"Kurz und Knackig" - Special zu Star Trek I-X

Star Trek – Der Film (1979)

Am Anfang war natürlich Gene Roddenberrry, immerhin hätte es ohne seine Vision kein „Raumschiff Enterprise“ gegeben. Doch wenn man ehrlich ist, ohne George Lucas „Krieg der Sterne“, der zwei Jahre zuvor weltweit die Herzen der Zuschauer eroberte und die Kassen klingeln ließ, hätte es wohl auch kein Star Trek im Kino gegeben. So aber gab Paramount die Idee einer zweiten Star Trek-Serie im Fernsehen, die damals in Planung war, ganz schnell wieder auf. Das große Geld lockte nun an den Kinokassen und man wollte natürlich auch am lukrativen Science-Fiction Kuchen partizipieren. Als Regisseur konnte Robert Wise („West Side Story“) verpflichtet werden, der sich im Laufe seiner Karriere bereits im Genre bewährt hatte („Andromeda“, „Der Tag an dem die Erde still stand“). In der Folge wurde die alte Crew um das Triumvirat Kirk, Spock und McCoy wieder zusammengetrommelt und in selten dämliche Kostüme in babyblau und rotzgelb gesteckt, die eher nach Schlafanzügen und weniger nach Uniformen aussahen. Die Story, die in diesem ersten Film ganz offensichtlich versuchte den Spagat zwischen unterhaltsamer und philosophischer Science-Fiction zu schaffen und sich in ihrem Kern um eine zerstörerische Wolke auf der Suche nach ihrem Schöpfer dreht, besiegelte das unausgegorene Resultat dieses ersten Leinwandabenteuers des Franchise. „Star Trek – Der Film“ gefällt sich viel zu sehr darin optisch beeindrucken zu wollen, die Nähe zu „Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum“ ist auch rein optisch nicht zu verkennen, ohne allerdings die Klasse von Kubrick zu erreichen. Vielleicht war Robert Wise auch ganz einfach der falsche Mann für Star Trek, der zwar einen optisch überzeugenden Film erschuf und die Enterprise auf Cinemascope erstrahlen ließ, zu den Charakteren aber nie einen Draht fand. Die alten Haudegen wirken in dem Streifen seltsam deplatziert, was zuvorderst an der sträflichen Vernachlässigung ihrer schrulligen Charaktere liegen dürfte. Dieser erste Film der Reihe, wird von den Fans in aller Regel eher stiefmütterlich behandelt, nichts desto trotz bahnte er auf Grund eines finanziellen Erfolgs den Weg für nunmehr zehn weitere Filme. „Star Trek – Der Film“ mag somit ein akzeptabler Science-Fiction Film sein, aber nie war ein Star Trek-Film weniger Star Trek. - Fazit: 5 von 10 Punkten.


Star Trek II – Der Zorn des Khan“ (1982)

Nachdem sich ein großer Teil der Fans vom ersten Film enttäuscht gezeigt hatte, war auch Paramount schnell klar, dass sich einiges ändern musste. Und so ist es dann gekommen: Mit Regisseur Nicholas Meyer nahm zwar wieder ein Mann auf dem Regiesessel platz, der zwar auch nicht mit Star Trek vertraut war, aber im Gegensatz zu Wise einen Zugang zu seinen Figuren fand. Zunächst aber machte er sich daran seine Vision von Star Trek umzusetzen (Das geht sogar soweit, dass er Kirk im 22. Jahrhundert eine Brille spendierte). Die helle und aufgeräumte Optik des ersten Teils wurde abgelöst von einem beengtem und dunklerem Grundtenor, der Assoziationen zu dem Innenleben eines U-Bootes weckte. Auch die Uniformen bekamen nun in ihrer roten Einfärbung einen wesentlich militärischeren und ernsteren Look, der auch in den nächsten Filmen beibehalten wurde. Sogar die Enterprise selbst kam für das zweite Kinoabenteuer im neuen Gewand daher. „Der Zorn des Khan“ kommt somit in jeder Hinsicht einem qualitativen Quantensprung gleich. Mit Ricardo Montalban als Khan bediente man sich eines der besten Schurken der Serie und ließ ihn ein Duell auf Leben und Tod mit seinem Intimfeind James T. Kirk bestreiten. „Rache ist ein Gericht, dass am besten kalt serviert wird“ ist einer jener prägenden Sätze im Film, der zwanzig Jahre später auch von Quentin Tarantino zitiert werden wird. Einer der Höhepunkte im Film ist natürlich die packende Raumschlacht zwischen der Enterprise und der von Kahn gekaperten Reliant, die sich in ihrer Inszenierung von dem Gewusel der Star Wars-Schlachten deutlich unterscheidet, erinnert sie doch in ihrer Choreographie doch mehr an ein Duell zweier alter Kriegsschiffe auf hoher See. Aber auch das menschlich-dramatische kommt bei Meyer diesmal nicht zu kurz. Eine Entwicklung, die natürlich am Ende mit dem Opfer-Tod von Spock ihren tragischen Höhepunkt erreicht. Der Film-Tod des wohl beliebtesten Charakters der Serie war für die Fans ohne jeden Zweifel ein Schock, doch wie wohl heute jeder weiß, sollte dieser nur bis zum nächsten Abenteuer andauern. „Der Zorn des Khan“ gehört jedenfalls zu den besten Filmen, die das Franchise jemals hervorgebracht hat. - Fazit: 9 von 10 Punkten.


Star Trek III – Auf der Suche nach Mr. Spock“ (1984)

Im Grunde war der dramatische Abschluss des zweiten Abenteuers des Franchise von Beginn an so etwas wie ein zahnloser Tiger gewesen, formulierte Nimoy doch bereits während der Dreharbeiten zu „Kahn“ den Wunsch auch zukünftig in der Rolle des spitzohrigen Vulkaniers schlüpfen zu können. Stellte dieses Bekenntnis zur eigenen Rolle für die Anhänger von Star Trek eine gute Nachricht dar, so musste sie für den kommenden dritten Teil der Reihe nicht unbedingt einer positiven Nachricht kommen, gerade aus dramaturgischer Hinsicht. Nimoy selbst brachte dieses Dilemma äußerst trocken mit den folgenden Worten auf den Punkt: „Falls sich Captain Kirk am Ende des Films mit den Worten, dass man Spock leider nicht gefunden hätte, der Kamera zuwenden würde, würden die Leute die Leinwand mit Steinen bewerfen.“ Da „Auf der Suche nach Mr. Spock“ in dieser Hinsicht äußerst vorhersehbar war, opferte Drehbuchautor Harve Bennett einen der wichtigsten Protagonisten der Serie: Die Enterprise höchst selbst. Die Zerstörung des lieb gewonnenen Raumschiffes, sollte den emotionalen Knackpunkt (bis auf das Ende natürlich) eines Films markieren, der ansonsten alles andere als frei von Schwächen ist, und das hohe Niveau seines Vorgängers zu keinem Zeitpunkt halten kann. Das liegt weniger an der Regie von Leonard Nimoy, der seine darstellerische Abstinenz für einen gelungenen Ausflug hinter die Kamera nutze, sondern an der reichlich unausgegorenen Zeichnung von Plot und Charakteren. Knüpft „Auf der Suche nach Mr. Spock“ quasi direkt an seinen Vorgänger an, ist davon im letztendlichen Film nicht mehr viel zu merken. Die in „Zorn des Khan“ mit viel Brimborium eingeführte Dr. Carol Marcus, Ex-Flamme Kirks und Mutter seines Sohnes, fällt in dem Film komplett unter den Tisch, dazu wird die Rolle von Kirks Sohn David in einem ziemlich sinnlosen Anfall von testosterongeschwängerten Heldentums ebenso verschenkt, wie das Potential der Geschichte um das Genesis-Projekt. Was bleibt ist die ganz charmante Idee, dass ausgerechnet McCoy den Geist des verblichenen Spocks in seinem Kopf mit sich rumschleppen muss. Das die klingonischen Antagonisten in bewährter Eindimensionalität gezeichnet worden sind, ist in Anbetracht des doch recht mittelmäßigen Endresultats noch nicht einmal wirklich erwähnenswert. Alles in allem stellt „Auf der Suche nach Mr. Spock“ ein routiniert heruntergespieltes Sci-Fi Abenteuer mit einigen netten Momenten dar. - Fazit: 6,5 von 10 Punkten.


Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart (USA 1986)


Nachdem der bei den Fans so beliebte spitzohrige Grünblüter am Ende des dritten Abenteuers wieder in die Welt der Lebenden zurückgeholt wurde, zeigte sich in diesem vierten Film etwas ganz entscheidendes. Star Trek konnte zum damaligen Zeitpunkt eher auf die Enterprise verzichten, als auf Spock. Viele sind der Meinung, dass „Zurück in die Gegenwart“ zu den besten Abenteuern des Franchise gehört. Unstrittig ist jedoch, dass diese Reise zu denen gehört, die auch bei erklärten Nicht-Trekkern am ehesten auf Anklang gestoßen ist. Das dürfte nicht zuletzt dem gekonnten Mix aus Komödie und Science Fiction geschuldet gewesen sein, der sich aus dem Kulturschock des Aufeinandertreffens zweier sich fremder Generationen speiste. Wie so oft in der Geschichte von Star Trek, bemühte man sich auch für diesen Film um einen großen Namen. Eddie Murphy, mitte der achtziger Jahre auf dem Höhepunkt seiner Karriere, sollte den Meeresbiologen spielen, der dann im Endeffekt doch zu einem (unnötigen) weiblichen Love Interest für Kirk umgeschrieben wurde. Murphy nämlich entschied sich gegen Star Trek und für „Die Jagd nach dem goldenen Kind“. Die falsche Entscheidung, aber im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer schlauer. Star Trek IV, der in seiner inhaltlichen Konzeption direkt an „Auf der Suche nach Mr. Spock“ anknüpft, sowie von seiner Intention unschwer als Plädoyer für den Umweltschutz zu sehen ist, wurde ein weiteres mal von Leonard Nimoy inszeniert, der sich als Regisseur im Vorgänger bewährt hatte. Zukunft triff auf unsere Gegenwart, die deren Vergangenheit ist – Ein Konzept, das in diesem Film wirklich aufgeht. Positiv zu bemerken ist des weiteren, dass Nimoy darauf achtete, dass jeder der Charaktere kleine Szenen bekam, in denen sich in den Vordergrund gespielt werden konnte. „Zurück in die Gegenwart“ wurde sowohl beim Publikum, als auch bei der Kritik ein großer Erfolg. In Deutschland dürfte in diesem Zusammenhang vor allem der Winkelzug, den Untertitel des Films mit „Zurück in die Gegenwart“ zu übersetzten (In Anlehnung an den erfolgreichen Zeitreise-Spaß „Zurück in die Zukunft“ [1985]) und in den Vordergrund zu stellen das Übrige dazu beigetragen haben. Und am Ende des Films kehrte das Franchise endgültig zu seinen Anfängen zurück: James T. Kirk nahm nun wieder als Captain auf der Brücke der neuen Enterprise NCC-1701 A platz. - Fazit: 8 von 10 Punkten


