Vorschau: Trailer zu "Invictus"

Clint Eastwood. In diesem Jahr hat er sich nach eigenem Bekunden im Zuge von „Gran Torino“ als aktiver Schauspieler von der Leinwand verabschiedet. Zum Glück bleibt uns der smarte Kalifornier aber weiterhin als Regisseur erhalten. Sein neuestes Projekt, so suggeriert es der nun erschienene Trailer, scheint ein Mix aus Bio-Pic über Nelson Mandela und Sport-Film. Wie so oft, so scheint auch in Bezug auf „Invictus“ der Fokus auf den integrierenden Mechanismen des Sports zu liegen. Morgan Freeman als Nelson Mandela und Matt Damon als Spielführer der südafrikanischen Nationalteams im Rugby fungieren in dieser Hinsicht schon einmal als hochkarätige Zugpferde. Man darf gespannt sein wie Clint Eastwood einen Film in Szene setzen wird, der auf den ersten Blick (also nach Sichtung des Trailers) doch sehr konventionell scheint. Schon allein die typische, nach Aufmerksamkeit heischende Ankündigung das „Invictus“ auf einer wahren Begebenheit beruht, lässt in dieser Hinsicht wenig innovatives erwarten. Da an dieser Stelle aber die Rede von einem Clint Eastwood-Film ist, bin ich eigentlich ziemlich guter Hoffnung das der „alte Mann“ das Publikum mal wieder (positiv) überraschen wird.


Quelle: TrailerAddict


TV-Empfehlungen für die Woche vom 26.10.09 - 01.11.09


Montag, 26.10.09

Top Gun“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Man weiß was man bekommt: Eine Hohelied auf die us-amerikanischen Streitkräfte. So What? Wer das richtig einzuschätzen vermag, sieht einen ansonsten durchaus unterhaltsamen Film. Mein Fall war diese Tom Cruise-Fliegershow aber noch nie. Andererseits hätte es ohne den Film das hier nie gegeben.


Die Fälscher“ (3 Sat, 20.15 Uhr)

Im Jahr 2008 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet, wartet „Die Fälscher“ immer noch darauf von mir gesehen zu werden. Vielleicht ja mal ein deutschsprachiger Film über die Schrecken des NS der wirklich gelungen ist.


Mr. und Mrs. Smith “ (Arte, 21.00 Uhr)

Nein liebe Kinder, hier gibt’s keinen Brad und keine Angelina. In einer Zeit in der von Brangelina noch nicht zu reden war, entstand unter der Regie von Hitchcock eine der wenigen Komödien die sich in dessen Gesamtwerk finden lassen. PS: Arte sammelt bei mir langsam aber sicher immer mehr Pluspunkte.


Novemberkind“ (SWR 22.30 Uhr)

Anna Maria Mühe wandelt auf den Spuren der innerdeutschen Teilung. Bin auf jeden Fall sehr gespannt, schon allein deshalb weil sich beim Kollegen Flo Lieb, der den deutschem Film ansonsten sehr kritisch gegenübersteht, für „Novemberkind“ die 8/10 aus der Schublade geholt hat: Novemberkind ist damit einer der besten deutschen Filme des Jahres [2008] und von den Machern selbst wird man sicherlich noch einmal hören.“


Dienstag, 27.10.09


Hudson Hawk“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Kann man sich durchaus ansehen, ich persönlich würde jedoch eher davon abraten wollen. Allerdings auf keinen Fall so schlecht wie es von Teilen der Kritik immer wieder suggeriert wird. Nur eben leider auch nichts was einen wirklich zu begeistern vermag


One Way“ (ZDF, 00.35 Uhr)

Wer es nicht lassen kann und auf Schweigers Hollywood-Eskapaden steht, kann sich den auch schon am Montag um 22.15 Uhr ansehen. Wird ja ganz gerne höhnisch zerrissen. Ob das nun stimmt kann ja jeder selbst herausfinden. Ich allerdings werde den Teufel tun...


Mittwoch, 28.10.09


Army Go Home“ (RBB, 22.35 Uhr)

Angeblich beißende Satire auf die amerikanischen Streitkräfte mit Joaquin Phoenix, Ed Harris und Anna Paquin. Will ich endlich unbedingt sehen, zumal der Film in den USA heftige und teils in Hass umschlagende Reaktionen hervorgebracht haben soll – was dafür spricht, dass die Satire funktioniert.


Red Road“ (Arte, 23.30 Uhr)

Keine Ahnung ob dieser britische Spielfilm von 2005 was taugt. Vertrauen wir einfach mal Arte und begnügen uns an dieser Stelle zunächst einmal mit einer kurzen Inhaltsangabe: „Jackie arbeitet vor den Monitoren der Überwachungskameras Glasgows. Eines Tages sieht sie einen Mann auf einem ihrer Monitore, den sie nie wieder sehen wollte - Clyde. Ihre Vergangenheit holt sie ein.“ - wird prophylaktisch aufgenommen.


Lolita“ (00.20 Uhr, ARD)

Ist nicht das Original von Stanley Kubrick, sondern in dem Sinne das Remake von 1997 mit Jeremy Irons in der Hauptrolle. Der zeichnet sich auch für den ersten von zwei Gründen verantwortlich warum ich mir den mal ansehen möchte. Zweitens bin ich durchaus neugierig ob und was sich der Film in der Darstellung – immerhin liegen dreißig Jahren zwischen den beiden Fassungen – mehr getraut hat, als der Kubrick von 1962.


Donnerstag, 29.10.09


Independence Day“ (Vox, 20.15 Uhr)

Ist wohl mein Lieblingsfilm von Roland Emmerich den ich mir immer wieder ansehen kann. Will Smith und Jeff Goldblum sind einfach nur cool, dazu sieht der Film auch nach über zehn Jahren immer noch großartig aus. Da kann man über den großzügig beigemengten Hurra-Patriotismus auch mal großzügig hinwegsehen.


Dracula“ (Das Vierte, 20.15 Uhr)

Der erste Dracula in Farbe, mit Blut und Fangzähnen. Dazu Christopher Lee und Peter Cushing in Hochform, die das Zentrum in dieser liebevoll ausgestatteten (sehr freien) Adaption der berühmten Romanvorlage bilden. Sehenswert!


The Virgin Suicides“ (Arte, 21.00 Uhr)

Während ich Sofia Coppolas zweites Regiewerk „Lost in Translation“ für ein ausgemachtes Meisterwerk halte, war ich von „Marie Antoinette“ abseits von Optik und Inszenierung durchaus enttäuscht. Fehlt mir also nur noch ihr Regiedebüt und ich hoffe das es wieder aufwärts geht.


Freitag, 30.10.09


Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Das ich das noch mal sagen muss, hätte ich auch niemals für möglich gehalten: Im direkten Vergleich zu dem katastrophalen vierten Ableger echt ein wahres Meisterwerk. Dabei gehört schon dieser dritte Teil nicht wirklich zu dem was man einen richtig guten Film nennen könnte. Immerhin sieht er ja ganz gut aus.


Butterfly Effect“ (RTL II, 22.05 Uhr)

Ist der Film der mich erkennen ließ das Ashton Kutcher sogar ein wenig schauspielern kann. Auch der Rest des Films ist als nette „Was wäre wenn“-Fingerübung ziemlich gut gelungen. Darf man sich gerne ansehen.


Blair Witch Project“ (Das Vierte, 22.10 Uhr)

Über den Film wird mehr Tam-Tam gemacht, als er es wirklich verdient. Viel Geschrei und eine wackelige Handkamera verfehlen ihren Zweck zwar nicht, nichts desto trotz keinesfalls das großartige Horrorerlebnis als das der Film oftmals angepriesen wird.


End of Days“ (Pro 7, 22.15 Uhr)

Was ein richtiger Arnie ist hat auch vor dem Leibhaftigen keine Angst. Wie gesagt: Ich sehe den Film eigentlich ganz gerne, auch wenn ein richtig guter Film mit Sicherheit anders aussieht.


Samstag, 31.10.09


Das Leben der Anderen (BR, 20.15 Uhr)

Der durfte ja in diesen Wochen nicht fehlen. Bin immer noch davon überzeugt das der Oscar berechtigt ist, es sich um einen großartigen Film mit einem noch großartigeren Ulrich Mühe handelt. Was eigentlich einer was der von Donnersmarck als nächstes so vor hat? Und wer an diesem Abend von deutscher Zeitgeschichte im Kino nicht genug hat, der kann sich dann auch noch um 23 Uhr im WRD „Solino“ ansehen, in dem sich Fatih Akin den sogenannten Gastarbeitern zuwendet.


Hannibal“ (ZDF, 00.15 Uhr)

Ziemlich blöder Film den es nach dem famosen Lämmer-Schweigen echt nicht mehr gebraucht hätte. Finde den Streifen jedes mal wenn ich ihn sehe enttäuschender.


