

Und am Ende der ganzen Angelegenheit haben wir dann doch sogar noch etwas gelernt. Selbst nach der gewaltigsten Apokalypse und der damit verbundenen Vernichtung der bis dato bekannten menschlichen Zivilisation, gibt es a) pünktlich um 17 Uhr Tee und b) der mobile Musikplayer muss stets und unbedingt aufgeladen werden. Schön, wenn man sich auf einige Dinge im Leben verlassen kann. Die Hughes-Brüder sind zurück, nicht das man sie sonderlich vermisst hätte in den letzten Jahren, und stehen nun nach „From Hell“ ein weiteres mal gemeinsam hinter der Kamera. „The Book of Eli“, so der Titel ihres neusten Projekts, ist ein weiterer Vertreter des im Kino nach wie vor nachgefragten Endzeitszenarios. Und wie das eben so ist, wenn etwas in schöner Regelmäßigkeit wiederholt wird, kann es durchaus passieren, dass sich das Thema mit der Zeit abnutzt. Ein wenig Frische, ein wenig Esprit und eine ganze Menge Innovation sind also vonnöten, möchte man sich im Haifischbecken des apokalyptischen Kinos behaupten. Das wäre die eine Möglichkeit. Die andere hingegen wäre es einfach von vornherein keinen Hehl daraus zu machen, dass man einen spaßigen „Style over Substance“-Steifen abliefern möchte, und einem Frische und Innovation schnurz egal sind.
Im Jahr 2044 ist die Menschheit, und das hat sie sich selbst zuzuschreiben, mal wieder am Arsch. Krieg zu führen ist niemals eine sonderlich gute Idee und wenn es sich dann auch noch um einen nuklearen Waffengang handelt, dann ist das sogar eine ausgesprochen dämliche Idee. Und so sieht die Erde im Augenblick nicht gerade einladend aus. Es ist trocken, staubig, ab und an regnet es noch Asche, und der Anblick der Sonne führt mittlerweile zur Erblindung. Geradezu paradiesische Zustände also. Durch diese Einöde streift der einsame Eli (Denzel Washington), der sich dazu berufen fühlt, ein ihm anvertrautes und geheimnisvolles Buch gen Westen zu bringen. Auf dem Weg zu seiner heiligen Bestimmung lässt er sich selbstredend von Niemandem aufhalten. Folgerichtig bekommen Banditen, die ihn als vermeintlich leichte Beute ausgemacht haben, direkt mal eine auf die Zwölf. Toll. Eines Tages führt ihn sein beschwerlicher Weg in eine von dem Despoten Carnegie (Gary Oldman) unterjochte Wüstenstadt, die von dessen Schlägern unter Kontrolle gehalten wird. Als Eli in der örtlichen Bar von einem der thumben Riesen angegriffen wird, und fünf Minuten später die gesamte Bar im Alleingang von dem üblen Gesocks befreit hat, erregt er die Aufmerksamkeit von Carnegie. Noch interessierter, als an dem fremden Neuankömmling, ist dieser jedoch noch an dessen Buch, von dem er sich die Quelle seiner zukünftigen Macht verspricht.
Wer den Film noch nicht gesehen hat, und wenig Lust darauf verspürt gespoilert zu werden, der überspringt besser den nachfolgenden Absatz. Wobei es kein großes Geheimnis ist, dass das ominöse Buch von Eli die Bibel ist. Nach dem Krieg, so erzählt Eli, sind alle Exemplare der heiligen Schrift vernichtet worden, zu gefährlich seien die in dem Buch geschriebenen Worte, mit denen sich Massen bewegen und führen lassen könnten. Es ist die Kraft des Wortes also, die Eli einerseits leitet und auf die Carnegie andererseits so scharf ist. Keine große Sache also, möchte man denken, nur tut „The Book of Eli“ einiges dafür um das Gegenteil zu suggerieren. Und das geht amtlich in die Binsen. Mit anderen Worten: Der Film möchte schlussendlich mehr sein, als er tatsächlich ist. Als philosophisch angehauchte Studie über die Macht und auch die Gefahren des Glaubens taugt „The Book of Eli“ nicht sonderlich viel, dafür bleiben die im Film gedroschenen Phrasen und Worthülsen zu sehr an der Oberfläche hängen. Großer Lacher dann noch am Ende der ganzen Chose: Ein amerikanischer Film, nach 9/11 entstanden, darf natürlich nicht ausschließlich die Bibel abfeiern. Und so stehen am Ende von „The Book of Eli“ Tora, Koran, die Bibel und wie sie alle heißen, gleichberechtigt nebeneinander. Ist das nicht schön? Dies alles wäre übrigens nicht weiter schlimm, hätten sich Albert und Allen Hughes wenigstens nach Kräften bemüht, einen gescheiten Actioner mit Endzeitstimmung in Szene zu setzten. Das wiederum geht allerdings auch phänomenal in die Binsen. Die wenigen Actionszenen, die dann – zugegeben – sogar ganz ordentlich aussehen, vermögen die sonstigen Längen des Films nicht zu übertünchen.