Star Trek V – Am Rande des Universums (USA 1989)

Bereits kurz nach dem Kinostart des vierten Teils der Serie sickerte durch, dass es sich im fünften Teil nicht mehr Nimoy, sondern William Shatner auf dem Regiesessel gemütlich machen sollte. Dieser hatte sich diese Klausel als Bedingung für sein Mitwirken in „Zurück in die Gegenwart“ in den Vertrag schreiben lassen. Wahrscheinlich war Shatner der Meinung, dass er nicht hinter Nimoy zurückstehen dürfe, immerhin war er der Captain. Sein Versprechen einen vordergründig an der Action und guten Laune orientierten Star Trek-Film abzuliefern, konnte er dann aber doch nicht in Gänze einlösen – Und Sean Connery bekam er auch nicht. In der Retrospektive betrachtet, gehört „Am Rande des Universums“ eindeutig zu den schwächeren Ablegern der Serie. Dies spiegelte sich seinerzeit nicht nur bei der Kritik, sondern auch an den Kinokassen wieder, wo der Film bei weitem nicht so gut ankam, wie die von Nimoy inszenierte Zeitreise. Shatner nölte später, dass dieses schlechte Ergebnis der 1988 gestarteten „Next Generation“ geschuldet gewesen sei, die die Zuschauer vom Kino ferngehalten hätte. Ein müde Ausrede, denn Fakt ist, dass zum einen die erzählte Geschichte als solche nicht wirklich überzeugen konnte und das zum anderen die Special Effects, die in diesem Film zum ersten mal nicht mehr von der Industrial Light & Magic hergestellt wurden, schlicht und ergreifend billig aussahen. Ein abtrünniger Vulkanier Sybok (Laurence Luckinbill) als Spocks Halbbruder, gehört dabei noch zu den gelungenen Aspekten dieses Films, der sich nicht erblödete die Suche nach Gott zum Thema des Films zu machen. Immerhin, auch „Am Rande des Universums“ hat seine Momente, so zum Beispiel zu Beginn, als das legendäre Triumvirat Urlaub im Grünen macht, oder die unzähligen Kinderkrankheiten der nagelneuen Enterprise. Letztlich jedoch erwies sich dieser fünfte Ableger des Franchise als eindeutiger Rückschritt im direkten Vergleich zum Vorgänger. - Fazit: 6 von 10 Punkten



Star Trek VI – Das unentdeckte Land (USA 1991)

Zu Beginn des sechsten Teils stand eine verwegene Idee, die einem heute – wo der Restart des Franchise in Form von „Star Trek (XI)“ kurz bevor steht, bekannt vorkommt. Es gab Pläne in diesem sechsten Film von den frühen Jahren der berühmten Crew zu erzählen: „Starfleet Academy“ Doch dieses Unterfangen war den Entscheidungsträgern von Paramount dann doch ein zu großes Risiko, so dass pünktlich zum 25. Geburtstag von Star Trek auf den bewährten Wassern weiter gesegelt wurde. Herausgekommen ist ein Film, der so offensichtlich wie nie zuvor auf die damals aktuelle politische Weltlage reagierte: Glasnost und Perestroika im Weltraum. Das klingonische Imperium steht nach einem katastrophalen Unfall auf dem Mond Praxis (Tschernobyl lässt grüßen) vor dem Zusammenbruch und sucht nun nach einem Ausgleich mit der Föderation. Die Parallelen zum Zusammenbruch der Sowjetunion sind offenkundig, und nach dem eher enttäuschenden fünften Teil, ging es nun – zumindest inhaltlich – wieder deutlich bergauf. Die Grundprämisse des Films, nämlich dass das klingonisches Imperium und die Föderation von nun an friedlich koexisiteren sollten, wurde geschickt mit dem persönlichen Hass Kirks auf die Klingonen verwoben, die bekanntlich seinen Sohn auf dem Gewissen haben. Ansonsten aber ist der Film nicht ganz zu unrecht als „Nicholas Meyer-Desaster“ in die Geschichte eingegangen, der nach „Der Zorn des Khan“ zum zweiten mal Regie führte, und sich, wie auch schon im zweiten Film, wenig um die Befindlichkeiten des Star Trek Universum scherte, nur mit dem Unterschied, dass er in „Das unentdeckte Land“ endgültig die Balance verlor. Warum es auf der neuen Enterprise Mannschaftsunterkünfte geben musste, wo doch schon bei der „alten“ Enterprise jedes Crewmitglied eine eigene Kabine hatte, ist ebenso unklar, wie Meyers Idee eine altmodische Küche auf der Enterprise zu installieren. Und das alles nur, um der Wirkung eines billigen dramaturgischen Effekts willens, so konnte er so in einer Szene zwei Kochtöpfe mit einem Phaser verdampfen (Und warum zur Hölle hängen in einer Küche Phaser?). Ebenso zu hinterfragen ist die Szene, in der sich Uhura im 22. Jahrhundert mit einem gedruckten!! klingonischen Wörterbuch herumschlagen muss – und das auf der Brücke der Enterprise. Sei's drum, es war die die letzte gemeinsame Reise der alten Haudegen, die ansonsten auf gutem Niveau spielte – Hamlet zitierende Klingonen inklusive, die mit General Chang (Christopher Plummer) auch endlich mal wieder einen veritablen Antagonisten aufbieten konnten. - Fazit: 7 von 10 Punkten.


Star Trek VII – Treffen der Generationen“ (USA 1994)

1994 war es soweit, die „Next Generation“ um Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) hatte sich sechs Jahre und sieben Staffeln lang erfolgreich im TV bewährt, und sollte nun die erste Generation auch im Kino beerben. Leider muss der Entschluss der Verantwortlichen bei Paramount einen Crossover von alter und neuer Crew zu evozieren, als Fehler bezeichnet werden. Zu unausgegoren, zu uninspiriert, zu verworren die Geschichte, die auf mehreren Zeitebenen und Dimensionen spielt. Der Fokus des Films liegt dabei eindeutig auf den beiden Captains der Enterprise, die sich - Treffen der Generationen – zusammen in die Schlacht gegen den Antagonisten Soran begeben. Shatner soll es später bedauert haben, dem Filmtod seines Charakters zugestimmt zu haben, zumal das letztliche Ende einer Legende in seiner Inszenierung als überaus unbefriedigend bezeichnet werden muss, und zu keinem Zeitpunkt an die Emotionalität des Ablebens Spocks anknüpfen kann. Auch die Enterprise D findet in ihrer letzten Schlacht gegen einen klingonischen Bird of Prey ihr Ende, zu unförmig wirkte das Modell auf der großen Leinwand. „Treffen der Generationen“ ließ somit jede Menge Luft nach oben für die weiteren Abenteuer der „Next Generation“, doch schon in diesem ersten Teil zeigte sich die Fokussierung auf die Charaktere von Stewart (Picard) und Spiner (Data), unter die der Rest der Crew auch in den folgenden Ablegern der Reihe zu leiden hatten. In der Summe aber geht der Film wohl in Ordnung, wobei dies eher für die Trekker gelten wird, denen mit zahlreichen Cameos aus der Serie (so finden die Duras-Schwestern im siebten Teil ihr verdientes Ende) die Spielzeit versüßt wurde, während sich Star Trek VII für neutrale Science Fiction Fans als schwerfälliges Vergnügen präsentieren musste. Und warum sich in diesem Film die Uniformen der Crew auf einmal als wilder und sinnfreier Mix aus „Deep Space Nine“ und „The Next Generation“ darstellte, wird wohl auch ewig ein Geheimnis der Verantwortlichen bleiben. - Fazit: 6 von 10 Punkten


Star Trek VIII – Der erste Kontakt“ (USA 1996)

