Rezension: "Inglourious Basterds"














Quentin Tarantinos Kino war stets ein - zum Teil selbstreferentielles - Kino der Zitate. In „Reservoir Dogs“ variierte er den klassischen Heist und bediente sich schon in seinem ersten Film fleißig im Bauchladen der Filmgeschichte, bevor er 1994 mit „Pulp Fiction“ seine viel gefeierte Schunderzählung ablieferte. Drei Jahre später setzte er in „Jackie Brown“ Pam Grier, dem Blaxploitation-Star der Siebziger Jahre, ein liebevolles filmisches Denkmal. In seinem vierten und fünftem Film („Kill Bill“ Vol.1 & Vol.2) ließ er schließlich seine rachsüchtige Braut sich erst durch das Eastern- und dann durch das Western-Genre morden, bis er mit „Death Proof“ dem Grindhouse nicht nur ein Denkmal setzte, sondern das Genre noch dazu ab der Mitte des Films ironisch verkehrte und Jäger und Gejagten die Rolle tauschen ließ. Nun also „Inglourious Basterds“ und das Kino von Quentin Tarantino ist nach wie vor ein Zitatkino. Nichts scheint sich also auf dem ersten Blick innerhalb des Filmkosmos von Tarantino geändert haben, auf dem zweiten Blick zeigt sich aber das es Tarantino tatsächlich zum ersten Mal in seiner Karriere gelungen ist, sein feines Näschen für Figuren und Pop(Zitate) in einen Film kulminieren zu lassen, der die Grenzen der bisherigen tarantinoesquen Kinowelt zu transzendieren vermag. Mit anderen Worten: Mit „Inglourious Basterds“ reüssiert der ehemalige Angestellte einer Videothek – gewollt oder nicht gewollt – in der Angelegenheit einem ganzem Genre gepflegt gegen den Karren zu fahren, sowie deren Neurosen und scheinbar in Stein gemeißelten Gesetzmäßigkeiten zu desavouieren - Und er tut gut daran!


Once upon a time in nazi-occupied France“ - Ja „es war einmal“ und Tarantino hat im Gespräch mit dem SPIEGEL auch zu Protokoll gegeben, dass er kein Problem damit hat, wenn sein neuer Film als eben diese märchenhafte und kontrafaktische Fiktion, die der Historie diametral gegenübersteht, aufgefasst und interpretiert wird. Und so ist die Geschichte die er in „Inglourious Basterds“ erzählen möchte, eine Wunschphantasie die ebenso naiv wie verständlich ist: Die Kraft der Imagination – in diesem Fall das Kino – siegt über das Böse, siegt dort wo die Realität versagt hat. Und es stimmt schon: Wenn Tarantino am Ende von „Inglourious Basterds“ das Kino, also quasi sein Heiligtum, sein ganz persönlicher Tempel, in Flammen aufgehen lässt und der versammelten Nazi-Entourage um Hitler, Goebbels und Göring die Lichter ausbläst, dann ist das nicht nur ein gewaltiges Opfer eines an seine Existenz glaubendes Märchens, sondern auch das dezidierte Verlangen eines sich durch sich selbst befreiendes Kinos, das die Aufforderung zur Unterhaltung, die Spaß machen und nicht belehren soll, in sich trägt. In dem kleinen französischen Kino brennen nämlich nicht zuvorderst der historische Hitler oder der historische Goebbels, gehen nicht die historischen Embleme, Standarten und Symbole des nationalsozialistischen Terrorregimes in Flammen auf, sondern das oftmals verzerrte Bild des Dritten Reichs, das die Filmgeschichte in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht und kultiviert hat.


Inglourious Basterds“ ist dabei nicht automatisch „ehrlicher“ oder weniger „zynisch“ was die Darstellung des Dritten Reichs im Kino angeht, denn derlei Attribute implizieren einen tadelnden Zeigefinger, um den es Tarantino in seinem Film nicht geht und auch nicht gehen kann. Kollektive und damit gesellschaftliche Erinnerung ist ein kompliziertes Konstrukt des Gewollten und des (Un)Möglichen. Ein Netz dessen Erweiterung nur in Folge oftmals schmerzhafter Prozesse der kollektiven Selbstfindung geschehen kann und somit auch stets Standortgebunden ist. Quentin Tarantino kann nicht zuletzt auf Grund seiner an die Macht des Kinos glaubende Naivität dieses Netz dehnen und zerreißen. Wenn er im Interview erzählt, dass er „Leni Riefenstahl für die beste Regisseurin hält, die jemals lebte“, dann kommt ihm dieser Satz ohne das obligatorische „aber“ über die Lippen, das zum Beispiel in Deutschland wohl zwingend notwendig wäre und quasi zum common sense der political corectness zählt. Und mit dem gleichen Selbstverständnis, das an das Recht der freien Erzählung glaubt, inszeniert Quentin Tarantino in „Inglourious Basterds“ seine Version des Nazi-Regimes, das in seiner Ausgestaltung mit den Mythen der bisherigen Kino-Nazis, die sich in den letzten Jahrzehnten ungebrochener Beliebtheit erfreut haben, bricht und diesen somit den Spiegel vorhält. Das Bild das Tarantino dabei zeichnet, ist ein durchaus ambivalentes. Einerseits stilisiert er Hitler und seine Granden zu ultimativen Witzfiguren, vermeidet jedoch andererseits die schwarz-weiße Dichotomie vom amerikanischem Helden und deutschem Jammerlappen, wie sie beispielsweise noch von Spielberg im Zuge von „Der Soldat James Ryan“ kultiviert wurde. Paradestück in Tarantinos Weltkriegs-Mär ist jedoch ohne Zweifel seine Figur des SS-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz). Anstatt den gängigen dämonischen Pathologen in rassistisch-ideologischer Verblendung in SS-Uniform zu beschwören, zeichnet Tarantino seinen Antagonisten als eloquenten, charismatischen und höflichen Technokraten des Regimes, und erschafft somit ein Monster, welches zu den bemerkenswertesten Bösewichten der jüngeren Filmgeschichte gezählt werden muss.


Inglourious Basterds“ wird von Quentin Tarantino in fünf einzelnen Kapiteln erzählt und es kommt nicht von ungefähr, dass das erste Kapitel um den „Judenjäger“ Hans Landa derzeit in aller Munde ist und auf Grund der inszenatorischen Finesse auch bei Kritikern des Films lobende Erwähnung findet. Im Nachhinein versteht man warum Tarantino lange Zeit befürchtete diesen Film niemals drehen zu können, bis Christoph Waltz kam und mit seinem mehrsprachigem Genie Tarantino von all dessen Sorgen befreite. Man muss sich wirklich fragen, wie „Inglourious Basterds“ synchronisiert funktionieren kann, bedenkt man die Veränderung der Atmosphäre die Landa alias Waltz allein mit dem Wechsel von der warmen französischen Sprache in das ungleich kältere und härtere Englisch zu evozieren vermag. Aus dem zuvorkommenden Mann, der in der einen Sekunde noch die Milch des Bauern lobt, wird in der nächsten Sekunde das gefährliche Tier. Der Österreicher Christoph Waltz ist somit der unbestrittene Star des Films, offeriert in seiner Rolle Hans Landa eine unfassbare Leistung, durfte zu Recht in Cannes die Auszeichnung für den besten Darsteller mit nach Hause nehmen, und eigentlich führt auch kein Weg an einer Oscarnominierung vorbei.


Auch wenn Brad Pitt mit seiner Interpretation des Nazijägers Aldo Raine wieder einmal eine Figur geschaffen hat, die in Erinnerung bleiben wird, nehmen die titelgebenden Basterds und ihre Jagd nach Naziskalps im Film nur eine Nebenrolle ein. Die Rächergeschichte, denn das ist „Inglourious Basterds“ natürlich auch, wird vor allem von Anderen geschrieben, so dass die Basterds im Hintergrund verbleiben müssen. Dies jedoch ist kein Makel, denn in Anbetracht von Gesichtern wie Eli Roth, der immerhin in die Rolle des Baseballschläger schwingenden „Bärenjuden“ wie die Faust aufs Auge passt, oder aber Till Schweiger der seine Rolle des deutschen Deserteurs erfreulicherweise annehmbar verkörpert, ist der Fokus auf andere Charaktere nur zu begrüßen. Deutschlands weiblicher Hollywood-Export Diane Kruger als britische Agentin Bridget von Hammersmark wird dabei von der jungen Französin Mélanie Laurent, die in der Rolle der Kinobetreiberin Shosanna Dreyfus als Einzige aus dem Schatten von Christoph Waltz hervortreten kann, an die Wand gespielt und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Besser macht es da schon Daniel Brühl, der einer ganzen Reihe von deutschen und internationalen Darstellern vorsteht, die sich in Quentin Tarantinos vielsprachigen Geschichte versammeln.


