Rezension: "The Wrestler"










Have you ever seen a one trick pony in the field so happy and free?
If you've ever seen a one trick pony then you've seen me
Have you ever seen a one-legged dog making its way down the street?
If you've ever seen a one-legged dog then you've seen me.“


Das Flüstern der Geister längst vergangener Zeiten dominiert die ersten Bilder und Minuten in „The Wrestler“. Sie erzählen eine Geschichte von Ruhm, Ehre, Anerkennung und Triumphen. Sprachfetzen von aufgeheizten Kommentatoren und Zuschauern, große Titelstorys in überregionalen Zeitungen, beeindruckende Fotos mit Siegesposen – Ein Leben in Bildern. Das diese Collage der Vergangenheit von Randy „The Ram“ Robinson (Mickey Rourke), von Darren Aronofsky mit bemerkenswerter Ruhe eingefangen, längst zu einem vergessenen Echo der Geschichte verkommen ist, die nur noch von Randy selbst tief in seinem geschundenem Herzen getragen wird, daran ist vorm ersten Augenblick an nicht zu zweifeln. Die Bürde eines verbrauchten Lebens, sie wiegt schwer auf den breiten Schultern jenes abgehalfterten Wrestlers, von dem dieser Film erzählt. Ein Mann, der sich in den Achtzigern auf dem Höhepunkt seines Lebens befand, doch diese Tage sind längst vorbei. Mittlerweile ist er in einem Wohnwagenpark innerhalb jenes sozialen Milieus angelangt, welches man gemeinhin als White Trash bezeichnet. Was der Zuschauer von Randy zu sehen bekommt, ist ein Wrack. Ein abgehalfterter Klumpen von zuckendem Fleisch, mit Narben übersät. Ein Körper, der durch den jahrelangen Missbrauch von Stereoiden und Anabolika zugleich aufgepumpt und zerstört ist. Zu seiner Tochter (Evan Rachel Wood), die er ein Leben lang vernachlässigte, hat er keinen Kontakt. Er ist allein. Seine Familie ist das Wrestling, sind die Zuschauer, die ihn einst zum größtem Wrestler überhaupt machten, die ihn liebten, die ihm zu Füßen lagen. Es sind jene Momente des kurzen Rausches, der Bestätigung und Anerkennung durch sein Publikum, von denen Randy nicht lassen kann und warum er nun, weit über 40, seinen Körper immer noch zu Markte trägt. Das er sich dabei nicht schont, seinen Körper bis zum Äußersten malträtiert und quält, dankt ihm dieser eines Tages mit einem Herzinfarkt. Eine Notoperation rettet ihm zwar das Leben, doch die Diagnose ist niederschmetternd: Nie wieder Wrestling.


Then you've seen me, I come and stand at every door
Then you've seen me, I always leave with less than I had before
Then you've seen me, bet I can make you smile when the blood, it hits the floor
Tell me, friend, can you ask for anything more?
Tell me can you ask for anything more?“


Dass sich das Wrestling vor allem in den USA einer riesigen und anhaltenden Beliebtheit bei den Massen erfreut, ist bekannt. Eine Sportart, die zuvorderst eine große Show ist, bei der der Ausgang der Kämpfe im Vorfeld bereits festgelegt ist und gezielt Story-Lines entwickelt werden um die Zielgruppe zu unterhalten. Darren Aronofsky wirft in „The Wrestler“ einen behutsamen, aber nicht sentimentalen Blick auf die Branche. Er zeigt die Kameradschaft unter den Kämpfern, die sich gegenseitig respektieren, wissen sie doch alle um die Qualen und Risiken, die sie bereitwillig auf sich nehmen um den Fans eine große Show zu liefern. In der Tat: „Tell me, friend, can you ask for anything more?“ - denn auch wenn der Ausgang der Kämpfe und einige Aktionen gefaked sind, vieles andere ist eben nicht. „The film is very clear that wrestling is staged, but is it fake when you're a 260-pound guy jumping 10 feet onto a concrete floor?“ hat Aronofsky selbst zu diesem Thema gesagt. Und so ist seine Kamera auch unerbittlich nah dran, wenn sich diese modernen Gladiatoren mit Tischen, Stacheldraht, Glasscheiben und Tackern malträtieren, so dass sie nach dem Kampf von den Ärzten jedes mal aufs Neue zusammengeflickt werden müssen. Nicht weniger eindrücklich der Blick des Films auf diejenigen alten Kämpfer, die ihr Wrestling-Leben bereits hinter sich gebracht haben und noch einen Schritt weiter sind als Randy selbst. Bietet „The Wrestler“ somit einen ungewöhnlichen und bislang wenig thematisierten Blick auf das professionelle Wrestling, löst er sich in seiner Intention natürlich von dieser spezifischen Sportart und kann als universelle Parabel auf die Droge nach Anerkennung und der Sehnsucht nach Ruhm verstanden werden. Einem Gefühl, dem nicht Wenige bis zum Ende ihres Lebens hinterher jagen werden.



Have you ever seen a scarecrow filled with nothing but dust and wheat?
If you've ever seen that scarecrow then you've seen me
Have you ever seen a one-armed man punching at nothing but the breeze?
If you've ever seen a one-armed man then you've seen me.“


Darren Aronofsky ist mit seiner Kamera stets ganz dicht dran an seinem gefallenem Helden, zeigt diesen ohne ihn vorzuführen. Zeigt seine drittklassigen Kämpfe in stinkenden Hallen. Zeigt die Schmerzen des alten Mannes, der sich nur noch mühsam in Form bringen kann, bis sein Körper ihm den Dienst versagt. „The Wrestler“ erzählt eine Geschichte voller Tragik, in der zu Hoffen zwar erlaubt ist, doch letztendlich eine Utopie bleiben muss. Randy, dieser im Herzen gutmütige Riese, der im Leben verloren scheint und seine Sicherheit nur im Ring finden kann, hat nur scheinbar die Wahl. Für kurze Zeit versucht er sich an einem Leben abseits des Rings, der für ihn die Welt bedeutet. Verkauft Delikatessen in einem Supermarkt und unterhält die Leute dabei mit dem ihm eigenen Charme. Versucht den Kontakt zu seiner Tochter Stephanie wiederherzustellen und findet letztendlich ein wenig Halt und Zuneigung bei der Stripperin Cassidy (Marisa Tomei). Schnell wird deutlich, dass die sich die Beziehung zwischen Beiden nicht nur im geschäftlichen Licht der Bühne abspielt, sondern das sich beide verbunden fühlen. Die Stripperin und der Wrestler. Zwei im Geiste Verwandte, gehen sie doch beide einem Job nach, in dem die biologische Uhr unbarmherzig tickt. Das mögliche Glück, es scheint so nah und ist gleichzeitig doch so fern. Zu tief sind beide in ihren Welten mit ganz spezifischen Regeln verwoben, als das sie den Mut und die Fähigkeiten hätten, dieses Netz zu zerstören und endgültig aufeinander zuzugehen. Dies gilt insbesondere für Randy, dessen Scheitern im Leben eine ewig währende Konstante zu sein scheint, während Pam, wie Cassidy abseits der Bühne wirklich heißt, ihr reales Leben inklusive Sohn auf die Reihe bekommt. Nein, Aronofsky erzählt mit „The Wrestler“ weder eine sonderlich originelle noch einzigartige Geschichte. Doch hat er den Mut den Weg zu Ende zu gehen. Er tut dies mit Ehrlichkeit, Zurückhaltung und dem nötigen Gespür für seine Figuren. Niemals ist man versucht über diesen verbrauchten Wrestler zu lachen, niemals ist man diesem Mann fremd. Seine zaghaften und unbeholfenen Versuche sein Leben in den Griff zu bekommen, sind voll emotionaler und anrührender Intensität. Dieser Film braucht den Begriff „Meisterwerk“ nicht. Er ist Kleinod des Kinos.


Then you've seen me, I come and stand at every door
Then you've seen me, I always leave with less than I had before
Then you've seen me, bet I can make you smile when the blood, it hits the floor
Tell me, friend, can you ask for anything more?
Tell me can you ask for anything more?“


Diese emotionale Tiefe ist nicht zuletzt das Verdienst von Mickey Rourke. Jenem gefallenen Helden Hollywoods, der in seiner Karriere vom absoluten Höhepunkt in die tiefsten Niederungen abgestürzt ist. Der seinen Körper im Zuge einer zweifelhaften Karriere als Boxer ebenso ruiniert hat wie Randy, den er in diesem Film verkörpert. Es käme einer Lüge gleich, würde man behaupten, dass die Intensität und Dichte, mit der Rourke diese Rolle spielt, sich nicht auch und vor allem aus der Tatsache speist, dass er in „The Wrestler“ ein Stück weit sein eigenes Leben abbildet. Mit welcher Ehrlichkeit und Aufopferung sich Rourke in dieser Tour de Force selbst entblößt ist bemerkenswert und man kann nur erahnen wie schwer es ihm gefallen sein muss, sein Innerstes in diesem Maße zu öffnen. Hätte Rourke für diese Rolle den Oscar für den besten Hauptdarsteller erhalten, es wäre mit Sicherheit nicht unverdient gewesen. Doch auch die restliche Besetzung des Films spielt auf formidablem Niveau. Die wunderbare Marisa Tomei in der Rolle der feinfühligen und verletzlichen Stripperin und vor allem Evan Rachel Wood, die in nur drei Szenen auftaucht, doch sind dies Szenen in denen einem das Herz schier zerspringen möchte ob des sich abspielenden zwischenmenschlichen Dramas. Letztendlich ist „The Wrestler“ eine bemerkenswerte Studie über einen Menschen, der seinen Weg zu Ende geht, so tragisch dieser auch sein mag. Randy „The Ram“ Robinson geht diesen Weg mit Stolz und voller Passion - Nicht umsonst werden im Film von Aronofsky immer wieder Verweise auf die Passionsgeschichte eingestreut. Die Richtung die Randy einschlagen wird ist, dies ist dem aufmerksamen Zuschauer von Beginn an klar, ist ein Vorbestimmter: Manchen ist das Talent gegeben im Leben zu bestehen, manche leben für die Show. Man wünscht Randy so sehr, dass er die richtige Abzweigung findet, weiß jedoch auch um die Utopie dieser Möglichkeit. Trotz, oder gerade wegen dieses Wissens, tut es so weh Randy auf seinem Weg zu begleiten. Und wenn dieser Film in seinen letzten Momenten noch leiser wird, als er es ungeachtet der abgebildeten Gewalt ohnehin schon war, dann ist das der einzige denkbare Abschluss - „Bring it!“ - Fazit: 10 von 10 Punkten.


