

Noch eine Vampirgeschichte. „Twilight“ geht im Kino durch die Decke, „True Blood“ wird im amerikanischen Fernsehen gut abgefeiert und nun also auch „Mitternachtszirkus – Willkommen in der Welt der Vampire“. Gemein ist allen drei Geschichten, dass sie auf Romanvorlagen rekurrieren, die anschließend für Kino und Fernsehen aufbereitet worden sind. Allerdings könnte man mittlerweile meinen, dass die Blutsauger inhaltlich langsam mal ausgeblutet sind. Die an diesem Projekt rund um Regisseur und Drehbuchautor Paul Weitz Beteiligten dachten offenbar anders, und machten sich daran, den mehrbändigen Vampirzyklus von Darren Shan für das Kino zu übersetzten. Und während nun also „Twilight“ von der Romanze zwischen Mensch und Vampir berichtet, die aber nicht rumknutschen dürfen, und „True Blood“ von der Romanze zwischen Mensch und Vampir handelt, die wiederum rumknutschen dürfen, erzählt „Mitternachtszirkus“ die Geschichte eines Teenagers, der eher ungewollt als gewollt zum Vampir wird. Öfter mal etwas Neues also, und die vorhandene Geschichte hat auch durchaus Potential. Die Frage ist nur, ob „Mitternachtszirkus“ diesem Potential auch gerecht werden kann. Bei dem mageren Einspielergebnis von circa 13 Millionen Dollar, welches der Film bei Produktionskosten von circa 40 Millionen Dollar in den USA einfahren konnte, erscheint dies durchaus fraglich. Denn das ein Markt für Vampirgeschichten aller Art vorhanden ist, ist ja nun wirklich offensichtlich.
Eltern können manchmal ganz schön nervig sein, vor allem wenn sie von so übervorsichtiger Natur sind, wie der Herr Papa und die Frau Mama von Darren Shan (Chris Massoglia). Das Leben des Schülers war bisher nicht sonderlich aufregend, sieht man von dem Mist ab, den Darren mit seinem besten Freund Steve (Josh Hutcherson) immer mal wieder baut. Unter diese Kategorie könnte man auch den Besuch des gerade in der Stadt gastierenden Cirque Du Freak fallen lassen, der vom Schlangenmenschen bis zur bärtigen Dame allerhand bizarres zu bieten hat. Noch dümmer ist dann aber noch Darrens Idee die hochgiftige Spinne des Künstlers Larten Crepsley (John C. Reilly) mitgehen zu lassen. Als diese wenige Tage später seinen besten Freund Steve beißt und lebensbedrohlich verletzt, stellt ihn Crepsley, seines Zeichnens Vampir vor die Wahl. Zum Preis für das Leben von Steve, soll sich Darren zum Halbvampir verwandeln lassen. Um seinen Freund zu retten, willigt der junge Mann ein und schon bald findet er sich in einem Krieg zwischen Vampiren, die darauf verzichten Menschen zu töten auf der einen Seite und den bösartigen Vampyren auf der anderen Seite wieder. Und auch sein vermeintlich bester Freund Steve wird in diesem Konflikt noch eine unheilvolle Rolle spielen.
Es ist geradezu ärgerlich, was der Film aus seinen Möglichkeiten macht, denn das ist nicht gerade viel. Bietet die Geschichte um Darren, der mit der Bürde leben muss seine Eltern und die Schwester verlassen zu müssen, weil diese ihn logischerweise nach seiner Transformation zum Vampir für tot halten, sowie seine Schwierigkeiten sich in der für ihn ungewohnten neuen Welt als Vampir zurechtzufinden, eigentlich genug Ansatzpunkte, versagt „Mitternachtszirkus“ in dieser Angelegenheit nahezu vollständig. Stets verspürt der Zuschauer eine Art der Distanz zwischen ihm und den Protagonisten, die zu keinem Zeitpunkt aufgelöst werden kann. Letztendlich ist die von Paul Weitz erzählte Geschichte dafür auch viel zu überladen. Worum es in diesem komischen Krieg genau geht, und wer genau dieser ominöse Mr. Murlough (Ray Stevenson) ist, wird nicht wirklich ersichtlich, kümmert den Zuschauer aber auch nicht weiter. Auf der Habenseite kann „Mitternachtszirkus" einige schöne Effekte und Ideen für sich verbuchen. Gerade die Vorführung des Cirque Du Freak kann ein bisschen so etwas wie Atmosphäre hervorbringen, die dem Film ansonsten weitestgehend abgeht. Von da aber geht es, von einigen wenigen Momenten abgesehen, stetig bergab.
