Nun wird bald auch das Kinojahr 2009 Geschichte sein. Und auch wenn 2009 der Ruf zuteil wird, dass aus cineastischer Hinsicht außer Spesen nicht viel gewesen sei, so gab es sie doch: Außergewöhnliche Filme, mit denen man lachen, leiden und weinen durfte. Dafür musste man sich aber zumeist den kleineren Filmen, dem Independentkino und sonstigen internationalen Produktionen außerhalb von Hollywood seine Aufmerksamkeit schenken. Die großen Blockbuster nämlich, welche seit Jahren die riesigen Säle der Multiplexxe dominieren, wollten in diesem Jahr nicht so wirklich zünden (Ausnahmen bestätigen da nur die Regel). So entpuppten sich Filme wie zum Beispiel „Wolverine“, „Public Enemies“ und allen voran natürlich der desaströse „Terminator – Die Erlösung“ im besten Fall als solide aber fade Kost, und im schlechtesten Fall als ungenießbarer Fast Food. Verlierer des Jahres ist dann auch ganz klar Christian Bale, im Vorjahr mit „The Dark Knight“ noch auf der Sonnenseite zu finden, der erst mit seiner verunglückten John Connor-Interpretation entscheidend dazu beitrug, das Terminator-Franchise vor die Wand zu fahren, und dann noch das Pech hatte, in Manns verunglücktem Gangster Epos "Public Enemies" eine tragende Rolle spielen zu müssen. Immerhin aber hat er sich mit seinem Ausraster am Set von „Terminator 4“ den Award für den Ausraster des Jahres verdient. Glückwunsch!
Deutlich besser lief es da für Kate Winslet, die 2009 endlich für ihre jahrelangen Spitzenleistungen belohnt wurde. Sie durfte nicht nur zwei Golden Globes mit nach Hause nehmen, sondern endlich, endlich auch ihren ersten Oscar. Das sie diesen für ihre im direkten Vergleich schwächere Rolle als Hannah Schmitz in „Der Vorleser“ bekommen hat, und eben nicht für „Zeiten des Aufruhrs“, lässt sich unter diesen Gesichtspunkten leicht verschmerzen. Und so ist es mit Sicherheit keine Überraschung, wenn Kate Winslet auch bei mir persönlich das Rennen um den Titel der besten Darstellerin 2009 gemacht hat. Dabei war ihre Konkurrenz mit Charlotte Gainsbourg (Platz 2), die sich in Lars von Triers Tour de Force „Antichrist“ bis zur Selbstaufgabe die Seele aus dem Leib gespielt hat, sowie Penélope Cruz (Platz 3), die in Pedro Almodóvars „Zerrissene Umarmungen“ irgendwo zwischen Monroe und Hepburn mit Esprit und Leidenschaft agierte, durchaus hochkarätig. Im Übrigen würde ich mit dem Kollegen von Nebenan durchaus d'accord gehen: Gegen die Nominierung von Paz de la Huerta als „Hottest Actress in a supporting Role of the Year“ für ihre Rolle in „The Limits of Control“ hätte ich ebenfalls nichts einzuwenden. Bei den Männern hingegen kann es in diesem Jahr nur einen geben, auch wenn die Academy dies anders gesehen hat. Sean Penns Verkörperung von Harvey Milk in „Milk“ war nun mal die wichtigere Rolle und trotzdem: Mickey Rourkes bewegende Verkörperung des abgehalfterten Kämpen in Darren Aronofskys Sport-Drama „The Wrestler“ war trotz dessen kolossaler Erscheinung von einer solchen imposanten Zartheit geprägt, wie man es Rourke nicht zugetraut hätte. Dagegen kann der ohne Zweifel in „Inglourious Basterds“ begnadet aufspielende Christoph Waltz auch nichts mehr ausrichten.