Nahm der erste Film um Picard und seiner Crew durchaus noch enttäuschenden Charakter ein, sollte sich „Der erste Kontakt“ als einer der besten Vertreter der Serie erweisen. Das ist wohl nicht zuletzt auch der Tatsache, dass mit Jonathan Frakes (Riker) ein ausgesprochener Kenner der Serie auf dem Regiesessel platz nahm, und vor allem auch dafür sorgte, dass jedes Mitglied der Stammcrew wenigstens eine gute Szene für sich beanspruchen konnte. 1996 war auch das Jahr von Emmerichs „Independence Day“ auf dessen Erfolgswelle Star Trek mitschwamm, und durch einen geschickt geschnittenen Trailer den Eindruck eines schnellen Sci-Fi Actioners mit gewaltigen Raumschlachten suggerierte. Und auch dieser Star Trek blieb sich in der Hinsicht treu, als dass er sich für die Rolle von Zefram Cochrane um einen großen Namen bemühte. Tom Hanks, selbst erklärter Star Trek Fan, sollte diese Rolle spielen, was dem Film natürlich noch weitaus mehr Aufmerksamkeit eingebracht hätte. Leider kam dieses Engagement letztlich nicht zu Stande, doch wurde mit James Chromwell adäquater Ersatz gefunden. „Der erste Kontakt“, der in seinem düsteren Tenor sehr an den „Zorn des Kahn“ erinnert, dürfte auch von der Rückkehr der tödlichsten und faszinierendsten Feinde der Föderation profitiert haben: Den Borg, die sich erneut an der Invasion der Föderation versuchen, und als dies mit militärischen Mitteln nicht funktioniert, in die Zeit zurück reisen, um den ersten Warpflug der Menschheit und damit den ersten Kontakt mit den Vulkaniern zu verhindern. Das Zentrum des Films liegt dabei ganz klar zum einen Picard, der der Föderation einst als assimilierter Locutus von Borg bei Wolf 359 eine vernichtende Niederlage beibrachte, und nun in den Fängen seines eigenen Hasses auf die Borg verstrickt ist – Captain Ahab lässt grüßen. Es ist der Film, in dem der leidenschaftliche Theaterdarsteller Stewart seine ganze Klasse ausspielen kann. Zum anderen steht mal wieder Data im Vordergrund, der sich den Machenschaften der Borg-Königin ausgesetzt sieht. Das es Frakes in dieser Konstellation gelungen ist, den Film mit zahlreichen sinnvollen Anspielungen anzureichern, und noch dazu auch die anderen Darsteller zu integrieren, ist anzuerkennen. Flott, spannend, unterhaltsam, dramatisch, dabei aber nicht ohne Humor: Mit „Der erste Kontakt“ hatte die nächste Generation im Kino ihren Höhepunkt erreicht. - Fazit: 8 von 10 Punkten


Star Trek IX – Der Aufstand“ (USA 1998)

Nach dem (überraschend) großen Erfolg des achten Teils bei Publikum und Kritikern, waren die Erwartungen an den neunten Teil der Reihe natürlich groß. Regie führte, wie auch schon in „Der erste Kontakt“, Jonathan Frakes, der sich hinter der Kamera bewährt hatte. Nach dem doch recht dramatischen und actionlastigen Vorgänger, schlug „Der Aufstand“ einen deutlich zurückhaltenderen Ton an. Star Trek besann sich wieder auf seine philosophischen Grundfragen, beziehungsweise versuchte dies zumindest. In der Summe nämlich kann die Geschichte um Moral und Ethik, mit ihrer Fragestellung nach den Rechten Weniger zugunsten Vieler, nur eingeschränkt überzeugen. Zu sehr bleiben die Themen, die der Film offensichtlich tangieren will, an der Oberfläche. Und so ruhte „Der Aufstand“ quasi in seinem eigenen Star Trek Universum, dass für den Insider mehr, und für den Außenstehenden nur wenig bereit hielt. Die zahlreichen Anspielungen an die Fernsehserie mögen eingefleischte Fans zufrieden stellen, für den Rest des Publikums ist dieser neunte Teil bei weitem nicht so massentauglich, wie es der achte Teil noch war. Im Zentrum des Film steht mal wieder Patrick Stewarts alter Ego Jean-Luc Picard, der sich zum eigenmächtigen Anwalt der Schwächeren macht, und von seiner Crew natürlich nicht in Stich gelassen wird. Letztlich aber ist Star Trek IX ein nettes kleines Abenteuer, dem man nicht böse sein kann. Das dies das Publikum ebenso sah, zeigte sich dann auch an den Kinokassen, als der Film seine Kosten locker wieder einspielte - Ganz im Gegensatz zu Star Trek X. - Fazit: 7 von 10 Punkten


Star Trek X – Nemesis“ (USA, 2002)

Man muss es leider so deutlich sagen: Dieser zehnte Film, der noch dazu das eiserne Star Trek-Gesetz: „Die Geraden ins Töpfchen, die Ungeraden ins Kröpfchen“ ad absurdum geführt hat, bedeutete ein ziemlich unrühmliches Ende der „Next Generation“ im Kino. Das Star Trek 2002 (und zur Zeit auch noch) in einer Krise steckt, zeigte sich dabei auch und vor allem an den Kinokassen. Zum ersten mal in der Geschichte von Star Trek schaffte es ein Film nicht seine Kosten an den US-Kinokassen wieder einzuspielen. Dabei waren dem Film, zumindest auf dem Papier, eigentlich alle Voraussetzungen inhärent, um bei Kritik und Publikum ein Erfolg zu werden: Eine düster angehauchte Story rund um die Gefahren der Klontechnik, dazu wurden endlich in einem Kinofilm die Romulaner thematisiert. Leider aber macht „Nemesis“, entstanden unter der fehlerbehafteten Regie von Stuart Baird so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte: Fehlendes Timing, wenig Gefühl für die Charaktere der Protagonisten, dazu wenig überzeugende und nur auf Effekt getrimmte Action-Elemente. Mit anderen Worten: Stuart Baird hatte keine Ahnung von nix, und die Verantwortlichen bei Paramount wären gut beraten gewesen die Regie wieder Frakes anzubieten, der aber gar nicht erst gefragt wurde. Brent Spiner war wohl einer der Wenigen, der die Zeichen der Zeit erkannte, und sein Mitwirken nur unter der Bedingung des Ablebens seines Charakters Data zustimmte, so dass zum dritten mal in der Geschichte von Star Trek einer der Hautcharaktere den Filmtod sterben musste. Und so endete die Reise der nächsten Generation im Kino mit einer handfesten Enttäuschung: Für die Kritik, für das Publikum, für das Franchise, aber natürlich auch für die Darsteller, die diese Rolle gut 15 Jahre lang verkörpert hatten. - Fazit: 5 von 10 Punkten.



TV-Empfehlungen für die Woche vom 27.04.09 - 03.05.09

Montag, 27.04.09


Driven“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Muhaha.... „Das Lexikon des internationalen Films bezeichnete Driven als 'inszenatorisch so ungeschickt und thematisch so klischeehaft und überfrachtet, dass auch die wenigen guten Aufnahmen des Renngeschehens' untergingen.“ (Wikipedia)


Willkommen zu Hause“ (SWR, 20.15 Uhr)

Ich will deinen Krieg nicht in meinem Haus“, schleudert eine verzweifelte Mutter ihrem Sohn entgegen. Einer der besten Momente, in einem mehr als nur sehenswerten Spielfilm über den deutschen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, beziehungsweise dessen Folgen. Es ist nicht der KRIEG der Soldaten, sondern es ist unser Krieg, der da am Hindukusch geführt wird. Von den Politikern als eine Art des bewaffneten THW-Einsatzes deklariert, in der bundesdeutschen Gesellschaft nur am Rande wahrgenommen, wenn überhaupt, pflegt die BRD ihr Nichtverhältnis zur eigenen Armee. Ein bewusstes Ausblenden, nur zeitweilig unterbrochen, nämlich immer dann wenn die Bundeswehr Opfer zu beklagen hat, stets gefolgt von den immer gleichen (unsinnigen) Debatten. In diese Leerstelle stößt „Willkommen zu Hause“, und schafft es die Brücke zwischen Unterhaltung und wichtigem Anliegen zu schlagen.


Immer Ärger mit Harry (ARD, 01.05 Uhr)

Der Master of Suspense kann auch anders. Ganz komödiantisch, ist „Immer Ärger mit Harry“ britischer Humor wie er im Buche steht. Toll besetzt und gespielt. Ein kurzweiliger Spaß, der sich vor den großen anderen Hitchcocks sicher nicht verstecken muss. Eine Rezension zum Film findet sich beim Kollegen nebenan.


Dienstag, 28.04.09


Hollow Man“ (ZDF, 00.35 Uhr)

Paul Verhoevens Science Fiction Thriller ist mit Sicherheit kein Highlight der Filmgeschichte, doch insgesamt als äußerst unterhaltsam zu bezeichnen. Und während der Film bei mir persönlich fleißig Elisabeth Shue – Bonuspunkte sammelt, ist mir die fehlende Tiefe von Geschichte und Figuren ziemlich schnuppe.


Mittwoch, 29.04.09


American Beauty“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

American Beauty“ gefällt sich darin mit typischen Klischees zu spielen und sie somit ins Auge des Betrachters zu rücken. Mendes hält der amerikanischen Gesellschaft einen Spiegel vor, in dessen Abbild die Familien-Idylle, der „American Dream“ zu einem Zerrbild, einer hässlichen Fratze ihrer selbst stilisiert wird, bis diese endgültig in einem Scherbenhaufen zusammenbricht. Was diesen Film auszeichnet ist nicht nur sein gelungener und mehr als zynische Humor. Vielmehr ist es das Zusammenspiel aus diesen Elementen und vor allem der ganzen Tragik, die sich natürlich auch in der Geschichte verbirgt.


Die üblichen Verdächtigen (Kabel 1, 22.30 Uhr)

Kevin Spacey zum zweiten, der mich auch in „Die üblichen Verdächtigen“, ganz im Gegensatz zu einem großen Teil seiner in diesem Film spielenden Kollegen, begeistern kann. Insgesamt ein Verwirrspiel der gehobenen Klasse, dass mich aber nicht übermäßig begeistern konnte (8/10 Punkte). Eine ausführliche Kritik zum Film, findet sich HIER.


Donnerstag, 30.04.09


Spurlos“ (Vox, 22.25 Uhr)

Ehepaar Jeff (Kiefer Sutherland) und Diane (Sandra Bullock) fahren zusammen in den Urlaub. Plötzlich ist Diane spurlos verschwunden. Nach Jahren meldet sich ein gewisser Barny (Jeff Bridges) bei Jeff. Der Film hat mir eigentlich ziemlich gut gefunden. Aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass ich das holländische Original, welches einige Jahre zuvor vom selben Regisseur inszeniert wurde, nicht kenne.