These things that have comforted me, I drive away
This place that is my home I cannot stay
My only faith's in the broken bones and bruises I display.“


Quellennachweis: Abbildungen aus "The Wrestler". © Kinowelt Filmverleih


Rezension: "96 Hours"










Papi ist sauer, aber mal so richtig. Eigentlich ist einfach nur „wütend“ gar kein angemessener Begriff um die Gefühlslage von Bryan Mills (Liam Neeson) zu beschreiben. Da hat er seiner Tochter Kim (Maggie Grace) schon erlaubt mit einer Freundin nach Paris in den Urlaub zu fliegen und dann das: Schon am ersten Tag wird das liebte Töchterchen von einer menschenschiebenden Bande Albaner verschleppt. Mills bleiben circa 96 Stunden um sein Ein und Alles aus den Händen der Kriminellen zu befreien. Mills, mit jahrelanger Erfahrung als Top-Agent des CIA ausgestattet, sieht verständlicherweise nur noch rot und das macht er den Entführern auch auf unmissverständliche Art und Weise deutlich: „I don't know who you are. I don't know what you want. If you are looking for ransom, I can tell you I don't have money. But what I do have are a very particular set of skills; skills I have acquired over a very long career. Skills that make me a nightmare for people like you. If you let my daughter go now, that'll be the end of it. I will not look for you, I will not pursue you. But if you don't, I will look for you, I will find you, and I will kill you.“ - Doch was eigentlich der ideale Auftakt zu einem spaßigem und nettem Actioner sein könnte, erweist sich mit zunehmender Dauer als ausgesprochenes Ärgernis.


Dabei wissen die ersten Minuten von „96 Hours“ durchaus zu gefallen. Da ist der sich ständig sorgende Vater, zufällig nebenbei noch stahlharter EX-Agent, der sich daran versucht seiner Tochter wieder näher zu kommen. Das hat man zwar alles schon mal gesehen, ist auch nicht frei von Stereotypen und trotzdem weiß es in „96 Hours“ wirklich zu überzeugen. Dies liegt nicht zuletzt und auch vor allem an Liam Neeson. Sowieso ist es Neeson, der diesen Film durch seine Präsenz trägt und auf den die Geschichte zugeschnitten ist. Eine One-Man Show wie man sie besser nicht erzählen könnte. Dabei gefällt die Inszenierung des Films im Kern durch die geradlinige Entwicklung der Geschichte, die zwar über weite Strecken überaus konstruiert erscheint und auch nicht ganz glaubwürdig ist, so muss vor allem das immense Sammelsurium von Informationen, die man anscheinend aus nur wenigen Worten albanischer Spreche am Telefon herausziehen kann, zum Schmunzeln anregen. Doch was der Zuschauer auf der Leinwand zu sehen bekommt, wenn Daddy seine Tour de Force schließlich in die Tat umsetzt ist dann in der Tat schon harter Tobak.


Sowohl die Grenzen der Rechstaatlichkeit, als auch die allgemein gültigen (westlich-aufgeklärten) Normen von Moral und Ethik, sind schon immer in Filmen thematisiert, gedehnt, abstrahiert, gebrochen oder auch satirisch verkehrt worden. Drei Beispiele auf die Schnelle: In Robert Rodruigez „Sin City“ schwingt sich ein Schläger und Trinker zum Rächer auf, hackt einen mehrfachen Mörder in Stücke, trennt ihm die Gliedmaßen vom Rumpf und erfreut sich an seiner Folter. Doch „Sin City“ ist eine überzeichnete Comic-Verfilmung in schwarz-weißer Optik. Niemand würde das Geschehen auf der Leinwand ernst nehmen. „Wanted“, eine weitere Comic-Verfilmung, schert sich ebenfalls nicht um moralische Konventionen, sondern führt den Grundgedanken eines jeden Actioners konsequent und kompromisslos zu Ende, ohne dabei Rücksicht auf Kollateralschäden zu nehmen. Doch wo Kugeln um Ecken fliegen können, ein Webstuhl die Zukunft voraussagt und ein überzeichneter Stil regiert, kann man schwerlich von Authentizität sprechen. Und wenn zu guter Letzt ein Batman in „The Dark Knight“ zu körperlicher Gewalt greift, um dem Joker ein Geständnis abzuringen, ist es nicht das eindeutige Plädoyer für ein solches Vorgehen, immerhin ist es der Joker, der triumphiert, sondern kann als Reflexion über Reichweite und Grenzen der erlaubten Mittel fungieren. All dies, nämlich gewollte Überzeichnung, satirische Verkehrung, geschweige denn Reflexion, ist „96 Hours“ nicht. Viel schlimmer: Dieser Film meint offensichtlich alles ernst was er da vertritt: Der Zweck heiligt alle Mittel.


Schon die Inszenierung der Action kann als Indiz für diese These herangezogen werden: Keine Schnörkel, keine großen visuellen Spielereien. Die vorgetragene Action ist hart, direkt, dreckig und kompromisslos auf den Punkt fokussiert. „96 Hours“ schreit an dieser Stelle förmlich nach Authentizität, nicht nach dem Stilmittel der Übertreibung. Gegen Bryan Mills ist „Dirty Harry“ ein harmloses Schulmädchen. Dieser Mann tötet im Namen der richtigen und gerechten Sache gezielt, unerbittlich und wahllos. Wer sich ergibt, dem wird kein Pardon gewährt. Folter ist für ihn ein legitimes Mittel, ebenso wie das bewusste verletzten und töten Unschuldiger,um Druck auszuüben. Dieser Mann ist Ankläger, Richter, und Henker in einer Person – Selbstjustiz par exellence. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Mills bricht mit jeder Norm und Regel der Rechtsstaatlichkeit. Dieser Film ist zutiefst unmoralisch, nicht weil er per se unmoralische Handlungen zeigt, sondern weil er sie blindlings heiligt und überhöht. Von all den im Film tradierten dumpfen Klischees gar nicht mal zu sprechen. Am Ende des Films, wenn der letzte Bösewicht getötet und die Tochter gerettet ist, findet am Flughafen die fröhliche Wiedervereinigung der Familie statt. Die Tochter ist glücklich, Papi ist glücklich, Mami ist glücklich, sogar die eigentlich geschiedenen Eltern kommen sich jetzt wieder näher. In dem Moment sagt der Film: Hey, alles Richtig gemacht Mr. Mills. Keine Metaebene in der das Gezeigte hinterfragt wird, keine gezielte Übertreibung, einfach nichts, was darauf hindeuten würde, dass die Drehbuchautoren Robert Mark Kamen und Luc Besson diesen reaktionären Mist nicht tatsächlich auch ernst nehmen.


Eigentlich ist es wirklich fast schade, dass dieser Film so sein Potential verschenkt. Denn von der grundsätzlichen Inszenierung Pierre Morels her, geht „96 Hours“ eigentlich in Ordnung. Und keiner wird bestreiten wollen, dass Liam Neeson eine coole Sau ist, der in diesem Streifen mal ordentlich auf den Putz hauen darf. Rein unter dem Gesichtspunkt der Unterhaltung kann man „96 Hours“ eigentlich ohne Probleme eine Wertung im Bereich von 7 Punkten spendieren, doch darf man sich vom reinem Unterhaltungsfaktor in diesem Fall nicht leiten lassen. Dieser Film trampelt voller Freude auf den aufgeklärten Werten und Normen herum, für die die westlichen Gesellschaften mittlerweile stehen, auch wenn natürlich in der täglichen Umsetzung nicht alles Gold ist, was glänzt. Sicher, Kino darf als Kunst auch immer Grenzen ausloten, auch mit Grundwerten spielen. Doch in dem Moment, wo er dies so unironisch und ernst gemeint vorträgt, ohne jegliche Reflexion der Mittel, muss dies kritisiert werden. Ich bin wahrlich kein Freund von ideologischer Kritik, aber in diesem Fall muss es leider sein. Hätte der Film doch nur ein Gespür für Ironie gehabt!!! – Fazit: 3 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "96 Hours". © 20th Century Fox



A Closer Look: "The Coronation"


„This ist the Lord's doing...and it is marvellous in our eyes“


Würde man gehässig sein wollen, dann könnte man sagen, dass Shekhar Kapur ein Blender ist. Natürlich ist das dann doch ein wenig übertrieben und es ist ja in der Tat auch so das „Elizabeth“ weit davon entfernt ist, jene aufgeblasene Kostümoper zu sein, welche der Nachfolger „Elizabeth – Das goldene Königreich“ ohne jeden Zweifel ist. Ein Film, der zu Vorderst in seiner dekadenten Optik aus Prunk und Oppulenz zu ersaufen droht und ohne Cate Blanchett eine einzige filmische Leerstelle wäre. „Elizabeth“ ist also der weitaus gelungenere Film. Aber auch hier fallen immer wieder Szenen ins Auge, bei denen man den Eindruck bekommen muss, Kapur hätte in seinem Leben zu viel Zeit in einem absolutistischem Lustgarten verbracht und dort zu viel Blütenstaub eingeatmet. Das gilt insbesondere für die Krönungs-Sequenz des Films, beziehungsweise vor allem für deren Vorlauf: Da blendet die Szenerie erst ins gleißende Weiß ab, bevor man Elizabeth unterlegt vom Geläut der Glocken auf einer grünen Wiese neben einer gewaltigen Eiche stehen sieht. Fünf Gesandte und Fünf Hofdamen stehen dabei, als sie den Siegelring überreicht bekommt und wieder die Abblende ins gleißende Weiß. Und nun das Entscheidende: In dem Moment, als diese hoffnungslos überstilisierte Szene langsam aber sicher körperlich ebenso zu Schmerzen beginnt wie das gleißende Weiß, tritt all das in der Sekunde in den Hintergrund in der Cate Blanchett als neue Königin das Wort ergreift: Die Modulation, das Zittern und Brechen der Stimme – Besser hätte man diesen nur Sekunden dauernden, für eine junge Frau schier überwältigenden Moment des Bewusstwerdens immenser Verantwortung, nicht spielen können. Es ist der Augenblick wo der Zuschauer merkt, dass Cate Blanchett bei diesen Worten auch in der dreckigsten Gosse in Lumpen hätte stehen können, der Effekt wäre der Gleiche gewesen. Für mich eine der Szenen, in dem sich zeigt warum Cate Blanchett eine der besten Schauspielerinnen unserer Zeit ist. - Zur entsprechenden Szene bei YouTube folgt man bitte Cate und wenn ich es technisch vernünftig hinbekommen habe, dann startet das Video sogar an der von mir beschriebenen Stelle.