Auch musikalisch war das Kinojahr 2009 mit Sicherheit nicht ohne, auch wenn Quentin Tarantino „Inglourious Basterds“ mit einen für seine Verhältnisse sehr zurückhaltenden Soundtrack ausgestattet hat, so dass die musikalische Untermalung nicht so dominant war, wie in seinen bisherigen Filmen. Was in diesem Fall vielleicht auch ganz gut war. Für die Top 3 in dieser Kategorie hat es dieses Jahr jedenfalls (zu meiner Überraschung) nicht gereicht. Auf den dritten Platz kann sich Alexi Murdoch platzieren, der mit seiner ruhigen, gittarenlastigen und melancholischen Musik den ebenso melancholischen „Away we Go“ dominiert, und sich allen voran mit „All My Days“ als echter Glücksgriff für den Film erweist. Auf den zweiten Platz hat sich der Boss höchst persönlich geschoben. Bruce Springsteens gleichnamiger Titelsong für „The Wrestler“ wurde in diesem Zusammenhang völlig zu Recht mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Das Rennen macht jedoch eine aktuelle Präsidentengattin. Carla Bruni versüßt mit ihrer rauchigen Stimme die wunderbar romantische Antiromanze „(500) Days of Summer“, die per se mit einem extrem wandelbaren und ausgezeichneten Soundtrack aufwarten kann. Brunis „Quelqu'un qui m'a dit“ ist da nur noch das Tüpfelchen auf dem I.
Aber gehen wir nun langsam ans Eingemachte. Fasst man meine regulären Kinobesuche, Pressevorführungen, sowie meinen „Dauereinsatz“ beim diesjährigen Fantasy Filmfest zusammen, habe ich in diesem Jahr 75 Filme auf der großen Leinwand sehen dürfen (und ja, zum Teil auch sehen müssen). Aus diesen die Top 10 der besten Filme zusammenstellen ist nun kein Ding der Unmöglichkeit, aber auch nicht gerade einfach. Im Folgenden werden sich zwei Listen finden lassen. Zunächst werde ich unter Berücksichtigung regulärer Filmstarts und den Premieren auf dem Fantasy Filmfest zehn Filme in alphabetischer Folge auflisten, die mir ganz besonders gut gefallen haben, oder die ich als wichtig erachte. Filme, jedenfalls, die ich Jedem ans Herz legen wollen würde. Dann wird es richtig spannend: Von Platz 10 bis Platz 1 werden sich die zehn Kinofilme wieder finden, die meiner Meinung nach die Highlights dieses Jahres darstellen. Here we Go! PS: Ein Klick auf das Bild zum Film, bringt euch dann zur der vollständigen Rezension des jeweiligen Films.
Falls es auch der Letzte immer noch nicht begriffen haben sollte: „Can you finally dig it?“ Es ist Black Dynamite! *Dynamite! Dynamite!* Der coolste Motherfucker in Town. 2009 war die Blaxploitation wieder en vogue. Ein bisschen jedenfalls, denn ernst genommen werden wollte „Black Dynamite“ natürlich zu keinem Zeitpunkt. Bleibt nur zu hoffen, dass der Film im nächsten Jahr endlich einen Verleih findet, denn diese kleine und ultralustige Hommage hätte es mehr als verdient. „Black Dynamite“ stellt nämlich nicht weniger als den lustigsten Film des Jahres dar. Und das ist jetzt zur Abwechslung mal völlig ernst gemeint.
Ole Bornedals „Deliver us from Evil“ taucht aus genau einem Grund nicht in der der nachfolgenden Top 10 der Kinofilme auf. Ich habe die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass dieser Film im nächsten Jahr hierzulande doch noch seine reguläre Kinoauswertung erfährt. Bornedal gelingt mit seinem Film über alltägliche Gewalt und Rassismus im Dänemark des 21. Jahrhunderts einen der eindringlichsten, wuchtigsten und niederschmetternsten Filme in diesem Jahr. Die Abgründe, die Bornedal in seinem auch in der Optik nachhaltig wirkenden Film thematisiert, sind so tief, dass man sich unweigerlich erschrecken muss. Auch wenn das Finale – zugegeben – vielleicht eine Spur zu dick aufträgt. Die Höchstwertung von 10/10 ist enichts desto trotz eine wohl überlegte und hoch verdiente Angelegenheit.
„The House of the Devil“ ist ein klassisch altmodischer Horrorfilm in Achtziger Jahre Optik. Leider ist diese Art von Horrorfilm in den Kinos nur noch sehr selten zu finden. In welcher Tradition dieser kleine, aber durchaus dreckige Horrorspaß steht, daraus macht der Film zu keinem Zeitpunkt einen Hehl. Wenn einem also das Gezeigte immer wieder bekannt vorkommt, dann liegt das in der Natur der Sache, zumal der Film bewusst mit den Erwartungen der im Genre geschulten Publikumsaugen spielt. Und auch wenn es das obere Bild durchaus suggeriert, richtig blutig wird die ganze Angelegenheit erst gegen Ende. Bis dahin versteht sich Regisseur Ti West, mit wohltuender Bedächtigkeit inszenierend, gekonnt darauf den Horror zuvorderst durch eine passend durchkomponierte Klangkulisse in Szene zu setzten. Dass mit Jocelin Donahue noch dazu eine absolut sympathische Darstellerin gewonnen werden konnte, rundet das ganze Bild noch zusätzlich ab.