Ansonsten regiert im Film nämlich grau in grau, und das gilt nicht nur für den Inhalt, sondern eben auch für die Optik. Schon das Bale- und sonstige Desaster „Terminator: Salvation“ hat angedeutet, dass dem Kino offensichtlich nicht mehr sonderlich viel zum Thema Apokalypse einfällt. Geröll, Kies und Staub – man hätte sich auch nicht gewundert, wenn John Connor Eli auf einmal heroisch beigesprungen wäre, so austauschbar sehen allein diese beiden Filme in Sachen Optik aus. Aber keine Sorge: „The Book of Eli“ hat auch seine guten Seiten. Es sind nicht viele, aber immerhin. Zum Einen weiß Denzel Washington in seiner Rolle durchaus zu Gefallen, und zum Anderen ist Gary Oldman mal wieder richtig schön fies in seiner Rolle des durchgeknallten und bibliophilen Despoten. Dazu gibt es noch die eine oder andere gelungene Anspielung an die gegenwärtige Popkultur. Zudem weiß noch des Rätsels Lösung der gesamten Angelegenheit, an dieser Stelle natürlich nicht verraten, durchaus zu Gefallen. Nichts desto trotz: Wenn am Ende von „The Book of Eli“ Mila Kunis als Amazonen-Verschnitt bis an die Zähne bewaffnet in die Einöde stiefelt, und somit die Grundlage für ein etwaiges Sequel liefert, bleibt doch die Frage im Raum stehen, wer das eigentlich sehen will? - Fazit: 5,5 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Abbildungen aus "The Book of Eli". © 2010 Tobis






10 Kommentare:
bleibt doch die Frage im Raum stehen, wer das eigentlich sehen will?
Ähem, die Leute die bereits in den Film hier gestiefelt sind? ;-)
Die Hughes-Brüder sind zurück, nicht das man sie sonderlich vermisst hätte in den letzten Jahren, und stehen nun nach „From Hell“ ein weiteres mal gemeinsam hinter der Kamera.
Und es würde wohl auch niemand trauern, wenn es nun das letzte mal war...
ls philosophisch angehauchte Studie über die Macht und auch die Gefahren des Glaubens taugt „The Book of Eli“ nicht sonderlich viel, dafür bleiben die im Film gedroschenen Phrasen und Worthülsen zu sehr an der Oberfläche hängen.
Jab, eines der prätentiösten Werke der letzten Jahre. Inhaltsleer und bedeutungsschwanger. Trotzdem kein absoluter Totalausfall, dafür ist der Film zu schön fotografiert. Würde 4.5/10 geben.
Wenn ich diesen Film im Kino sehen sollte, dann bloß ermäßigt oder eben auf die gute alte DVD warten, obwohl mir die Vorfreude auf diesen Film allmälich flöten geht.
Boah ist der Film mies und dabei hätte er so gut werden können. Die Geschichte um die Bibel im Film ist einfach nur Albern und zerstört alles gute was der Film aufbauen konnte. Die Bildarbeit ist nämlkich wirklich gelungen das muss man einfach hervorheben. Aber der Charakter ist einfach viel zu lieb, da nutzt auch das Hand abhacken und die Kills gar nichts.
