auch, dass dieser Prozess durchaus zu steuern ist. Die Grundsätze einer Ethik der Erinnerung müssen in diesem Kontext zur handlungsweisenden Maxime werden, die sich jedoch stets im Spannungsfeld zwischen den professionalisierten Hütern der Erinnerung – also den Historikern – einerseits und gesellschaftlich-politischen Interessen andererseits befinden (Wobei der Historiker als Bestandteil der Gesellschaft natürlich nicht von dieser zu trennen ist). Und so hat auch der Widerstand vom 20. Juli 1944 rund um Graf Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der öffentlichen Rezeption einen beschwerlichen Weg genommen: Kurz nach dem Krieg von weiten Teilen der noch jungen bundesdeutschen Gesellschaft als Eidbrecher und Verräter gebrandmarkt, von der offiziellen Politik jedoch schnell zu Ikonen erhoben, in der DDR, in deren Weltbild Widerstand gegen das dritte Reich nur vom linken Spektrum der Gesellschaft ausgehen konnte, viele Jahre lang vernachlässigt, ist der 20. Juli 1944 im Jahr 2009 als wichtiges Element der deutschen Opposition gegen Hitler, so scheint es, endgültig angekommen – Die öffentlichen Gelöbnisse der Bundeswehr im geschichtsträchtigen Bendlerblock sprechen zumindest in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache. Gleichwohl: Zur Lage der Motive vermag auch diese vordergründige Akzeptanz einer ambivalenten historischen Figur nichts auszusagen.


Eine Ambivalenz die sich natürlich nicht zuletzt aus der Tatsache des weitläufigen und keinesfalls homogenen Personenkreis der Verschwörer und der damit einhergehenden Fraktionierung der Motive ergibt. Die eine, monokausale und alles erklärende Begründung für das Attentat wird es von daher nicht geben. Das Bestreben dem Genozid an den Juden ein Ende zu setzten, sowie den zu diesem Zeitpunkt längst verlorenen Krieg zu beenden sind zwei Aspekte die von den Verschwörern selbst ventiliert worden sind, die jedoch in der historischen Bewertung durchaus zu hinterfragen sind. So ist festzuhalten, dass diese Beweggründe mit einiger Sicherheit für einige der Verschwörer ausschlaggebend waren, für einige jedoch mit Sicherheit nicht oder nur in einem weit geringerem Maße. Die Ursächlichkeiten des 20. Juli 1944 sind von dato so komplex wie es die letztendliche Rezeption des Attentats in der Folgezeit ist. Viele Fragezeichen müssen sich dort ergeben, wo klare Antworten gewünscht sind: Wäre es auch zum Attentat gekommen, wenn die Wehrmacht den Krieg erfolgreicher gestaltet hätte? Kann man bezüglich des Zeitpunkts von Zufall sprechen? Wäre das Attentat in moralischer Hinsicht glaubwürdiger gewesen, wenn es vor dem Untergang der 6. Armee in Stalingrad, der amerikanischen Invasion in der Normandie und vor der kompletten Vernichtung der Heeresgruppe Mitte (Mit dem Verlust von 28 Divisionen) erfolgt wäre? Hätten die Verschwörer den Krieg sofort in Gänze beendet, oder hätten sie versucht im Westen einen Separat-Frieden zu schließen? Und auch in diesem Fall kann eine pauschale Beantwortung dieser Fragen nicht erfolgen. Kann man etwa für Ludwig Beck in Anspruch nehmen, dass dieser schon früh gegen Hitler Opposition bezogen hat und bereits 1943 unglücklich mit einem Attentat scheiterte, muss diese Frage ebenfalls für die wohl schillerndste Figur des Attentats vom 20. Juli 1944 gestellt werden: Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg.


Die Bewertung von Stauffenberg im stetigem Konflikt zwischen den ihm oftmals zugeschriebenen Adjektiven des „überzeugten Nazis“ einerseits und „ikonenhaften Helden“ andererseits ist ein komplexes Unterfangen. Ein aristokratisch geprägter Nationalist, ein leidenschaftlicher Soldat und eben kein Demokrat. Ein Mann von dem überliefert ist, dass er die Juden als Volk, dass „sich nur unter der Knute wohl fühlt“ bezeichnet hat. Ein Mann, der 1939 für Hitler bereitwillig ins Feld gezogen ist. Und auch an dieser Stelle werden wieder weitreichende Fragen evoziert: Ist etwa zu unterscheiden zwischen einem latenten Rassismus und Antisemitismus, wie er in weiten Teilen der damaligen (und vor allem nicht nur deutschen) Gesellschaft zu finden war und dem bewussten Willen und Vorhaben einen Völkermord zu begehen? Wird Stauffenberg für den bloßen Versuch des Attentats zu Recht als Held verehrt oder sind es vielmehr seine wahren Beweggründe, die von entscheidender Natur sind? Letztendlich ist dies eine Frage, die wohl jeder für sich selbst entscheiden muss. Doch sollte Eines bei all der berechtigten Skepsis nicht vergessen werden. Unzählige Menschen hätten im Falle eines Erfolgs gerettet werden können, so aber ging das Sterben an den Fronten bis Mai 1945 ebenso unvermindert weiter wie der Holocaust. Gleiches gilt für das unermessliche Leiden der Zivilbevölkerung in ganz Europa.


Rezension: „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“

Tunesien 1943: Oberstleutnant i. G. Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg (Tom Cruise) vertraut sich seinem Feldtagebuch an: Der Krieg sei verloren, Hitler für die Zerstörung Deutschlands verantwortlich, der Völkermord an den Juden ein Verbrechen. Es muss sich, da ist sich Stauffenberg sicher, etwas ändern und dies noch dazu schnell. „Du kannst Deutschland oder dem Führer dienen. Nicht beiden“ - Dies ist seine handlungsleitende Maxime, der er nur wenige Momente später folgt, indem er einen Befehl Hitlers verweigert, beziehungsweise mit dem Zweck modifiziert, möglichst vielen deutschen Soldaten einen in seinen Augen sinnlosen Tod zu ersparen. Minuten später wird Stauffenberg schwer verwundet in der Wüste Tunesiens liegen, während in der Zwischenzeit an der Ostfront ein weiteres von zahlreichen Attentaten auf Adolf Hitler fehlschlägt: Die Bombe, die Generalmajor Henning von Tresckow (Kenneth Branagh) in das Flugzeug des Diktators geschmuggelt hat, zündet nicht. Ein neuer Plan und ein neuer Mann muss her. Dieser neue Mann ist ebenjener schneidige Offizier, der in Tunesien verwundet und mittlerweile zum Oberst befördert wurde. Der sich dazu entschieden hat Hitler zu töten und somit seinen soldatischen Eid zu brechen: Ist erstmal Hitler beseitigt, so der Plan des kleinen Zirkels von Militärs und Vertretern des bürgerlichen Widerstands, soll unverzüglich der Walküre-Befehl ausgegeben werden, der vom Regime ursprünglich dazu konzipiert wurde, die eigene Macht bei einem Staatsstreich zu sichern, der aber von den Widerständlern in der Art modifiziert wurde, dass er sich gegen das Regime verwenden lässt. Am 20. Juli 1944 bringt Stauffenberg die Bombe zur Explosion – Mit dem bekanntem Ergebnis und den damit verknüpften Folgen.


Wurde im Vorigen das grotesk anmutende Spektakel, dass sich in Deutschland seit dem Bekanntwerden des Projekts entzündete, ebenso kurz thematisiert, wie die eminent wichtigen Fragen die in Bezug auf Stauffenberg und dem 20. Juli zu stellen sind, kann an dieser Stelle somit unverzüglich zur eigentlichen Rezension übergeleitet werden. Ein Film, gerade wenn er so offensichtlich auf Unterhaltung hin konzipiert worden ist, muss sich verständlicherweise in der Umsetzung eines historischen, noch dazu ohne Zweifel sensiblen Stoffes, mit gewichtigen Problemen konfrontiert sehen, die es mindestens zu umschiffen, im besten Fall sogar zu lösen gilt. „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ wählt in dieser Hinsicht den einfachsten Weg, da das Drehbuch die angesprochene Fraktionierung der Motive sowohl in Bezug auf Stauffenberg, als auch in Bezug auf die anderen beteiligten Personen am 20. Juli vollständig unterschlägt, weil grobschlächtig pauschalisiert. Exemplarisch kann dies an der filmischen Stauffenberg-Konzeption durchdekliniert werden. Ein Zelt in der Wüste zu Beginn des Film muss der Khartasis augenscheinlich genug sein. Das Leben Stauffenbergs vor dem Krieg, seine Rolle in diesem Waffengang bis 1943 – es spielt keine Rolle. Die Motive, die ihn antreiben, sie stehen absolut und edelmütig zu Beginn des Films und werden zu keiner Sekunde hinterfragt. Was Regisseur Bryan Singer dem Zuschauer an dieser Stelle bietet ist ein Ritter ohne Furcht und Tadel, ein Superheld wie er aus dem Comic und nicht aus der Historie hervorgegangen zu sein scheint. Stauffenberg ist in diesem Film – und das muss dann doch erstaunen – eindimensionaler als es so manche Comic-Figur etwa in den „X-Men“-Verfilmungen ist. Wer Hitler töten will, muss augenscheinlich und a priori ein guter Mensch sein, dies ist es, was die Bilder durchaus plump suggerieren.