Holocaust und Nationalsozialismus waren auch in diesem Jahr wieder ein beliebtes (und überstrapaziertes) Thema im Kino. „Der Junge im gestreiften Pyjama“ war da ohne jeden Zweifel der qualitative Ausreißer nach oben. Mark Herman ist mit diesem Film eine feinfühlige und behutsame Adaption des gleichnamigen Jugendbuchs gelungen, welches die Schrecken des Holocaust durch die (unschuldigen) Augen eines Kindes betrachtet. Von allen Beteiligten nuanciert gespielt, sowie mit einem wunderbaren Score ausgestattet, mündet der Film am Ende in ein nur schwer zu schluckendes, in Anbetracht des Themas aber konsequentes Ende. Schade, dass sich auch dieser Film, der zu den stärksten des vergangenen Jahres gehört, in der Folge mit revisionistischen Vorwürfen herumschlagen musste.
Gus van Sants „Milk“ brachte Sean Penn seinen zweiten Oscar ein. Eine Auszeichnung an der es in der Sache nichts zu rütteln gibt. Auch der Film selbst, der sich mit dem Leben und letztlich auch Sterben von Harvey Milk beschäftigt, in den USA der Siebziger Jahre als erster Homosexueller in ein wichtiges öffentliches Amt gewählt, weist im Grunde nur wenige Schwächen auf. „Kämpfe für deine Rechte“ ist dabei die überdeutliche und richtige Botschaft des Films, dessen Stärke es auch ist, in seinen letztendlichen Aussagen ein Manifest gegen Diskriminierung und Benachteiligung jeglicher Couleur zu sein.
Vielleicht hätte Michael Mann besser bei Jean-François Richet angerufen und sich erzählen lassen, wie man das mit den Staatsfeinden im Kino vernünftig hinbekommt. Richet nämlich ist mit seinem doppelten Biopic („Mordinstinkt“/“Todestrieb“) über Jacques René Mesrine, in den Siebziger Jahren Frankreichs meistgesuchter Verbrecher, ein echtes Highlight gelungen. In weiten Teilen absolut überzeugendes Erzählkino, mit Anleihen an den klassischen französischen Kriminalfilm der sechziger und siebziger Jahre ausgestattet, sowie mit teils abstoßender Gewalt versehen, gelingt dem Film eine luzide Darstellung eines ambivalenten Kriminellen, ohne aber in diesem Zusammenhang in eine sklavische Aneinanderreihung von Ereignissen zu verfallen. Die hervorragende Performance von Vincent Cassel setzt der ganzen Angelegenheit dann endgültig die Krone auf.
„Mr. und Mrs. Smith“ kann man getrost vergessen, wenn man „Sexykiller“ hat. Oder mit anderen Worten: Die kleine, aber feine spanische Produktion ist all das, was der Brangelina Kindergeburtstag gerne wäre: Witzig, sexy und sehr, sehr blutig. Dabei ist die ganze Chose, (Studentin mit einer fast schon krankhaften Affinität zu Barbie verdingt sich in ihrer Freizeit als Profikillerin) natürlich hochgradiger Schwachsinn. Das tut dem Spaß jedoch keinen Abbruch, zumal mit Macarena Gómez ein Mädel für die männermordende Amazone an Land gezogen wurde, dessen Äußeres der Attraktivität des Plots in nichts nachsteht. Schade nur, das dem Streifen in der zweiten Hälfte und dem damit verbundenen Schwenk weg von der Serienkiller-Hommage und hin zur Zombie-Klamotte ein wenig die Luft ausgeht.
„Trick' R Treat“ wird wohl für die nächsten Jahre mein ganz persönlicher Streifen für Halloween werden. Angelegt als flotte Mixtur aus knallbunter Bonbonoptik und deftig blutigen Elementen, zeichnet sich „Trick' R Treat“ vor allem durch seinen schwarzen Humor aus, der den Streifen stetig durchzieht. Vor allem Anna Paquin gefällt in ihrer Rolle des Mauerblümchens, das bei weitem nicht so harmlos ist, wie es wirkt. Die anekdotenhafte Struktur des Films erweist sich in diesem Fall als echter Glücksgriff, so dass der herrlich skurrile Halloween-Spaß zu keinem Zeitpunkt wirklich langweilig wird. In diesem Sinne: Süßes oder Saures!