Freitag, 01.05.09


Deep Blue Sea“ (Pro 7, 22.15 Uhr)

Herrlicher Trash in B-Movie Gewand, der aus diesem Stigma eine Tugend macht, da verdammt amüsanter Hai-Horror von Renny Harlin mit einem coolen Koch und einer immerhin partiell originellen Erklärung, warum sich Frau im Angesicht des tödlichen großen Weißen bis auf die durchnässte Unterwäsche ausziehen muss. Awesome!


Eyes Wide Shut“ (RTL II, 22.30 Uhr)

Nein, „Eyes Wide Shut“ ist Film mitnichten ein „Porno für Arme“, sondern reiht sich vielmehr nahtlos in die lange Reihe großartiger Kunstwerke Stanley Kubricks ein. Tom Cruise war wohl niemals besser (Vielleicht noch in „Magnolia“), gleiches gilt für Nicole Kidman. Ein Film, der mich immer wieder Gefangen nimmt. Meine ausführlichen Worte zu diesem Meisterwerk finden sich HIER.


Fürst der Finsternis – Die wahre Geschichte von Dracula (Kabel 1, 23.15 Uhr)

Werde ich mir ausschließlich aus Interesse am Sujet aufnehmen. Ich hoffe im besten Fall auf unterhaltsamen Trash, und erwarte im schlimmsten Fall fürchterlichen Rotz. Kennt jemand Joe Chappelle?


Samstag, 02.05.09


Lebenszeichen – Proof of Life“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Der ist gar nicht mal so schlecht. Zwar bleibt Meg Ryan in ihrer Rolle recht blass, doch dafür weiß Russel Crowe in seiner Rolle als Vermittler in Entführungsfällen zu überzeugen. Kein Highlight, aber solide Unterhaltung im annehmbaren Bereich ist gegeben.


Windtalkers“ (ARD, 00.40 Uhr)

Ich schrieb beim letzten mal in den TV-Tipps: Amerikanischer Weltkriegs-Mist mit Nicolas Cage unter der Regie von John Woo – Man sollte den Mantel des Schweigens über diesen Film legen. Nun denn, schweigen wir...


Sonntag 03.05.09


Borat“ (RTL, 20.15 Uhr)

Die Wikipedia schreibt, dass „Borat“ dem Genre der Mockumentary zuzuordnen ist. Bis eben habe ich nicht mal gewusst, was dieser Begriff bedeutet, so wie seinerzeit auch Sacha Baron Cohens hochgelobter Film komplett an mir vorbeigegangen ist. Bin sehr sehr gespannt.


Hitch – Der Date Doktor (Pro 7, 20.15 Uhr)

Will Smith harmoniert mit Kevin James. Mein Augen harmonieren mit Amber Valetta und Eva Mendes. Jeder bekommt sein Mädchen, sogar lachen kann man an der einen oder anderen Stelle. Mehr als in Ordnung.


The Big Easy“ (Tele 5, 20.15 Uhr)

Größter Pluspunkt des Films ist ohne Zweifel die Atmosphäre. Das Klima ist ebenso heiß und schwül wie die Beziehung zwischen dem Cop und der Staatsanwältin, gepaart mit der großen Leichtigkeit in New Orleans, kulminiert dies alles in einen Thriller, der einfach nur Spaß macht.


Bad Boys“ (Pro 7, 22.30 Uhr)

Ich glaube fast, dass dies einer meiner Lieblings-Bays ist. Wenn man bei Bay überhaupt von Lieblings-Filmen sprechen kann. Wie dem auch: Will Smith und Martin Lawrence bilden ein unterhaltsames Doppel, welchem man gerne zusieht. Bad boys, bad boys/ Whatcha gonna do/
Whatcha gonna do when they come for you?...“



Des weiteren möchte ich an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass Kabel 1 diese Woche seine Star Trek Festspiele eröffnet. So laufen am Freitag (01.05) gleich die ersten drei Abenteuer der Reihe: „Star Trek – Der Film“ (13.45 Uhr), „Star Trek II – Der Zorn des Khan“ (16.15 Uhr), sowie „Star Trek III – Auf der Suche nach Mr. Spock“ (18.20 Uhr). Am Samstag den 02.05. folgen dann „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“ (20.15 Uhr) und „Star Trek V – Am Rande des Universums“ (22.35 Uhr). Das diese Abenteuer rund um die Enterprise und ihrer Crew an dieser Stelle keine weitere Erwähnung ist schlicht und ergreifend der Tatsache geschuldet, dass sich noch in dieser Woche auf „Kino, TV und Co“, pünktlich zum Start von „Star Trek (XI)“ eine Retrospektive auf die ersten zehn Filme finden lassen wird - und dieser soll ja schließlich nicht vorgegriffen werden...



Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Donnerstags beim Zeitverschwender, Samstags bei From Beyond und Hard Sensations, sowie Sonntags bei Duke's Movieblog und Blockbuster-Entertainment.


Rezension: "Radio Rock Revolution"















Man kann es sich ja heutzutage praktisch gar nicht mehr vorstellen: Rock 'n' Roll als Zeichen des zivilen Ungehorsams. Musik, die den staatstragenden und konservativen Eliten ein Dorn im Auge war. Der Verfall von Anstand, Sitten und Werten, dies wurde mit dieser Musik assoziiert, die von allen gehört und von wenigen gefürchtet wurde. Es hätte wohl keine passendere Einführung in „Radio Rock Revolution“ geben können, als jene die sich Regisseur Richard Curtis für diesen Film hat einfallen lassen: In einem verstaubten Haus der britischen Mittelklasse prallen sie aufeinander, diese zwei Welten, die nicht zusammen passen mögen, als eine kleiner Junge von seinen Eltern zum schlafen ins Bett geschickt wird, und dann heimlich, nach verdächtigen Geräuschen lauschend, ein kleines Radio aus der Nachttischschublade zieht und unter sein Kissen legt. Denn gleich beginnt sie, die Abendshow von Radio Rock, einem illegalen Piratensender, der sein Programm von einem Schiff irgendwo auf der Nordsee sendet. Nun, die Zeiten ändern sich, denn wer kann heute - denn jede Generation führt ihre eigenen Kämpfe - noch ernsthaft nachvollziehen, warum das Hören etwa der Stones, der Beatles, oder aber Cat Stevens dem Staat ein Dorn im Auge gewesen sein könnte?


Mitte der sechziger Jahre sah dies aber noch ganz anders aus. Während sich in den USA Hollywood in Form des sogenannten New Hollywood von sich selbst emanzipierte, und Pfade einschlug („Die Reifeprüfung“, „Bonnie & Clyde“, die den damals etablierten Normen und Werten diametral gegenüberstanden, gab es in Großbritannien eine ganze Reihe von den sogenannten Piratensendern, die das spielten, was die Leute hören wollten, und nicht etwa das Programm, das – so wie bei der BBC – die Menschen auf den Pfad der Tugend halten sollte. In diese bewegte Zeit des gesellschaftlichen Aufbruchs, den Idealen und Träumen von Selbstbestimmung und freier Liebe, setzt „Radio Rock Revolution“ mit seiner eindeutig verklärenden und romantisierenden Ausrichtung an, und beschert den Zuschauern eine der musikalisch, und auch sonst besten Feelgood-Movies der letzten Jahre. Dabei ist die Handschrift von Richard Curtis, der sich unter anderem mit „Notting Hill“ und „Tatsächlich... Liebe?“ einen Namen gemacht hat, unschwer zu erkennen. Wie auch schon in seinen vorherigen Filmen, so vor allem im Fall von „Tatsächlich... Liebe?“, versammelt er eine illustre Riege der Creme de la Creme der internationalen Schauspielkunst, garniert mit einer nicht zu knappen Portion britischen Humors.


Dabei liegt der inhaltlichen Grundprämisse des Filme eine klassische Comig of Age Geschichte zugrunde, die sich ausgesprochen gut in das narrative Grundgerüst des Films einpasst. Der junge Carl (Tom Sturridge) wird eines Tages von seiner Mutter zu seinem Onkel Quentin (Bill Nighy) geschickt. Dieser ist Kapitän jenes Schiffes, von dem Radio Rock sein Programm sendet. Die frische Seeluft, so der Plan der Mutter, soll dem Filius, der in der Schule durch den Konsum von Drogen auffällig geworden ist, die Flausen austreiben. „Fürchterlicher Fehler“ ist der einzige Kommentar, der Quentin zu dieser mütterlichen Erziehungsmaßnahme einfällt, bevor er seinen Neffen mit der Crew, den legendären Djs von Radio Rock vertraut macht, so zum Beispiel: „The Count“ (Philip Seymour Hoffman), Gavin (Rhys Ifans), oder auch Dr. Dave (Nick Frost). Unterdessen macht sich die britische Politik endgültig daran, den missliebigen Dissidenten auf hoher See, nebst des dazugehörigen Radioprogramms das Handwerk zu legen. Der Politiker Dormandy (Kenneth Branagh), der vom Premierminister mit dieser Aufgabe betraut worden ist, und für den konservativ gar nicht konservativ genug sein kann, lässt in der Folge nichts unversucht, um den Piratensender zu versenken.


Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die erzählte Geschichte in diesem Fall nicht mehr als reines Mittel zum Zweck ist. Nur im Gegensatz zu dem anderem „großen“ Feelgood-Movie des Filmjahres, nämlich „Slumdog Millionaire“, gibt „Radio Rock Revolution“ auch gar nicht erst vor, mehr sein zu wollen als reine Unterhaltung. Und so mag dann in der Folge der nachhaltige Wert dieser kleine Hommage an die Musik der sechziger und siebziger Jahre, sowie derer Befürworter nicht über ihr reines Unterhaltungspotential hinausgehen, doch was der Film dafür zu bieten hat, ist ein ausgesprochen beeindruckendes Feuerwerk der guten Laune, eine Ikonisierung der wie Rockstars verehrten Djs, bar von jeglichem Realismus. Ein Film, der ohne seinen Soundtrack nicht leben könnte, der aber auch nur ausschließlich aus diesem Grund gemacht wurde: Duffy, The Beach Boys, The Who, Cat Stevens, Jimi Hendrix, und und und... „Radio Rock Revolution“ rockt – und das ganz gewaltig. Wunderbar wie Richard Curtis immer wieder in schnell geschnittenen Bildern die Wirkung der Musik auf die britische Bevölkerung einzufangen vermag, die sich tanzend dem Gehörten hingeben. Und der Zuschauer tanzt imaginär gleich mit.


Neben der formidablen musikalischen Untermalung, sind es die Darsteller, die sich für diesen Streifen vor der Kamera versammelt haben, die „Radio Rock Revolution“ den letzten Schliff verpassen: Bill Nighy ist in der Tat, dass muss völlig wertfrei konstatiert werden, eindeutig zu cool für diese Welt, während Philip Seymour Hoffman als „The Count“ wahrscheinlich selten mit so viel Spaß und Verve eine Rolle verkörpert hat. Man sieht einfach jedem an diesem Projekt beteiligten Schauspieler die Freude an seiner Rolle an, auch weil Curtis jedem Einzelnen seine Szene zugesteht. Ein eindeutiges Highlight ist aber auch auf der dunklen Seite des Films zu finden: Kenneth Branaghs Verkörperung des Dormandy ist von einer solch köstlichen karikierenden Übertreibung gekennzeichnet, dass es eine wahre Freude ist. Auch wenn der Kahn gegen Ende des Films zu sinken droht, so schleicht sich in den letzten Minuten durchaus die eine oder andere Länge ein, präsentiert sich „Radio Rock Revolution“ als einer der komödiantischen Highlights des bisherigen Kinojahres. „Rafft die Röcke Mädels. Hier rollt der Rock und rockt der Roll. Ihr hört Radio Rock und wir rocken Tag und Nacht und rund um die Uhr“– Fazit: 8 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Radio Rock Revolution". © 2009 Universal


Rezension: "Crank 2: High Voltage"















Es gehört zu den Gesetzmäßigkeiten des Marktes, dass ein Sequel dem Anspruch genügen muss, seinen Vorgänger zu übertrumpfen. Sicher ist auch, dass ein Überraschungshit, wie es „Crank“ im Spätsommer 2006 ohne jeden Zweifel war, einen Nachfolger nach sich ziehen musste. Fürwahr, man musste es schon regelrecht als erfrischend bezeichnen, was Mark Neveldine und Brian Taylor da mit „Crank“ auf den Zuschauer losgelassen hatten. Ein Film, der sich wenig aus einer langatmigen Exposition machte, ja der das Wort langatmig ebenso wenig kannte, wie sein Protagonist, der auf seiner durch tückisches chinesisches Gift induzierten Tour de Force durch die Straßen von Los Angeles hetzte und weder seinen Adrenalinspiegel, noch den des Zuschauers auf ein normales Maß sinken ließ. „Crank“, ein Actioner der nur eines wollte, und aus diesem Sachverhalt auch zu keinem Zeitpunkt einen Hehl machte. Und so präsentierte sich „Crank“ als ein wüst inszenierter und photographierter, hemmungslos mit Klischees spielender, morbider und gewalttätiger Mix aus Grand Theft Auto und Actionkino, der die Sehgewohnheiten der Generation MTV und WEB 2.0 nicht nur adaptierte, sondern eindrucksvoll pointierte. Vor allem aber war „Crank“ ein großartiger und testosterongeschwängerter Spaß für zwischendurch.


An diese große Sause soll nun „Crank 2: High Voltage“ anknüpfen, und auch dieses Sequel macht von der ersten Minute an keinerlei Hehl aus seiner Intention. Sah man am Ende des ersten Teils den guten Chev Chelios (Jason Statham) hunderte Meter in die Tiefe stürzen, bedeutete dies natürlich noch nicht sein Ableben. Um den gute alten Chev ins Jenseits zu befördern, bedarf es dann eben doch mehr als chinesisches Gift und einen Aufprall auf der Straße aus ungeheuren Höhen. Nein, nach dieser ganzen Tortur ist Chev sogar noch so gut in Form, dass ihn die chinesischen Triaden direkt von der Straße kratzen, wollen sie doch Chelios Luxusorgane ihrem greisen Oberhaupt (David Carradine) zukommen lassen. Gesagt getan, und schon schlägt Chevs Herz in der Brust des Chinesen, und in Chevs Herz schlägt ein künstliches von Batterie betriebenes Herz. Doch als die Chinesen auch an sein bestes Stück wollen, ist für Chev endgültig Schluss mit lustig. Mit der ihm eigenen Coolness entledigt er sich seiner Häscher und macht sich auf die Jagd nach seinem Herzen. Und wie schon im ersten Teil, hat es Chev nicht wirklich leicht, muss doch sein künstliches Herz ständig mit Strom versorgt werden.


Es gab wohl selten einen Blockbuster, der in seiner Prämisse so unrealistisch, so abgedreht, ja so gaga daherkommt wie „Crank 2“. Realismus sollte man in diesem Film, wie schon in seinem Vorgänger, lieber nicht suchen: Wie sollte man auch mit rationalen Argumenten erklären, dass in „Crank 2“ ein eigentlich Toter ganz fürchterlich die Bude rockt? Zwar ist das Sequel in weiten Teilen eine nur noch kränkere (Sorry, aber dies ausgelutschte Wortspiel war nur eine Frage der Zeit) Variation seines Vorgängers, doch zum einen war dies zu erwarten (und durchaus auch zu erhoffen), und zum zweiten geht diese Rechnung, zumindest was die erste Hälfte des Films angeht, nahezu vollständig auf, sieht man mal von einigen Geschmacklosigkeiten ab, die es nicht unbedingt gebraucht hätte. Was sich Mark Neveldine und Brian Taylor für diesen zweiten Teil ausgedacht haben, ist ein wildes Potpourri aus wüsten Einfällen, die meistens mal mehr und selten mal weniger gut zünden: Wilde Texteinblendungen im Bild, völlig sinnlose Analogien, wüste Godzilla-Remineszenzen (weniger gut gelungen). Es gibt in „Crank 2“ offensichtlich nichts, was zu absurd und abgedreht wäre - von den abgrundtief platten Klischees, die in diesem Streifen bis zum Exzess überzeichnet sind, gar nicht erst zu sprechen.


Wie schon in „Crank“, bedient sich auch „Crank 2: High Voltage“ zuvorderst der Optik der videospieltypischen Optik. Nicht nur das Chev Chelios im Verlauf seiner Ballerorgien seine Wumme stets durch eine größeren Kalibers austauscht, nein auch die für den Shooter typische Lebensanzeige, findet sich nun in Form der leuchtenden Dioden des Batteriestatus im Bild. Ansonsten bildet „Crank 2“ in seiner Konzeption ziemlich gut das ab, was man im allgemeinen als „Lost in Hyperspace“ bezeichnet. Die sprichwörtliche rote Linie, die durch den Film leitet, ist zwar vorhanden doch verliert sich der Zuschauer immer wieder in den zahlreichen Verlinkungen, die wie kurze YouTube-Videos in „Crank 2“ in die Story des Films eingebaut sind. Kleine Episoden aus der Kindheit Chevs, Einblendungen der Nachrichten, kleine Geschichten die die Nebencharaktere betreffen, dies alles findet sich dem Film. Man schaut nach links, schaut nach rechts, kehrt zurück zu Chev, dazu bricht der Film auch noch die Dimensionen: Anspielungen auf Stathams Paraderolle des Transporters sind zu finden. Und plötzlich pfeift Chev ein Liedchen, als hätte nicht nur der Zuschauer den Soundtrack gehört, sondern auch er selbst.


Nichts desto trotz kann an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass „Crank 2“ gegen Ende hin an zahlreichen Herzthytmussörungen krankt. Der fehlende Fokus auf Chev und seiner Hatz nach elektrischer Ladung (mit ein paar sehr schönen Einfällen), der somit anders als noch im Vorgänger, nicht mehr in quasi jeder Szene zu sehen ist, lässt die Sinuskurve des Streifens immer wieder bedenklich gen Nulllinie rutschen. In der Summe muss sogar konstatiert werden, dass dieses Sequel nicht mehr das Tempo von „Crank“ halten kann, was dann durchaus überraschend ist. Abgefedert werden diese Leerstellen jedoch durch den wirklich ausgezeichneten Soundtrack, der in einer humoristischen Passgenauigkeit getroffen ist, und in der Bandbreite von Rock bis Klassik reicht, dass es eine wahre Freude ist. Ansonsten ist „Crank 2: High Voltage“ natürlich ein Jason Statham Vehikel wie es im Buche steht, und lebt somit folgerichtig von seinem Darsteller, der den Actioner in Trash – und B-Movie Gewand offensichtlich zu seiner Domäne erkoren hat. Ein paar gelungene Gastauftritte, allen voran David Carradine runden das Bild ab. Und wer an dieser Stelle auf Grund der fehlenden Erwähnung von Amy Smart schon leicht nervös geworden ist, der kann beruhigt werden: Ja, auch Chevs Freundin Eve ist wieder mit von der Partie, und ja auch das in der Öffentlichkeit geschobene Nümmerchen hat, wie auch schon im Vorgänger, seinen Weg in den Film gefunden. Summa Summarum ist „Crank 2“ somit ein rund um gelungenes Sequel, ein herrlich abgedrehter Spaß für zwischendurch, doch seinen Vorgänger kann der Film nicht überflügeln – Fazit: 7 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Crank 2: High Voltage". © 2009 Universum


In eigener Sache: Special zu "Gomorrha"


Es ist mal wieder Zeit für einen kleinen Hinweis in eigener Sache. Vor einigen Wochen erschien (endlich) GOMORRHA – REISE IN DAS REICH DER CAMORRA auf DVD. Basierend auf dem gleichnamigen Tatsachenroman von Roberto Saviano, entstand unter der Regie von Matteo Garrone einer der wohl besten Spielfilme über die kriminellen Machenschaften der Mafia, der es schafft sich von den zumeist romantisierenden Mafia-Epen Hollywoods zu emanzipieren. Ein Film, der mich sehr beeindruckt hat, und zu dem sich nun beim MANIFEST ein von mir verfasstes Special zum finden lässt. Interessierte folgen einfach DIESEM Link.


