

Dave Lizewski (Aaron Johnson) ist ein Comicnerd und Loser. Die Mädchen an seiner Schule beachten ihn nicht, seine zwei Freunde sind ebenso nerdig wie er selbst, zu allem Überfluss werden sie alle zwei Wochen von irgendwelchen Kleinkriminellen überfallen. Und so würde es wohl ewig weitergehen, hätte sich Dave nicht eines Tages dazu entschlossen, dass mit dieser Ungerechtigkeit nun ein für alle Mal Schluss sein muss. Sprach's, besorgte sich ein Superheldenkostüm, nannte sich Kick-Ass, bewaffnete sich mit einem Schlagstock, zog in den Kampf gegen das Verbrechen – und wachte weniger später zusammengeschlagen, überfahren und mit einem Messer im Bauch im Krankenhaus wieder auf. Cool! Doch auch die zahlreichen Knochenbrüche können Dave nicht von seiner Mission abhalten. Kaum ist er wieder auf den Beinen, geht der ganze Spaß weiter. Diesmal jedoch sind Zeugen anwesend, halten die ganze Action mit ihren Handys fest, und stellen das Video bei YouTube rein. Die Gesellschaft ist begeistert, ein neuer Star geboren. Derartig euphorisiert, lässt sich Kick-Ass nicht lumpen, und tritt dem größten Gangster der Stadt, Frank D’Amico (Mark Strong), gehörig auf die Füße. Doch ist er nicht der einzige, der mit D'Amico aneinander gerät. Auch der ehemalige Polizist Damon Macready (Nicolas Cage) hat mit dem Kriminellen noch eine Rechnung zu begleichen, und rüstet zusammen mit seiner elfjährigen Tocher Mindy (Chloë Moretz) zum letzten Gefecht gegen das organisierte Verbrechen.
Seit im Vorfeld des Kinostarts die ersten Bilder einer sich durch Mafiahorden metzelnden Elfjährigen veröffentlicht worden sind, meinten Viele in „Kick-Ass“ einen neuen Hit gesehen zu haben. Auch Matthew Vaughn scheint sich ziemlich sicher gewesen zu sein, dass er bei der Adaption der gleichnamigen Comicvorlage von Mark Millar nicht mehr sonderlich viel verkehrt machen konnte. Da hat er jedoch die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn das selten so heiß gegessen wie gekocht wird, zeigt sich auch im Fall von „Kick-Ass“. Die wohl kalkulierten (angeblichen) Tabubrüche, die sich um einiges subversiver geben, als sie es eigentlich sind, scheinen für Vaughn das zentrale Element seines Films zu sein: Wenn Kinder zusammengeschlagen werden, ihrerseits töten und jeder erdenklicher Form von Gewalt fröhlich und beschwingt frönen, dann ist es bis zum Vorwurf der Gewaltverherrlichung nicht sonderlich weit. Doch letztlich lohnt es sich nicht, über den Film zu debattieren, der sich selbst zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt, und dessen Inhaltslosigkeit folglich das eigentliche Problem ist. Dabei ist „Kick-Ass“ über weite Strecken überaus gefällig geraten. Die Actionszenen machen in ihrer choreographierten Eleganz ordentlich Laune, noch dazu ist der Soundtrack überaus stimmig ausgewählt, sogar der eine oder andere One-liner will dem Film gelingen, doch ist „Kick-Ass“ eher eine lose Aneinanderreihung von gelungenen Szenen, als in sich geschlossener und stimmiger Film.