Sam Mendes' Yates-Verfilmung „Zeiten des Aufruhrs“ bringt mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet das Traumpaar von James Camerons Schiffsausflug mit Eisberg wieder zusammen, nur das es diesmal mit der Idylle und Harmonie in der zwischen Beiden nicht sonderlich weit her. In dem Drama, das wie so oft bei Mendes, Beziehungen und deren oftmals scheinheiligen Perfektion gnadenlos auseinander nimmt, zeigt sich dann, was DiCaprio und Winslet drauf haben, so man sie richtig "kitzelt". Beide spielen nämlich unter der Leitung von Mendes auf, wie nur selten zuvor. Die Folgen sind bekannt, das mit dem Oscar und den Globes für Kate hatten wir ja vorhin schon einmal.
Wenn es ein Zombiefilm in eine meiner Bestenlisten schafft, dann ist entweder etwas verkehrt gelaufen, oder aber der Film war in der Tat sehr, sehr gut. Letzteres ist in der causa „Zombieland“ der Fall. Vielleicht liegt es aber daran, dass der Film das ganze Zombiethema nicht ernster nimmt, als unbedingt nötig. Und wenn dann noch zum Einen Woody Harrelson als gutmütiger „Natural Born Killers“ - Verschnitt um die Ecke kommt und zum Anderen Bill Murray einen der genialsten Cameos des letzten Jahres abliefert, ist das Glück perfekt. Ich freue mich jetzt schon auf die DVD, einen Twinkie und den schon beschlossenen Nachfolger zu diesem sehr gelungenen Spaß für Zwischendurch.
Und bevor es nun ernst wird, ist es an der Zeit für eine kleine Pause. Diese versüßen wir uns mit einem kurzen, aber eindrucksvollen Zusammenschnitt aus Trailern des letzten Jahres. Aber auch hier ist der Fokus auf die großen Blockbuster offenkundig. Zyniker könnten an dieser Stelle glatt behaupten, dass sich alles, was zur Zeit im Kino falsch läuft, in diesen 1.39 Minuten bündelt.
Die zehn besten Kinofilme in 2009
Auf der Berlinale gefeiert und dann doch zu wenig beachtet. Das war leider das Schicksal von Adrián Biniez' Debüt "Gigante". Dabei hat der Uruguayer abseits von Hollywood einen stillen lauten Film von wohltuender Bedächtigkeit geschaffen, dem man spätestens auf DVD eine Chance geben sollte. Die völlig untypische Beziehungskomödie, immerhin wechselt der gutmütige Jara (Horacio Camandulle) bis zum Ende kein einziges Wort mit seiner Angebeteten, präsentiert sich sich als nachdenklich-humorisitsches Kammerspiel dessen Bühne ein nächtlicher Supermarkt ist.
Der Freund des klassisch-okkulten Horrors, ich habe es in Sachen „The House of the Devil“ bereits angedeutet, hat es im Kino der letzten Jahre nicht gerade leicht gehabt. Zu oft definiert sich der gegenwärtige Schrecken im Kino durch rauschende Blutbäder und exzessive Gewalt. Zum Glück gibt es ja auch noch Sam Raimi, der zwischen seinen Spinnenmann-Blockbustern mit „Drag me to Hell“ einen wunderbar altmodischen Horrorfilm mit Augenzwinkern abgedreht hat. Eine knackige Soundkulissse, sowie gekonntes Spiel mit den Schatten einerseits und den Geistern der Horrorgeschichte andererseits, nebst einer nicht geringen Priese schwarzen Humors, wachsen sich zu einem gelungenen Horrorspaß der Extraklasse aus. Das die von Raimi erzählte Geschichte nicht gerade innovativ geraten ist und das das Ende doch arg vorhersehbar ist, mag da den Gesamteindruck nur rudimentär schmälern.
„Sometimes I like it in films when people just sit there, not saying anything“ - Dieser Satz, entnommen aus Jim Jarmuschs „The Limits od Control“ ist für mich das Kinozitat des Jahres. Es war Tilda Swinton vergönnt diese Zeile zu sprechen, und so wie ich die bei vielen Gelegenheiten äußert klug und scharfsinnig über das Kino parlierende Schottin einschätze, spricht aus diesen Worten nicht nur die Filmrolle. Jim Jarmusch jedenfalls gelingt mit seinem aktuellsten Film ein vor Zitaten nur so strotzendes Leinwaldgemälde, dessen intelligenten Gedanken über die individuelle Subjektivität der Wahrnehmung als zentrales Element des Films fungieren. Keinesfalls jedoch ein Film für die Massen, die auf jede Frage zwingend eine Antwort verlangen.