TV-Empfehlungen für die Woche vom 20.04.09 - 26.04.09

Montag, 20.04.09


Predator“ (Kabel 1, 22.00 Uhr)

Sehr überzeugender Actionspaß mit dem alten Arnie auf der Jagd nach außerirdischen Kriegern, die überaus tödlicher Natur sind. Hier ist er Predator, hier darf er es sein: Von mittelmäßigen bis schlechten Crossovern von Aliens und Predators war hier zum Glück noch nichts zu sehen.


Bowling for Columbine“ (ARD, 1.05 Uhr)

Da war Michael Moore noch originell. Obwohl, war er das jemals? Unstrittig ist, dass der Film seine gewünschte Wirkung nicht verfehlt. Das Moores Anklage gegen die Waffenlobby äußerst einseitig und polemisch vorgetragen ist, sei natürlich nicht verschwiegen.


Dienstag, 21.04.09


Ein Vogel auf dem Drahtseil“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Am Dienstag kommt nichts erwähnenswertes. Vielleicht ist der oben genannte Film ja sehenswert. Weiß ich aber nicht. Ich werde was anderes machen um die Uhrzeit.


Mittwoch, 22.04.09


Mystic River“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Es ist wohl längst kein Geheimnis mehr, dass ich ein großer Anhänger des kreativen Schaffens von Clint Eastwood angeht, gerade was seine Arbeit hinter der Kamera angeht. Einen seinen zahlreichen Oscars heimste er mit „Mystic River“ ein. Sehr zu empfehlen, allein schon wegen Sean Penn, der ja bekanntlich jüngst mit seinem zweiten Award bedacht wurde. REZENSION


Donnerstag, 23.04.09


Die neun Pforten“ (Sat 1, 20.15 Uhr)

Die Frage ob Roman Polanskis zweiter okkulter Thriller nach „Rosemaries Baby“ frei von jeglichen Schwächen ist, ist unschwer mit „nein“ zu beantworten. Klar ist aber auch, dass ich diesen Streifen geradezu abgöttisch zu schätzen weiß. Johnny Depp ebenso brillant, wie auf der anderen Seite Lena Olin. Die Atmosphäre ist virtuos, stimmig gewürzt mit einer nicht geringen Priese von Sarkasmus. Im übrigen möchte ich allen Interessierten die Romanvorlage „Der Club Dumas“ von Arturo Perez-Reverte empfehlen, ebenso wie ich an dieser Stelle auf meine als Essay getarnte Lobhudelei zum Film verweisen möchte.


Das Mercury Puzzle“ (Vox, 20.15 Uhr)

Nicht mein Fall. Versucht sich als spannend inszenierter Thriller, ist aber im Endeffekt nicht mehr, als ein cineastisches leeres Versprechen. Braucht man wirklich nicht zu sehen, man verpasst nix.


Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ (Arte, 21.00 Uhr)

Als der Film vor einigen Jahren ins Kino kam, waren wir (Historiker) uns schnell einig. Helge Schneider rockt als Führer ordentlich die Wolfsschanze. Leider kann Regisseur Dani Leviy nicht über seinen und den historischen Schatten springen. Das führt dazu, dass das Endergebnis nicht mehr ein feiges Filmchen ist, dass sich lediglich als Satire tarnt. Auch Helge Schneider selbst konnte sich am Ende nicht mehr mit dem Ergebnis identifizieren.


Pulp Fiction“ (Vox, 22.30 Uhr)

Ist für meine Generation einer DER Kultfilme. Auch ich finde Tarantinos Streich wirklich klasse, doch einen fast sankrosanten Stellenwert kann „Pulp Fiction“ bei mir nicht erreichen. Aber: Der Soundtrack ist wie immer bei Quentin ganz und gar großartig und Mr. Wolf ist schon eine ziemlich coole Sau – Harvey halt.


Freitag, 24.04.09


Daredevil“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Äußerst lahme Comicverfilmung mit Ben Affleck in der Hauptrolle. Mehr ist dazu nicht zu sagen, mal abgesehen davon, dass ich auch gar nicht mehr sagen könnte, selbst wenn ich wollte. Hab den Streifen verdrängt.


Carrie“ (ARD, 01.45 Uhr)

Eine der (wenigen) gelungenen Verfilmungen eines Romans von Stephen King. Regisseur Brian de Palma hat mit „Carrie“ einen Film abgeliefert, der von seiner durchweg guten Inszenierung lebt. Gefällt.


Samstag, 25.04.09


Wild Wild West“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Mein ganz persönlicher Will Smith-Hassfilm, dabei schaue ich mir vom Fresh Prince aus Bel Air eigentlich alles an. Die Ausnahme läuft an diesem Samstag um 20.15 auf Pro 7.


SAW“ (Pro 7, 22.15 Uhr)

Diesen ersten Teil der Horror-Slasher Reihe, auf die das Publikum so offensichtlich abfährt, lasse ich mir noch gefallen. Fand den ersten damals ganz interessant, aber schon beim zweiten Teil habe ich mich dann ausgeklingt. Ich mag zwar Gnerefremd sein – was ich auch zugebe – doch ist diese Unkenntnis beste Voraussetzung, um wunderbar gegen dieses Torture-Porn-Zeugs zu wettern und zu polemisieren.


Sonntag. 26.04.09


Königreich der Himmel“ (RTL, 20.15 Uhr)

Ich lese zur Zeit (in Vorbereitung auf ein Seminar) den Aufsatz „Das Mittelalter im Film“ von Christian Kiening. Dort ist zu „Königreich der Himmel zu lesen: „In Scotts Kingdom of Heaven gilt es als Verdienst des jungen Helden Balian, dass er angesichts der unabwendbaren Eroberung Jerusalems durch die Sarazenen mit Saladin den freien Abzug der Bewohner aushandeln kann. Balian und Saladin erscheinen als Vermittler, die inmitten von Gewalt und Blutvergießen und gegen Fanatikern in den eigenen Lagern einen Raum für politisches Handeln offen zu halten, Toleranz zu wahren und Versöhnungsgesten zu vollziehen versuchen: Balian, indem er das Leben eines maurischen Fürsten schont, Saladin, indem er beim Einzug in die heilige Stadt eigenhändig ein umgestoßenes kleines Kreuz wieder aufstellt“ Ich stimme dieser Aussage zu. Im Übrigen ist es kein Geheimnis, dass ich Scotts Auseinandersetzung mit den mittelalterlichen Glaubenskriegen für einen sehr guten Film halte, sofern es sich um den Director's Cut handelt, gerade eben weil er die Idee einer friedlichen Koexistenz propagiert, auch wenn das geschilderte mit Sicherheit nicht „historisch korrekt“ ist.. Ausführlich ist dies nachzulesen in meinem Text zu dem Film.


Der Zauber von Malena (Tele 5, 20.15 Uhr)

Wir bleiben im Metier des Historischen. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, als Deutschland geschlagen, und die besetzten Länder befreit waren, richtete sich der Zorn des Volkes oft gegen die Frauen, die mit den Besatzern horizontal, oder sonst wie kollaboriert hatten. Man schnitt ihnen die Haare ab, demütigte sie, oder noch Schlimmeres. In Holland nannte man sie zum Beispiel „Moffenmeiden“. Gerade Frauen mussten sich oftmals dem Zorn der Gesellschaft ausgesetzt sehen, symbolisieren diese doch in gewisser allegorischer Weise die nationale Identität der Nation, sorgen sie doch mit der Geburt von Kindern für den Fortbestand der eigenen Nation. Und mit dem Einlassen mit den Besatzern traten sie in den Augen weiter Teile der Gesellschaft diese moralischen Werte der Nation mit Füßen. Aber ich schweife schon wieder ab, worauf ich hinaus wollte: Ich kann mir das nie ansehen, wenn die Bellucci da am Ende des Films durch die Straßen geprügelt und geschleift wird. Der Film ist im übrigen ganz in Ordnung.


Get Rich Or Die Tryin` (Pro 7, 20.15 Uhr)

Mal ernsthaft: Wer schaut sich so etwas an?


Der Duft der Frauen“ (Arte, 20.15 Uhr)

Remake des gleichnamigen italienischen Streifens aus den Siebzigern mit Al Pacino in der Hauptrolle. Für diesen Film bekam er seinen Oscar, den hätte er für andere Streifen mehr verdient gehabt, obwohl er auch hier nicht wirklich schlecht spielt.


Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Donnerstags beim Zeitverschwender, Samstags bei From Beyond und Hard Sensations, sowie Sonntags bei Duke's Movieblog und Blockbuster-Entertainment.