Quellennachweis: Screenshot aus "Elizabeth". © by Universal Pictures



Rezension: "Milk"










Die Geschichte wiederholt sich nicht“ ist wohl einer der geflügelten Sätze, die auch Nicht-Historikern bekannt sein dürften. Mal ganz unabhängig von der Frage ob man diesem Satz zustimmen möchte oder nicht, verbindet sich mit diesem aber ganz ohne jeden Zweifel die Hoffnung, dass der Mensch und die Gesellschaft aus ihren Fehlern lernt. Geschichte, hier im Sinne negativer Erfahrungen und dunkler Kapitel der Menschheit, wiederholt sich nur dann, wenn man bereits begangene Fehler zum wiederholten Male begeht. Im letztem Jahr kam es in Kalifornien zur Verabschiedung des sogenannten „Antrag 8“, der es Homosexuellen untersagt untereinander zu heiraten. 30 Jahre zuvor gab in den USA Bestrebungen homosexuelle Lehrkräfte, sowie deren Unterstützer aus den Schulen zu entfernen, um zu Verhindern das diese ihre sexuelle Orientierung auf die ihnen anvertrauten Schutzbefohlenen weitergeben. Diese Annahme paranoider und reaktionärer Konservativer ist natürlich hanebüchener Unsinn und der „Antrag 6“ wurde in der Folge von den Bürgern Amerikas auch mehrheitlich abgelehnt und trotzdem muss dieser Sieg gerade in Anbetracht der Entscheidung zum „Antrag 8“ 30 Jahre später ein wenig fahl schmecken. Immer noch werden Homosexuellen, so wie vielen anderen gesellschaftlichen Gruppierungen auch, Ressentiments entgegengebracht, die sich aus einem konservativ-religiösen und oftmals eben auch reaktionären Weltbild mit fundamentalistischem Anstrich speisen. Und auch wenn gerade der europäische Blick in die USA nur zu gern mit einer an die eigene Überlegenheit aufgeklärter Werte glaubenden hochgezogenen Augenbraue versehen wird, sollte man sich nicht davon täuschen lassen, dass es auch in Europa und in Deutschland noch weit hin ist zu jenem Idealtypus Toleranz, den es letztendlich zu erstreben gilt.


Die Freiheitsbewegung der Farbigen in den USA, die Emanzipation, oder aber eben auch die Homosexuellen-Bewegung, all dies sind Beispiele dafür, dass der Kampf um Gleichberechtigung und Toleranz ein Ständiger ist, der immer wieder seine Opfer fordert, der aber zwingend geführt werden muss - Und von diesem Kampf erzählt „Milk“. Regisseur Gus Van Sant thematisiert in diesem Bio-Pic somit das Leben von Harvey Milk (Sean Penn) und dessen Kampf um die sogenannten „Gay-Rights“ in Kalifornien und den USA in den siebziger Jahren. Harvey Milk, der schließlich 1977 als erster bekennende Homosexueller in den Stadtrat von San Francisco und damit in ein wichtiges öffentliches Amt gewählt wurde, ist somit das zentrale Element des Films. Doch wie so oft in der Geschichte ist auch Harvey Milk ein tragischer Held, so wurde er 1978 von seinem ehemaligen Kollegen Dan White (Josh Brolin), der kurz zuvor von seinem Amt zurückgetreten war, ebenso erschossen wie auch der Bürgermeister der Stadt. Doch damit nicht genug, endete der Prozess gegen White mit einem skandalösen Urteil, welches auf Totschlag und nicht auf Mord lautete. Die Verteidigung hatte argumentiert, dass White auf Grund eines durch den Konsum von Fast Food induzierten Zuckerschocks nicht mehr voll zurechnungsfähig gewesen sei, und das Gericht gab dieser Verteidigungs-Strategie statt.


Gus Van Sant beschränkt sich in seinem Film auf die Jahre 1970-1978 und somit im Grunde auf die politisch relevanten Jahre in Milks Leben. Seine Vorgeschichte bleibt hingegen blass und weitestgehend unbeleuchtet. Und auch wenn diese enge zeitliche Fokussierung natürlich die Charakterisierung von Milks Person erschweren muss, ist diese Perspektive auf Grund der Intention des Films, der zu einem Plädoyer für den Kampf für die eigenen Rechte aufruft, durchaus legitim. In kurzen, aber eindrucksvollen Episoden gelingt es Van Sant schnell auf erzählerisch und inszenatorisch überzeugende Art und Weise die soziostrukturellen Hintergründe der amerikanischen Gesellschaft in den siebziger Jahren zu skizzieren. Unterdrückung, Diskriminierung und Verfolgung von Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung dann eben offenbar doch nicht so gleich sind wie alle Anderen, werden von van Sant mit sicherem Gespür für die wirkungsvolle und dabei manchmal wunderbar ironische Symbolik thematisiert. Dies alles versieht Van Sant immer wieder mit bewegten Bildern aus der Zeit, die den dokumentarischen Anspruch des Streifens noch verstärken. Herausgekommen ist ein Film, der ohne jeden Zweifel nicht nur ein unterhaltsamer Film ist, sondern eben auch das Recht für sich beanspruchen kann ein wichtiger Film zu sein, aus dem es Lehren zu ziehen gilt. „Milk“ ist nach „Brokeback Mountain“ der zweite Film innerhalb weniger Jahre der sich dem Topos der Homosexualität widmet und der dafür für den Oscar für den besten Film nominiert worden ist. Doch wo sich Ang Lee in seinem Western-Drama dafür entschieden hat mit dem aufrüttelndem und mutigem Bekenntnis zur Bitterheit ein Bild zweier Liebender zu skizzieren, die aus der von der Gesellschaft geschaffenen Hölle aus pejorativen Moral- und Wertvorstellungen nicht ausbrechen können, zeigt Van Sant in seinem Film umso deutlicher wie wichtig es ist, sich nicht nolens volens in eine von außen a priori vorgegebene Rolle zu fügen, sondern viel mehr „die Schranktüren zu öffnen“ und für seine Sache einzustehen. In gewisser Weise stehen somit „Brokeback Mountain“ und „Milk“ in einer wechselseitigen Beziehung zueinander, die in ihrer Summe eine noch vielschichtigere Perspektive auf das Thema bieten können, als wenn man sie separiert von einander betrachtet.


Die Seele des Films ist natürlich Sean Penn, der die Rolle des liebenswerten und politisch engagierten Protagonisten mit absolut beeindruckender Präsenz verkörpert. Sein abgestimmtes und nuanciertes Spiel, dass sich der jeweiligen Situation mühelos anpasst, muss als außergewöhnlich bezeichnet werden. Dabei ist sein Harvey Milk, im politischem wie auch im privatem Sinn, kein undifferenziert leuchtender Held: Die nicht immer sauberen Schachzüge und Methoden der Politik hat er schnell und rigoros adaptiert, seine privaten Beziehungen sind immer wieder zum Scheitern verurteilt. Penn spielt hier somit einen Menschen, der eben nicht völlig frei von Fehlern ist und alles andere würde „Milk“ auch nicht gut zu Gesicht stehen. Gleiches gilt für Brolin, der ebenso wie Milk von der klugen Entscheidung der Verantwortlichen profitiert, dass seine Rolle des Dan White mit der nötigen Ambivalenz ausgestattet worden ist: Weder irrer und verblendeter Killer, noch bornierter Fanatiker, ist er vielmehr eine kompliziert anmutende Persönlichkeit, die sich jedweder vorschnellen schwarz-weiß Zeichnung versagt und somit die Chance eröffnet einen Film voll Tragik und Relevanz zu erzählen. Es ist diese Mixtur aus ansprechender Inszenierung mit dem Sinn für die gekonnt platzierte Symbolik, hervorragenden Schauspielern, sowie der Nachzeichnung einer politisch brisanten Epoche, die immer noch relevant ist, die „Milk“ zu einem ausgezeichneten Drama werden lässt, dass in seiner grundlegenden Intention noch dazu universell verstanden werden muss: Kämpfe für deine Rechte! - Fazit: 8 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Milk". © Constantin Film


TV-Empfehlungen für die Woche vom 23.02.09 - 01.03.09

Der Sinn des Lebens“ (RTL II, Montag 23.02.09, 02.25 Uhr)

Es ist Karneval, Fasching oder wie man das bunte und seltsame Treiben auf Deutschlands Straßen sonst beschreiben will. Mit anderen Worten, man muss schon lange warten bis mit den Jungs von Monty Python was vernünftiges in der Kiste läuft. Nun ja, aber an diesem Montag ist sowieso die eine Hälfte der Republik besoffen, während sich die andere Hälfte darüber wundert.