Tom Cruise verkörpert somit einen Stauffenberg, wie er undankbarer nicht zu spielen ist. Wo soll Präsenz auf der Leinwand entstehen, wenn es die Rolle nicht hergibt. Cruise Interpretation ist somit routiniert, beschränkt auf die reine Verkörperung des agil handelnden jungen Offiziers, der im Gegensatz zu einigen seinen Mitverschwörern als ein Mann der Tat und nicht des Zauderns dargestellt wird. Nun ist der Fokus des Films auf Stauffenberg nicht zu Vorderst zu kritisieren, sondern viel mehr als konsequent zu bezeichnen. Offensichtlich ist jedoch auch, dass Cruise hinter zahlreichen Kollegen des Ensembles schauspielerisch zurück stehen muss. Dies gilt vor allem für die gelungene Verkörperung des Generals Friedrich Ollbricht durch Bill Nighy, aber auch für Christian Berkel, der Oberst Albrecht Mertz von Quirnheim eine eindrucksvolle Präsenz verleiht. Zahlreiche weitere Darsteller könnten in dieser Aufzählung ohne Weiteres genannt werden, so dass letztendlich zu konstatieren ist, dass es zwar Cruise ist, der als Zugpferd von den Werbeplakaten blickt, ohne das insgesamt stark aufspielende Ensemble aber ein echtes Problem hätte.


Doch soll an dieser Stelle nicht unterschlagen werden, dass es Singer mit „Operation Walküre“ gelungen ist eine - zumindest für den deutschen Zuschauer – altbekannte Geschichte auf durchaus spannende und packende Art und Weise zum wiederholten Male eindrucksvoll zu erzählen. Dies, und absolut nur dies, ist neben der schauspielerischen Leistung einiger Darsteller der Grund dafür, warum der Film letztendlich für das, was er sein will, funktionieren kann. Und es zeigt sich eben doch wieder einmal, dass es die Amerikaner sind, die genau wissen, wie man eine gute Ausgangsgeschichte in packende und auch visuell durchaus beeindruckende Bilder zu kleiden hat. Es sind nicht wenige Szenen, die einen hervorragenden Eindruck der dramatischen Dynamik eröffnen können, die sich in 1944 in den Stunden nach dem Attentat in Berlin abgespielt haben: Wie das Regierungsviertel abgeriegelt, die Schergen der SS und SA inhaftiert worden sind, wie aber auch der Staatsstreich letztendlich am menschlichem Versagen und dem Faktor Zufall scheitern musste. Summa summarum kann sich selbst der, der nicht nur mit dem groben Ablauf, sondern auch mit weiteren Einzelheiten der historischen Abläufe vertraut ist, der Dynamik der Bilder nicht entziehen. Als Amüsant sind hingegen die völlig hemmungslos eingesetzten Herrschaftssymbole des Nationalsozialismus zu bezeichnen, was sich durch den gesamten Film zieht und somit zu einer letztendlich erheiternden – weil überstiliersten - Aopstrophierung der immer wieder tradierten „Film--Nazi-Klischees“ aus Hakenkreuz, dem fetten Göring und blondem Schoßhündchen verkommt.


Schlussendlich muss jedoch konstatiert werden, dass sich „Operation Walküre“ jeglicher Brisanz verweigert. Keine der im ersten Teil gestellten Fragen bezüglich der Motive, Ziele und des beteiligten Personenkreises, allen voran Stauffenberg, werden in diesem Film von Singer ernsthaft und tiefgründig thematisiert. Nein, es kann an dieser Stelle wirklich nicht darum gehen, einen kritisierenden Überblick über die der Dramaturgie geschuldeten Anpassungen an Ablauf und Konstellation und Zeichnung der Figuren zu evozieren, doch „Operation Walküre“ ist in seiner Summe aus den genannten Gründen nicht mehr als ein handwerklich gut gemachter Thriller, der sich jeglicher provozierenden (und damit interessanten) tiefschürfenden Ambitionen konsequent verweigert. Warum dies zwar durchaus legitim ist, gleichzeitig aber auch die Tatsache mit sich bringt, warum dieser Film in seiner Summe vom Inhalt her gesellschaftlich völlig unwichtig ist, dass steht in „Der kleinen Nachkritik“ - Fazit: 5 von 10 Punkten.


Eine kleine Nachkritik

Es war noch lange hin bis zu Kinostart, da wusste es die FAZ, oder sollte man besser sagen Frank Schirrmacher, natürlich schon längst vor allen Anderen: Bryan Singer ist dabei, einen Film zu drehen, der, wenn nicht alle Zeichen trügen, Deutschland mehr verändern wird als irgendein anderer denkbarer Film der letzten Jahrzehnte.“ [5] Das ist groß, das ist toll und wenn man schon mal dabei ist, dann kann man ja Tom Cruise auch noch gleich einen Bambi für Courage verleihen, weil er – der große Star – sich dazu herabgelassen hat Stauffenberg zu spielen. „Es lebe das heilige....“ - Jaja, das Debakel um Cruise' Dankesworte in der nachfolgenden Rede dürften bekannt sein. Und nun ist der Film in den Kinos zu sehen und Schirrmacher legt gleich mal nach: „Hollywood hat erreicht, was nur Hollywood kann: eine international weitgehend unbekannte Geschichte und ihr Motiv zu globalisieren.“ [6] Das ist groß, das ist toll. Aber mal abgesehen davon, dass dies vielleicht sogar ein positiver Nebeneffekt des Streifens ist, macht allein diese Tatsache aus dem Film auch einen großen Film? Ja, wir Historiker sollen uns ja angeblich da raus halten, verderben wir am Ende doch nur die Laune: „Deshalb sind Debatten über Einzelfragen historischer Authentizität unangemessen“ [7] Gut, es ist ja nun in der Tat verstanden doch stellt sich doch die Frage, was wäre, wenn jetzt einer in die Staaten reist und in den Kinos eine große schwarze Pappwand mit weißem Text mit der Geschichte des 20. Julis vor die Leinwand hängt. Dann wissen die Leute auch Bescheid, aber aus der schnöden Pappwand wird deshalb noch lange kein guter Film. Selbst die FAZ, die sich alle Mühe gibt den Film (zu) offensichtlich zu sekundieren, kann sich nicht entscheiden warum sie das eigentlich tut. Eine (gleichsam manipulative) Zusammenstellung offenbart nämlich: „Operation Walküre ist - man glaubt es kaum - der spannendste Thriller der letzten Zeit.“ [8] Und deswegen wird er jetzt Deutschland verändern, weil so spannend ist? Und was ist nun die Moral von der Geschicht'? It's very simple: Den Fokus der eigenen Kritik einfach nur drauf zu legen was Andere angeblich alles nicht kritisieren dürfen, reicht in der Summe leider ebenso wenig aus, wie das angeführte Argument der großartigen informativen Wirkung des Films (Die, wie gesagt völlig unabhängig von der Konzeption des Films als Faktor herangezogen wird). Wo bleibt da das Kino, der Film per se, eben jener, der sich traut wichtige Fragen zu stellen, der eben nicht feige ist, so wie es „Operation Walküre“ letztendlich ist. Aus qualitativer Sicht ist dieser Film ein mittelmäßiger und beliebiger Thriller. Lebt mit dieser Erkenntnis und hört auf einen Mythos zu schaffen, dem der Film von der ersten bis zu letzten Sekunde nicht gerecht wird!


Quellennachweis: Abbildungen aus "Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat". © MGM, United Artists, Achte Babelsberg Film, Bad Hat Harry Productions


Handball WM 2009

Update Nr. 9: Deutschland – Dänemark: 25:27

Ich habe keine Lust viel zu schreiben, mir ist die Motivation vergangen. Das Polen im zweiten Spiel des Abends drei Sekunden vor Schluss gegen Norwegen zum 31:30 trifft (Bei einem Unentschieden wäre Deutschland doch noch ins Halbfinale eingezogen), passt letztendlich perfekt ins Bild: Erst hatten sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Wie gesagt, heute keine langen Worte. Stattdessen einfach ein kurzes Zitat aus dem Artikel der SZ, welches das wesentliche zusammen fasst:


Dass Bitter den Ball berührt hatte, bestätigte selbst sein Gegenüber Kaspar Hvidt, der Mann also, der am weitesten entfernt war. Und Dänemarks Linksaußen Lars Christiansen sagte: "Bitter war am Ball, das war ganz klar Torabwurf. Da kriegen wir einen großen Vorteil. Ich verstehe den Frust der Deutschen." "Das gesamte Schiedsgericht hat mir später bestätigt, dass ich am Ball war", rief Bitter verzweifelt. Jeder deutsche Spieler war erschüttert, weil es eine so offensichtliche Demonstration gewesen war. "Das ist ein Riesenskandal", sagte Ersatztorwart Silvio Heinevetter, "ich weiß nicht, was die gegen uns haben. Das ist Betrug."“ (Quelle: SZ)


Und wenn Trainer Brand vorsichtig mit dem sein muss, was er sagt, dann ist das so. Ich aber muss nicht vorsichtig sein, ich kann sagen was ich denke: Entweder waren die Schiedsrichter-Gespanne der letzten beiden Spiele inkompetent, oder aber man muss wirklich ein mal das Wort „Betrug“ in den Mund nehmen.


Doch nun zum Schluss noch etwas Positives: Diese junge Mannschaft hat toll gekämpft und toll gespielt. Dafür Danke! - Und es geht ja auch noch weiter, auch wenn es nur die Spiele um die Plätze sind.


