„Saving Private Ryan“ & „The Thin Red Line“ im Vergleich
Abb. 1 & Abb. 2
Wenn Urs Jeny in seiner Besprechung zu Terrence Malicks „The Thin Red Line“ davon spricht, dass sowohl dessen im Pazifik spielendes Kriegsepos, als auch Spielbergs „Saving Private Ryan“ mit einer Invasionslandung an einem Strand einsetzen würde [1], dann ist dies zwar faktisch falsch, entlarvt gleichzeitig aber auch die suggestive Funktionsweise des menschlichen Gedächtnis. Es ist vor allem die erste halbe Stunde von „Ryan“, jene Minuten in denen Spielberg die amerikanische Landung am Omaha-Beach auf drastische Art und Weise visualisiert, die vor allem anderen im kollektiven Gedächtnis des Kinopublikums hängen geblieben sind. Selbiges gilt, gerade wenn diese eine Sequenz vom Zuschauer direkt „Saving Private Ryan“ assoziiert wird, für Malicks cineastische Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg im Pazifik. Hier jedoch nicht wegen der Brutalität der Bilder, sondern wegen der Irreführung des Publikums: Nach der Hölle am Strand von Omaha erwartet man geradezu zwangsläufig auch die Hölle am Strand von Guadalcanal – diese findet jedoch nicht statt (Vgl. Abb. 1 & 2). Während die amerikanischen Truppen an der Normandie-Küste auf erbitterten Widerstand der Deutschen stoßen, dringen die Soldaten auf Guadalcanal zunächst unbehelligt ins Hinterland vor. Wollte man die divergierenden Ansätze der beiden Kriegsfilme an nur einer Szene exemplifizieren, man hätte sie im kontrastierenden Vergleich dieser beiden Sequenzen gefunden.
1998 kehrte der Zweite Weltkrieg mit voller Wucht in die amerikanischen, und damit auch in die weltweiten Kinosäle zurück. Steven Spielbergs „Saving Private Ryan“ spielte weltweit 481 Millionen US-Dollar ein [2], und wurde zudem mit insgesamt fünf Academy Awards, darunter in den wichtigen Kategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“ ausgezeichnet, während „The Thin Red Line“ lediglich 98 Millionen US-Dollar einspielen konnte (davon gerade einmal 36 Millionen in den USA). [3] Zudem ging der Film, trotz sieben Nominierungen bei den Oscars völlig leer aus, und unterlag dem direkten Konkurrenten „Saving Private Ryan“ somit in sämtlichen Kategorien. Der Aufschrei der professionellen Filmkritik, deren Meinung dem Urteil des Publikums und der Academy diametral gegenüberstand, ließ nicht lange auf sich warten: „Hollywood verteilt die richtigen Oscars an die falschen Künstler; Steven Spielberg fährt mit fünf Trophäen heim, während Terrence Malick leer ausgeht. Spielberg, der Massenregisseur, kassiert die Prämien der Kulturindustrie, die er als ihr treuester Vasall beliefert; Malick, der Dichter und Seher, wird abgestraft." [4]
Angesichts der reinen Arithmetik der Zahlen muss man davon ausgehen, dem Diktum von Irmgard Wilharm folgend, dass der Film als kommerzielles Produkt auf Massenzustimmung angewiesen und im Hinblick darauf konzipiert ist [5], dass Steven Spielberg in dieser Hinsicht den „besseren“ (als subjektive Kategorie) der beiden Kriegsfilme abgeliefert hat. Aber natürlich ist dies keine Angelegenheit purer Mathematik, und somit weitaus diffiziler. Sowohl Wilharm („Eine Quellenanaylse von Filmen muß den Kontext einbeziehen: Ankündigung, Kritiken, Interviews mit Filmbeteiligten, und Zuschauern“ [6]), als auch Günter Riederer weisen explizit darauf hin, dass sich die Filmgeschichte stets auch mit der Geschichte der Öffentlichkeit befassen muss, dass man den Film also nicht ausschließlich aus sich selbst heraus erklären kann. [7] In Anbetracht der Tatsache, dass der Film an sich ein gesellschaftliches Produkt ist, da er aus eben dieser heraus entsteht, und dann wiederum konstituierend auf diese einwirkt, ist dies letztlich logische Konsequenz. Diesbezüglich ergeben sich für die Geschichtswissenschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts in Bezug auf zu analysierende Quellenbasis neue Probleme, aber auch Chancen: Internet und das sogenannte WEB 2.0 haben dazu geführt, dass ein breiter Teil der Gesellschaft in Blogs, Foren und sonstigen Social Networks meinungsbildend tätig sein kann. [8] Es ist nicht zu leugnen, dass sich „Saving Private Ryan“ in Teilen des gesellschaftlichen Diskurses, der nun eben freizugänglich und weitestgehend ungefiltert ist (im Unterschied etwa zu redaktionell ausgewählten Leserbriefen in Printmedien), den Ruf eines kritischen Antikriegsfilms erarbeitet hat. So lassen sich im deutschsprachigen Film-Social-Network „Moviepilot“ [9] zahlreiche Kommentare mit dem Tenor „einer der besten (Anti)-Kriegsfilme aller Zeiten“ [10] finden, die die im Vorigen genannte These unterstützen, die im Übrigen auch von Spielberg selbst in Anspruch genommen worden ist: „War is not about glory.“ [11]