Scott & Huutsch“ (Kabel 1, Dienstag 24.02.09, 20.15 Uhr)

Gefällige Komödie mit einem noch jungem Tom Hanks, der in diesen Jahren noch verstärkt auf Komödie machte und einer sabbernden Dogge in den Hauptrollen. Geht in Ordnung.


The Others“ (Kabel 1, Mittwoch 25.02.09, 20.15 Uhr)

Handwerklich perfekt inszenierter Mysterie-Thriller mit einer überzeugenden Nicole Kidman, der durch seine stimmige Atmosphäre und vor allem sein bewusst auf unmodern getrimmtes Setting zu Gefallen weiß. Klare Empfehlung.


Dogma“ (Kabel 1, Mittwoch 25.02.09, 22.15 Uhr)

Dogma funktioniert als Komödie mit letztendlich dann doch vorhandener, wenn auch durchgeknallter Handlung, sehr gut und macht Spaß." - Und ich habe den Film immer noch nicht gesehen. Damit ich es nicht schon wieder vergesse, werde ich gleich mal die Aufnahme programmieren.


The Green Mile“ (Vox, Donnerstag 26.02.09, 20.15 Uhr)

Sehe ich immer wieder gerne. Für mich eine der besten King-Verfilmungen überhaupt mit einem wunderbaren Ensemble aus dem natürlich Michal Clark Duncan ganz klar heraus sticht.


Mars Attacks“ (Arte, Donnerstag 26.02.09, 21.00 Uhr)

Der Film hat mich noch nie interessiert. Dann ist mir eines Tages aufgefallen, dass er von Tim Burton ist, was dazu geführt hat, dass ich ihm bei nächster Gelegenheit doch eine Chance geben wollte. Die ist nun gekommen und das sogar noch werbefrei. Ich werde berichten (Früher oder Später).


Ring – Das Original“ (WDR, Donnerstag 26.02.09, 23.15 Uhr)

Na, sieh mal eine an. Was versteckt sich denn da zu später Stunde auf den Dritten? Ich mag das Remake mit Naomi Watts wirklich sehr und das japanische Original soll ja noch um Einiges besser sein. Ich freue mich drauf und sage: „Danke WDR!“


Zurück in die Zukunft“ (RTL II, Freitag 27.02.09, 20.15 Uhr)

Grandioser Streifen, der auch beim xten Sehen immer wieder zu Unterhalten weiß. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer auf die ausgezeichnete Review von Flo hinzuweisen, der den Film mit aller Wortgewalt auf den ihm gebührenden Olymp schreibt.


Die vier Federn“ (Tele 5, Freitag 27.02.09, 20.15 Uhr)

In diesen schwerfälligen Historienschinken bin ich anno dazumal ins Kino gezerrt worden. Tja, was soll ich sagen: Wenn ich Shekar Kapur will, dann bleib ich doch lieber bei „Elizabeth“. Hat man weitaus Mehr von. Höchstens für diejenigen interessant, die sich einen vollständigen Überblick über das (zu kurze) Schaffen Heath Ledgers verschaffen wollen, der morgen mit dem Oscar ausgezeichnet werden wird.


Elizabeth“ (RTL II, Samstag 28.02.09, 20.15 Uhr)

Und Zack, da ist er schon: „Elizabeth“. Nun man muss ganz klar sagen, dass Shekar Kapur zu Weilen in seinem ganzen optischen Firlefanz aus (manchmal durchaus) kitschiger Oppulenz ersäuft. Das gilt insbesondere für das Sequel. Nichts desto trotz, dieser Film sorgte mit einer ganz bestimmten atemberaubenden Szene voll schauspielerischer Brillanz vor Jahren dafür, dass ich Cate Blanchett als Schauspielerin für mich entdeckte. Welche Szene das war, dass wird spätestens bis Samstag in einem weiteren „A Closer Look“ thematisiert werden.


Marnie“ (MDR, Samstag 28.02.09, 23.20 Uhr)

Einer der beiden Hitchocks mit Tippi Hedren (hier in der Rolle der undurchsichtigen Frau mit dunklem Geheimnis), die sich jüngst auf diesem Blog in der Kategorie der Super-Blondine Hitchcocks den dritten Platz sichern konnte.


Die Akte Jane“ (ZDF, Samstag 28.02.09, 23.45 Uhr)

Die Akte schlechter Film. Der Scott hat neben seinen paar guten Filmen schon ein ganze Mist gemacht, fällt mir gerade mal so auf.


Der rosarote Panther“ (ARD, Samstag 28.02.09, 00.40 Uhr)

Überrascht es hier eigentlich noch jemanden ernsthaft, wenn ich sage, dass ich den Film noch nicht gesehen habe? Nun, ja wird aufgenommen...


Der Teufel trägt Prada“ (RTL, Sonntag 01.03.09, 20.15 Uhr)

Meryl Streep, dass hat sich jüngst mal wieder im Zuge von „Glaubensfrage“ gezeigt, ist mit Sicherheit einen Blick Wert. Trotzdem kann ich mich nur schwer motivieren den Streifen anzusehen.


Constantine“ (Pro 7, Sonntag 31.01.09, 22.15 Uhr)

Ja, den kann man locker als unterhaltsame Höllen-Spielerei für zwischendurch durchwinken. Geht somit in Ordnung. Ich sag ja immer wieder Keanu Reeves ist immer dann gut, wenn von seiner Rolle verlangt wird permanent verwirrt und ausdruckslos in Kamera zu starren.



Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Donnerstags beim Zeitverschwender, Samstags bei From Beyond, sowie Sonntags bei Duke's Movieblog und Blockbuster-Entertainment und falls dann noch Fragen offen sind, lohnt der wöchentliche Besuch (Sonntags oder auch mal Montags) bei Harry's Blog.


Rezension: "The Spirit"










Will Eisners „The Spirit“, der von 1940 bis 1952 als wöchentliche Zeitungsbeilage erschien, avancierte in der Folge zu einem der bedeutendsten Klassiker des amerikanischen Graphic Novel. Sowohl Alan Moore als auch Frank Miller, die mit ihren Klassikern des Comics über „Batman“, „Sin City“, „300“, „From Hell“, „V – Wie Vendetta“ oder auch „Watchmen“ selbst zu den unbestrittenen und prägenden Größen des zeichnerischen Genres gehören, nennen Will Eisner als großes Vorbild und Quell mancher kreativer Inspiration. Doch während Moore den Verfilmungen seiner Comics überaus kritisch gegenüber steht und diese ganz gerne mal als „kommerziellen Müll“ bezeichnet, mit dem er nicht assoziiert werden will (Die Zeit), hat sich Frank Miller spätestens 2005 von Regisseur und Tarantino-Buddy Robert Rodriguez nach langem Bitten doch für Hollywood ködern lassen. Das Resultat bestand in einer atemberaubenden Verfilmung von Millers Sin City Comics, die in ihrem optischen wie inhaltlichen Stil des harten und kompromisslosen Noir dem Mainstream einen herzhaften Schlag in die Fresse verpasste. Die bei weitem nicht mehr so stilprägende Adaption des Thermopylen-Gemetzels „300“ folgte auf dem Fuße, bevor sich Frank Miller im Zuge der anstehenden Verfilmung seines großen Vorbildes zum ersten Mal selbst als eigenständiger Regisseur versuchte. Behutsam und nachdrücklich wollte Miller den künstlerischen Geist seines großen Vorbildes abbilden: „Mir war wichtig, mit „The Spirit“ einzufangen, was Eisners Arbeit implizierte.“


Ein ehrbares Unterfangen, dem Miller jedoch, so muss es nach Sichtung des Film scheinen, nicht gerecht geworden ist. Derjenige, der mit der Vorlage Eisners nicht vertraut ist (Und das dürfte in Deutschland die große Mehrheit sein) wird sich aus dem Film nicht erklären können, warum diese Comics ein so großer Erfolg geworden sind, warum sie gar als stilprägend für ihre Gattung angesehen werden. Der Film besteht aus einem zusammenhangslos wirkenden Konglomerat aus einzelnen Bilder, nicht zusammenpassend wollenden Handlungsfragmenten, sowie Versatzstücken vor allem aus der griechischen Mythologie, die von Miller in seiner Version von Eisners „Spirit“, denn von einer getreuen Umsetzung der Comics wird man wohl allein schon auf Grund der angepassten Optik im (etwas farbigeren) „Sin City“ - Look nicht mehr sprechen können, wild durcheinander gewürfelt hat. Nun ist es natürlich per se legitim, wenn man einen Stoff modernisieren will, wenn man seine eigene Sicht der Dinge einbaut, doch wenn man dann so den Überblick verliert, wenn man immer wieder das Timing für den richtigen Moment verpasst, wenn man das Händchen für die Dramatik vermissen lässt, wenn man sich dazu zu Schade ist, seine kompromisslosen Ideen zu Ende zu führen (so ist der Film weit entfernt von der Härte eines „Sin City“) – und all dies trifft in diesem Fall auf Miller zu – dann muss man sich nicht wundern, wenn man am Ende des Films ein paar nicht unwesentliche Probleme hat.


Das eigentliche Dilemma von „The Spirit“ besteht somit in seiner quasi nicht vorhandenen und erkennbaren Handlung, die für Miller aber offensichtlich auch nicht im Fokus des Interesses gelegen hat. Der Spirit (Gabriel Macht) als Wächter über seine Stadt, die nach ihm schreit, als scheinbar unverwundbarer Held mit Maske, ein Frauenheld und doch einsam mit unglücklicher Vergangenheit. Ihm gegenüber seine Nemesis, der Octopus (Samuel L. Jackson). Ein wahnsinniger Irrer, das Gegenstück zum Spirit, der danach strebt die Gesellschaft zu unterjochen. Dazu noch mythische Artefakte wie das goldene Vlies und das Blut des Herakles, die eine wichtige Rolle in der erzählten Geschichte (?) spielen, die jedoch in ihrer Darstellung so hanebüchen anmutet, dass der Film als eine Ansammlung von einzelnen und hübsch inszenierten Comic-Panels wirken muss, denen man die verbindenden Elemente entfernt hat, so als ob aus einem Comic-Heft, dass man liest, immer wieder einzelne Seiten herausgerissen worden wären. Hier zeigt sich, dass Miller inszenatorisch bei weitem nicht da ist, wo er gerne wäre. Der Film verlangt eben doch noch mehr als es die starren Fenster eines Comics erfordern. Hinzu kommen Dialoge, die die Bezeichnung als Solche nur in Ausnahmefällen verdienen, so dass eine hilfreiche klare Linie innerhalb des Films leider zu keinem Zeitpunkt zu erkennen ist.