Update Nr. 8: Deutschland – Norwegen: 24:25

Zunächst: Haben die Norweger unverdient gewonnen? Antwort: Nein, mit Sicherheit nicht. Ist die deutsche Mannschaft zu verschwenderisch mit den eigenen Chancen umgegangen? Antwort: Ganz bestimmt. Ist das Spiel von den Mannschaften entschieden worden? Antwort: Leider nicht!!! Aber ich will an dieser Stelle auch gar nicht viele Worte zum Spiel der deutschen Mannschaft verlieren: Wo soll die Sicherheit auch herkommen wenn Pascal Hens früh angeschlagen auf die Bank muss, und sich Michael Kraus so schwer verletzt, dass er aus der Halle getragen werden muss. Den Ausfall zweier so wichtiger Spieler kann das junge deutsche Team nicht verkraften. Umso bemerkenswerter, dass das Spiel bis zum Ende offen war. So, und nun ans Eingemachte: Mal abgesehen davon, dass die Schiedsrichter bei diesem Spiel von der ersten Minute hüben wie drüben gepfiffen haben, als würden sie zum ersten Mal ein Handball-Spiel sehen, mal abgesehen davon, dass die rote Karte gegen Tiedtke ein Witz war, mal abgesehen das in der Schlussphase fast jedes Tor der Norweger wegen technischer Fehler im Zweifel hätte abgepfiffen werden müssen, waren die letzten 10 Sekunden eine Frechheit. Was zum Himmel kann die deutsche Mannschaft dafür, wenn die Norweger eine Minute vor Schluss mit zwei Toren führen, aber dann zwei mal den Ball leichtfertig wegwerfen? Dann tritt der Norweger den Ball bei Ballbesitz noch mal mit dem Fuß weg, hätte dafür eigentlich auch noch vom Platz fliegen können. Aber was machen die Pfeifen an der Pfeife? Erst halten sie die Zeit nicht an und dann pfeifen sie unsere Mannschaft auch noch 2 mal zurück, bis die 10 Sekunden auch wirklich abgelaufen sind. Bei zwei Mann in Überzahl, die wir hatten, wäre das Unentschieden was uns für den Einzug ins Halbfinale gereicht hätte, mehr als einfach nur möglich gewesen. Man wird leider davon sprechen müssen, das dieses Spiel letztendlich verschoben wurden ist. Wenn es ganz dumm läuft und dieses Spiel nicht nur körperlich, sondern auch psychisch seine Spuren hinterlässt, dann haben die Schiedsrichter Deutschland heute den Einzug ins Halbfinale gekostet. Den ob Kraus am Dienstag gegen Europameister Dänemark wird spielen können, scheint in diesen Momenten mehr als fraglich, gleiches gilt für den angeschlagenen Pascal Hens. Und eins ist klar: Es muss nun gewonnen werden, um noch ins Halbfinale einziehen zu können


Und nun noch eine allgemeine Anmerkung, nicht nur bezogen auf das deutsche Spiel: Es ist in meinen Augen unverantwortlich wie die Schiedsrichter bei diesem Turnier pfeifen. Für jeden Scheiß (Gerangel am Kreis, Abwehr durch den Kreis) gibt es sofort eine Zeitstrafe. Das kann es nicht sein, zumal der Infight am Kreis zwar hart ist, aber nicht so gefährlich wie das unfaire Spiel, was sich leider vermehrt im internationalen Handball bezüglich der Abwehraktionen gegen die Rückraumspieler abspielt: Dort wird gestoßen und gehalten, auch wenn – und das ist das Schlimme – der Rückraumschütze schon längst in der Luft steht. Wenn dann noch ein Stoß kommt, dann kann das böse Folgen haben. Das Verletzungsrisiko ist nicht mehr zu kontrollieren, wie heute auch bei Kraus mal wieder leidvoll zu erfahren war. Das die Schiedsrichter da nicht eingreifen, ist eine Frechheit sondergleichen. Mal abgesehen davon, was sie sich sonst so zurecht pfeifen. Mitte der zweiten Halbzeit Polen gegen Deutschland haben die Spieler beider Mannschaften die Schiedsrichter auf Grund ihrer Entscheidungen nur noch ausgelacht. Das ist bezeichnend!


Motto der Stunde: Don't worry, Be Happy! (Leichter gesagt, als getan)




Wut-Update Nr. 7 (1 Minute nach Abpfiff): Deutschland – Norwegen: 24:25

Vielleicht noch irgendwann mal ein Update in Ruhe (Heute aber nicht mehr. Das wird nichts mehr mit Ruhe heute), bis dahin nur ein Wort zu den Schiedsrichtern: Dreckschweine!!!


Update Nr. 6: Deutschland – Serbien: 35:35

War eine enge Kiste, konnte das Spiel aber leider nicht sehen. Hatte aber die besten aller Ausreden: Habe selber gespielt. Wie das Spiel gelaufen ist, wissen die Kollegen von der SZ.


Update Nr. 5: Deutschland – Polen: 30:23

Man kann es an dieser Stelle kurz, klipp und klar sagen: Das Spiel des Weltmeisters gegen den Vizeweltmeister von 2007 war bislang das stärkste und beste Spiel der deutschen Mannschaft in diesem Turnier. Selbst die frühen doppelten Zeitstrafen gegen den Mittelblock Roggisch und Preiß konnten von den Polen in diesem Spiel zu keinem Zeitpunkt genutzt werden. Ganz im Gegenteil: Zwar spielte Deutschland insbesondere in der ersten Halbzeit oft in Unterzahl, die Tore fielen aber dennoch zu Meist durch den deutschen Angriff. Mitte der zweiten Halbzeit war das Spiel dann entschieden: Sicher in der Deckung, kreativ im Angriff, ein starker Torhüter – Sehr viel besser geht es nicht. Das lässt mit Blick auf die Hauptrunde (Gegner: Serbien, Norwegen, Dänemark) hoffen, zu mal Deutschland mit dem Optimum von 4:0 Punkten in die Hauptrunde startet.


Update Nr. 4: Deutschland – Mazedonien: 33:23 – Hauptrunde wir kommen!!

Das Ergebnis ist am Ende deutlicher, als es der Spielverlauf wirklich war. Es wurde gegen die Mazedonier das erwartet schwere Stück Arbeit, gerade in der ersten Halbzeit, als man in der Abwehr nur selten sicher stand, von den zahlreichen Fehlern im Angriff gar nicht erst zu sprechen.Wie befürchtet, ist es der einzige Handballer von Weltformat in den Reihen der Mazedonier gewesen, der die Deutschen vor erhebliche Probleme gestellt hat. Was aber auch schon gegen Tunesien zu beobachten war, traf auch in diesem so wichtigem Spiel zu: Die Mannschaft ist in der Lage die Nerven zu behalten, so dass man gegen Ende der ersten Halbzeit das Ergebnis wieder ausgleichen konnte und nur auf Grund einer doppelten Unterzahl kurz vor der Halbzeit am Ende der Hälfte Eins mit einem Tor hinten lag. In der zweiten Halbzeit lief das Spiel dann deutlich besser: Bitter hielt endlich die Bälle, die er vorher nicht gehalten hat und der Angriff verbesserte seine Erfolgsquote. Trotzdem: Man kann nur spekulieren, wie lange das Spiel noch offen geblieben wäre, hätte sich Kiril Lazarov nicht nach 45 Minuten nach einer dummen Tätlichkeit zu Recht mit einer roten Karte vom Spiel verabschiedet (Bis dahin schon wieder 9 Tore!). So aber konnte der Vorsprung in der Folge kontinuierlich ausgebaut werden. Der Einzug in die Hauptrunde ist nujn perfekt. Morgen gegen Polen (17.30 Uhr) wird es nun darum gehen müssen, eine möglichst gute Ausgangsposition für die Hauptrunde zu erspielen: Mit einem Sieg und einer gleichzeitigen Niederlage der Russen gegen die Mazedonier, könnte Deutschland sogar mit dem Optimum von 4:0 Punkten in die Hauptrunde starten. „Man of the Match“ des heutigen Spiels ist für mich im Übrigen Christian Schöne,der heute, erst gestern von Heiner Brand nachnominiert, bei der Mannschaft ankam und sofort die vakante Position auf der rechten Außenposition mit Bravour besetzte. Seine Ausbeute: 8 Tore, bei 9 Würfen ist aller Ehren wert!


Update Nr. 3: Deutschland – Algerien: 31:20

Es gab den erhofften deutschen Sieg gegen den einzigen Außenseiter in der deutschen Gruppe. Ich konnte das Siel leider nicht sehen, beziehungsweise habe in Voraussicht der Ausgangs was anderes vorgehabt. Soll vorkommen. Heiner Brand hat offensichtlich die Gunst der Stunde genutzt und gerade Pascal Hens für die kommenden schweren Aufgaben geschont. Das einzig wesentlich was ich wohl verpasst habe: Ein Tor von unserem Abwehr-Chef Oliver Roggisch. Die Pflicht ist also erfüllt nun kommen mit Mazedonien (Mittwoch 17.30 Uhr) und Polen aber auch erst die schweren und entscheidenden Brocken – So, und nun noch an dieser Stelle der Verweis auf den Spielbericht der SZ.


Update Nr. 2: Deutschland – Tunesien: 26:24

Es ist geschafft: Der erste und so wichtige Sieg bei der WM ist eingefahren, so dass der Turnierstart der Mannen um Heiner Brand letztendlich mit einer Ausbeute von drei Punkten aus zwei Spielen als gelungen bezeichnet werden kann.Wer allerdings hofft, dass die deutsche Mannschaft nach der unglücklichen Niederlage sofort eine Reaktion zeigen würde, der sah sich getäuscht. Schnell lag man gegen schnell und kraftvoll spielende Tunesier 1:6 hinten, was nicht nur einer suboptimalen Leistung in der Abwehr geschuldet war, sondern vor allem aus einer desaströsen Wurfquote im Angriff heraus resultierte. Das sich dieses Bild in Endphase umdrehte, ist letztendlich auch Ausdruck dafür – und das muss überaus positiv stimmen – dass die noch junge Mannschaft in der Lage ist auch in kritischen Situationen die Nerven zu behalten. Von wichtiger Bedeutung, dass hat sich heute deutlich gezeigt, ist auf jeden Fall das Mitwirken von Spielmacher Michael Kraus, der dem deutschen Spiel sofort die nötigen Impulse verleihen konnte. Damit verbunden ist gleichzeitig aber auch die Erkenntnis, dass Martin Strobel in seinem ersten großem Turnier noch nicht in der Lage ist, Kraus gleichwertig zu ersetzen. Insgesamt gesehen muss man jedoch mit der heutigen Leistung zufrieden sein, gerade wenn man an gestrige Hiobsbotschaft denkt (So ist für Rechtsaußen Sprenger nach seiner Verletzung die WM schon nach dem ersten Spiel gelaufen). Es bleibt noch viel zu tun, gerade in Hinsicht auf die schweren Spiele gegen Mazedonien und Polen. Wer jedoch denkt, die morgige Begegnung (17.30 Uhr) gegen Algerien wäre ein Selbstgänger, dürfte sich getäuscht sehen.


