

Die Symphonic Metal-Gruppierungen, die in Deutschland am bekanntesten sind, dürften wohl wohl die finnische Formation „Nightwish“, die niederländische Gruppe „Within Temptation“, sowie die amerikanische Combo „Evanescence“ sein. Gut, ob diese Gruppen nun wirklich alle passgenau dem Genre des symphonisch klingenden Metal zuzurechnen sind, weiß ich jetzt nicht so genau. Bei „Nightwish“ und „Within Temptation“ bin ich mir jedenfalls relativ sicher, aber ich habe von der Materie eingestandenermaßen nicht wirklich viel Ahnung, oder um es mit Harald Schmidt (als er noch so richtig lustig war) zu sagen: Wer kann schon die unzähligen Metal Varianten rund um „IG Metal“ & Co trennscharf voneinander unterscheiden? Wichtig ist ja schließlich zuvorderst, ob sich die ganze Angelegenheit gut anhört oder eben nicht. Womit wir beim Thema wären. Nach dem Ausscheiden von Tarja Turunen im Jahr 2005 als Sängerin von „Nightwish“, und dem damit verbundenen stimmlichen Absturz der Band, musste nun also Ersatz für eine Band gefunden werden, die bei mir bis dato wegen die Symbiose von melodischer Metal-Musik mit orchestralen Einflüssen, sowie einer klassisch ausgebildeten Stimme ganz weit Oben stand. Das famose letzte Konzert der Band in der alten Besetzung „End of an Era“ habe ich ja bereits vor einiger Zeit äußerst wohlwollend besprochen.
Schon seit einiger Zeit befinden sich nun die Holländer von „Within Temptation“ rund um deren Leadsängerin Sharon den Adel auf einen guten Weg „Nightwish“ in meiner subjektiven Präferenz den Rang abzulaufen, immerhin spielt die Band bis Heute seit 1996 kontinuierlich zusammen. Beiden Formationen ist die dominante Stimme ihrer Sängerin, sowie der mit orchestralem Einschlag versehene Musikstil gemein; im Fall von „Within Temptation“ gilt dies zumindest seit deren dritten Album „Silent Force“. Tarja Turunen mit ihrer klassisch ausgebildeten Stimme würde ich in diesem Zusammenhang allerdings noch ein wenig besser sehen, als das nicht minder eindrucksvolle Organ von Sharon den Adel. Dafür hat diese das Spiel mit dem Publikum ein wenig besser drauf, als die Finnin. Im letzten Jahr schließlich, und das ist der Grund für dieses Besprechung, gab „Within Temptation“ ein mit 10000 begeisterten Zuschauern ausverkauftes Konzert im Ahoy Rotterdam. Der Clou bei diesem mit „Black Symphony“ betitelten Konzert: Die Band holte sich zum Einen das niederländische Metropole Orchester auf die Bühne, und ließ sich noch zusätzlich durch den Pa'dam Chor unterstützen. Mit anderen Worten: Alles, was ansonsten bei solchen Konzerten bezüglich Orchester und Hintergrundgesänge vom Band kommt (siehe auch „End of an Era“), wurde an diesem Abend live eingespielt. Diese Veranstaltung wurde glücklicherweise gleich für die anschließende Veröffentlichung auf DVD (und BluRay) mitgeschnitten, die ich nun seit neuesten nach langen (unbegründeten) Überlegungen in den Händen halte. Und um es bereits an dieser Stelle auf den Punkt zu bringen: Das Konzert ist mit allem drum und dran nahezu perfekt. Chapeaux und Hut ab!
Eingeleitet von der in schwarz-weißen Bildern eingeleiteten Ouvertüre aus Orchester und einmarschierenden Chor, die gleich von Beginn an von etwas Monumentalen künden, beginnt das Konzert ab der ersten Sekunde an auf hohem Niveau. Schön in diesem Zusammenhang auch die kurzen Momente, die die Band hinter der Bühne während des Auftakts in aller Vorfreude und Anspannung einfangen. Es folgt, nunmehr in Farbe, das erste reguläre Stück, das Sharon den Adel in einem schieren (aber schicken) Ungetüm von Kleid präsentiert. „Jillian (I'd give you my Heart)“ von ihrem 2004 erschienenen Sampler „Silent Force“ präsentiert sich als gelungener Einstieg in die kommenden zwei Stunden. „The Howling“ schließt sich dann direkt an und dreht noch einmal ordentlich an der Temposchraube, bevor die Band mit dem dritten Song „Stand my Ground“ das Publikum das erste mal mit an Bord holt. „The Cross“ fällt dann eine Nummer beschaulicher aus, bevor mit „What you've Done“ das erste Highlight des Konzerts an der Reihe ist, für das als einer der ersten von drei Gastmusikern Keith Caputo auf die Bühne kommt, um zusammen mit den Adel die 2007 ausgekoppelte Single zu performen. An diesen Knaller schließt sich gleich der nächste an, und falls man der Meinung war, dass die Stimmung in der Halle nicht weiter aufzuheizen wäre, beweist „Hand of Sorrow“ mal eben das Gegenteil. Das nicht minder gelungene Stück „The Heart of Everything“ beendet anschließend den krachenden ersten Akt des Konzerts.