Und so ist es folgerichtig die Optik, die wie schon in „Sin City“ und „300“ zu Gefallen weiß. Millers Entscheidung „The Spirit“ optisch an den Noir anzulehnen überzeugt und zeigt das eine vorsichtige Anpassung und Variation der Comic-Vorlage nicht automatisch etwas Schlechtes sein muss. Wem diese Art von überstilisierter Optik schon immer gefallen hat, der wird auch in „The Spirit“ auf seine Kosten kommen, auch wenn der innovative Charakter, das „Aha-Erlebnis“ wie es noch bei „Sin City“ evoziert wurde, langsam aber sicher verblasst. Optisch also mehr als gefällig, inhaltlich mehr als dürftig ist es nicht zu Letzt die Riege der Darsteller, welche dem Film noch ein wenig Glanz verleihen dürfen. Dies gilt allerdings nicht für den Hauptdarsteller Gabriel Macht, der über die gesamte Spielzeit erstaunlich blass bleibt und dem Zuschauer somit gleichgültig ist. Dieser legt seine Aufmerksamkeit ohnehin viel lieber auf Samuel L. Jacksons Umsetzung des Octopus, der diesen in amüsanter Übertreibung verkörpert. es sei denn natürlich eine der zahlreichen Damen wird von Miller gerade wieder einmal vorteilhaft ins Licht gerückt. Doch auch hier gilt natürlich Style over Substance: Scarlet Johansson als Silken Floss, deren Figur, die, so ist zumindest nachzulesen, in der Comic-Vorlage von großer Relevanz ist, verkommt zur inhaltlich relativ unwichtigen eiskalten Beraterin vom Octopus, sieht dabei aber verdammt gut aus. Sarah Paulson bleibt nicht mehr als die stereotype Rolle des dem Spirit verfallenen naiven Blondchens zu spielen, sieht dabei aber verdammt gut aus. Stana Katic hat als junge Polizistin nichts weiter zu tun als den Spirit anzuhimmeln und große Wummen abzufeuern, sieht dabei aber verdammt gut aus. Paz Vega darf als Plaster of Paris ein wenig mit accent français parlieren, und sieht dabei verdammt gut aus. Jamie King orakelt hin und wieder mal ein bisschen als „Engel des Todes“ und sieht dabei natürlich verdammt gut aus. Einzig Eva Mendes aka Sand Serif darf als alte Liebe des Spirit und Juwelen-Diebin etwas wirkliches zur Geschichte beitragen und sieht dabei nicht nur verdammt gut aus, sondern ist stets so heiß wie die Hölle. „What is it with you and women?“ fragt der Octopus an einer Stelle völlig zu Recht.


Wenn Miller seinem Film in Gänze so viel Aufmerksamkeit wie des in Szene Setzens der darin spielenden Frauen gewidmet hätte, dann hätte aus „The Spirit“ wirklich was werden können. So aber muss sich der Zuschauer doch fragen ob er nicht im wirren Gehirn eines Mannes gelandet ist, der gerade nicht nur eine bewusstseinserweiternde Substanz eingeschmissen hat, denn einiges was offensichtlich richtig schön trashig sein sollte, zündet nicht. Lässt man sich Eva Mendes neckische Spielchen mit ihrem Hintern und einem Fotokopierer in den Hauptrollen noch gerne gefallen, ist spätestens bei einem geklonten und permanent springendem Fuß mit Kopf Schluss. Und wenn dann der Spirit zu den Klängen der deutschen Nationalhymne vom Octopus und Silken Floss in SS-Uniformen vor Hakenkreuz und Führer-Portrait gefoltert wird, dann mag das vielleicht noch zum Schmunzeln anregen, doch muss spätestens bei der Frage nach dem dahinter stehenden Sinn (Meine in den Film interpretierte Hypothese: Die Szene verstanden als optische (und holzhammerartige) Verdeutlichung des Herren-Menschen-Strebens des Octopus) verständnislos mit den Kopf geschüttelt werden. „Come on, toilets are always funny!“ schleudert der Octopus dem Zuschauer zu Beginn des Films entgegen, als er dem Spirit eine im Sumpf gefundene Kloschüssel über den Rübe gezogen hat. Darüber kann in der Tat diskutiert werden, aber nicht über die Tatsache, dass sich Frank Miller mit diesem Projekt in der Summe von ein paar schönen Bildern und Szenen, einigen wenigen gelungenen Onelinern, sowie seinen schönen Frauen mal abgesehen, einen gehörigen Griff ins Klo geleistet hat. Doch immerhin war es Griff ins Klo mit Verve und Leidenschaft und das bin ich sogar bereit eher zu goutieren, als einen langweiligen auf Konsens gebürsteten Film ohne Vision. Deshalb reicht es für eine knappe Wertung über den Durchschnitt – Fazit: 5,5 Punkte.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "The Spirit". © Sony Pictures


Vorschau: Trailer zu "Lesbian Vampire Killers"

Ok, liebe Freunde des trashigen Horrors (Obwohl ich bezweifle das Horror in diesem Kontext der richtige Begriff ist). Vor einiger Zeit schrieb ich zu den ersten bewegten Bildern von „Lesbian Vampire Killers“ die folgenden Worte:


„When they see a title like 'Lesbian Vampire Killers', they will want to see that“ - Diese Hypothese, aufgestellt von den an der Produktion von „Lesbian Vampire Killers“ Beteiligten, entbehrt mit Sicherheit nicht einer gewissen Logik. Wie dem auch sei: „Lesbian Vampire Killers“ soll in der Meinung seiner Macher „a comedy horror, with the style of a classic Hammer movie.“ werden Die ersten bewegten Bilder zu diesem Streifen sehen auf jeden Fall schon mal schön trashig aus und sollte es dem Film tatsächlich gelingen den Charme der britischen Horror-Klassiker der Hammer-Produktionen - von denen die Dracula-Ableger mit Christopher Lee wohl am Bekanntesten sein dürften - einzufangen, dann wäre dies neben der im Teaser postulierten Trias von „Killer – Vampires – Lesbians“ ein weiterer Grund diese britische Produktion zu goutieren. Bis es soweit ist, kann man jedenfalls einen Blick auf den ersten Teaser zum Film werfen.


Nun ist tatsächlich der erste richtige Trailer zu der (erhofften) Trash-Orgie veröffentlicht worden, und ich muss sagen die im ersten Post angesprochene Trias funktioniert immer noch, ich musste beim Sehen des Trailers sogar lachen. Ich bin mir nur gerade nicht sicher, ob mich das beunruhigen sollte. Nun denn, wie auch immer: Wer einen Blick riskieren will, der darf das gerne in Form des Trailers tun und ich bin ja sowieso niemals abgeneigt wenn es um Vampire geht.



Quelle: TrailerAddict

A Closer Look: "The Piano Duet"


...Und wieder ist es ein Piano, wieder eine einzelne Szene, in der das Lied von vorne gespielt wird, diesmal kraftvoll, nicht schüchtern. Ein Moment in dem die Grenzen zwischen den Lebenden und den Toten verschwimmen, in dem sich die Blüte in ihrer ganzen strahlenden Kraft öffnet, hier in der Welt der Toten, ganz im Gegensatz zu der Welt der Lebenden...“


Welch wunderbare Szene in einem wundervollen Film. Es scheint in „Corpse Bride“ so einfach zu sein Puppen mit Leben zu erfüllen und Emotionen jeglicher Couleur auf deren Gesichter zu zaubern. Diese fast spielerische anmutende Leichtigkeit, gerade auch in dieser Szene, ist ohne das Verdienst von Regisseur Tim Burton einerseits und der berührenden Komposition von Danny Elfman andererseits. Ein Moment der puren Kinomagie, die noch dazu die inszenatorische Größe besitzt das Geschehen mit einer humoristischen Pointe aufzulösen und so jeglichem Kitsch von Vornherein den Riegel vorschiebt. Wer den Film noch nicht kennt: „Tim Burton's Corpse Bride“ gibt es Samstag um 20.15 auf Tele 5. Und die hier vorgestellte Szene, die gibt’s jetzt schon, man folge einfach dem Bild ins unerhört bunte Reich der Toten.


Quellennachweis: Screenshot aus "Tim Burton's Corpse Bride". © by Warner Bros. Pictures, Tim Burton Animation Co., Laika Entertainment, Patalex Productions, Will Vinton Studios



TV-Empfehlungen für die Woche vom 16.02.09 - 22.02.09

Banditen“ (Kabel 1, Montag 16.02.09, 20.15 Uhr)

Den mag ich wirklich sehr gerne. Gelungene Krimi-Komödie mit tollem Willis, toller Blanchett und noch besserem Thornton. Dem Film habe ich – „Biber und Enten“ - einen meiner größten Lachflashs meiner Filmgeschichte zu verdanken. Zum Glück war da niemand dabei, rational zu erklären ist das sowieso schon mal gar nicht.


Good Night, and Good Luck“ (HR, Montag 16.02.09, 23.45 Uhr)

Rüdiger Suchsland schreibt dazu: Kühl und formal brillant, dabei voller Engagement mit heißem Herzen. [...] Zugleich ein lustvoller Film, der zeigt, dass Intelligenz und moralische Position auch sexy aussehen kann.“ - Und ich bin dabei.


Mit Schirm, Charme & Melone“ (Kabel 1, Dienstag 17.02.09, 20.15 Uhr)

Ich kenne die Serie nicht und folgt man dem allgemeinem Common Sense ist das auch besser, will man diesen Film überhaupt was abgewinnen. Mich hat er noch nie groß beeindrucken können, lief immer irgendwie nebenbei und hat mich sanft berieselt. Ist irgend wie kein gutes Zeichen.