Update Nr. 1: Deutschland – Russland: 26:26

Ein nach dem Spielverlauf nicht zufriedenstellendes Remis der deutschen Mannschaft gegen Russland, markiert den Auftakt in das Turnier. Nach starkem Start ging leider relativ schnell der Fluss im Spiel verloren, so dass die Russen ihre Stärke entfalten konnten. Eine phasenweise sehr starke Leistung in der Abwehr reichte leider nicht aus, um die Führung letztendlich über die Zeit zu bringen. Dies haben sich unsere Handballer zum großen Teil selbst zuzuschreiben, zu hektisch das Spiel in der Endphase. Nichts desto trotz: Was die Dänen da in der letzten Minute gepfiffen haben, grenzt an eine Frechheit: Erst die Nichtahndung des klaren Fouls gegen Hens und dann noch der mindestens zweifelhafte Siebenmeter-Pfiff und die glasklar unberechtigte Zeitstrafe gegen Janssen, ermöglichte Russland den letztendlichen Ausgleich. Aber wer sich in den Schlussminuten die Butter vom Brot nehmen lässt, so dass sich auf eine knappe Führung von nur einem Tor verlassen werden muss, darf sich nicht wundern, wenn man das Spiel nicht gewinnt. So ist dann auch gekommen, mit der Konsequenz dass eine bärenstarke Leistung der Hamburger Trias um Torhüter Bitter, Pascal Hens (9 Tore) und Thorsten Jansen (7 Tore) eben nicht zum Sieg gereicht hat. Nun heißt es morgen (17.30 Uhr) gegen Tunesien den ersten Sieg einzufahren.


Endlich gehts los!

Es ist erst zwei Jahre her, doch gefühlt wie eine Ewigkeit: Die Handballweltmeisterschaft 2007 in Deutschland. Und was den Fußballern nicht vergönnt war, das schafften bekanntlich die Mannen von Heiner Brand: Weltmeister im eigenen Land. Was waren das für dramatische Spiele: Die Wiederauferstehung von Henning Fritz gegen Slowenien, das Viertelfinale gegen Spanien, das Halbfinale gegen Frankreich nach zweifacher Verlängerung und schließlich das Finale gegen Polen, wo nach dem grandiosen Kunstwurf zum 1:0 durch Thorsten "Toto" Jansen gefühlt sowieso nichts mehr schief gehen konnte. Heute Abend ist es nun so weit: Die Weltmeisterschaft 2009 in Kroatien beginnt auch für die deutsche Mannschaft. 17.30 Uhr gegen die Russen geht es endlich los. Doch was ist in diesem Jahr von unserer Mannschaft zu erwarten? Eine junge Mannschaft im Umbruch, die gleich vor dem ersten Spiel den Ausfall unseres Spielmachers Michael "Mimi" Kraus zu verkraften hat. Nein, von Titelverteidigung sollte nicht gesprochen werden. Ziel muss es erstmal sein die schwere Vorrunde zu überstehen. Sollte das gelingen ist in der KO-Runde an einem starken Tag, wo unsere Jungs über sich hinauswachsen, alles möglich. Wir werden sehen und bis dahin heißt es: wieder ein Mal: "Wenn nicht jetzt, wann dann? "- Ah, Handball ist sowieso der geilste Sport der Welt... Haltet also Alle die Daumen!!!



Gastbeitrag: Rezension: "Twilight"

Nein, ich habe „Twilight“ nicht gesehen, sondern mich wohlweislich auf das schwedische Gegenstück „So finster die Nacht“ beschränkt. S.H. jedoch hat es sich nicht nehmen lassen die Verfilmung des Romans von Stephenie Meyer, welche im Moment einen Erfolg an den Kinokassen an den Nächsten reiht, einem prüfenden Blick zu unterziehen, so dass ich mich an dieser Stelle freue, ihren nunmehr zweiten Gastbeitrag auf diesem Blog veröffentlichen zu dürfen:


Rezension: „Twilight“









Es ist wohl immer die gleiche Geschichte, wenn versucht wird, einen Bestsellerroman als Film zu verwirklichen. Der Film wird kritisiert. Natürlich kommt auch „Twilight“ nicht darum herum. Kein Kritiker hält sich hier zurück, seine Meinung kundzutun und selbstverständlich hat er auch Recht. Zumindest, wenn es nach ihm geht. Dem einen gefallen die Schauspieler nicht, da sie nicht seinen Fantasievorstellungen beim Lesen entsprechen, dem anderen trägt der Film zu viel Kitsch auf, frei nach dem Motto „im Buch war das ja gaaaaanz anders“ und dann kommt noch der dritte, der allen einzureden versucht, dass die Vampire ja gar nicht wie Vampire aussehen (als ob er persönlich schon einem gegenüber gestanden hätte!) Es ist faszinierend, was jeder auf einmal auszusetzen hat an der Geschichte. Doch kommen wir erst einmal zum Inhalt von Twilight:


Die siebzehnjährige Bella Swan (Kristen Stewart) zieht von Arizona zu ihrem Vater ins regenreiche Forks, im Nordwesen Amerikas, nachdem ihre Mutter einen neuen Mann geheiratet hat. Sie erwartet nicht viel von ihrer neuen Zukunft, doch wie es meistens so ist, kommt es anders als gedacht. An ihrer neuen Schule begegnet Bella der Familie Cullen. Vom ersten Augenblick an merkt Bella, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt, ihr Aussehen, ihre Bewegung, alles ist anders. Es dauert jedoch seine Zeit, bis sie herausfindet, dass die Cullens Vampire sind. Doch da ist es bereits zu spät, denn mittlerweile hat sich Bella unsterblich in den jüngsten Cullen, Edward (Robert Pattinson), verliebt. Dass so eine Beziehung nicht gerade unter einem guten Stern steht, ist denkbar, und so kommt es, wie es kommen muss: Bella wird zum Ziel eines anderen Vampirs, der sie töten möchte und Edward muss beweisen, was in ihm steckt, um sie zu retten.


Natürlich klingt dieser Plot nach einer kitschigen Liebesgeschichte, und ich schäme mich auch nicht, wenn ich sage, das ist sie auch. Wer jedoch behauptet, dass es im Film übertrieben wurde, der hat entweder das Buch nicht gelesen, es nicht richtig gelesen oder ihm ist nichts anderes eingefallen. Denn genau das, was Kitsch ausmacht, die schmachtenden Blicke, die rührseligen Gespräche und die unbezwingbare Liebe zueinander, waren im Buch schon zu finden. Was die Blicke angeht, natürlich nicht im bildlichen Sinn, aber sie waren da, sie waren beschrieben, man konnte es lesen. Und genau das war es doch auch, was die Leute lesen wollten, egal, ob jung oder alt, denn es ist ein Buch. Man begibt sich in eine andere Welt, man flüchtet vor seiner eigenen Welt, der eigenen Realität, indem man ein Buch liest. Man möchte abgelenkt sein und genau das hat „Biss zum Morgengrauen“ grandios erfüllt. Stephenie Meyer hat in ihrem Buch, welches aus Sicht von Bella Swan erzählt, auf eine faszinierende, lustige und fesselnde Weise den Weg dargestellt, wie sich Bella und Edward ineinander verlieben. Ihre Dialoge sind von einer unglaublichen Magie gefüllt, voller Charme, Ironie, Wut, Verzweiflung, Liebe und Leidenschaft zwischen den beiden Teenagern, die beide nicht glauben können, was mit ihnen passiert. Und genau das ist es, was die Menschen am dem Buch so fasziniert, was es ihnen so eine unheimliche Freude macht, es zu lesen.


Der Film kann natürlich diese ganzen Dialoge nicht wiedergeben, aber das ist immer so, wenn ein Buch verfilmt wird. Von daher musste die Regisseurin auf das Wesentliche zurückgreifen, also die Szenen, die deutlich machten, dass Bella und Edward sich ineinander verlieben und wie stark ihre Liebe zueinander ist. Dies kann der Grund sein, dass der Film sehr kitschig rüberkommt, denn die „normalen“ Gespräche fallen somit überwiegend weg. Ebenfalls häufig kritisiert wird das Aussehen von Edward und seiner Familie, die angeblich mehr mit Kinderfasching zu tun haben, als mit Vampiren. Doch wie hätten sie denn dargestellt werden sollen, frage ich mich!? Sie müssen doch auffallen und vor allem, sie sollen doch auffallen. Und ich finde es auch nicht übertrieben, wer jemals „Interview mit einem Vampir“ gesehen hat, der weiß, dass Brad Pitt auch nicht aussieht, als wäre er gerade aus dem Sonnenstudio gekommen. Im Gegenteil. Ich finde, dass die Familie Cullen durch ihr Aussehen geradezu unglaublich faszinierend wirkt, an erster Stelle natürlich Edward. Robert Pattinson verkörpert den jungen Vampir, als wäre er tatsächlich einer. Seine Haltung, seine Gestik, sein Aussehen und vor allem seine Augen und seine Blicke haben (zumindest mich), und andere Zuschauer auch, denke ich, vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen. Er kann genau die Gefühle rüberbringen, die ihn bewegen, seine Verzweiflung, dass er sich in Bella verliebt hat, seine Angst, dass er sie verletzen könnte aber auch das ganz normale Unwohlsein und die Peinlichkeit, wenn man die Freundin seiner Familie vorstellt, die auf amüsante Weise für Bella kochen möchte. Robert Pattinson und Kristen Stewart auf der Leinwand zu beobachten, war für mich sehr unterhaltsam, amüsant und beeindruckend, wozu auch das Baseballspiel beigetragen hat. Wann hat man sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie Vampire Baseball spielen!?