Letztlich scheint der Tenor der öffentlichen Debatte bezüglich „Saving Private Ryan“ und „The Thin Red Lin“ auf den Gegensatz von Kriegsfilm und Antikriegsfilm hinauszulaufen, die demnach in diesem Essay aufgegriffen und thematisiert werden soll. Ich frage also im Kontext dieser Überlegungen dezidiert nach den in beiden Filmen ventilierten Bildern und Überlegungen zum Thema Krieg, und weniger nach den in den Filmen konstruierten Geschichtsbildern. Die Unterteilung in Kriegsfilm und Antikriegsfilm mag eine populäre Genre-Unterscheidung sein, ist aber keinesfalls unproblematisch. So ist zum Beispiel für Gerhard Paul diese Unterteilung kein geeignetes Mittel zur Einteilung des Genres, da der Antikriegsfilm auch immer typische Momente des Kriegsfilms enthalten würde. [12] Dies mag auf Grund der narrativen Zwänge, denen der Spielfilm zwingend unterliegt (z.B. die Identifikationsfigur des Helden/Antihelden, Krieg als großes Abenteuer), nicht von der Hand zu weisen sein, doch vertrete ich in diesem Essay die Position, dass die Unterscheidung in Kriegsfilm und Antikriegsfilm als Kategorie der konkreten Kritik am Sinn und Wesen des Krieges sehr wohl seine Berechtigung hat. Im Folgenden werde ich darlegen, warum „Saving Private Ryan“ dezidiert nicht als Antikriegsfilm bezeichnet werden darf, während sich im Gegensatz dazu Malicks „The Thin Red Line“ für die Aufnahme in dieses Genre qualifiziert.
Abb. 3 & Abb. 4
"Der Film beginnt mit 25 Minuten gnadenlosen Realismus, mit hervorquellendem Gedärm und abgerissenen Gliedmaßen. Steven Spielberg zeigt die Landung der Alliierten an der Küste der Normandie und setzt den Zuschauer mit ins Boot. Die Geschosse pfeifen dem Kinobesucher um den Kopf, schlagen hinter und neben ihm ein“ schreibt Betinna Koch und folgert: „Die Szene ist quälend und grandios“. [13] Andreas Kilb findet in seiner Besprechung ähnliche Worte, betont die Virtuosität der Spielbergschen Inszenierung aber noch deutlicher: „Diese zwanzig Minuten sind einzigartig in der Geschichte des Kriegsfilms und der Kriegsdarstellungen überhaupt. Sie zeigen die Illusionsmaschine Kino auf der Höhe ihrer technischen und kompositorischen Möglichkeiten und zugleich den Maschinisten Spielberg auf dem Höhepunkt seiner Vorstellungskraft.“ [14] „Und tatsächlich scheinen die Bilder der Landung, deren kaum zu ertragende, fast lakonische Brutalität den Film bis zum Ende prägt, auf den ersten Blick intensiver und authentischer als jede andere Hollywood-Inszenierung des Zweiten Weltkriegs“ schreibt Jan Distelmeyer schließlich in seiner Besprechung zu „Saving Private Ryan“. [15]
Die drei zitierten Rezensionen können stellvertretend für eine weitere, kaum zu überschauende Anzahl von Auseinandersetzungen mit Spielbergs Kriegsepos stehen. Alle betonen sie die schiere und unverfälschte Brutalität der Bilder und den damit verbundenen Realitätsanspruch, den der Film zumindest unterschwellig suggeriert. Hier kommt zu tragen, was Gerhard Paul als dialektisches Verhältnis zwischen Krieg und Film bezeichnet: Der Krieg beeinflusst und inspiriert das Kino; das Kino wiederum prägt ganz entscheidend die in der Gesellschaft virulente Vorstellung vom Krieg. [16] Spielberg kleidet die zwanzig Minuten am Strand von Omaha Beach in fahle, ausgewaschene und verwackelte Bilder. Die Kamera irrt scheinbar ziellos über den Strand, fängt verzweifelte, sich in Todesangst windende Gesichter ein, während die gewaltige Soundkulisse, die an dieser Stelle konsequenterweise ohne jegliche musikalische Untermalung auskommt, ihr Übriges dazu tut, um das Publikum quasi mitten in die Schlacht zu werfen. Spielberg vermittelt so den Eindruck einer subjektiven und damit Authentizität vermittelnden Perspektive, obwohl die gesamte Landeszene im fertigen Film natürlich minutiös durchchoreographiert ist. Zwischen herausquellenden Gedärmen und der blutbestritzen Kamera, tritt aus der Sicht des Zuschauers das ein, was Paul zu Recht als „das Versprechen des authentischen Krieges als sensationelle Erfahrung“ bezeichnet (Vgl. Abb. 3 & 4). [17]
Aber machen diese 25 Minuten, deren filmhistorische Bedeutung für das Kriegsgenre (vgl. z.B. den direkten Einfluss auf die Landungszenen in „Flags of our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“) nicht zu leugnen ist, aus „Saving Private Ryan“ einen Antikriegsfilm? Um diese Frage zu beantworten muss in der Analyse das geleistet werden, was in zahlreichen Auseinandersetzungen mit „Ryan“ eben nicht geschieht, nämlich die Einordnung dieser stilprägenden Sequenz in den Gesamtkontext des Films. In „Saving Private Ryan“ schickt Steven Spielberg eine Gruppe von GIs hinter die feindlichen Linien, um James Ryan, dessen drei Brüder bereits fielen, nach Hause zu holen. Das dominierende Thema des Films ist somit die Frage, ob das Leben von Acht Männern das Leben eines Einzelnen wert ist. „Earn this!“ raunt der in den letzten Atemzügen liegende Held des Films, Capt. Miller (Tom Hanks), James Ryan zu. Und es ist James Ryan, der sein Leben auf Grund des Opfers Anderer leben durfte und konnte, der am Ende des Films vor dem Grab von Miller steht und seine Frau inständig darum bittet ihm zu bestätigen, dass er ein guter Mann gewesen sei und ein gutes Leben geführt habe. Die „Stars and Stripes“, und eben nicht die Landung in der Normandie, leiten den Film ein und beenden ihn auch. Und natürlich ist das us-amerikanische Banner in diesem Moment nicht nur eine im Wind wehende Flagge, sondern ein Symbol für die Normen und Werte für die die USA nach eigenem Selbstverständnis stehen (Vgl. Abb. 5).