Was der ganzen Angelegenheit die Krone aufsetzt, ist der im Grunde hochkarätige Cast, den der Film fürchterlich verschenkt. Sicher, die großen Namen lassen sich in „Mitternachtszirkus“ vor allem in den Nebenrollen finden, aber auch aus denen kann man – wenn man es will – etwas machen. So aber bleibt Ken Watanabe (Mr. Tall) ebenso blass wie Salma Hayek (Madame Truska). Und von dem traurigen Auftritt von Willem Dafoe war an dieser Stelle noch nicht einmal die Rede. Nur Chris Massoglia und allen voran John C. Reilly wissen in dieser Angelegenheit ein wenig zu gefallen. Gerade Reilly ist der Einzige, der in seiner Rolle so etwas wie Charisma versprüht und der ganzen Angelegenheit ein wenig Tiefe verleiht. Ansonsten aber gleicht der Streifen dem Gruselkabinett des titelgebenden Zirkus. Das sieht zwar oberflächlich gut aus, hinter der Fassade bröckelt es jedoch gewaltig.
In der Summe ist mit „Mitternachtszirkus“ nicht viel los. Das ist durchaus zu bedauern, denn mit Paul Weitz führt immerhin ein Mann Regie, der mit „About a Boy“ bekanntlich einen komischen, intelligenten und herzerwärmenden Film abgeliefert hat und somit bereits gezeigt hat, zu was er durchaus in der Lage ist. Hier aber gelingt ihm nicht mehr als der sprichwörtliche Griff in die Keramik. Zu uninspiriert schleppt sich der Film von der einen Szene in die nächste, macht eigentlich zu keinem Zeitpunkt Lust auf mehr und ist somit nicht mehr als ein einziges großes Versprechen, das nicht eingehalten worden ist. Es ist schwer vorzustellen, dass der Film außerhalb der USA dermaßen erfolgreich laufen wird, dass die ganze Chose für das produzierende Studio noch zu einer rentablen Angelegenheit macht. Und so scheint das am Ende des Films angekündigte Sequel (es stehen in der Theorie ja auch noch eine ganze Reihe von zu verfilmenden Bücher der Reihe aus) zur Zeit höchst unwahrscheinlich. Das wäre im Übrigen nicht einmal zu bedauern, sondern nur logische und verdiente Konsequenz. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn zur Zeit eine (Jugend)Buchreihe nach der Anderen auf den Markt geschmissen wird. Aber ein wenig mehr Mühe bei der Umsetzung darf dann doch erwartet werden. - Fazit: 3,5 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Abbildungen aus "Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire". © 2010 Universal Pictures






2 Kommentare:
Ich habe "Mitternachtszirkus" schon vor beinahe einen Monat in einer Sneak Preview gesehen und kann dir im Prinzip nur beispflichten: Viel Potenzial wurde verschenkt. Und auch wenn mein Urteil etwas milder ausgefallen ist als deins, aber: dieses Inszenieren auf Cliffhanger komm raus hat mich einfach nur genervt.
DAS ging mir auch auf die Nerven. Naja, wie gesagt: Eigentlich ging mir da fast alles auf die Nerven. ;-)
Kommentar veröffentlichen
In den Kommentaren können die folgenden HTML-Tags benutzt werden:
kursiv = <i>Testwort</i>
fett = <b>Testwort</b>
Links = <a href="http://www.deineURL.de/">Link Text</a>