Wie bei Filmen des Regisseurs üblich, wird in „Inglourious Basterds“ viel geredet. Der Film ist kein Actionstreifen, keine Gewaltorgie und in seiner letztlichen Ausgestaltung wie so oft bei Tarantino ein Mix aus zahlreichen Genres. Die bei Quentin Tarantino oft so zentrale musikalische Untermalung wird im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen diesmal pointierter und nuancierter eingesetzt, so dass diese stets stimmig, aber nicht mehr so dominant wie früher geraten ist. Was geblieben ist, sind die zahlreichen Remineszenzen auf das Kino, auf sich selbst und natürlich im Fall von „Inglourious Basterds“ auch auf den deutschen Film der dreißiger und vierziger Jahre, sowie das konstruierte Bild einer kinematographischen Kunstumgebung Und was ist nun die Moral von der Geschicht'? - wo doch jedes Märchen eine hat. „Inglourious Basterds“ ist Quentin Tarantinos Appell sowohl an die Kraft des Kinos, als auch an das Recht des Geschichtenerzählens zu Glauben. Gleichzeitig deskonstruiert „Inglourious Basterds“ die Mythen und Klischees des Kinos über das Dritte Reich. Tarantino lässt sich nicht ein auf Konventionen und Normen, schert sich nicht um die Historie, bedient sich gar zur Not in der Warenauslage des Teufels, wenn es den Zwecken seiner Geschichte dient. Gerade der Deutsche Film mit seinen durch die eigene Geschichte induzierten und bis zum heutigen Tag sklavisch gepflegten Neurosen könnte von der Unbekümmertheit, mit der Quentin Tarantino seine künstlerische Freiheit einfordert, lernen. Dieser Sachverhalt allerdings macht „Inglourious Basterds“ nicht zu Tarantinos Meisterstück. Dies ist dieser Film aus den im Vorigen genannten Gründen! - Fazit: 10 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Inglourious Basterds". © 2009 Universal Pictures


TV-Empfehlungen für die Woche vom 31.08.09 - 06.09.09

Montag, 31.08.09

Mulholland Drive“ (Tele 5, 20.15 Uhr)

Ich glaube mal nicht, dass ich hier noch jemandem erzählen muss wie ganz und gar großartig ich den Film finde. Lieblingsfilm halt. Und das also morgen Abend meine Besucherzahlen wieder nach oben gehen, weil sie auf der Suche nach des Rätsels Lösung sind, ist ebenfalls so sicher wie das Amen in der Kirche.


Dienstag, 01.09.09


Der Untergang Teil 1“ (3 Sat, 20.15 Uhr)

Siebzig Jahre wird es dieses Jahr her sein, dass der deutsche Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg auslöste. 3 Sat nimmt dies offensichtlich zum Anlass, um Eichingers Bunkershow aus den letzten Tagen Hitlers zu bringen (Mittwoch dann Teil 2). Coole Leute schauen aber an diesem Dienstag eh „Volver“, oder aber lassen die Glotze aus.

Mittwoch, 02.09.09


Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ (BR, 21.45 Uhr)

Mir noch unbekannt, aber da ich Michael Caine sehr gerne sehe, werde ich mir den mal aufnehmen. Hoffe mal, dass mir Steve Martin den Film nicht vergällt, denn den sehe ich nicht so gerne.


Donnerstag, 03.09.09


Babel“ (ARD, 23.02 Uhr)

Im Vordergrund steht das Unvermögen der Menschen zur Kommunikation, und zwar im doppelten Sinne. Auf der einen Seite Kommunikation im eigentlichen Sinne, sei es nun auf Grund unterschiedlicher Sprachen, oder Einschränkungen durch Behinderungen. Auf der anderen Seite dreht es sich um die Schwierigkeiten die in der Kommunikation im zwischenmenschlichen, sowie im interkulturellen Bereich auftreten. „Babel“ ist somit ungeheuer intensives und eindringliches Erzählkino, auf das sich der Zuschauer allerdings einlassen muss. Wer dazu bereit ist, der erlebt 138 Minuten Kino vom Feinsten.


Knight Moves“ (ARD, 01.25 Uhr)

Extrem zähes Konglomerat aus Schach-, Thriller- und Mordspiel. Mit Christopher Lambert und Daniel Baldwin auch dementsprechend besetzt, kann man sich den Streifen getrost sparen.


Freitag, 04.09.09


The Transporter“ (ZDF, 20.15 Uhr)

Gelungener kleiner Actionfilm in französischen Gefilden mit einen Jason Statham in bester Laune. Genre-Freunde müssen den Film eigentlich mögen, da in der Summe doch ein ebenso charmanter wie unterhaltsamer Spaß.


Samstag, 05.09.09


Zu schön zum Sterben“ (ZDF, 22.15 Uhr)

Die französische Produktion verspricht zumindest vom Inhalt mehr einen Trip von der Familienidylle hin zur Hölle. Klingt ganz ansprechend, ob der Film mit Emmanuelle Seigner in der Hauptrolle aber hält was er verspricht, ist ungewiss.


Sonntag 06.09.09


I, Robot“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Bin und bleibe was den Film angeht zwiegespalten:All diese Fragen werden in diesem Film zwar thematisiert, aber nur an der Oberfläche. „I Robot“ opfert diese wichtigen und philosophischen Fragen, die für die Menschheit ja gerade auch in der heutigen Zeit immer relevanter werden, für den Kommerz.“ - KLICK


Sieben Jahre in Tibet“ (Arte, 20.15 Uhr)

Den wollte ich immer schon mal sehen. Da der Film nun von störender Werbung befreit auf Arte läuft, klopft die Gelegenheit an. Bin gespannt.



Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Freitags beim Zeitverschwender und Hard Sensations, sowie Sonntags bei Blockbuster-Entertainment. Und der ganz besonderen TV-Tipp der Woche lässt sich (manchmal) bei Intermoviession finden (ebenfalls Sonntags).


FFF - Rezension: "Mutants"















Es ist wohl ein ungeschriebenes Gesetzt, dass kein Fantasy Filmfest ohne Zombies auskommt. Und so kommen auch dieses Jahr Freunde der nicht gerade nett anzusehenden Kreaturen wieder voll auf ihre Kosten. Die französische Produktion „Mutants“ geht dabei den Weg, den viele andere Filme mit ähnlichen Thematiken vorher auch schon gegangen sind: Ein tückisches Virus hat große Teile der Menschheit in menschenfressende Zombies verwandelt. Die wenigen verbliebenen Menschen befinden sich fortan auf der steten Flucht vor den degenerierten Unholden. So auch das Liebespaar Marco (Francis Renaud) und Sonia (Hélène de Fougerolles), die sich auf dem Weg zu einer Militärbasis der französischen Armee befinden. Einer der wenigen Orte an denen man noch sicher ist. Doch der Weg dorthin erweist sich als überaus gefährlich. Und auch ihrer Begleitung, einer Armeeangehörigen, die die Beiden unterwegs aufgegabelt haben, scheint man nicht trauen zu können.


Mutants“ bietet gewohnte Genrekost von der Stange ohne besondere Höhepunkte und lässt dabei das ohne Zweifel vorhandene Potential fast völlig unter den Tisch fallen. Dabei kann der Film allein schon durch sein stimmiges Ambiente Punkte sammeln. Die bleiche und ausgewaschene Farbgebung, die den Film durchzieht, passt sich wunderbar der in „Mutants“ erzählten Dystopie an. Die in Eis und Schnee gehüllten französischen Wälder unterstreichen diese trostlose Umgebung noch einmal zusätzlich, so dass der Film optisch als überaus stimmig bezeichnet werden kann. Auch die erste Hälfte der Inszenierung Morlets ist gelungen, wirft der Film doch an dieser Stelle einen etwas anderen und damit interessanten Blick auf das Genre. Marco nämlich wird zu Beginn des Films gebissen, und ist somit mit dem Virus infiziert worden. Sonia, von Beruf Krankenschwester, schlägt daraufhin die Standard-Prozedur im Genre (Wer zum Zombie wird, wird um die Ecke gebracht) in den Wind und steuert ein verlassenes Krankenhaus an.


Dort kümmert sich sich um ihren Liebsten und begleitet ihn auf den schweren Weg, der zum unvermeidlichen Ende führt. Das Spiel mit Liebe, Wut, Schmerz und Trauer wird somit zum essentiellen Charakteristikum von „Mutants“, der in diesen Szenen durchaus darin reüssiert eine emotionale Bindung zum Zuschauer zu evozieren. Leider aber versäumt es David Morlet dieses Thema, was man ja durchaus zu einer Fantasy-Parabel über palliative Pflege hätte aufbauen können, konsequent auszugestalten. Stattdessen nimmt der Film ab der Mitte der Spielzeit wieder mehr Tempo auf und verlässt diese eher nachdenklichen Gefilde. Was sich dann entspinnt, läuft nur noch unter dem Motto des standardisierten Formelkompromiss im gängigen Einerlei des Genres. Zombies brechen aus dem Wald hervor und jagen die Menschen durch das Krankenhaus, was die Implementierung einiger blutigen Szenen zur Folge hat, ohne die wohl auch dieser Film nicht auszukommen glaubte. Das diese Sequenzen dann noch nicht einmal besonders packend umgesetzt worden sind, unterstreicht noch mal zusätzlich wie unnötig diese Gewaltmomente eigentlich in „Mutants“ sind. Gleiches gilt im Übrigen für die Ausgestaltung der Infizierten, die nicht wirklich zu beeindrucken weiß.


