Rezension: "Green Zone"












Bislang erwies sich der Irakkrieg als Kassengift, daran haben auch die sechs Oscars für Kathryn Bigelows „Tödliches Kommando“ nichts ändern können. Nichts desto trotz wird der von George W Bush und seinen Falken initiierte Waffengang auch in Zukunft im Kino, ob nun mit kritischer oder mit unterhaltender Intention, thematisiert werden. Paul Greengrass, Regisseur von „Die Bourne Verschwörung“ und „Das Bourne Ultimatum“ hat nun den aktuellsten Versuch unternommen, sich dem Irakkrieg auf der einen Seite sowohl kritisch, und auf der anderen Seite auch unterhaltend zu nähern. „Green Zone“, basierend auf dem preisgekrönten Tatsachenbericht Imperial Life in the Emerald City, ist somit ein Zwitter, versucht er sich doch in dem Spagat zwischen Aufklärungs- und Blockbusterkino. Mit der Verpflichtung von Matt Damon als Zugpferd von „Green Zone“ wurde sicherlich ein zweigleisiger Weg beschritten. Einerseits konnte man sich sicher sein, dass Damon und Greengrass nach „Bourne“ wunderbar miteinander harmonieren würden, andererseits drängt sich die Assoziation von Jason Bourne im Irak nicht gerade zufällig und vielleicht zu schnell auf. Wie auch in den Bourne-Abenteuern, so erhebt auch „Green Zone“ die Unwissenheit und Manipulation seines Protagonisten zum zentralen Element der Erzählung.


Bagdad im Jahr 2003: George W. Bush hat bei seinem berühmten Auftritt auf einem Flugzeugträger der US-Navy den Krieg für gewonnen erklärt: Mission Accomplished! Nun muss Amerika der Welt nur noch zeigen, wo Saddam Hussein die Massenvernichtungswaffen, der offizielle Grund für den Krieg, versteckt hat. Einer der Soldaten, die eine Antwort auf diese Frage liefern sollen, ist Captain Roy Miller (Matt Damon), der sich mit seinem Team jeden Tag aufs neue in Lebensgefahr begibt, um die versteckten Waffen ans Tageslicht zu befördern. Doch alles was er und sein Team finden, sind leerstehende Toilettenfabriken. Wir haben ein Problem mit der Aufklärung, so das Urteil des erfahrenen Soldaten, doch von solchen Dingen will Clark Poundstone (Greg Kinnear), Pentagonmitarbeiter und zuständig für die Einsetzung der neuen irakischen Übergangsregierung, nichts hören und weist Miller ab. Erst als dieser an den CIA-Agenten Martin Brown (Brendan Gleeson) gerät, ahnt Miller, dass mitnichten alle Amerikaner auf der gleichen Seite stehen. Aus dieser Ahnung wird schon am nächsten Tag Gewissheit, als Miller und sein Team mit Hilfe des Informanten „Freddy“ (Khalid Abdalla) mehrere Mitglieder von Saddams alten Eliten festsetzen können. Doch ebenso schnell wie er seinen Fang an Land gezogen hat, ist er ihn auch schon wieder los: Aus dem Nichts tauchen plötzlich Poundstone's Special Forces auf, hauen Miller eins auf die Nase, und nehmen die Gefangenen mit.


Dass das mit den Massenvernichtungswaffen im Irak nicht so ganz der Wahrheit entsprochen hat, ist nun kein großes Geheimnis mehr, noch ist es eine Neuigkeit. Wenn man also so will, dann präsentiert „Green Zone“ hier nichts alten Kaffee. Und das ist dann auch die Quintessenz, die sich aus dem Film ergibt. Als tiefschürfender Politthriller fällt „Green Zone“ ohne jeden Zweifel durch. Die fehlende Tiefe der ganzen Angelegenheit, die im Übrigen den gesamten Film durchzieht, lässt sich wohl am besten an den holzschnittartigen Charakterzeichnungen ablesen: Miller ist ein Patriot, wie er im Buche steht: Loyal, ein Idealist mit Gerechtigkeitssinn und Aufrichtigkeit. Er verkörpert das „gute Amerika“, während Poundstone das „schlechte Amerika“ verkörpern darf: Zwielichtig und durchtrieben. Negativer Höhepunkt in dieser Kackophonie der Figuren ist dann aber die Figur von Freddy, der wohl irgendwie für den typischen Iraker stehen soll, aber allein solche Sätze wie „Nennt mich Freddy!“ sagen viel über die Natur des Films aus. „Green Zone“ ist allerdings kein schlechter Film, nur scheitert er, wie so viele Filme, am Spagat zwischen Blockbuster und ernstgemeinter Intention. Akzeptiert man jedoch diese inhaltlichen Schwächen, dann vermag „Green Zone“ spielend zu unterhalten.


Matt Damon spielt seine Rolle, wie er all diese Rollen spielt: Sympathisch, dabei zupackend und energisch, verkörpert er den Idealtypus des Helden auf der Suche nach des Rätsels Lösung. Größter Pluspunkt aus darstellerischer Hinsicht ist einmal mehr Brendan Gleeson, der in seiner Rolle als abgewrackter und abgezockter CIA-Agent ein ums andere mal Akzente setzten kann. Können die Darsteller überzeugen, so gilt dies auch für die sonstige Inszenierung. Anders als Bigelow will Greengrass mit seiner Action vordergründig unterhalten. Während die Gefechte in „Tödliches Kommando“ geradezu von ihrer nervenaufreibenden Spannung leben, die das Publikum auch ein Stück weit quält, setzt „Green Zone“ auf die im Genre üblichen Effekte. Quälend sind hier höchstens die wieder einmal rasend schnellen Schnitte und Bilder der verwackelten Handkamera, von Greengrass mal wieder exzessiv eingesetzt. Das mag man bekanntlich, oder eben nicht. Immerhin aber passt es in diesem Fall zu der hektischen Atmosphäre des Straßen- und Häuserkampfs. Somit unterstreicht auch die Art und Weise, wie die Action in „Green Zone“ inszeniert ist, den Blockbustercharakter der ganzen Angelegenheit. Letztlich erweist sich „Green Zone“ somit als solide Unterhaltung, die jedoch eher die Züge eines Action- und weniger eines Polittrillers in sich trägt. - Fazit: 6 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Green Zone". © 2010 Universal

3 Kommentare:

Rene hat gesagt…

Die Story hört sich schonmal sehr interessant an. Ich denke, ich werde mir den Film im Kino ansehen.

Flo Lieb hat gesagt…

Armseliger Film mit Amy Ryan als nutzloseste Filmfigur des Jahres. *gähn*

Sky Abo hat gesagt…

Überhaupt nicht mein Fall. Der Film hat ordentlich "Vorschusslorbeeren" erhalten, ich fand ihn jedoch leider enttäuschend.

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