Sonntag 01.11.09


Stirb Langsam 4.0“ (RTL, 20.15 Uhr)

Von dem Kampfjet-Desaster einmal abgesehen gilt das „Stirb Langsam 4.0“ mit leichten Abstrichen ein durchaus würdiger Vertreter der Stirb Langsam Reihe ist. Dies ist vor allem das Verdienst von Bruce Willis, dem man die Rolle des John McClane immer noch abnimmt, auch wenn das berühmt-berüchtigte Unterhemd diesmal unter einem weiteren Hemd verborgen bleibt. Denn einzig dafür gehen die Leute in einen Stirb Langsam Streifen: Sie wollen sehen wie sich McClane auf altmodische Art und Weise mit einem Grinsen auf den Lippen durch die Story prügelt


Titanic“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Sollte ich eigentlich mal wieder sehen. Was ich nicht mehr getan habe, seit ich anno dazumal in Kino war. Wäre bestimmt spannend zu sehen wie ich den mittlerweile bewerten würde. Prognose: Denke der würde als das war er sein möchte ziemlich gut abschneiden.


E.T. - Der Außerirdische“ (RTL II, 20.15 Uhr)

Mit einem Meisterwerk geht diese Woche TV-Technisch dann zu Ende. Eine Woche die, wie ich finde, in der Summe gar nicht mal so schlecht ist. Es macht sich dann doch bemerkbar das die Sender das Sommerloch so langsam aber sicher verlassen.



Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Freitags beim Zeitverschwender und Hard Sensations, sowie Sonntags bei Blockbuster-Entertainment. Und der ganz besonderen TV-Tipp der Woche lässt sich (manchmal) bei Intermoviession finden (ebenfalls Sonntags). Und schließlich gibt es noch jede Menge (unkommentierte) TV-Tipps bei der Astronautenbar


Foto: „One less TV“ by Kevin Steele, lizenziert unter CC-BY-NC


Rezension: "The Untouchables"














Filme über die Mafia haben eine lange Tradition. Meist verstehen sich sich selbst als Beschäftigung mit soziostrukurellen Mechanismen innerhalb des Mikrokosmos der diversen verbrecherischen Organisationen. Ob nun ein pejoratives oder pervertiertes Ehrgefühl, der Zusammenhalt der Familie oder die brutalen Machenschaften der Mafia, meist versprühen die Filme des Genres den Anspruch, einen ernst gemeinten Beitrag mit kritischer Intention abliefern zu wollen. Genau das sollte man in Bezug auf Brian De Palmas „The Untouchables“ nicht erwarten. Die Mafia um den legendären Verbrecher Al Capone ist in dem Streifen von 1987, wenn man so will, nicht mehr als ein MacGuffin. Weder interessiert sich De Palma für Al Capone als Persönlichkeit, noch thematisiert er die Strukturen der Mafia als Solche. Man könnte „The Untouchables“ an dieser Stelle also viel vorwerfen und könnte ihm Relevanz absprechen. Doch würde man dann unterschlagen, dass Brian De Palma mit diesem Film einen seiner gelungensten Regiearbeiten abgeliefert hat, der aus zahlreichen Gründen als Hollywood-Kino par excellence gelten muss. Dazu gehört auch, dass sich der in New Jersey geborene Regisseur nicht wirklich um die Historizität seiner Geschichte kümmert, sondern sie zu Gunsten der Funktionalität seines Films beugt.


Man schreibt das Jahr 1930 als sich Chicago und die USA mitten in der Prohibition befinden. Von der amerikanischen Regierung mit dem Ziel erlassen den gesellschaftlichen Alkoholkonsum einzudämmen, steht nun der Verkauf, die Herstellung und der Import alkoholischer Getränke unter Strafe. Profiteure dieser rigiden Gesetze waren vor allem kriminellen Vereinigungen, die den Schwarzmarkt kontrollierten. Unter ihnen auch Al Capone (Robert de Niro), der sich zwar nach außen hin umgänglich und jovial gibt, nach innen aber mit gewalttätiger und eiserner Faust regiert. Es ist schließlich an dem jungen und idealistischen Schatzamtsbeamten Eliot Ness (Kevin Costner) den Krieg gegen den mächtigen Mafiaboss zu eröffnen. Doch da die Polizei von Chicago durch und durch korrupt ist von Capone geschmiert ist, endet gleich sein erster Versuch in einem für ihn peinlichen Desaster. Hilfe findet er bei dem altgedienten Streifenpolizisten Jim Malone (Sean Connery), dem jungen und impulsiven Polizeirekruten George Stone (Andy Garcia) sowie der Buchhalter Oscar Wallace (Charles Martin Smith). Zusammen bilden die Vier die sogenannten Unbestechlichen, die Capone in seiner eigenen Stadt immer mehr zu schaffen machen.


Wenn die Kleidung der Hauptdarsteller von Giorgio Armani höchstpersönlich entworfen und ausgewählt worden ist, dann lässt dies hinsichtlich der visuellen Brisanz von „The Untouchables“ tief blicken. Und diese hohe Qualität zieht sich auch durch die restliche Ausstattung, so dass es de Palma gelingt, ein Period Piece zu inszenieren, das optisch höchsten Ansprüchen genügt. Bemerkenswert auch der Score von Ennio Morricone, der den Film in absolut stimmige und atmosphärische Töne kleidet. Komplementiert wird dies durch die inszenatorische Hanschrift von Brian De Palma, der in diesem Film einen überzeugenden Kniff nach dem anderen aus dem Hut zaubert. Vor allem der überaus spannende Showdown am Bahnhof von Chicago nebst Baby und Kinderwagen hat sich dabei einen fast legendären Status erworben. Dabei ist gerade diese Szene, wenn man es genau nimmt, nicht mehr als eine überaus gelungene Referenz an einen anderen Klassiker der Filmgeschichte („Panzerkreuzer Potemkin“). Das es sich in Sachen „The Untouchables“ um einen Film handelt der dem Stil Superiorität vor dem Inhalt einräumt, ist nicht zu bestreiten und zieht sich in gewisser Weise, siehe zum Beispiel auch De Palmas Ellroy-Verfilmung „The Black Dahlia“, quer durch das Werk des Regisseurs.


Inhaltlich handelt es sich bei „The Untouchables“ um die klassische Gangster-Geschichte Gut gegen Böse. Zwischentöne sind im Fall „The Untouchables“ nicht die Sache von De Palma, und es braucht sie in diesem Fall auch nicht, um gelungene und äußerst spannende Unterhaltung zu bieten. Wie in den einleitenden Worten bereits angedeutet: Man sollte den Film nicht als Film über die Mafia und deren Strukturen verstehen. Und so mimt Robert de Niro Al Capone als ultimativen Schurken, der zuweilen durchaus am Rande der Satire wandelt. Sein Gegenüber hingegen ist der good Guy, wie er im Buche steht: Liebender Familienvater und treu der gerechten Sache verpflichtet steht er seinen Mann völlig losgelöst davon, ob er die Gesetze, die er vertritt als sinnvoll erachtet oder eben nicht. Gerade in Bezug auf diese Charakterzeichnungen findet De Palama einen schönen Abschluss für seinen Helden Eliot Ness als er diesen am Ende der Prohibition mit den Worten, das er nun erst mal etwas trinken gehen wolle, in den Abspann entlässt.


Und so hat man irgendwie auch ständig das unterschwellige Gefühl, dass man „The Untouchables“ nicht ernster nehmen braucht, als unbedingt nötig. Natürlich folgt De Palma den gängigen Konventionen von emotionalen von Höhen und Tiefen, aber in gewisserweise ist es gerade diese gängige Dramaturgie, die „The Untouchables“ als das definiert, was der Film letztendlich ist: Klassisches Kino, das bisweilen sehr dick aufträgt, in seinem ganzen Wirken unheimlich pompös wirkt und in seiner letztendlichen Manifestation sogar das Genre bricht und von Zeit zu Zeit an das uramerikanische Western-Genre erinnert. Und so erweist sich De Palma an dieser Stelle auch als Vertreter eines mit Zitaten angereicherten Kinos, das sehr wohl um seine Ursprünge weiß und auch nicht davor zurück scheut, intensiv auf deren Mythen hinzuweisen.