Bedauerlich ist dann vor allem die Einfallslosigkeit der Handlung zu nennen, der gegen Ende außer der typischen Heilsbringer-Nummer nichts mehr eingefallen ist. Sonia erweist sich nämlich als gegen das Virus immun und ist noch dazu schwanger, so dass sie mal eben zur potentiellen Retterin der Menschheit stilisiert wird, die unter allen Umständen lebend gerettet werden muss. Der Weg zu dieser Rettung erweist sich dann dementsprechend zäh und uninspiriert, so dass sich „Mutants“ einiges von dem, was er sich zu Beginn aufgebaut hat, wieder kaputt macht. Highlights des Films sind dann aber auf jeden Fall seine beiden Hauptdarsteller, die vor allem im bereits gelobtem ersten Abschnitt des Films zeigen, dass auch in Zombie-Streifen mehr möglich ist, als unmotiviert durch die Gegend zu schreien. Der Wandel zweier sich liebender Menschen hin zu einem Zustand, bei dem sich der eine irgendwann nicht mehr kontrollieren kann und seinen nun von Angst erfüllten Partner nackt und blutverschmiert durch die Gänge jagt, gehört zu den eindringlichsten und gelungensten Szenen von „Mutants“. Insgesamt ist dieses französische Produktion somit eine zweischneidige Angelegenheit, die zwar ihre Momente hat, zu oft aber auch im Nirgendwo des Genres verschwindet. Das mag dann zwar noch für ganz solide Unterhaltung ausreichend sein, führt aber auch unweigerlich dazu, dass der Film in der Summe erschreckend uninteressant geworden ist. - Fazit: 5 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Mutants". © 2009 Tiberius


FFF - Rezension: "Infestation"













Erwies sich „Thaw – The Frozen“, der eine Käfer-Film auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest als doch sehr durchschnittlich und bot wenig Anlass zur Begeisterung, so sieht das bei „Infestation“ ganz anders aus. Kunststück möchte man meinen, denn auch wenn es bei Ersterem eine ganze Menge Käfer gab, so kann Letzterer stattdessen zwar mit weniger Viehzeug, dafür aber mit überaus riesigen Käfern punkten, welche die Umwelt in Angst und Schrecken stürzen. Zunächst einmal versetzten die krabbeligen Viecher jedoch die gesamte Bevölkerung in einen komatösen Tiefschlaf, in dessen Zuge sie schön verpackt in Kokons eingesponnen werden. Warum das so ist, wird zwar nicht erklärt, doch spielt dies letztlich auch keine große Rolle. Der Weg ist das Ziel, diese Maxime gilt auch für „Infestation“, der sich in seiner Ausgestaltung in eine Genre-Reihe mit dem ebenfalls sehr humorigen „Shaun of Dead“ einordnen lässt, nur eben nicht mit Zombies, sondern mit Insekten.


Jedenfalls wird auch der gutmütige Looser Coper (Chris Marquette) Opfer der fiesen Käfer-Attacke. In dem einen Moment muss er sich noch auf Grund seiner laxen Arbeitsmoral von seiner Chefin gehörig den Kopf waschen lassen und in der nächsten Sekunde ertönt auf einmal ein schriller und ohrenbetäubender Lärm. Tage später wacht Coper wieder auf. Immer noch im Büro, beginnt er sich aus seinem Kokon zu schälen. Keine Sekunde zu früh, denn schon Sekunden später sieht er sich der Attacke eines Riesenkäfers ausgesetzt, den er aber schnell mit Hilfe allerlei Büroutensilien in die ewigen Jagdgründe befördern kann. Flugs weckt er noch einige andere Personen auf, die in der Gegend herumliegen. Darunter die Tochter seiner Chefin Maureen (Debroah Geffner), auf die er trotz der misslichen Situation sofort ein Auge geworfen hat. Gemeinsam macht sich die heterogene Gruppe auf der Suche nach den Gründen für dieses plötzliche Desaster auf den Weg durch die verlassene Stadt, stets auf der Hut vor den überall lauernden Insekten. Erstes Etappenziel: Der Vater von Coper (Ray Wise), der von seinem Sohnemann zwar nicht allzu sehr geschätzt wird, dafür aber auf Grund seiner Paranoia sowohl einen Bunker mit Vorräten, als auch ein ansehnliches Waffenarsenal besitzt.


Infestation“, unter der Regie von Kyle Rankin entstanden, ist vor allem ein ziemlich witziges Abenteuer, welches dieses mit einer stimmigen Insekteneinlage garniert. Dabei zeigt sich, dass es mitnichten beeindruckender CGI-Effekte bedarf, um einen Film überzeugend zu gestalten, sondern das vielmehr die erzählte Geschichte und die gezeichneten Charaktere überzeugen müssen. De facto nämlich sehen die Effekte, also vor allem die Insekten im Film, geradezu altmodisch aus, was „Infestation“ allerdings gut zu Gesicht steht. Punkten können somit vor allem die Darsteller, die vor allem dem deutschen Publikum recht unbekannt sein dürften. Das Aushängeschild, welches den Film dann konsequenterweise über die gesamte Spielzeit trägt, ist vor allem Chris Marquette, der seinen Charakter in einem wunderbaren Mix irgendwo zwischen Trottel, Looser und absolut liebenswertem Kerl anlegt. Aber auch Ray Wise in der Rolle des dominanten und militaristischen Vaters gehört ohne jeden Zweifel zu den Lichtblicken dieses kurzweiligen Filmchens. Das auch „Infestation“ nicht ohne die übliche Romanze auskommen kann, gehört dann halt in der Tat zu den Standards des Kinos, weiß aber auch nicht weiter zu stören, zumal die Chemie zwischen den beiden Darstellern absolut stimmt.


Dabei profitiert „Infestation“ nicht zuletzt von den launigen Klischees, die sich das Drehbuch erdacht hat. Von dem martialischen Uncle Sam-Verschnitt, den der Vater darstellt, über die dümmliche, aber attraktive Blondine, die sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit das schöne Näschen pudert, ist so ziemlich alles dabei, was das Repertoire hergibt. Gegen Ende hin verliert der Film jedoch etwas an Tempo, was sich gerade auch hinsichtlich des Finale Furioso von „Infestation“ bemerkbar macht, das dann im Vergleich zum Rest des Films bei Weitem nicht mehr so überzeugend ist wie die vorherigen Minuten. Das der Weg das Ziel ist, gilt also ein weiteres Mal. Dieser Makel vermag jedoch am positiven Gesamteindruck nicht mehr wirklich zu kratzen, so dass „Infestation“ für einen launigen Filmabend mehr als einfach nur geeignet ist. Das sah das Publikum beim Fantasy Filmfest im Übrigen ähnlich, denn es brandete nicht nur nach dem Film lauter Beifall auf, sondern auch immer wieder zwischendrin. Und dieser Applaus ist dann in der Tat auch wirklich gerechtfertigt gewesen. - Fazit: 8 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Sexykiller". © 2009 Tiberius


FFF - Rezension: "The Thaw - Frozen"















Natürlich kann auch das Fantasy Filmfest um die Gefahr der Klimaveränderung und die damit verbundene Erwärmung der Erde keinen Bogen machen und liefert mit „The Thaw – Frozen“ gleich den passenden Beitrag zum Thema. Wobei man sich natürlich nicht in die Irre führen lassen sollte: Die Erderwärmung ist mitnichten eine fantastisches Konstrukt, wohl aber die ekligen Krabbelviecher, um die es in der dieser kanadisch-amerikanischen Co-Produktion geht. Regisseur Marc A. Lewis, der auch gleich das zugehörige Drehbuch zum Film verfasst hat, versucht sich in „The Thaw – Frozen“ an einem Mix aus ökologischer Botschaft, die allerdings mehr Mittel zum Zweck ist, Thriller und Insekten-Schocker mit einigen deftigen Szenen. Als prominentes Zugpferd der Besetzung fungiert dabei Val Kilmer, der jedoch nur in wenigen Szenen zu sehen ist. Mit anderen Worten: Wer mit den Gedanken spielt sich den Film wegen Kilmer anzusehen, kann sich den getrost schenken. Und um an dieser Stelle mal das Fazit vorweg zu nehmen: Alle Anderen eigentlich auch, denn schneller als man den Film gesehen hat, hat man ihn auch schon wieder vergessen.


Die Erwärmung der Erde führt bekanntlich dazu, wer hätte das gedacht, dass das Eis der Arktis und Antarktis immer mehr zusammenschmelzt und damit Dinge freigibt, die besser im Verborgenen geblieben werden. Als Dr. Krupien (Val Kilmer) mit seinem Team im Rahmen einer Forschungsexpedition in der kanadischen Arktis ein gut erhaltenes Mammut entdeckt, ist die Freude zunächst riesengroß. Doch schon bald stellt sich heraus, dass in dem Mammut eine tödliche Gefahr schlummert, die sich für den Menschen zu einer handfesten Bedrohung auswachsen kann, sollte sie die Einöde verlassen. Aus dieser Perspektive ist es außerordentlich ungünstig, dass sich just in diesem Moment eine Gruppe von Studenten, darunter auch die Tochter von Krupien (Martha MacIsaac) auf dem Weg in die Arktis befinden. Dort angekommen finden sie niemanden vor, nur einen toten Eisbären. Am nächsten morgen zeigen die ersten Studenten Wunden von Insektenstichen. Der Auftakt zu einem Kampf auf Leben und Tod mit den Gewalten der Natur.