Abb. 5 & Abb. 6
So kompromisslos Spielberg also in dieser einen Landungsszene gewesen sein mag, so eifrig beschwört der Film über den Rest der Spielzeit den nationalen Mythos vom Zweiten Weltkrieg als Glorious War, in dem die Amerikaner Europa vom Schrecken des NS-Terros befreit haben. Was sich in „Saving Private Ryan“ nach der ersten halbe Stunde abspielt, ist im Grunde ein Klassiker des amerikanischen Kriegskinos vor New Hollywood, nur mit heutigen Produktionsstandards. Ein Film mit eindimensionalem Feindbild, der die Krisen seiner Protagonisten nicht ausführt, sondern zum narrativen Werkzeug degradiert, und der zu guter Letzt in seiner melancholischen Partitur auch akustisch in vielen Momenten dem emotionalen Kitsch Vorschub leistet. Damit konterkariert Spielbergs Plädoyer für Opferbereitschaft und Heldentum diese eine, von allen erwähnte, Landungsszene, beziehungsweise lässt sie zu einem Akt sakrosankter Legitimierung werden: Unmenschliches Leid, Blut, Verwundung und Tod, die zu Beginn des Films so deutlich visualisiert werden; es musste in der Sprache des Films sein für ein höheres Ziel. War is not about glory? In Spielbergs „Saving Private Ryan“ schon. Die Frage nach dem Sinn des Krieges wird von Spielberg nicht gestellt, er wird dem Film vielmehr vorangestellt, denn der Sinn des Krieges (bzw. der Mission) fällt am Ende vor dem gefallenen Kameraden auf die Knie (Vgl. Abb. 6.)
In der Ausgabe 9/99 des Spiegels schreibt Durs Grünbein auf einen in einer vorigen Ausgabe des Magazins verfassten Essay von Volker Schlöndorff zu „Saving Private Ryan“ und „Der schmale Grat“: „Die beiden Filme verhalten sich zueinander wie Propaganda und Dichtung. Der eine [Spielberg] wirbt (zu Recht) für den Respekt vor der historischen Tat. Der andere transzendiert die Geschichte und jederlei Nationalzirkus. Er macht etwas sichtbar, welches erst jenseits der Pyrrhussiege beginnt, das ganze terrestrische Drama. Anders gesagt: Hier zeigt in Spuren sich Schöpfung, dort hauptsächlich Agitation.“ [18] Der auf der Berlinale mit einem goldenen Bären ausgezeichnete „The Thin Red Line“ beginnt für einen Kriegsfilm denkbar untypisch, nämlich mit einem durch das Wasser gleitenden Krokodil. Gemein ist beiden Filmen jedoch, dass bereits die Anfangszene von definitorischer Bedeutung des Ganzen ist. Wenn Grünbein schreibt, dass „The Thin Red Line“ jeglichen Nationalzirkus transzendieren würde, dann trifft dies zu. Anders als bei Spielberg ist das konkrete historische Ereignis, nämlich die Schlacht um Guadalcanal nicht weiter von Relevanz. Nach über zwanzigjähriger Abstinenz verfilmte Malick die gleichnamige Buchvorlage von James Jones, und begibt sich in seinem Film auf die Spur einer Hand voll von Protagonisten: Captain Staros (Elias Koteas) gerät mit seinem auf seine Karriere fixierten Vorgesetzten Lieutnant Colonel Tall (Nick Nolte) in Konflikt; Private Witt (Jim Caviezel) desertiert immer wieder und sucht zuflucht in der Harmonie der ihm fremden Einheimischen, Private Bell (Ben Chaplin) schließlich versucht den Krieg zu überstehen, in dem er ständig an seine Frau denkt und diese mit Sicherheit auch ein Stück weit idealisiert. Rüdiger Suchslland schreibt, dass Malick in seiner meditativen Beschäftigung mit dem Krieg ohne dessen verlogene Heroisierung, aber auch ohne prinzipielle Verdammung auskommen würde. [19]
Abb. 7 & Abb. 8
Tatsächlich beschäftigt sich „The Thin Red Line“ vor allem mit seinen Protagonisten und nicht mit Sinn und Ursache des Zweiten Weltkrieges oder der militärstrategischen Bedeutung von Guadacanal, sondern damit, was der Krieg mit und in den Soldaten anrichtet und nähert sich so auf sehr bedächtige Art und Weise dem Wesen, beziehungsweise treffender ausgedrückt: Der Natur des Krieges. “Look at this jungle. Look at those vines, the way they twine around, swallowing everything. Nature's cruel, Staros“ schleudert Tall seinem Untergebenen entgegen. Die Natur ist grausam, und so ist der Krieg. Doch ist dies nicht die Sichtweise von Malick, der in „The Thin Red Line“ mit seinen bedächtigen Kamerafahrten