Was „The Untouchables“ dann endgültig in die gehobenen Sphären des Genres einziehen lässt, ist die Besetzung. Während der 1987 noch recht unbekannte Kevin Costner und Andy Garcia überzeugend agieren, ist es allen voran natürlich Sean Connery, der in der Rolle des alten Haudegens Malone den Film über Gebühr mit seiner Präsenz adelt. Es vermag daher nicht weiter zu verwundern, dass Sean Connery seinen einzigen Oscar für eben diese Rolle einheimsen konnte. Es ist somit das Verdienst aller vier Darsteller, das einem die Protagonisten, so unterschiedlich sie auch sein mögen, schnell ans Herz wachsen. Und wiederum findet De Palma in seinem Film für diesen Sachverhalt ein schönes Bild – im wahrsten Sinne des Wortes – indem er die vier Unbestechlichen auf einer herrliche gestellten Fotografie verewigt. Abschließend ist somit zu sagen, dass „The Untouchables“ zu jenen Filmen gehört, die man sich zurecht immer wieder ansehen kann und sollte. Brian de Palmas Gespür für Suspense haben sich wohl nur selten mit einer so großartigen Ausstattung und optischer Brillanz sowie den richtigen Darstellern für den richtigen Film verbunden. - Fazit: 8,5 von 10 Punkten.


Rezension erscheint in anderer Form bei "Wicked-Vision"


Quellennachweis: Abbildungen aus "The Untouchables". © Paramount Home Entertainment



TV-Empfehlungen für die Woche vom 19.10.09 - 25.10.09


Montag, 19.10.09

Godzilla“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Weltenzerstörer Roland Emmerich geht mal wieder ab. Diesmal ist es nicht der Klimawandel, sind es nicht bösartige Aliens, nein es ist Godzilla. Kann man sich durchaus ansehen, wobei mir der Alien- und der Klimawandelklamauk doch jeweils ein wenig mehr zusagt.


Verlockende Falle“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Sean Connery und Catherine Zeta-Jones lassen dem Film mehr Aufmerksamkeit angedeihen, als er es inhaltlich und konzeptionell verdient hätte. Aber auch in diesem Fall ist verweilen vor dem Fernseher keine vollständige Zeitverschwendung.


Verdacht“ (Arte, 21.00 Uhr)

Meine Wenigkeit wird dann aber doch wieder auf den Altmeister zurückgreifen. Arte macht sich weiterhin mit seiner Hitchcock Reihe abseits der ganz großen und bekannten Filme des Briten beliebt. Diesmal gibt’s Cary Grant und Joane Fontaine, die für diese Rolle den Oscar für die beste Hauptrolle einheimsen konnte.


Dienstag, 20.10.09


Der Mann aus der Pfalz“ (ZDF, 20.15 Uhr)

Das Fernsehen nimmt sich mal wieder der deutschen Geschichte an. Man darf gespannt sein und ich werde es zumindest aufnehmen. Zurzeit scheint Kohls Sohn über den Film ja nicht sonderlich erfreut.


Mittwoch, 21.10.09


Richie Rich“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

1994 war ich ganze acht Jahre alt, also genau in dem richtigen Alter für „Riche Rich“ und fand den glaube ich ganz, ganz, toll. Ich glaube ich habe den seitdem auch nicht mehr gesehen, und werde somit aus nostalgischen Gründen mal wieder reinzappen.


Knight Moves“ (RBB, 22.35 Uhr)

Schach-Thriller mit Christopher Lambert. Habe ich glaube ich sogar schon mal gesehen. Aber mir ist das Ding nicht mehr wirklich präsent: Das bedeutet zum Einen das der nicht so schlecht gewesen sein kann, denn sonst würde ich mich an den Film erinnern. Zum Anderen kann er aber auch nicht übermäßig gelungen gewesen sein.


Donnerstag, 22.10.09


Passwort Swordfish“ (Vox, 20.15 Uhr)

Kommt auch ständig im Fernsehen: Jackman, Berry, Travolta, dazu ein wenig Hochglanz. Man weiß worauf man sich einlässt.


Eine Leiche zum Dessert“ (Das Vierte, 20.15 Uhr)

Fremdzitat: Eine Leiche zum Dessert" sollte man allein schon durch die kreativ-gestalteten und einprägsamen Charaktere gesehen haben. Eine atmosphärisch sowieso dichte und mit viel Witz versehene nostalgische Krimi-Persiflage, die über alle Maßen Spaß sowie Frische und Spritzigkeit ausstrahlt.“


Freitag, 23.10.09


Der Morgen stirbt nie“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Ach, und ich habe mich letzte Woche schon gewundert, wo denn der zweite Brosnan-Bond bleibt. Ist Pro 7 zu blöd die Filme in der richtigen Reihenfolge auszustrahlen? Egal: Der zweite Bond mit Pierce geht in der Summe auch noch in Ordnung.


Blade Trinity“ (RTL II, 22.10 Uhr)

Neulich noch mal angesehen und zu dem Schluss gekommen das Wesley Snipes bei dem Film ja so offensichtlich keine Lust gehabt hat, das es einer Frechheit gleichkommt. Eine Frechheit auch, was dieses Machwerk aus Dracula macht. Jessica Biel kann da auch nichts mehr retten, so dass ich mittlerweile zu meinem eigenen Erstaunen echt zu dem Schluss kommen muss, dass sogar der in meinen Augen missglückte „Blade II“ besser ist, als dieser dritte Abklatsch.


Samstag, 24.10.09


Der weiße Hai (ARD, 22.30 Uhr)

Spielbergs Klassiker, zu dem man wohl nicht mehr sagen oder schreiben muss.


12 Monkeys“ (MDR, 00.18 Uhr)

Langsam aber sicher fühle ich mich wirklich verarscht. Das können die doch nicht ernst meinen?


Sonntag 25.10.09


... und dann kam Polly“ (RTL, 20.15 Uhr)

Der könnte besser sein, wenn man dem Film mal einen vernünftigen Drehbuchautor spendiert hätte. Ein wenig mehr feinsinnigerer Humor und die Darsteller, die ja nun wirklich nicht zu den schlechtesten der Branche gehören, hätten das Kind schon geschaukelt. So aber....


Casino Royale“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Man muss es einfach so deutlich sagen: War damals im Kino eine Offenbarung. Daniel Craig als James Bond: Großartig. Eva Green: Umwerfend. Mads Mikkelsen: Formidabel. Selten war ein Rest wohl so wohltuend wie die Neuausrichtung von 007. Willkommen im 21. Jahrhundert Mr. Bond!


Robert Altman's Last Radio Show“ (ARD, 23.35 Uhr)

Der letzte Film von Robert Altman wird von der ARD mal wieder im Spätprogramm versteckt. Eine Schande. Egal: Aufnahme programmieren und damit hat es sich für diese Woche mal wieder.



Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Freitags beim Zeitverschwender und Hard Sensations, sowie Sonntags bei Blockbuster-Entertainment. Und der ganz besonderen TV-Tipp der Woche lässt sich (manchmal) bei Intermoviession finden (ebenfalls Sonntags).


Foto: „One less TV“ by Kevin Steele, lizenziert unter CC-BY-NC



Rezension: "Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte"












Das Getreide auf den Feldern wogt sanft im warmen Sommerwind. Noch weiß niemand, welcher Schrecken sich in naher Zukunft über Europa legen wird. Man schreibt den Juli 1914 und in wenigen Tagen wird es Krieg geben. Ein Krieg, der mörderischer, schrecklicher und monströser sein wird, als alles bisher bekannte. Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ wird das blutigste Jahrhundert in der bisherigen Geschichte der Menschheit einleuten. Der Frieden, der 1918 nach vier Jahren Krieg geschlossen wird, ist nur von kurzer Dauer. 1939 wird die um die Jahrhundertwende geborene Kindergeneration einen zweiten, noch grausameren Krieg anzetteln, der nicht nur direktes Resultat des Ersten Weltkriegs ist, sondern dessen gesellschaftliche Ursächlichkeiten einige Jahrzehnte zurückreichen. So suggeriert es jedenfalls Michael Haneke in seinem neusten Film „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“. Der Österreicher gehört ohne jeden Zweifel zu den kontrovers rezipierten Persönlichkeiten seiner Zunft. Filme wie zum Beispiel „Funny Games“ fanden bei Kritik und Publikum nicht nur Gefallen, sondern wurde zum Teil auch das Ziel heftiger Kritik. „Das weiße Band“ jedoch kam bei der Masse der Kritiker überaus gut an und wurde in Cannes mit der goldenen Palme ausgezeichnet. Aus dieser Perspektive ist es nur konsequent, dass Hanekes Gesellschaftsstudie auch der Beitrag sein wird, den Deutschland bei der nächsten Oscarverleihung ins Rennen um die begehrte Goldstatue schicken wird.