Ekelhafte Käfer, die sich in den Menschen einnisten, um dann effektvoll aus allen Diesem wieder heraus zu krabbeln, sind wohl ein Klassiker des Films. Und wenn etwas schon unzählige Male erzählt worden ist, muss sich jeder nachfolgende Film um Innovation bemühen, damit er nicht in der Masse der Beliebigkeit verschwindet. Leider sind in „The Thaw – Frozen“ derlei Neuerungen, die den Film ein wenig beleben würden, nicht wirklich zu finden. Außer dem standardisierten Dezimieren der Gruppe, dem einsetzenden Psychospielchen im Angesicht des Todes, sowie einigen blutig-ekligen Momenten, ist Marc A. Lewis nicht wirklich viel für seinen Film eingefallen. Immerhin muss man „The Thaw – Frozen“ zugestehen, dass er wenigstens versucht sich für den Spannungsaufbau Zeit zu nehmen. In Anbetracht der Tatsache jedoch, dass der der Film in etwa so viel Leidenschaft für seine Sujet mitbringt, wie ein Faultier auf Valium, kommt dies auch einer steten Gratwanderung zur gepflegten Langeweile gleicht. Von den Darstellern ist somit nicht sonderlich viel zu erwarten, die ihr Programm dann in den meisten Fällen routiniert runterspielen. Und unter dem Gesichtspunkt, dass Val Kilmer in seiner Rolle völlig lustlos und uninspiriert wirkt, ist es wohl ein Glück das dieser nur in wenigen Szenen zu sehen ist.


Einzig die Prämisse des Films, die an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden soll, bietet zumindest ein wenig Potential. Dies wird dann aber - man möchte schon fast sagen konsequenterweise - nicht wirklich ausgenutzt. Punkten kann der Film dann immerhin auch noch auf der Ebene der Identifikationsmechanismen, den es gelingt ihm relativ schnell aus der potentiellen Opfergruppe die Personen herauszuschälen, mit denen das Publikum mitfühlen kann. In der Summe jedoch reicht das einfach nicht, um „The Thaw – Frozen“ zu einem Film werden zu lassen, der sich von dem Genre-Einerlei absetzt. Dabei kann man noch nicht einmal behaupten, dass der Film langweilig im eigentlichen Sinne wäre, solide Unterhaltung wird ja geboten und doch: Irgendwie hat man sich da in der Summe doch mehr von diesem Projekt versprochen, als der letztliche Film dann schließlich dem Zuschauer offeriert. Schade eigentlich. Und so bleibt am Ende dann nur noch zu konstatieren, dass auch die von Lewis ventilierte Message des Films (Wenn sich die Menschheit nicht ändert, hat sie es nicht anders verdient), nicht wirklich zu überzeugen weiß. - Fazit: 5,5 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Thaw - The Frozen". © 2009 Ascot


FFF - Rezension: "Sexykiller"















Männer sind ja so berechenbar und Chauvinisten noch dazu. Jedenfalls sollte kein männlicher Zuschauer, das macht Barbara (Macarena Gómez) schon mal von Beginn an klar, "Sexykiller" mit der Hoffnung besuchen, einen jener typischer Genre-Filme zu sehen, in der junge Frauen von einem Psychopathen reihenweise um die Ecke gebracht werden. In diesem Film, das ist ja wohl klar, tötet nur Eine: Barbara. Warum? Naja, das sei ja sowieso schon mal völlig egal. Die entscheidende Frage sei viel mehr: Warum nicht? Es ist nicht zuletzt der inszenatorische Handgriff des Regisseurs Miguel Marti von Beginn an die Dimensionen zu brechen und seine Protagonistin, die sich der Kamera und des Zuschauers somit völlig bewusst ist, direkt zum Publikum sprechen zu lassen, der von Beginn an aufgeht. Man merkt schnell, dass die an "Sexykiller" Beteiligten darüber nachgedacht haben, was sie an dieser Stelle für einen Film drehen wollen und sich nicht nur darauf beschränkt haben ihre Hauptdarstellerin in ein möglichst knapp geschnittenes Outfint zu stecken. Doch bevor jetzt an dieser Stelle allgemeine Verunsicherung aufkommt: Keine Panik, "Sexykiller" hält auch in dieser Hinsicht was der Titel verspricht. Aber zurück zum Wesentlichen, und da soll ja begründet werden, warum man schnell erkennen kann, dass man bei "Sexykiller" seinen Spaß haben wird. Dies ist nämlich bereits beim wunderschön stimmigen Vorspann abzulesen, so dass in diesem Fall mal wieder eine alte These besätigt worden ist: Wenn sich ein Film schon beim Vorspann Mühe gibt, dann ist die Chance groß, dass man sich auch vom Rest einiges versprechen kann.


Auf den ersten Blick ist Barbara eine ganz normale Medizinstudentin mit einer Schwäche für Barbies gelacktem Freund Ken. Und so man sollte es tunlichst vermeiden, diesen in der Gegenwart Barbaras als schwul zu bezeichnen. Dann kann es nämlich passieren, dass man am nächsten Morgen nicht mehr unter den Lebenden verweilt. Und von den unerfreulichen Dingen, die Einem blühen, sollte man das Schoßhündchen Barbaras über den Haufen fahren, ist an dieser Stell noch nicht einmal die Rede gewesen. Da es also ziemlich einfach ist die heißblütige Ibererin zur Weißglut zu bringen, sieht sich das sonst so friedliche Universitätsstädchen mit einer ellenlagen Mordserie konfrontiert, die es für die Ermittler zu lösen gilt. Doch die Polizei tappt bei ihrem Ermittlungen unentwegt im Dunklen, sind ihre Experten doch der Meining, dass der Täter männlich, groß, sowie zwischen dreißig und vierzig Jahre alt sein muss. Erst ein Experiment zweier Medizinstudenten erweist sich als geeignet ein wenig Licht in die Angelegenheit zu bringen. Einstweilen also genug Zeit für Barbara dem geneigtem Publikum ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die eigentlich einen ganz normalen Anfang genommen hat.


Um es mal in einem Satz auf den Punkt zu bringen: "Sexykiller" ist ganz ganz gewaltiger Schwachsinn, aber der macht zumindest in der ersten Hälfte unfassbar viel Spaß. Da wird "I'm a barbie girl, in the barbie world" ein ums andere geträllert, während sich Barbara die dicken Wummen in die modisch-glitzernden Holster steckt, um ihrer blutigen Arbeit nachzugehen. Und blutig ist "Sexykiller" in der Tat, der sich somit wohltuend von seinen im Zuge einer FSK-12 Freigabe glattgebügelten Artverwandeten unterscheidet. "Sexykiller" will böse sein, ist böse, weiß um seine Bösartigkeit und hat keine Hemmungen diese auch gebührend zu zelebrieren. Miguel Marti ist sich seiner (vor allem männlichen) Zielgruppe wohl bewusst und bedient gekonnt deren Erwartungen. Nebenbei gefällt die spanische Produktion aber auch mit seinen zahlreichen Anspielungen, Reminiszenzen und Parodien auf das Genre. Das die Narration dabei nicht immer luzide, sondern durchaus sprunghaft ist, kann durchaus verschmerzt werden. Getragen wird der Film dabei vor allem durch eine völlig enthemmt aufspielende Macarena Gómez, die an ihrer Rolle sichtlich Spaß gefunden hat und mit Verve damit beschäftigt ist notgeilen Professoren den Absatz ihrer Stilletos bis zum Ansatz in die Schläfe zu rammen, oder schlechte Liebhaber mit einer Plastiktüte über den Kopf ausgestattet per gepflegtem Tritt in den Hintern aus dem dritten Stock zu befördern. Wenn das mal nicht am Ende Emanzipation in ihrer Reinkultur ist.