Wie ich bereits an einer anderen Stelle geschrieben habe: Bevor man sie nicht in einem Film von Pedro Almodóvar erlebt hat, hat man Penélope Cruz noch nicht schauspielern sehen. „Zerrissene Umarmungen“ ist somit auch zuvorderst der Film der Spaniern, aber nicht nur. Die Geschichte des blinden Regisseurs mit der traurigen Liebesgeschichte, stellt nicht nur eine Liebeserklärung an das Kino dar, sondern schickt den Zuschauer auch durch ein Wechselbad der Gefühle. Das simple Schneiden einer Tomate ist wohl noch nie zu solch einem Akt der unendlichen Traurigkeit stilisiert worden, wie in „Zerrissene Umarmungen“. Wunderschön auch das Ende: Wenn die kathartische Wirkung eingesetzt hat, und zerstörte und verloren geglaubte Bilder wieder zusammengesetzt worden sind, findet Almodóvar den passenden Abschluss seiner Erzählung, der ebenso einfach wie poetisch ist: „Filme muss man zu Ende bringen“.
„Der seltsame Fall des Benjamin Button“ wurde zum großen Verlierer der diesjährigen Oscar-Verleihung. Dies aber mit Sicherheit zu Unrecht, schließlich ist es nicht die Schuld von David Fincher, dass man diesen auf den ersten (aber nur auf den ersten) Blick wenig „fincheresquen“ Film zum großen Favoriten hochgejazzt hat. Die Geschichte des rückwärts alternden Benjamin ist ein wunderschön melancholischer und rührender Film geworden, ohne dabei seine optischen Glanzlichter und Spielereien über Gebühr in den Vordergrund zu rücken. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Tatsache, dass der Films seine stärksten Momente dann hat, wenn es am Wenigsten auf die Spezialeffekte ankommt. Brad Pitt und Cate Blanchett verzaubern in einem Film über das Leben und den Tod, der in seinen besten Momenten die Unendlichkeit für sich entdeckt.
„Gran Torino“ soll, so hat es Clint Eastwood jedenfalls kolportiert, sein letzter Auftritt vor der Kamera gewesen sein (als Regisseur bleibt uns Eastwood ja zum Glück noch erhalten). Mit „Gran Torino“ hätte er sich keinen besseren Abschied verschaffen können, als in diesem Rassismus-Drama. Freilich, die Geschichte ist weder sonderlich komplex noch innovativ, doch gelingt Eastwood in diesem Film abermals (wie auch schon in „Erbarmungslos“) eine - in diesem Fall humoristische - „Abrechnung“ mit seinen eigenen Filmmythen. Die martialische und selbst legitimierte Geste des Dirty Harry führt beim Eastwood des 21. Jahrhunderts nicht länger zum Ziel, und verkommt zu einer mit Trommelwirbeln unterlegten ironisierten Metapher. Clint Eastwood ist eben schon längst nicht mehr der ultimative Darling der Konservativen. Aber selbst die können dem alten Mann eigentlich nicht länger bösen sein, wenn Clint selbst am Ende von „Gran Torino“ die ersten melancholischen Töne des Abschluss-Songs anstimmt.
James Camerons „Avatar“ ist mit Sicherheit nicht Jedermanns Sache. Wo die Einen widerlichen Ethnokitsch sehen, entdecken die Anderen (Ich) eine zwar simple, aber dennoch herzerwärmende Geschichte mit sympathischen Figuren. „Avatar“ ist ein Märchen mit absolut beeindruckenden Schauwerten, der flächendeckende Einsatz der 3D-Technik, sowie die von Cameron bis ins letzte Detail liebevoll umgesetzte Flora und Fauna von Pandora machen es möglich. Aber letztlich ist das ganze Pro und Contra nicht mehr als eine müßige Erbsenzählerei. Thomas von „Schöner Denken“ hat den ganzen Sachverhalt schön auf den Punkt gebracht: „Aber auch daran [also an die „Erbsenzählerei“] habe ich im Kino keinen Gedanken verschwendet, weil es mir zwischendurch den Atem verschlagen hat, wenn im dreidimensionalen Kino der Blick über Abgründe geht und in dieser gleichzeitig so realen und so naiven Welt Pathos, Trauer und Begeisterung mit einem durchgehen, dass mir die Tränen nur so gegen die 3-D-Brille klatschten.“ Nun, die Tränen sind mir zwar nicht gegen die 3D-Brille geklatscht; das könnte aber auch daran gelegen haben, dass mir diese, wenn überhaupt, schon vorher gegen meine reguläre Sehhilfe geklatscht wären.