Alles in allem ist das Buch schon recht ordentlich verfilmt worden. Zudem ist der Soundtrack auf jeden Fall empfehlenswert, er wird bestimmt bald in meinem Regal stehlen. Natürlich ist die Verfilmung nicht perfekt, und wer das Buch mit einer genauso großen Begeisterung gelesen hat wie ich, wird auch irgendwo in seinem Inneren enttäuscht sein, dass Bella nicht ganz so tollpatschig rübergebracht wird, wie sie im Buch beschrieben ist, und dass einfach viele kleine Details fehlen, die das Buch zu dem Besonderen machen, was es ist, aber von der Masse her ist dies bei einer Buchverfilmung auch unmöglich. Wer sich diesen Film ansehen möchte, sollte sich auf eine, ja, eine doch kitschige Liebesgeschichte einstellen mit ein wenig Action auf der einen Seite und viel Gefühl auf der anderen Seite. Doch neben all den Horror-Saw-Filmen, Action-Transporter 3-Bumm-Krach-Schepper-Geschichten und jede Woche ein neuer Animations-Kinder-Tierfilm, mit denen man zubombadiert wird in den deutschen Kinos, ist dies doch mal eine nette Abwechslung auf der Gefühlsebene. - Fazit: 7 von 10 Punkten.


Geschrieben von: Silke Hellwig


Quellennachweis: Abbildungen aus "Twilight". © Concorde, Goldcrest Pictures, Imprint Entertainment, Maverick Films, Summit Entertainment, Temple Hill Entertainment, Twilight Productions


TV-Empfehlungen für die Woche vom 26.01.09 - 01.02.09

Kate & Leopold“ (Sat 1, Montag 26.01.09, 20.15 Uhr)

Belangloses Rom-Com Märchen mit Meg Ryan in einer für sie wirklich typischen Rolle. Wem es gefällt, der darf gerne einschalten.


Lonely Heart Killers“ (ZDF, Montag 26.01.09, 20.15 Uhr)

Die DVD hatte ich gefühlt bestimmt schon 100 mal in den Händen, hab sie aber nie mitgenommen. Jetzt wird sich erweisen, ob dies die richtige Entscheidung war. John Travolta, James Gandolfini, Salma Hayek, Jared Leto, sowie Laura Dern werden mich auf jeden Fall dazu bewegen, diesem Period-Piece eine Chance zu geben.


Sein oder Nichtsein“ (RBB, Dienstag 27.01.09, 32.35 Uhr)

Ein wahrer Klassiker der Satire auf den Nationalsozialismus. Wie auch schon im Falle von „Der große Diktator“ gedreht und ausgestrahlt, als die NS-Diktatur noch virulent war.


Die Fälscher“ (ZDF, Mittwoch 28.01.09, 20.15 Uhr)

Wir bleiben beim schwierigem Thema: „Die Fälscher“ unter der Regie von Stefan Ruzowitzky. Von mir noch nicht gesehen, ist das Drama eher mittelmäßig besprochen worden. Wird aufgenommen.


Rob Roy“ (Kabel 1, Mittwoch 28.01.09, 20.15 Uhr)

Auch „Rob Roy“ habe ich noch nicht gesehen (Allgemeine Anmerkung: Ich habe irgendwie ziemlich viel nicht gesehen!?) Liam Neeson ist aber von mir immer wieder gerne gesehen. Also gilt auch hier: Wird aufgenommen. Hab ich schon mal erwähnt, dass onlinetvrecorder eine tolle Sache ist?


Die Bourne Identität“ (Vox, Donnerstag 29.01.09, 20.15 Uhr)

Ich muss ja an dieser Stelle noch mal erwähnen, dass ich die Bourne-Serie für eine sehr gelungene halte. Dies gilt insbesondere für diesen ersten Teil: Matt Damon top, Franka Potente top, Ausgangs-Story top, der ganze Film ist top.


Wild at Heart“ (Arte, Donnerstag 29.01.09, 21.00 Uhr)

Ist einer der wenigen Filme von David Lynch, dem ich doch eher ambivalent gegenüber stehe. Keine Frage: „Wild at Heart“ ist ein sehr guter Film, der insbesondere von Laura Dern und Nicolas Cage getragen wird. Nichts desto trotz: Kann mich nicht in dem Maße packen, wie es andere Filme von Lynch vermögen.


Godzilla“ (Pro 7, Freitag 30.01.09, 20.15 Uhr)

Interessiert mich so was von überhaupt nicht, dafür gibt es gar keine Worte. Ist aber wohl auch nicht weiter schlimm, weil Emmerichs Monster-Hatz sowieso in der Regel unisono zerrissen wird.


Training Day“ (RTL II, Freitag 30.01.09, 22.15 Uhr)

Im Prinzip viel versprechender Cop-Thriller, der jedoch in den entscheidenden Momenten zum Ersten viel zu konstruiert erscheint, und zum zweiten zum Teil in hemmungsloses Over-Acting ausartet. Was die Academy ja scheinbar sehr beeindruckt hat und Denzel Washington gleich mal mit dem Oscar ausgezeichnet hat. Klingt komisch, ist aber so.


Be Cool“ (Pro 7, Samstag 31.01.09, 20.15 Uhr)

Mäßiges Sequel zu „Schnappt Shorty“, das zwar immer noch einige amüsante Szenen aufzuweisen hat, letztlich aber weder an den Humor, die Klasse noch den Charme des wunderbar ironischen Vorgängers anknüpfen kann.


Der mit dem Wolf tanzt“ (Kabel 1, Samstag 31.01.09, 20.15 Uhr)

Und da tanzt er immer noch mit dem Wolf, der Kevin Costner. Mein Fall ist jetzt nicht so, eine ausführliche Lobhudelei findet sich jedoch HIER.


Scream“ (Das Vierte, Samstag 31.01.09, 22.10 Uhr)

Der Auftakt zur Scream-Trilogie. Immer wieder nett anzusehen, kann „Scream“ durchaus im gewissen Maße als kultig bezeichnet werden. Zeichnet sich im übrigen für eine ganze Welle von ähnlichen Nachfolge-Produktionen aus, was dann als weniger nett zu bezeichnen ist.


Stirb an einem anderen Tag“ (RTL, Sonntag 01.02.09, 20.15 Uhr)

Ich sag nur: Unsichtbares Auto. Und Tschüss!


Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Donnerstags beim Zeitverschwender, sowie Sonntags bei From Beyond, Duke's Movieblog und Blockbuster-Entertainment.



Rezension: "Zeiten des Aufruhrs"










Es sind nur ganz wenige und kurze Momente des unverfälschten Glücks, die Sam Mendes seinen Protagonisten in „Zeiten des Aufruhrs“ gestattet und dies auch nur in Form einer Rückblende in die Vergangenheit, wenn er von der ersten Begegnung zwischen Frank (Leonardo DiCaprio) und April (Kate Winslet) erzählt. Auf der einen Seite der junge und selbstbewusste Kriegsveteran, der just aus Europa zurückgekehrt ist, und dort auf der anderen Seite April, die aufstrebende Schauspielerin. Es ist ein kurzer, aber intensiver Blick den beide tauschen und der die Weichen für das weitere Leben stellt: Aus Frank und April werden schon bald die Wheelers werden, die ein typisches Leben in einer typischen Vorstadt führen: Zwei Kinder, dazu das kleine, aber eigene Häuschen mit eigenem Garten. Er einfacher Angestellter, sie Hausfrau und Mutter. Doch die vordergründige Harmonie ist nichts anderes als Illusion. Dies ist schnell klar, noch vor dem Einblenden des Film-Titels wird die Weiche ein weiteres und letztes Mal gestellt werden. Im fahlen Licht der Scheinwerfer des Autos fällt die Maske der bürgerlichen Idylle zum ersten Mal. Die zahlreichen verletzenden Worte, die zwischen dem Ehepaar fallen, man ahnt es vom ersten Moment an, schlagen Wunden, die niemals werden heilen können - Zwei Menschen am Abgrund zwischen Anspruch und Wirklichkeit.


Die gekonnte Dekonstruktion der oftmals aufgesetzt wirkenden bürgerlichen Idylle, die in ihrer scheinheiligen Perfektion bildlich mit den geometrisch gepflegten Gärten der vorstädtischen Siedlungen gleichgesetzt werden kann, ist mitnichten ein neues Thema in Film und Literatur. Es ist nicht erst seit David Lynch's „Blue Velvet“ bekannt, was unter der Oberfläche der perfekten Rasenfläche an dunklem und bedrohlichem, oftmals unterdrücktem Potential schlummert. Nicht zuletzt war es Sam Mendes selbst, der im Zuge von „American Beauty“ einen bitterbösen und zynischen Blick auf eben das wirft, was wohl nicht Wenige als das erstrebenswerte Ziel des eigenen Lebens bezeichnen würden. Oder aber anders ausgedrückt: Was von der Gesellschaft als erstrebenswerter Letztwert angesehen wird. Gerade unter diesen Gesichtspunkten vermag es durchaus Wunder zu nehmen, dass es über vierzig Jahre dauerte, bis sich jemand der gleichnamigen literarischen Vorlage von Richard Yates annahm, der sich schon Anfang der sechziger Jahre mit dem Seelenleben der jungen Generation der fünfziger Jahre im Spannungsfeld zwischen aufstrebender Wirtschaft und dem damit verbundenen Konsum einerseits, sowie dem eigenen Anspruch andererseits annahm und gekonnt in ihre Einzelteile zerlegte. Doch was Mendes im Zuge von „American Beauty“ mit der großzügigen Dreingabe von überzeichnetem Witz und Humor zur offensichtlichen Satire werden ließ, wird nun im Zuge von „Zeiten des Aufruhrs“ zu einem ernst gemeinten und letztlich auch ernst zu nehmenden Drama, welches ganz im Zeichen seiner beiden Hauptdarsteller steht.


