

Bei all den Vampiren, die in letzter Zeit über die Leinwand geschlichen sind, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Wölfe wieder den Mond anheulen durften. In „Wolfman“ spielen die Werwölfe nun wieder die erste Geige und müssen sich nicht länger, wie zum Beispiel in den „Underworld“- und „Twilight“-Zyklen, mit ihrer Rolle als üble Sidekicks für die blutsaugenden Hauptdarsteller begnügen. Als der Charaktermime Benicio del Toro, der zuletzt in Soderberghs „Che“ zu gefallen wusste, eines Tages der Gedanke kam, dass man eigentlich ein Remake des gleichnamigen Klassikers aus den vierziger Jahren drehen müsste, stellte sich zu seiner Überraschung heraus, dass auch Universal der Angelegenheit nicht abgeneigt war. Dies vermag angesichts der aktuell in Hollywood grassierenden Remake- und Sequelwelle nicht weiter zu verwundern. Es ist geradezu pervers, wenn man sich vor Augen führt, dass nun sogar Raimis „Spider-Man“, der ja nun auch erst ein paar Jahre auf dem Buckel hat, ein Reset erfahren soll. Alter Wein in neuen Schläuchen also – und das trifft insbesondere auf „Wolfman“ zu, der eine ziemlich bewegte Entstehungsgeschichte hinter sich hat und von dem völlig klar war, dass sich dieses Remake in Stil und Optik von seinem Vorgänger unterscheiden musste, mit dem man das junge Zielpublikum heutzutage wohl kaum noch hinter dem Offen hervor locken kann.
Am Ende des 19. Jahrhundert kehrt der Theaterschauspieler Lawrence Talbot (Benicio del Toro) in seine englische Heimat zurück. Seine Rückkehr ist einem traurigem Anlass geschuldet. Sein Bruder ist tot und entsetzlich verstümmelt in einen Graben liegend aufgefunden worden, und nun ist Lawrence dem Hilferuf von Gwen Conliffe (Emily Blunt), der Verlobten seines Bruders, gefolgt, die ihn um Hilfe bei der Aufklärung des Mordes gebeten hat. Angst und Schrecken terrorisieren nun seit diesem Tag das kleine Dorf Blackmoor, das von dem riesigen Anwesen der im Dorf nicht sonderlich geschätzten Talbots dominiert wird. Unterdessen heißt Sir John Talbot (Anthony Hopkins) seinen verlorenen Sohn willkommen. Seit dem Tod seiner Mutter hat sich zwischen Sohn und Vater ein tiefer Graben aufgetan, der auch durch den tragischen Tod des Bruders nur notdürftig zugeschüttet scheint. Mittlerweile gehen im Dorf Gerüchte umher, dass ein riesiger Werwolf im Wald sein Unwesen treibt. Ein offensichtlicher Aberglaube, an den Lawrence nicht so Recht glauben mag, bis er eines Nachts bei Vollmond ebenfalls von einer Bestie angegriffen und gebissen wird. Schwer verletzt wird er zurück zum Anwesen seines Vaters gebracht. Als seine Wunden unnatürlich schnell heilen und der Mond eine immer größere Anziehungskraft auf ihn ausübt, beginnt auch Lawrence an den unheilvollen Fluch zu glauben. Und er ist nicht der Einzige, der den düsteren Ereignissen im Dorf auf den Grund gehen möchte. Francis Aberline (Hugo Weaving), Ermittler bei Scotland Yard, heftet sich schon bald an die Fersen von Lawrence Talbot. Derweil rückt der nächste Vollmond unerbittlich näher
Es ist nicht zu leugnen, dass man „Wolfman“ seine unruhige Entstehungsgeschichte immer wieder ansieht. Noch vor Drehbeginn wurde der ursprünglich für die Regie vorgesehene Mark Romanek durch Joe Johnston ersetzt, und auch das Drehbuch wurde immer wieder modifiziert und überarbeitet. Dies steht dem Film nicht sonderlich gut zu Gesicht und führt dazu, dass die erzählte Geschichte immer wieder Brüche aufweist, die der Kohärenz der Narration abträglich sind. Erstaunlicherweise gelingt es dem Gesamtpaket „Wolfman“ aber diesen Sachverhalt geschickt zu überdecken. Dafür zeigt sich vor allem die Visualisierung der ganzen Angelegenheit verantwortlich, die in bester Gothic-Horror-Tradition optisch ordentlich auf den Putz haut. Die in entsättigten Erd- und Grautönen gekleideten Bilder evozieren eine großartige Atmosphäre, die durch die stimmigen Kostüme und die stetigen Nebelschleier, die durch das britische Moor wabern, noch zusätzlich unterstützt wird. Gerade auch das riesige, verwinkelte Anwesen mit all seinen Schnörkeln und Ornamenten, vollgestopft mit präperierten Tieren aus aller Welt und alten Möbeln, kann diesbezüglich noch einmal ordentlich punkten. Gleiches gilt auch für den famosen Score von Danny Elfman, der sich ganz offensichtlich mit seiner düsteren und violinenlastigen Partitur an Wojciech Kilars „Dracula“-Thema angelehnt hat. Aber auch hier zeigt sich wieder das ganze Chaos in der Produktion von „Wolfman“. Eigentlich war Elfman nämlich schon längst gefeuert, da seine Musik beim Testpublikum (völlig unverständlicherweise) nicht ankam. Ersetzt wurde er durch Paul Haslinger, der jedoch ebenfalls nicht überzeugen konnte, so dass am Ende doch wieder die Musik von Elfman verwendet wurde, was für den Film definitiv ein Glücksfall ist, gehen Musik und Bilder in „Wolfman“ doch eine symbiontische Verbindung ein.