immer wieder die Schönheit der Natur akzentuiert (Vgl. Abb. 7 & 8), die in der Folge durch den Krieg zerstört wird. Es sind gerade diese auf den ersten Blick so untypischen Bilder, die das ganze Ausmaß menschlicher Gewalt herausschälen, und die Frage nach dem Sinn des Krieges allein auf visueller Ebene überdeutlich stellen: „This great evil. Where does it come from? How'd it steal into the world? What seed, what root did it grow from? Who's doin' this? Who's killin' us? Robbing us of life and light. Mockin' us with the sight of what we might've known. Does our ruin benefit the earth? Does it help the grass to grow, the sun to shine? Is this darkness in you, too? Have you passed to this night?” – In diesen Worten, gesprochen durch die über die Bilder des Krieges gelegten Worte Private Witts, schwingt die von Terrence Malick aufgeworfene Frage nach Sinn und Herkunft des Krieges mit, ohne darauf jedoch eine klare Antwort zu geben. Anders als Spielberg, der seinem Helden den Sinn des Ganzen in den Mund diktiert, und dem Publikum sämtlichen Interpretationsspielraum raubt: "This is an excellent mission with an extremely valuable objective, worthy of my best efforts. […] and am willing to lay down my life and the lives of my men.”
Abb. 9 & Abb. 10
Aber noch in anderer Hinsicht geht “The thin Red Line” einen entscheidenden Schritt weiter als "Ryan": „Der Film zeigt, was den amerikanischen Soldaten, mit denen wir uns identifizieren, während des Kampfs widerfährt. Einige werden verletzt oder sterben; einige, die physisch unbeschadet entkommen, werden an den Rand des Wahnsinns gebracht - oder darüber hinaus. All das ist kraftvoll und legitim. Aber dann zeigt uns Malick etwas, das nur Kunst oder vielleicht nur das Kino uns sehen zu lassen vermag - das menschliche Gesicht des "Feindes".“ [20] Auch wenn Malick seinen Film konsequent aus der Perspektive der amerikanischen GIs erzählt, verschließt er den Blick nicht vor dem Leid der Unterlegenen. Zwar erhält der Feind auch bei Spielberg in einem Nebenplot ein Gesicht, doch ist dies ein nicht ernst zu nehmendes Konglomerat von Klischees. Es ist somit wiederum David Walsh zuzustimmen, wenn er zu dem Schluss kommt, dass diese Szenen das moralische, emotionale und dramatische Zentrum von “The thin Red Line” bilden. Diese Eindrücklichkeit liegt auch darin begründet, dass Terrence Malick den Wahnsinn, die Schrecken und die Gräuel des Krieges fundamental anders visualisiert, als dies Spielberg vor allem in der Landungszene praktiziert. Setzt „Saving Private Ryan“, um es auch verbal in der gebotenen Drastik auszudrücken, zuvorderst auf den Faktor Blut, abgerissene Gliedmaßen und herausquellende Innereien um den Schrecken des Krieges zu verdeutlichen, konzentriert sich Malick primär auf die Gesichter seiner Soldaten (Vgl. Abb. 9 & Abb. 10).
In beiden Filmen gibt es eine Sequenz, in der Soldaten um das Leben eines tödlich verwundeten Kameraden kämpfen. Während Spielberg die Kamera immer wieder zwischen der blutsprudelnden Wunde und dem Gesicht des Verwundeten hin oder schwenken lässt, fokussiert sich Malick einzig und allein auf das Gesicht des Sterbenden. Gleiches gilt für die Szenen, in denen die Amerikaner das japanische Lager einnehmen: Wiederum sind es die Kameraeinstellungen auf die Gesichter der japanischen Soldaten, mit denen Malick den herrschenden Schmerz und Wahnsinn verdeutlichen will, was ihm auf andere Art und Weise ebenso eindrücklich gelingt, wie Steven Spielberg durch seine ungleich plastischere Methodik. Es ist ein schmaler Grat auf denen die Soldaten in Malicks Kriegseops wandeln – Die Einen sterben, andere schaffen es mit dem Erlebten klar zu kommen, bei einigen zerbricht das Leben in der Heimat, andere hingegen zerbrechen von Innen. Am Ende des Films sehen wir die Überlebenden auf dem Weg zur nächsten Insel. Der Wahnsinn geht weiter. Anders als Spielberg, der mit seiner narrativen Klammer in die Gegenwart dem Publikum eine in sich abgeschlossene Geschichte offeriert, lässt Malick den Zuschauer hilflos und mit vielen Fragen zurück.