Eichwald in den Jahren 1913 und 1914. Es ist kleines und protestantisches Dorf irgendwo im norddeutschen Flachland. Die meisten Bewohner der kleinen Siedlung bestreiten ihren Unterhalt, indem sie für den ansässigen Baron (Ulrich Tukur) arbeiten. Dieser ist bei der einfachen Bevölkerung nicht sonderlich beliebt, dafür aber auf Grund seiner Autorität geachtet. Als der örtliche Arzt (Rainer Bock) eines Tages Opfer einer perfiden Attacke wird – ein heimlich gespanntes Drahtseil bring sein Pferd zu Fall - ist der dörfliche Frieden zum ersten mal gefährdet. Und es wird nicht bei dem einen Unglück bleiben: Die Frau eines Bauern wird durch einen mysteriösen Sturz im Sägewerk ums Leben kommen. Nur wenig später wird zunächst der Sohn des Barons schwer misshandelt aufgefunden, bevor es auch den jungen, geistig behinderten Karli treffen wird, der dabei fast sein Augenlicht verliert. Missgunst, Angst und Misstrauen prägen in der Folge das Miteinander im Dorf. Auch der örtliche Pastor (Burghat Klaußner), der zu Hause mit eiserner Hand regiert, weiß nicht, was in Eichwald vor sich geht. Zu spät entscheidet sich der Baron, polizeiliche Hilfe aus der Stadt in Anspruch zu nehmen. Der Einzige, der langsam aber sicher einen schrecklichen Verdacht hegt, ist der junge Lehrer (Christian Friede) des Dorfes.


Dieser ist es auch, der viele Jahre später als alter Mann die Geschichte erzählen wird. Dabei weist die alte und zittrige Stimme aus dem Off von Beginn an darauf hin, dass er vieles von dem er im Folgenden berichten möchte nur aus zweiter Hand erfahren hat, er bei vielen Ereignissen aber auch direkt dabei gewesen sei. Auf jeden Fall, so fügt er noch hinzu, soll sein Zeugnis dazu beitragen auf die Dinge, die in den folgenden Jahren geschehen sind, ein erhellendes Licht zu werfen. Auch wenn sich Michael Haneke an dieser Stelle durch die eingestandene Subjektivität der Perspektive absichert, erhebt er gleichzeitig auch einen universell erklärenden Anspruch. Darüber wird noch zu Reden sein. Einstweilen beginnt „Das weiße Band“ durch ein betont langsames Einblenden des Bildes, so als müsste der Erzähler mühsam in seinen Erinnerungen kramen, um die damaligen Ereignisse wieder an die Oberfläche zu zerren. In elegischen schwarz-weiß Bildern gekleidet, vermittelt Haneke allein schon durch seine Farbwahl den unterschwelligen Eindruck von gewollter Authentizität. Im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft firmiert der Beginn des 20. Jahrhunderts in Film und Fotografien nun mal als schwarz-weiße Periode, so dass Haneke beizupflichten ist, wenn er die Meinung vertritt, dass „Das weiße Band“ als Farbfilm nicht funktioniert hätte. Inszenatorisch verlässt sich Michael Haneke dabei auf eine merkwürdig erstarrt wirkende Landschaft. Bäume scheinen sich im Wind kaum zu bewegen und spätestens wenn der Schnee die norddeutsche Tiefebene in ein monotones weiß getaucht hat, ist Hanekes Filmstil als gelungene Allegorie auf den gesellschaftlichen Stillstand im Kaiserreich am Übergang zur Moderne zu verstehen.


Das weiße Band“ ist zunächst nicht viel mehr als ein Sittengemälde des wilhelminischen Zeitalters. Die in der damaligen Gesellschaft virulente Autoritätshörigkeit verdichtet sich in dem von Haneke zu einem Makrokosmos verdichteten Dorf bis in seine extremste Formen. Wenn man es auf den Punkt bringen wollte, dann könnte man das von Haneke skizzierte Gesellschaftsgefüge auf die Phrase „nach oben wird gebuckelt, nach unten wird getreten“ reduzieren. Das Diktat des väterlichen Patriarchats durchzieht „Das weiße Band“ quer durch alle skizzierten Gesellschaftsschichten. Am offensichtlichsten wird dies durch den protestantischen Pastor im Dorf, der zu keiner Gefühlsregung in der Lage scheint, seine Kinder prügelt und dabei nicht nur physisch, sondern auch psychisch demütigt, und wenn es sein muss auch ans Bett fesselt, damit diese sich nicht in der Nacht „an den feinsten Nerven des Körpers versündigen“. Über die zweistündige Spielzeit hinweg ist Hanekes Intention unmissverständlich: Wer als Kind durch diese Hölle von Bestrafung Erniedrigung und Gefühlskälte gegangen ist, wird später ebenfalls zu solchen Dingen in der Lage sein. Gewalt erzeugt Gegengewalt ist die Botschaft, die Haneke an dieser Stelle also (mal wieder) ventiliert und das nicht ausschließlich in der Zukunft, sondern bereits in der Gegenwart.


So eindrücklich nämlich die erwachsenen Darsteller in „Das weiße Band“ aufspielen, sind es doch die Kinder (Respekt vor den eindrücklichen darstellerischen Leistungen der Kinder und Jugendlichen), die dem Film den Stempel aufdrücken. Eine erschreckende Kälte und Leere durchzieht ihre Gesichter, denen sämtliche menschliche Regung abhandengekommen ist. Sie stecken ein, um später austeilen zu können. Es ist keine große Überraschung, welcher ungeheuerlicher Verdacht schon bald im Zuschauer keimen muss. Das weiße Band, also das Zeichen der Unschuld, welches der Pastor seinen Kindern als Mahnung umbindet, ist letztendlich nicht mehr als der blanke Hohn. Zumal in der Dorfgemeinschaft unter dem Deckmantel von wilhelminischer Sitte, Anstand und Moral Zustände herrschen wie in Sodom und Gomorrha. Da wird der Geschlechtsverkehr zu einer ekelerregenden Triebabfuhr nebst zugehöriger Demütigung der Frau, die sich dem männlichen Selbstverständnis unterwirft, während der örtliche Arzt ungestraft seine eigene Tochter missbraucht. Und so ist es auch das schweigende Wegsehen das Michael Haneke in „Das weiße Band“ thematisiert. Aus rein filmischer Perspektive ist der Film somit eine eindringliche Tour de Force für den Zuschauer, bis in die letzte Rolle exzellent besetzt, dabei ebenso beeindruckend gespielt, wie inszeniert.


Richtig interessant wird „Das Weiße Band“ jedoch erst auf der inhaltlichen Ebene. Michael Haneke hat in Sachen „Das Weiße Band“ zu Protokoll gegeben, dass er mit seinem Film überhaupt keine Botschaft vermitteln wolle. Mit Verlaub Herr Haneke, ich glaube Ihnen nicht. Sowohl die deutsche, als auch die internationale Kritik haben Michael Hanekes Film schnell als Statement hinsichtlich des heraufziehenden deutschen Faschismus verstanden. Michael Haneke hat dies zwar nicht dementiert, möchte den Film aber zuvorderst als generelle Parabel auf die Entstehungsparadigmen von totalitärer Gewalt verstanden wissen. Und so plausibel es scheint emotionale Entmenschlichung, den Verlust von Mitleid und Empathie als Wurzel von struktureller Gewalt zu zeigen, so wenig einleuchtend ist Hanekes nun geäußerter Anspruch die Botschaft seines Films über die deutsche Geschichte hinaus zu transzendieren. Zum einen nämlich geben Ort und Zeit der Handlung bereits die Richtung vor und zum anderen muss der wohl kaum zufällig gewählte Name des Dorfes (Eichwald) selbst bei Menschen mit einem nur mittelmäßigen Geschichtsbewusstsein unheilvolle Assoziationen wecken. Wenn Haneke dann noch dazu seinem erzählenden Protagonisten zu Beginn die Kompetenz zuspricht, mit seiner Geschichte nachfolgende Ereignisse erhellen, also erklären zu können, dann ist der offensichtlich gewollte Bogen zum Faschismus und insbesondere dem deutschen Nationalsozialismus endgültig geschlagen. Daraus ergibt sich für mich eine These, die ohne jeden Zweifel diskutabel ist, sollt sie jedoch zutreffen von Haneke hoffentlich so nicht intendiert worden ist.