True Lies“ (Kabel 1, Mittwoch 18.02.09, 22.10 Uhr)

Spaßiger Actioner mit Schwarzenegger und Curtis unter der Regie von Cameron. Der geht in Ordnung. Läuft aber auch in der wirklich xten Wiederholung.


Die Wiege der Sonne“ (Vox, Donnerstag 19.02.09, 20.15 Uhr)

Mich kann der Film immer noch nicht überzeugen, trotz Sean Connery. Liegt wahrscheinlich aber auch an Wesley Snipes den ich noch nie ernst nehmen konnte.


Leoparden küsst man nicht“ (ARD, Donnerstag 19.02.09, 01.20 Uhr)

Screwball Comedy mit Cary Grant und der Hepburn. Kenne ich – wie so oft – noch nicht. Es wird also Zeit, dass ich mir den guten Mr. Grant mal in einem Film ansehe der nicht von Hitchcock inszeniert worden ist.


Der Knochenjäger“ (Pro 7, Freitag 20.02.09, 20.15 Uhr)

Gähn! Langweilig und wenig überzeugend. Wer einen vernünftigen Thriller mit „Serienmörder-Thematik“ sehen möchte, sollte sich an die Klassiker des Genres wenden, z.B. Fincher's „Sieben“ oder „Zodiac“, aber dieses Jolie/Washington Vehikel braucht eigentlich keiner.


Jumanji“ (Sat 1, Samstag 21.02.09, 20.15 Uhr)

Ein doch sehr gelungener Film für die ganze Familie. Die Tricktechnik wirkt heute natürlich ein wenig veraltet. Nichts desto trotz immer noch einen Blick wert und macht eine Menge Spaß.


Ali“ (RTL II, Samstag 21.02.09, 20.15 Uhr)

Die wohl beste schauspielerische Leistung von Will Smith in seiner Karriere. Starker Film, der aber natürlich nur im englischen Original wirklich sehenswert ist.


Der Club der toten Dichter“ (Das Vierte, Samstag 21.02.09, 20.15 Uhr)

Ich sehe Robin Williams in Rollen, die einen eher ernsten und gessetzten Ton anschlagen, sehr gerne. Dies gilt für „Good Will Hunting“ und eben auch für den „Club der toten Dichter“. Den habe ich aber auch wirklich viele Jahre nicht mehr gesehen. Muss ich mal wieder reinschauen.


Tim Burton's Corpse Bride“ (Tele 5, Samstag 21.02.09, 20.15 Uhr)

Kurz und Schmerzlos: Tim Burton's wunderschöner und bezaubernder Puppen-Film. Nicht ganz so kurz: HIER.


Van Helsing“ (RTL, Sonntag 22.02.09, 20.15 Uhr)

Fazit: Schrott, und zwar zu 100 %. Steckt man diesen Film zusammen mit „Los Muertos“ und „Wes Craven's Dracula I-III“ in einen Sack, kann man getrost drauf schlagen – Man trifft immer den Richtigen.


Brokeback Mountain“ (Pro 7, Sonntag 22.02.09, 20.15 Uhr)

Zu dem hat sich vor einiger Zeit mal bei Intermoviession eine hitzige Debatte entzündet. Ich konnte seiner Zeit aus Unkenntnis nicht mitreden und werde mir jetzt mal einen Eindruck verschaffen, ob zum Einen Ledger in der Rolle des schwulen Cowboys wirklich so brillant ist, und ob dies zum Anderen im gleichen Maße auch für den Film in Gänze gilt.



Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Donnerstags beim Zeitverschwender, sowie Sonntags bei From Beyond, Duke's Movieblog und Blockbuster-Entertainment.


Rezension: "Glaubensfrage"










Das auch die katholische Kirche nebst ihres obersten Hirten nicht unfehlbar ist, haben die jüngsten Ereignisse um die ungeschickte Reaktion des Papstes auf die dümmlichen und nicht zu tolerierenden Äußerungen eines dahergelaufenen Bischofs und Holocaust-Leugners mal wieder eindrucksvoll gezeigt. Aber natürlich vermag das nicht wirklich ernsthaft zu verwundern, ist doch die Religion ein menschliches Konstrukt und somit auch der menschlichen Fehlbarkeit unterworfen. Gleiches gilt natürlich eben auch für die Stellvertreter Christi auf Erden, die im Laufe der Historie im Namen ihrer Kirche eine ganze Reihe von Fehlern produziert haben. Eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche stellt dabei ohne jeden Zweifel der sexuelle Missbrauch minderjähriger Schutzbefohlener durch pädophile Priester dar – Ein Skandal der vor einiger Zeit vor allem die USA bis ins Mark erschütterte, der aber natürlich nicht auf den amerikanischen Kontinent beschränkt ist. Die öffentliche Bitte um Vergebung des aktuellen Papstes war eine öffentliche Geste der katholischen Kirche, wie sie ebenso unabdingbar wie nötig war. Als Reaktion auf diesen Skandal entstand 2004 das von John Patrick Shanley geschriebene Theaterstück „Doubt: A Parable“ das sich mit eben diesem Themenkomplex auf hintergründige und tiefgehende Art und Weise beschäftigt. 2008 schließlich wurde das Bühnenstück von Shanley, mittlerweile mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, für die Leinwand adaptiert und so entstand unter seiner Regie einer der wohl ruhigsten und interessantesten Beiträge der diesjährigen Oscar-Saison: „Glaubensfrage“


New York 1964: Die sich in der Bronx befindliche katholische Privatschule St. Nicholas wird von der gestrengen Schwester Aloysius Beauvier (Meryl Streep), die absolute Disziplin zur obersten und unabdingbaren Maxime erhoben hat, mit eiserner Faust geleitet. Diese konservative Haltung, die auf dem Prinzip der Ordnung durch Furcht beruht, muss jedoch unvermeidlich mit der Lebenseinstellung des jungen und charismatischen Priesters Brendan Flynn (Philip Seymour Hoffman) zu Konflikten führen. Flynn, der zu den Schülern ein offenes und herzliches Verhältnis pflegt und nichts dabei findet die Weihnachtsfeier mit „Frosty the Snowman“ aufzulockern, stellt somit mit seine liberalen Grundsätzen dem Regiment von Schwester Aloysius Beauvier diametral gegenüber. Als Flynn, der sich ganz besonders für Donald (Joseph Foster), den ersten farbigen Schüler von St. Nicholas, einsetzt, von Schwester James (Amy Adams) bei einer potentiell verdächtigen Handlung beobachtet wird und sich Donald nach einem Treffen mit Flynn seltsam verhält, führt das dazu, dass sich die ohnehin misstrauische Beauvier in ihren Vorahnungen gegenüber Pater Flynn bestätigt sieht. Ein unüberbrückbarer Verdacht steht von nun an im Raum.


Der Glaube im positiven Sinne kann ein starkes Band sein, wie es der Zweifel auf der anderen Seite mit seiner negativen Konnotation auch sein kann. Und so ist es in gewisser Weise auch schon die unterschiedliche Wahl des deutschen und englischen Titels, der das bestimmende Element, das zentrale Motiv des moralischen Dilemmas im Film, ganz gut verdeutlicht. Dem eher neutral besetztem Titel „Glaubensfrage“ im Deutschen, steht der ungleich eindeutigere und in meinen Augen passendere Titel „Doubt“ - also „Zweifel“ - gegenüber. „In dubio pro reo“ - Im Zweifel für den Angeklagten - darf diese rechtsstaatliche Regel auch im Fall des Kindermissbrauchs gelten oder muss sie es in diesem Fall erst Recht, hätte doch jede falsche Verdächtigung so Weitreichende Folgen, dass die Reputation eines zu Unrecht Beschuldigten nie wieder vollständig hergestellt werden kann? Und so spricht Pater Flynn in einer seiner Predigten von der zersetzenden Kraft der Gerüchte und des Tratsches, die wie durch die Luft wirbelnden Federn eines auf dem Dach eines Hauses zerschnittenen Kissens gleich, nie wieder vollständig eingesammelt werden können.


Der Zwiespalt des Glaubens, an Schuld oder Unschuld, dominieren diesen Film und dieser Gegensatz wird von Shanley durch durch die Inszenierung und die Zeichnung der Figuren noch verstärkt. „Glaubensfrage“ ist in diesem Punkt den Zuschauer manipulierendes Kino auf hohem Niveau: Der konstruierte Gegensatz zwischen der konservativen Schwester und dem liberalen Priester muss die Unentschlossenheit des Zuschauers noch verstärken, bekommt er doch gezielt den Eindruck vermittelt das Aloysius Beauvier diesen modernen Priester mit seinen ihr verhassten liberalen Methoden einfach nur nicht leiden kann und so a priori an seine Schuld glaubt, wie sie an Gott glaubt – Ein Beweis ist nicht nötig. Doch benimmt sich nicht auch Flynn verdächtigt mit seinen fast beiläufigen Berührungen und seinen auffallend langen Fingernägeln? Hin- und Hergerissen zwischen einer eindeutigen Entscheidung, befindet sich der Zuschauer in genau dem Spannungsfeld in dem ihn Shanley wissen will, eingekeilt in der Ambivalenz seines eigenen Glaubens und Zweifels. „Glaubensfrage“ mag somit inhaltlich in einer schwierigen und aufregenden Phase des gesellschaftlichen Umbruch der USA in den 60er Jahren angesiedelt sein, welche die Grenzen noch weiter verwischen lässt, bleibt dabei jedoch in seiner Intention universell.