Inszeniert sich der durchaus gelungene erste Abschnitt des Films als Satire, versucht Vaughn den Film mit zunehmender Spielzeit mit einer tragischen Hintergrundgeschichte rund um Macready und Mindy emotional aufzuladen, was konsequenterweise völlig in die Hose geht. Wer sich für seine Protagonisten nur in soweit interessiert, als dass sie Mittel zum Zweck sind, um von der einen Actionszene zur nächsten springen zu können, braucht sich nicht zu wundern, wenn diese Figuren auch dem Zuschauer ziemlich wumpe sind. Wäre dieser Kritikpunkt noch zu vernachlässigen, immerhin ist gegen Vertreter des „Style over Substance“-Kinos per se nicht einzuwenden, ist es umso ärgerlicher, dass „Kick-Ass“ die dem Film zu Grunde liegende Prämisse konsequent vor die Wand fährt. Die an sich so gelungene Einleitung des Films, in der sich ein armer Irrer im Superheldenkostüm locker-flockig zu Tode stürzt, findet ihre Fortsetzung in der titelgebenden Figur Kick-Ass. Vaughn verliert seinen Held ohne Superkräfte, der ein ums andere mal ordentlich auf die Schnauze bekommt, und ein ganzes Genre so en passent parodisiert, jedoch ziemlich schnell aus den Augen. An seine Stelle treten schnell Big-Daddy und Hit-Girl. Auch sie mögen keine Superkräfte haben, doch sind sie mit ihrer Ausrüstung und den antrainierten Kampfkünsten Bruce Wayne ähnlicher als Kick-Ass. Der das Genre der Superhelden parodierende Film wird so ganz schnell selbst ein Film über Superhelden, und führt sich so selbst ad absurdum.
Folglich braucht es nicht zu verwundern, wenn Aaron Johnson überaus blass bleibt. Gerade seine wenig ausgereifte Comig of Age-Story langweilt eigentlich von A bis Z. Folglich wird ihm die Show von Chloë Moretz gestohlen, die mit ihren elf Jahren schmutzige Wörter sagen darf, und sich gekonnt durch die Handlung tötet, während ihr Filmdaddy von Nicolas Cage überaus annehmbar verkörpert wird. Wenn das kleine Töchterchen zum Geburtstag zwei mit rosa Schleifchen verpackte Butterflys geschenkt bekommt, oder es mit Papi raus zum spielen geht, um die neue Schutzweste auszuprobieren, wird Kick-Ass endlich mal zu der aberwitzigen Groteske, die der Film zu oft nicht ist. Mag „Kick-Ass“ also inhaltlich nicht so recht funktionieren, geht das Spiel mit dem popkulturellen Anspielungen und Zitaten, dass muss man dem Film zu gute halten, durchaus auf. Die Verweise auf andere Klassiker der Comic- und Filmgeschichte sind durchaus gelungen, natürlich kann es sich der Film ebenfalls nicht leisten, auf die veränderten Kommunikationsnetzwerke einer neuen Generation, WEB 2.0 lässt grüßen, anzuspielen. Man sollte den Film also nicht schlechter reden, als er eigentlich ist. Unterhaltsam? Sicher, ohne jeden Zweifel. Raffiniert? Mit Sicherheit nicht. „Kick-Ass“ ist ein Blender. Er tarnt sich als subversives Lustspiel ästhetisierter Gewalt, will jedoch gleichzeitig nicht fragen, sondern nur spielen und entlarvt sich somit selbst als ziemlich seichte Angelegenheit. Übrig bleibt ein unterhaltsamer, ansprechend gemachter Film. Immerhin. Sehen - Lachen – Vergessen – Das ist das Motto von „Kick-Ass“ - Fazit: 6,5 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Abbildungen aus "Kick-Ass". © 2010 UPI






5 Kommentare:
Klasse Film - obwohl ich eher eine Wertung von 8 gegeben hätte. Durchaus sehenswert der Film.
Ein Komplettausfall ist er nicht, da gebe ich dir recht. Dafür, dass der Film deiner Meinung nach zwar gut gemacht, inhaltlich aber langweilig ist, kommt er bei dir ja noch ganz gut weg. 6,5 ... hm, okay, das wäre dann aber auch die absolute Obergrenze dessen, was ich KICK-ASS betreffend für angemessen hielte.
An sich schon alles richtig, auch wenn er bei mir noch n bisschen besser wegkommen würde ^^
Mir hat er jedenfalls durchgehend gut gefallen und die angesprochenen Längen auf der "Gefühlsebene" habe ich jetzt gar nicht mal so negativ aufgefasst. Wär mal interessant zu wissen, in wieweit man sich da inhaltlich an das Comic gehalten hat.
Hauptsache BLIND SIDE bleibt das Meisterwerk des Jahres für dich. :)
Ich fand den jetzt nicht so überragend und somit ist die Wertung von 6,5 schon ok.
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