In eigener Sache: "Cliotainment"


An dieser Stelle gibt es zur Abwechslung mal nichts über „Kino, TV & Co“ zu lesen, sondern schnöde Werbung in eigener Sache. Wie dem einen oder anderen Leser meines Blogs bekannt sein dürfte, gehöre ich der (manchmal etwas sonderbaren) Spezies an, die sich Historiker schimpft. Ich habe mich nun mit weiteren vier HistorikerInnen daran gemacht, ein neues Blog-Projekt ins Leben zu rufen: „Cliotainment“. Neben meiner Wenigkeit dürfte den meisten meiner Leser noch Flo(rian) Lieb von Symparanekronemoi bekannt sein, der bei unserem Projekt ebenfalls wild mitmischen wird. Wer sonst noch zu dem Team von „Cliotainment“ gehört, entnimmt man am besten unserer „Über die Autoren“-Seite zum Blog. Was wollen wir nun mit „Cliotainment“ erreichen? Eine Antwort auf diese Frage findet sich auf der „Über diesen Blog“-Seite, aus der ich an dieser Stelle der Einfachheit halber mal die letzten beiden Absätze zitieren möchte:


Was hat das alles mit Clio zu tun? Unser Name ist Programm: Die Muse der Heldendichtung und Geschichtsschreibung sowie Schutzpatronin der Historikerzunft verschmilzt mit Entertainment zu Cliotainment. Unterhaltung ist hier im doppelten Wortsinn zu verstehen, denn wir wollen anspruchvoll unterhalten und uns anspruchsvoll mit anderen unterhalten: Zeitvertreib und Kommunikation. Cliotainment versammelt fünf, teils ehemalige und teils noch aktive, Geschichtsstudenten und Studentinnen, die eine Brücke zwischen uns gelernten (aber niemals ausgelernten) Historikern und an der Geschichte Interessierten schlagen wollen. Der allmählichen Marginalisierung der Geisteswissenschaft Geschichte soll eine Popularisierung historischer Stoffe entgegengesetzt werden. Im Bewusstsein der Bedeutung von Kritik und Kontemplation schreiben wir über aktuelle Themen - jedoch mit Bezug auf das Vergangene. Hintergründig klingt dabei stets die Frage an, welche Relevanz dem Gestern in Bezug auf das Heute zukommt.

Unsere These: Eine Gegenwart die allein auf sich selbst schielt (und bestenfalls ein wenig Richtung Zukunft) gleicht der berühmten Dame ohne Unterleib. Mit diesem Projekt wollen wir einerseits raus aus den Bibliotheken und Archiven, wollen die Muse Clio Papyrusrolle und Griffel mit Monitor, Tastatur und Twitter tauschen lassen, wollen essayistisch unterhalten. Andererseits kehren wir zurück in die Tempel der Weisheit, wollen auch schreiben über die Grenzen historischer Erkenntnis, über die Frage nach Sinn und Unsinn des Geschichtsverlaufs, über die Verantwortung des Historikers und über vieles mehr. Wohin genau uns dieser Weg führen wird, wissen wir natürlich noch nicht. Wir würden uns aber freuen, wenn Du - verehrter Leser - Teil dieser Reise sein willst. Lies mit und rede mit. Oder anders ausgedrückt: Nutze die Möglichkeiten des WEB 2.0.


Die vorigen Worte deuten es ja schon an. Wir würden uns freuen, wenn der eine oder andere diesem Projekt ebenso viel Interesse entgegenbringen kann, wie wir es tun, und zu einem regelmäßigen Leser und Kommentator wird. In diesem Sinne: Man liest sich. ;-)


TV-Empfehlungen für die Woche vom 13.04.08 - 19.04.09

Montag, 13.04.09


Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ (RTL, 20.15 Uhr)

Grandioser Abschluss einer meisterhaften Trilogie, die nicht nur eine der großartigsten Aufmarsch-Szenen der Filmgeschichte beinhaltet, sondern auch ansonsten von den Charakteren bis zur letzten Speerspitze einem Meisterwerk gleichkommt. Das es zu dieser Bewertung auch gegenteilige Meinungen gibt, sei an dieser Stelle nicht verschwiegen.


Prestige – Meister der Magie“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Christopher Nolans Spiel um Schein und Sein ist meiner Meinung nach ein ausgezeichneter Film, der einen schnell durch seine Inszenierung, die fantastischen Schauspieler und seinem magischen Thema in den Bann zieht. „Prestige“ habe ich vor ziemlich genau vor einem Jahr das erste mal gesichtet und auch eine Rezension zu dem Film verfasst. Und obschon ich gerade ob der dilettantisch anmutenden Worte dieser meiner Zeilen den Kopf schütteln muss, verweise ich trotzdem mal auf meine damaligen Gedanken zum Film.


Stirb Langsam 2 (Pro 7, 22.40 Uhr)

Es ist mal wieder Weihnachten und John McClane sitzt – mal wieder – tief in der Scheiße, nur das es diesmal kein Hochhaus ist, sondern ein Flughafen der von kriminellen Subjekten heimgesucht wird. Dieser zweite Teil, obschon natürlich gelungen, wird von mir ein wenig stiefmütterlich behandelt. An den famosen ersten Teil kommt er nicht heran, und meiner Meinung nach auch nicht an den dritten Ableger mit dem notorisch vom Pech verfolgten Cop im Unterhemd.



Dienstag, 14.04.09


American Pie“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Naja, dafür muss man wohl irgendwie das richtige Alter haben. Immerhin hat dieser erste Teil noch einen gewissen Charme, was man von seinen zahlreichen Nachfolgern nicht behaupten kann. Wobei ich vor einiger Zeit darüber sinnierte, woher mir Lily („How I Met Your Mother“) so bekannt vorkam, bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel...


Mittwoch, 15.04.09


Crime is King – 3000 Meilen bis Graceland“ (Kabel 1, 22.30 Uhr)

Schlussworte meiner Kurzbesprechung im Zuge von „Kurz & Knackig Vol. 2“. Alles in allem ist „Crime is King“ aber durchaus unterhaltsam, nicht zu letzt auch durch seine beiden Hauptdarsteller Kurt Russel und Kevin Costner, der hier mal das Arschloch geben kann. Im Jahr 2002 nominiert für nicht weniger als fünf „goldene Himbeeren“, eignet sich dieser Film ohne Zweifel für einen launigen DVD-Abend. So schnell jedoch wie man diesen Film gesehen hat, hat man ihn auch wieder vergessen, und das liegt nicht zwingend an den Konsum alkoholhaltiger Kaltgetränke, die bei einer solchen Veranstaltung gerne mal gereicht werden



Donnerstag, 16.04.09


Der verbotene Schlüssel“ (Vox, 22.05 Uhr)

Recht lahmer, letztlich in Teilen jedoch durchaus unterhaltsamer Genremix aus Horror und Mystery. Man hat nicht viel verpasst, wenn man den Film nicht gesehen hat, man wird es aber auch nicht wirklich bereuen. Durchschnitt halt. Immerhin ist Kate Hudson gar nicht so schlecht.


Freitag, 17.04.09


Nur noch 60 Sekunden“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Wiederum verweise ich auf die Schlussworte meiner Rezension: Dieser Film ist schlicht und ergreifend zu glatt, konturenlos, langweilig, ohne Charme und Flair. Er tut niemandem weh, weil er in seiner Anlage zu unerheblich ist, um zu reizen. Er ist noch nicht einmal richtig schlecht, dann würde er ja wenigstens auffallen. „Nur noch 60 Sekunden“ ist der Belanglosigkeit angeklagt und in diesem Sinne für schuldig befunden worden. Das Urteil: Eine Wertung von 5 Punkten, ein Inbegriff des reinen Durchschnitt, für diese graue Maus des Action-Films.“ Ach ja, zwei Anmerkungen noch: Erstens: Angelina Jolie in blond ist ein Verbrechen. Zweitens: Der Soundtrack ist besser als der Film.


Alien3“ (RTL II, 22.05 Uhr)

David Finchers Beitrag zum Alien-Franchise. Bei den Alien-Filmen verhält es sich ja folgendermaßen. Die Chronologie der vier Filme entspricht in diesem Fall auch der qualitativen Güte, wobei Camerons „Aliens“ und Finchers Beitrag meiner Meinung nach dicht beieinander liegen.



Samstag, 18.04.09


Die Kinder des Monsieur Mathieu (BR, 20.15 Uhr)

Ganz und gar wundervoller Film, mit ebenso gefälliger musikalischer Untermalung. Müsste ich mir eigentlich auch mal wieder ansehen. Ach, zu viele Filme die sich sehen möchte... PS: Hat sich leider immer noch nicht geändert.


Sonntag, 19.04.09


16 Blocks“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Habe ich noch nicht gesehen, aber Bruce Willis spielt wohl mal wieder einen Cop, der in eine eher suboptimale Situation gerät, und sich aus dieser wieder mal befreien muss. Riecht ganz entschieden nach einem weiteren Variation des Willis/McClane-Syndroms.


Blow“ (RTL II, 20.15 Uhr)

Gut gespieltes und solide erzähltes Drogen Drama mit Johhny Depp, Penélope Cruz und Franka Potente und Ray Liotta. Hat aber einge Längen. Und diese Längen haben dazu geführt, dass ich mir ihn nach der Erstsichtung bislang nicht wieder angesehen habe.


Der talentierte Mr. Ripley“ (Arte, 20.15 Uhr)

Auch diesen Film habe ich sehr, sehr lange nicht mehr gesehen. Ich meine mich aber zu erinnern, dass mir der Streifen, sowie vor allem Matt Damon, ausgesprochen gut gefallen hat.


Stirb langsam – Jetzt erst recht“ (Pro 7, 22.15 Uhr)

Wie gesagt, ich finde den dritten Teil der „Die Hard“-Serie wirklich klasse. Der Humor stimmt, Samuel L. Jackson als Sidekick funktioniert ganz vorzüglich und Jeremy Irons als Bösewicht ist schon ein verdammt cooler Motherfucker. Einziger Nachteil: Der Film spielt nicht mehr zu Weihnachten, aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben.


Der dritte Mann“ (SWR, 00.00 Uhr)

Immer noch nicht gesehen, wird nun aber endlich nachgeholt. Einstweilen verweise ich auf die Rezension von Kollege fincher, der sich dieses Klassikers angenommen hat.