Der Film ist dabei natürlich zuvorderst weniger durch die noch unerfahrene Hand des Regisseurs geprägt, sondern durch die Performance der beiden schauspielerischen Schwergewichte Streep, für diese Rolle Oscar-Nominiert, und Hoffman, die hier aufeinanderprallen, einen memorablen Eindruck hinterlassen und die Stärke des Konzepts der Geschichte unterstreichen. So gehören die Streitgespräche folgerichtig zu den stärksten und eindrücklichsten Szenen des Films, dem man in seiner bedächtigen Ruhe und dem kammerspielartigen Charakter seine Bühnenherkunft jederzeit ansieht, was aber nicht negativ ins Gewicht fällt. Ganz im Gegensatz zu der etwas unter den Tisch gefallenen Rolle von Donald Miller, der zu sehr in die bloße Rolle des Streitobjekts und nicht als vollwertige Person skizziert wird. Es ist ein etwas anderer Film, der mit „Glaubensfrage“ geschaffen worden ist. Ein sehr interessanter Film, der sich wohltuend von der Hektik vieler heutiger Kinofilme unterscheidet und der auch am Schluss die klare Antwort verweigert, was nur konsequent ist. Der Zweifel beim Zuschauer muss bleiben, ein Zweifel den auch Aloysius Beauvier schlussendlich erdulden muss. Ein Zweifel gar, der nicht nur auf die Sache bezogen ist, sondern vielleicht sogar noch viel Weiter in die Tiefen ihres Glaubens eindringt. - Fazit: 7,5 Punkte.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Glaubensfrage". © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany, Goodspeed Productions, Scott Rudin Productions


Vorschau: Trailer zu "Angels & Demons"

Our Church is at war“ - Nun, die katholische Kirche mit ihrem obersten Hirten produziert im Augenblick genügend negative Schlagzeilen und auch der neuen Dan Brown – Verfilmung „Angels & Demons“ steht sie ja ausgesprochen skeptisch gegenüber, so durfte im Vatikan nicht gedreht werden. Nun ist der erste Trailer zu dem Verschwörungsthriller im Vatikan mit Tom Hanks in der Hauptrolle endlich erschienen. Und dieser Trailer ist einfach nur: Fantastisch, fantastisch, fantastisch! Ich freue mich dermaßen auf diesen Film, dass ist schon nicht mehr feierlich. Ron Howard, der im Moment mit "Frost/Nixon" positive Schlagzeilen geschrieben hat, wird sicher wieder ganze Arbeit leisten. Vor lauter Vorfreude werde ich mir wohl in Bälde gleich noch mal „The Da Vinci Code – Sakrileg“ ansehen. Ich freue mich wie Bolle (Ja, macht euch nur Lustig, ihr Howard-Hasser ;-)) und nun viel Spaß mit dem Trailer:


Quelle: TrailerAddict


Vorschau: Teaser zu "Inglourious Basterds"

So, es wird an dieser Stelle keinen Hype und keine Hysterie geben nachdem ja die Vorfreude bei Einigen nach der erfolgten Ankündigung des heutigen Release des ersten Teasers zu „Inglourious Basterds“ wirklich immens war. Ich freue mich auch ein bisschen, so wie eigentlich immer wenn Quentin Tarantino einen neuen Film abliefert. Diesmal also Quentins Sicht auf den Zweiten Weltkrieg, das kann ja heiter werden und mittlerweile habe ich auch den innerlichen Schmerz über des Mitwirken von Till Schweiger verdaut. Der Teaser ist im Übrigen sehr auf Brad Pitt zugeschnitten, sieht dabei ganz nett aus und ich musste am Ende sogar wirklich lachen. Wie gesagt, dass kann ja heiter werden. So und nun viel Spaß mit dem Teaser, den man sich nun (endlich) nicht länger in abgefilmter und mieser Qualität ansehen muss:


Quelle: TrailerAddict


"Kino, TV und Co" sucht Alfred Hitchcocks Super-Blondine

Wenn man in einer Umfrage nach den Top 5 der größten, bedeutendsten, oder auch wichtigsten (Wie immer man diese Adjektive letztendlich definieren wollte) Regisseure des 20. Jahrhunderts fragen, man könnte wohl ziemlich sicher sein, dass zwei Namen in fast jeder Antwort auf diese Frage genannt werden würden: Stanley Kubrick und Alfred Hitchcock. Und während kein halbwegs objektiver Kritiker bestreiten würde, dass beide Männer Regisseure mit Visionen und immensen künstlerischem und kreativem Potential gewesen sind, die der Nachwelt eine ganze Riege filmhistorisch relevanter Meilensteine des Kinos hinterlassen haben, gibt es zwischen den beiden Genannten, doch einen eminenten Unterschied bezüglich ihres cineastischen Schaffens. Während der Eine (Kubrick) in seiner Karriere „nur“ knapp mehr als ein Dutzend Spielfilme auf Zelluloid bannte, also eher ein Wenig-Filmer gewesen ist, hat es der Andere (Hitchcock) auf die stattliche Anzahl von 53 Spielfilmen geschafft, von denen eine ganze Reihe zu den stilprägendsten Werken der Filmgeschichte gehören.


So erfreulich diese Tatsache auf den ersten Blick ist: Für denjenigen, der sich der Sisyphos-Aufgabe annimmt eine Top 5 der Hitchcock-Filme aufzustellen, ist diese Vielfalt Segen und Fluch zugleich, selbst wenn er sich nur auf sein subjektives Sehempfinden als ausschlaggebendes Kriterium verlässt und sich nicht von filmhistorischen, beziehungsweise filmtechnischen Kriterien leiten lässt. Wem kann man es verdenken, wenn er als „Lieblings-Hitchcock“ etwa die schwarzhumorige Komödie „Immer Ärger mit Harry“ und damit eben nicht einen der großen Vertreter im Oeuvre Hitchcocks a la „Vertigo“ oder „Der unsichtbare Dritte“ nennt? Besteht also unter dem Gesichtspunkt der unerhört schwierigen (dabei aber ohne jeden Zweifel reizvollen) Aufgabe eine Top 5 aus des Master of Suspense Gesamtwerkes zu destillieren, kann an dieser Stelle ein kleiner Kunstgriff ungeheuer reizvolle Perspektiven eröffnen: Kenner von Hitchcocks Filmen werden mit wiederkehrenden Elementen und Motiven vertraut sein, die sich wie ein roter Faden durch das Schaffen des Meisters ziehen, sei es zum Beispiel das Werkzeug des MacGuffin, oder aber das immer wieder wiederholte Motiv des zu „Unrecht Verdächtigten“, der im Verlauf der erzählten Geschichte seine Unschuld beweisen muss. Einer der wesentlichsten Konstanten bei Alfred Hitchcock ist aber ohne jeden Zweifel seine Schwäche, seine Leidenschaft, oder sagen wir ruhig seine Obsession für die „Blondine“ - Und damit ist das Thema dieser neuen Ausgabe von „Kino, TV und Co sucht...“ in der Tat gefunden: Nein, es soll an dieser Stelle nicht um den „Super-Hitchcock“ per se gehen (Es wird sozusagen die Perspektive von der Makro- auf die Mikroebene verlagert), sondern viel mehr um „Hitchcocks Super-Blondine“ an sich.


Es bedarf wohl kaum weiterer Erläuterungen um zu dem Ergebnis zu kommen, dass diese Rubrik eine ganz besonders Reizvolle darstellt, ebenso wenig wie wohl angemerkt werden muss, dass die folgende Top 5 unter noch subjektiveren Gesichtspunkten als sonst aufgestellt worden ist, wobei sich natürlich auch hier eine Auflistung nach rational-objektiven Gesichtspunkten realisieren lassen würde (Etwa nach der Häufigkeit des Auftretens), doch wäre dies zutiefst langweilig. Wie dem auch sei: Die kühle Blonde gehört zu Hitchcock wie der MacGuffin und ist aus seinen Filmen somit nicht mehr wegzudenken, so zum Beispiel Janet Leigh („Psycho“), Eva Marie Saint („Der unsichtbare Dritte“), oder aber auch Marlene Dietrich in „Die rote Lola“ , dessen interessante, von der zeitgenössischen scharf kritisierten, Variation des zu „Unrecht Verdächtigten-Motivs“ sich nicht zu Letzt auch in der etwas untypischen Blondinen-Figur niederschlägt. Die Attribute, mit denen Hitchcock diese Figuren belegt hat, sind dabei äußerst vielfältig: „Hitchcocks Blondine“ findet sich in zahlreichen Variationen, ob in starker, verletzlicher, beschützender, kühler oder auch aktiver, stets aber in junger, schöner, undurchsichtiger und – natürlich – erotischer Konnotation. Doch sollen diese filmtheoretischen Ausführungen an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden, können sie doch ohnehin in der umfangreichen Seundärliteratur zu Hitchcock nachgelesen werden, so dass nun direkt in medias res eingestiegen werden kann: In der Folge nun die Top 5 der Hitchcock-Blondinen im Verbund mit dem zugehörigen Film.



5. Platz: Joan Fontaine („Rebecca“, USA 1940)


No, it's not too late. You're not to say that. I love you more than anything in the world. Oh, please Maxim, kiss me please.“


Die 1917 in Tokio geborene Schauspielerin wurde von Hitchcock in zwei seiner Filmer besetzt. Zum Einem in dem 1941 erschienenen „Verdacht“ in dem sich Fontaines Rolle in einen von Cary Grant gespielten Hochstapler verguckt und zum Anderen in „Rebecca“, mit dem sie es in dieser Top 5 auf den fünften Platz geschafft hat. „Rebecca“ gehört meiner Meinung nach zu den stärksten Filmen von Hitchock, der Vieles von dem schon andeutet und umsetzt, was den Regisseur in der Folge auszeichnen wird. Die extrem unbehagliche Atmosphäre, die in „Rebecca“, dem ersten für den us-amerikanischen Markt erstellten Hitchcock, in einer eigentlich doch sehr wohnlichen und idyllischen Umgebung erzeugt wird, beherrscht weite Teile des Streifens. Fontaines Figur, welche die Leidtragende und letztlich durch ihre unerwünschte Präsenz auch Auslöser dieser unangenehm wirkenden Grundstimmung ist, hat dabei noch wenig mit der Stärke anderer Frauen bei Hitchcock zu tun, ganz im Gegenteil ist es es eher die unscheinbare und eingeschüchterte Figur, die an dieser Stelle ihren Auftritt findet und aus dieser Rolle nur selten ausbrechen kann (beziehungsweise darf). Joan Fontaine Leistung in diesem Film, der halb Thriller, halb Romanze ist, muss an dieser Stelle jedoch ausdrücklich gelobt werden. Mit zurückhaltender Zerbrechlichkeit, dabei jedoch voller Ausstrahlung ist sie das tragende Element in diesem Film über eine unerwünschte zweite Ehefrau, die sich in dem Anwesen ihres Mannes den Anfeindungen der Bediensteten, die noch der ersten und verstorbenen Frau hinterher trauern, ausgesetzt sieht - Manchmal sind die eigenen vier Wände eben doch die schlimmste Hölle.