Vor einigen Jahren sorgte der amerikanische Politologe Daniel Goldhagen für einen heftigen Historikerstreit in Deutschland. In seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ vertrat er die Prämisse eines in der deutschen Gesellschaft tief verankerten „eliminatorischen Antisemitismus“, der direkt in den Holocaust geführt habe. Diese These, die eine gesamte Gesellschaft in Kollektivschuld nimmt, ist in der Folge zu Recht scharf angegriffen worden. Wenn Michael Haneke nun in „Das weiße Band“ die zukünftige Tätergeneration durch die Bank weg als Opfer psychischer und physischer Gewalt zeigt, dann suggeriert Haneke zumindest unterschwellig das Gegenteil von Goldhagens These: Die Tätergeneration als Opfer gesellschaftlicher Umstände. Das ist eine Sichtweise, die nicht gewollt werden kann. Fairerweise muss man natürlich an dieser Stelle auch konzediert werden, dass Haneke mit „Das weiße Band“ nur einen einzigen und isolierten Erklärungsansatz bietet, der andere Faktoren nicht berücksichtigt, so dass es vielleicht in der Tat vermessen ist, Haneke unterstellen zu wollen mit seinem Film den Urschlamm des Nationalsozialismus erklären zu wollen. Nichts desto trotz: Michael Haneke tut - wie bereits erwähnt - sehr viel dafür, ob nun gewollt oder nicht, seinen Film in den zeithistorischen Kontext der spezifisch deutschen Geschichte zu verorten. Am Ende von „Das Weiße Band“ ist der Krieg ausgebrochen, die Spirale der Gewalt in Gang gesetzt. Die jungen Männer des Dorfes werden mit Blumen am Revers am sonntäglichen Gottesdienst ins Feld verabschiedet. In den folgenden Jahren werden sie in Tannenberg, Verdun, an der Somme und in Flandern kämpfen, töten und sterben, während die Kindergeneration von 1914, die von Haneke so erschreckend dargestellt worden ist, in den Krieg von 1939 ziehen wird. - Fazit: 7 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte". © 2009 X-Verleih


Rezension: "50 Dead Men Walking"


50 Dead Men Walking“ - der Titel ist Programm: 50 Menschen, die eigentlich längst tot sein müssten, wandeln noch unter den Lebenden. Zu verdanken haben sie dies Martin McGartland, der Ende der Achtziger als britischer Spitzel in die IRA eingeschleust worden ist. Wie so viele Filme versucht auch „50 Dead Men Walking“ mit dem Attribut „nach einer wahren Geschichte“ Authentizität für sich zu beanspruchen. Zuvorderst aber ist die Regiearbeit von Kari Skogland von ihren beiden Hauptdarstellern geprägt: Jim Srurgess und Ben Kingsley (mit ungewohnter Mähne) reüssieren in der Angelegenheit aus „50 Dead Men Walking“ einen Film zu machen, der nicht nur überzeugender Thriller ist, sondern auch eines der düstersten Kapitel in der Geschichte von Nordirland thematisiert. Warum das so ist, kann ausführlich in meiner Besprechung beim MANIFEST nachgelesen werden.


Quellennachweis: Abbildungen aus "50 Dead Men Walking". © 2009 Ascot Elite


Rezension: "Away We Go"














Sam Mendes gehört zu den stilsichersten und interessantesten Regisseuren der Gegenwart, auch oder vielmehr gerade, weil er kein ausgesprochener Vielfilmer ist. Fünf Kinofilme sind seit 1999 unter der Regie des Briten entstanden. Lagen zwischen seinen ersten vier Filmen stets drei Jahre folgte sein neuster Streich „Away We Go“ überraschenderweise nur ein knappes Jahr nach seinem letzten Film „Zeiten des Aufruhrs“. Auffällig ist, dass die Regiearbeiten von Sam Mendes bislang vor allem von einem Thema dominiert worden sind. Auch „Away We Go“ erzählt, wie auch schon „American Beauty“ und „Zeiten des Aufruhrs“, von den Schwierigkeiten und Hindernissen die in einer Beziehung eines (hier: wilden) Ehepaars überwunden werden müssen. Kleidete Mendes dieses Sujet im Zuge seines oscarprämierten Erstlings noch in das Gewand einer beißenden und zynischen Satire, setzte er das Seziermesser hingegen in „Zeiten des Aufruhrs“ ganz ohne mildernde Narkotika an und zerlegte die Träume einer jungen Familie in ihre Einzelteile. Dass der Brite aber auch anders kann, beweist er nun mit „Away We Go“ mit dem der talentierte Regisseur seinen bisher ruhigsten und melancholischsten Film abgeliefert hat. Zu verdanken hat dies Sam Mendes nicht zuletzt dem wunderbaren Drehbuch von Dave Eggers, der die Geschichte zu „Away We Go“ zusammen mit seiner Frau erdacht und verfasst hat.


Burt Farlander (John Krasinski) und Verona De Tessant (Maya Rudolph) sind beide Anfang dreißig und haben in ihrem Leben eigentlich noch nicht sonderlich viel erreicht. Sicher, das leicht verschrobene Paar liebt sich und ist auch sonst ganz zufrieden, auch wenn es seinen zukünftigen Weg noch nicht wirklich gefunden hat. Dieses Gefühl verstärkt sich noch zusätzlich durch die Schwangerschaft von Verona, auch weil der soziale Fixpunkt der kleinen Familie von dem einen auf den anderen Tag wegbricht: Burts Eltern, die ursprünglich ihren großelterlichen Pflichten nachkommen sollten, eröffnen den werdenden Eltern eines Tages unvermittelt, dass sie in einigen Wochen nach Belgien auswandern werden. Nichts ist es also mit der elterlichen Unterstützung für Burt und Verona, die abends einen Entschluss fassen, jetzt wo sie nichts mehr an ihrem jetzigem Wohnort hält: Away we Go! Und so machen sich Burt und die im sechsten Monat schwangere Verona am nächsten Tag auf den Weg quer durch die USA. Alte Freunde und Verwandte sollen auf der Suche nach dem perfekten Heim für die ungeborene Tochter besucht werden. Die erste Station: Phoenix.


„Away We Go“ ist ein leiser Film, dessen Bilder, Szenen und Momente von Mendes mit Bedacht ausgewählt worden sind. Wenn Burt und Verona am Anfang ihrer Reise auf einer Rolltreppe in den ungeplanten und unbekannten Morgen gleiten, ist das Kinozitat der berühmten Nichols-Einstellung („Die Reifeprüfung“) selten so passend und gezielt eingesetzt worden. Denn letztlich geht es auch in „Away We Go“ zum einen um die Ungewissheit der eigenen Zukunft als zum anderen um den Traum nach dem perfekten Lebensentwurf. Burt und Verona, dieses sympathische und idealistische Paar bilden dabei keine Ausnahme: Die Pappfenster und die kaputte Heizung sollen endlich ausgedient haben. Irgendwo, so glauben beide ganz fest, muss es doch diesen einen Platz geben, an dem Sie sich nicht mehr wie Versager fühlen müssen. Der Road Trip der Burt und Verona quer durch die USA führen wird, tabuisiert dabei die Schwierigkeiten und Lebensängste seiner Protagonisten nicht. Dies war noch nie die Methode von Sam Mendes, der aber in „Away We Go“ seinen Figuren erstmals etwas schenkt, was er in „American Beauty“ und „Zeiten des Aufruhrs“ partout noch nicht geben wollte: Hoffnung. Dieser Film aber ist voller Hoffnung, Herzlichkeit und Wärme, nicht zuletzt deshalb, weil die Farlanders weder die Burnhams noch die Wheelers sind.


Bei all der Bedächtigkeit und Nachdenklichkeit die „Away We Go“ stellenweise durchzieht, ist Mendes neuster Film, der ohne jeden Zweifel das Zeug zu einem echten Independent-Hit besitzt, vor allem eines: urkomisch. Dafür zeichnen sich zum einen zunächst einmal John Krasinski und Maya Rudolph verantwortlich, die sich abseits ihrer stillen Momente immer wieder hemmungslos komische Wortgefechte liefern. Anders als in seinen anderen Film hat sich Sam Mendes im Fall von „Away We Go“ dazu entschieden die Hauptrollen nicht mit großen Namen zu besetzen, sondern mit Darstellern, die zumindest in Sachen Kinoerfahrung noch weitestgehend unbefleckt sind und diese Rechnung geht auf. Zum Andren lebt „Away We Go“ von seinen deftigen Übertreibungen auf den American Way of Life. Ob nun die durchgeknallte Ex-Chefin von Verona, die mit Vorliebe sich und ihre adipösen Kinder der Lächerlichkeit preisgibt oder aber die „Quasi-Cousine“ von Burt, die sich als irre Esoterik-Tante entpuppt (absolut großartig: Maggie Gyllenhaal!): Stets entwickeln die Szenen eine Dynamik die „Away We Go“ an die Grenze zur Satire bringen. Dass diese Linie aber niemals komplett überschritten wird, liegt an den anderen, ruhigeren Episoden, die die unterschwellige Ernsthaftigkeit dieses in weiten Teilen herzhaften und humorvollen Vergnügens nie vollständig in Vergessenheit geraten lässt.