Es ist nicht Aufgabe dieses Essays zu unterscheiden, ob es sich bei „Saving Private Ryan“ und „The Thin Red Line“ um gute oder schlechte Filme handelt, also ein in dieser Hinsicht subjektives Werturteil zu fällen. Das war nicht das Ziel. Vielmehr sollte es um die Frage gehen, ob und warum es sich bei den beiden im Kontext dieses Essays behandelten Filme um Kriegsfilme oder Antikriegsfilme handelt. Hierauf scheint nach den vorigen Ausführungen eine klare Antwort möglich. Auch wenn es der Begriff des Antikriegsfilms durch sein Präfix suggeriert, so muss er nicht per se gegen den Krieg sein, doch muss er diesen stets kritisch hinterfragen.. Im Gegensatz zu Steven Spielberg gelingt es Terrence Malick in seiner philosophischen Auseinandersetzung mit dem Krieg diese Fragen unmissverständlich zu stellen, auch wenn er keine ultimative Erklärung findet. Wie so oft ist es aber auch in diesem Fall so, dass die Frage und nicht die Antwort das Ziel ist Ganz konkret ist im Zuge dieses Essay auch die These widerlegt worden, dass der beste Antikriegsfilm automatisch der Kriegsfilm ist. Die irrige Annahme, dass das Zeigen von Kampfhandlungen per se so abschreckend ist, dass ein Film über den Krieg automatisch auch ein Film gegen den Krieg ist [21], hat die Beschäftigung mit „Saving Private Ryan“ und „The Thin Red Line“ eindrucksvoll gezeigt.
Anmerkungen:
[2] Quelle: http://boxofficemojo.com/movies/?id=thinredline.htm (Stand: 28.02.10).
[3] Quelle: http://boxofficemojo.com/movies/?id=savingprivateryan.htm (Stand: 28.02.10).
[4] Assheuer, Thomas: Hollywood im Krieg. In: Zeit Online. URL: http://www.zeit.de/1999/13/199913.oscar_.xml (Stand: 28.02.10).
[5] Wilharm, Irmgard: Bewegte Spuren. Überlegungen zur Zeitgeschichte im Film. Hannover 2006, S. 89.
[6] Ebd., S. 18.
[7] Riederer, Günter: Was heißt und zu welchem Ende studiert man Filmgeschichte? Einleitende Überlegungen zu einer historischen Methodik der Filmanalyse. In: Chirari, Bernhard; Rogg, Matthias, Schmidt, Wolfgang (Hrsg.): Krieg und Militär im Film des 20. Jahrhundert. München 2003, S. 93.
[8] Für einen ersten und einführenden Überblick auf Funktionsweisen, Anwendergruppen und Methodik dieses recht neuen Phänomens, sei an dieser Stelle auf die Sonderausgabe von Kommunikation@Gesellschaft verwiesen: Jan Schmidt, Klaus Schönberger, Christian Stegbauer: Erkundungen von Weblog-Nutzungen. Anmerkungen zum Stand der Forschung. In: kommunikation@gesellschaft Jg. 6 (2005) Beitrag 4. URL: http://www.soz.uni-frankfurt.de/K.G/B4_2005_Schmidt_Schoenberger_Stegbauer.pdf
[9] Moviepilot.de (URL: http://www.moviepilot.de/) ist ein auf Film und Fernsehen spezialisiertes soziales Netzwerk, dem sowohl professionelle Kritiker und Journalisten, als auch an Film interessierte Laien beitreten können. Zentrales Element, neben zahlreichen weiteren Funktionen, des Netzwerks ist die Möglichkeit Filme bewerten und kommentieren zu können.
[10] Zu „Saving Private Ryan“, der von den Benutzern des Netzwerks überaus positiv bewertet wird (7,5/10 Punkten) lassen sich insgesamt 75 Kommentare finden (Stand: 28.02..10). Eine nicht unwesentliche Anzahl dieser Kommentare attestiert „Ryan“ die im vorigen angesprochene kritische Intention; hier unkommentiert und unkorrigiert wiedergegeben: „Ganz klar einer der besten (Anti)-Kriegsfilme aller Zeiten.“; „Für mich DER Anti-Kriegsfilm schlechthin“; „Sehr gefühlvoll,voller schrecklicher Szenen und fast schon unerträglich pessimistisch.“; „ Zählt zu meinen Lieblingsfilmen da dies einer der wenigen Filme ist der die Grauen des Krieges zeigt.“, „Bewegender Anti-Kriegsfilm, da rotieren die Räder im Hirnkastl“, „noch realisticher kann man den krieg nicht darstellen“; „Schonungslos, schockierend und authentisch, so zeigt sich Spielbergs (Anti-)Kriegsfilm!“; „einer der besten Antikriegsfilme unserer Zeit !“ URL: http://www.moviepilot.de/movies/der-soldat-james-ryan
[11] Zitiert nach: Schneider, Thomas F.: „Giving A Sense of War As It Really Was“ - Präformation, Marketing und Rezeption von Steven Spielbergs Saving Private Ryan. In: Preußer, Heinz-Peter (Hrsg.): Krieg in den Medien . (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik, Band 57). Amsterdam u.a. 2005, S. 362.
[12] Gerhard, Paul: Krieg und Film im 20. Jahrhundert. Historische Skizze und methodologische Überlegungen. In: Chirari, Bernhard; Rogg, Matthias, Schmidt, Wolfgang (Hrsg.): Krieg und Militär im Film des 20. Jahrhundert. München 2003, S. 6.
[13] Koch, Bettina: „Der Soldat James Ryan“ - Vom Sinn des Grauens. In: Spiegel Online. URL: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,27998,00.html (Stand: 28.02.10).