Es ist mehr als ein Jahrzehnt her, dass sich Leonardo DiCaprio und Kate Winslet im Zuge von James Camerons „Titanic“ auf der Leinwand erstmals begegneten und in eben jener Schmonzette mit eiskaltem Schicksalsgericht den Mythos des Kino-Traumpaars der Neunziger begründeten. Diese Zeiten sind bekanntlich mittlerweile längst passé: Beide haben versucht sich in der Folge von dieser einen, aber dennoch prägenden Rollen zu emanzipieren. So wusste Winslet unter anderem in „Finding Neverland“ zu Gefallen, des Weiteren wird sie in Bälde im Zuge von „Der Vorleser“ in einem mit Sicherheit kontrovers zu besprechenden Film zu sehen sein, während DiCaprio nach 1997 in einer ganzen Reihe von großen Produktionen, unter anderem „Catch me if you can“ (Steven Spielberg) oder auch „The Departed“ (Martin Scorsese) sein Profil schärfen konnte. 2009 führt sie der schauspielerische Weg wieder zusammen und wie beide Darsteller mit der Zeit gereift sind, dafür steht „Zeiten des Aufruhrs“ neben vielen anderen Dingen vor Allem. Es ist somit ein Film, der seine emotionale Intensität zuvorderst aus dem Spiel seiner beiden Darsteller bezieht. Wenn sich Frank und April ihre Enttäuschung und zerstörten Träume ins Gesicht brüllen, wenn das Mobiliar ebenso zu Bruch geht wie die Ehe, dann ist das gleichsam sehenswert wie bedrückend. Gleiches gilt für die ruhigen Momenten, in denen sämtliche Gefühlsregungen aus der Mimik der Beiden verschwunden, die Augen erloschen sind. Es sind jene Momente in denen sich das ganze im Film thematisierte Dilemma schonungslos zeigt, die diesen Film von der ersten bis zu letzten Minute prägen und die zu keinem Zeitpunkt Zweifel an dem unvermeidlichen Ende aufkommen lassen.


Der Traum „etwas Besonderes“ zu sein, beziehungsweise „something special“ wie man es im Englischen vielleicht etwas passender ausdrückt, kann eine quälende Geißel sein, die den Menschen von Innen her zerfrisst. Es gibt (mindestens) zwei ganz und gar wunderbare Szenen, die „Zeiten des Aufruhrs“ zu bieten hat, um diesen Sachverhalt auch optisch zu visualisieren. Wenn Frank Wheeler morgens sein Haus verlässt, um sich zu seinen Arbeitsplatz zu begeben, den er hasst, dann ist er einer von Vielen: Jegliche Individualität, die Frank als "someone special"auszeichnen könnte, geht im gleichförmigen Schritt der grauen Masse, die alle mit den gleichen Anzügen und Hüten uniform gekleidet sind, unter. Nichts bleibt von Frank über, was ihn aus dieser Maße herausheben könnte. Die selbe Szene, nur wenig später: Geblendet vom Traum der Auswanderung nach Paris, der nicht nur der Selbstbeweis der eigenen Außergewöhnlichkeit, sondern auch der Rettungsanker der eigenen Ehe sein soll, steht er in der Mitte einer Treppe, während die Masse sich teilend rechts und links an ihm vorbeifließt.


Das dieser Moment der quasi Selbsterneuerung jedoch nur von kurzer Dauer sein kann, daran lässt „Zeiten des Aufruhrs“ zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel: Tiefe Frustration und das stetige Belügen des eigenen Selbst, bilden einen Teufelskreis aus dem es für Frank und April anscheinend keinen Ausweg gibt. Es ist bezeichnend, dass es ausschließlich der sich in psychatrischer Behandlung befindende Sohn der Nachbarn ist, der zu diesem Zeitpunkt als Einziger den Mut hat, die Wahrheit auszusprechen. Der Film demaskiert an dieser Stelle die bürgerliche Moral als scheinheiliges Abziehbild, welches zwei junge Menschen unter Druck setzen muss, indem es die Einhaltung von prüden Konventionen ohne Ausnahme verlangt. Ungläubig sind die Reaktionen der Freunde und Nachbarn, als sie erfahren, dass es April und nicht Frank ist, die in Paris für das tägliche Einkommen sorgen soll. Und doch, das müssen sich Frank und April letztlich eingestehen, sind sie in letzter Konsequenz zu dem geworden, was sie nie werden wollten. Diese Erkenntnis fällt Frank, gerade mit Aussicht auf mehr Geld und Verantwortung im Job besänftigt, ganz ohne jeden Zweifel leichter als April, die mit der unverhofften dritten Schwangerschaft, die sie offensichtlich als unerträgliche Last und nicht als Geschenk empfindet, die Aussicht auf ein glückliches, weil ausfüllendes Leben an sich vorbei ziehen sieht. Gefangen in einem goldenen Käfig, ist nichts von dem Idealismus einer aufstrebenden Generation geblieben: Ein Haus, Kinder und die klassische Rollenverteilung stellen das Ende des Weges dar. Der revolutionäre Geist der Wheelers muss an dieser Stelle zu einer blinden und automatisierten Abgrenzung des „Wir sind nicht so wie Die!“ verkommen, ist also nicht mehr als eine verlogene Metapher der Scheinheiligkeit, die spätestens mit der dritten Schwangerschaft, zumindest von April als eben diese Lüge enttarnt wird.


Zeiten des Aufruhrs“ ist von Sam Mendes mit der gleichen Perfektion inszeniert, wie auch schon seine früheren Werke, und setzt noch mehr als seine anderen Filme auf die erzählerische Stärke seines Ausgangsstoffes. Die ruhigen, melancholischen und ganz und gar wunderbaren Klavier-Anschläge der musikalischen Untermalung von Thomas Newman fügen sich in den sehr gesetzten Grundton des Films ein und erinnern wohl nicht von Ungefähr an Sam Mendes „Road to Perdition“. Und auch wenn „Zeiten des Aufruhrs“ natürlich zuvorderst ein Film über eine ganz spezifische Periode ist, ist der Film doch in seiner letztlichen Intention universell veranlagt: Ob man sein eigenes Leben, vielleicht sogar seine Gewöhnlichkeit, zu akzeptieren lernt, ob man den Mut hat aus eingefahrenen Bahnen auszubrechen, oder ob man sich gar bis zu seinem letztem Tag etwas vormacht, ist ein äußerst schmaler Grat und letztlich eine menschliche Konstante. Das Ergebnis aber, dies ist gewiss, ist Ungewiss und eben auch oftmals tragisch. - Fazit: 8 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Zeiten des Aufruhrs". © BBC Films, DreamWorks Pictures, Evamere Entertainment, Goldcrest Pictures, Neal Street Productions, Scott Rudin Productions (uncredited)


TV-Empfehlungen für die Woche vom 19.01.09 - 25.01.09

Der Untertan“ (MDR, Montag 19.01.09, 23.00 Uhr)

Prinzipiell brillante DEFA-Verfilmung des Romans von Heinrich Mann, die sich jedoch zum Ende hin (natürlich) als sozialistisches Propagandafilmchen demaskiert, welche das wunderbare Ende des Romans („Er hat den Teufel gesehen!“ ) hinsichtlich eines ideologisch aufgeladenen Abschluss in dem Sinne verfälscht, als das durch den im Film hergestellten Transfer vom Sturm des sommerlichen Unwetters hin zum selbst verschuldeten „Feuersturm“ über Deutschland, ein zutiefst teleologisches Bild (im pejorativen Sinne) der deutschen Geschichte suggeriert wird: Vom Kaiserreich zum Nationalsozialismus – Der in der geschichtswissenschaftlichen Forschung mittlerweile (zu Recht) dispensierte Sonderweg lässt grüßen...


Dracula“ (RTL II, Montag 19.01.09, 02.25 Uhr)

In den 70er Jahren mit Frank Langella in der Hauptrolle verfilmtes Remake des gleichnamigen Klassikers von 1931. Tod Brownings Beitrag mit einem brillanten Bela Lugosi gilt ja gemeinhin als erste autorisierte Film-Version von Stokers Roman und wurde von mir jüngst wieder gesichtet. Das Remake hingegen ist mir unbekannt und ich glaube das dies keine sonderliche große Lücke darstellt.


Der Flug des Phoenix“ (Das Vierte, Dienstag 20.01.09, 20.15 Uhr)

Abenteuerliche Spannung, großartig besetzt (unter anderem James Stewart) und auch gespielt. Wird hier glücklicherweise im Original, und nicht im Remake gesendet.


12 Monkeys“ (WDR, Dienstag 20.01.09, 22.10 Uhr)

Terry Gilliams verwirrend-beeindruckende Sci-Fi-Dsytopie. Moderner Klassiker, den man Gesehen haben muss – Läuft nun zum wiederholten Male im Fernsehen, da aber „12 Monkeys“ bei jeder erneuten Sichtung besser wird, vermag dies nicht weiter zu stören. Daran erkennt man im Übrigen wahre Meisterwerke.


Die Akte“ (BR, Dienstag 20.01.09, 23.25 Uhr)

John Grisham die Nächste. Die Verfilmung von „Die Akte“, in den Hauptrollen Julia Roberts und Denzel Washington, gehört dabei mit zu den langweiligsten Verfilmungen des Bestseller-Autoren. Kaum gesehen, ist es auch schon wieder vergessen.


Highlander“ (Kabel 1, Mittwoch 21.01.09, 20.15 Uhr)

Der Film, der nicht für wenige Kult darstellen dürfte, hat es bei Flo auf den fünften Platz der „Top 5 der Queen-Songs in Filmen“ geschafft. Ist aber natürlich nicht nur wegen der äußerst memorablen Intonation von „Who Wants To Live Forever“ ein Klassiker des fantastischen Kinos.


Lara Croft: Tomb Raider“ (VOX, Donnerstag 22.01.09, 20.15 Uhr)

Der zweite Teil dieser unnötigen Filmreihe ist um einiges besser, als dieser erste Teil. Und wer um die Qualität des Sequels weiß, dem dürfte klar sein, was dies für das erste Abenteuer von Mrs. Jolie alias Lara Croft bedeutet.


Der Einsatz“ (Pro 7, Freitag 23.01.09, 20.15 Uhr)

Al Pacino und Colin Farrell wissen in diesem soliden Action-Thriller mit CIA-Thematik zu gefallen, der zwar unterhalten weiß, aber ohne nachhaltige Wirkung ist. Muss ja schließlich auch nicht immer sein.