Es ist Sam Mendes hoch anzurechnen, dass er die Untiefen dieses Balanceaktes quasi mühelos zu umschiffen vermag. Nicht wenige Regisseure haben sich an der Aufgabe einen gleichsam beschwingten wie nachdenklichen Film zu inszenieren mächtig übernommen. „Away We Go“ ist jedoch einer dieser seltenen Fälle, wo dieses Unterfangen tatsächlich gelingt. Mehr als nur gelungen ist im Übrigen der Soundtrack von „Away We Go“ geraten. Wenn im Fußball der Fan als der zwölfte Mann gilt, dann ist die musikalische Untermalung von Mendes Neuem als zusätzlicher Darsteller anzusehen. De facto gehört der gitarrenlastige, ruhige, melodische und melancholische Soundtrack, der neben einigen Klassikern zuvorderst aus der Feder von Alexi Murdoch stammt zu dem Besten, was in diesem Jahr Sachen Musik auf der großen Leinwand zu sehen gewesen ist. Murdoch, der für „Away We Go“ nicht nur zahlreiche Stücke aus seinem Album „Time Without Consequence“ beisteuerte, sondern auch noch eine ganze Reihe weiterer Stücke eigens für den Film komponierte, prägt den Film mit seiner Stimme und den Liedern, die von Mendes dann auch stets zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt worden sind.


Auch in seinem fünften Kinofilm macht sich also das sichere Händchen und das Gespür von Sam Mendes bezahlt, der es geschafft hat Figuren, Bilder und Akustik zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen. Am Ende der 98-minütigen Spielzeit, die wie im Fluge an einem vorbeizieht, werden Burt und Verona am Ziel ihrer Reise angekommen sein. Auf diesem Trip sind sie sich nicht nur näher gekommen, sondern haben auch viel gelernt: Über Heimat, Vertrauen und den perfekten Lebensentwurf, der in den meisten Fällen nicht mehr als ein Mythos ist. Das „Away We Go“ wahrscheinlich der Film von Sam Mendes bisherigen Regiearbeiten sein wird, der aller Voraussicht nach die geringste Aufmerksamkeit erhaschen wird, ist dabei fast schon wieder tragisch. Sam Mendes war in seinen bisherigen Filmen noch nie ein Träumer. Das er nun dazu bereit ist seine Protagonisten mit einem optimistischen Blick in die Zukunft zu entlassen macht „Away We Go“ zu seinem bislang schönsten Film: „Home We Go“ - Fazit: 9 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Away We Go". © 2009 Tobis


TV-Empfehlungen für die Woche vom 12.10.09 - 18.10.09


Montag, 12.10.09

Sklavin des Herzens“ (Arte, 21.00 Uhr)

Hitchcocks zweiter Farbfilm nach „Cocktail für eine Leiche“ und die dritte Zusammenarbeit mit Ingrid Bergman. Mir leider noch unbekannt, deswegen wird der Film auf jeden Fall aufgenommen, was sich auch allen Anderen empfehle: „Sklavin des Herzens“ ist einer der Hitchcocks, die nicht ständig wiederholt werden.



Desperado“ (Kabel 1, 23.00 Uhr)

Robert Rodriguez bester Teil seiner Mariachi-Trilogie. Mit Antonio Banderas, Salma Hayek sowie den anderen üblichen Verdächtigen kongenial besetzt, stört eigentlich nur der unnötig aufgeblasene Showdown ein wenig das Filmvergnügen.


Dienstag, 13.10.09


Little Miss Sunshine“ (RBB, 22.50 Uhr)

Macht weiter die Runde in der Wiederverwertungsrunde der Öffentlich-Rechtlichen. Da kann aber der Film nichts für, der natürlich nach wie vor stets zu empfehlen ist. - REZENSION


Mittwoch, 14.10.09


Spaceballs“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Ich dachte wenn ich die parodierten „Star Wars“ Filme endlich kennen würde, würde ich Mel Brooks Sternen-Parodie endlich auch mal richtig lustig finden. Das war jedoch ein Trugschluss. Nein, mit dem Film werde ich nicht richtig warm.


12 Monkeys“ (SWR, 23.00 Uhr)

Während sich „Little Miss Sunshine“ noch in ersten Wiederholungsrunde befindet, dreht sich Gilliams clever konstruierter Sci-Fi Thriller bereits in der Endloschleife. Ich glaube tatsächlich das „12 Monkeys“ der am häufigst wiederholte Film im deutschen Fernsehen ist. Ob das daran liegt, das ihn kaum einer verstehen zu glaubt?


Donnerstag, 15.10.09


I'm A Cyborg, But That's Okay“ (WDR, 23.15 Uhr)

Park Chan-wook wird demnächst mit „Thirst“ wieder in den deutschen Kinos zu sehen sein. Vorher kann man sich in der Free TV-Premiere (Man höre und staune) noch den letzten Film des ambitionierten Regisseurs ansehen. Bin sehr gespannt. Neben dem Hitchcock der einzige Film der Woche der für mich persönlich von Relevanz ist.


Freitag, 16.10.09


X-Men“ (RTL II, 20.15 Uhr)

Wer den noch nicht gesehen hat lebt wohl hinter dem Mond, oder hat auf das Genre partout keine Lust. Und ansonsten brauche ich den ja nun wirklich nicht mehr empfehlen. Es weiß wohl jeder selbst, das der gut ist.


Der Einsatz“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Geht erstaunlicherweise sehr in Ordnung, gerade die erste Hälfte ist durchaus stimmig geraten. In der Summe solider CIA-Thriller in dem Al Pacino durchaus gefällt, was ja nun leider in Bezug auf sein Spätwerk immer seltener der Fall ist.


Samstag, 17.10.09


Die Reise der Pinguine“ (Sat 1, 20.15 Uhr)

Mit dem Oscar ausgezeichnet aber auch umstritten, glänzt die Dokumentation wohl zuvorderst mit grandiosen Aufnahmen. Ist aber nicht mein Fall, so dass ich die Frackträger links liegen lassen werde.


James Bond - Goldeneye“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Der erste James Bond mit Pierce Brosnan, gefühlt liegen die Neunziger auch schon wieder eine halbe Ewigkeit zurück. Jedenfalls geht sein Debüt schwer in Ordnung. Ein guter James Bond und der mit Abstand beste von Brosnan.


Der Mieter“ (WDR, 23.45 Uhr)

Roman Polanski ist zurzeit in aller Munde. Über jeden Zweifel erhaben ist sein Filmwerk. „Der Mieter“ habe ich aber leider immer noch nicht gesehen, wird dieses mal aber endlich aufgenommen. Nebenan gibt es weiterführende Worte zum Film.


Sonntag 18.10.09


James Bond – Die Welt ist nicht genug“ (Pro 7, 20.15 Uhr)

Der dritte Bond mit Brosnan und schon sehr viel kritischer zu sehen, vor allem was Inhalt und Form angeht. Nichts desto trotz ist die Besetzung der Bondgirls in dem Streifen über jeden Zweifel erhaben: Denise Richards und Sophie Marceau – ich habe keine Fragen mehr.




Und wer meinem Urteil nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Freitags beim Zeitverschwender und Hard Sensations, sowie Sonntags bei Blockbuster-Entertainment. Und der ganz besonderen TV-Tipp der Woche lässt sich (manchmal) bei Intermoviession finden (ebenfalls Sonntags).


Foto: „One less TV“ by Kevin Steele, lizenziert unter CC-BY-NC

Rezension: "Gigante"














Die romantische Komödie ist ein schwieriges Metier. Entweder zu albern oder aber hemmungslos verkitscht erweist sie sich immer wieder als ein Genre, das auf Grund des erforderlichen Fingerspitzengefühls in der Inszenierung immer wieder vor die Wand gefahren wird. Gigante aber war auf der diesjährigen und 59. Berlinale ein umwerfender Erfolg beschieden. Mit insgesamt drei Auszeichnungen ist der uruguayische Film bedacht worden, darunter unter anderem der Preis für das beste Erstlingswerk sowie dem Großen Preis der Jury. Und auch wenn man mit den Rückschlüssen, die man aus der Vergabe von Preisen meint ableiten zu können, stets vorsichtig sein sollte, erweist sich diese Zurückhaltung im Fall von „Gigante“ als unbegründet. Regisseur und Drehbuchautor Adrián Biniez, der mit seiner sympathischen Dankesrede auch abseits seines Films zu gefallen wusste, hat mit „Gigante“ einen sehr reduzierten, stillen und nuancierten Film geschaffen, der sowohl als Romanze wie auch als Komödie funktioniert. Es ist geradezu erstaunlich, wie viel Biniez in seinem Film auszusagen vermag, ohne seine Protagonisten im eigentlichen Sinn miteinander kommunizieren zu lassen. Auf geschickte Art und Weise wird in „Gigante“ romantische Geschichte und postmodernes Setting - allumfassende Überwachung und Konsumtempel - miteinander verknüpft. Gerade der zentrale Ort der Handlung, der Supermarkt wie er überall auf der Welt stehen könnte, trägt entschieden dazu bei die Erzählung als solche zu einer Parabel zu stilisieren, die universelle Geltung beanspruchen kann.