Leider übernimmt sich "Sexykiller" dann in der zweiten Hälfte ein wenig was die Bandbreite der aufgegriffenen Themen angeht. Relativ unvermittelt wird dann nämlich aus dem ohnehin schon hanebüchenen Schwachsinn, noch groteskerer Schwachsinn, wenn sich der Streifen unvermittelt von der Serienkillerin-Biographie zur ultimativen Zombieshow wandelt. Im letzten Teil des Films darf dann also auch noch diesem Genre gehuldigt werden. Dies allerdings funktioniert bei weitem nicht mehr so gut, wie noch in der ersten Hälfte von "Sexykiller", mit dem Ergebnis das der Film dann doch etwas an Fahrt verliert. Im Übrigen müßig zu erwähnen, dass natürlich auch Barbara nur ein ganz normales Mädchen ist, dass nach der einen großen Liebe strebt, oder doch nicht? Der Abschluss des Film, der vor dem aufgegangenem Mond ein wenig anders als sonst ausfällt und in einem schön stilisierten Bild endet, hinterlässt dann noch mal einen ganz besonderen positiven Eindruck von "Sexykiller" mit dem man viel Spaß haben kann, wenn man dazu bereit ist sich auf diesen Nonsens einzulassen. - Fazit: 7,5 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Sexykiller". © 2009 Tiberius


FFF - Rezension: "Trick'R Treat"















Am 31. Oktober wird überall in den USA Halloween gefeiert. Ausgehöhlte Kürbisse, ausgelassene Festivitäten, und nicht zuletzt das tradionelle "Trick or Treat" (zu Deutsch: "Süßes oder Saures") gehören dabei zum klassischen Kanon der gruseligen Feier. Auch wenn Halloween mittlerweile ebenso zu einer kommerzialiserten Veranstaltung verkommen ist wie zum Beispiel Weihnachten, so hat der ganze Spaß natürlich auch seinen historischen Hintergrund. Einst glaubte man das am 31. Oktober, dem Ende der jährlichen Erntesaison (deswegen auch die Kürbisse), die Grenzen zwischen der Welt der Lebenden und der Toten verschwimmen. Und damit die Toten nicht von den Lebenden Besitz ergreifen, versuchte man sie mit allerlei Opfergaben und rituellen Festen zu besänftigen. Mittlerweile werden wohl keine Geister mehr besänftigt, höchstens kleine Quälgeister, die sich von den Erwachsenen die Taschen mit Süßigkeiten füllen lassen, damit diese von den sonst obligatorischen Streichen der Kleinen verschont bleiben.


Vor diesem Hintergrund hat sich Michael Dougherty bei seinem Regiedebut einen kleinen aber feinen Film einfallen lassen, der vor bitterbösen, dabei aber auch zugleich überaus erheiternden Momenten nur so strotz. Weniger als durchgängige Geschichte angelegt, sondern viel mehr als ineinander verwobener Episodenfilm reüssiert "Trick' R Treat" als gelungener Mix aus harmlos anmutender kunterbunter Bonbon-Optik und geschmacklos-blutigen Elementen. Und so erleben ein verliebtes Pärchen, eine Gruppe nach Mutproben strebender Kinder, ein seltsamer Vater und sein noch seltsamerer Sohn, nebst dem Halloween hassenden Nachbarn, sowie eine Horde notgeiler junger Frauen, am diesjährigen Hallowenn überaus saure Überraschungen. Die Prämisse des Films ist dabei ebenso genial, wie simpel: An Halloween sieht dich keiner sterben.


Und es ist in der Tat schon von einer herrlichen Skurillität gekennzeichnet, wenn sich ein blutverschmiertes Opfer auf der Suche nach Hilfe mitten durch die Menschenmassen der Parade schleppt, aber niemand von dem armen Mädchen Notz nimmt, weil sowieso jeder im Rahmen seines Konstüms mit (Kunst)Blut besudelt ist. Vor allem lebt "Trick' R Treat" von dem Gespür seines Regisseurs, der mit den gängigen Genre-Erwartungen des Zuschauers spielt, um sie dann ironisirend zu brechen. Es gibt mehr als einen Moment wo man das Eine ganz klar erwartet, dann aber etwas völlig anderes heruaskommt, was nicht weniger, sondern wahrscheinlich sogar umso lustiger ist. Bei all den guten Ansätzen verliert der Film jedoch in der zweiten Hälfte ein wenig an Schwung, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass er seine besten Episoden schon zu Beginn in die Wagschale geworfen hat. Dies aber ist dann in der Tat Jammern auf ziemlich hohem Niveau, entpuppt sich "Trick' R Treat" in der Summe doch als ein recht aufgeweckter Spaß, der nach dem eher durchschnittlichem Trailer so nicht unbedingt zu erwarten war.


Dieses Lob verdient sich "Trick' R Treat" auch deshalb, weil sich der Film nicht auf die im Genre der Horror-Komödie, und dies ist "Trick' R Treat" ohne jeden Zweifel, manchmal so beliebten Kotz- und Fäkalwitze beschränkt. Diese werden zum Glück schnell hinter sich gelassen, so dass Doughertys Debut auch keinesfalls mit der "Scary-Movie"-Reihe in Verbindung gebracht werden sollte, die sich gerne böse gibt, während "Trick' R Treat" tatsächlich böse ist. Dabei kann dieser kleine Halloween-Spaß sogar mit einer Riege von Darstellern aufwarten, von denen zumindest zwei einem größeren Publikum bekannt sein dürfte: Brian Cox und Anna Paquin. Gerade Letztere, bekannt als Roque aus "X-Men", weiß als verschüchterter Rotkäpchenverschnitt zu Gefallen, die auf der Suche nach einem etwas Anderem "Ersten Mal" ist.


Insgesamt weiß "Trick' R Treat" somit wirklich zu überzeugen: Sowohl das Setting, die Atmosphäre, als auch der im Film immer wieder eingestreute tiefschwarze Humor, der fast britische Töne erkennen lässt, bilden in der Summe ein ganzes Sammelsurium an guten Gründen, dem Film beim nächsten Halloween-Fest eine Chance zu geben. Das Publikum sah das im Übrigen ähnlich: "Trick' R Treat", der beim Fantasy Filmfest in der "Fresh Blood"-Rubrik antritt, wurde während und vor allem nach dem Film, mit mehr als nur warmen Applaus bedacht. Und dem ist dann in der Tat nichts mehr hinzuzufügen. - Fazit: 7,5 von 10 Punkten.


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Trick'R Treat". © 2009 Warner Bros.


Vorschau: Trailer zu "Avatar"

Natürlich komme auch ich nicht um ein paar Worte zu James Camerons neuen Streifen „Avatar“ herum. Um ehrlich zu sein ist mir das sogar alles ein wenig suspekt. Was ich so halb verschlafen habe, hat in den letzten Tagen die gesamte Filmwelt erschüttert: Es gab den ersten Trailer von „Avatar“, dessen Downloads im Moment alle Rekorde bricht. Und nicht nur das: Man durfte sich die ersten 20 Minuten des Streifens ansehen. Ich bin schwer beeindruckt (Ironie!). Was wird im Moment in diversen Kommentaren nicht alles von einer Revolution des Kinos geredet. Ich habe heute einen schönen Kommentar gelesen (weiß leider nicht mehr wo, und bin zu faul zu suchen), dass angekündigte Revolutionen niemals eintreten werden. Treffender Satz wie ich finde. Also behalten wir doch mal die Kirche im Dorf, bis es mit „Avatar“ so weit ist und er in Gänze zu sehen ist. Es hilft nämlich auch nichts, wenn Cameron über seine Bilder die zugehörige Geschichte vergisst. Ich persönlich bin der Meinung das der Trailer ganz nett aussieht, mehr aber auch nicht. Warten wir es halt mal ab und ich wäre übrigens der Letzte der sich beschweren würde, wenn es doch die Revolution gibt.


Quelle: TrailerAddict


FFF - Rezension: "Newsmakers"















Die Amerikaner stehen ja nicht ganz zu Unrecht in dem Ruf gefühlte alle zwei Monate einen erfolgreichen Vertreter des asiatischen Kinos in Form eines zumeist eher suboptimalen Remakes zu verwursten. Das sich aber auch das russische Kino in der Verwertung bekannter Stoffe versteht, das beweist sich mit der russisch-schwedischen Co-Produktion "Newsmakers" unter der Regie von Anders Banke. Grundlage für den Film ist Johnnie Tos 2004 in Cannes ausgezeichneter "Breaking News", dessen Geschichte "Newsmakers", folgt man den gängigen Inhaltsangaben, quasi eins zu eins übernommen hat. Wie so oft kann man nun natürlich die Frage stellen, ob es dieses Remake gebraucht hätte, und wärend die Anhänger von Johnnie To dies mit Sicherheit verneinen werden, ist diese Frage zumindest für den Zuschauer, dem "Breaking News" unbekannt ist, von nachrangiger Bedeutung.


Das die Dinge selten wie geplant laufen, dass muss auch der Moskauer Undercover-Agent Smirnov (Andrei Merzlikin) mal wieder feststellen. Zusammen mit seinem Team steht er kurz vor dem Zugriff auf eine berüchtigte Gangster-Bande unter der Führung des sogenannten Herman (Yevgeni Tsyganov), als ihm plötzlich zwei russische Verkehrspolizisten einen Strich durch die Rechung machen. Diese nämlich wollen die schweren Jungs wegen Falschparkens abkassieren und schneller als ein Russe "Wodka" buchstabieren könnte, entwicklet sich auf der Straße eine waschechte Schießerei, die zu allem Überfluß live im Fernsehen zu sehen ist. Der Kreml tobt, denn nicht nur das die Kriminellen entwischen konnten, und mehr als nur ein Polizist im Kugelhagel umgekommen ist, nein im Fernsehen sind auch noch Bilder von flennenden russischen Polizisten zu sehen. Dieses PR-Desaster muss schnellstens beseitigt werden und so wird dem hiesigem Polizeichef ordentlich Feuer unter dem Hintern gemacht diese Blamage auszumerzen. Dieser lässt sich schließlich von seiner jungen PR-Beauftragten Katya (Mariya Mashkova) davon überzeugen , seine Spezialeinheiten mit Kameras auszustatten und zu Stars einer Reality-Show im Kampf gegen das Verbrechen zu stiliseren, welche das Bild der Polizei in der Öffentlichkeit ordentlich aufpolieren soll.