Neben der gelungenen Optik, sind es vor allem die Darsteller, die „Wolfman“ zu einer wirklich spaßigen Angelegenheit machen. Sowohl Benicio del Toro, als auch Anthony Hopkins, der mit seinem im Film getragenen Vollbart selbst ganz schön wölfisch aussieht, haben in ihren Rollen sichtlich Spaß und tragen den Film mühelos über die Spielzeit hinweg. Gleiches gilt auch für Hugo Weaving, einzig Emily Blunt bleibt in ihrer Rolle ein wenig blass. Ansonsten ist zu diesem Remake nicht mehr sonderlich viel zu sagen: Die Spezialeffekte sind, was die Werwolf-Nummer angeht, ansprechend umgesetzt und fügen sich nahtlos in das positive Gesamtbild ein. Im Übrigen ist „Wolfman“ kein Kindergeburtstag und präsentiert sich in seiner Gewaltdarstellung als überaus saftig-deftige Angelegenheit, was in Anbetracht des Themas endlich wieder einmal mit der nötigen Konsequenz umgesetzt worden ist, und nicht zu der mittlerweile doch zu oft gesehenen PG-13 Nummer verkommt. All dies führt dazu, dass die erzählerischen Schwächen von „Wolfman“ in diesem Fall in den Hintergrund treten können, und einem kleinen aber feinen Werwolf-Spaß für zwischendurch nichts im Wege steht. - Fazit: 7 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Abbildungen aus "Wolfman". © 2010 Universal






6 Kommentare:
Hey, dein Bericht gefällt mir aber die Bewertung fällt meiner Meinung nach viel zu hoch aus!
Trotzdem gefällt mir dein Blog, werde ich auf jeden Fall nun häufiger lesen.
Vielleicht hast du Lust dir auch mal meinen anzusehen. http://www.kultkolumne.de
Hab übrigens in meiner Filmkritik auf diesen Artikel verwiesen :)
LG
AliceFTB
Merci! Es stimmt, "Wolfman" hat zahlireiche Schwächen, aber mir hat er dann Kino (Ich war im Vorfeld nicht wirklich scharf auf den Film) überraschend gefallen. Ich lass mich - Kritik - hin oder her dann doch meistens ziemlich leicht ködern. ;-)
Hab ihn noch nicht gesehen, schwanke noch ob ich das Kinoticket lösen soll oder doch lieber auf die Leih-Disc warte (die UK soll ja schon bald kommen).
Dass Du in deiner Top 10 "Wolfman" aber vor "Parnassus" setzt lässt mich jetzt ein wenig perplex...
Das muss dich nicht perplex zurücklassen. Das soll so nicht sein. Auch wenn beide Filme von mir 7/10 bekommen haben, würde ich den Gilliam dann doch vor "Wolfman" setzen. Wird gleich geändert. ;-) Vielleicht noch als Hilfe zu deiner Entscheidungsfindung: Das Drehbuch ist ziemlicher Schwachsinn und unlogisch bis zum Exzess. Wenn dich so etwas stört, dann leih ihn dir lieber. Mich hat der Film über seine athmosphärischen Bilder gewinnen können: Ich mag diesen visuellen Stil rund um Nebel und Ornamente, und - wie gesagt - Elfmans Partitur gibt sein übriges dazu. "Wolfman" ist reinster Style over Substance; darüber sollte man sich im klaren sein.
Mh, auch ich bin am Schwanken, ob ich mir den noch geben soll. Aber wenn du den ganz ok findest und der Film immerhin in Sachen Technik überzeugen kann, werde ich nochmal ernsthaft über einen Kinobesuch nachdenken ;-).
Also, die Hälfte der Punkte hätte es in diesem Fall auch getan.
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