Jara (Horacio Camandulle) ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Bär von einem Mann. Ebenso übergewichtig wie gutmütig verbringt der Single seine Tage mit dem Hören von harter und lauter Heavy Metal Musik und die Nächte bei seiner Arbeit im örtlichen Supermarkt. Dort ist er während der Nachtschicht dafür zuständig die Reinigungskräfte des Marktes im Auge zu behalten. Es ist kein sehr aufregender Job den Jara nachgeht. Seine Zeit verbringt er mit dem Lösen von Kreuzworträtseln und dem Verzehr von Kuchen. Eines Tages jedoch, oder man sollte besser sagen Nachts, entdeckt er auf seinem Monitor die hübsche Julia (Leonor Svarcas): Es ist quasi Liebe auf den ersten Blick. Doch wie soll er, der so gut wie keine sozialen Kontakte pflegt und auch während seiner Arbeit mit kaum niemandem in Kontakt kommt, diese Frau auf sich aufmerksam machen. Und so beobachtet er sie Nacht für Nacht und nicht nur das: Auch an den Tagen folgt er seiner Angebeteten auf Schritt und Tritt. Geht Julia ins Kino, geht auch Jara ins Kino. Geht sie in ein Internet-Café, ist auch er dort zu finden. Nach einigen Tagen verliert Julia auf der Straße einen Lippenstift, den Jara in der Folge hütet wie einen Klumpen Gold. Als seine heimliche Liebe jedoch wenig später auf Grund von Einsparmaßnahmen der Marktkette ihren Job verliert, steht Jara vor einer schwierigen Entscheidung.


Gigante“ ist eine ganz spezielle, weil nicht gerade typische, Beziehungskomödie, da die Beziehung als solche quasi bis zum Abspann des Films nicht existent ist. Mit viel Gespür für den Moment konstruiert Biniez „Gigante“ um das Zentrum des Films Jara herum. Ihm gelingt es dabei Jara als einen sympathischen, schüchternen und im Leben unbeholfenen Mann zu zeigen, über den man auch lachen kann, ohne sich über ihn lustig zu machen. Schauspieler Horacio Camandulle gelingt in „Gigante“ ein ausdrucksstarkes Porträt eines Metal hörenden und von der Umwelt abgekapseltem Menschen, der sich entweder irgendwann öffnen muss, oder aber in seinem Kokon verharren wird. Dass das Spiel zwischen Romanze und Obsession, von dem der uruguayische Regisseur auch erzählt, gelingt, ist somit vor allem das Verdienst von Camandulle der sein über weites Strecken sehr reduziertes Spiel in den richtigen Momenten zu intensiveren vermag. Sein Gegenüber, Leonor Svarcas, kommt dabei auf den ersten Blick eine etwas undankbare Rolle zu, in der sie aber ihr vorhandenes Potential zu offenbaren vermag. Svarcas sind über die gesamte Spielzeit nur circa zwei Sätzen vergönnt, so dass sie die notwendige Präsenz ausschließlich über ihre Mimik und Körpersprache ausstrahlen muss, was ihr auch gelingt.


In gewisser Weise stellt „Gigante“ auch ein Statement gegen die immer weiter fortschreitende Technisierung der Welt und die damit verbundene emotionale Gleichgültigkeit dar. Eingebettet ist der Film in einen ökonomischen Konflikt zwischen Angestellten und Konzern, der schon seit langer Zeit einen umfassenden Stellenabbau plant, dem ja auch Julia zum Opfer fällt. Gekleidet ist die in „Gigante“ erzählte Geschichte, sofern sie im Supermarkt spielt, in kalte, bläuliche und von Neonlicht dominierte Bilder, denen jede Herzlichkeit und Behaglichkeit abhanden gekommen ist. Es kommt wohl nicht von Ungefähr, das sich Jaras Wut auf sich und die Welt irgendwann im Supermarkt entladen wird, dem nachts fast etwas Lebensfeindliches innewohnt. Neben dieser nachdenklichen Ebene wird „Gigante“ aber auch immer wieder durch einen feinsinnigen Humor durchzogen, der dezent und stets zum rechten Zeitpunkt eingesetzt wird. Gelungen ist auch die musikalische Untermalung die stilecht, wie sollte es bei Jara auch anders sein, immer wieder auf ruppigen Heavy Metal setzt und sich - so komisch es klingen mag - stimmig in diese ansonsten doch so ruhige Liebesgeschichte einfügt.


Adrián Biniez setzt dabei in der Inszenierung vor allem auf eine Konstante: dem Voyeurismus seines Protagonisten und des Zuschauers. Immer wieder erlaubt Biniez dem Publikum den Blick durch Jaras Augen. Dass zwischen reiner Neugier und Obsession nur ein schmaler Grat besteht, auch dafür ist dieser Film in den heutigen Zeiten, in der der Mensch immer gläserner wird, ein gelungenes Statement. Vor allem aber muss „Gigante“ als unwahrscheinlich zarter und behutsamer Film verstanden werden, der zudem durch seine fast zur Bewegungslosigkeit erstarrten Bedächtigkeit in der schnelllebigen Gegenwart des 21. Jahrhunders eine wohltuende Akzentuierung der Gemächlichkeit darstellt. Am Ende wird Jara dem Zuschauer ans Herz gewachsen sein und mitfiebern ob und wie er den entscheidenden Schritt in seinem Leben gehen wird. Man hat ihn gerne dabei begleitet, denn Adrián Biniez ist mit „Gigante“ nicht nur ein vielversprechendes Debüt gelungen, sondern auch eine wunderbare Romanze, die sich wohltuend vom Hollywood-Einerlei abzuheben vermag. - Fazit: 8 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Gigante". © 2009 Neue Visionen


Vorschau: Neuer Trailer zu "The Boondock Saints II

Holy smoke! Haben die auf einmal verstanden, wie man einen ordentlichen Trailer produziert? Mir hat der erste Trailer zum Sequel des Kultfilms „Der blutige Pfad Gottes“ ja nicht so gut gefallen. Nun ist ein neuer Trailer erschienen und der zeigt den kommenden „The Boondock Saints II: All Saints Day" in einem ganz anderen Gewand. Jetzt habe ich sogar ein wenig Lust auf den Streifen bekommen, obwohl ich immer noch sehr, sehr skeptisch bin, was dieses Sequel angeht. Aber vielleicht bewahrheitet sich ja in diesem Fall ausnahmsweise Mal der alte Spruch: „Was lange währt, wird endlich gut!“


Quelle: YouTube


Rezension: "Carriers"












Die Besprechung enthält Spoiler!


Ob nun die Vogelgrippe oder aber die Schweinegrippe: Stets waren die jeweiligen Erreger kurz nach ihrem erstmaligen Auftritt auf der Bühne Erde auch die Hauptdarsteller in dem einen oder anderen Film. So wie sich die Menschheit offensichtlich gerne Filme über die Zerstörung ihrer eigenen Erde ansieht, Emmerich lässt demnächst mit „2012“ wieder freundlich grüßen, gibt sie sich auch gerne dem Vergnügen hin ihrer eigenen Spezies bei der virenbehafteten cineastischen Auslöschung beizuwohnen. Und so ist das diesjährige Fantasy Filmfest stilecht mit „Carriers“ eröffnet worden, der kurz nach dem internationalen und weltweiten Release der Schweinegrippe im Fahrwasser der allgemeinen Aufmerksamkeit nach drei Jahren, immerhin wurde der Film bereits 2006 abgedreht, nun doch seine Kinoauswertung erfährt. Nun mögen diese einleitenden Worte ohne Zweifel ein wenig flapsig klingen, schließlich stellt die Schweinegrippe eine ernste Erkrankung dar, die gerade in den USA und Mexiko schon zahlreiche Tote gefordert hat. Nichtsdestotrotz kann auf die latente Perversität, dass ein Virenfilm erst seine Kinoauswertung erfährt, wenn es auch mal wieder einen weltweiten Virus gibt, ruhig einmal ironisierend hingewiesen werden.


Carriers“ erzählt die Geschichte einer Welt, die in Auflösung begriffen ist. Ein weltweites Virus, das nicht zu stoppen war, hat die Menschheit an den Rand ihrer Ausrottung gebracht. Die Suche nach einem Heilmittel war nicht erfolgreich, so dass die Krankheit nach wie vor nach einigen Tagen unweigerlich zum Tod führt. Die wenigen Überlebenden und Gesunden, die es noch gibt, versuchen sich so gut es geht, vor einer Ansteckung zu schützen. Darunter auch der Heißsporn Brian (Chris Pine), der sich mit seiner Freundin Bobby (Piper Pirabo) sowie seinem Bruder Danny (Lou Taylor Pucci) und dessen Bekanntschaft Kate (Emily VanCamp) auf der Flucht nach nirgendwo befindet. Ihr Ziel ist ein kleiner Strand, den Brian und Danny als Kinder geliebt haben und an dem sie das Ende der Epidemie abwarten wollen. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf einen Familienvater und dessen infizierter Tochter, der Gerüchte von einem Ort gehört hat, an dem ein Arzt ein Heilmittel gegen die Seuche entwickelt haben soll.