Was sich in den ersten Minuten von "Newsmakers" als ballernde Dauerorgie ankündigt, entpuppt sich schnell als durchaus gelungene Mediensatire, was in Anbetracht der Vorlage von Johnnie To nicht gerade überraschend ist. Das es aber auch die russische Adaption verstanden hat, diesen Geist des Films zu konservieren, verdient Anerkennung. Trotzdem wird natürlich immer wieder aus allen Rohren und Kalibern geschossen das es nur so kracht. Gerade die Eingangszene besicht dabei durch ihr hohes Tempo. Neben den im Genre gängigen Charakterzeichnung der Outlaws, die bei aller krimineller Energie für den Zuschauer stets einen sympahtischen Zug in sich tragen, sind es vor allem zwei Figuren die nicht ohne Reiz sind: Zum einen den altmodischen Haudegen Smirnov und zum anderen Katya, deren gekleidete Erscheinung irgendwo zwischen Uniform und Sommerkleid ein gewisser Sexappeal nicht abzusprechen ist. Das sich "Newsmakers" selbst nicht allzu ernst nimmt, zeigt sich dabei nicht zuletzt in dem Humor, der den gesamten Film stets durchzieht.


Am gelungensten sind jedoch ohne Zweifel jene Szenen, die sich direkt mit der Medienkritik beschäftigen. Wenn die russischen Spezialeinheiten den Wohnblock stürmen, was von den Bewohnern mit der lakonisch-bissigen Bemerkung bedacht wird, das ja allgemein bekannt sei, wie Operationen der russischen Spezialeinheiten enden, und die russische Staatsmacht dann auch folgerichtig von den Gangstern in Stücke geschossen wird, und dies dann mit Hilfe medialer Berichterstattung als Sieg verkauft wird, dann ist das schon mal ziemlich komisch. Noch komischer wird es allerdings, wenn Herman dann mit einem während des Angriffs gedrehten Handyvideo, das er ins Netz stellt und in der Folge von allen Anstalten ausgestrahlt wird, den medialen Gegenangriff startet. Selbst als Kataya die Ganoven als herzlose und brutale Kriminelle stilisert, wird dies flugs durch von der anderen Seite korregiert, in dem man sich der Welt beim fröhlichem Dinner mit den Geiseln präsentiert . Was Kataya unverzüglich dazu veranlasst, auch die russischen Einsatzkräfte medienwirksam mit Leckereien zu versorgen.


Irgendwann wird dann aber natürlich doch auf die altmodische Art und Weise gestürmt, nachdem sich der Einsatz doch mal wieder – anders als vorgesehen – zum PR-Desaster entwickelt hat. Der Abschluss des Films ist dann letztendlich wenig überraschend. Bis dahin jedoch hat man in "Newsmakers" einen Film gesehen, der durchaus zu unterhalten weiß, auch wenn einige Schwächen gerade auch in Bezug auf die letzlich doch sehr vorhersehbare Handlung und die in der Summe wenig ausgereiften Charaktere, nicht zu leugnen sind. Wie der Film gerade in diesen Punkten im Vergleich zum Original "Breaking News" abschneidet, kann an dieser Stelle in Folge mangelnder Kenntnis der Vorlage nicht beurteilt werden. Last but not least wäre dann noch die Frage zu stellen, ob sich der Kreml ob der lächerlichen Zeichnung großer Teile seiner Einsatzkräfte in "Newsmakers" über diesen Film übermäßig gezeigt hat. Ich vermute, dass dies getrost bezweifelt werden kann. - Fazit: 6 von 10 Punkten


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Newsmakers". © 2009 Film i Väst


FFF - Rezension: "Paintball"










Paintball ist ja zur Zeit in aller Munde. Das umstrittene Spiel mit dem Krieg, das ohne Krieg dafür aber mit Farbe daherkommt, ist gerade auch in Deutschland zum Gegensatand heftiger poltitischer Diskussionen geworden. Einige Politiker liebäugelten, wie auch schon im Fall der sogenannten "Killerspiele", mit einem Verbot, denn diese Form des Sports sei nicht zuletzt sittenwidrig, da das Töten von Menschen similiert werde. Dazu mag jeder stehen wie er will, und doch kann und will sich die vorliegende Rezensuion in ihren einführenden Worten eines politischen Kommentars nicht enthalten, denn es muss einen schon ziemlich verwundern, wie schnell die politischen Granden dieses Landes ihr Bauernopfer gefunden hatten, während die Schützenvereine, die ihre Mitglieder immerhin mit scharfen Waffen hantieren lassen, recht schnell aus Diskussion verschwanden. Aber nun genug der nachdenklichen Worte, denn immerhin soll es an dieser Stelle um die Besprechung von "Paintball", einer spanischen Produktion unter der Regie von Daniel Benmayor, der seinen Film in den Wäldnern Spaniens im weitesten Sinne als Mischung von Slasher und Saw'scher Versuchsanordnung anlegt.


Was Menschen dazu bewegt Krieg spielen zu wollen, mag sich wohl nicht Jedem erschließen. Letzlich wird es wohl eine Mischung aus dem Spaß am Nervenkitzel und Adrenalinaustoß, Teamgeist und dem sportlichem Ehrgeiz geschuldet sein, dass sich überall auf der Welt Menschen sämtlicher gesellschaftlicher Schichten – vom Manager bis zum Studenten – mit Farbe beschießen. So geht es auch den Protagnositen im Film, die rund um ihren Anführer David (Brendan Mackey) zum lustigen "Capture the Flag"-Spiel im Wald abgesetzt werden. Es herrscht Freude aller Orten über die Aussicht in den folgenden Stunden Krieg zu spielen, ohne die im Krieg unerfreulichen Nebenwirkungen wie etwa Verletzungen oder gar den Tod. Damit aber, dass irgendjemand ohne ihr Wissen den Beipackzettel geändert hat, konnten sie in der Tat nicht rechnen. Umso größer ihr Schock, als ihnen plötzlich nicht mehr nur Farbkugeln um die Ohren fliegen, sondern scharfe Muntion. Vielleicht hätten sie sich doch im Vorfeld für etwaige Risiken und Nebenwirkungen an ihren Veranstalter wenden sollen.


"Paintball" versteht es zu Beginn ohne jeden Zweifel die Dynamik des Spiels, als auch die sich schnell herausbildenden Hirarchien innerhalb der Teammitgleider, die sich im Vorfeld noch unbekannt waren, zu skizzieren und reüssiert somit in dem Versuch einen stimmungsvollen Aufgalopp in das letzendlich blutige Abenteuer zu schaffen. Die von Daniel Benmayor eingesetzte Handkamera mit ihren verwackelten Bilder passt ohne jeden Zweifel sowohl zum Setting, als auch zu der im Film erzeugten hektischen Athmosphäre und doch: Je länger der Film dauert, desto mehr beginnt einen diese Perspektive zu nerven, denn letztlich ist in der Inszenierung des Films keine klare Linie zu erkennen. Dies gilt im weitesten Sinne auch für die Handung des Films. Es wurde im Vorigen bereits schon mal angedeutet, dass der Prämisse des Films eine Art ehtnologischer Versuchsanordnung zu Grunde liegt, an der sich unbeteiligte Beobachter erfreuen. Der Grund dieses diabolischen Spielchens bleibt allerdings ebenso im Unklaren, wie die Frage nach den Drahtziehern.


Dies wäre nicht weiter bedauerlich, würde es "Paintball" gelingen aus seinem Inhalt das Optimum herauszukitzeln. Die Psychospielchen innerhalb der Gruppe, die auf Grund der lebensbedrohlichen Situation zwangsläufig mit dem Resultat einsetzen müssen, dass das Teamplay zu Gunsten der alten Maxime "Jeder ist sich selbst der Nächste", abgelöst werden, wird leider nur rudimentär angedeutet. Stattdessen setzt "Paintball" im Zuge der Dezimierung der Gruppe verstärkt auf den blutigen Effekt. Perfide Fallen erinnnern ebenso unweigerlich an "Saw", wie auch die Idee des Films an sich. Die nur rudimentär entwickelte Geschichte hat auch zur Folge, dass sich die Charaktere im Film nur wenig entwickeln können. Am ehesten trifft dies noch auf den zweifelhaften Anfürher des Teams zu (David), der Rest allerdings bleibt relativ blass, so dass irgendwann außer Schreien und Weinen nicht mehr viel über bleibt. Das ist insbesondere dahingegend bedauerlich, da jeder Film seine Idendifikationsfiguren braucht, um funktionieren zu können. Diese sind jedoch "Paintball" auf weiter Flur kaum zu finden.