Der zweite Akt wird dann wieder in schwarz-weißen Bildern eröffnet, in denen Sharon den Adel, nun ganz in weiß gekleidet, den beschaulichen Teil des Abends einläutet. Das wunderbare Stück „Forgiven“ markiert den Auftakt von einer ganzen Reihe von Balladen; es ist nun die Zeit von Piano, Orchester und Akkustikgitarren. Gleich der zweite Song in zweiten Akt stellt den ultimativen Höhepunkt des mittleren Abschnitts dar. „Somewhere“ präsentiert sich als grandioses Duett von den Adel und Anneke von Giersbergen. Gerne hätte man noch ein weiteres Duett dieser beiden talentierten Stimmen gehört, so aber geht es weiter mit „The Swang Song“, der obschon nicht minder melodiös ein wenig unter dem direkten Eindruck von „Somewhere“ leidet. „Memories“, eines meiner Lieblingslieder von „Within Temptation“, lässt den Mittelteil des Konzerts dann auf konstant hohem Niveau ausklingen, bevor es mit wieder mit einer härteren Gangart weitergeht. Überhaupt ist zu konstatieren, dass die dreifache Blockbildung des Konzerts („laut-leise-laut“) als überaus gelungen bezeichnet werden muss. Auch während der langsamen Stücke ist man, so soll es schließlich auch sein, zu keinem Zeitpunkt versucht innerlich abzuschalten.
Der letzte Akt beginnt dann direkt mit einem Paukenschlag. „Our Solemn Hour“ macht dem Titel des Konzerts alle Ehre und wartet mit so ziemlich allem auf, was die Bühne rund um Band, Orchester und Chor hergibt. Dann betritt mit George Oosthoek der dritte Gastmusiker die Bühne, den die Band als besten Grunter der Niederlande ankündigt. Das mag so sein, aber wenn es ans grunten geht, werde ich ziemlich schnell grantig, so dass „The other Half (of Me)“ die erste kleine Delle in einem Konzert darstellt, das bis dato eigentlich nur aus Höhen besteht. Mit „Frozen“ und „The Promise“ geht es dann aber direkt wieder bergauf, bevor mit „Angels“ , einer tollen Bühnenshow inklusive,wieder auf der Spitze des Olymps gewandelt wird. Mit „Mother Earth“ folgt dann anschließend gleich das nächste Highlight, zudem wohl eines der bekanntesten Lieder der Band. Mit „The Truth beneath the Rose“, „Deceiver of Fools“ und „All I Need“ nähert sich „Black Symphony“ dann langsam aber sicher seinem Ende, bevor „Ice Queen“, der letzte Song des Abends, einen würdigen Schlusspunkt unter ein wirklich denkwürdiges Konzert setzt. Auch aus technischer Perspektive ist die DVD-Veröffentlichung ein wahrer Renner: Das Bild ist kristallklar und der Ton überragend. Insgesamt somit zwei Stunden, die einem überwältigenden Hör- und Seherlebnis gleichkommen und die man sich nicht entgehen lassen sollte, sofern man auf diese Art von Musik steht. Epic Win! - Fazit: 10 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Abbildungen aus "Black Symphony". © 2008 Sony BMG






3 Kommentare:
Wie lange ist es jetzt her, dass ich Within Temptations Kate-Bush-Cover "Running Up That Hill" hörte, klasse fand und mir für irgendwann mal vornahm, mich näher mit dieser Band zu beschäftigen? Tja, ich mag den Song bis heute, kenne aber auch nach Jahren immer noch keinen anderen der Band. Irgendwie tue ich mich mit Metal so verflucht schwer, selbst wenn er die Harmonien besitzt, deren Fehlen ich so gerne bemängele. Also, vielleicht doch noch ein nachträglicher Vorsatz für's neue Jahr - Nightwish- und Within-Temptation-Fan werden? :-D
Musst ja nicht gleich "Fan" werden, aber "Black Symphony" wäre dann doch gleich mal ein guter Anfang, um sich mit der Materie zu beschäftigen, zumal dir insbesondere der ruhige zweite Akt gefallen sollte. ;-)
Und das ist ja imho auch das schöne an dem Konzert:
Laut: http://www.youtube.com/watch?v=JOFftYIkBGs
Leise: http://www.youtube.com/watch?v=0Pnefkju7cY
So spontan würde ich ja sagen, dass mir "Stand My Ground" (das kannte ich übrigens, woher auch immer ...) besser gefällt. Sehr schön sind beide, und ich werde mich mal etwas näher mit der Materie beschäftigen, versprochen. ;-)
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