W“ (Pro 7, Freitag 23.01.09, 22.25 Uhr)

Oliver Stones Satire über George W. Bush. Lief hierzulande nicht im Kino, soll im Übrigen ziemlich durchschnittlich sein. Jedenfalls hat sich Pro 7 die Rechte gesichert. Ich sage danke und programmiere die Aufnahme.


Stauffenberg – 20. Juli 1944“ (ARD, Freitag 23.01.09, 23.25 Uhr)

Der StauffenCruise wirft seinen Schatten voraus und jeder der meint zu diesem Thema was sagen zu müssen, meldet sich zu Wort: ZDF-Chef-Historiker Knopp beglückt die Allgemeinheit ja zur Zeit mit einer zweiteiligen Doku über Stauffenberg, da kann sich die ARD natürlich nicht lumpen lassen und kramt ihre Version des Geschehens hervor, die nicht nur Sebastian Koch als Stauffenberg., sondern auch Olli Dittrich als Goebbels bietet.


Starsky & Hutch“ (Pro 7, Samstag 24.01.09, 20.15 Uhr)

Hat mich noch nie interessiert, interessiert mich nicht, und wird mich wohl auch niemals interessieren. Für wen diese Filmadaption der gleichnamigen TV-Serie mit Ben Stiller und Owen Wilson von Interesse ist, soll hingegen gerne einschalten.


Kiss of the Dragon“ (Pro 7, Samstag 24.01.09, 22.05 Uhr)

Hab ich vor Jahren mal gesehen. Glaube ich zumindest. Fand ich leidlich interessant und unterhaltsam. Ein Film mal so zum nebenbei gucken also. Glaube ich zumindest. Mir will noch nicht mal mehr die Handlung einfallen. War also vielleicht doch nicht so unterhaltsam.


Mission Impossible III“ (Pro 7, Sonntag 25.01.09, 20.15 Uhr)

Tom Cruise auf unmöglicher Mission die Dritte. Ist er danach nicht bei Paramount raus geflogen? Naja, egal. Freunde der ersten beiden Teile können bestimmt auch was mit dem dritten Teil des Franchise anfangen.


Black Hawk Down“ (Pro 7, Sonntag 25.01.09, 23.00 Uhr)

Scott erzählt vom Krieg. Zumindest möchte er dies: Harte Bilder und eine wackelige Kamera suggerieren ein Bild von Realismus. Nur die Botschaft, ja, die bleibt im Schlachtgetümmel zurück. Was genau will Scott sagen, wenn er die grandios gescheiterte UN-Mission in Somalia mehr oder wenig völlig ignoriert? Ein künstlerischer Anspruch ist somit nicht Existent.


Irina Palm“ (ARD, Sonntag 25.01.09, 23.30 Uhr)

Ich meine mich zu erinnern, dass der Film auf der Berlinale 2007 abgefeiert wurde, wie nichts Gutes. Mal sehen ob zu Recht.



Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Donnerstags beim Zeitverschwender, sowie Sonntags bei From Beyond, Duke's Movieblog und Blockbuster-Entertainment.


(Nicht ganz so) Kurz und Knackig Vol. 4


Batman“ (1989)

Nähert man sich am heutigen Tage dieser ersten Batman-Verfilmung, sowohl unter der Regie von Tim Burton, als auch überhaupt, in meinem Fall mit der Kenntnis der Nolan-Interpretation und eben der Unkenntnis der vorherigen Adaptionen, so ist dies zwar quasi der chronologisch umgekehrte Weg, der aber bei weitem nicht ohne Reiz ist: Schnell zeigt sich, dass man Burton's Version von Batman nicht mit der von Nolan vergleichen sollte. Zu unterschiedlich die letztendliche optische und intentionale Umsetzung der Welt Gotham City und der in dieser handelnden Protagonisten. Prägend in diesem Film ist ohne Zweifel Jack Nicholsons Version des Joker (Auch und gerade hier scheint mir ein Vergleich, nämlich zwischen Ledgers und Nicholsons Interpretation des Harlekins als relativ sinnlos). Ist der Joker hier noch eher der wahnsinnige Spaßmacher, so ist er vor allem auch das unbestrittene Zentrum dieser frühen Comic-Verfilmung. Burtons Vision und Umsetzung des Batman-Kosmos wandelt dabei stets zwischen optischer Gefälligkeit und eminenter narrativer Schwäche. Dies mag auch am massiven Eingriff des beteiligten Studios gelegen haben, welches Burton anscheinend stark in seiner Arbeit eingeschränkt hat, nichts desto trotz kann dies nicht a priori als Ausrede für sein letztendlich höchst mittelmäßiges Ergebnis herhalten: Zu konventionell, zu einfach die Figuren, zu offensichtlich auf Event getrimmt, verharrt „Batman“ über die gesamte Spieldauer in seinen durchaus vorhandenen Ansätzen, die dann oftmals auch nur vom Joker ausgehen. Letztendlich verkommt dieser Film zu einem „Stlye over Substance“ Destillat effektheischender optischer Effekte, die dann zu allem auch noch, gerade in der bemüht actionlastigen Schlusssequenz, zu lang geraten sind und den Film unnötig in die Länge ziehen. Das „Batman“ über die gesamte Spieldauer eine latente inspiratorische Leerstelle, vor allem in der Narration, weniger in der optischen und sehr düsteren Umsetzung, inhärent ist, kann somit zu keinem Zeitpunkt kaschiert werden - 5 von 10 Punkten.


Batmans Rückkehr“ (1992)

Zunächst: An dieser Stelle habe ich getreu dem Motto „Ein Mann, ein Wort“ eine Bringschuld einzulösen: Im Zuge meiner Top 5 der Comic-Verfilmungen entbrannte in den Kommentaren eine Diskussion um eben diesen Film, also „Batman Returns“, den ich weder in dieser Top 5 erwähnt, noch in den einführenden Worten als wichtigen Vertreter des Genres genannt habe. Man suchte mich davon zu überzeugen, dass dieser zweite Burtonsche Batman auf jeden Fall zu den besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten gehören würde, was ich aus damaliger Sicht jedoch, eben einerseits aus Unkenntnis des Films, als auch aus meiner vorgefassten Meinungen zu anderen Batman-Filmen die ich bereits kannte, vehement bestritten habe. Gleichzeitig habe ich jedoch Folgendes eingeräumt: „Sollte ich mich jetzt, was "Batman Returns" angeht, wirklich irren, das weiß ich wenn ich ihn gesehen habe, dann werde ich öffentlich hier Abbitte leisten“ - Dieser Zeitpunkt ist nun, ich war im Übrigen nach dem Sehen von „Batman“ (1989) noch skeptischer als zuvor schon, gekommen: Ich war im Unrecht. Mea Culpa!


Mag „Batman“ vielleicht nicht aus der Sicht des Studios ein Misserfolg gewesen sein, wurde der Film doch aus finanzieller Hinsicht ein absoluter Renner, so kann dies wohl ohne jeden Zweifel aus der Sicht seines Regisseurs Tim Burton konstatiert werden, so dass dieser nur unter der Gewährung der völligen künstlerischen Freiheit zu Realisierung eines zweiten Batman-Ablegers bereit war. Ich habe es im Vorigen bereits angedeutet, es ist überaus erstaunlich, welch qualitativer Unterschied zwischen diesen beiden Filmen liegt. Neben der verfeinerten und perfektionierten düsteren und expressionistischen Szenerie (Herrlich allein die Anspielung: Max Schreck), in die Burton Gotham City taucht, ist es vor allem das narrative Konzept, die Zeichnung der Figuren und die Positionierung zueinander, die diesen Film in Sphären führt, die bis heute in den Comic-Verfilmungen nur in Ausnahmefällen und anno 1992 mit Sicherheit zum ersten Mal thematisiert worden sind, und die somit holhzschnittartigen, erzählerisch monokausalen, und simplifizierenden Ebenen enthoben sind. Der doppelte Dualismus der Figuren Batman alias Bruce Wayne und Catwoman alias Selena Kyle einerseits, sowie Pinguin alias Oswald Cobblepot und Max Schreck auf der anderen Seite, erlaubt Burton eine psychologische Skizzierung des Wesens und dem damit verbundenen Handeln seiner Protagonisten, deren erreichte Tiefe sich fundamental von den rudimentären Versuchen des direkten Vorgängers unterscheidet. Grandios aufgelegte Schauspieler, ein absolut prägender Score, sowie ein herrlich schwarzer Humor lassen „Batmans Rückkehr“ somit zu einer der künstlerisch wertvollsten Comic-Verfilmungen werden, die es gibt – 10 von 10 Punkten.


PS: Diese Wertung ergab sich nach zweifacher Sichtung, unterbrochen von der folgenden Lektüre, die in Bezug auf den Film ohne wenn aber zu empfehlen ist, und die meine Sicht auf den Film und den oben stehenden Text durchaus beeinflusst hat. Des Weiteren sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass die Sichtung von „Batmans Rückkehr“ und die damit verbundene Wertung von 10/10 keine Auswirkungen auf meine Wertung von „The Dark Knight“ hat. Viel mehr bin ich in meiner Meinung bestärkt worden, dass ein inhaltlicher Vergleich abseits von subjektiven Präferenzen die darauf abzielen welche Vision einem besser gefällt, auf Grund der fundamental divergierenden Schwerpunksetzung, wenig zielführend wäre.