Die Art christliche Propaganda werden wir wohl noch öfter sehen. Musste sofort an "Wir waren Helden" denken, nur dass da die christliche Propaganda von Anfang an den Film überflutet hat.
4/10, aber nur wegen der Bildarbeit. Nee, ich ändere auf 3/10 für den 30 Jahre nach dem Atomkrieg funktionierenden MP3 Player.
Also ich finde ja "christliche Propaganda" ein wenig harsch. Es spricht erst mal nichts dagegen, wenn sich ein Film, in diesem Fall der christlichen Religion, als Aufhänger bedient (Zumal Eli am Ende ja wirklich noch einen auf Gleichberechtigung der Religionen macht). Aber wenn's schon thematisiert wird, dann doch bitte nicht nur mir leeren Worthülsen. Und in der Tat: Wir waren Helden ist ein Drecksfilm, aber da ist die christliche Metaphorik noch das Harmloseste. ;-)
Ok, ich oute mich mal. Mir hat der Film gut gefallen. Ausgebleichte Optik, coole Fights, ein paar wirklich gelungene Actionszenen. Klar hat man das alles schon mal irgendwo gesehen, aber was solls. Auch das Phrasengedresche hat mich nicht wirklich gernervt - 7/10.
BTW:
"eine oder andere gelungene Anspielung an die gegenwärtige Popkultur"
Inwiefern?
Ach, da fragst' mich was. Ist schon knapp 2 Wochen her, dass ich den gesehen habe. :) Aber nimmt mal mal die IPod und die Fernseh-Nummer raus, kann ich mich ziemlich gut an eine Anspielung an Johnny Cash erinnern. Gut, "gegenwärtig" ist in diesem Fall ein dehnbarer Begriff, auf der anderen Seite ist ja nun gerade "American Recordings VI" erschienen. Der arme Kerl ist ja nicht totzukriegen ;-) Und ich meine, da waren noch 2,3 Anspielungen in der Art dabei, dir mir aber entfallen sind. Der Film war schon halb aus dem Sinn, da habe ich noch meine Jacke zugemacht. :)
Musste sofort an "Wir waren Helden" denken, nur dass da die christliche Propaganda von Anfang an den Film überflutet hat.
und jetzt nehmen wir (zum ersten mal) ein lexikon in die hand und blättern zu p...
Ich sehe es weniger als christliche Propaganda. Es war die Bibel die die Apokalypse überhaupt erst ausgelöst hat; dass sie nun als Symbol für den Neuanfang steht hat für mich eher etwas buddhistisch-karma-mäßiges. Alles kehrt wieder zurück zum Ursprung, alles wiederholt sich.
Leider kann der Film inahtlich nicht halten, was er optisch verspricht. Das Ganze bewegt sich irgendwo zwischen Mad Max und Waterworld und kann dabei nichtmal letzterem das Wasser reichen.
Für einen guten postapokalyptischen Endzeitfilm enthält er entweder zu wenig glaubhafte Story oder zu wenig gute Action. Beidem zugrunde liegt wohl ein Mangel an Vision und Ideen.
Den Film hatte ich mir im Kanadaurlaub im Sears auf DVD gekauft, zusammen mit "Legion". Bei beiden ist es nicht tragisch, dass ich sie wegen des blödsinnigen Regionalcodes hier nicht abspielen kann.
optisch gut, kamerafahrten, farb und lichtstimmung haben mich durchaus angesprochen. Allerdings waren es irgendwann die logikfehler die mir mehr und mehr auf den zeiger gingen.
spoileralarm
beispielsweise der fette typ mit der kettensäge. In einer welt in der nahrung wasser und benzin absolute mangelware sind ist ein fetter kerl mit kettensäge mit verbrennungmotor schon arg lächerlich.
Das alleine hätte mich nicht weiter gestört aber als dann der lockvogel mit dem einkaufswagen zum zweiten mal auftauchte könnte ich mir beim besten willen nicht erklären wie sie eli über- und solora ihn so schnell eingeholt hat.
ich könnte noch weitererzählen aber ich denke es ist klar geworden was ich meine.
spoilerende
das ende rief bei mir dann nur noch kopfschütteln hervor.
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