Letzlich ist Benmyors "Paintball" in der Summe ein leidlich unterhaltsamer Spaß geworden, der trotz seiner nur 90 Minuten Spielzeit gerade gegen Ende hin einige Längen aufzuweisen hat. Zu Gefallen hingegen wissen einige inszenatorische Ideen, die den Film auch bewusst an die Optik von Egoshoortern annähern, es jedoch gerade hinsichtlich der verwacketelten Kameraeinstellungen übertreibt. Die blassen Leistungen der Darsteller können somit ohne Weiteres auch auf den Rest des Films übertragen werden. Irgendwann ist es dem Zuschauer relativ egal, wer von den Protagonisten lebt, und welcher stirbt. Und das ist für gewöhnlich kein gutes Zeichen. - Fazit: 4 von 10 Punkten


Rezension erschienen bei Wicked-Vision


Quellennachweis: Abbildungen aus "Paintball". © 2009 EMS


TV-Empfehlungen für die Woche vom 24.08.09 - 30.08.09

Der Eine oder Andere wird über meine letzten Tweets schon mitbekommen haben, dass ich zur Zeit quasi im Kino lebe (Der Satz klingt irgendwie beängstigend). Für die Wicked-Vision bin ich zur Zeit in Sachen Fantasy Filmfest unterwegs, in dessen Zuge ich mir gut 20 Filme in wenigen Tagen zu Gemüte führen werde, nebst zugehöriger Besprechung selbstverständlich. Das ist im Übrigen mein erstes Filmfest und ich muss sagen, dass mir die Athmosphäre bei den Filmen – es wird bei guten Szenen richtig mitgegangen – wirklich gut gefällt.


Und ich habe gelernt, dass man auch im Hochsommer immer noch eine Überjacke dabei haben sollte, da es im Kinosaal dank modernster Klimatechnik arschkalt werden kann, so das nun die absurde Situation eingetreten ist, dass ich meine Stoffjacke beim Betreten des Kino anziehe, und wieder ausziehe wenn ich aus dem Kinosaal wieder raus bin. Wie dem auch sei: Das Fantasy Filmfest hat auch Auswirkungen auf diesen Blog. Nicht nur, dass ich diesen demnächst mit zahlreichen Besprechungen fluten werde, auch die dieswöchige TV-Vorschau muss reduzierter als sonst ausfallen, da ich diese Woche einfach nicht die Zeit habe unzählige Widerholungen aufzulisten.


Aber zum Glück gibt es ja noch die Kollegen beim "Zeitverschwender", bei "Blockbuster-Entertainment", "Hard Sensations", sowie "Intermoviession" auf die ich diese Woche ganz besonders hinweisen möchte. Schaut also einfach dort vorbei. Die kommende Woche bitetet zahlreiche brauchbare Wiederhlungen über Hitchcock und Kubrick, bis hin zu TV-Premieren wie zum Beispiel "The Good German" (Freitag 22.30 Uhr, ZDF) der allerdings nur eingeschränkt zu empfehlen ist, da der Film über seinen zahlreichen Zitate vergisst seine Geschichte zu erzählen. Die Blanchett ist trotzdem toll. Highlight der Woche ist dann aber ohne jeden Zweifel "Leaving Las Vegas" (Mittwoch 00.35 Uhr, ARD) mit Nicolas Cage und Elisabeth Shue. Auf den Film lasse ich nichts kommen, für mich einfach ein ganz, ganz großes Meisterwerk. So, das wars dann erst mal wieder.




Vorschau: "Cirque Du Freak: The Vampire's Assistant"

Holy Smoke! Ich kann mich gerade echt nicht entscheiden, ob ich das, was ich da sehe, wirklich absolut großartig, oder aber im gleichen Maße bescheuert finden soll. Der Trailer von „Cirque Du Freak: The Vampire's Assistant“ ist in der Tat ganz schön freakig, was in Anbetracht des im Trailer angebotenen Gruselkabinetts nicht wirklich weiter zu Überraschen vermag. Abseits dessen haut mich der im Trailer angedeutete Crash-Lehrgang à la How to life... as a Vampire nicht von den Socken. Andererseits: Salma Hayek, Ken Watanabe & Wilem Dafoe. Auch wenn die erwähnten Damen und Herren wohl nur in Nebenrollen zu sehen sein werden: Do I have to say more? Regie führt übrigens Paul Weitz („About a Boy“, „American Dreamz“). Mal sehen was letztendlich draus wird.


Quelle: TrailerAddict


TV-Empfehlungen für die Woche vom 17.08.09 - 23.08.09

Montag, 17.08.09

Die Firma“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Sydney Pollack's Adaption des gleichnamigen Romans von John Grisham. Aufstrebender Jung-Anwalt (Tom Cruise) gerät in einen Strudel von Gewalt und Korruption. Durchaus spannend gemacht, weiß dieser Film mehr als einfach nur zu Überzeugen. Highlight des Films ist dann Gene Hackman, der wie so oft den Bad Guy geben darf (oder muss).


Eine Dame verschwindet“ (MDR, 22.55 Uhr)

Früher Hitchcock von 1938, der dann logischerweise noch in der britischen Schaffensphase des Regisseurs entstand. Ist einer der Hitchcocks den ich noch nicht gesehen habe. Bin gespannt.


Dienstag, 18.08.09


Psycho“ (NDR, 23.00 Uhr)

Wer sich im Übrigen die Frage stellt, warum soviel Hitchcock im Fernsehen zu sehen ist: Der Brite hätte in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag gefeiert. Aber nun zu „Psycho: "Psycho" ist ein Musterbeispiel eines zum Kult gewordenen Psycho-Thriller, ein herausragender Kosmos des Grauens, der unter der Oberfläche so viel mehr beherbergt als nur plumpe seelische und körperliche Gewalt. Oder wie es François Truffaut zu sagen pflegte: "Die ganze Konstruktion des Films kommt mir vor, als steige man eine Art Treppe der Anomalie hinauf. Zuerst ein Beischlaf, dann ein Diebstahl, dann ein Mord, zwei Morde und schließlich Geisteskrankheit." Ein Meilenstein.


Mittwoch, 19.08.09


Muxmäuschenstill“ (HR, 00.00 Uhr)

Selbstzitat: Straftäter kommen mit ihren Taten durch, oder werden nur milde bestraft. So die Auffassung von Mux, einem studierten Philosophen und Idealist. Aber Mux ist nicht untätig, er kämpft gegen den Verfall der Moral und gegen die Unordnung: In der Bahn begibt er sich auf die Jagd nach Schwarzfahrern, in Läden auf die Jagd nach Ladendieben. Auto-Raser werden von ihm angehalten, müssen 100 Euro zahlen und hinterher montiert er ihnen, als pädagogische Maßnahme, das Lenkrad ab. Graffiti-Sprayern sprüht er die eigene Farbe ins Gesicht. All dies wird im Übrigen auf Video festgehalten, zur öffentlichen Abschreckung. […] Alles in Allem ist „Muxmäuschenstill“ ein mutiger, wichtiger Film mit gesellschaftlicher Relevanz. Als Satire funktioniert dieser jedoch nur eingeschränkt.


Donnerstag, 20.08.09


Johnny Englisch“ (Vox, 20.15 Uhr)

Der ist so schlecht, dass man dazu überhaupt keine Worte finden kann. Rowan Atkinson hätte bei Mr. Bean bleiben sollen, und selbst dessen Ausflüge auf die große Leinwand wären der Welt besser erspart geblieben.


Freitag, 21.08.09


Scoop – Der Knüller“ (ZDF, 22.35 Uhr)

Woody Allen führt in „Scoop“ nicht nur Regie, sondern ist auch mal wieder selbst auf der Leinwand zu sehen. Das tut dem Humor in „Scoop“, der sich – der Titel sagt es ja bereits – um eine potentielle große Schlagzeile dreht, sichtlich gut. Woody Allen, Scarlett Johansson, sowie Hugh Jackman haben dabei sichtlich Spaß an ihren Rollen. Schöne, aber nicht überragende Screwball-Komödie


Samstag, 22.08.09


Pathfinder – Die Fährte des Kriegers“ (RTL, 22.05 Uhr)

Glaubt man dem gängigen Meinungsbild zum Film, dann ist diese Wikinger-Geschichte phänomenaler Schrott. Ich sehe keinen Grund an diesen Einschätzung zu zweifeln, so dass ich um die Nordmänner einen großen Bogen machen werde.


The Big Lebowski“ (RTL II, 23.55 Uhr)

Herzlich willkommen und frisch hereinspaziert in die skurrile Welt des Dude und der Coen-Brüder. Was sich in diesem Film über den Zuschauer ergießt, ist nichts anderes als ein Mix seltsamer Personen, grandiosen Traumsequenzen, schrägen Gags, sowie einem virtuosen Score. „The Big Lebowski“ ist anders als andere Filme, beziehungsweise Komödien. Der Streifen hält sich nicht an Konventionen: Er spielt mit dem, was die Menschen als „normal“ bezeichnen würden, und lässt es ins Skurrile abgleiten.