[14] Kilb, Andreas: Der Tod am Omaha Beach. In: Zeit Online. URL: http://www.zeit.de/1998/33/199833.spielberg_.xml (Stand: 28.02.10).
[15] Distelmeyer, Jan: Saving Private Ryan. In: Filmzentrale. URL: http://www.filmzentrale.com/rezis/savingprivateryanjd.htm (Stand: 28.02.10).
[16] Gerhard, Paul: Krieg und Film im 20. Jahrhundert, S. 3.
[17] Gerhard, Paul: Krieg und Film im 20. Jahrhundert, S. 57.
[18] Grünbein Durs: Bief über den Kriegsfilm. In: Spiegel Online. URL: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9507492.html (Stand: 28.02.10)
[19] Suchsland, Rüdiger: Die Farbe des Krieges. In: Artechock. URL: http://www.artechock.de/film/text/kritik/s/scgrat.htm (Stand: 28.02.10)
[20] Walsh, David: Ein entsetzlicher Kriegszustand. In: World Socialst Website. URL: http://www.wsws.org/de/1999/feb1999/grat-f25.shtml (Stand: 28.02.10)
[21] Zitiert nach Irmgard Wilharm, die diese These von Jeanine Bsinger ebenso konsequent zurückweist: Wilharm, Irmgard: Bewegte Spuren, S. 67.
Abbildungen:
Abb. 1,3,4,5,6 entommen; "Saving Private Ryan" © Paramount Home Entertainment
Abb. 2,7,8,9,10 entnommen: : "The Tin Red Line" © 20th Century Fox
















19 Kommentare:
Stimme Deinen Ausführungen soweit zu, ich persönlich gehe gerne soweit und sage "The Thin Red Line" ist der "bessere" von beiden.
Nicht nur aufgrund der von Dir schön ausgeführten inhaltlichen wie optischen Unterschiede sondern auch was die Performance der Darsteller und nicht zuletzt dem Sound angeht (auf meiner DVD kann man die mealnesischen Chöre sogar separat anhören). Neben "The Dark Knight" nur einer der wenigen Hans Zimmer Scores die mich wirklich begeistert haben.
Muss mir den Film bei Gelegenheit mal wieder antun.
ich persönlich gehe gerne soweit und sage "The Thin Red Line" ist der "bessere" von beiden.
Durchaus. Das sehe ich, wo ich mich hier im Kommentarbereich befinde, absolut genauso. ;-)
wenigen Hans Zimmer Scores
Da war ich ja auch ein wenig baff, als ich mir den für den Essay wieder angesehen habe, und am Ende der Namme Hans Zimmer auftauchte. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass dies so ziemlich sein bester Score ist.
Kannst du bei TTRL nicht die 16:9-Balken wegschneiden? Text les ich später ;-)
Hatte ich erst vor, mir dann aber überlegt, dass ich die verschiedenen, von Spielberg und Malick, ausgewählten Bildformate beibehalten möchte.
Also das geht über meine Vorstellungskraft.
Stimme dir im Grunde zu. Schade finde ich, dass du die Filme nicht wirklich in den historischen Kontext/die Chronologie des Zweiten Weltkriegs einordnest.
Klar, das hätte man natürlich ohne Probleme machen können, ist aber nicht das Ziel des Essays, weil ich primär - wie auch geschrieben - nach dem Kriegsbild und nicht nach dem Geschichtsbild fragen wollte. Die Einordnung und Überprüfung der Filme hinsichtlich ihrer Historizität hätte mal eben locker flockig circa 10 Seiten mehr bedeutet. ;-)
Nun ja, das muss man ja nicht bis zum Exzess ausführen. Das hätte man, ohne es natürlich zum Zentralkomplex zu machen, in einem Absatz behandeln können.
Schade finde ich, dass du die Filme nicht wirklich in den historischen Kontext/die Chronologie des Zweiten Weltkriegs einordnest.
sinn?
Eine sehr informative und gut zu lesende Analyse hast da geschrieben. Bevor ich in den Mecker-Modus wechsle, sei das angemerkt. ;)
Nein im Ernst. Auch wenn du es gegen Ende abstreitest, merkt man deinem Essay durchaus eine wertende Haltung an. Ich habe jedenfalls nach dem Lesen den Eindruck, dass The Thin Red Line durch seinen Status als Antikriegsfilm (moralisch?) besser ist als Saving Private Ryan, der eben 'nur' ein Kriegsfilm ist. Das finde ich etwas befremdlich, zumindest wenn ich den Essay nach wissenschaftlichen Maßstäben beurteile. Eine 'realistische' Schilderung des Krieges, wie sie im Auftakt von SPR auftaucht, muss schließlich nicht unbedingt eine Anti-Kriegs-Haltung suggerieren, die der Film in den restlichen Minuten dann quasi verwirkt.
Der zweite Punkt, der mich ein wenig (aber auch nur ein wenig^^) stört ist dein Rückgriff auf journalistische Texte. Da hätte man vielleicht auch (englichsprachige?) Fachliteratur zum Thema nutzen können.
IMO ist TRL genauso wenig ein Antikriegsfilm wie Apocalypse Now einer ist. Ich habe eher den Eindruck, dass es Malick um den Menschen selbst geht, um die conditio humana, die er im Rahmen verschiedener historischer (Extrem)Situationen untersucht. Deswegen erscheint mir TRL nicht als Film über oder gegen den Krieg, sondern als Film über das Menschsein und die Tragik der verlorenen Unschuld (Natur).