Doom“ (2005)

Da sind sie völlig fertig die Doom-Jünger: „Ey, völlig geil Alter! Sieh mal: Die „Big Fucking Gun“ - Herzlich willkommen bei einer weiteren grandios miesen Game-Verfilmung, die die Welt nicht braucht. Nun gut, jetzt mag man natürlich einwenden: Welchen Film braucht es überhaupt? Ich sage: „Keine Ahnung!“ Was ich aber definitiv weiß ist Folgendes: „Diesen Film braucht kein Mensch.“ Ich meine, wenn man sich schon offensichtlich darauf beschränkt eine reine „Hommage“ an die Vorlage und damit zielgerichtet ausschließlich die Zocker anzusprechen, hätte man sich doch wenigstens an die Original-Geschichte mit ihrem Gesocks aus der Hölle halten können, getreu nach dem Motto: Hölle ist immer gut! Was macht man stattdessen? Richtig: Man entwirft eine grandios miese Geschichte um missglückte Menschenversuche und reichert diese noch um einen schön konstruierten Nebenplot um Befehlsgewalt und Befehlsverweigerung an. Sicher, das kann man ohne Probleme machen, nur dann sollte man wenigstens ein bisschen so tun, als ob einen seine eigene Geschichte auch interessiert, und sich nicht drauf beschränken den Fans der Spiele möglichst viele Aha-Erlebnisse, in der Art des im vorigen bemühten BFG-Syndroms zu bieten. Wie wär's im übrigen mal mit ein bisschen Spannung gewesen? Vielleicht könnte man dies aber alles noch verschmerzen, wenn man bereit ist, sich auf einen solchen Nonsens einzulassen, allerdings sorgt gerade die visuell interessanteste Sequenz im Film dafür, das eklatanteste Problem von „Doom“ zu offenbaren: Die offensichtliche, rund fünf minütige Dedicated-To-EgoShooter-Sequenz mag als solche interessant sein, zeigt aber auch die offensichtliche Sinnlosigkeit dieses Films, der offensichtlich nur die „Fans“ ansprechen soll: Wenn der Film jetzt nun schon wie ein Shooter aussieht, mit dem einzigen Ziel auf dem Weg von A nach B möglichst viele Zombies zu zerlegen, warum soll ich mir den dann ansehen? Dann kann ich mich gleich vor den PC setzten und das Spiel spielen, da kann ich die Figur nämlich wenigstens selber steuern. Ach ja: Eins muss ja mal wirklich zu Dwayne „The Rock“ Johnson gesagt werden: Egal in welchem Grotten-Film er mitspielt, an ihm liegt es jedenfalls nicht. Was in Bezug auf „Doom“ allerdings auch nicht sonderlich schwer ist. - 2 von 10 Punkten.



Manche mögen's heiß (1959)

Some like it hot“, so der Original-Titel dieses Films, gilt in der öffentlichen Meinung im allgemeinen auf der einen Seite als eine der besten Komödien aller Zeiten, und auf der anderen Seite als wohl der bekannteste Film von Marilyn Monroe, oder auch kurz „Die Monroe“ genannt, die wohl, das kann völlig wertfrei konstatiert werden, nicht nur John F. Kennedy, sondern Millionen von Männern auf dieser Erde den Kopf verdreht hat. Wie dem auch sei: Billy Wilders Komödie ist jedenfalls zu Vorderst eine herrlich skurrile Farce. Dabei ist die Ausgangssituation eigentlich alles andere als lustig: Die Staaten zur Zeiten der Prohibition, die den Alkohol bekanntlich zwar von den Straßen, nicht aber aus der Welt geschafft hat und diesen somit zu einer sehr beliebten Einkommensquelle für die Mafia gemacht hat. In einer solchen Situation sollte man dem Mob besser nicht in die Quere kommen, anders also als unsere beiden Protagonisten, die sich in der Folge auf der Flucht befinden. Und was liegt näher, wenn man eh schon Musiker ist? Richtig: Man verkleidet sich als Frauen und verdingt sich bei einer Frauen-Band. „Manche mögen's heiß“ bezieht seine Komik aus seiner offensichtlichen Verdrehung der Geschlechterrollen, also der damit verbundenen Überzeichnung und Pointierung geschlechtlicher Klischees. Der Plot als solche, eine einzige skurrile Konstruktion, ausgestattet mit einer überdurchschnittlichen Dialogdichte, sowie stimmiger Situationskomik, bleibt stets präsent, ohne sich aber in den Vordergrund zu drängen, der vor allem den Darstellern (Tony Curtis, Jack Lemmon, Marilyn Monroe) gehört. Wilders Komödie ist in der der Summe ein Paradebeispiel für ein Humorstück, dass während der gesamten Spielzeit auf einem weit überdurchschnittlichen Niveau agiert und dann noch das Kunststück schafft, mit der Schluss-Pointe als absoluten und ultimativen Höhepunkt der Farce zielsicher ins Schwarze treffen. - 9 von 10 Punkten.


Planet der Affen (1968)

Wenn Charles Heston alias George Taylor am Ende dieser Endzeitversion, die „Planet der Affen“ natürlich auch und vor allem ist, voller Verzweiflung, seine eigene Spezies verfluchend, in den Sand des Strandes sinkt, den er mit Nova nach der erfolgreichen Flucht von den Affen entlang geritten ist, dann überkommt den Zuschauer ein eiskalter Schauer. Die Gesellschaft, wie wir sie kennen, sie existiert nicht mehr, in einem nuklearen Inferno dahin geschlachtet von dem Wahnsinn, der sich unsere Zivilisation nennt. Es sind die Reste der Freiheitsstatue, die die Jahrhunderte überdauerte, und ihre Fackel in den Himmel empor streckt, die somit in stummer Anklage als Beweis für die zerstörerische Hybris der Menschheit gelten muss. „Planet der Affen“ unter der Regie von Franklin J. Schaffner gilt ganz ohne jeden Zweifel zu Recht als einer der Meilensteine der dystopischen und gesellschaftskritischen Science-Fiction. Dabei thematisiert der Film nicht nur die in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts ständig virulente Angst vor der drohenden Eskalation des Kalten Krieges und den damit wahrscheinlich verbundenen nuklearen Waffengang zwischen den Systemblöcken Ost und West, sondern streift en passant – und diese zurückhaltende Eindringlichkeit ist einer der großen Stärken dieses Film – zahlreiche weitere gesellschaftlich relevante Konfliktfelder: Der Hochmut der Menschen gegenüber den in ihren Augen primitiveren Lebewesen auf dieser Erde einerseits und dem Rassismus innerhalb der eigenen menschlichen Zivilisation andererseits, wird in „Planet der Affen“ ebenso textualisiert, wie das schwierige Verhältnis von Wissenschaft und Religion und den damit verbundenen (oftmals missbrauchten) Machtpotentialen. Die in diesem Film vorgenommen Umkehrung der Rollen zwischen Menschen (Unterentwickelt) und Affen (Zivilisiert), fungiert in diesem Zusammenhang als äußerst wirkungsvoller Katalysator des Anliegens, welches der Film zur Sprache bringen möchte. Trotz all diesen wichtigen Aspekten auf der Metaebene soll jedoch keinesfalls unterschlagen werden, welch dramaturgisch ausgefeilter Film „Planet der Affen“ doch ist, der über die gesamte Spielzeit hoch spannend erzählt und inszeniert ist, der somit den Bogen von der reinen Unterhaltung und der gesellschaftlichen Relevanz mit spielerischer Leichtigkeit zu schlagen weiß. Letztlich ist somit zu konstatieren, dass die (für die damalige Zeit) exzellenten und dteailverliebten Kostüme und Masken der Affen, der harmonische Score von Jerry Goldsmith, sowie der fein eingestreute Humor, „Planet der Affen“ im Verbund mit seiner Gesellschaftskritik zu einem zeitlosen Klassiker und wichtigsten Vertreter seines Genres machen – Im übrigen ist Nova in etwa so heiß wie die Hölle – 10 von 10 Punkten.


Tatsächlich... Liebe (2003)

Nun sind wir doch mal ehrlich: Frauen (Natürlich nicht Alle) lieben herzreissende, zuckersüße, oftmals - mal mehr, mal weniger - verkitschte Romanzen a la „Pretty Woman“, „Dirty Dancing“ oder auch „Bodyguard“, während Männer (Natürlich nicht Alle) mit diesen Vertretern des Films in der Regel nicht sonderlich viel anfangen können. Es gibt jedoch auch Filme die einen wunderbaren und austarierten Mittelweg beschreiten, die romantisch sein können, ohne kitschig zu sein. Die wunderschön sein können, ohne das der Zuschauer einen Zuckerschock erleiden muss. Die ein heiteres Happy End ebenso zu bieten wissen, wie das ehrliche Ende mit bitterem Nachgeschmack: Der mächtige Politiker und die „einfache“ Angestellte, der betrogene (britische) Ehemann und seine (portugiesische) Haushälterin, der alternde Rockstar und sein Manager, die frisch Verheiratete und der beste Freund ihres Ehemannes, der kleine Junge und sein erster Schwarm, sein frisch verwitweter Stiefvater und die Mutter des Schwarms seines Stiefsohns, Die Sekretärin, ihr Chef und seine von ihm hintergangene Ehefrau, die durch ihren kranken Bruder gebundene Schüchterne, und ihr gar nicht so heimliche Liebe, der deprimierte britische Botenjunge, der sein Glück in den USA sucht, die beiden Doubles für pikante Filmszene, die sich auf ungewöhnliche Art und Weise kennen lernen. - Um all diese wunderbaren, skurillen und tragischen Geschichten geht es bekanntlich in „Tatsächlich... Liebe“, die auf der narrativen Ebene immer wieder rudimentär zusammengeführt werden. Ein tatsächlich wunderschöner Film, der von „wahrer Liebe“ zu erzählen weiß, ebenso von den Umwegen, die diese manchmal nimmt. Ein Streifen, der von der tiefen Freundschaft zweier Männer zueinander, und von der ersten Liebe zweier Heranwachsenden berichtet, aber auch von Opferbereitschaft und Enttäuschungen, die zum Leben eben auch dazu gehören. Dies alles wird von einem wunderbar aufspielendem Ensemble mit all der Leichtigkeit, die überhaupt nur möglich ist, vorgetragen, völlig unverkrampft, immer ehrlich, manchmal eben auch ein bisschen anrührend, angereichert mit einer Priese von britischem schwarzem Humor. Ein wahrhaft großartiger, vorweihnachtlicher Episoden-Film über eines der wohl zeitlosesten Thema der Menschheit überhaupt. - 8 von 10 Punkten.



 
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