Sonntag 23.08.09


Flo's „Geheimtipp der Woche“: „Wild America“ (Pro 7, 10.15 Uhr)

Basierend auf wahren Begebenheiten klingt hier etwas plakativer, als nötig wäre. Drei Natur-affine Brüder (nennenswert Devon Sawa und Jonathan Taylor Thomas) machen sich mit einer Kamera ans lokale Filmemachen. TV Movie meint: "Ideenreiche Story und eindrucksvolle Naturaufnahmen", davon kann ich eher Letzteres wie Ersteres unterschreiben. Ein netter Film, der sich Sonntag Vormittags zu Croissants und Marmelade gut wegschauen und einen darüber philosophieren lässt, dass man auch mal Campen sollte. So im Freien und so. Für einen Thomas-Fan wie mich natürlich Pflicht.


Apocalypto“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Ich kann mir zwar sehr gut vorstellen, in welche Richtung dieser Maya-Schinken unter der Regie von Mel Gibson gehen wird, immerhin lässt Gibson sein Weltbild bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit raushängen, interessieren tut mich der Streifen aber trotzdem.


Gothika“ (Pro 7, 22.30 Uhr)

Steht bei mir immer noch ungesehen im Schrank, die durchwachsenen Rezensionen haben mich bislang immer davon abgehalten einen Blick zu riskieren. Dabei muss man sich in der Tat fragen, was bei einem Film mit Halle Berry, Penelope Cruz und Robert Downey Jr. Wirklich schief gehen kann.


Very Bad Things“ (RTL II, 02.25 Uhr)

Wird in letzter oft mit „Hangover“ verglichen, was aber meiner Meinung nach einem Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen gleichkommt. Freilich, beide Teilen die gleiche Ausgangslage (Junggesellenabschied in Las Vegas), doch während der Eine (Hangover) mehr launige Komödie ist, die niemandem wehtun will, ist der Andere (Very Bad Things) eine ziemlich böse, bissige und schwarze Angelegenheit. Beide Filme funktionieren auf ihre Weise ganz ausgezeichnet.



Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Freitags beim Zeitverschwender und Hard Sensations., sowie Sonntags bei Blockbuster-Entertainment. Und der ganz besonderen TV-Tipp der Woche lässt sich (manchmal) bei Intermoviession finden (ebenfalls Sonntags).


Rezension: "Public Enemies"














Das diesjährige Kino hat es offensichtlich mit den Staatsfeinden. Vor einiger Zeit begab sich Richet auf die Spuren des französischen Staatsfeind Nummer 1 Jean Jacques Mesrine, der in den Siebziger Jahren Frankreich in Atem hielt („Public Enemy No. 1 Mordinstinkt & Todestrieb) Und nun folgt auch Michael Mann, der sich in seinem neuesten Film „Public Enemies“ der historischen Figur John Dillinger annimmt. Und auch wenn zwischen Mesrine und Dillinger gut fünfzig Jahre liegen, die Parallelen sind zumindest in der medialen Außendarstellung offenkundig, wurden sie doch beide auf Grund ihres charismatischen Auftretens als moderne „Robin Hoods“ bezeichnet und zeichneten sich nicht zuletzt beide für spektakuläre Gefängnisausbrüche verantwortlich. Im Gleichschritt gingen sie auch ihrem Ende entgegen. Beide starben durch die Kugeln der staatlichen Ordnungsmacht, die ihnen stets mehr oder weniger erfolgreich auf den Fersen war. Doch während das französische Kino mit ihrem Gangster-Epos in qualitativer Hinsicht ein gewaltiges Ausrufezeichen setzen konnte, müssen bei Manns „Public Enemies“ eine Menge Fragezeichen zurück bleiben.


Die große Depression, welche die Welt uns insbesondere auch die USA Anfang der dreißiger Jahre fest im Griff hatte, bot den perfekten Nährboden für das Verbrechen. Die Mafia und sonstige Kriminelle halten das Land in Atem und fordern die staatlichen Behörden stets aufs Neue heraus. Einer jener Outlaws ist John Dillinger (Johnny Depp), der mit einigen Getreuen immer wieder die Banken des Landes überfällt. Eingedenk seiner charismatischen Wirkung, vermag es kaum Wunder zunehmen, dass dem Kriminellen schon bald Sympathien innerhalb der Gesellschaft genießt. Doch auch die Staatsmacht bleibt nicht untätig, und setzt seinen besten Mann auf Dillinger an. Der junge und viel versprechenden Agent Melvin Purvis (Christian Bale) hat sich als knallharter Spürhund bewährt und erhält nun seine große Chance. Schon bald entspinnt sich zwischen Jäger und Gejagtem eine furioses und gewalttätiges Katz und Maus Spiel. Und während sich die Schlinge um Dillingers Hals immer enger zieht, vermag selbst die Geliebte des Kriminellen, die junge Billie Frechette (Marion Cotillard), den Ganoven nicht dazu bewegen dem verbrecherischen Treiben ein Ende zu setzen. Dillinger ist sich sicher, dass er der Polizei immer einen Schritt voraus sein wird.


Neue Techniken sind eine gute Sache, wenn man weiß wie und vor allem warum man sie einzusetzen hat. Oder aber anders ausgedrückt: Die Wahl der technischen Mittel sollte immer der Sache dienen, und nicht einfach nur, weil sie vorhanden sind. „Public Enemies“ ist von Michael Mann komplett auf Digital Video gedreht worden, was dem Film nicht sonderlich gut zu Gesicht steht – Gelinde gesagt. Die schnelle, flexible und verwackelte Kamera, die vielleicht zu einem Jason Bourne aus dem 21. Jahrhundert passen mag, wirkt bei diesem Period Piece, das ja auch einen gewissen epischen Anspruch von Natur aus in sich trägt, erschreckend deplatziert. Mit der Entscheidung Manns für DV geht somit Einiges, man möchte fast sagen Alles von dem Flair verloren, was derartige Filme in der Vergangenheit ausgezeichnet hat. Wie man es richtig macht, hat nicht zuletzt Clint Eastwood in diesem Jahr mit seinem Period Piece „Der fremde Sohn“ aus inszenatorischer Sicht eindrucksvoll bewiesen. Und sollte es Michael Mann tatsächlich darum gegangen sein, mit dieser Kameratechnik auch einen optischen Bruch mit dem klassischen Konventionen des Gangster-Genres zu bewirken, so hat er sich dies mit der Geschichte, die er ihn „Public Enemies“ erzählt, von Beginn an verbaut.


Diese nämlich bricht mitnichten mit irgendwelchen Mythen – zumal er diese Nähe mit seinen Verweisen auf das klassische Kino ja auch sucht - sondern hält sich geradezu sklavisch an die für dieses Genre typischen Elemente. Der Film soll einerseits von dem großen Duell zwischen Dillinger und Purvis getragen werden, und andererseits durch die Implementierung der typischen Romanze des Gangsters überzeugen. Narrative Parallelen zwischen Manns Meisterwerk „Heat“ und „Public Enemies“ sind an dieser Stelle unverkennbar. Doch wo „Heat“ das Duell zwischen Jäger und Gejagtem auch in eine höchst eindrucksvolle psychologische Studie kulminieren ließ, versagt „Public Enemies“ in dem Bemühen seinen Figuren Tiefe und Relevanz einzuhauchen. Wie wenig der Film eigentlich zu erzählen hat, zeigt sich vor allem gegen Mitte des Films, als Mann sich darauf beschränkt seinen Film als mit der Zeit nur noch enervierende Ballerorgie zu inszenieren, die nichts mehr mit dem pointierten Einsatz eskalierender Gewalt vorheriger Filme Manns zu tun hat. Dass der Abschluss des Films dann noch in ein völlig konstruiertes romantisch-verkitschtes Ende abgleiten muss, das in feinster DV-Optik die Tränen in Zeitlupe über Billies Augen schwappen lässt, kann nur noch mit blankem Hohn goutiert werden.


Am Undankbarsten ist dieser hart am Abgrund des Desasters wandelnde Film mit Sicherheit für die prominenten Zugpferde von „Public Enemies“. Während Johnny Depp seinen Part mit routinierter Zurückhaltung interpretiert und vor allem mit seinem spitzbübischem Charme zu arbeiten weiß, gelingt es Christian Bale immerhin sich gegenüber seiner dürftigen Leistung als John Connor in „Terminator – Die Erlösung“ wieder zu steigern – Was allerdings auch nicht schwer war. Und es ist dann an der Französin Marion Cotillard in ihrer relativ kleinen Rolle als Geliebte von Dillinger den nachhaltigsten Eindruck zu hinterlassen. In der Summe lässt sich also wenig Positives zu „Public Enemies“ sagen: Die im Grunde grandiose Ausstattung wird durch die völlig deplatzierte Optik ebenso verschenkt, wie auch die Darsteller auf Grund des völlig unzureichenden Drehbuchs, dem es zu keinem Zeitpunkt gelingt eine den Zuschauer wirklich interessierende Geschichte zu vermitteln, in der Luft hängen gelassen werden. Immerhin war die musikalische Untermalung nicht schlecht. - Fazit: 4 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Public Enemies". © 2009 Universal Pictures


 
Creative Commons License
Dieser Blog ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.