Bevor ich in den Mecker-Modus wechsle
Bevor ich in den Verteidigungsmodus wechsle: Merci. ;-)
Auch wenn du es gegen Ende abstreitest, merkt man deinem Essay durchaus eine wertende Haltung an.
Durchaus. Der Anspruch einer vollständigen Objektivität ist ja ohnehin ein niemals zu erreichender Idealtypus. Aber ich habe mich bemüht, meine wertende Position an Hand vorher klar definierter Kriterien zu begründen, und nicht einfach zu sagen: guter Film, schlechter Film.
Zwar finde ich persönlich "The Thin Red Line" persönlich besser als "Ryan", aber de facto kann ich mit dem, was Ryan kolportieren will (den Mythos vom "Glorious War") ganz gut leben, sofern man in der Lage ist, den Film richtig einzuordnen. Hochgradig ärgerlich ist nur diese "Deutschen-Episode" die gerade zu ekelerregend konstruiert ist: XY (als jammernde Witzfigur gezeichnet) erhält seine Chance, nutzt diese nicht (rennt wieder zu den Deutschen), erschießt dann den Helden der ganzen Story (war ja klar), und wird am Ende selbst erschossen (erhält in dem Sinne seine "gerechte Strafe): In der Dramaturgie/Lesart dieser Szene wird also ein Kriegsverbrechen moralisch entschuldigt. Diesbezüglich ist z.B. ein Eastwood deutlich weiter.
muss schließlich nicht unbedingt eine Anti-Kriegs-Haltung suggerieren
Das ist aber genau das, was beim Großteil des Publikums (und auch der Kritik) ankommt. Siehe die von mir zitierten Kommentare. Aber da ist man natürlich bei dem Problem der intentionalen Filmkritik. Mann kann in die Köpfe von Spielberg und Co nicht reinschauen. ;-)
Da hätte man vielleicht auch (englichsprachige?) Fachliteratur zum Thema nutzen können.
Der Einwand ist voll und ganz berechtigt, gerade wenn es um die interpretatorischen Aspekte der beiden Filme geht, und nicht nur die Rezeption. Letztlich ist dies aber aus zweckrationalen Erwägungen unterblieben: Für diesen Text (der ja nur zwecks Erwerbs von CP für die Uni entstanden ist), sah mein Zeitplan inklusive Sichtung der Filme und Einlesen, zwei Tage vor. Von daher wurde die praktikabelste Lösung gewählt. :)
Deswegen erscheint mir TRL nicht als Film über oder gegen den Krieg, sondern als Film über das Menschsein und die Tragik der verlorenen Unschuld (Natur).
Das jedoch sehe ich fundamental anders. Natürlich geht es Malick auch um das Menschsein. Aber das eine schließt das andere ja nicht aus: Wer führt den Kriege? Eben: Die Menschheit. Und Richtig: In "The Thin Red Line" lässt sich mit Sicherheit kein Statement finden, das per se gegen den Krieg ist. Da kommen wir in die Schwierigkeiten der (künstlichen) Unterscheidung Kriegsfilm und Antikriegsfilm. Ich für mich habe die Entscheidung getroffen, den Antikriegsfilm als Film zu definieren, der den Krieg an sich kritisch hinterfragt (und nicht per se gegen diesen ist). Und ich finde das tut Malick, damit ist sein Werk auch Reflexion über den Krieg wie ich finde. Aber es ist natürlich völlig klar: Meine Definition ist nicht der Weisheit letzter Schluss, und kann somit auch abgelehnt werden.
Ich muss meiner Vorrednerin beipflichten: ein paar mehr filmwissenschaftliche Texte wären u.U. ratsam gewesen, um die Filme gänzlich richtig einzuordnen (im dritten Absatz sprichst du, ohne es zu intendieren, mit dem "ungefilterten Diskurs", auf den du dich im Essay durch die journalistischen Quellen beziehst, diesen Schwachpunkt an). Das schafft dein durchaus interessanter und sehr informativer Essay zwar so auch, allerdings mit Abstrichen. Die Analyse der Filme anhand symptomatischer Eingangsszenen ist zwar gut gewählt und erklärt, aber hätte ich mir noch etwas tiefergehende Worte zum "Feindbild" gewünscht. Das erwähnst du zwar (Klischees vs. Gesichter), aber nur oberflächlich.
Nachtrag:
Wobei "Feindbild" wohl der falsche Ausdruck ist. Je länger ich darüber nachdenke, bedient SPR dieses potenzielle Antagonistentum, TRL jedoch nicht. Der Feind ist eben nicht der Japaner oder Amerikaner, sondern die "Natur" des Menschen, die Gier (nach Land), die eigene Angst oder die aufgezwungene Ideologie. Diese müss(t)en besiegt oder aufgebrochen werden, um einen Triumph herbei zu führen (was faktisch nicht passiert), während in SPR der Triumph vom Töten/Besiegen des Deutschen herrührt.