Die Brüder Alex und David Pastor haben mit „Carriers“ nun ihr Spielfilm- und Kinodebüt realisieren können, das in der Summe als leicht gehobene Durchschnittsware bezeichnet werden muss. Während für die Krankheit keine Erklärung angeboten wird, worauf es in dem Film aber auch nicht ankommt, versteht sich „Carriers“ in seiner Konzeption zuvorderst als zwischenmenschliche Charakterstudie. In einer Welt, in der das eigene Überleben zur obersten Maxime avanciert, muss der Kampf um Lebensmittel, Wasser, Benzin und sonstige Ressourcen das soziale Gefüge vor die ultimative Zerreißprobe stellen. Dieser Konflikt wird von den Pastors auf das Brüderpaar nebst Anhang übertragen. Brian, der sich Anführer der kleinen Gruppe erkoren hat, hat drei unumstößliche Regeln für das Überleben aufgestellt. Die Wichtigste davon ist: Wer infiziert ist, ist verloren und bleibt zurück. Was man als Ausgangspunkt für eine intensive Beschäftigung mit dem Sujet hätte nutzen können (es ist keine Überraschung das sich schon bald auch einer aus der Gruppe mit dem Virus infiziert), verläuft in „Carriers“ aber leider recht bald im schlampig inszenierten Sand der Handlung.


Das Fehlen von Logik innerhalb der Narration wäre ein Stück weit zu verschmerzen gewesen, wenn es um einen spannungsgeladenen horrorlastigen Virusstreifen gegangen wäre. Darum aber geht es in „Carriers“ nicht, der die Spannung aus der Konstellation seiner Protagonisten beziehen muss. Ausgerechnet dort aber ist leider des Pudels Kern der Inkonsequenz veranschlagt: Warum sich die vier Protagonisten dazu entscheiden die Regeln zu brechen und infizierte Fremde mitnehmen, sich aber später völlig gnadenlos ungeachtet der familiären Bande über den Haufen schießen, ist nicht nur unlogisch, sondern führt „Carriers“ damit auch ein Stück weit ad absurdum. Ein wenig mehr Sorgfalt in Sachen Drehbuch wäre an dieser Stelle mehr als angebracht gewesen. Inszenatorisch hingegen geht der Erstling von Alex und David Pastor durchaus in Ordnung. Zwar ist die menschenbefreite Umgebung einer sich sich in Auflösung befindenden Gesellschaft mittlerweile auch ein wenig ausgelutscht, aber gerade dort kann „Carriers“ mit ihrem weg von der Stadt und hin zu den Weiten der amerikanischen Natur durchaus punkten.


Darstellerisch stellt „Carriers“ eine zweischneidige Angelegenheit dar. Während Chris Pine stets ein wenig angestrengt wirkt, weiß sein Filmbruder Lou Taylor Pucci durchaus zu gefallen. Von den beiden weiblichen Hauptrollen kann sich so wirklich keine in den Vordergrund spielen. Am ehesten kann dies dann noch Emily VanCamp für sich in Anspruch nehmen, deren Charakter sich im Film am meisten wandeln darf. Aber gerade auch in Bezug auf das ungleiche Brüderpaar versäumt es der Film in seinem stupiden Gegensatz aus unüberlegtem Heißsporn und smartem Weichei, über simple Klischees hinaus zu wachsen. „Carriers“ ist dabei nicht langweilig im eigentlichen Sinn. Er macht aber viel zu wenig aus seinen vorhandenen Möglichkeiten, die der Film aber gerade in Anbetracht seines Potentials hätte nützen müssen. So stellt die gesamte Handung nicht viel mehr als ein Road Trip von vier Menschen durch eine fast unbevölkerte USA dar, deren Schicksal dem Zuschauer aber nie wirklich wichtig ist. - Fazit: 6 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Carriers". © 2009 20th Century Fox


Rezension: „Watchmen: Tales of the Black Freighter“

Der deutsche Konsument ist in Sachen „Watchmen“ mal wieder in den Allerwertesten gekniffen. Sorgte im Vorfeld des Kinostarts bereits der juristische Streit zwischen Warner Brothers und Paramount Pictures um die Rechte an der Verfilmung von „Watchmen“ für Schlagzeilen, so ist auch die Rechteteilung in Sachen Heimvideo-Vermarktung des Franchise für den europäischen Markt nicht gerade vorteilhaft verlaufen. So ist ein Release des „Director's Cut“ sowie der „Ultimate Edition“ (mit den hinzugefügten „Black Freighter“-Sequenzen) durch Paramount in Europa bislang nicht vorgesehen, so dass man sich gezwungenermaßen in den USA bedienen muss, wo Warner die die Vermarktung der Silberscheiben übernommen hat. Was für den der englischen Sprache mächtigen europäischen Kunden immerhin noch ein lösbares Problem darstellt – Import hilft immer – scheint somit für deutsche Kunden, die auf eine deutsche Übersetzung Wert legen, keine adäquate Lösung – zumindest was den „Director's Cut“ und die „Ultimate Edition“ angeht.









Immerhin ist jedoch auch auf dem deutschen Markt die DVD „Watchmen: Tales of the Black Freighter“ erschienen, so dass zumindest diese Vertiefung - wenn auch vom Hauptfilm losgelöst – für den deutschen Watchmen-Freund verfügbar ist. Connaisseure des Comics wissen natürlich sofort wovon die Rede ist, wenn der Titel „Tales of the Black Freighter“ fällt: Jener Comic im Comic, der im Watchmen-Universum von einem Passanten gelesen wird und somit in den Comic als Solchen eingewoben ist. In diesem wird die Geschichte eines Seemanns erzählt, dessen Schiff von den blutrünstigen Piraten des Schwarzen Frachters aufgerieben wird. Als einziger Überlebender bastelt er sich aus den verwesenden Leichen seiner Crew ein Floß, dass ihn zurück zu Frau und Kind bringen soll, bevor die Piraten auch in seinen Heimatort einfallen. Die unter der Leitung von „Watchmen“-Regisseur Zack Snyder entstandene Zeichentrickadaption erweckt diesen Comic nun auch im Film zum Leben. Es braucht an dieser Stelle nicht ausführlich auf die Parallelen zwischen der in Watchmen erzählten Geschichte und dem Inhalt des Comics verloren werden: Die intelligente Parabel, in der Gerad Butler als Erzähler gefällt, spricht in der Tat für sich. Die gut 30minütige Adaption überzeugt dabei durch ihre kompromisslose und luzide Umsetzung, sowie ihrem atmosphärischem Farbenspiel, so dass „Tales of the Black Freighter“ eine gelungene Erweiterung des Watchmen-Universums darstellt. - Fazit: 7 von 10 Punkten














Neben dem Zeichentrickfilm bietet die DVD auch die fiktive Dokumentation „Under The Hood“, in der Hollis Mason im Rahmen eines Fernsehinterviews zu seiner Autobiographie befragt wird. Die in den Siebziger Jahren verortete Dokumentation zeichnet so die in Watchmen erzählte Geschichte der maskierten Helden, die auch im Comic selbst durch in die Narration implementierten Auszüge aus Hollis' Biographie vertieft wurde, auf äußert kreative Art und Weise nach. Wenn man so will, ist diese fiktive Dokumentation fast noch interessanter als „Tales of the Black Freighter“ geraten. In stilechter Optik, immer wieder durch Werbepausen unterbrochen, pendelt die Sendung zwischen Interviews mit den Helden der ersten Generation und „historischen“ Zeitaufnahmen hin und her. Eine ganze Reihe der Darsteller die in „Watchmen“ nur am Rande zu sehen waren, erfahren an dieser Stelle, wie auch die Geschichte als solche, eine informative Weiterführung. Gerade die durchweg überzeugenden Leistungen der Darsteller, die ja immerhin eine fiktive Rolle in Form einer Dokumentation möglichst authentisch wirken lassen mussten, haben sich an dieser Stelle eine positive Anmerkung verdient - Fazit: 7,5 von 10 Punkten.


Insgesamt stellt die DVD „Watchmen: Tales of the Black Freighter“ eine für den Interessierten sinnvolle Ergänzung des Hauptfilms dar. Es sei deshalb noch mal nachdrücklich vermerkt: Man kann Synder und den an dem Projekt Beteiligten mehr als nur einen eminenten Fehler in der Umsetzung vorwerfen, jedoch kommt man nicht darum herum zu konstatieren, dass man sich gerade mit dieser DVD alle Mühe gegeben hat die Grenzen der im Kinofilm entworfenen Welt ein großes Stück zu erweitern.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Watchmen: Tales of the Black Freighter". © Paramount Pictures


 
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