Der Pianist“ (ARD, 00.05 Uhr)

Roman Polanskis Film über den Pianisten Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) gehört zu den besten Filmen, die den Holocaust thematisieren, überhaupt. Unbedingt ansehen, sollte man nicht verpassen.



Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Donnerstags beim Zeitverschwender, Samstags bei From Beyond und Hard Sensations, sowie Sonntags bei Duke's Movieblog und Blockbuster-Entertainment.


Rezension: "John Rabe"















Es ist vor allem eine Szene, die im Vorfeld des Kinostarts von „John Rabe“ in diversen Interviews mit Ulrich Tukur immer wieder gezeigt worden ist, und die dann auf Grund dieser medialen Omnipräsenz konsequenterweise auch in zahlreichen Besprechungen zum Film zentrale Erwähnung gefunden hat: Jener Moment, als John Rabe (Ulrich Tukur) unter dem Bombardement der japanischen Piloten die rettende Idee gekommen ist, auf dem Hof seiner Niederlassung eine riesige Fahne mit dem Hakenkreuz zu entrollen, damit sich die schutzbedürftigen Zivilisten Nankings unter der Flagge verstecken können. Der Plan geht auf, die japanischen Kampfpiloten drehen ab, ist doch das japanische Kaiserreich mit dem nationalsozialistischen Deutschland verbündet. Eine Szene, die weniger auf Grund des tatsächlichen (historisch verbürgten) Ereignisses ambivalent erscheinen muss, sondern wegen der Assoziationen, die die heutige Gesellschaft dem Herrschaftssymbol der NS-Diktatur entgegenbringt. Aus Sicht des Historikers stellt sich diese Szene vor allem als schlechter Scherz Clios, Muse und Schutzpatronin der Geschichtsschreibung, dar, beziehungsweise etwas wissenschaftlicher ausgedrückt, als Beweis für die Widersprüchlichkeit der Geschichte. Ein Symbol des Schreckens und des Terrors wird in diesem singulären Fall eben zur Garantie auf Schutz und Sicherheit, unschwer zu erklären durch die historische Bündniskonstellation. Man möchte in der Tat fragen: „Was ist denn schon dabei?“


Es wird in Deutschland wohl nicht Wenige geben, die auf diese Frage mit einem überzeugtem „Eine ganze Menge!“ antworten würden. Exemplarisch sei an dieser Stelle Rüdiger Suchsland genannt, der in der FAZ bezweifelt, dass man diesen Moment „leichten Herzens zeigen kann“. Das diese Bedenken durchaus verständlich sind, soll an dieser Stelle nicht bezweifelt werden, muss doch die positive Stilisierung eines ansonsten (zu recht) dogmatisch negativ konnotierten Symbols jenen expliziten und impliziten Normen zuwiderlaufen, die der Historiker unter der Formel „Ethik der Erinnerung“ zusammenfassen würde. Eine solche Ethik spielt in „John Rabe“ eine zweifache Rolle. Zum einen auf der Ebene der eigentlichen Geschichtsschreibung, stellt doch das Massaker von Nanking eines jener Themen dar, die in der späteren Rezeption Opfer propagandistischer und politischer Instrumentalisierungen geworden ist. Selbst zahlreiche (japanische) Historiker, die sich eigentlich gemäß den Grundsätzen einer „Ethik der Erinnerung“, dem Ideal der Objektivität verpflichtet sehen sollten, wurden zum essentiellem Bestandteil verfälschender Geschichtsklitterung. Auf der anderen Seite wird aber auch der Film „John Rabe“, so muss es jedenfalls nach der Sichtung scheinen, von einer „Ethik der Erinnerung“ in Krokodilstränen behafteter Apostrophierung geprägt, die sich das Unbehagen mit der eigenen Vergangenheit zum paradigmatischen Programm macht, und dem Film somit eines Großteils seines Potentials raubt. Mit anderen Worten: (Deutsche) Erinnerung im Kino steht sich mal wieder selbst im Weg.


Nanking 1937. Seit mehr als 20 Jahren lebt der Hamburger Kaufmann John Rabe, Angestellter der Siemens AG, mit seiner Frau Dora (Dagmar Menzel) in China und leitet die dortige Niederlassung der Siemens. Rabe ist ein Mann voller Widersprüche. Einerseits ein überzeugter Nationalsozialist mit Parteibuch, der im gleichen Maße an den Führer Adolf Hitler glaubt, wie es 1932 in der letzten freien Wahl der Weimarer Republik circa vierzig Prozent der Deutschen taten, doch auf der anderen Seite auch ein Mensch, der sich, wenn es darauf ankommt, um seine chinesischen Angestellten kümmert, wenn auch zunächst durchaus nur mit Widerwillen. Als der zu der Zeit tobende Krieg zwischen Japan und China Nanking erreicht, und ein wochenlanges Massaker, an dessen Ende hunderttausende von Toten stehen werden, beginnt, bemüht sich John Rabe zusammen mit weiteren Ausländern, die in Nanking arbeiten, um die Etablierung einer internationalen Sicherheitszone, in der die Menschen vor den japanischen Soldaten sicher sind. Über 200000 Menschen werden am Ende in dieser Zone das Massaker überleben. John Rabe, der Nationalsozialist, wird Nanking als gefeierter Held verlassen. Die Geschichte des „Guten Deutschen von Nanking“, oder des „Oskar Schindlers Chinas“, wie Rabe im Zuge der Promotion für den Film, unabhängig ob dieser Vergleich sinnvoll ist, oder nicht, genannt worden ist, dürfte in Deutschland ohne jeden Zweifel der großen Mehrheit unbekannt gewesen sein (so wurden seine Tagebücher erst 1996 veröffentlicht), während in China, so ist zumindest zu lesen, jedes Kind den Namen John Rabe kennt.


Das es nun bei „John Rabe“ nicht zum großen Wurf reicht, das liegt zuvorderst an den durch die eigene Geschichte induzierten Skrupel, die die Macher des Films offensichtlich nicht abschütteln konnten. Das ist umso ärgerlicher, als das eine große Chance vertan worden ist, mit „John Rabe“ einen Film abzuliefern, der der Ambivalenz seines Protagonisten gerecht wird. Wird Rabe selbst im Film in seinem nationalsozialistischen Weltbild relativ weich gezeichnet, ließe sich dieser fehlende Mut zur Farbe grau noch verschmerzen, nicht aber die schon fast neurotisch anmutenden narrativen Kunstgriffe, die im deutschen Historienfilm allzu oft angewendet werden, wenn es um den Nationalsozialismus geht. Getreu nach dem Motto: Wenn man mit John Rabe schon einen „guten Nazi“ zeichnet, dann darf das obligatorisch bis aufs Blut ideologisierte Pendant des abgrundtief verdorbenen Nazis nicht fehlen, der dann auch in „John Rabe“ in Form des designierten Nachfolgers Rabes Werner Fließ nicht lange auf sich warten lässt. Es waren schließlich nicht alle so gut wie Rabe, will der Film an dieser Stelle mit erhobenem Zeigefinger kommunizieren, und bereitet den Zuschauer gleich auf die nächste Lektion vor, die dann auch in Form der in den Plot konstruierten jüdischen Figur Dr. Georg Rosen (Daniel Brühl) auf der Bildfläche erscheint (despektierlich auch „Quoten-Jude“ genannt). Dieser lässt John Rabe schließlich seinen Fehler bezüglich seiner Verehrung Hitlers erkennen, da Rosen ihm von der Diskriminierung der Juden im dritten Reich erzählt.


Was „John Rabe“ an dieser Stelle praktiziert, ist nicht weniger als die doppelte Gängelung des Zuschauers, der auf Teufel komm raus die richtigen Schlüsse ziehen soll. (Deutsche) Erinnerung im Kino steht sich mal wieder selbst im Weg, denn man muss sich ernsthaft fragen, ob man dem Kinozuschauer nicht mittlerweile, nach sechzig Jahren zum Teils intensiver Aufklärung über den Nationalsozialismus, zutrauen kann, John Rabes Ambivalenz und singuläre Ausnahmestellung auch ohne übergroß platzierte Lesehilfen von selbst zu erkennen. Und so wird das fehlende Vertrauen in die Intelligenz des Zuschauer zum größten Problem von „John Rabe“, welches sich noch dazu auch noch in den unnötig platzierten Dokumentationsszenen, die offensichtlich Authentizität evozieren sollen, sowie den höchst zweifelhaften Nachstellungen der japanischen Greuel manifestiert. Weder die Drehbuchautoren, noch Regisseur Florian Gallenberger haben verstanden, das es nicht unbedingt des konkreten Bildes bedarf, um Grauen zu erzeugen. Und so sind es dann vor allem die Darsteller, die in in dem Film wirklich zu überzeugen wissen: Allen voran natürlich Ulrich Tukur, der die Rolle von dem verstorbenen Ulrich Mühe übernahm. Tukur gelingt es, gerade auch im Zusammenspiel mit seiner Kollegin Dagmar Menzel, seinen Protagonisten zwischen hanseatischer Steifheit und warmherzigem, dabei aber nationalsozialistischem Deutschen, nuanciert anzulegen. Der Rest des Ensembles spielt überzeugend. Das gilt vor allem auch für Steve Buscimi, der in seiner Rolle des zynischen Dr. Robert Wilson zu gefallen weiß.


Was am Ende von „John Rabe“ bleibt, ist ein in der Summe eher durchschnittlicher Film mit leichter Tendenz nach oben. In weiten Teilen zu konventionell inszeniert, krankt er noch dazu an den Vorbehalten, die er sich unnötigerweise selbst auferlegt. Eines jedoch ist gewiss: Es gibt Geschichten, die es unbedingt wert sind, erzählt zu werden. Die Geschichte von John Rabe, vom „guten Deutschen von Nanking“, ist eine davon. Dass dann der Film nicht immer hält, was er verspricht, liegt im Risiko der Sache. - Fazit: 6 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "John Rabe". © 2009 Majestic Filmverleih



 
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