Ich finde, C.H. unternahm mit diesem Essay den Versuch zu zeigen, wie die Filme in der Rezeption der Zuschauer wahrgenommen werden. Dementsprechend empfiehlt sich dann auch das Suchen nach Reaktionen des Publikums und nicht nach Fachliteratur eines Filmwissenschaftlers mit sozio-philosophischen Hintergrund. C.H. zeigt ja auf, dass SPR von dem Gros der Menschen paradoxerweise als Anti-Kriegsfilm gesehen wird. Natürlich kann man dann da auch Prof. Dr. John Doe vom Militärhistorischen Institut der Oxford University zitieren: "Saving Private Ryan is NOT an anti-war-movie". Oder C.H. kann diese Tatsache selbst aufschlüsseln. Man merkt ja auch der Länge an, dass dies ein (Kurz-)Essay ist, und keine wissenschaftliche Hausarbeit.
Auch möchte ich C.H. zustimmen, dass Malicks Film sehr wohl ein Film gegen den Krieg ist. Da sprechen meiner Ansicht nach bereits die Bilder eine deutliche Sprache. Die Unschuld der Natur und des Menschen - der wiederum Teil der Natur und Auslöser der verlorenen Unschuld der Natur selbst ist - geht eben durch die Sinnlosigkeit des Krieges verloren. Was man ja allein in der Erkämpfung dieses einen Hügels sieht, bei dem unzählige Menschen ihr Leben verlieren. Und das nur, um aus Militärstrategischen Gründen einen Hügel zu erkämpfen!
Keine Sorge, C.H., wir Historiker halten zusammen (Historians 4 Life!).
@ luzifus:
Dass man ohne Probleme noch ein wenig mehr Fachliteratur hätte heranziehen können, habe ich ja in meiner Antwort auf Jenny ja eingestanden. Kann man also ohne Probleme machen. Die Kritik den dritten Absatz betreffend, ist jedoch nicht meiner Meinung nach nicht zutreffend, denn ich will in diesem Absatz ja genau auf den "ungefilterten Diskurs" eingehen. Von daher sind die dortigen Zitate schon ganz bewusst gewählt.
@ Flo
Keine Sorge, C.H., wir Historiker halten zusammen (Historians 4 Life!).
Ole! ;-)
Toller Vergleich !
Jedoch wurde SPR NICHT für den besten Film ausgezeichnet ! (Academy Award).
Diesen Oscar gewann meines Wissens nach der Film "Shakespeare in Love".
Kann mich noch gut an den verärgerten Spielberg erinnern der sich "betrogen" fühlte ;-). Aufgrund dieses unfairen Verhaltens und da ich auch der Meinung bin das TRL der bessere Film ist, konnte ich mir damals ein Lachen nicht verkneifen...
Nachdem ich mir nach meiner erneuten Sichtung von "Band of Brothers" zum ersten Mal auch "Saving Private Ryan" mit recht hohen Erwartungen anschaute, war ich doch ziemlich entsetzt, denn die vielen Lorbeeren, die der Film einheimste, hat er bis auf die ersten zwanzig Minuten nicht im geringsten verdient. Als ich anschließend eher durch Zufall auf dein Essay stieß, beschloss ich gestern, mir dann auch "The Thin Red Line" zu geben - glücklicherweise, denn dieser Film ist ein Meisterwerk ohnegleichen. Was den Kriegsfilm/Antikriegsfilm-Aspekt angeht, so stimme ich dir zu (an "SPR" hat mich gerade diese "Ich bin Soldat, ich muss nur meine Befehle befolgen und sonst nichts"-Einstellung massiv gestört); Moviepilot zufolge dürften wir auch auf der wertenden Ebene d'accord gehen, wie ich gerade feststellte.
Ps. Alles Gute nachträglich!
@ Anonym: Danke und du hast natürlich recht. Werde ich demnächst korrigieren.
@ Dr. Borstel: Herzlichen Dank für die Glückwünsche. Zu den beiden Filmen: Es hätte mich auch sehr gewundert, wenn unsere beiden Meinungen da auseinander gegangen wären... ;-)
Zuletzt beide Filme wieder gesehen, mit neuen Erkenntnissen. Inzwischen erachte ich THE THIN RED LINE weitaus weniger als Antikriegsfilm als dies früher der Fall war. Dazu bedient der Film zu viele Kriegsfilmklischees ohne diese bloßzustellen. Weshalb ich Jenny zustimmen würde, dass sich Malick mehr für die Conditio Humana interessiert, aus der der Krieg (den ja von allen Tieren auch nur die Menschen pflegen) hervorgeht. Da mir bei neuerlicher Sichtung auch die philosophischen Ansätze zu rar und rudimentär gesät waren, hat Malicks Werk auch in meiner subjektiven Rezeption an Boden verloren (ist jedoch weiterhin ein herausragender Film, nicht nur, aber gerade in seinem eigenen Genre).
Bei SAVING PRIVATE RYAN ist dies gänzlich anders. Ein grauenvoller Film, wie ihn vermutlich nur die Spielbergs und Bays dieser Welt in Szene setzen können, mit eigentlich keiner Szene, die ich in Gänze als gelungen erachten würde (schon gar nicht die Normandie-Szene). Spielberg ist seit SCHINDLER'S LIST wahrlich vollkommen in meiner Gunst gefallen.
Beiden Filmen werde ich mich, wenn auch in sehr unterschiedlicher Form, wohl/hoffentlich im Laufe der nächsten 4-8 Wochen auf meinem Blog widmen. In diesem Sinne: Historians 4 Life! :-)
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