Wie Clint Eastwood besaß auch Sam Mendes die "Frechheit" 2009 mit zwei Filmen in den deutschen Kinos zu starten. Von „Zeiten des Aufruhrs“ war im Vorigen bereits die Rede. Noch ein Stück weit besser hat mir aber dessen Independentfilm „Away we Go“ gefallen, den ich ja auch schon im Vorigen für seinen famosen Soundtrack gelobt habe. In „Away we Go“ jedenfalls verquickt Mendes geschickt Road Movie, Komödie und Melodram zu einer ruhigen und melancholischen Komödie. Wie so oft in seinen Filmen, so nimmt sich Mendes auch in diesem Film wieder dem innersten Seelenleben einer Beziehung an. Diesmal jedoch ist sein Fokus ein Anderer. Sam Mendes war in seinen bisherigen Filmen noch nie ein Träumer. Das er in diesem Film dazu bereit ist, seine Protagonisten mit einem optimistischen Blick in die Zukunft zu entlassen, macht „Away We Go“ zu seinem bislang schönsten Film.
Quentin Tarantino ist wieder da und seine Rückkehr gleicht einem cineastischen Paukenschlag. So lässt er in einem kleinen französischen Kino Hitler und seine versammelte Entourage in Flammen aufgehen. Das Kino siegt also über die Historie. Hell of a Show! Da musste erst ein amerikanischer (Ex)Videothekar kommen, um - gewollt oder ungewollt – das mythisch-verzerrte Bild des Dritten Reichs, das die Filmgeschichte in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht und kultiviert hat, zu desavouieren. Tarantino macht dies, nicht etwa weil er sich dafür eine Erlaubnis besorgt hätte, sondern weil er es kann. Es ist das das dezidierte Verlangen eines sich durch sich selbst befreiendes Kinos, das in „Inglourious Basterds“ seinen Tribut fordert. Von Christoph Waltz war ja bereits die Rede, so dass an dieser Stelle noch ein Gedanke an Mélanie Laurent verschwendet werden soll: Merveilleux!
Mein persönliche Nummer 1 in diesem Jahr ist dann aber doch ein anderer Film. Einer der wenigen Fälle, in denen ich mit exorbitanten Erwartungen in einen Film herein gegangen bin und hinterher in dem Gefühl das Kino verlassen habe, dass diese Erwartungen noch zu niedrig waren. „The Wrestler“ ist ohne jeden Zweifel der Film von Mickey Rourke, der sich mit diesem Auftritt wieder ganz nach oben katapultiert hat. Gleichzeitig ist es Darren Aronofsky aber auch gelungen die Genres Sportfilm und Drama so gekonnt mit einander verschmelzen zu lassen, wie man es im Sportfilm selten, vielleicht auch noch gar nicht gesehen hat. Aufmerksame Leser werden es bereits registriert haben: Für diesen Jahresrückblick habe ich nochmal in meinen eigenen Besprechungen herrumgekramt und immer wieder prägnante Sätze wiederverwendet, einfach weil ich es nicht besser ausdrücken kann, als ich es bereits getan habe. So auch in diesem Fall: „The Ram“ Robinson geht seinen letztlich bitteren Weg mit Stolz und voller Passion, und wenn „The Wrestler“ in seinen letzten Momenten noch leiser wird, als er es ungeachtet der abgebildeten Gewalt ohnehin schon war, dann ist das der einzige denkbare Abschluss - „Bring it!“
Das war er nun also; mein ganz persönlicher Rückblick auf das vergangene Filmjahr. Ich hoffe, dass es eine interessante Lektüre war und sich keiner langweilen musste. In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern einen guten Rutsch, sowie ein frohes neues Jahr. Mögen eure (und natürlich auch meine) Ziele, Wünsche und Hoffnungen für 2010 in Erfüllung gehen!
Titelfoto: "The ghost cinema" by phill.d. Freigegeben unter einer Creative-Commons Lizenz






