4. Platz: Kim Novak („Vertigo“, USA 1958)


And if you lose me, then you'll know I, I loved you. And I wanted to go on loving you.“


Kim Novak spielte zwar nur in einem Hitchcock mit, dafür aber in jenem, der in Meinung nicht Weniger als einer der besten, wenn nicht sogar der Beste Film von Alfred Hitchcock angesehen wird. Common Sense herrscht auf jeden Fall in der Einschätzung, dass dies einer der persönlichsten Werke des Masters of Suspense gewesen ist. Der raffiniert beeindruckende Thriller „Vertigo“, der wohl einer der komplexesten Film im Oeuvre Hitchcocks ist, bietet neben seiner inhaltlichen Tiefe vor allem auch zwei brillante Protagonisten: James Stewart und eben Kim Novak, die in „Vertigo“ zur Femme Fatale par exellance wird, welcher der von Stewart gespielte Scottie bis zur Selbstaufgabe verfällt: Schnell wird aus der Nähe eine Leidenschaft, und aus Leidenschaft Obsession. Kim Novaks Aura der undurchsichtigen, zuerst kühlen Mysteriösen, aber natürlich wunderschönen Frau kann geradezu paradigmatisch für den Typ Blondine stehen, der in der Einleitung zu diesem Text charakterisiert wurde. Es ist zu Beginn die Frau, nicht Scottie, die handelt und manipuliert, die um ihre Wirkung weiß und diese dementsprechend geschickt einzusetzen vermag – bevor sich die Rollen schlussendlich umkehren. Nach diesem Film wurde es um Kim Novak, die unter Hitchcock wohl die beste Leistung ihre Karriere gezeigt hat, verhältnismäßig ruhig. Was bleibt ist ihre Darstellung einer jener „gefährlichen“ Frauen, deren Wirkung wohl nicht nur Scottie alias James Stewart verfallen wäre.



3. Platz: Tippi Hedren („Die Vögel“, USA 1963)


I thought you knew! I want to go through life jumping into fountains naked, good night!“


Tippi Hedren war die Letzte der typischen Blondinen in den Filmen Hitchcocks und vielleicht hätte es sogar für mehr als zwei Filme mit Hedren in der Hauptrolle gereicht, hätte sie die Avancen, die Hitchcock ihr offensichtlich während der Dreharbeiten zu „Marnie“ gemacht hatte, erwidert. So aber entstand schon eben jener Film unter atmosphärischen Störungen zwischen dem Regisseur und seinem Star, doch braucht dieses „Getratsche“ an dieser Stelle nicht weiter zu interessieren. Vor „Marnie“ brillierte Tippi Hedren in „Die Vögel“, wohl einem der bekanntesten Filme des Regisseurs. Über die Interpretation dieses Films kursieren eine Menge verschiedener Lesearten, wesentlicher an dieser Stelle ist jedoch das Wirken von Hedren in Bezug auf „Marnie“ und „Die Vögel“: So spielt die Hedren in „Marnie“ die undurchsichtige Frau mit dunklem Geheimnis, das es zu entschlüsseln gilt, die aber auch von ihrem männlichen Gegenüber (gespielt von Sean Connery) in einem Maße dominiert wird, dass dieser im moralischen Sinne durchaus als Antiheld zu charakterisieren ist, letztlich aber doch befreit werden kann. Die Verbindung zwischen beiden Filmen ist ohne Zweifel die Mutter-Figur: Marnies Konflikt mit der eigenen Mutter in „Marnie“ auf der einen Seite und der Kampf zwischen Melanie und ihrer Schwiegermutter in Spe („Die Vögel“) sind dominierende Elemente in beiden Film. Hedren zeigt in den beiden Rollen ihre Wandlungsfähigkeit zwischen des selbstbewussten Töchterchens, dass sich befriedigt umdreht, wenn Mann ihr hinterherpfeift einerseits, und der mysteriösen und verletzlichen Frau andererseits. Und für diese Wandlungsfähigkeit gibt es an dieser Stelle die Bronze-Medaille.



2. Platz: Ingrid Bergman („Berüchtigt“, USA 1946)


There's nothing like a love song to give you a good laugh.“


Ingrid Bergman dürfte wohl die einzige von Hitchcocks blonden Schönheiten sein (Neben Marlene Dietrich natürlich), die man zuvorderst mit einem Film, der nicht von Hitchcock stammt, in Verbindung bringt. In Bergmans Fall ist natürlich von „Casblanca“ die Rede, dem Film der nicht nur zu den größten Klassikern der Filmgeschichte gehört (Den man gesehen haben muss), sondern dem man noch dazu nicht nur einen zeitlosen Oneliner zu verdanken hat. Dabei stand die 1915 in Stockholm geborene Actrice volle drei mal für Hitchcock vor der Kamera, nämlich in „Ich kämpfe für Dich“ (1945), „Berüchtigt“ (1946) und „Sklavin des Herzens“ (1949). Und auch in diesem Fall lassen sich höchst unterschiedliche Frauenfiguren entdecken. In „Ich kämpfe für Dich“ spielt Bergman eine Ärztin, die sich schützend vor ihre Liebe stellt und diese vor Unheil zu bewahren sucht. Ganz die starke Frau, verkehrt sich in diesem Film die sonst so typische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau: Der Mann, in diesem Fall ohne Erinnerung und Orientierung, ist ohne die haltende Hand der Frau verloren, muss sich auf deren Rat und Tat verlassen. Ein Film der aber auch wegen Hitchcocks Blick auf die Psychoanalyse zu den Sehenswerten Vertretern seines Oeuvre gehört. Bergmans Rolle in diesem Streifen steht der Figur in „Berüchtigt“ quasi diametral gegenüber. Durch Druck manipuliert wird aus der selbstbestimmten und selbst manipulierenden Frau schnell die Hilfsbedürftige, die ohne Beistand verloren scheint. „Berüchtigt“ gehört im Übrigen bis heute zu den Filmen, die auf der Grund der verkorksten Synchronisation (Aus NS-Thematik wird Drogen-Thematik) nicht im Deutschen goutierbar sind. Und es ist natürlich der Film, der den bis dato längsten Kuss der Filmgeschichte enthält, der von Hitchcock auf geschickte Art und Weise ungestraft an der Zensur vorbei brachte. Ingrid Bergman, eine der frühen Blondinen Hitchcocks, landet in diesem Ranking aber nicht nur wegen der Knutscherei mit Cary Grant auf Platz 2.



1. Platz: Grace Kelly („Über den Dächern von Nizza“, USA 1955)


The man I want doesn't have a price.“


Es kann nur Eine geben, auch in diesem Ranking und der Spitzenplatz geht an Grace Kelly. Jener Frau, der wohl nicht nur Fürst Rainier zu Füßen lag, der sie dann auch flugs zu sich nach Monaco holte, sondern wohl auch Millionen von anderen Männern auf der ganzen Welt den Kopf verdreht hat. Wie auch Ingrid Bergman stand Grace Kelly drei mal für Hitchcock vor der Kamera. Den Beginn macht „Bei Anruf Mord“ (1954) in dem sie noch eine verhältnismäßig kleine Rolle (Bezogen auf die Präsenz auf Leinwand) hatte, in der sich aber schon ihr großes Potential andeuten konnte. War es in diesem Streifen die Rolle der zu Unrecht Verdächtigten (Obschon sie ihren Mann hintergeht), die erst im letztem Augenblick ihren Kopf aus der Schlinge ziehen kann, sollte sich ihre Rolle schon in dem im selben Jahr entstandenen Mix aus moralische angehauchter Komödie und Thriller, der „Das Fenster zum Hof“ ohne jeden Zweifel ist, zur mutigen, neugierigen und atemberaubenden jungen Frau wandeln, die hinter einem James Stewart nicht zurückstehen muss. Ihre größte Rolle unter Hitchcock spielte Kelly jedoch (zumindest für mich) in dem für Hitchcocks Verhältnisse sehr luftig-leichten „Über den Dächern von Nizza“, in dem sie die verwöhnte und selbstbewusste Göre gibt, die daran gewöhnt ist, sich zu nehmen, was sie möchte und sich dabei schon gar nicht von einem eventuellen kriminellen Hintergrund ihre Wunschziels abhalten lässt, sondern am Besten gleich noch kräftig mitmischen möchte. Das dieser Film vor der malerischen Kulisse beim Zuschauer gleich auch immer das reinste Urlaubs-Feeling auslöst steht sowieso völlig außer Frage. Amüsant wie immer ist auch die von Hitchcock subtil eingestreute sexuelle konnotierte Bildsprache, mit der er den Zensoren mal wieder an der Nase herumführte. So, und das waren sie nun, die Top 5 von Alfred Hitchcocks Super-Blondinen mit Grace Kelly als Gewinnerin, zu der es im Moment im Übrigen eine Fotoausstellung im Theatermuseum Hannover gibt.



Quellennachweis:
Screenshot aus "Rebecca".
© by Euro Video
Screenshot aus "Vertigo". © by Universal Pictures
Screenshot aus "Die Vögel". © by Universal Pictures
Screenshot aus "Berüchtigt". © by Euro Video
Screenshot aus "Über den Dächern von Nizza". © by Paramount Pictures


 
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